Erkenntnisse

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Silwen Hinnak

Erkenntnisse

Beitrag von Silwen Hinnak »

Es war schon ein paar Tage her, dass er auf Gerimor an Land ging.
Und wirklich war er erst da, als auch Sie die Insel betrat.
Jetzt war er wieder vollständig, jetzt konnte das große Abenteuer Leben losgehen. Sie wollten sich irgendwo zusammen niederlassen und er war sich ziemlich sicher, dass aus ihrer Zuneigung etwas Großes erwachsen würde.

Die ersten Tage waren gezeichnet von Tatendrang und dem Wunsch sich mit der neuen Heimat vertraut zu machen. Bajard, der erste Ort den er sah als er an Land ging, hatte es ihm besonders angetan. Die Herzlichkeit der Menschen, die Ruhe und Überschaubarkeit erinnerten ihn stark an zu Haus. Hier ließ es sich bestimmt gut leben, wenn man nur ein Dach überm Kopf finden würde, ein Tagwerk, das es einem ermöglicht sich einen Platz in dieser Stadt zu verdienen.
All zu flüchtig frug er Sie nach ihrem Einverständnis und eilte von dannen, vorstellig zu werden, beim Hof im Orte. Das Glück schien ihm hold und man bot ihm nicht nur eine Anstellung sondern auch Obdach. Ohne Umschweife sagte er zu, und bezog mit Ihr das neue Heim.
Voller Enthusiasmus stürzte er sich in die ihm auferlegten Arbeiten und sah sich Stunde um Stunde, die er auf den Feldern verbrachte, näher an dem eigenen Gestüt. Näher an der Zeit die er mit Ihr teilen wollte.
Doch etwas stimmte nicht.
Die Ereignisse überschlugen sich und Krieg brach aus in der neuen Heimat. War das, das jähe Ende seiner Träume? Würde Ihr etwas geschehen?
Der Krieg verebbte und die Strassen wurden wieder sicher. Sie kamen beide mit dem Schrecken davon.
Aber der Knoten in seinem Bauch löste sich nicht.

Wie jeden Abend saßen sie zusammen in der Stube. Sie nähte noch ein Hemd, das Sie am nächsten Morgen zu tragen gedachte. Es war schon dunkel draußen. Doch er ging erneut auf die Felder um noch die ein oder andere Rübe vor der nächtlichen Kühle zu bewahren. Als er zurückkam schlief Sie bereits.

Was war geschehen? All die Tage zuvor war Sie nicht einen Abend zu Bett gegangen, ohne ihm gute Nacht zu wünschen.

Fassungslos stand er an Ihrem Bett.

Wollten sie nicht viel Zeit miteinander verbringen, sich ein eigenes zu Hause aufbauen?

Beinahe lautlos ließ er sich am Kopfende des Bettes zu boden sinken. Sein Blick strich über Ihr liebliches Antlitz. Die nordische Pracht Ihrer Haare, die Sie wie die Sonne krönten, selbst in diesem Dämmerlicht. Sah die Sommersprossen, keck von der Nasenspitze blitzen.

Wie lange hatte er Sie nicht mehr so angeblickt, sie nicht mehr so wahrgenommen wie in dieser ruhigen Stunde.

Er schloss die Augen, atmete tief den süßen Geruch der Wildblumenwiesen, der sie stets zu umschmeicheln schien.
Als er wieder die Auge aufschlug, wusste er was zu tun war. Er schalt sich einen Narren, aber leise...

Was hätte all das Streben nach Heim und Hof, all die Mühen und Anstrengungen des Tages für einen Sinn, wenn Sie nicht da wäre. Denn sie zu verlieren, war er im Begriff, das wusste er nun.
Zu sehr war sein Blick in letzter Zeit in die Zukunft gerichtet gewesen, hatte er vergessen im hier und jetzt zu leben, zu atmen, Sie anzusehen. Sonst wäre es ihm schneller bewusst geworden, dass das Band zwischen Ihnen viel zu zart war, als dass es solch harte Prüfung lange ertragen konnte.


Geschmeidig erhob er sich, schlug seinen Mantel fester um sich und ging erneut in den Garten.

Wusste Sie eigentlich was er für Sie empfand? Hatte er es Ihr jemals gesagt?
Der Tag an dem Sie von zu Hause wegliefen war noch nicht allzu lange her. Und als er sie entführte von zu Haus reichte Sie ihm Ihre Hand. Wie ein Gelübde fühlte es sich an, als sie sich gemeinsam wegstahlen und sein Herz jubilierte. Nun war er sich nicht mehr so sicher ...


Er zupfte einige Grashalme aus den Sträuchern und drehte sie um seine Finger, damit sie geschmeidig werden würden.

Sie war noch so jung und Ihre Eltern hatten Sie stets behütet. Konnte Sie wissen, was Sie ihm scheinbar versprach als Sie seine Hand nahm? Aber was war er für ein Narr gewesen, zu glauben, dass ein solch zauberhaftes Wesen, darauf warten würde bis es ihm einfallen würde sie zu beachten. Vielleicht war alles bereits verloren...

Er stahl sich in den Hühnerstall. Nur gut dass er die letzten Tage soviel Zeit bei den Tieren verbracht hatte, sonst hätten sie wohl den gesamten Hof geweckt.

Nein, gar nicht gut!
Die Hühner hier sind morgen vielleicht schon nicht mehr und ihre Federn zieren die Hüte irgendwelcher Damen der Städte.
Aber Sie sollte doch bei ihm bleiben...


Geschwind sammelte er einige der bunten Schwanzfedern zusammen die der Hahn bei seiner Mauser hier verloren hatte und verließ eiligst den Stall.

Er würde um Sie werben, Sie für sich erobern, so Sie ihn noch wollte. Er würde nicht weiter ein stilles Einverständnis zu einem flüchtigen Kuss, für ein unverbrüchliches Band zwischen Ihnen halten.

Einige Kornblumen zwischen dem Hafer, entkamen nicht seinem Messer.
Sie würden mit den bunten Federn etwas Farbe in die Stube zaubern. So band er sie mit den Grashalmen zu einem festen Strauss und schlich sich zurück an Ihr Bett.
Sein Herz schlug wild und sein Blut pulsierte in seinen Adern. Erst konnte er es nicht verstehen, aber als er sie friedlich schlafen sah, wusste er woher dies alles rührte, warum in seinem Kopf die Welt sich drehte.

Als ich Sie das erstemal sah, rief sie stumm nach Freiheit und Luft zum atmen und ich konnte Sie hören. Das war ein Geschenk und ich werde mich seiner würdig erweisen.

Er stellte die Blumen sanft an Ihrem Bett ab. Wusch sich und schlüpfte in sein Bett. Den Kopf auf das Kissen gebettet sah er Sie noch lange an und wiederholte unzählige Male die selben Worte:

„Ich Liebe Dich“

Jene Worte die er nie zuvor zu Ihr gesagt hatte, die er sobald nicht mehr zu Ihr sagen würde, sollte Sie ihn nicht erhören.
Und er wiederholte sie solange bis er vor Erschöpfung einschlief und noch darüber hinaus.
Silwen Hinnak

Ereignisse

Beitrag von Silwen Hinnak »

Nun war es doch geschehen....


Die Tage nach seinem nächtlichen Entschluss, waren erfüllt von einer inneren Ruhe, die er der Tatsache zuschrieb, dass Sie wohl etwas von seiner Veränderung mitbekommen hatte und Ihr es zu gefallen schien. Er verlegte seine Arbeiten, die er zu erledigen hatte, auf Zeiten, in denen sie schlief. So glaubte er, würde er Ihr die nötige Aufmerksamkeit zukommen lassen können, die Sie verdiente und ihn ins rechte Licht rücken würden.

Dann kam der Jahreswechsel und am Morgen darauf würde er für einige Tage auf Reisen sein. Lange wussten sie beide schon um die Reise und sie war nicht zu verschieben. Beinahe hätte er sein Schiff verpasst, denn Sie wollte ihn nicht ziehen lassen. Mit brennendem Herzen ließ er Sie zurück, immer noch ergriffen von den zarten Worten die Sie ihm zum Abschied mitgab.

Der Besuch bei alten Bekannten war kurzweilig doch sehnte sich sein Herz stets nach seiner neuen Heimat, nach Bajard. Nicht wegen der Häuser oder der Tiere, sondern wegen der Menschen die ihn so herzlich aufgenommen hatten und natürlich, weil dort sein Liebstes verweilte und seiner Rückkehr harrte. Die äußere Ruhe war nur Schein und immer wieder während der Tage floh sein Geist zu Ihr. Er versuchte sich einzureden dass sich nichts ändern würde solange er fort sei, dass es im Gegenteil gut wäre, Sie auch zu vermissen und die Muße zu haben sich darüber bewusst zu werden.
Mit den Tagen jedoch stieg die Unruhe in ihm. Würde Sie tatsächlich auf ihn warten wenn er zurückkehrte? Ein solches Wesen, anmutig und zauberhaft, würde bald die Aufmerksamkeit der Junggesellen auf sich ziehen.

Noch vor der Zeit kehrte er Heim.

Überrascht war er, als Sie ihn zu Hause erwartete und vor Freude um den Hals fiel. Er wähnte sich im Himmel doch eben nicht für lange....
Alle Unruhe, die ihn gequält, schien unnötig gewesen zu sein und so berauscht von dem herzlichen Empfang, verließ ihn seine Wachsamkeit.
Worte wurden gewechselt und die Frage nach einem Rubin, den er Ihr vor seiner Abreise gab, wurde der Anfang vom Ende. Eigentlich wollte er nur wissen ob sie ihn noch hatte, doch unüberlegt und achtlos waren seine Worte, Worte die Sie falsch verstehen musste.
Wie oft hatte ihn seine Mutter gemahnt, „Erst denken, dann reden!“. Ja, seine Mutter hätte ihm ordentlich eins auf die Finger gegeben, für seine Einfältigkeit.

Die nächsten Tage war kalt, selbst in wohlgeheizten Stuben.

Er bat Sie um Vergebung für seine Worte, erbot sich Sie auf Ausritten und Jagden zu begleiten, frug Sie stets nach Ihren Wünschen. Doch Sie blieb kühl, und abgewandt.
Heimweh schien Sie zu quälen, denn Sie teilte ihm mit, dass Sie Ihrem Vater geschrieben habe wo sie sei, oder war das nur um ihn zu provozieren?
Oft weinte Sie sich in den Schlaf und er stand Fassungslos da, denn Sie ließ es nicht zu, dass er Sie tröstete.
Immer wieder drehten sich Ihre Gespräche um das selbe Thema, dass er Ihr zu wenig Beachtung schenken würde, Sie nicht auf Händen tragen und nicht auf Rosen betten würde. Doch hatte er nicht viel was er Ihr geben konnte. Der Zahltag lag in weiter Ferne und macht Gold allein denn glücklich?
Ja sein Herz, das hatte er Ihr geschenkt, schon vor langer Zeit. Doch es schien nicht mehr zu genügen und jede Art Vergebung um die er bat wurde ihm versagt.

Langsam verließ ihn sein Langmut. Die immer wieder abgeschmetterten Versuche, die Wogen zu glätten, zerrten an seinem Nervenkleid. Und als er Sie wieder, auf den Strassen von Varuna, nach Ihrem Befingen frug, verbot Sie ihm gar den Mund.
Ein langer, stiller und einsamer Heimritt folgte und eine noch kältere Nacht folgte dem sowieso schon kühlen Tag.

Den nächsten Tag sah er Sie kaum. Sie schien ihm auszuweichen. Schämte Sie sich für den Abend zuvor? Für das was Sie zu Ihm gesagt hatte?
Weit gefehlt. In der Kammer auf dem Hof trat er Ihr gegenüber an jenem Abend, wollte wissen woran er war, wie viel er noch zu erdulden hätte. Doch wieder war Sie kalt und abweisend, verhöhnte ihn gar.
In ihm brodelte ein Vulkan der jederzeit auszubrechen drohte, alles verschlingend und niederbrennend was noch geblieben war. Er kämpfte dagegen an, gegen sein Innerstes, nicht zu verletzen was er so liebte. Doch Ihr war dies nicht bewusst. Weitere Worte trafen die wunden Stellen in seinem Herzen. Und als Sie ihm gebot, Sie bei Ihrem vollen Namen zu nennen und nie wieder die kurze Form zu wählen, die doch seinem Herzen entsprang, Zeichen war, für Vertrautheit und Zuneigung, formten seine Lippen Worte, die er Augenblicke später bereute.
Das Brodeln des Vulkans kannte kein Halten mehr, doch nicht schiere Gewalt sondern Worte trafen Sie, zielgenau und entließen so ein wenig Druck, der ihn doch so quälte.
Eine Geste hier, eine spitze Bemerkung da. Er wusste genau wohin er zielen musste. Für einen Augenblick fühlte er sich frei. Frei zu sagen wonach ihm war und Ihr all die Demütigungen, die Sie ihm beigebracht, zurückzuzahlen.

Doch der Augenblick verstrich ...

Sie rannte weinend aus der Kammer und ließ ihn allein in seinem Elend zurück. Warum hatte er sich denn zu solchen Worten hinreißen lassen?
Zu spät...

Ein schwerer Tag neigte sich dem Ende. Schwere Arbeiten hatte er verrichtet und sein Körper war müde. Müder war jedoch sein Geist, denn die Konfrontation und ihr Ausgang hatten Ihm das Letzte abverlangt. Ein Krug Bier half ihm nur kurz mit der Leere seines Herzens fertig zu werden doch ließ er ihn leichter in den Schlaf hinübergleiten.

Kurz war seine Ruhe, eben bis auch der Rest des Alkohols verflogen. Leise erhob er sich nur um festzustellen, dass Ihr Bett unberührt war.

Eilig warf er sich etwas um die Schultern und eilte auf den Hof.
Auch Ihr Pferd war nicht hier.

Keine Ruhe mehr findend, die Tatsache verdrängen wollend, dass Sie gegangen war, stürzte er sich in Arbeit.
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