Von den vier Elementen
Verfasst: Montag 7. November 2011, 19:19
1. Wie der Fuchs das Feuer fand
Schritt um Schritt entfernten ihn seine Füße von dem vertrauten alten Holzhaus, an dessen Seite sich die Mühlenflügel im sachten Abendwind drehten. Ruhig und beschaulich wirkte alles um ihn herum, der Fluss folge noch immer dem gleichen Lauf, den er schon vor Menschengedenken in den weichen Boden gegraben hatte und er konnte eine Vielzahl an zwitschernden Vögeln vernehmen, die sich in den Bäumen, die den Weg säumten, ihr behagliches Nest für die Nacht bereiteten und von den Abenteuern des Tages sangen. Das Land sprach von Frieden, nie, so schien es, hatte der grausame heimtückische Krieg dieses Land heimgesucht und Medren hoffte inständig, dass es auch nie dazu kommen würde. Einen Moment lang blieb er stehen und blickte zurück zum Kirchenfenster, aus dem noch ein weibliches Gesicht mit dunklen, krausen Locken winkte.
Seine Mutter, Elspeth, würde dort ganz sicher auch noch stehen, wenn er längst aus ihrer Sicht verschwunden war, sie hatte ihn vermisst und nun kostete sie jeden noch so kleinen Augenblick aus um ihren‘ Jungen‘ zu sehen. Ein wenig musste er über den Ausdruck jedes Mal schmunzeln, wo er doch nicht mehr der kleine Kerl war, den sie am Abend aus dem Wald zurück erwartet hatte und doch würde er es für sie immer bleiben, das hatte er im Gefühl.
Schließlich blieb er doch noch einmal stehen, hob die rechte Hand und winkte ihr ein letztes Mal zu… er wusste, es würden wieder einige Monde vergehen, bevor er sie und seinen Vater wiedersah, denn der Weg zu ihnen war weit und er musste seine Freunde, die, die ihm wie ein Teil seiner Familie waren, zurücklassen. Ein leises Sehnen flüsterte ihm die Namen derer in den Sinn und lächelnd schloss er die farngrünen Augen, sah vor seiner inneren Sicht seine Brüder, die Schwestern und ein weiches, ihn willkommendes Lächeln.
Sein Gang gewann ein wenig an Geschwindigkeit, als wolle er sich mit ihrem Gedanken im Herzen beeilen, die Liebgewonnenen wieder um sich zu haben und so sah er die dunklen Regenwolken, die hinter ihm über den Horizont zu kriechen begannen, nicht.
Einige Stunden später hatte der Sturm ihn erreicht.
Medren kämpfte gegen den um ihn tosenden Wind, lehnte sich in die wütenden Böen, um nicht wieder zurückgetrieben zu werden und raffte den weiten, sie immer von Neuem lösenden Mantel eng um sich. Er musste dringend einen Unterschlupf finden, um zumindest ein kleines Feuer entfachen zu können. Der kalte Regen prasselte unaufhörlich vom Himmel und durchweichte jedes Stück Stoff, das er am Leibe trug. Innerhalb von Minuten war er nass bis auf die Knochen und selbst seine Versuche, sich im Lied mit der Melodie des Feuers aufzuwärmen, scheiterte irgendwann kläglich.
Nur noch vorwärts, das Gesicht zum Boden gewandt, stolperte der fuchshaarige Medren voran, während ihm die Äste des wilden Waldes entgegen peitschten. Verzweifelt hielt er inne und versuchte im Lied zu lauschen, folgte den Melodien des Waldes um ihn herum, die vom lauten Knurren des Sturmes immer wieder übertönt wurden und suchte nach dem Hallen eines Echos, das ihm Hinweise auf einen möglichen Unterschlupf gab.
Und tatsächlich… als er bereits aufgeben wollte, vernahm er es… leise… wie ein Wispern.
Gen Norden zogen die Töne ihn und im tiefen Vertrauen auf Mutters geschickte Hände, die ihn leiteten, ließ er sich an die Hand nehmen und verfolgte den feinen Strang, währende das Wasser in Sturzbächen in seinen Nacken lief.
Als er schön nicht mehr glaubte, die Höhle noch zu finden, tat sich, behangen von Efeu, ein dunkler und trockener Eingang vor ihm auf, in den er erleichtert hineinstürzte. Auf die Knie gesackt sah er sich in seinem neu gewonnenen Unterschlupf um. Der Steinboden war halbwegs sauber und kein regen war tiefer hineingedrungen. Zudem hatte wohl ein Wanderer, den es vor ihm hierher verschlagen haben musste und der die Höhle ebenfalls als Nachtlager genutzt hatte, ein paar Holzstämme ordentlich in den geschützten Eingangsbereich geschlichtet. Langsam schälte sich Medren Schicht um Schicht aus den nassen Sachen und legte die letzte saubere Garnitur an, denen man ihr langes Leben an durchgewetzten Stellen und alten geflickten Rissen schon ansah und stapelte einige der Hölzer so auf, dass der Rauch des Lagerfeuers in den Regen hinauszog.
Dann setzte er sich und versuchte mit Feuerstein und Zunder Hitze ins Feuerholz zu bringen, nährte das neugeborene Flämmchen und wärmte die tauben Handflächen über der bald aufflackernden Glut. Kurz versuchte er, einen Blick hinauszuwerfen, um abzuschätzen, wie lange er sich hier in der Sicherheit der Höhle aufhalten musste, doch die fingerdicken Bindfäden, die vom Himmel fielen und im Wind wie haltlose Taue umher geweht wurden, vernichteten jede Hoffnung, noch am gleichen Abend die Reise fortzusetzen.
Leise seufzend wandte er den Blick zurück zum Höhle und gestattete sich, das Innere genauer zu betrachten. Das Ende der etwa drei Schritt in die Tiefe führenden Öffnung lag um eine Ecke verborgen und entzog sich seinem Auge, daher betrachtete er die kleinen Scharten in der Steinwand und die Blätterschicht, die einen Teil des Bodens im hinteren Teil bedeckte.
„Wie gemacht als Bett…“ ging es ihm durch den Kopf. Seine Mutter würde sicher die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, doch er hatte schon schlechter genächtigt als in einer trockenen warmen Höhle. Nahe dem Feuer fand er einen kleinen Felsvorsprung über den er die nassen Sachen breitete. Wenn Mutter und das Glück ihm hold waren, würden die Sachen bis zum nächsten Tag wieder trocken sein und er konnte zurück zu Hanna, zu Arulius und den anderen Hexen und Druiden.
Als draußen der Sturm in den düsteren Nachthimmel überging, streckte sich Medren auf dem Blätterbett aus, schloss die Augen und bald, noch bevor ihm die im Feuerschein schimmernden kleinen Knöchelchen auffallen konnten, forderte der anstrengende Tag seinen Tribut und er schlief ein.
Draußen, beschienen von Nichts als dem freundlichen alten Vollmond, hatten die Regenwolken ein Einsehen mit der großen Katze, die zwischen den Bäumen umherschlich und witterte. Die Nachtluft schmeckte nach Fleisch und das rabenschwarze Tier setzte die weichen Pfoten geschickt und glitt lautlos voran. Das mit scharfen Krallen, groß wie Dolche, bestückte Maul öffnete sich, als die Nase zuckte und leckte sich die Lippen. Immer näher umkreiste der große Kater die Höhle, aus der der Geruch ihr wie ein wortloses Versprechen entgegen strömte.
Der Fuchskopf ruckte in die Höhe und seine Augen starrten hinaus in die Dunkelheit, erst noch orientierungslos, doch dann gewahrte er das Atemgeräusch und zwei gelb blitzende Augen, die ihn fixiert hatten, seinen Blick hielten und abzuwägen schienen, wie groß die Chance auf eine schnelle Attacke war.
Medren richtete sich langsam auf, streckte den Rücken, langsam, Stück für Stück. Er musste größer wirken um der Katze zu imponieren, das Tier erst mal abzuhalten. Gleichzeitig tastete er mit der Hand nach seinem Wanderstab, dunkel wie geöltes Birnenholz, aber doch viel härter und mit zahlreichen Schnitzereien überzogen. Als seine Finger die mit Lederband umwickelte Grifffläche ertasteten, hätte er vor Freude am liebsten gejubelt, doch die Katze lauerte noch immer wachsam, wartete auf ihre Chance.
Diese kam schneller, als es Medren lieb war, denn um den Stab anzuheben, musste er den Oberkörper mitdrehen und in diesem Moment spannten sich die kräftigen Muskeln und der schwarze Schatten sprang. Gerade noch rechtzeitig brachte er das Holz zwischen sich und den auf ihn prallenden Körper, der faulige Hauch aus dem gefräßigen Maul nahm ihm den Atem und der Stab ächzte unter der Anstrengung, aber Medren gab nicht auf. Jeder von ihnen versuchte die Oberhand zu gewinnen, rangen dem anderen mehr und mehr der teuren Kraftreserven ab, doch die Katze arbeitete sich millimeterweise voran. Medren erkannte, dass er dabei war zu verlieren und das entzündete in ihm den Funken der Wut.
Im Geist griff er nach dem Feuer und ließ seinen Klang in das Fünkchen hineinfließen, mehrte es, bis es wie Blut durch seine Adern floss.
Vielleicht war es Angst, vielleicht aber auch der Wille zu überlegen, doch er drückte gegen die Katze mit all seiner Kraft. Er bat und rief im Lied und es war, als erhörte ihn Mutter selbst, Flammen züngelten aus seinen Fingern und folgten den Schnitzereien wie ein Feuerband, das in der dunklen Höhle leuchtete. Erbostes Fauchen erklang, als die Katze zurücksprang und sich über die baren Sohlen, nun verbrannt, leckte. Sie mochte kein Feuer… dessen Gefahr war seit jeher in ihren Sinnen verankert und ließ siezurückweichen. Ihrer Bewegung folgend erhob sich Medrens Körper, ebenso langsam wie bedacht, er streckte seine Beine um mit einem schnellen Ruck einen Schritt nach vorn zu springen, den feurigen Begleiter wie einen brennenden Hirtenstab vor sich haltend.
Fauchend suchte das Tier das Weite und verschwand in die dunkle Nacht hinaus, um sich eine leichtere Beute für den leeren Magen zu suchen.
Medren aber sah auf die langsam verlöschenden Flammen, die ein dunkleres Muster im Holz zurückgelassen hatten und die Melodie des Feuers stieg aus dem alten Wanderstab auf, umtanzte ihn, um dort von Erde und Wasser willkommen geheißen zu werden.
Farghus Worte kamen ihm nun in den Sinn: „Ich bin damals unendlich viele Male über meinen Stab gestolpert, bevor ich ihn erkannte.“ Ein Lachen verließ Medrens Kehle und er ließ es wie Wasser aus sich herausfließen. Sein Bruder würde sicher schmunzeln, wenn er ihm gestehen musste, dass sein Instrument des Feuers schon immer in seinem Besitz gewesen war, als eine der beiden einzigen Erinnerungen an jene Menschen, die ihn zur Welt gebracht und dann am Haingrund ausgesetzt hatten.
Den Rest der Nacht wachte Medren am Feuer, falls die Katze es sich doch anders überlegte, doch alles blieb still und als der Morgen sein frisches Gesicht zur Höhle hineinstreckte, erhob er sich und wanderte gen Heimat.
Zum Druidenhain…
Und zu dem kleinen Häuschen am See…
Schritt um Schritt entfernten ihn seine Füße von dem vertrauten alten Holzhaus, an dessen Seite sich die Mühlenflügel im sachten Abendwind drehten. Ruhig und beschaulich wirkte alles um ihn herum, der Fluss folge noch immer dem gleichen Lauf, den er schon vor Menschengedenken in den weichen Boden gegraben hatte und er konnte eine Vielzahl an zwitschernden Vögeln vernehmen, die sich in den Bäumen, die den Weg säumten, ihr behagliches Nest für die Nacht bereiteten und von den Abenteuern des Tages sangen. Das Land sprach von Frieden, nie, so schien es, hatte der grausame heimtückische Krieg dieses Land heimgesucht und Medren hoffte inständig, dass es auch nie dazu kommen würde. Einen Moment lang blieb er stehen und blickte zurück zum Kirchenfenster, aus dem noch ein weibliches Gesicht mit dunklen, krausen Locken winkte.
Seine Mutter, Elspeth, würde dort ganz sicher auch noch stehen, wenn er längst aus ihrer Sicht verschwunden war, sie hatte ihn vermisst und nun kostete sie jeden noch so kleinen Augenblick aus um ihren‘ Jungen‘ zu sehen. Ein wenig musste er über den Ausdruck jedes Mal schmunzeln, wo er doch nicht mehr der kleine Kerl war, den sie am Abend aus dem Wald zurück erwartet hatte und doch würde er es für sie immer bleiben, das hatte er im Gefühl.
Schließlich blieb er doch noch einmal stehen, hob die rechte Hand und winkte ihr ein letztes Mal zu… er wusste, es würden wieder einige Monde vergehen, bevor er sie und seinen Vater wiedersah, denn der Weg zu ihnen war weit und er musste seine Freunde, die, die ihm wie ein Teil seiner Familie waren, zurücklassen. Ein leises Sehnen flüsterte ihm die Namen derer in den Sinn und lächelnd schloss er die farngrünen Augen, sah vor seiner inneren Sicht seine Brüder, die Schwestern und ein weiches, ihn willkommendes Lächeln.
Sein Gang gewann ein wenig an Geschwindigkeit, als wolle er sich mit ihrem Gedanken im Herzen beeilen, die Liebgewonnenen wieder um sich zu haben und so sah er die dunklen Regenwolken, die hinter ihm über den Horizont zu kriechen begannen, nicht.
Einige Stunden später hatte der Sturm ihn erreicht.
Medren kämpfte gegen den um ihn tosenden Wind, lehnte sich in die wütenden Böen, um nicht wieder zurückgetrieben zu werden und raffte den weiten, sie immer von Neuem lösenden Mantel eng um sich. Er musste dringend einen Unterschlupf finden, um zumindest ein kleines Feuer entfachen zu können. Der kalte Regen prasselte unaufhörlich vom Himmel und durchweichte jedes Stück Stoff, das er am Leibe trug. Innerhalb von Minuten war er nass bis auf die Knochen und selbst seine Versuche, sich im Lied mit der Melodie des Feuers aufzuwärmen, scheiterte irgendwann kläglich.
Nur noch vorwärts, das Gesicht zum Boden gewandt, stolperte der fuchshaarige Medren voran, während ihm die Äste des wilden Waldes entgegen peitschten. Verzweifelt hielt er inne und versuchte im Lied zu lauschen, folgte den Melodien des Waldes um ihn herum, die vom lauten Knurren des Sturmes immer wieder übertönt wurden und suchte nach dem Hallen eines Echos, das ihm Hinweise auf einen möglichen Unterschlupf gab.
Und tatsächlich… als er bereits aufgeben wollte, vernahm er es… leise… wie ein Wispern.
Gen Norden zogen die Töne ihn und im tiefen Vertrauen auf Mutters geschickte Hände, die ihn leiteten, ließ er sich an die Hand nehmen und verfolgte den feinen Strang, währende das Wasser in Sturzbächen in seinen Nacken lief.
Als er schön nicht mehr glaubte, die Höhle noch zu finden, tat sich, behangen von Efeu, ein dunkler und trockener Eingang vor ihm auf, in den er erleichtert hineinstürzte. Auf die Knie gesackt sah er sich in seinem neu gewonnenen Unterschlupf um. Der Steinboden war halbwegs sauber und kein regen war tiefer hineingedrungen. Zudem hatte wohl ein Wanderer, den es vor ihm hierher verschlagen haben musste und der die Höhle ebenfalls als Nachtlager genutzt hatte, ein paar Holzstämme ordentlich in den geschützten Eingangsbereich geschlichtet. Langsam schälte sich Medren Schicht um Schicht aus den nassen Sachen und legte die letzte saubere Garnitur an, denen man ihr langes Leben an durchgewetzten Stellen und alten geflickten Rissen schon ansah und stapelte einige der Hölzer so auf, dass der Rauch des Lagerfeuers in den Regen hinauszog.
Dann setzte er sich und versuchte mit Feuerstein und Zunder Hitze ins Feuerholz zu bringen, nährte das neugeborene Flämmchen und wärmte die tauben Handflächen über der bald aufflackernden Glut. Kurz versuchte er, einen Blick hinauszuwerfen, um abzuschätzen, wie lange er sich hier in der Sicherheit der Höhle aufhalten musste, doch die fingerdicken Bindfäden, die vom Himmel fielen und im Wind wie haltlose Taue umher geweht wurden, vernichteten jede Hoffnung, noch am gleichen Abend die Reise fortzusetzen.
Leise seufzend wandte er den Blick zurück zum Höhle und gestattete sich, das Innere genauer zu betrachten. Das Ende der etwa drei Schritt in die Tiefe führenden Öffnung lag um eine Ecke verborgen und entzog sich seinem Auge, daher betrachtete er die kleinen Scharten in der Steinwand und die Blätterschicht, die einen Teil des Bodens im hinteren Teil bedeckte.
„Wie gemacht als Bett…“ ging es ihm durch den Kopf. Seine Mutter würde sicher die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, doch er hatte schon schlechter genächtigt als in einer trockenen warmen Höhle. Nahe dem Feuer fand er einen kleinen Felsvorsprung über den er die nassen Sachen breitete. Wenn Mutter und das Glück ihm hold waren, würden die Sachen bis zum nächsten Tag wieder trocken sein und er konnte zurück zu Hanna, zu Arulius und den anderen Hexen und Druiden.
Als draußen der Sturm in den düsteren Nachthimmel überging, streckte sich Medren auf dem Blätterbett aus, schloss die Augen und bald, noch bevor ihm die im Feuerschein schimmernden kleinen Knöchelchen auffallen konnten, forderte der anstrengende Tag seinen Tribut und er schlief ein.
Draußen, beschienen von Nichts als dem freundlichen alten Vollmond, hatten die Regenwolken ein Einsehen mit der großen Katze, die zwischen den Bäumen umherschlich und witterte. Die Nachtluft schmeckte nach Fleisch und das rabenschwarze Tier setzte die weichen Pfoten geschickt und glitt lautlos voran. Das mit scharfen Krallen, groß wie Dolche, bestückte Maul öffnete sich, als die Nase zuckte und leckte sich die Lippen. Immer näher umkreiste der große Kater die Höhle, aus der der Geruch ihr wie ein wortloses Versprechen entgegen strömte.
Der Fuchskopf ruckte in die Höhe und seine Augen starrten hinaus in die Dunkelheit, erst noch orientierungslos, doch dann gewahrte er das Atemgeräusch und zwei gelb blitzende Augen, die ihn fixiert hatten, seinen Blick hielten und abzuwägen schienen, wie groß die Chance auf eine schnelle Attacke war.
Medren richtete sich langsam auf, streckte den Rücken, langsam, Stück für Stück. Er musste größer wirken um der Katze zu imponieren, das Tier erst mal abzuhalten. Gleichzeitig tastete er mit der Hand nach seinem Wanderstab, dunkel wie geöltes Birnenholz, aber doch viel härter und mit zahlreichen Schnitzereien überzogen. Als seine Finger die mit Lederband umwickelte Grifffläche ertasteten, hätte er vor Freude am liebsten gejubelt, doch die Katze lauerte noch immer wachsam, wartete auf ihre Chance.
Diese kam schneller, als es Medren lieb war, denn um den Stab anzuheben, musste er den Oberkörper mitdrehen und in diesem Moment spannten sich die kräftigen Muskeln und der schwarze Schatten sprang. Gerade noch rechtzeitig brachte er das Holz zwischen sich und den auf ihn prallenden Körper, der faulige Hauch aus dem gefräßigen Maul nahm ihm den Atem und der Stab ächzte unter der Anstrengung, aber Medren gab nicht auf. Jeder von ihnen versuchte die Oberhand zu gewinnen, rangen dem anderen mehr und mehr der teuren Kraftreserven ab, doch die Katze arbeitete sich millimeterweise voran. Medren erkannte, dass er dabei war zu verlieren und das entzündete in ihm den Funken der Wut.
Im Geist griff er nach dem Feuer und ließ seinen Klang in das Fünkchen hineinfließen, mehrte es, bis es wie Blut durch seine Adern floss.
Vielleicht war es Angst, vielleicht aber auch der Wille zu überlegen, doch er drückte gegen die Katze mit all seiner Kraft. Er bat und rief im Lied und es war, als erhörte ihn Mutter selbst, Flammen züngelten aus seinen Fingern und folgten den Schnitzereien wie ein Feuerband, das in der dunklen Höhle leuchtete. Erbostes Fauchen erklang, als die Katze zurücksprang und sich über die baren Sohlen, nun verbrannt, leckte. Sie mochte kein Feuer… dessen Gefahr war seit jeher in ihren Sinnen verankert und ließ siezurückweichen. Ihrer Bewegung folgend erhob sich Medrens Körper, ebenso langsam wie bedacht, er streckte seine Beine um mit einem schnellen Ruck einen Schritt nach vorn zu springen, den feurigen Begleiter wie einen brennenden Hirtenstab vor sich haltend.
Fauchend suchte das Tier das Weite und verschwand in die dunkle Nacht hinaus, um sich eine leichtere Beute für den leeren Magen zu suchen.
Medren aber sah auf die langsam verlöschenden Flammen, die ein dunkleres Muster im Holz zurückgelassen hatten und die Melodie des Feuers stieg aus dem alten Wanderstab auf, umtanzte ihn, um dort von Erde und Wasser willkommen geheißen zu werden.
Farghus Worte kamen ihm nun in den Sinn: „Ich bin damals unendlich viele Male über meinen Stab gestolpert, bevor ich ihn erkannte.“ Ein Lachen verließ Medrens Kehle und er ließ es wie Wasser aus sich herausfließen. Sein Bruder würde sicher schmunzeln, wenn er ihm gestehen musste, dass sein Instrument des Feuers schon immer in seinem Besitz gewesen war, als eine der beiden einzigen Erinnerungen an jene Menschen, die ihn zur Welt gebracht und dann am Haingrund ausgesetzt hatten.
Den Rest der Nacht wachte Medren am Feuer, falls die Katze es sich doch anders überlegte, doch alles blieb still und als der Morgen sein frisches Gesicht zur Höhle hineinstreckte, erhob er sich und wanderte gen Heimat.
Zum Druidenhain…
Und zu dem kleinen Häuschen am See…