Die Begleiterin war froh als das Schiff in Rahal anlegte, Tira hatte die halbe Fahrt geschlafen, doch leider nur die Halbe. Während der restlichen Zeit war sie unruhig auf dem Schiff herum gesprungen, hatte die Matrosen genervt mit ihren 1000 Fragen und zum Schluss noch fast den Käpten wütend gemacht, weil sie einfach zum Steuer gegangen war.
Die junge Novizin des Klosters Alatars begleitete das Mädchen vom Kloster wieder Nachhause. Die Eltern hatten sie ins Kloster zurückgeschickt damit sie ihre Sachen abholen kann und damit sie während eines Krieges nicht in der Stadt war, sondern in den sicheren Mauern des Klosters.
Nun war Tira wieder in Rahal, sie war einige Wochen weggewesen und sie freute sich auf ihre Eltern. Tira packte ihren Beutel und rannte über den Pier.
Die Begleiterin atmete auf als sie Tira davon rennen sah, und hoffte dass das Kind wirklich alleine zu ihrem Haus finden würde. Sie selbst bestieg wieder das Schiff ihre Reise war noch nicht zu Ende.
Tira huschte durch die Strassen von Rahal, den schnellsten Weg nehmend in Richtung ihres Zuhauses. Ausseratem kam das kleine Mädchen Zuhause an. „Paaapaa“, rief sie laut und gleich hinter her ein eben so lautes „Maaaamaaaa“. Doch im Haus rührte sich nichts. Ihre Katze Milou kam von draussen herein gelaufen und Tira drückte diese an sich. „Weißt du wo Papa und Mama sind?“. „Miau“, wenn Tira nur gewusst hätte was das heisst. Das Kind warf seine Sachen hin und packte sich einen Apfel und trank einen Schluck Milch, natürlich aus dem Krug, schliesslich war Mama ja nicht da.
Vielleicht waren Papa und Mama in der Stadt, überlegte das Mädchen. Eine kleine Träne kullerte über die Wangen. Sie packte ihre lange vermissten Stofftiere ein, die sie nicht hatte mitnehmen dürfen ins Kloster und machte sich auf, wieder in Richtung Stadt.
Auf dem Weg stolperte sie über die Wurzeln die dort überall zu wuchern schienen, mit ihren Tränen verschleierten Augen konnte sie diese nicht so gut erkennen und einige Male landete sie auf ihren Knien.
Als erstes lief Tira zur Taverne, doch der Wirt wusste nichts und Gäste waren auch keine dort. Immer wieder entfuhr der Kleinen ein schluchzten, denn langsam wurde es Dunkel und sie hatte ihre Eltern immer noch nicht gefunden. Sie sprach einige der Wachmänner an, doch die zeigten kein Interesse daran dem Kind zu helfen. So irrte das kleine Mädchen ziellos durch die Stadt, immer wieder die Orte absuchend wo sie ihre Eltern vermutete.
Aus dem Schluchzten war nun ein weinen geworden und Tira stand etwas hilflos auf der Strasse, sie wusste nicht wo sie noch suchen sollte.
Da trat eine Wache auf sie zu und sprach Tira an, was sie denn suche. Tira erklärte ihr mit tränenerstickter Stimme, dass sie ihre Eltern suche.
Als die Wachfrau dann herausgefunden hatte wer Tiras Eltern waren, schien sie einen Moment zu erstarren. Sie erzählte Tira das ihre Eltern krank wären, schwer krank und sie deshalb nicht zu ihnen dürfe. Aber das Kind war sehr eigensinnig, und wollte ihren Papa unbedingt sehen. Die Wache gab sich sehr verständnisvoll und schlug vor das sie zu ihren Eltern gehen würde und sie fragen ob sie Tira sehen wollten.
Die Wachfrau liess Tira bei einem Wachmann auf er Strasse warten und verschwand. Ihr Plüschpferchen fest in den Armen wartete die Kleine.
Einige Zeit später kam die Wachfrau wieder und berichtete dem Kind, dass ihre Eltern nicht wollten, das sie zu ihnen käme.
Das konnte Tira nicht verstehen, wieso wollten ihre Eltern sie nicht sehen? Das kleine Mädchen stellte auf stur, und beharrte darauf ihren Papa zusehen, sie versprach auch nicht in die Nähe zugehen.
Die Wachfrau hätte wohl jegliches Mitleid verdient gehabt, mit einem solch eigensinnigen Kind, es schien auch so als würde sie bald verzweifeln.
Schlussendlich kamen sie überein, das wenn Tira ihren Papa gehört hätte, und dieser ihr sagen würde dass die mit der Wache mitgehen soll, das Tira dann ohne Widerrede mitgehen würde. Das Versprach das Kind dann auch.
Zusammen mit der Wachfrau, gingen sie Richtung Gefängnis. Tira sollte draussen warten, ihr Papa würde dann ans Fenster kommen.
Tira sah der Wachfrau nach, beobachtete sie, die Tür schien keinen Schlüssel zu brauchen. Einen Moment stand sie brav da, bis die Wachen vor der Tür das Interesse verloren und wieder wegsahen.
Dann schlich die Kleine zur Tür und zerrte an der schweren Metalltür bis sie aufsprang. Verwundert blickte Tira sich um, sie wusste wie ein Gefängnis aussah und das hier war eins. Als sie ihren ersten Schock überwunden hatte, schrie sie so laut sie konnte: „PAAAPAAA!“.
„TIRA!“, kam es auch prompt zur Antwort. Doch noch bevor Tira realisieren konnte woher die Stimme kam, stand schon die Wachfrau vor ihr und schimpfte, das sie doch draussen hätte warten müssen. Tira ignorierte sie und rannte zur Gittertür,hinter der sie ihren Vater vermutete, doch die Wachfrau war mit einigen Schritten neben ihr und hielt die Türe zu. Tugor rief Tira zu, dass sie nicht hier sein dürfte, dass das kein Ort für sie sei. Doch das war dem Mädchen egal, es war so froh die Stimme ihres Papas zu hören. Böse blickte sie zu der Wachfrau; „Du hast mich angelogen, das ist kein Heilerhaus, das ist ein Gefängnis!“. Die Wachfrau wollte Tira noch geduldige erklären dass das Gefängnis als Quarantänehaus benutzt werde, doch ein gellender Schrei unterbrach ihre Erklärungsversuche; „MAAAMAA!“. „Tira, meine Kleine!“, kam es aus einer der hinteren Ecken zurück. Dem kleinen Mädchen rollte eine Träne über die Wange.
„Du musst jetzt brav sein Tira“, kam es von Tugor, „und du musst mit der Wachfrau mit gehen und versuch lieb zu sein und tu was sie sagt!“. Unter Tränen versprach es Tira und rang ihrem Vater das Versprechen ab das sie sie bald sehen würde.
Die Wachfrau schob Tira langsam Richtung Ausgang. Gehorsam stapfte das kleine Mädchen neben der Wachfrau her.
Zusammen gingen sie zur Kutsche und Tira wusste nicht wohin sie sie bringen würde. Nach einer Kutschfahrt, liefen die beiden noch durch ein Waldstück. Die Wachfrau schien die Wege zu meiden, Tira war das egal, sie rannte gerne durch den Wald, zwischen den Bäumen und Wurzeln fühlte sie sich wohl. Doch diesen Wald kannte Tira nicht und da sie sich geweigert hatte von der Wachfrau an der Hand geführt zu werden, musste sie aufpassen diese nicht zu verlieren.
Als sie aus dem Dickicht traten, standen sie vor einer hohen Mauer, Tira musste den Kopf in den Nacken legen, um das Ende zu sehen. Eingeschüchtert zog sie ihren Plüschdrachen aus ihrer Tasche und drückte ihn an sich.
Mit schweren Schlägen klopfte die Wache an die dicke Metalltür. Es dauerte eine Weile, bis die Tür geöffnet wurde.
Im Tor stand eine junge, adrett gekleidete Frau, ihr Blick wirkte sichtlich irritiert als sie die Wachfrau Rahals sah. Nach dem die Wachfrau um Einlass für sich und Tira gebeten hatte, wurden die zwei Besucher in den Esssaal geführt. Die Wachfrau gab Tira einen Kuchen und deshalb hörte sie dem Gespräch der Erwachsenen nicht zu. Für das Mädchen war es wohl ein Glück, denn was sie so gehört hatte hätte ihr nicht gefallen.
Die Wachfrau war nicht sicher was aus den Eltern von Tira werden wird, und so bat sie die Templerin Tira aufzunehmen, bis die Eltern sie abholen oder Tira alt genug wäre um selber zu entscheiden was sie werden will.
Als Tira den Kuchen aufgegessen hatte, klammerte sie sich wieder an den Plüschdrachen. Die Templerin hockte sich neben Tira und bewundere Tiras Drache. Freundlich fragte sie das Mädchen ob es und ihr Drache denn hier bleiben wolle.
Tira dachte an die Worte ihres Papas, das sie der Wachfrau gehorchen solle und diese wollte, dass sie im Kloster blieb, also bejahte sie die Frage. „Darf ich denn dableiben? Und Drache und Bärchen und Pferdchen?“, zählte sie ihre Plüschtiere auf. Die Templerin nickte.
Zusammen mit der Wachfrau welche sich nicht zu erkennen gab und immer noch den Helm trug, brachten sie Tira zum Zimmer der Templerin und liessen sie dort alleine. Die beiden Frauen hatten noch etwas zu besprechen was Tira wohl nicht hören sollte.
Das Zimmer war einfach möbliert, viel gab es nicht zusehen und so setzte sich Tira auf eins der Betten und scharte ihre Plüschtiere um sich, wartete auf die beiden Frauen.
Es dauerte einige Zeit bis die Wachfrau in der Türe stand, und sich von Tira verabschiedete und sie nochmals ermahnte brav zusein und ob sie den Eltern etwas ausrichten sollte. „Sag Papa und Mama das ich die vermisse und sie lieb hab“, meinte die Kleine traurig. Die Wachfrau versprach, es weiter zusagen und dann war sie auch schon verschwunden.
Einen Moment später kam die Templerin ins Zimmer und setzte sich zu Tira aufs Bett. „Ich habe mich nicht einmal Vorgestellt, ein bisschen unhöflich, meinst du nicht auch?“, fragte die Templerin mit einem freundlichen Lächeln. Tira sah sie unentschlossen an, es war viel passiert an dem Tag und das war nicht das ungewöhnlichste. „Ich heisse Sanjana und bin Temperin Temoras“, stellte sie sich dann vor. „Ich heisse Tira A’kinar“, stellte sich dann auch Tira nochmals vor.
Danach führte Sanjana das Mädchen durch das Kloster, damit sie am Morgen nicht Angst haben muss, weil sie sich nicht auskennt. Tira sah begeistert zum Baum des Lichtes. „Diesen Baum hat Temora vor vielen Jahren gepflanzt“, erklärte die Templerin. „Wer ist Temora?“, fragte Tira. Doch Sanjana verschob die Gesichte auf ein anders Mal und führte Tira zu den Schafen. Dort liess sie das kleine Mädchen kurz alleine, weil es am Tor klopfte. Eins der Schafe schien sehr zutraulich zu sein und eroberte sofort das Herz der Kleinen. Tira nannte das Schaf Dolly, Sanjana musste lächeln als Tira ihr Dolly vorstellte. Dann führte sie Tira zur Bibliothek, den Vorratsraum und bei der Werkstatt bemerkte sie das Tira dort bitte nicht hinein gehen soll, weil es gefährlich sei. Zum Schluss des Rundganges betraten sie die Kapelle des Klosters.
Tira sah sich verwirrt um, sie kannte nur die Kapelle im Kloster Alatars. „Das ist die Kapelle? Aber es ist nicht dunkel und kein Blut.“, wandte sie sich an Sanjana. Die Templerin war geschockt und konnte nur noch erwidern das sie ihr das noch erklären werde.
Danach brachte Sanjana Tira ins Bett. Tira legte sich unter die Decke, ihre Plüschtiere um sich herum und den Plüschdrache fest im Arm. „Möge Temora dich beschützen kleine Tira“, sprach Sanjana leise und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Tira die schon halb eingeschlafen war, lächelte leicht, denn sonst hatte immer ihre Mama sie ins Bett gebracht.
Als Tira schlief legte Sanjana einen Brief aufs Bett so das sie ihn beim erwachen gleich finden würde.
Am Morgen entzifferte Tira den Brief. Tränen liefen über die Wangen des Mädchens, sie vermisste ihre Mama und ihren Papa. Sanjana versprach Tira sobald sie mit ihrer Arbeit fertig wäre würde sie ihr helfen eine Antwort zu schreiben.