Das rege Treiben um die Feuerbestattung seiner Schwester und die Weihe der Burgkapelle hatte den Ahad aus der Hagburg getrieben. Mit schweren Fellen behängt war er die Küste herab in Richtung der heiligen Stadt geritten und hatte sich dann auf dem Weg letztlich an einem Abseits gelegenen Alatarschrein niedergelassen. Versunken in seine Gebete und Gedanken hatte er dann die Abendstunden alleine verbracht. Seine Schwester war indes eingezogen in die Feste des Herrn, Nileth Azhur und für den Moment blieben ihm nur Erinnerungen. Viele ihrer Eigenarten waren ihm unlieb gewesen und hatten ihm häufig viel Ärger bereitet, dennoch hatte er sie geschätzt und schließlich auch geliebt… seine kleine Schwester, Ellena.
Es war spät in der Nacht als der Ahad sich erhob und den Rückweg antrat. In der Hagburg angekommen erwartete ihn dann aber nicht der ersehnte Schlaf. Und so kam es das man noch in derselben Nacht die Hagburg mit einigem Geschimpfe in Aufruhr versetzte, schließlich noch den Marschall herbestellte und einen Befehl aufsetzte.
Hiermit ergeht ein sofortiger Haftbefehl gegen Laina Celeste, Mitglied der Hagaduner Hausgarde. Waffenmeisterin Celeste ist umgehend im Kerker der Hagburg festzusetzen.
Laina Celeste wird mitunter mangelnde Disziplin und Ungehorsam gegenüber der Schirmherrin von Düstersee, der Gemahlin von Ahad Eloriahus Drugar, Aylia Drugar vorgeworfen. Ein Strafmaß von 2 Tagen Kerkerhaft und 2 Peitschenhieben ist direkt zu vollziehen.
Unabhängig von der Order wird man spekulieren, dass sich das Strafmaß vor allem wegen Anwesenheit des Letharenvolkes während des missdienlichen Verhaltens der Waffenmeisterin so hoch bemisst. Der Ahad scheint diesbezüglich überaus verärgert.
Kaum hatte sie die Wehrburg zu Düstersee betreten, schon fielen sämtliche Blicke ihrer eigenen Garde-Kameraden äußerst skeptisch auf die junge Waffenmeisterin. Aus dem Nebenraum hörte sie Stimmen – Morgon und L'ysstzrr waren in einer Unterhaltung über die kürzlichen Vorfälle im Alatarischen Reich vertieft. Allzu lange konnte sich Laina dieser nicht widmen – wenngleich sie sich im Stillen die Finger bei dem Gedanken leckte, die Täterin, verantwortlich für den Angriff auf Faolan, in kleine Stücke zu zerhacken. „Man hat einen Haftbefehl hinsichtlich Eurer Person ausgesprochen, Laina. Und ich erwarte nichts Anderes, als dass Ihr Euch dem, in Anbetracht Eurer Loyalität, fügt“, berichtete ihr Morgon. “Natürlich, werde ich mich fügen“, antwortete die geschulte Kriegerin, konnte sich jedoch ein Grinsen nicht verkneifen; hinzufügend: “In der Hoffnung, dass sowohl Kerkermeister, als auch Peitschenhiebe mehr Mumm aufweisen werden, als so manches Weichei von gestern. Ich sehe nämlich nicht ein, einer Fremden, die nicht einmal dem Weg des Herrn folgt, mit Kleidung zu beschenken!“
Mit diesen Worten verließ sie den Besprechungsraum auch wieder, nach einer kurzen Anweisung Morgons, dass sie sich – just nach dem Strafvollzug – wieder der Jagd nach der Täterin anschließen sollte. Kaum hatte Laina die Tore des Wehrturms passiert, schon stiefelte der Kerkermeister auf sie zu. Massig von der Statur, vermutlich drei Kopflängen größer als die blonde Kämpferin selbst, breitschultrig, eine schwarzen Maske tragend, die sein Gesicht fast gänzlich verhüllte. Sämtliches Rüstzeug wurde ihr von den Wachen unsanft entnommen, ehe der bullige Kerkerwächter sie in die Keller-Folterzelle führte. “Wenn du dich nachher langweilst, mein Hübscher, hier ist sicherlich Platz für zwei“, hauchte sie dem schlecht gelaunten Hünen zu, und grinste keck, was diesen jedoch umso zorniger stimmte, und sein wuchtiger Tritt, die Kriegerin gegen die Kerkerwand stoßen ließ. “Sorgt dafür, dass das Miststück 'ne gerechte Strafe erhält“, befahlt er zwei Gardisten, die Laina untergeordnet waren, und drückte ihnen mit Dornen verzierte Peitschen in die Hände. “Diese verdammte Sorte Mensch lernt erst, wenn sie blutet; daher, seid unbarmherzig“, erging eine weitere bedingungslose Anweisung an die beiden jungen Kämpfer.
Nicht der Schmerz der kratzenden Hiebe der Dornenpeitschen an ihrem nackten Rücken ließ die junge Streiterin vor Scham niedersinken – sondern eher die Tatsache, dass sie ihren Stolz hatte ablegen müssen; zumal sie von zwei jungen Gardisten gezüchtigt wurde, die auch gut ihre Schüler hätten sein können...