Nuancen von Grau

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Ainea Sandtarden
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Nuancen von Grau

Beitrag von Ainea Sandtarden »

Ich erinnere mich.

"Hör auf so viel zu grübeln, geh Dich betrinken - komm einfach mal aus Dir raus!"

Mit diesen worten hat es angefangen und nachdem ich Cara nirgends hatte finden können, war ich alleine ausgezogen, die mir gestellte Aufgabe zu bewältigen. Tatsächlich gab es in meiner Jugend kaum Gleichalterige, von meiner Schwester abgesehen und sie war viel zu besonnen und vernünftig um mit mir heimlich in die Küche zu schleichen und vom Brandt zu naschen. Ich wusste also nicht was mich erwartet.

Und selbst wenn ich mich mit Brandt ansatzweise ausgekannt hätte, niemals hätte ich den Verlauf des Abends vorhergesehen. Es gibt etwas, das mir noch ferner liegt als Besäufnisse. Männer.
Sicher, es gab da mal jemanden und doch scheint es mir als wäre das Jahrzehnte her und kam nie über das Stadium kreisender Gedanken einer Heranwachsenden hinaus.

Ich erinnere mich.

Auch wenn ich jetzt in einem Herbergsbett liege und nicht wage aufzustehen oder überhaupt nur die Augen zu öffnen, weil es sich so anfühlt als würde dann der Himmel auf mich stürzen wird, erinnere ich mich daran einen guten Teil der Nacht anders verbracht zu haben.
Aber nun ist er fort und ich frage mich, wohin. Wie er es geschafft hat mich hier her zu schleppen. Und wie die gesamte Nacht verlaufen wäre, wenn ich mich nicht dem Geist des Alkohols so völlig überlassen hätte bis ich beinahe ohne Besinnung war.

Mein Gesicht glüht wie Feuer wenn ich darüber nachdenke, wie ich mich an ihn geklammert habe - einen letztlich völlig Fremden. Wie konnte ich so kopflos sein mich haltlos zu betrinken und dann auch noch mit einem mir unbekannten Mann zu gehen? Was weiss ich mittlerweile über ihn? Fast nicht mehr als zuvor. Ausser, dass er egal welche Motive er verfolgt hat mit mir zu trinken ein Ehrenmann ist, der mich nicht angerührt hat. Nunja, nicht mehr als es die Lage erforderte. Alleine gehen hätte ich nicht können. Er vielleicht auch nicht.

Der Leuchtturm, wieso habe ich ihn mit auf den Leuchtturm genommen - zu dem Platz der für mich so viel mehr bedeutet als einfache Zuflucht. Dem Platz an dem Feuer und Wasser einander berühren.
Vielleicht ganz einfach, weil es in den letzten Monden niemanden gegeben hat, der ein Halt für mich war. Es musste erst ein Fremder kommen, diesen leeren Platz auszufüllen. Und es schien doch so ungefährlich, würde es mich doch nicht schmerzen, wenn ein Fremder diesen Platz wieder verlässt, wie sie es getan hat.

Einmal mehr wird mir bewußt, wie groß die Lücke ist, die meine Schwester hinterlassen hat und dass wir vermutlich miteinander hätten leben können ohne den Rest der Welt auch nur ansatzweise zu brauchen. Das ist jetzt anders und ich bin nicht sicher ob jene eine Nacht die ich durch die Macht der seltsamen Wolfsfrau mit ihr verbringen konnte nicht eher Wunden aufgerissen als geschlossen hat. Mir nochmals schmerzlich gezeigt hat, was ich verloren habe - denn auch wenn mir nun bewußt ist, dass sie nicht gänzlich fort ist, ist sie doch allerweil ganz knapp ausserhalb meiner Reichweite.

Nur ein Schatten, der im Licht des hellen Tages nicht bestehen kann. Wie kann ich weiter gehen, während sie zwischen den Augenblicken gefangen verweilen muss?
Lange Zeit habe ich die Einsamkeit gewählt, mich dagegen gestemmt, dass das Leben nicht stehen bleibt und mich mit sich ziehen wird wenn ich es nur zulasse - ja ich muss damit aufhören mich zu wehren, dass meine Wunden heilen und weiter gehen. Vielleicht habe ich sogar schon damit angefangen aufzuhören.

Ich öffne meine Augen und sehe mich erneut um - lache auf, so es mit rauher trockener Kehle überhaupt möglich ist. Zweifellos ist er ein Fremder, doch schmerzt mich die Leere des Zimmers in dem er mich zurück gelassen hat wie an Land gespültes Treibgut jetzt etwa nicht?
Zuletzt geändert von Ainea Sandtarden am Samstag 19. November 2011, 13:29, insgesamt 1-mal geändert.
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