- Alatner 254 Leth'Axorn
Still lag sie da und sie wusste vermutlich nicht einmal mehr, wie lange sie schon an diesem Ort lag oder wie lange es her war, dass sich ihre Muskeln bewegt hatten. Ihre Augen waren weit geöffnet und starrten penetrant die Höhlendecke an, welche sich zwar keinesfalls auf sie zubewegte, aber doch nach so vielen Stunden eine bedrängende Wirkung hatte. Langsam hob sich der hagere Arm an und die schmalen Finger winkten vor ihren Augen hin und her und sie musste sich vergewissern, dass ihr Augenlicht sie nicht enttäuschte. Kaum bewegten sich ihre Pupillen um die Fingerglieder zu verfolgen, fühlte sie sich wieder mit der Realität verbunden. Es dauerte gar keine zwei Sekunden mehr, da waren auch all die anderen Muskeln wieder bei vollem Bewusstsein. Sie streckte sich, sie reckte sich und tastete dabei mit den Fingerkuppen den Boden unter sich ab. Das Leinen, welches sich ihr Bett schimpfte, war durchtränkt von Schweiß und widerlicher Hitze, die sie auch erst nach jener Feststellung am ganzen Leib registrierte. Mit einem kräftigen Schwung erhob sich der zierliche Leib und reckte sich in voller Größe in die Höhe. Die Augen, leicht geschmälert durch diverse Schändungen, lagen relativ träge auf dem Ausgang der kleinen Einbuchtung in Leth'Axorn.
Dir zu dienen heißt den Rat der Älteren zu erhören und zu befolgen, denn aus ihnen erwächst deine Weisheit, welche du ihnen in langen Jahren zuteil kommen ließest.
Ich hatte einen Traum. Ich habe immer wieder den selben Traum und es ändert sich rein gar nichts an der Handlung. Auch sind die Bilder vollkommen gleich und jedes Geräusch, zu jeder Zeit. Ich müsste diesen Traum theoretisch nicht mehr haben, denn ich kenne ihn bereits in und auswendig ohne meine Augen zu schließen. Und doch, obwohl all das so klar ist, jede Sekunde sich so fest in meinen Kopf gebrannt hat, kann ich ihm noch nichts abgewinnen, denn da wo sich der Sinn des Traumes entscheidet, frieren meine Beine ein. All das, was bis zu diesem Moment noch so einfach schien, wurde schwer die zehn Tonnen. Jedes Mal wenn ich meine Augen schließe, dann ist mein Gedanke so deutlich und es funktioniert nicht. Wieso funktioniert es nicht?! Das Eis soll schmelzen, das Eis soll schmelzen, die Beine gehen, oh bitte bewegt euch, geht und wählt!
War das ihr Wunsch? Mich in solch eine bedrängende Situation zu führen? Sollte ich zwei Wege offenbart bekommen, wovon ich dann sowieso keinen frei wählen konnte, weil mein Geist noch nicht bereit war? Sollten ihre Lehrmethoden so sein, dann verstehe ich sie nicht, ob es nun die Naivität ist oder einfach die Tatsache, dass es mir zu lange dauert und meine Geduld sich dem Ende neigt. Jedoch bewegt mich nichts zum Umkehren, denn einzig und alleine der Willen des Allmächtigen und meine Glaube an jenen, sorgt dafür, dass die Ungeduld sich irgendwann im Nichts verläuft.
Dir zu dienen heißt sich im Kampfe zu schulen, denn jene unbelehrbaren Ketzer werden zur Ankunft deines Reiches auf Erden gerichtet werden.
Eiligen Schrittes rannte sie durch die dunklen Gänge der Unterkunft. In ihren Händen lag jeweils ein Sack, anscheinend mit schwerem Inhalt gefüllt. Die Treppen der Gemäuer nahm die Lethra recht schwerfällig und ab und an, bei ein paar Stufen, knickten ihre Beine ein und ihre Knie ruhten sich auf der nächst kommenden Stufe aus. Zeitgleich zerfetzte der nicht geschliffene Stein die erste Schicht ihrer ledernen Hosen. Doch das machte der recht hageren Gestalt nichts, denn ihr Ziel hatte sie weiterhin vor Augen und an Aufgeben wurde gar nicht gedacht. So hallten die schnellen Schritte durch Leth'Axorn, welches dadurch mit Leben gefüllt wurde, war es doch sonst recht ruhig im stickigen Untergrund der blauen Wesen Alatars. Einen kurze Eingebung lenkte sie vom Rest der Welt ab, ihre Beine verloren den Halt und der dürre Körper rollte über den staubigen und mittlerweile hitzigen Erdboden. Die schweren Säcke an ihren Händen zogen sie noch einige Meter durch den Dreck, waren sie doch mit Lederschnüren an den Handgelenken befestigt. Es war so unerträglich heiß, penetrant und nicht umgänglich. Und trotzdem wollte sich ihr Kopf nicht aus der staubigen Pfütze Sand erheben.
Dir zu dienen heißt sich völlig aufzugeben, denn nur in Nileth Azhur an deiner Seite können wir zur absoluten Vollkommenheit finden.
Meine Beine waren wieder eingefroren und ich konnte mich nicht regen. Doch irgendwas drang an mein Ohr. Ich konnte es nicht genau verstehen, jedoch war es ein Laut der mich lockte wie Haie das Blut. Mein Kopf zuckte herum und meine Augen rissen sich so weit auf, als könnte ich die Gier nicht länger unterdrücken. Denn war mir doch unterbewusst bereits vollkommen klar welchen Weg ich zu gehen habe. Genau. Das Eis zersprang und der nächste Schritt folgte in die Richtung der Stimmen. Aus Verlangen wurde größere Gier und aus größerer Gier wurden schneller Schritte. Ich streckte die rechte Hand aus und griff in die düstere, neblige Schattenwand. Es war nichts da, was ich hätte greifen können und doch griff alles nach mir, zog mich regelrecht hinein in die dunkle Schwärze. Ich sah nichts, ich fühlte nichts und doch wusste ich zu diesem Moment genau, das ist der Ort, an dem ich hingehöre, dass ist der Weg, den ich immer gehen sollte. Jetzt, wo ich das Ziel und zeitgleich den Anfang erreicht habe, vernahm ich auch die Laute genauer, die immer so oft whispernd an mein Ohr drangen:
„Qis'arx...“
Das mit Dreck besudelte Gesicht hebte sich aus der dunklen Asche und die schmalen Augen klebten sich auf die befüllten Säcke, welche fast vollkommen von der Lava eingenommen wurden. Mit einem geschickten Ruck sprang Qis in die Höhe und die restliche Masse der Gewichte schleuderte sie gegen die Felswand, wo es abperlte und in die hitzige Substanz sank. Ihr Gesicht war mit einem vollkommenen fremdartigen Ausdruck geschmückt. Den nächsten Schritt tat sie mit einem anderen Bewusstsein. Das Leben der Lethra hatte sich mit einem Mal in eine andere Richtung verschoben.
Die Wende
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Qis´arx
Die Wende
Zuletzt geändert von Qis´arx am Sonntag 18. März 2012, 14:39, insgesamt 3-mal geändert.
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Qis´arx
- Schweißgebadet fuhr der fragile Leib der Lethra in die Höhe, die Augen waren so weit aufgerissen, dass man um jede einzelne Ader in ihrem Auge hätte bangen müssen. Ihre Unterlippe war aufgeschorft, zerbissen von den weißen Zähnen der düsteren Gestalt und ein letzter Bluttropfen floss über ihr Kinn und verließ es an der Spitze, um dann auf die dunkle Robe zu tropfen und sich mit dem blutigen Rot zu verschmelzen. Ihre Wangen hatten einen dunklere Farbe angenommen und auch ihre Atmung wirkte an diesem Morgen recht schwerfällig, schwach. Und so schwach wie der Leib sich gab, so schwach waren auch die Muskeln, welche sich dann langsam regten und ihre Arme mit Mühe und Not in die Höhe hievten. Die Fingerkuppen fuhren suchend über ihr Gesicht, kneteten hier und dort die Haut und kniffen sogar einmal fest hinein, als wolle sie sich sicher sein, dass sie sich nun in der Realität befindet. Nach dieser ganzen Prozedur fielen ihre Arme wieder herab wie schwere Säcke, gaben einen dumpfen Knall von sich, als sie den Boden wieder berührten und dachten dann auch gar nicht mehr daran, sich irgendwie zu bewegen. Die Augen, die mittlerweile schon wieder zur Hälfte zugefallen waren, starrten nun eher abwesend in Richtung Steinwand.
Ein Traum, ein Traum, ein Traum. Redete ich mir ein, als meine Augen auf der heißen Lava klebten, welche sich vor mit den Weg durch die Unterkunft schlängelte. Es konnte nur ein Traum sein und doch fühlte sich die Hitze so realistisch an, dass ich trotz meiner penetranten Einredungsversuche selbst nicht mehr daran glaubte. Mein Kopf drehte sich langsam und ich starrte in die Richtung des Letharfen, welchen Gesicht ich eigentlich nicht kannte und doch war es vorhanden. Jemals beschreiben könnte ich es nicht, denn war es genauso verschwommen wie scharf. Er bewegte seine Lippen, er sprach zu mir und an mein Ohr gelang kein einziges Wort. Zusätzlich folgten harsche Gesten in die Richtung vom Bündel, welches vor ihm auf den Boden lag. Ich fühlte wie mein Herz schneller schlug und sich ein Knoten in meinen Hals setzte. Die abartige Stille, die in jenem Moment in meinem Kopf vorhanden war, machte mich zusätzlich verrückt und ich sah keinerlei Möglichkeit zu ihr entkommen.
„Geh.“
Hallte es dann durch meinen Kopf und ich wusste es war nicht die Stimme des Mannes, welchen ich zeitgleich noch immer anstarrte. Ich wollte jedoch nicht gehen, ich wollte nicht gehorchen, ich gehorche immer, dachte ich mir, wieso also nicht einmal stehen bleiben. Ruckartig zuckte mein Körper vor, als hätte mich wer geschubst und doch war niemand da, der es hätte tun können. Es war ein seltsamer Schmerz, der meinen Leib durchfuhr und mich dazu zwang weiter zu gehen, auf den Meister zu.
„Sei nicht schwach, Qis'arx. Geh!“
Meine Beine zogen sich schwer durch den Dreck, immer geradeaus und bei jedem Schritt wurde der Klumpen im Hals dicker, die Atmung schwerer und die Hitze nicht mehr erträglich. Mein Gesicht, meine Muskeln, sie versagten, ließen jegliche Maske fallen und gaben der Qual freien lauf. Der Letharf beugte sich herab, griff das Bündel, befreite es von Stoff und streckte es in meine Richtung. Die blaugrünen, verquollenen Kinderaugen starrten panisch in meine Richtung und gewannen zeitgleich an Halt. Sie wurden weicher und die Hoffnung in dem jungen, unberührten Gesicht, gewann immer mehr Freiraum. Und ich wusste, ohne lange zu überlegen, dass ich jegliche Hoffnungsvorstellungen nicht befriedigen konnte.
„Riah! Riah! Ich glaube er kann mich nicht gut leiden, bitte hilf mir! Bitte, ja? Du bist doch meine Schwester, Schwestern helfen einander!“
Ich merkte wie meine Unterlippe langsam zu vibrieren begann. Ich konnte ihr nicht antworten, ich schaffte es kaum sie länger als einige Sekunden anzublicken. Nicht einmal ein Lächeln hatte ich für sie übrig. Was sich allerdings nun zu der Qual gesellte war die Verachtung, mit welcher in den Meister meines Traumes anstarrte. Was wollte er von ihr, sie war mein Weg zum Vater, sie ist mein Projekt! Und ich musste mich nicht mehr lange mit diesen Fragen quälen, denn nun verstand ich was er zu mir sagte. Ob das an der Distanz lag oder einfach daran, dass ich es nun verstehen wollte, war mir nicht ganz bewusst, aber das war auch egal.
„Wirf sie hinein und beweise dich, schalte Gefühle ab, sie machen dich schwach. Los jetzt, Qis'arx, sonst wirst du mit ihr gehen!“
Das Mädchen verstand die Welt nicht mehr, verstand sie zum einen kein einziges Wort was der Mann sprach und zum anderen verwirrte sie vermutlich mein Gesicht, was in sich zusammen fiel und vollkommen zurück in Qual sank. Ich fand nicht einmal Worte, hatte nicht einmal den Mut zu diskutieren. Ich fand keine Worte, ich wusste nicht was zu sagen ist und ich dachte wirklich, dass es solch Momente nicht gibt. Und dann fühlte ich, wie er ihren Leib in meine Arme drückte, wie sie sich an mich drückte und ihren Kopf in meine Brust presste, die Tränen sich über meine Kleidung verteilten. Ich verstand nicht mehr was sie sagte, jedoch wusste ich das sie flehte. Und dann war alles um mich herum wie weggeblasen. Ich stand da, mit dem Kind in der Hand, der Lavagrube vor mir und alles andere war weg. Der Meister, die Höhle, es waren nur noch das Bad des Todes und wir zwei. Und wieder fiel ich in jene Starre, die keine Bewegung zuließ, außer die, dass meine Hände sich etwas enger ums Kind krallten, jedoch nicht so, als würde ich es jemals abstoßen, eher so, als wäre es zerquetscht an meinem Leib sicherer als nur einen Zentimeter von diesem weg.
Ihre Lippen formten lautlose Worte, eine späte Reaktion auf die Kopfqualen der Nacht oder aber ein stilles Gebet, welches sie im Fieberwahn vor sich her schwafelte. Denn so verweilte der letharische Körper, sicherlich einige Stunden, und als sie ihre Schritte endlich aus den Schlafbereich führten, war die Sonne bereits weit am Himmel empor gestiegen.
Zuletzt geändert von Qis´arx am Sonntag 18. März 2012, 14:40, insgesamt 1-mal geändert.
- Ceylin'Tyrs
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Perfektion.
Lebenslanges streben nach Perfektion.
Gebetsmühlenartig rief sie das ihren Geschwistern immer wieder ins Gedächtnis. Auch wenn allein der Vater wahre Perfektion erlangen konnte, durfte keiner von ihnen je in seinem Streben nachlassen. Es darf keinen Stillstand geben. Doch was war mit ihr selbst? Hatte sie in ihrem Steben nachgelassen? War sie satt? Loderte das Feuer noch genau so stark in ihr, wie vor wenigen Jahren, als sie noch eine kleine, unbedeutende Lethra war und sich Tag für Tag den Respekt der Geschwister erarbeiten musste. Damals brannte sie darauf sich zu beweisen, all das zu lernen, wodurch sie eine bessere Lethra werden sollte. Manch einer hatte es ihr nicht zugetraut, hatte sie gedemütigt und immer wieder auf die Schwäche ihres Geschlechts hingewiesen. Doch gerade diesem Umstand, dass niemand groß Hoffnung in sie setzte, war es zu verdanken, dass ihr Ehrgeiz immer wieder von neuem entfacht wurde und sie zu Hochleistungen antrieb.
Doch was war heute? Fest stand, sie hatte alles erreicht, wozu eine Lethra je imstande sein konnte. In diesem Leben würde sie selbst nicht mehr zu höheren Ehren aufsteigen können. Sie diente dem Vater bereits mit jeder Faser ihres Körpers. Es konnte keine Steigerung geben, doch auch Stillstand war nicht akzeptabel.
Mit kurzen, gleichmäßigen Schritten ging sie zwischen den Bankreihen hin und her. Einem Raubtier gleich, das auf der Pirsch ist und nur darauf wartet, sich auf sein Opfer zu stürzen. Das schabende Geräusch von Federkielen auf Pergament war ein vertrauter Klang, leitete sie doch bereits seit vielen Jahren die Ausbildung der Priesteranwärter. Emsig schrieben ihre Geschwister und wenn man ihnen so zusah, könnte man meinen, hier wüchse die nächste Generation Templer heran. Doch Ceylin wusste es besser. Von den vielen Letharen, die auch dieses mal wieder ihr Leben in den Dienst des Tempels stellen wollten, würde wieder einmal niemand übrig bleiben. Sie alle würden abermals kläglich versagen und voller Schande dem Tempel den Rücken kehren. Seit rund zwei Jahren hatte es kein Lethar geschafft ihren Ansprüchen zu genügen und sie ging nicht davon aus, dass es bei diesem Schwung Neuankömmlinge anders sein würde. Ihnen fehlte etwas, dass sie selbst damals besaß und was ihr half noch so große Hürden zu nehmen. Doch hatte sie es immer noch? Konnte sie nach wie vor dieses leidenschaftliche Feuer in sich entfachen? Nach außen hin ließ sie es sich nie anmerken, doch insgeheim befürchtete sie stets, die Letharfen würden in ihr die Lethra sehen und nicht die Hohepriesterin, würden die schwäche ihres Geschlechts erkennen und ihr den gebotenen Respekt verweigern. Sie war voller Zweifel. Doch sie wäre auch nicht so weit gekommen, wenn sie nicht gewusst hätte, wie man mit solchen Zweifeln umzugehen hat. Solange man sie für unberechenbar hielt, würde keiner diesen Zweifel in ihr erkennen - das hoffte sie jedenfalls. Und so war ihr auch das Mittel der Willkür durchaus recht, half es doch auf der einen Seite ihr selbst, ihren Stand an der Spitze des Volkes zu behaupten, andererseits aber auch ihren Geschwistern, durch Demütigung und Hass ihren Weg zum Allmächtigen zu finden.
Langsam drehte sie sich einmal um die eigene Achse und sah sich in der geräumigen Höhle um, die der Priesterschaft als Unterrichtsraum diente. Ein halbes Dutzend Geschwister war emsig damit beschäftigt, eine Abhandlung zum Thema 'Umgang mit Gebrechlichen und Zurückgebliebenen' zu verfassen. Sie standen gehörig unter Druck. Ceylin würde höchstens einem unter ihnen erlauben, ein vollständiges Mitglied des Tempels zu werden. Somit standen sie alle in direkter Konkurrenz zueinander. Dass die Hohepriesterin sie dabei wie ein Schießhund beobachte, trug vermutlich nicht dazu bei, dass sie weniger nervös waren.
Da war Zvvr'khal. Für einen Letharfen war er eher schwach gebaut. Vermutlich hatte man ihm die Ausbildung zum Lethrixor verweigert und nun suchte er seine Bestimmung im Tempel. Sie hatte wenig Hoffnung, dass er je über die erste Stufe hinauskommen würde.
Da war Vendes'zaryl. Sie wiederum hätte vermutlich eine hervorragende Lethraxiae abgegeben. Für eine Lethra wies sie einen beachtlich athletischen Körperbau auf und Ihre Arme waren kräftiger als die mancher Letharfen. Die Voraussetzungen waren ideal und doch hatte sie sich für den Tempel entschieden. Sie könnte es vielleicht schaffen und wenn nicht, würde Ceylin sie in die Obhut eines älteren Lethrixoren geben.
Da war Qis'arx. Auf den ersten Blick schien ihr alles zu fehlen, was man von einer Templerin erwarten konnte. Selbst für eine Lethra war sie klein gewachsen und von schmächtiger Gestalt. Die Waffen an ihrem Gurt machten auf Ceylin stets den Anschein, als hingen sie dort zu dekorativen Zwecken und nicht, weil Qis'arx sie tatsächlich auch benutzen konnte. Doch immerhin hatte sie es bis hier her geschafft, mit Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen. Mit einer Geradlinigkeit die beeindruckend, ja fast ein wenig zu perfekt erschien. Gerade bei jungen Priestern bestand immer die Gefahr, dass sie sich zu schnell mit dem Erreichten zufrieden gaben und in Selbstverherrlichung versanken. Doch auch hier wusste Ceylin im richtigen Moment zu intervenieren. Die gebrochene Nase in Qis'arx Gesicht war gut verheilt. Vielleicht würde Ceylin sie noch ein weiteres mal zertrümmern müssen, damit die Lethra sich ihrer Unvollkommenheit bewusst wurde. Doch für die bevorstehende Demonstration war Qis'arx nicht geeignet.Dafür brauchte sie jemand anders.
Xir'quslr musste sich vermutlich arg konzentrieren, dass er den Federkiel nicht zwischen Daumen und Zeigefinger zerbrach. Sein Körper war beeindruckend, mit Oberarmen so dick wie Ceylins Oberschenkel. Fäuste so gewaltig, sie könnten eine Kehle ohne Mühe zerdrücken. Eine ungeahnte Agilität, die ihn zu einem unberechenbaren Gegner machte. Wäre da nicht - ja wäre da nicht sein mangelnder Intellekt. Was man bei einem Lethrixor verschmerzen konnte, war für einen angehenden Templer nicht akzeptabel. Dessen Waffen sollten die Zunge und die Klinge gleichermaßen sein. Ein Ungleichgewicht der Kräfte war selten von Erfolg gekrönt.
Für ihre jetzige Demonstration war Xir'quslr aber mehr als geeignet. Er würde allen vor Augen führen, dass mit ihr nicht zu Scherzen war und sie immer noch das Zepter in der Hand hielt. Sie würden ihre Anstrengungen verdoppeln und möglicherweise war wirklich einer unter ihnen, der es wert war, von ihr ausgebildet zu werden.
Sie würde darauf achten, dass Xir'quslrs Körper nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Schließlich konnte er immer noch einen hervorranden Lethrixoren abgeben.
"Was hast du dir dabei gedacht? Das kann nicht dein ernst sein?!"
"Erhabene, was meint ihr?"
"Willst du mich für dumm verkaufen? Ich dachte ich hätte mich klar und verständlich ausgedrückt, was eure Aufgabe ist!"
"Erhabene, ich habe doch noch gar nicht zu Ende geschrieben."
"Willst du nun auch noch anfangen mit mir zu diskutieren?"
"Ich hatte wirklich nicht die Absicht, aber, ihr müsst verstehen, ich bin noch nicht fertig mit..."
"Du willst nun wirklich auch noch darüber diskutieren. Möchtest du mich zum Narren halten?"
Ihre Stimme schwoll bereits bedrohlich an. Die anderen Schüler taten, als bekämen sie von alldem nichts mit. Es spielte auch keine Rolle - jeder Lethar kannte die Regeln. Und sollte Xir'quslr auf die Idee kommen, zurück schlagen zu wollen, wären sie einen Konkurrenten los.
Lebenslanges streben nach Perfektion.
Gebetsmühlenartig rief sie das ihren Geschwistern immer wieder ins Gedächtnis. Auch wenn allein der Vater wahre Perfektion erlangen konnte, durfte keiner von ihnen je in seinem Streben nachlassen. Es darf keinen Stillstand geben. Doch was war mit ihr selbst? Hatte sie in ihrem Steben nachgelassen? War sie satt? Loderte das Feuer noch genau so stark in ihr, wie vor wenigen Jahren, als sie noch eine kleine, unbedeutende Lethra war und sich Tag für Tag den Respekt der Geschwister erarbeiten musste. Damals brannte sie darauf sich zu beweisen, all das zu lernen, wodurch sie eine bessere Lethra werden sollte. Manch einer hatte es ihr nicht zugetraut, hatte sie gedemütigt und immer wieder auf die Schwäche ihres Geschlechts hingewiesen. Doch gerade diesem Umstand, dass niemand groß Hoffnung in sie setzte, war es zu verdanken, dass ihr Ehrgeiz immer wieder von neuem entfacht wurde und sie zu Hochleistungen antrieb.
Doch was war heute? Fest stand, sie hatte alles erreicht, wozu eine Lethra je imstande sein konnte. In diesem Leben würde sie selbst nicht mehr zu höheren Ehren aufsteigen können. Sie diente dem Vater bereits mit jeder Faser ihres Körpers. Es konnte keine Steigerung geben, doch auch Stillstand war nicht akzeptabel.
Mit kurzen, gleichmäßigen Schritten ging sie zwischen den Bankreihen hin und her. Einem Raubtier gleich, das auf der Pirsch ist und nur darauf wartet, sich auf sein Opfer zu stürzen. Das schabende Geräusch von Federkielen auf Pergament war ein vertrauter Klang, leitete sie doch bereits seit vielen Jahren die Ausbildung der Priesteranwärter. Emsig schrieben ihre Geschwister und wenn man ihnen so zusah, könnte man meinen, hier wüchse die nächste Generation Templer heran. Doch Ceylin wusste es besser. Von den vielen Letharen, die auch dieses mal wieder ihr Leben in den Dienst des Tempels stellen wollten, würde wieder einmal niemand übrig bleiben. Sie alle würden abermals kläglich versagen und voller Schande dem Tempel den Rücken kehren. Seit rund zwei Jahren hatte es kein Lethar geschafft ihren Ansprüchen zu genügen und sie ging nicht davon aus, dass es bei diesem Schwung Neuankömmlinge anders sein würde. Ihnen fehlte etwas, dass sie selbst damals besaß und was ihr half noch so große Hürden zu nehmen. Doch hatte sie es immer noch? Konnte sie nach wie vor dieses leidenschaftliche Feuer in sich entfachen? Nach außen hin ließ sie es sich nie anmerken, doch insgeheim befürchtete sie stets, die Letharfen würden in ihr die Lethra sehen und nicht die Hohepriesterin, würden die schwäche ihres Geschlechts erkennen und ihr den gebotenen Respekt verweigern. Sie war voller Zweifel. Doch sie wäre auch nicht so weit gekommen, wenn sie nicht gewusst hätte, wie man mit solchen Zweifeln umzugehen hat. Solange man sie für unberechenbar hielt, würde keiner diesen Zweifel in ihr erkennen - das hoffte sie jedenfalls. Und so war ihr auch das Mittel der Willkür durchaus recht, half es doch auf der einen Seite ihr selbst, ihren Stand an der Spitze des Volkes zu behaupten, andererseits aber auch ihren Geschwistern, durch Demütigung und Hass ihren Weg zum Allmächtigen zu finden.
Langsam drehte sie sich einmal um die eigene Achse und sah sich in der geräumigen Höhle um, die der Priesterschaft als Unterrichtsraum diente. Ein halbes Dutzend Geschwister war emsig damit beschäftigt, eine Abhandlung zum Thema 'Umgang mit Gebrechlichen und Zurückgebliebenen' zu verfassen. Sie standen gehörig unter Druck. Ceylin würde höchstens einem unter ihnen erlauben, ein vollständiges Mitglied des Tempels zu werden. Somit standen sie alle in direkter Konkurrenz zueinander. Dass die Hohepriesterin sie dabei wie ein Schießhund beobachte, trug vermutlich nicht dazu bei, dass sie weniger nervös waren.
Da war Zvvr'khal. Für einen Letharfen war er eher schwach gebaut. Vermutlich hatte man ihm die Ausbildung zum Lethrixor verweigert und nun suchte er seine Bestimmung im Tempel. Sie hatte wenig Hoffnung, dass er je über die erste Stufe hinauskommen würde.
Da war Vendes'zaryl. Sie wiederum hätte vermutlich eine hervorragende Lethraxiae abgegeben. Für eine Lethra wies sie einen beachtlich athletischen Körperbau auf und Ihre Arme waren kräftiger als die mancher Letharfen. Die Voraussetzungen waren ideal und doch hatte sie sich für den Tempel entschieden. Sie könnte es vielleicht schaffen und wenn nicht, würde Ceylin sie in die Obhut eines älteren Lethrixoren geben.
Da war Qis'arx. Auf den ersten Blick schien ihr alles zu fehlen, was man von einer Templerin erwarten konnte. Selbst für eine Lethra war sie klein gewachsen und von schmächtiger Gestalt. Die Waffen an ihrem Gurt machten auf Ceylin stets den Anschein, als hingen sie dort zu dekorativen Zwecken und nicht, weil Qis'arx sie tatsächlich auch benutzen konnte. Doch immerhin hatte sie es bis hier her geschafft, mit Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen. Mit einer Geradlinigkeit die beeindruckend, ja fast ein wenig zu perfekt erschien. Gerade bei jungen Priestern bestand immer die Gefahr, dass sie sich zu schnell mit dem Erreichten zufrieden gaben und in Selbstverherrlichung versanken. Doch auch hier wusste Ceylin im richtigen Moment zu intervenieren. Die gebrochene Nase in Qis'arx Gesicht war gut verheilt. Vielleicht würde Ceylin sie noch ein weiteres mal zertrümmern müssen, damit die Lethra sich ihrer Unvollkommenheit bewusst wurde. Doch für die bevorstehende Demonstration war Qis'arx nicht geeignet.Dafür brauchte sie jemand anders.
Xir'quslr musste sich vermutlich arg konzentrieren, dass er den Federkiel nicht zwischen Daumen und Zeigefinger zerbrach. Sein Körper war beeindruckend, mit Oberarmen so dick wie Ceylins Oberschenkel. Fäuste so gewaltig, sie könnten eine Kehle ohne Mühe zerdrücken. Eine ungeahnte Agilität, die ihn zu einem unberechenbaren Gegner machte. Wäre da nicht - ja wäre da nicht sein mangelnder Intellekt. Was man bei einem Lethrixor verschmerzen konnte, war für einen angehenden Templer nicht akzeptabel. Dessen Waffen sollten die Zunge und die Klinge gleichermaßen sein. Ein Ungleichgewicht der Kräfte war selten von Erfolg gekrönt.
Für ihre jetzige Demonstration war Xir'quslr aber mehr als geeignet. Er würde allen vor Augen führen, dass mit ihr nicht zu Scherzen war und sie immer noch das Zepter in der Hand hielt. Sie würden ihre Anstrengungen verdoppeln und möglicherweise war wirklich einer unter ihnen, der es wert war, von ihr ausgebildet zu werden.
Sie würde darauf achten, dass Xir'quslrs Körper nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Schließlich konnte er immer noch einen hervorranden Lethrixoren abgeben.
"Was hast du dir dabei gedacht? Das kann nicht dein ernst sein?!"
"Erhabene, was meint ihr?"
"Willst du mich für dumm verkaufen? Ich dachte ich hätte mich klar und verständlich ausgedrückt, was eure Aufgabe ist!"
"Erhabene, ich habe doch noch gar nicht zu Ende geschrieben."
"Willst du nun auch noch anfangen mit mir zu diskutieren?"
"Ich hatte wirklich nicht die Absicht, aber, ihr müsst verstehen, ich bin noch nicht fertig mit..."
"Du willst nun wirklich auch noch darüber diskutieren. Möchtest du mich zum Narren halten?"
Ihre Stimme schwoll bereits bedrohlich an. Die anderen Schüler taten, als bekämen sie von alldem nichts mit. Es spielte auch keine Rolle - jeder Lethar kannte die Regeln. Und sollte Xir'quslr auf die Idee kommen, zurück schlagen zu wollen, wären sie einen Konkurrenten los.
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Kar´xentryal
Kar’xentryal… Lethyr und Letharf, eine Mischung die es verlangt führen zu können. Eine Mischung die viele Augen auf das Verhalten des Letharfen richten… eine Mischung die viel Konkurrenz bedeutet.
Die Lethyr, beschenkte Kinder des wahren Gottes, gestrafte Söhne eines Volkes.
Die Lethyr besaßen die höchste Gabe die Alatar seinen Kindern schenkte, die Gabe das Lied zu verändern, es für Vaters Endsieg vorzubereiten. Sie waren in der Lage mit Vater zu sprechen, Vaters Stimme zu hören. Eine Gabe die Menschen und schwache Letharen verrückt werden ließe. Im Vergleich zu der ohnehin schon grässlichen Sprache der Letharen war es wie der Berg, der einem den Weg ins nächste Tal versperrte. Ein Fluch und ein Segen zugleich, wunderschön war sie zu hören, grausam sich ihr beugen zu müssen.
Vater verlangt Perfektion! Er duldet kein Versagen, kein nachgeben… keine Gnade!
Und doch verlangte die Stimme immer wieder; Meine Gabe zu nutzen bedeutet zu entscheiden, entscheide dich für deinen Vater, für dein Volk! Doch wie war es zu verstehen? Kar’s Antwort darauf war einfach - nutze Vaters Gabe nie gegen Vaters Volk.
Doch wie sollte Kar sich jemals durchsetzen, wie sollte Kar seine Position festigen, seinen Respekt einfordern? Diese Frage beschäftigte Kar heute Nacht stärker als je zuvor. Eine Runenlose, eine Lethoryxae Akolyth hatte Kar mit einer Respektlosigkeit angefaucht als sei er ein unbedeutender Letharf. Kar wagte es nicht, hielt seine Wut, den Hass und den Zorn zurück. Kar wagte es nicht seine Fassung zu verlieren, er sah es als Prüfung.
Diese war es auch, doch Kar hat erneut den falschen Weg gewählt. Ein Weg der milde und geradezu gnädig war. Ein Weg dem Kar in dieser Nacht abschwor, Vater verlangte vieles, doch nun war die Zeit gekommen in der Kar den Willen Vaters ebenso prüfen würde.
Kar verließ seine Höhle zu einer Zeit in der es üblich war das ruhe im Axorn einkehrte und die Letharen sich für ihre Ruhe oder Arbeiten zurückzogen. Diese Stille im Nest war erdrückend, die Stimmen Vaters wurden lauter, Kar war lange nicht in der Lage sie klar zu hören, sie wirklich zu deuten… doch wurde es ihm in dieser Nacht das erste Mal bewusst:
[URL=http://www.directupload.net][img]http://s1.directupload.net/images/111220/vnb8448a.jpg[/img][/URL]
Der Hass, welcher in dieser Nacht in dem Lethyr Akolyth wuchs war gewaltig. Kar hatte auf die Rune der Junglethyr verzichtet, Kar wollte sie nicht nur einfach so bekommen, die Prüfung war erfolgreich bestanden und doch erschien es Kar nicht genug. Kar ging zum Lethyrturm um die Junglethyr zu suchen welche vor wenigen Stundenläufen noch ihren Unterricht im Turm genossen. Viele waren gegangen, der Meister, die Lethyr und Erzlethyren, nur einige Akolyth und Junglethyren waren noch im Turm um die Schriften zu studieren.
Kar machte sich nicht einmal mühe sein von Gefühlen zerfressenes Gesicht zu verbergen, die Brauen wirkten angestrengt, geradezu als würde Kar doch an einer Stelle mit sich selbst ringen, die Zähne offenbarten ihre Spitzen, ein seltsames Grinsen das sich bildete als wenn der Lethyr verrückt geworden wäre.
Da war einer jener Junglethyr die schon vor Kar im Nest ankamen, ein Junglethyr der sehr darauf achtete das die Hierarchie der Runen eingehalten wurde. Ein Lethyr der vermutlich schon viel mehr Macht als Kar erlangte, ein Lethyr dessen Name Kar nicht einmal kannte. Das einzige was Kar in diesem Moment wissen musste war die Tatsache dass der Lethyr sich einmischen würde, wenn Kar einen Junglethyr belehren würde.
So geschah es, Kar fauchte einen der lernenden Junglethyr geradezu an. Das Lernen aus dem Buch sei uneffektiv, nicht der Weg den Vater für uns – doch den Satz konnte Kar nicht einmal zu Ende sprechen.
Der Junglethyr mit seltsam abgerundeten Ohrenspitzen unterbrach Kar mit einem Schlag, eine Herausforderung die nicht von Kar kam, die Gelegenheit die Kar ersuchte und fand. Der Akolyth und der Junglethyr fanden sich schon einen Moment später auf der Spitze des Lethyrturmes wieder, ein Bannkreis befand sich dort um die noch schwach kontrollierte Magie der Lethyr im Zaume zu halten.
Die erdrückende Stille ruhte noch immer im Axorn, dem Nest, der neuen Heimat des Lethyr. Die Präsenz des Panthers wurde stärker, trotz der Tatsache dass sie Beide nur kleine Lichter in der Rangfolge der Lethyr und dem Nest waren, schien es Alatar zumindest ein wenig zu interessieren. Zwei Lethyr die Alatars Gabe gegeneinander wenden würden, Lethyr die ihren Weg gerade begonnen hatten und mit geringer Macht sich gegeneinander messen wollten. Letharfen welche von den Runen des Volkes gezeichnet waren und doch trennte die Beiden die Junglethyrrune. Schaulustige Akolyth hatten sich eingefunden um dem Kampf, wie in einem Käfig des Bannkreises beizuwohnen.
Ein Fauchen erklang, Kar musste sich nun nicht mehr beherrschen. Die Tatsache das ein Junglethyr ihn niederschmettern wollte genügte als Grund für die mangelnde Beherrschung. Und doch war es gewagt, Kar hatte außerhalb des Turmes einen niederen Rang als der Junglethyr und doch war ihr Rang innerhalb des Turmes der selbe.
Der Kampf entbrannte, Vaters Gabe wandte sich gegen einen beschenkten dieser Gabe. Vaters beschenkte Lethyr kämpften, sie wollten ihre Kräfte messen, ihre Gunst bei ihrem Vater ergründen. Feuer, Wasser, Luft und Erde, Elemente die sich innerhalb des Bannkreises einen Kampf um die Vorherrschaft eines Kontrahenten lieferten. Hass und Zorn der nicht nachgab, nicht schwand… er wuchs und schwellte die Adern der Lethyr bedrohlich an. Energiestöße und Feuer schwalle schossen durch den Bannkreis als würden sich die Lethyr gegenseitig bei lebendigem Leib verbrennen. Staub und Geröll, welches die Lichtblitze und Funkenflüge unterbrachen und beendeten nahmen immer mehr die Überhand, Wasser das diese Schutzschilde schwächen würde ergoss sich über die Lethyr, Blut vermischt mit Dreck und Wasser rannte den Lethyr im Gesicht herab. Feuer Wasser Luft und die Erde fanden ihren Ausgleich inmitten des Bannkreises, schließlich wurde er dafür geschaffen, die Mächte der Lethyr waren hier unnütz, verschenkte Kraft. Kar schien das als erstes zu begreifen, aus seinem Schutz entbrochen stürmte er auf seinen Kontrahenten zu, die Faust geballt schien es nur der Optik wegen noch einen fluoreszierenden Schweif hinter sich herzuziehen. Eine Faust die durch den schlammigen Panzer schlug, direkt in das Gesicht des Junglethyr.
Der Bannkreis erledigte den Rest, es brauchte die gesammelte Konzentration aller Anwesenden, doch wurden die Spuren des Kampfes beseitigt bevor ein Erzlethyr oder gar der Meister davon etwas mitbekamen. Es glich einem Ritual wie man es von anderen Gruppierungen kannte, viele Niedere Standen im Kreis und konzentrierten sich darauf das Gleichgewicht wieder herzustellen. Sie nutzen Vaters Gabe, Vaters Geschenk, Alatars Macht. Als der Bannkreis, geschaffen von den Mächtigsten der Lethyr seine Aufgabe erfüllt hatte, erschien ein Schatten. So wie man sie von den Panthern kannte welche schon häufiger beobachtet wurden, wenn Letharen um den Beistand ihres Vaters suchten. Schattengestalten die nicht greifbar scheinen und doch so real wirken das man geradezu Angst vor ihnen bekommen könnte. Der Panther tat nichts weiter, er starrte einfach nur die Lethyr der Reihe nach an. Es schien als würde der Panther sich die Gesichter merken, jener die an diesem Abend gesehen haben das ein jeder Lethyr seinen rechtmäßigen Platz zu verteidigen und zu fordern hat.
Die Amethystfarbenen Augen des Lethyr Kar’xentryal waren noch immer Blutunterlaufen, nur die seltsam hellen Sprenkel in jenen schienen davon ausgenommen, als hätte man sie auf die Netzhaut gemalt, sie schienen einfach nur durch das Blut hindurch als wollen sie den Lethyr um ihn herum mitteilen das Kar noch nicht am Ende sei und sein Wille ein neues Maß an Stärker gewonnen hatte.
Die Lethyr, beschenkte Kinder des wahren Gottes, gestrafte Söhne eines Volkes.
Die Lethyr besaßen die höchste Gabe die Alatar seinen Kindern schenkte, die Gabe das Lied zu verändern, es für Vaters Endsieg vorzubereiten. Sie waren in der Lage mit Vater zu sprechen, Vaters Stimme zu hören. Eine Gabe die Menschen und schwache Letharen verrückt werden ließe. Im Vergleich zu der ohnehin schon grässlichen Sprache der Letharen war es wie der Berg, der einem den Weg ins nächste Tal versperrte. Ein Fluch und ein Segen zugleich, wunderschön war sie zu hören, grausam sich ihr beugen zu müssen.
Vater verlangt Perfektion! Er duldet kein Versagen, kein nachgeben… keine Gnade!
Und doch verlangte die Stimme immer wieder; Meine Gabe zu nutzen bedeutet zu entscheiden, entscheide dich für deinen Vater, für dein Volk! Doch wie war es zu verstehen? Kar’s Antwort darauf war einfach - nutze Vaters Gabe nie gegen Vaters Volk.
Doch wie sollte Kar sich jemals durchsetzen, wie sollte Kar seine Position festigen, seinen Respekt einfordern? Diese Frage beschäftigte Kar heute Nacht stärker als je zuvor. Eine Runenlose, eine Lethoryxae Akolyth hatte Kar mit einer Respektlosigkeit angefaucht als sei er ein unbedeutender Letharf. Kar wagte es nicht, hielt seine Wut, den Hass und den Zorn zurück. Kar wagte es nicht seine Fassung zu verlieren, er sah es als Prüfung.
Diese war es auch, doch Kar hat erneut den falschen Weg gewählt. Ein Weg der milde und geradezu gnädig war. Ein Weg dem Kar in dieser Nacht abschwor, Vater verlangte vieles, doch nun war die Zeit gekommen in der Kar den Willen Vaters ebenso prüfen würde.
Kar verließ seine Höhle zu einer Zeit in der es üblich war das ruhe im Axorn einkehrte und die Letharen sich für ihre Ruhe oder Arbeiten zurückzogen. Diese Stille im Nest war erdrückend, die Stimmen Vaters wurden lauter, Kar war lange nicht in der Lage sie klar zu hören, sie wirklich zu deuten… doch wurde es ihm in dieser Nacht das erste Mal bewusst:
[URL=http://www.directupload.net][img]http://s1.directupload.net/images/111220/vnb8448a.jpg[/img][/URL]
Der Hass, welcher in dieser Nacht in dem Lethyr Akolyth wuchs war gewaltig. Kar hatte auf die Rune der Junglethyr verzichtet, Kar wollte sie nicht nur einfach so bekommen, die Prüfung war erfolgreich bestanden und doch erschien es Kar nicht genug. Kar ging zum Lethyrturm um die Junglethyr zu suchen welche vor wenigen Stundenläufen noch ihren Unterricht im Turm genossen. Viele waren gegangen, der Meister, die Lethyr und Erzlethyren, nur einige Akolyth und Junglethyren waren noch im Turm um die Schriften zu studieren.
Kar machte sich nicht einmal mühe sein von Gefühlen zerfressenes Gesicht zu verbergen, die Brauen wirkten angestrengt, geradezu als würde Kar doch an einer Stelle mit sich selbst ringen, die Zähne offenbarten ihre Spitzen, ein seltsames Grinsen das sich bildete als wenn der Lethyr verrückt geworden wäre.
Da war einer jener Junglethyr die schon vor Kar im Nest ankamen, ein Junglethyr der sehr darauf achtete das die Hierarchie der Runen eingehalten wurde. Ein Lethyr der vermutlich schon viel mehr Macht als Kar erlangte, ein Lethyr dessen Name Kar nicht einmal kannte. Das einzige was Kar in diesem Moment wissen musste war die Tatsache dass der Lethyr sich einmischen würde, wenn Kar einen Junglethyr belehren würde.
So geschah es, Kar fauchte einen der lernenden Junglethyr geradezu an. Das Lernen aus dem Buch sei uneffektiv, nicht der Weg den Vater für uns – doch den Satz konnte Kar nicht einmal zu Ende sprechen.
Der Junglethyr mit seltsam abgerundeten Ohrenspitzen unterbrach Kar mit einem Schlag, eine Herausforderung die nicht von Kar kam, die Gelegenheit die Kar ersuchte und fand. Der Akolyth und der Junglethyr fanden sich schon einen Moment später auf der Spitze des Lethyrturmes wieder, ein Bannkreis befand sich dort um die noch schwach kontrollierte Magie der Lethyr im Zaume zu halten.
Die erdrückende Stille ruhte noch immer im Axorn, dem Nest, der neuen Heimat des Lethyr. Die Präsenz des Panthers wurde stärker, trotz der Tatsache dass sie Beide nur kleine Lichter in der Rangfolge der Lethyr und dem Nest waren, schien es Alatar zumindest ein wenig zu interessieren. Zwei Lethyr die Alatars Gabe gegeneinander wenden würden, Lethyr die ihren Weg gerade begonnen hatten und mit geringer Macht sich gegeneinander messen wollten. Letharfen welche von den Runen des Volkes gezeichnet waren und doch trennte die Beiden die Junglethyrrune. Schaulustige Akolyth hatten sich eingefunden um dem Kampf, wie in einem Käfig des Bannkreises beizuwohnen.
Ein Fauchen erklang, Kar musste sich nun nicht mehr beherrschen. Die Tatsache das ein Junglethyr ihn niederschmettern wollte genügte als Grund für die mangelnde Beherrschung. Und doch war es gewagt, Kar hatte außerhalb des Turmes einen niederen Rang als der Junglethyr und doch war ihr Rang innerhalb des Turmes der selbe.
Der Kampf entbrannte, Vaters Gabe wandte sich gegen einen beschenkten dieser Gabe. Vaters beschenkte Lethyr kämpften, sie wollten ihre Kräfte messen, ihre Gunst bei ihrem Vater ergründen. Feuer, Wasser, Luft und Erde, Elemente die sich innerhalb des Bannkreises einen Kampf um die Vorherrschaft eines Kontrahenten lieferten. Hass und Zorn der nicht nachgab, nicht schwand… er wuchs und schwellte die Adern der Lethyr bedrohlich an. Energiestöße und Feuer schwalle schossen durch den Bannkreis als würden sich die Lethyr gegenseitig bei lebendigem Leib verbrennen. Staub und Geröll, welches die Lichtblitze und Funkenflüge unterbrachen und beendeten nahmen immer mehr die Überhand, Wasser das diese Schutzschilde schwächen würde ergoss sich über die Lethyr, Blut vermischt mit Dreck und Wasser rannte den Lethyr im Gesicht herab. Feuer Wasser Luft und die Erde fanden ihren Ausgleich inmitten des Bannkreises, schließlich wurde er dafür geschaffen, die Mächte der Lethyr waren hier unnütz, verschenkte Kraft. Kar schien das als erstes zu begreifen, aus seinem Schutz entbrochen stürmte er auf seinen Kontrahenten zu, die Faust geballt schien es nur der Optik wegen noch einen fluoreszierenden Schweif hinter sich herzuziehen. Eine Faust die durch den schlammigen Panzer schlug, direkt in das Gesicht des Junglethyr.
Der Bannkreis erledigte den Rest, es brauchte die gesammelte Konzentration aller Anwesenden, doch wurden die Spuren des Kampfes beseitigt bevor ein Erzlethyr oder gar der Meister davon etwas mitbekamen. Es glich einem Ritual wie man es von anderen Gruppierungen kannte, viele Niedere Standen im Kreis und konzentrierten sich darauf das Gleichgewicht wieder herzustellen. Sie nutzen Vaters Gabe, Vaters Geschenk, Alatars Macht. Als der Bannkreis, geschaffen von den Mächtigsten der Lethyr seine Aufgabe erfüllt hatte, erschien ein Schatten. So wie man sie von den Panthern kannte welche schon häufiger beobachtet wurden, wenn Letharen um den Beistand ihres Vaters suchten. Schattengestalten die nicht greifbar scheinen und doch so real wirken das man geradezu Angst vor ihnen bekommen könnte. Der Panther tat nichts weiter, er starrte einfach nur die Lethyr der Reihe nach an. Es schien als würde der Panther sich die Gesichter merken, jener die an diesem Abend gesehen haben das ein jeder Lethyr seinen rechtmäßigen Platz zu verteidigen und zu fordern hat.
Die Amethystfarbenen Augen des Lethyr Kar’xentryal waren noch immer Blutunterlaufen, nur die seltsam hellen Sprenkel in jenen schienen davon ausgenommen, als hätte man sie auf die Netzhaut gemalt, sie schienen einfach nur durch das Blut hindurch als wollen sie den Lethyr um ihn herum mitteilen das Kar noch nicht am Ende sei und sein Wille ein neues Maß an Stärker gewonnen hatte.
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Qis´arx
- Ich finde du hast mich genug gestraft...
Sie starrte ihn an und er behandelte sie weiterhin wie Luft. Dieses Umschlagen der Seiten seines Buches machte sie verrückt, und bei jedem Herzschlag verspürte sie den Drang, sich auf ihn zu stürzen und ihm den Wälzer um die Ohren zu schlagen. Und doch bewegte sich kein einziger Muskel in ihrem Körper. Ihre Augen lagen unentwegt auf seinem, für sie, viel zu entspanntem Leib. Wie konnte er nur so ungerührt daliegen, während sie gegen all den Zorn in sich ankämpfen musste? Nach gar tausenden Minuten der Ignoranz wandte sie ihren Leib wieder ab und wandelte barfuß durch die düstere Höhle. Das Klatschen ihrer Füße hallte durch die kleine Ausbuchtung im Axorn und selbst das schien ihn nicht in seiner vollkommenen Ruhe zu stören. Ihre Zähne pressten sich nach und nach aufeinander und ein bedrohliches Knirschen gesellte sich zu den klatschenden Lauten. Laute, die anscheinend für ihn der Takt zum Schlaf waren, verabschiedete er sich doch recht schnell ins Land der Träume. Die junge Lethra hingegen bewegte sich weiter im gleichmäßigen Takt auf und ab. Eine weitere Nacht, in welcher sie kein Auge zu bekommen würde. Und wieder eine Nacht, in welcher er sie mit durchgehender Ignoranz regelrecht folterte.
Ich finde, du hast mich genug gestraft!
Die nächste Nacht brach heran und ihre Schritte in der Höhle fielen dieses Mal recht zaghaft aus. Sie hatte bereits gewartet, bis die ersten Vögel wieder ihr Lied spielten, und doch fühlten sich ihre Füße noch immer wie Blei an, als sie nur wenige Treppen zur Tür hinauf zog. Auf ihrem Rücken war die Lederlage des schwarzen Dämons zu sehen: Ein Zeichen der Stärke; eine Sache, die Stolz hervorrufen könnte - und doch schien sie keinen großen Wert zu besitzen, zumindest was den Mut anbelangt hatte, die Unterkunft zu betreten. Und so stand der Leib in ausgebeulter Metallrüstung vor der eisernen Tür, ausdauernd, über Stunden und doch wagte sie es sich nicht, in jener Nacht die Tür überhaupt zu öffnen. Sie legte die Lederlage behutsam auf dem Boden nieder und wandte, nach ewigen Stunden des Rumstehens und der innerlichen Zornbekämpfung, ihren Körper wieder ab. Entschloss sich dann dazu, Axorn zu verlassen, auch ohne Schlaf, um den üblichen Tagesrhythmus wieder aufzunehmen.
Eines bewirkte jene Strafe zumindest: Eisernes Durchhaltevermögen. Die Müdigkeit zog immer mal wieder an ihren Muskeln und während mancher Augenblicke fühlte sich jeder Schritt qualvoll an, jedes Wort war eine enorme Anstrengung, und musste diverse Male überdacht werden. Und doch wollte sie keine Schwäche zeigen, sich beweisen, denn irgendwas musste sie doch tun können, um die Schande von ihren Händen zu waschen und die Enttäuschung, die sie erzeugte, wieder zu zerstören. Der Ansporn war geweckt...
[img]http://img804.imageshack.us/img804/4519/qqqqqqe.png[/img]
Zuletzt geändert von Qis´arx am Sonntag 18. März 2012, 14:40, insgesamt 2-mal geändert.
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Qis´arx
- Langsamen Schrittes betrat sie die heiligen Hallen des machtvollen Tempels Leth'Axorns. Sie vollzog das übliche Ritual, verbeugte sich so tief, wie es ihr Körper zuließ und sprach ohne Klang ein Gebet in den Raum, welches Minuten mit sich riss. Selbst als die Andacht vorbei war, regte sich der hagere Letharenkörper nicht. Er verweilte einfach und ließ die Atmosphäre auf sich wirken. Niemand war zugegen, es war tief in der Nacht und nur selten suchte man die gesegnete Stätte um jene Zeit auf. Sie war vollkommen allein, nur sie und ihre Verbindung zum Vater selbst. Nur sie und das wertvollste Gut ihres Leibes. Es erfüllte sie regelrecht mit Anklang, einfach Stunden auf diesem Stein zu stehen, an jener Stelle. Kein Muskel musste sich regen, kein Wort musste fallen und wären Nahrung und Trank nicht notwendig gewesen, hätte sie Jahre auf jener Stelle stehen können, ohne auch nur einen einzigen Funken an Langeweile zu verspüren.
Doch mit einem Schlag war alles vorbei, jegliche Harmonie zerstört und ihr Körper flog, ohne irgendeinen ersichtlichen Widerstand wahrzunehmen, in Richtung Boden. Eine Kraft presste sie in den Stein, welche ihr den Atem raubte, die Sicht verweigerte und die Muskeln abschwächte. Nicht einmal mehr ihre Kehle wollte genügen, um einen schmerzverzerrten Schrei von sich zu geben. Ihre Augen drehten sich fast um sich selbst und ihr Bewusstsein verwehte mit der noch eben dagewesenen Zufriedenheit. Ihr Körper lag da wie ein Schluck Wasser, ausgekippt, verschüttet und missachtet. Wie Wasser, das sich nicht davor scheute, beschmutzt zu werden. Von alledem bekam die kleine Lethra nichts mit, kein Geräusch drang mehr zu ihr durch, kein Duft, kein Geschmack. Es herrschte vollkommene Leere, als hätte man ihr alle Sinne genommen. Der Blutfluss stoppte und alles wurde schwarz.
„Qis'arx... Noch immer so schwach, noch immer ein zerbrechlicher Stock im Wind. Du hast dich bewiesen, wahrlich und doch hast du noch einen langen Weg vor dir. Dein Geschlecht ist es, welches man dir nur noch selten als Schwäche anrechnet, hast du dich auch mit jenem hervorgetan und einen weiteren Schritt in die perfekte Richtung getätigt. Und doch sage ich dir, Qis'arx, du musst noch so viel lernen, so viel ändern, damit du das Endziel erreichen kannst und ein würdiger Diener wirst. Sei stärker, junge Lethra, lege Dinge ab, die dir alsbald zum Verhängnis werden können und beginne das zu sein, wofür man dich auserwählte. Ich werde dir einen Anstoß geben und doch wird dich noch so viel erwarten, dass du noch viel eigene Kraft verwenden musst, Denn nur das Streben nach Perfektion wird dich an die Stelle führen, welche dein Leib und deine Seele erreichen können. Enttäusche nicht, Lethra.“
Langsam zuckten ihre Muskeln wieder, rote Flüssigkeit floss wieder durch ihre Adern und pumpten Leben in ihr Herz, in ihre Seele. Und eine weitere unersichtliche Kraft bewegte ihren Körper, schob ihn in die Höhe, mit so viel Elan, dass das vorher Dagewesene wie nicht existent wirkte. Und doch war etwas anders: Ihre Züge waren starr auf den Altar gerichtet und die Disharmonie zerriss den Raum, ließ gar ihre Haare wehen und neue Kraft in ihren Leib gleiten. Neue Energie, welche sich ebenfalls auf ihre Seele legte und die junge Templerin einen Schritt voran trieb, ihr Sein verschob und eine Hürde hatte überwinden lassen.
Zuletzt geändert von Qis´arx am Sonntag 18. März 2012, 14:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Qis´arx
Der nächste Schritt
- „Vergleiche dich nicht mit den anderen, man setzt viel höhere Maßstäbe in dich.“
Sie war so wütend, der Zorn kochte regelrecht in ihr und jeder hätte bereits die den Herd ausgemacht, da das Wasser schon längst übergesprudelt war. Ihre Fingerkuppen pressten sich in die Handflächen, zerstörten fast schon die Struktur der simplen Knochenhandschuhe und gaben dabei einen abartigen, knirschenden Laut von sich. Wie viel musste sie schon über sich ergehen lassen, so viel Qual, Mengen an Leid. Vor einigen Tagen ließ sie gar ihr Leben, einfach aus einem Impuls des Handelns heraus, ohne Verstand. Kein Schritt war geplant, nichts war in irgendeiner Art und Weise abgesprochen gewesen und so leichtsinnig spielte mancher mit ihrem Dasein, unbekümmert. Ein Berg von Wut und Hass, welcher sich immer höher stapelte, immer weiter in den Himmel stach, bäumte sich in kurzer Zeit so schnell auf, dass selbst Qis'arx diesen Fortschritt als bedrohlich ansah. Bedrohlich in dem Fall, da ihr der Weg der Kontrolle von jenem noch nicht so recht in den Sinn kommen wollte. Es wurde mehr und mehr und überlappte sie regelrecht. Irgendwann würde sie platzen, irgendwann würde es doch raus müssen? Ihr größter Wunsch in jenem Fall war es, dass es nicht der falsche Moment ist, in dem all diese aufgestaute Kraft an das Tageslicht dringt.
Er stand da, ruhig, ohne das man nur einen Hauch von Zorn an ihm erspähen konnte. Regelrecht orthodox folgte ein Wort aufs Nächste und jedes Mal fühlte es sich an wie ein direkter Schlag ins Gesicht. Er wusste genau was er sagen musste und er wusste genau, wie er zu handeln hatte. Schläge, Folter oder andere Dinge, welche ihren Körper nach und nach schädigen würden, waren nicht seine Art. Er wusste, und sie glaubte er wusste es bei jedem, mit was für Dingen er seinen Gegenüber am meisten trifft. Bei dem einen ist es eben der Schlag ins Gesicht, bei dem anderen nur einfache Worte, geschickt gewählt. Er kannte sie, besser als jeder andere und so wusste er genau was er tun musste, kannte jeden Begriff, der sie aus dem Gleichgewicht warf. Er war in ihren Augen ihr größter Segen und zeitgleich ihr Fluch, welchen sie nie fähig wäre zu bezwingen. Allein weil die Motivation fehlte, der Wille, dies wahrhaftig zu tun. So stand sie also da, ließ die Schultern immer mehr hängen und seine Worte immer mehr in ihre Seele schlagen.
„Und wenn du dich noch einmal so verhältst, dann werden wir damit beginnen, deine Finger, jedes einzelne Glied, nach und nach zu brechen, zu heilen und dann wieder zu brechen, bis du es lernst. Denn noch bin ich dein Herr!“
Ihr Geist war bereits eh am schwanken, jene Worte warfen ihn zu Boden und ließen noch eine Dampfwalze herüber fahren. Ihre Unterlippe vibrierte vor sich her und als sie den Blick zu ihm lenkte, in sein Gesicht, sah sie eine Emotion in seinen Zügen, welche ihr einen kurzen Schreck durch den Leib jagte. Die Offenbarung von Hass und Zorn war noch nie so präsent wie in diesem Moment und das bewegte sie schnell dazu ihren Kopf zu senken, demütig den Oberkörper zu beugen und kein Wort mehr zu sprechen. Vermutlich war es gar Angst, welche nun durch ihre Adern schoss. Sie würde es nie mehr wagen ihm zu widersprechen.
Sie wollen eine Lethra in Perfektion? Die können sie haben und ich werde ihnen offenbaren in wie weit das Folgen mit sich zieht. Enttäuschung, Zorn und Wut soll nichts mehr sein, was meine Schultern beschmutzt. Ein weiterer Schritt nach vorne, denn wie sagte die Erhabene: Aus neuer Kraft folgt neue Verantwortung, neue Aufgaben, neue Pflichten.
Zuletzt geändert von Qis´arx am Sonntag 18. März 2012, 14:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Qis´arx
- Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen?
Was ist die Welt und ihre ganze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurzgefaßten Grenzen,
Ein schneller Blitz bei schwarz gewölkter Nacht,
Ein buntes Feld, da Kummerdisteln grünen,
Ein schön Spital, so voller Krankheit steckt,
Ein Sklavenhaus, da alle Menschen dienen,
Ein faules Grab, so Alabaster deckt.
Das ist der Grund, darauf wir Menschen bauen
Und was das Fleisch für einen Abgott hält.
Komm, Seele, komm und lerne weiter schauen,
Als sich erstreckt der Zirkel dieser Welt!
Streich ab von dir derselben kurzes Prangen,
Halt ihre Lust für eine schwere Last:
So wirst du leicht in diesen Port gelangen,
Da Ewigkeit und Schönheit sich umfasst.
Christian Hofmann von Hofmannswaldau - Die Welt
Zuletzt geändert von Qis´arx am Sonntag 18. März 2012, 14:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Yxul'lerlatox
- Beiträge: 119
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Das letharische Leben ist keines, in dem Zuneigung und Sympathie viel Platz findet.
Dass er fort musste, war nicht zu verhindern. Die Gründe dafür waren in vielen alten Schriften verborgen. Denn den Weg, den er bis hier hin beschritten hatte - erfolgreich - legte es Nahe, sich auf die Suche zu machen, was der All-Eine noch von ihm erwarten würde.
Er spürte, dass seine Aufgaben, die er bisher erhielt und jene, die sich ihm offenbarten, ihn nicht vollends ausreizten. Vielleicht war es auch nur Hochmut. Doch er glaubte, dass sein Dasein noch lange nicht vorbe war und noch viele Herausforderungen auf ihn warten würden.
Das Streben, dem Vater ein perfekter Diener zu sein, das wurde jedem Letharen schon im Mutterleib eingeimpft. Perfektion, das war es, was jeden Lethar vor allem antreiben sollte. Ein immer besserer Diener zu werden, um den Willen des All-Einen Vater in die Welt tragen zu können.
Qis'arx hatte ihm aber anderes gezeigt. Das, was als gemeinhin als Schwäche galt - und doch sehnte er sich danach. Jene Sympathien und Zuneigungen, die sie bei ihm auslöste, alleine schon durch ihre Anwesenheit und Art; er vermißte es: Ihre Gegenwart, ihre feinen Gesichtzüge und wenn er spürte, dass sie sich anstrengte, keinerlei Regung preiszugeben.
Sie war so voller Emotionen, und doch wußte er, dass sie sie beherrschen zu lernen hatte. Auch so sehr er die Momente genoß, in denen sie offener miteinander umgehen konnten und ihr Gefühle einander zeigen konnten, er hatte bemerkt, dass sie sich durch ihre Emotionalität in Schwierigkeiten brachte.
Es war eine Notwendigkeit ihr dies vor Augen zu führen, das wußte er und doch, ganz tief in ihm, schmerzte es ihn als seine Hände nach ihr grifffen...
Dass er fort musste, war nicht zu verhindern. Die Gründe dafür waren in vielen alten Schriften verborgen. Denn den Weg, den er bis hier hin beschritten hatte - erfolgreich - legte es Nahe, sich auf die Suche zu machen, was der All-Eine noch von ihm erwarten würde.
Er spürte, dass seine Aufgaben, die er bisher erhielt und jene, die sich ihm offenbarten, ihn nicht vollends ausreizten. Vielleicht war es auch nur Hochmut. Doch er glaubte, dass sein Dasein noch lange nicht vorbe war und noch viele Herausforderungen auf ihn warten würden.
Das Streben, dem Vater ein perfekter Diener zu sein, das wurde jedem Letharen schon im Mutterleib eingeimpft. Perfektion, das war es, was jeden Lethar vor allem antreiben sollte. Ein immer besserer Diener zu werden, um den Willen des All-Einen Vater in die Welt tragen zu können.
Qis'arx hatte ihm aber anderes gezeigt. Das, was als gemeinhin als Schwäche galt - und doch sehnte er sich danach. Jene Sympathien und Zuneigungen, die sie bei ihm auslöste, alleine schon durch ihre Anwesenheit und Art; er vermißte es: Ihre Gegenwart, ihre feinen Gesichtzüge und wenn er spürte, dass sie sich anstrengte, keinerlei Regung preiszugeben.
Sie war so voller Emotionen, und doch wußte er, dass sie sie beherrschen zu lernen hatte. Auch so sehr er die Momente genoß, in denen sie offener miteinander umgehen konnten und ihr Gefühle einander zeigen konnten, er hatte bemerkt, dass sie sich durch ihre Emotionalität in Schwierigkeiten brachte.
Es war eine Notwendigkeit ihr dies vor Augen zu führen, das wußte er und doch, ganz tief in ihm, schmerzte es ihn als seine Hände nach ihr grifffen...
Relata refero ist immer besonders kritisch zu prüfen.
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Qis´arx
- Folter Tag ein, Tag aus. Schmerzen, Leid, Qual, Trauer, Hass und Zorn. All diese Gefühle, alles auf einen Schlag. Jeden Tag ereilte sie eine Strafe, jeden Tag, ob nun durch Handgreiflichkeit oder durch schlichte Worte, die geschickt gewählt wurden. Es war eine regelrechte Strapaze, nichts was sie in solch Ausmaß gewohnt war. Und all das, was sie von solch Gefühlen runter holte, löste es in jenem Moment aus. Yxul'lerletox. Er sah sie nicht mehr so an, wie er es sonst tat, er redete kaum noch ein Wort mit ihr und wenn, dann waren es Worte die schmerzten wie Peitschenhiebe. Sie nahmen ihr die Luft, sie nahmen ihr den Blick, alles um sie herum verwischte und alles was sie annahm das sie noch hält, zerbrach, jedes Mal aufs Neue.
„Sei nicht so dumm, Lethra!“
„Ich habe anderes von dir erwartet, nur weil andere Fehler machen, rechtfertigt das deine nicht!“
„Habe ich mich so sehr in dir getäuscht, Qis'arx?!“
„Du kannst dich nicht so verhalten, ich dachte das hast du endlich mal begriffen!“
„Warum schickt der Vater uns immer wieder so nutzlose Geschöpfe.“
Und nun, wenn sie in der tiefsten Nacht wieder in die Höhle schreitete, nachdem die Jagd beendet war, die Aufgaben des Vaters erledigt und die Predigten in den Schlaf gesprochen, war sie allein. Er weilte nicht an jenem Ort, er war schon so viele Tage fort und am Anfang redete sie sich ein, es sei gut so. Doch wurde ihr recht schnell bewusst, dass sie und er das typische Bild von Letharf und Lethra abgaben. Denn sie dienten einander, sie ihm, so wie auch er ihr. Auch wenn sie sich schwerlich vorstellen konnte, ihm im irgendeiner Art und Weise nützlich zu sein, waren ihr die ganzen Probleme der vergangenen Wochen durchaus bewusst und auch die Tatsache, dass sie ein Grund dieser war. Ihre Hand fuhr durch das kurze Haare und es war ein Griff in ein Scherbenmeer, ein zerreißendes Gefühl, welches erneut ihre Kehle zuschnürte. Nach diesem Schwall der Erinnerungen kehrten allerdings Worte in ihren Geist, welche nicht nur ihr Herr zu ihr sprach. Denn auch die Meisterin und selbst der hohe Bruder Tar'lyrrn sagten dies zu ihr. Alle natürlich auf ihre Art und Weise und doch war es in ihrem Kopf so präsent, dass sie in jenen Sekunden wusste, dass sie nicht aufgeben würde und sei es drum, dass sie ihren Herren nie mehr so ansehen könnte, wie sie es einst, im Zeichen der Schwäche, tat.
„Wir haben hohe Erwartungen in dich und strafen dich dementsprechend härter, wenn du sie nicht erfüllst, kleine Qis'arx.“
Zuletzt geändert von Qis´arx am Sonntag 18. März 2012, 14:42, insgesamt 2-mal geändert.
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Qis´arx
- Ihr Weg durch die engen Gänge der Höhlen war anstrengend, so anstrengend. Durst zerrte an ihrer Kehle, Hunger am Magen und die Hand eines zusammenzuckenden Banditen an ihrer Robe. Jene wurde, mit schlichter, ungehaltener Geste mit der stechenden Waffe durchbohrt und abgerissen wie eine Keule an einem Sonntagsbraten. Blut ergoss sich über den Boden und der sowieso schon halb tote Leib des Widersachers sackte vollkommen in seinem eigenen Lebenssaft zusammen. Diese Tage war sie vollkommen auf sich allein gestellt und nach und nach gewöhnte sie sich daran. Sie hatte schon seit so vielen Tagen mit niemanden mehr gesprochen, kaum noch wen zu Gesicht bekommen und all dies schien nach und nach zur Gewohnheit zu werden und keinesfalls mehr eine tragische Begebenheit. Es stärkte, ließ Zeit für Gedanken und den eigentlichen Kampf: Die Schlacht gegen sich selbst. Das Schwierigste war die Kontrolle, sinnvoll vorzugehen, ohne sich in Wut zu verlieren und somit auch den Verstand mit Füßen zu treten.
Es sind bereits Stunden vergangen und noch immer befand sich ihr Leib regungslos in der schmalen Felsspalte. Die Augen waren starr voran gerichtet und die Emotionen für einige Zeit lesbar wie ein Buch mit riesigen Buchstaben. Nach und nach baute sich das Puzzle in ihrem Gesicht zusammen und schuf unerträgliche Wut. Die sonst so weichen Züge der Lethra wurden zerrissen von purer Gewalt und Verachtung. Die Zähne drängten sich aufeinander und ließen ein drohendes Geräusch durch die düsteren Gemäuer wandeln. Mit einem Aufschrei, welcher jedem Menschenohr förmlich die Seele zerrissen hätte, stürmte die Templerin in die kommende Ausbuchtung der Felsgrotte. Die Waffe wurde gehoben und Gebete in disharmonischer Sprache zerteilten das Echo, welches dadurch entstand. Nach und nach gingen Körperteile zu Boden und Blut regnete auf ihren Leib nieder. Ein fast schon debiler Ausdruck lag dabei auf den blauen Letharenzügen. Ein Grinsen, welches den Wahnsinn förmlich heraus schreit und, wie viel zu selten, die Blutrünstigkeit der hageren Gestalt offenbarte.
Reminiszenz
Kindesjahre
Er schleuderte sie mit kräftiger Wucht gegen die Wand. Die Knochen knackten und das Blut verschmierte sich weiter an den spitzen Felsen. Sie war nicht wirklich im Alter fortgeschritten und auch ihr Körper war noch nicht vollkommen ausgewachsen. Ein kleines Mädchen, welches sich noch nicht so recht im klaren war, warum es denn nun jenes Leid erfahren musste. Wieder packte er ihr Haar, zog sie zu sich heran und holte aus wie beim Weitwurf, um sie erneut gegen die Wand zu schleudern. Sie hatte kein Bedürfnis mehr zu schreien, obwohl der Schmerz recht präsent war. Ihr Wunsch liegte in jenen qualvollen Stunden an einer anderen Stelle. Sie hatte aufgegeben und hoffte bei jedem Aufprall den Felsen so zu treffen, dass ihr Leib sich nicht mehr erholen würde. Natürlich wurden ihre Hoffnungen nicht erfüllt, man wurde ihrem Wunsch nicht fügig und so ertrug sie es weiter. Ihre Augen hafteten an der kleinen Schwester, welche schon wie ein Häufchen Elend am Boden lag, von Wunden überschüttet. Sie war nicht mehr wirklich bei Bewusstsein und doch kam es der kleinen Qis'arx so vor, als würde sie jene die ganze Zeit über anstarren. Ein Blick, welchen sie wohl nie vergessen wird, war es doch einer, der ihr zeigte, dass es auch möglich ist, Lebenswillen zu zeugen. Und so waren die folgenden Züge des Kindes nicht mehr von Verzweiflung gesprägt, sondern wurden übermalt, Faser für Faser, von der Wille des Kampfes. Zorn und Wut.
Ob es nun jene Emotion war, welche den Letharfen bewegte, die Lethra nicht mehr gegen die Wand zu pfeffern oder aber einfach die Tatsache, dass er nach ewigen Stunden keine Lust mehr hatte, war vermutlich beiden Parteien unklar. Ein letzter Schwung und der dürre Körper wurde zur kleinen Schwester geworfen, landete auf ihr und sackte dort wie ein Schluck Wasser zusammen. So der männliche Lethar dann das Weite suchte, schienen all die Schmerzen und all das Blut erst richtig real zu werden. Es waren Stunden voller Leid und Qual, welche die beiden Mädchen ertragen mussten und doch hielten sie an einander fest. Zum einen damit, dass sie den Blickkontakt nicht unterbrachen und zum anderen teilten sie sich jede Stunde einmal in einem kurzen Wortlaut mit:
"Ich lebe noch, Schwester."
Und wahrlich lebten sie noch, waren ihre Körper doch fähig, jenes Ritual fast täglich zu erleben. Einen positiven Effekt hatte dies allerdings: Irgendwann war der Schmerz nicht mehr so präsent wie am ersten Tage und es wirkte fast so, als würde sich der Leib daran stärken, sich abhärten und nach und nach die Konsistenz der Felswand annehmen. Ihnen wurde bewusst, welchen Sinn diese Folter hatte und irgendwann erkannten sie auch, dass es eben kein Spiel war, sondern eine Sache, die sie für ihren weiteren Weg benötigen würden. Standfestigkeit.
Zuletzt geändert von Qis´arx am Sonntag 18. März 2012, 14:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Qis´arx
- Jugendjahre
„Was hat er mit dir getan, Qis'?“
Ihre Schwester beugte sich zu ihr und betrachtete das geschwollene Gesicht der kleinen Lethra, welche regelrecht zusammengekauert in der Ecke vor und zurück wippte. Ihre Faust schlug immer mal wieder gegen die Felswand und ließ einige Stücke des morschen Gesteins abbröckeln. Aber von ihrer Schwester war kein Mitleid zu erwarten, das konnte sie nie. Die Hand L'ysstzrrs zog durch die Luft und ließ sie auf die Wange Qis'arx' schnellen. Die andere Hand hob sich ebenfalls in die Höhe, bereit, erneut einen Schlag auszuführen. Die noch so dürre Gestalt hob abwehrend die rechte Hand in die Höhe und schüttelte eifrig den Kopf, ließ das schwarze Haar wackeln und zog nach und nach die Augenbrauen zusammen.
„Ich lebe noch, Schwester.“
Die Mundwinkel der größeren Schwester hoben sich langsam an und ein zufriedenes Nicken ging von ihr aus, wodurch auch die angedachte Ohrfeige abgebrochen wurde. Langsam drückte sie sich empor, streckte Qis ihre Hand entgegen und warf dabei einen flüchtigen, wie paranoiden Blick hin und her. Sie schwiegen beide, kein Wort verließ mehr ihre Lippen und sie waren wiedermal bereit, sich der harten Ausbildung zu stellen, welche außerhalb ihres Schlafbereiches auf sie wartete. Heute waren es Massenschlachten; man wollte die Schwächeren aussortieren. Eine Qual für Qis'arx, denn körperlich betrachtet, war sie die Schwächste unter ihnen. Die Hand ihrer Schwester drückte noch einmal kurz zu, um einen gewissen Zusammenhalt zu verdeutlichen, denn als sie in das Augenlicht der anderen traten, war das nicht mehr möglich. Distanz baute sich auf und sie positionierten sich abwartend zwischen den anderen Lethraen, welche bereits leise vor sich her tuschelten, und immer mal wieder einen Blick zur Kleinsten warfen: Qis'arx. Sie suchten sich bereits die Schwächsten heraus, nur, um selbst nicht als schwach zu gelten.
Der Letharf bluffte einmal durch die Hallen und die Lethraen stürzten sich mit Kampfschreien in den Ring. Qis'arx konzentrierte sich schlicht und ergreifend darauf, zu blocken und sich des Vorteils ihrer Körpergröße bewusst zu werden. Sie war schneller als die Anderen und doch nicht so schnell, um sechs Fäusten auszuweichen. Sie prallten in ihre Rippen, an ihren Kopf, an ihre Arme und nach und nach sackte der Leib zu Boden, bereit zum Aussortieren. Und dann hallten Schläge an ihr Ohr, jedoch waren es Schläge, welche nicht sie selbst trafen. Da stand sie wieder, ihre Schwester, welche einen Faustträger nach dem Anderen niederstrecke und zu Boden fallen ließ. Sie packt danach grob das Handgelenk des schwächlichen Lethrakörpers Qis'arx' und zog sie grob in die Höhe. Laut verkündete sie:
„Auch Gemeinschaft spielt eine wichtige Rolle, denn nur gemeinsam sind wir stark, Herr! Qis'arx bedarf es noch an Ausbildung und doch sehe ich keinen Grund sie auszusortieren!“
Der Letharf am Arenarand stand einfach nur da und starrte zu L'ysstzrr hinüber. Irgendwie gefiel ihm natürlich nicht, dass die Lethra sich wagte, hier lehrreiche Worte zu schwingen und so knirschten seine Zähne bedrohlich. Ob es in den nächsten Sekunden einfach nur Glück war, dass er ihr nicht den Kopf abriss, sei dahingestellt, zumindest nickte er dann einfach die Worte der angehenden Lethraxiae ab.
So zogen sich die Schwestern wieder in ihren Schlafbereich zurück. Vorne weg die Größere der Beiden, welche die Kleinere grob hinter sich her schliff, wie einen sprichwörtlichen Sack Kartoffeln. Qis'arx wurde achtlos in eine Ecke verbannt. Der Loyalitätsbeweis hierbei, welchen L'ysstzrr bot, war, dass sie sich neben ihr niederlassen und prompt zeigen sollte, dass sie doch nicht gehen würde. Mitleid oder Heilung erhielt die Lethra, welche noch nicht einmal wusste, welchen Weg sie zu gehen hatte, allerdings nicht.
Zuletzt geändert von Qis´arx am Sonntag 18. März 2012, 14:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Qis´arx
- Es wurde Zeit, das Blatt zu wenden. Denn seit einigen Tagen war das Leben nicht mehr so, wie einst gewohnt. Jeder Schritt war anders, jeder Atemzug fühlte sich anders an und auch jeder Herzschlag war nicht mehr mit den damaligen zu vergleichen. Jeder machte seine eigene kleine Veränderung durch und sie wandelte schon so lange an einem Fleck, ohne sich nur irgendeinen Zentimeter zu ändern. Weder am Leibe, noch im Geiste. Seine Worte flogen in ihr Gesicht wie tausend Stiche mit einem scharfen Dolch. Sie war bereits Vieles gewohnt, hatte Vieles erwartet, aber dass es so weit gehen würde, hätte sie sich nie erträumen lassen.
„Du lernst es nie.“
„Es wird auch Zeit, dass du mal einen Schritt voran machst.“
„Du bist dazu nicht in der Lage.“
Sie griff mit der rechten Hand zur Schere und begann damit, nach und nach, Strähne für Strähne, von ihrem Kopf zu lösen. Um so mehr lange, schwarze Haare zu Boden glitten, um so mehr zerbröckelte auch der schmerzvolle Gesichtsausdruck in ihren Zügen, der bedauerlicherweise nicht durch Wunden am Leibe entstand. Kleine, einzelne Haare klebten noch an ihrem Gesicht, als sie ihr Meisterwerk im Spiegel betrachtete. Die freie Hand ging langsam vor und die Fingerkuppen zogen ihre Bahnen über das sich ihr offenbarende Spiegelbild. Als würde sie sich selbst nicht mehr erkannt haben, als müsse sie sich vergewissert haben, dass sich gerade die Person offenbarte, welche vor fünf Minuten noch an jener Stelle stand. Langsam fuhrten die Finger weg vom sich darstellenden Bild im Spiegel, nur, um dann ins eigene Gesicht zu greifen und hier und da ein wenig die Haut zu kneten.
Die lieblichen, naiven Züge, die sie zu etwas Besonderen formten, womit sie sich das Vertrauen der Menschen erschlich, schienen wie weggeblasen. Die Schere hat sie abgeschnitten und Platz gemacht für vollkommene Distanz. Egal, ob die Lethra trotz allem noch diese hochelfischen Züge an sich trug, war fortan eine Emotion zu erblicken, die selbst keinen Menschen mehr bekehren konnte. Abwertende Distanz, typisch für einen Letharen und doch nicht so gewöhnlich für Qis'arx.
Ob ihr Herr damit zufrieden sein würde? Zumindest lag sie keinen Wert mehr darauf, ob das so war. Ihre Blicke, ihr Auftreten, mit allem verdeutlichte sie ihm ihren Hass, den sie für ihn empfand. Und nach und nach wurde jegliches andere Empfinden, was sich in der langen Zeit ihres Zusammenlebens aufgebaut hatte, weggespült und ersetzt durch tiefe Verachtung.
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Qis´arx
- Still stand sie da. Die Höhlen waren noch immer leer und nur sie ging hier ein und aus. So viele Wochen schon und nach und nach wurde das Gefühl immer schwächer, welches ihr die Kehle zerriss und ihr die Luft zum Atmen nahm. Und doch, jenes Ritual - jeden Abend mindestens eine Stunde in Trance vor der Eingangstür zu weilen und jener ein schmales, undefinierbares Lächeln schenkend - war noch nicht vergangen; auch wenn die Zeiten kürzer wurden und der Gesichtsausdruck von Woche zu Woche abgeklärter.
Langsam hatte die kleine Gestalt begriffen, dass sich die Welt auch ohne ihre private, führende Hand weiterdrehte. Dass sie auch ohne jene fähig war zu gehen, zu atmen, zu existieren. Immer mal wieder waren es kleine Momente, welche sie zurückrissen und ihr ihre Schwäche förmlich ins Gesicht schlugen: Die falschen Empfindungen, die so eigentlich nicht geduldet werden konnten.
Aber sie wusste es und jeder der sie kannte, wusste es ebenfalls. Sie hatte bereits Fortschritte gemacht. Die Naivität war vergangen und der eiserne Wille, dem Vater mit vollster Seele und vollstem Leibe, zu dienen, um so mehr gewachsen. Sie würde es ihrem Herren beweisen, sich selbst und dem restlichen Volke, inwieweit aus ihr noch das werden würde, was viele von ihr erwarteten.
Ein Moment der Schwäche war vergangen und die dürre Hand zuckte vor, riss die hölzerne Tür auf und der Körper, umringt von Metall und Stoff, drückte sich durch die Öffnung. Keinerlei Schwäche war mehr zu sehen und sie war bereit sich wieder dem Leben zu stellen. Doch was ihr Auge erblickte, ließ sie eher schaudern und der Drang wieder zurück zu gehen, wuchs.
Wo waren sie hin? Die ganzen Lethrixoren, die Alathraxoren, wo waren die grobschlächtigen Letharfen und Lethrae, welche sie täglich entzückten, mit ihrer blutrünstigen Ader? ''Was hat sich Vater dabei gedacht, seine Gabe so oft zu verteilen, dass man nun gar daran zweifelt, dass es noch andere Geschwister gibt, welche nicht in Magiergewändern durch die Höhlen wandern'', dachte sie sich.
Die angehende Templerin spitzte ihre Lippen, ließ die Augen über die Ansammlung im Gasthaus gleiten und für wenige Sekunden fühlte sie sich fern der Welt. Erst als ihre Blutsschwester mit Worten ihr Gehör weckte, riss es sie auch aus den Gedanken.
„Wer hat hat die denn raus gelassen? - Die meisten Gesichter kenne ich nicht einmal.“
Worte, welche sich Qis'arx dachte, aber nicht aussprach. Sie stand weiterhin nur stumm da und betrachtete die Versammlung der Geschwister, welche Vater mit solch wertvoller Gabe beschenkte. Der zuckende, rechte Mundwinkel verdeutlichte jedoch recht schnell, dass irgendwas in ihr kochte. Sie merkte die Blicke ihrer Schwester, wie sie sich regelrecht durch ihren Kopf bohrten, als würde sie versuchen hinein zu gucken. Dabei wartete sie vermutlich nur auf eine sprachliche Reaktion. Und jene folgte, allerdings auch erst nach einer weiteren Zeit des Schweigens:
„Es fehlt zur Zeit eindeutig an Lethrixoren und Alathraxoren.“
Diese Worte schienen der Lethra recht würgend über die Lippen zu gleiten und doch funkelte einen kurzen Moment etwas in ihren Augen, was die Wahrhaftigkeit jener Aussage zu unterstreichen vermochte. Ihre Schwester blieb stumm, aber Qis' war sich sicher... dass nicht nur sie so empfand.
Zuletzt geändert von Qis´arx am Mittwoch 20. Juni 2012, 02:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Qis´arx
- „Ich habe mich deiner Vorgehensweise angepasst.“
„Einer wie Ihr passt sich meinen Vorgehensweisen an?“
„Ja.“
Eine seltsame Zuckung fuhr durch das Gesicht von Qis'arx und ihre Mundwinkel vibrierten bedrohlich. Es wirkte so. als wollte sich ein zufriedener Ausdruck in ihr Gesicht schleichen. Ein Ausdruck, den sie zu verdrängen versuchte, wodurch nur eine seltsame Fratze zurück blieb. Er starrte sie einfach an, sagte keinen Ton mehr und als sich die Lethra sicher war, dass kein spottendes Wort nach diesem Austausch von Worten folgen würde, neigte sich ihr Leib. Der Körper beugte sich so weit vor, dass die langen Haare fast den Boden berührten. Diese Haltung behielt sie bei, sie starrte fast ein paar Minuten den Boden an, bevor er sie wortlos mit sich winkte. Den restlichen Abend hatte nur er das Wort und wieder einmal erzeugte die Redeart eines Alathraxoren Überraschung in ihr. Er konnte Meinungen schaffen, er konnte bekehren, er konnte Stunden eine Unterhaltung aufrecht erhalten. Bis zu diesem Moment dachte sie, jenes Talent sei nur Yxul'lerlatox gegeben, aber sie irrte.
Sie beobachtete stumm, wie der Alathraxor versuchte das Unheil über den Tiefländer zu bringen und das ohne seine Waffe nur im Ansatz zu präsentieren. In ihren Händen hielt sie verkrampft einen Tonkrug, gefüllt mit irgendeinem süßen Gesöff, welches nicht einmal in die Nähe ihrer Lippen kam. Ihre Emotionen änderten sich dabei nicht einmal, auch wenn die Zufriedenheit sie regelrecht überzog, zu sehen welch unverzichtbare Seelen in ihrem Volk wanderten. Das Talent zu erkennen, welches jeder Lethar in sich trug, war wohl für sie in jenem Moment die frohste Kunde.
„Ich begebe mich zur Ruhe, Lethra, möge Vater dich weiterhin auf seinem Wege leiten.“
Er nickte ihr anerkennend zu, sie verbeugte sich.Das übliche Ritual. Eine dubiose Vorstellung, aber es schien ein gegenseitiger Respekt vorhanden zu sein. Ein zu wirrer Gedankengang, als dass er lange anhielt. Ruckartig wandte sie sich ab und verließ in der tiefsten Nacht erneut das Axorn. Ihre Schritte führten sie nach Rahal. Die Straßen waren leer, die sommerliche Hitze abgeklungen. Und trotz der Zufriedenheit über die Temperatursenkung, war ihr nächster Schritt in ein Bett zu krauchen, eine Decke halbherzig über sich zu ziehen und die Lider zu schließen.
Es krabbelte etwas an ihr hoch, krallte sich im Stoff ihrer Kleidung fest und schmiegte sich dann in ihre Halskuhle. Der Atem war so warm, dass die Lethra die Augen aufriss und die rechte Hand bereits hob. Ein nicht hörbares Gebet verließ ihre Lippen und die Finger waren bereit für den Angriff. Aber sie stockte, auch wenn ihr Puls das nicht behaupten konnte. Sie merkte regelrecht, wie ihr Herzschlag ihre Rippen demolierte.
„Ich hab dich echt gern.“
Das Gesicht der Lethra krampfte und die Unterlippe vibrierte vor sich hin. Auch wenn sie es geschafft hat, auch wenn sie endlich das Berchgarder Kind nach Rahal bringen konnte, war ihr Vertrauen noch immer nicht gefestigt und die Lethra setzte alles daran, jene Seele perfekt zu formen, dass sie einst in Perfektion dient, wie es einem Menschen möglich ist. Und so schlief sie bei dem Kind oder gab es zumindest vor. Irrelevant wie lange sie wach lag, egal wie viel Zuneigung das Kind im Schlaf suchte, bedeutungslos wie oft sie dies noch tun musste, was wichtig war, dass das Mädchen irgendwann einen höheren Zweck erzielen wird und das allein durch ihre Worte und ihr Handeln. Die Perfektion der Manipulation.
Zuletzt geändert von Qis´arx am Samstag 4. August 2012, 16:32, insgesamt 1-mal geändert.