Eigentlich wollte ich nur einen gemütlichen Abendspaziergang durch Menekur machen. Es war so ein schöner Abend, nicht so kalt wie sonst, wenn die Sonne den Himmel Menekurs verließ. Doch dann kam dieser Wind. Ein undefinierbarer Wind, der einem erst glauben machte, dass die Hitzewelle, welche er mitbrachte fast unangenehm war. Und es ist nicht so, dass mir Hitze etwas ausmacht. Eine Wüstenblume wie ich schlägt sich tagtäglich mit Hitze herum und eigentlich ist es auch nicht besonderes. Aber dieser Wind war eben anders. So wurden meine Schritte immer schneller und ich lief recht eilig durch die kleinen, engen Gassen. Irgendwie wollte ich schneller zu Hause sein als mir lieb war. Die verwinkelten Treppen, kurz vor dem Heim meiner Schwester und mir, wurden mir zum Verhängnis. Urplötzlich stand Hassan aus dem Hause Bashir vor mir. Gerade noch war es mir möglich meinem Verstand zu sagen, ich solle stehen bleiben, denn sonst hätte ich ihn womöglich gnadenlos umgerannt. Jetzt belächelte ich den Gedanken, wahrscheinlich hätte ich es nicht mal ansatzweise geschafft ihn überhaupt umzurennen. Denn im Gegensatz zu seiner muskulösen Erscheinung war ich nur ein schmaler Strich in der Landschaft. Wäre der Wind nur ein bisschen stärker gewesen hätte er mich ohne großen Aufwand davon geweht. Vater sagte immer: „Würde man dir nicht ansehen, das du tanzt, wärst du viel zu dünn!“ Aber zum Tanzen ist es eben förderlich kein Koloss von einer Menekanerin zu sein. Es sähe sehr unestethisch aus, wenn sich die Masse eines Körpers mit den zarten Klängen eines lieblichen Liedes wiegen und biegen würde. Ich verzog angewidert das Gesicht als mich dieser Gedanke berührte und verwarf jenen recht rasch wieder.
Zwischen Hassan und mir entstand ein kurzer Wortwechsel. Die Worte Fariah’s gingen mir dabei wieder durch den Kopf und ich versuchte sein Gesicht nur ansatzweise zu erahnen. Durch die Maskierung erkannte man, außer den Augen, nicht sonderlich viel. Aber auch Augen verrieten sehr viel und wenn ich mir seine bernsteinfarbenen Augen ansah, hätte ich schwören können, es sind jene, die mir auch schon damals gegenüber saßen. Sicher war ich keineswegs und anstatt ihn einfach zu fragen, ob er sich erinnere oder dergleichen, verhielt ich mich ungewöhnlicherweise einfach still und behielt meine Gedanken für mich.
Der Wind wurde just in diesem Moment unerträglich. Er berührte meine Schultern und in diesem Moment schien es, als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen. Brandblassen, nässende kleine und große Brandblasen zeichneten meine bloße Haut, welche ausnahmsweise einmal zum Vorschein kam. Ich war im ersten Moment starr vor Angst, Schmerz, was immer es war, es überrumpelte mich. Als Hassan diese Wunden sah und erkannte, dass dies in diesem Moment geschah, ergriff er nur noch meine Hand und zog mich rasch mit sich. Meine Füße flogen in Windeseile mit ihm bis hin zum Haus der Bashir’s und in der Eile vernahm ich lediglich die Worte ‚Wir müssen hier weg … Sicherheit’
Glücklicherweise blieben meine Hände wie auch meine Füße von Brandblasen verschont, aber die allein reichten schon aus. Es war sehr ungewöhnlich. Delilah und Radhiyaa hatten Recht. Es gab diesen Vulkangeist wohl wirklich und anscheinend hat die ganze Arbeit mit dem Kristall nichts mehr genützt oder war es einfach nur zu spät? Viele wirre Gedanken gingen mir durch den Kopf. Sogar ein kleines Lied bildete sich in meinen Gedanken…
Er wird ein Zeichen setzen,
er wird scheinen voller Pracht.
Man kann es nicht ersetzen,
wir werden Opfer für eine Nacht.
Es beginnt an wunden Stellen,
Heiß und leuchtend rot die Glut.
Hier und da ein Funke,
Welcher vorwärts kriecht voll Wut.
Es erreicht bald die ganze Stadt
man hört es feurig knistern,
Oder sind es Todesängste, die leise wispern...
Er tanzt den Feuertanz!
Er tanzt den Feuertanz!
er umkreiset dich leise!
Er tanzt den Feuertanz!
Auf ganz besondere Weise!
Er tanzt den Feuertanz!
[abgeändert Schandmaul – Feuertanz]
Hassan kümmerte sich rührend um mich, er legte mir kalte feuchte Tücher auf die Schultern, es brannte, aber das tat es ohnehin auch ohne Tücher, deswegen verkniff ich mir den Schmerz und schluckte meine stummen Schreie einfach hinunter. Der Moment hielt aber nur kurz an, bis zu diesem Zeitpunkt an welchem sich der Vulkangeist zeigte und versuchte die Stadt in Brand zu setzen. Die Alarmglocken läuteten und alle rannten förmlich auf die Straßen. Jeder versuchte die Stadt zu retten und es gelang. Nur ich, ich saß in diesem großen, nun leeren Haus und quälte mich mit Bestürzung der Geschehnisse, ankommender Angst und diesem lästigen Schmerz. Eine ganze Weile verging, ich weiß nicht, war ich eingeschlafen? Irgendwann forderte Hassan Fariah auf, sie solle sich um mich kümmern und das tat sie! Wäre sie nicht Heilerin und wüsste sie nicht was sie tut … sondern wäre sie irgendwer, der an mir herumpfuschte, weil er ausprobieren wollte, wie was am besten schnell heilen und abklingen würde, würde ich sie jetzt hassen.
Sie tränkte Tücher in Wasser und mischte irgendeine Tinktur rein, die noch schlimmer brannte als Feuer auf meiner Haut. Ich glaubte zu sterben, als diese Tücher meine, von Brandblasen besetzte, Haut berührten und die Wunden auswuschen. Mein Aufschrei vor Schmerzen hallt wahrscheinlich immer noch durch Menekur. Ich hörte Fariah noch beruhigende Worte auf mich einreden, bis es dann geschah. Eben wollte ich noch den kleinen Topf mit der Salbe entgegennehmen, die sie mir auf die Wunden salbte, aber ich konnte ihn nicht mehr greifen. Mir wurde schwarz, mir wurde heiß, mir wurde kalt, mir schwanden die Sinne und letztendlich verlor ich die Kraft über meinen Körper und die Ohnmacht nahm mich mit in die tiefen der Kissen. Wie lange ich so da lag, konnte ich nur erahnen, ich weiß nur noch wie ein beißender Geruch in meine Nase stieg. Schauderhaft. Aber als ich mich aufrappelte ging es mir schon deutlich besser, der Schmerz schien fast taub. Vielleicht stand ich aber einfach nur noch unter Schock, denn nachts zu Hause in meinem Bett wurde ich eines besseren belehrt.
Fariah brachte mich noch nach Hause. Ich fand es fast albern, da es doch nur ein paar Schritte waren, aber sie hatte ja gutes Recht mich zu begleiten, nach all den Geschehnissen. Selbst die drei Männer der Bashirs sorgten sich und begleiteten mich. Sie gingen erst, als sie sahen, dass ich sicher die Tür hinter mir verschlossen hatte.
Ein feuriger Abend, auf ganz andere Art und Weise wie sich so manch einer wahrscheinlich sonst vorstellen würde.
Es scheint ein Feuer rein erwacht
lodernd heiß und feucht zugleich
heller als ein Sonnenstrahl
erfüllt es die Unendlichkeit der Nacht.
Es brennt das Feuer es brennt mein Leben
Er will mehr von dieser Macht
er wird sein wie Pech und Schwefel
fast ein Paar doch nur bei Nacht
Bruderschaft mit Glut besiegelt
tritt an Reisen von Ort und Zeit
an manchen Stellen mag er scheitern
doch die Hoffnung brennt noch weit.
[img]http://www.fotos-hochladen.net/uploads/feuertanzl8qhnicmgj.jpg[/img]
Ein etwas anderer feuriger Abend
-
Djalilah Lunah Ifrey
Ein etwas anderer feuriger Abend
Zuletzt geändert von Djalilah Lunah Ifrey am Dienstag 1. März 2011, 09:59, insgesamt 1-mal geändert.