Verlust
Verfasst: Mittwoch 21. Dezember 2005, 12:00
"Ich werde Euch einen Moment alleine lassen das Ihr euch nochmals Gedanken darueber machen koennt... doch ich bin mir sicher Viljo befindet sich in Sicherheit..."
Und damit war sie wieder alleine.
Wie ein verängstigtes, gequältes Kind zog siedie schmalen Knie an den puppenhaft zarten Körper und kauerte sich noch kleiner in die schäbige Ecke, welche der breite, massive Felsstein und der zum Sitzen gedachte Baumstumpf nahe des Feuer bildeten. Zitternd legte sie sie fiebrig warme Stirn an die nun so nahen Oberschenkel und umschlang die Beine feste mit den Armen als könne sie sich so wenigstens noch an etwas festklammern und unterlag ein weiteres Mal den vernichtenden Emotionsschauern, welche den Druck um ihre Kehle verstärkten und alles wie eine dunkle, schwere Decke aus Schmerz erstickten.
All die grauenvollen Geräusche wie das Brüllen des vernichtenden Feuers und die Schreie der verendenden Bürger hatten sie bisher jeden Tag und jede Nacht begleitet, hatten ihre Ohren und den Kopf mit dem tosenden Kanon der tödlichen Verzweiflung gefüllt und vom Fehlen einer bestimmten, warmen und sanften Stimme abgelenkt.
Jetzt waren sie in Sicherheit, jetzt wurde es wieder ruhiger um sie herum und in dieser Ruhe realisierte sie den glühenden Verlust, der sich einer spitzen Nadel gleich in sie bohrte und nur Panik zurückließ, umso stärker.
Es war still... und diese Stille zerriss das zarte Wesen wie ein Stück brüchiges Pergament.
Seit ihrer Geburt hatte das Band die Zwillinge verbunden und ein unsichtbares Seil geknüpft, welches sie wie ein starkes Seil verknüpfte und sie spüren ließ, wann irgendetwas mit dem jeweilig anderen nicht stimmte.
Empathie so hatte Tante Ione es mit sanftem Lächeln genannt.
Verstärktes Einfühlsamkeitsvermögen, welches im Laufe der Zeit angesichts der Tatsache, dass sie nicht nur Zwillinge sondern auch aus einer durch und durch dem Lied Eluives' zugewandten Familie kamen und die Gabe besaßen dieses wahrzunehmen, erklärbar wurde.
Nie hatte sie den Bruder in ihrem Herzen und den Gedanken so deutlich vernommen, wie die unausgesprochenen Worte, welche Magister K'lashar ihr ab und an sandte, jedoch war Viljos Wesen stets spürbar gewesen... und jetzt war es still.
Vor über einem Tage, noch in der Nacht vor dem Ausfall am Osttore war sie mit einem gellenden Schrei aus einem nun nur schwammig erscheinenden Alptraum erwacht. Zwar mischte sich ihr Ausruf mit all den kreischenden Stimmen der Stadt, jedoch wurde ihr in diesem Moment das erste Mal eisig bewusst, dass etwas fehlte.
Hier in der Stille der Anlagen des Ordens, welche geradezu sakral in die müden und geschlagenen Flüchtlinge drang, wurde der Verlust erdrückend heftiger und drohte das Mädchen zu zerbrechen.
Es waren Erinnas Worte gewesen, die auch die letzte tapfere Stärke ihrer Schutzmauern zertrümmert hatten. Abfällig war das eine, kleine Wort, welches wie ein Schlag in die Magengegend wirkte und gemischt mit Verzweiflung und wimmerndem Unverständnis nun in der jungen Frau sprudelten.
"Fuchtler..." ,hatte sie voller Abscheu geknurrt, als müsse sie dieses Wort ausspucken. Einen Moment lang, nachdem der Schlag getroffen hatte, versuchte eine galgenhumorvolle Meckerstimme in Una zu lachen, erinnerte sie daran, dass es Erinna war, die noch vor wenigen Wochen ihr gut zugesprochen hatte und über die Dummheit der Menschen, welche sie angesichts der Gabe als Hexe verschreien könnten, geurteilt hatte.
"Sieh doch, Erik, sieh... wir könnten Schwestern sein!"
Erinnas begeistertes Gesicht, welches sie damals am Markt voller Freundschaft und Frohsinn angestrahlt hatte wich nun einer eisigen, unterkühlten Maske, welche keinen Zweifel mehr daran ließ, dass sie Una für das verurteilte, was diese war.
"Ich bin so geboren und ich werde mich sicher nie dafür schämen!"
Entrüstet und gekränkt hatte sie nach dem plötzlichen Angriff auf ihresgleichen mit bebender Stimme verkündet, noch immer hallten die blutgierenden Schreie der Tiefländer in ihr nach.
"Töte ihn!"
"Arrogante Fuchtlerärsche!"
"Ich skalpiere Euch bei lebendigem Leibe!"
"Sobald ich gehen kann, fallen die Fuchtler!"
"Mich hat er auch eingefroren!"
Man hatte sie nicht erklären lassen, keinen. Man wollte sie, Magister Ravenor und Magister K'lashar in dem Moment wie Vieh abschlachten, als irgendeiner ihrer eigenen Leute den Trank fallen ließ. Als habe man nach einem Grund gesucht... unbewusst hatte Malchir sie und Aldred vielleicht gerettet, als er nach all den harten Beleidigungen lediglich wagte dem vernichtenden Gebrülle Einhalt gebieten zu wollen.
"Halt deinen Mund..." , hatte er knurrend ob der nächsten degradierenden Beschimpfung in die Reihe geworfen und das hatte gelangt...
Nun, es war glücklicherweise nichts weiter geschehen, sie hatte die Entschuldigung des grobschlächtigen Mannes deutlich gehört und auch wenn sie in seiner Gegenwart nun ängstlich zitterte, so rief sie sich gedanklich immer wieder die freundliche Behandlung durch den Clan in Erinnerung, als sie und Viljo die verletzte, entkräftete Erinna bis zum Anwesen der Hinrahs gebracht, teilweise getragen hatten.
Dankbar und liebevoll so waren ihr all diese großen Menschen erschienen... doch vielleicht war dies nur, weil man nicht wusste _was_ sie selber war.
Aber Erinna, Erinna hatte es doch wissen müssen, oder? Stets hatte sie erneut eine Einladung nach Grimwould angetragen und war nicht einmal vor dem herbeibeschworenen Schinken zurückgeschreckt.
Was war nur geschehen?
Die Einsamkeit fraß sich langsam unter ihre marmorgleiche, porzellanschimmerige Haut und wieder verlor sie gegen die aufkeimenden, kleine Schluchzer.
Viljo hätte sie verstanden, hätte ihr vielleicht einiges erklären können, aber Viljos schützende Hand hatte sie im stampfenden Gehetze des Schlachtfeldes verloren... und der Verlust wog schwer!
[img]http://www.pws-atelier.de/assets/images/hand_an_hand.jpg[/img]
Und damit war sie wieder alleine.
Wie ein verängstigtes, gequältes Kind zog siedie schmalen Knie an den puppenhaft zarten Körper und kauerte sich noch kleiner in die schäbige Ecke, welche der breite, massive Felsstein und der zum Sitzen gedachte Baumstumpf nahe des Feuer bildeten. Zitternd legte sie sie fiebrig warme Stirn an die nun so nahen Oberschenkel und umschlang die Beine feste mit den Armen als könne sie sich so wenigstens noch an etwas festklammern und unterlag ein weiteres Mal den vernichtenden Emotionsschauern, welche den Druck um ihre Kehle verstärkten und alles wie eine dunkle, schwere Decke aus Schmerz erstickten.
All die grauenvollen Geräusche wie das Brüllen des vernichtenden Feuers und die Schreie der verendenden Bürger hatten sie bisher jeden Tag und jede Nacht begleitet, hatten ihre Ohren und den Kopf mit dem tosenden Kanon der tödlichen Verzweiflung gefüllt und vom Fehlen einer bestimmten, warmen und sanften Stimme abgelenkt.
Jetzt waren sie in Sicherheit, jetzt wurde es wieder ruhiger um sie herum und in dieser Ruhe realisierte sie den glühenden Verlust, der sich einer spitzen Nadel gleich in sie bohrte und nur Panik zurückließ, umso stärker.
Es war still... und diese Stille zerriss das zarte Wesen wie ein Stück brüchiges Pergament.
Seit ihrer Geburt hatte das Band die Zwillinge verbunden und ein unsichtbares Seil geknüpft, welches sie wie ein starkes Seil verknüpfte und sie spüren ließ, wann irgendetwas mit dem jeweilig anderen nicht stimmte.
Empathie so hatte Tante Ione es mit sanftem Lächeln genannt.
Verstärktes Einfühlsamkeitsvermögen, welches im Laufe der Zeit angesichts der Tatsache, dass sie nicht nur Zwillinge sondern auch aus einer durch und durch dem Lied Eluives' zugewandten Familie kamen und die Gabe besaßen dieses wahrzunehmen, erklärbar wurde.
Nie hatte sie den Bruder in ihrem Herzen und den Gedanken so deutlich vernommen, wie die unausgesprochenen Worte, welche Magister K'lashar ihr ab und an sandte, jedoch war Viljos Wesen stets spürbar gewesen... und jetzt war es still.
Vor über einem Tage, noch in der Nacht vor dem Ausfall am Osttore war sie mit einem gellenden Schrei aus einem nun nur schwammig erscheinenden Alptraum erwacht. Zwar mischte sich ihr Ausruf mit all den kreischenden Stimmen der Stadt, jedoch wurde ihr in diesem Moment das erste Mal eisig bewusst, dass etwas fehlte.
Hier in der Stille der Anlagen des Ordens, welche geradezu sakral in die müden und geschlagenen Flüchtlinge drang, wurde der Verlust erdrückend heftiger und drohte das Mädchen zu zerbrechen.
Es waren Erinnas Worte gewesen, die auch die letzte tapfere Stärke ihrer Schutzmauern zertrümmert hatten. Abfällig war das eine, kleine Wort, welches wie ein Schlag in die Magengegend wirkte und gemischt mit Verzweiflung und wimmerndem Unverständnis nun in der jungen Frau sprudelten.
"Fuchtler..." ,hatte sie voller Abscheu geknurrt, als müsse sie dieses Wort ausspucken. Einen Moment lang, nachdem der Schlag getroffen hatte, versuchte eine galgenhumorvolle Meckerstimme in Una zu lachen, erinnerte sie daran, dass es Erinna war, die noch vor wenigen Wochen ihr gut zugesprochen hatte und über die Dummheit der Menschen, welche sie angesichts der Gabe als Hexe verschreien könnten, geurteilt hatte.
"Sieh doch, Erik, sieh... wir könnten Schwestern sein!"
Erinnas begeistertes Gesicht, welches sie damals am Markt voller Freundschaft und Frohsinn angestrahlt hatte wich nun einer eisigen, unterkühlten Maske, welche keinen Zweifel mehr daran ließ, dass sie Una für das verurteilte, was diese war.
"Ich bin so geboren und ich werde mich sicher nie dafür schämen!"
Entrüstet und gekränkt hatte sie nach dem plötzlichen Angriff auf ihresgleichen mit bebender Stimme verkündet, noch immer hallten die blutgierenden Schreie der Tiefländer in ihr nach.
"Töte ihn!"
"Arrogante Fuchtlerärsche!"
"Ich skalpiere Euch bei lebendigem Leibe!"
"Sobald ich gehen kann, fallen die Fuchtler!"
"Mich hat er auch eingefroren!"
Man hatte sie nicht erklären lassen, keinen. Man wollte sie, Magister Ravenor und Magister K'lashar in dem Moment wie Vieh abschlachten, als irgendeiner ihrer eigenen Leute den Trank fallen ließ. Als habe man nach einem Grund gesucht... unbewusst hatte Malchir sie und Aldred vielleicht gerettet, als er nach all den harten Beleidigungen lediglich wagte dem vernichtenden Gebrülle Einhalt gebieten zu wollen.
"Halt deinen Mund..." , hatte er knurrend ob der nächsten degradierenden Beschimpfung in die Reihe geworfen und das hatte gelangt...
Nun, es war glücklicherweise nichts weiter geschehen, sie hatte die Entschuldigung des grobschlächtigen Mannes deutlich gehört und auch wenn sie in seiner Gegenwart nun ängstlich zitterte, so rief sie sich gedanklich immer wieder die freundliche Behandlung durch den Clan in Erinnerung, als sie und Viljo die verletzte, entkräftete Erinna bis zum Anwesen der Hinrahs gebracht, teilweise getragen hatten.
Dankbar und liebevoll so waren ihr all diese großen Menschen erschienen... doch vielleicht war dies nur, weil man nicht wusste _was_ sie selber war.
Aber Erinna, Erinna hatte es doch wissen müssen, oder? Stets hatte sie erneut eine Einladung nach Grimwould angetragen und war nicht einmal vor dem herbeibeschworenen Schinken zurückgeschreckt.
Was war nur geschehen?
Die Einsamkeit fraß sich langsam unter ihre marmorgleiche, porzellanschimmerige Haut und wieder verlor sie gegen die aufkeimenden, kleine Schluchzer.
Viljo hätte sie verstanden, hätte ihr vielleicht einiges erklären können, aber Viljos schützende Hand hatte sie im stampfenden Gehetze des Schlachtfeldes verloren... und der Verlust wog schwer!
[img]http://www.pws-atelier.de/assets/images/hand_an_hand.jpg[/img]