Ruhig lag ihr Körper über den Tische gebeugt. Leise und tief schlafend atmete Sie die kühle Luft ein, die sich des Nachts in der Bibliothek breit machte.
Neben ihr ein Eimer mit dreckigen, schleimig wirkenden Wasser. Dazu einige Stofffetzen, die Sie als Lappen benutzte.
Es tat ihr gut, einfach mal wieder irgendetwas "normales" zu tun. Und sei es so maginal wie das Schrubben eines Teppiches, um es von schleimigen Sekreten zu befreien.
Viel hatte Sie nachgedacht, während Sie auf den Knien sass und mit festen Zuge rauf und runter den feuchten Lappen über den Teppich gleiten liess.
Allen vorran Lilian. Ihre Freundin...ihre einzige Freundin.
Früher mied Sie die geselligen Runden...oder genoss allerhöchsten die Aufmerksamkeit von fremden Personen, um Sie um ihren Finger zu wickeln.
Dann kam Niel. Verdammter Niel.
Sie wollte nur noch bei ihm sein...die Zeit mit ihm geniessen...
und dann wurde eben jene gemeinsame Zeit weniger und weniger.
Immer öfters war er verpflichtet, lange zu arbeiten oder in der Ordensburg zu übernachten. Immer einsamer wurden die Nächte für Anveena.
Es schien, als drehe sich die Welt ohne Sie. Es wirke, wie die Mahnung, die kommen musste. Das zeigen, was passieren wird oder passieren kann.
Doch es half nichts, sich davon hinabreissen zu lassen. Selbst wenn es sie...ja so ungewohnt, schmerzte...war Sie doch nie ein Mensch, der sich von Gegegebenheiten hinabziehen liess.
Und dennoch...als Anveena...fühlte Sie sich nutzlos.
Doch Lilian...sie schien erfüllt. Glücklich verheiratet. Eine riesige Bibliothek und viele Menschen, die Sie aufsuchten.
Mag es Neid sein? Oder etwa das Vermissen nach etwas, was Sie nie wirklich hatte?
Der Lappen wurde fester in den Teppich gepresst, die Finger verkrampften sich in jenen, die Blutadern begannen auf ihrer Hand hervorzustechen.
Sie musste ihren Hass bündeln und auf eine Sache konzentrieren...und Sie wusste auch schon auf was...besser...auf wen.
Dieser Trottel, der die Bibliothek heimsuchte. Wie naiv...nein wie Dumm kann ein Mensch sein, einen Schleim oder Flügelaffen in so ein Gebäude hereinzubringen?
Und wie zurückgeblieben, nicht den Schaden zu erkennen, den man selbst verantwortet.
Es wirkt mehr als Frech...dieses Verhalten. Rücksichtslos und ohne Gedanken an andere.
Sicher, Anveena wäre da selber kein Musterbeispiel...doch Lilian...sie muss einfach zu nett sein. Anders könne Sie sich nicht erklären, warum Sie es so tolerierte. Warum Sie dem nicht Einhalt gebot.
Sie ist in dem Sinne einfach zu weich. Und das würde nun Anveenas Stärke sein.
Sie mag nicht beliebt sein. Nicht die stetige Aufmerksamkeit der Welt erlangen und selber nicht viel geben.
Doch wenn es darum geht, den Menschen seine Fehler aufmerksam zu machen....so in deren Hirn einbrennend, dass Sie es nie wieder tun würden...eher sterbend die Klippe hinabspringend...ja, dann war Anveena die richtige.
Und Sie weiß, dass Serra diesen Flegel aufsuchen wird....und Sie wird es geniessen.