"Ich werde Euch einen Moment alleine lassen das Ihr euch nochmals Gedanken darueber machen koennt... doch ich bin mir sicher Viljo befindet sich in Sicherheit..."
Und damit war sie wieder alleine.
Wie ein verängstigtes, gequältes Kind zog siedie schmalen Knie an den puppenhaft zarten Körper und kauerte sich noch kleiner in die schäbige Ecke, welche der breite, massive Felsstein und der zum Sitzen gedachte Baumstumpf nahe des Feuer bildeten. Zitternd legte sie sie fiebrig warme Stirn an die nun so nahen Oberschenkel und umschlang die Beine feste mit den Armen als könne sie sich so wenigstens noch an etwas festklammern und unterlag ein weiteres Mal den vernichtenden Emotionsschauern, welche den Druck um ihre Kehle verstärkten und alles wie eine dunkle, schwere Decke aus Schmerz erstickten.
All die grauenvollen Geräusche wie das Brüllen des vernichtenden Feuers und die Schreie der verendenden Bürger hatten sie bisher jeden Tag und jede Nacht begleitet, hatten ihre Ohren und den Kopf mit dem tosenden Kanon der tödlichen Verzweiflung gefüllt und vom Fehlen einer bestimmten, warmen und sanften Stimme abgelenkt.
Jetzt waren sie in Sicherheit, jetzt wurde es wieder ruhiger um sie herum und in dieser Ruhe realisierte sie den glühenden Verlust, der sich einer spitzen Nadel gleich in sie bohrte und nur Panik zurückließ, umso stärker.
Es war still... und diese Stille zerriss das zarte Wesen wie ein Stück brüchiges Pergament.
Seit ihrer Geburt hatte das Band die Zwillinge verbunden und ein unsichtbares Seil geknüpft, welches sie wie ein starkes Seil verknüpfte und sie spüren ließ, wann irgendetwas mit dem jeweilig anderen nicht stimmte.
Empathie so hatte Tante Ione es mit sanftem Lächeln genannt.
Verstärktes Einfühlsamkeitsvermögen, welches im Laufe der Zeit angesichts der Tatsache, dass sie nicht nur Zwillinge sondern auch aus einer durch und durch dem Lied Eluives' zugewandten Familie kamen und die Gabe besaßen dieses wahrzunehmen, erklärbar wurde.
Nie hatte sie den Bruder in ihrem Herzen und den Gedanken so deutlich vernommen, wie die unausgesprochenen Worte, welche Magister K'lashar ihr ab und an sandte, jedoch war Viljos Wesen stets spürbar gewesen... und jetzt war es still.
Vor über einem Tage, noch in der Nacht vor dem Ausfall am Osttore war sie mit einem gellenden Schrei aus einem nun nur schwammig erscheinenden Alptraum erwacht. Zwar mischte sich ihr Ausruf mit all den kreischenden Stimmen der Stadt, jedoch wurde ihr in diesem Moment das erste Mal eisig bewusst, dass etwas fehlte.
Hier in der Stille der Anlagen des Ordens, welche geradezu sakral in die müden und geschlagenen Flüchtlinge drang, wurde der Verlust erdrückend heftiger und drohte das Mädchen zu zerbrechen.
Es waren Erinnas Worte gewesen, die auch die letzte tapfere Stärke ihrer Schutzmauern zertrümmert hatten. Abfällig war das eine, kleine Wort, welches wie ein Schlag in die Magengegend wirkte und gemischt mit Verzweiflung und wimmerndem Unverständnis nun in der jungen Frau sprudelten.
"Fuchtler..." ,hatte sie voller Abscheu geknurrt, als müsse sie dieses Wort ausspucken. Einen Moment lang, nachdem der Schlag getroffen hatte, versuchte eine galgenhumorvolle Meckerstimme in Una zu lachen, erinnerte sie daran, dass es Erinna war, die noch vor wenigen Wochen ihr gut zugesprochen hatte und über die Dummheit der Menschen, welche sie angesichts der Gabe als Hexe verschreien könnten, geurteilt hatte.
"Sieh doch, Erik, sieh... wir könnten Schwestern sein!"
Erinnas begeistertes Gesicht, welches sie damals am Markt voller Freundschaft und Frohsinn angestrahlt hatte wich nun einer eisigen, unterkühlten Maske, welche keinen Zweifel mehr daran ließ, dass sie Una für das verurteilte, was diese war.
"Ich bin so geboren und ich werde mich sicher nie dafür schämen!"
Entrüstet und gekränkt hatte sie nach dem plötzlichen Angriff auf ihresgleichen mit bebender Stimme verkündet, noch immer hallten die blutgierenden Schreie der Tiefländer in ihr nach.
"Töte ihn!"
"Arrogante Fuchtlerärsche!"
"Ich skalpiere Euch bei lebendigem Leibe!"
"Sobald ich gehen kann, fallen die Fuchtler!"
"Mich hat er auch eingefroren!"
Man hatte sie nicht erklären lassen, keinen. Man wollte sie, Magister Ravenor und Magister K'lashar in dem Moment wie Vieh abschlachten, als irgendeiner ihrer eigenen Leute den Trank fallen ließ. Als habe man nach einem Grund gesucht... unbewusst hatte Malchir sie und Aldred vielleicht gerettet, als er nach all den harten Beleidigungen lediglich wagte dem vernichtenden Gebrülle Einhalt gebieten zu wollen.
"Halt deinen Mund..." , hatte er knurrend ob der nächsten degradierenden Beschimpfung in die Reihe geworfen und das hatte gelangt...
Nun, es war glücklicherweise nichts weiter geschehen, sie hatte die Entschuldigung des grobschlächtigen Mannes deutlich gehört und auch wenn sie in seiner Gegenwart nun ängstlich zitterte, so rief sie sich gedanklich immer wieder die freundliche Behandlung durch den Clan in Erinnerung, als sie und Viljo die verletzte, entkräftete Erinna bis zum Anwesen der Hinrahs gebracht, teilweise getragen hatten.
Dankbar und liebevoll so waren ihr all diese großen Menschen erschienen... doch vielleicht war dies nur, weil man nicht wusste _was_ sie selber war.
Aber Erinna, Erinna hatte es doch wissen müssen, oder? Stets hatte sie erneut eine Einladung nach Grimwould angetragen und war nicht einmal vor dem herbeibeschworenen Schinken zurückgeschreckt.
Was war nur geschehen?
Die Einsamkeit fraß sich langsam unter ihre marmorgleiche, porzellanschimmerige Haut und wieder verlor sie gegen die aufkeimenden, kleine Schluchzer.
Viljo hätte sie verstanden, hätte ihr vielleicht einiges erklären können, aber Viljos schützende Hand hatte sie im stampfenden Gehetze des Schlachtfeldes verloren... und der Verlust wog schwer!
[img]http://www.pws-atelier.de/assets/images/hand_an_hand.jpg[/img]
Verlust
-
Erinna Hinrah
Erinna wusste genau was Una war, aber Erinna wusste auch das Una eine Freundin war. Dieser Magier der da vor ihr stand und ihren Vater einen Verräter nannte und vor den Rat bringen wollte, war nicht ihr Freund, er war in ihren Augen nur ein eingebildeter Fuchtler.
Una war ganz anders, sie hatte keine grosse arrogante Klappe gegenüber jene die keine Magie in sich hatten. Una war sanft, war lieb und Jung.
Erinna hatte dem Magier gesagt das er vorsichtig sein sollte mit seinen Reden, es stünde jemand aus Falks Caln vor seiner Nase, es schreckte ihn nicht ab, er zog nur weiter über Falk her und was Erinna aus der Bahn warf, das Calor da mitmachte.
Einzig deswegen hatte sie Fuchtler geknurrt, das selbst der angeblich weise Calor sich wie ein dämlicher eingebildeter Fuchtler benahm, jener Magier der ihr im Orkenlager zusammen mit seinem Schueler geholfen hatte, jener Magier der aus dem Boden wasser holen konnte, aus einer Blume einen Baum wachsen lassen konnte. Man sollte doch wirklich glauben das ausser Hohn und Arroganz doch noch Grips in deren Körpfen stecken sollte.
Erinna wusste nicht warum Una weggerannt war. Im Clan waren alle die die mit ihrem Stab herum"fuchtelten" und mit den Händen herum"fuchtelten" um irgendwas von Eluive zu bewirken Fuchtler.
Erst wenn einer vom Clan " Magier" sagte, dann sollte ein Fuchtler sich vielleicht vorsehen. Verwirrt schaute sie Una hinterher als jene wegrannte. Reichte es nicht das der Krieg die Leute entzweite? Musste esd auch noch in der Zeit geschehen wo alle sich besinnen sollten und sich ausruhen sollten?
Das jener Fuchtler dermassen abfällig über Falk sprach, wäre sie nicht im Kloster gewesen, hätte sie ihm einen Pfeil ins Bein gejagt fuer derlei anmassungen. Vor den Rat wollte er Falk bringe, weswegen auch immer. Es gab doch wahrlich andere Sorgen als wegen was auch immer in weibische zickereien zu verfallen.
Una war ganz anders, sie hatte keine grosse arrogante Klappe gegenüber jene die keine Magie in sich hatten. Una war sanft, war lieb und Jung.
Erinna hatte dem Magier gesagt das er vorsichtig sein sollte mit seinen Reden, es stünde jemand aus Falks Caln vor seiner Nase, es schreckte ihn nicht ab, er zog nur weiter über Falk her und was Erinna aus der Bahn warf, das Calor da mitmachte.
Einzig deswegen hatte sie Fuchtler geknurrt, das selbst der angeblich weise Calor sich wie ein dämlicher eingebildeter Fuchtler benahm, jener Magier der ihr im Orkenlager zusammen mit seinem Schueler geholfen hatte, jener Magier der aus dem Boden wasser holen konnte, aus einer Blume einen Baum wachsen lassen konnte. Man sollte doch wirklich glauben das ausser Hohn und Arroganz doch noch Grips in deren Körpfen stecken sollte.
Erinna wusste nicht warum Una weggerannt war. Im Clan waren alle die die mit ihrem Stab herum"fuchtelten" und mit den Händen herum"fuchtelten" um irgendwas von Eluive zu bewirken Fuchtler.
Erst wenn einer vom Clan " Magier" sagte, dann sollte ein Fuchtler sich vielleicht vorsehen. Verwirrt schaute sie Una hinterher als jene wegrannte. Reichte es nicht das der Krieg die Leute entzweite? Musste esd auch noch in der Zeit geschehen wo alle sich besinnen sollten und sich ausruhen sollten?
Das jener Fuchtler dermassen abfällig über Falk sprach, wäre sie nicht im Kloster gewesen, hätte sie ihm einen Pfeil ins Bein gejagt fuer derlei anmassungen. Vor den Rat wollte er Falk bringe, weswegen auch immer. Es gab doch wahrlich andere Sorgen als wegen was auch immer in weibische zickereien zu verfallen.
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Viljo Llastobhar
Verloren in Dunkelheit
Verloren
Eilig rannte Viljo über den schmalen Trampelpfad der in einigen hundert Metern auf die große Straße treffen mußte. Äste und Blätter schlugen ihm ins Gesicht und immer wieder war er gezwungen seinen Schritt anpassen oder kleine Sätze nach vornezu springen um nicht über eine Wurzel oder einen heruntergefallen Ast zu stolpern und zu stürzen.
Vor nicht einmal einem halben Stundenlauf hatte er die Kunde in Bajard vernommen.
Varuna wurde angegriffen. Wie groß nun genau die Armee war, wer überhaupt genau die Angreifer waren, das konnte ihm in der anfänglichen Verwirrung niemand sagen.
Aber Viljo behielt zunächst einen klaren Kopf. Tirell würde ebenso auf den Angriff reagieren und sich koordinieren müssen. Solange er nichts von den genauen Umständen wusste, musste er in kleinen Schritten denken. Immer das nächst greifbare Ziel wählen, das war hier von Nöten. Er konnte noch so viel planen und spekulieren, die nächsten ziele wären immer die gleichen. Und so spurtete er von dem kleinen Hafenstädtchen zunächst zur Herberge.
Mit ein wenig Glück würde er dort seine Schwester finden und mit ihr gemeinsam in den Hallen Tirells auf die Entscheidungen der Magister warten.
Aber ihr gemeinsames Zimmer war leer. Keine Spur der zierlichen und blassen Gestalt Unas.
Viljo verlor aber keine Zeit sich darüber zu wundern, das nächste Ziel war alles wichtige mit zu nehmen. Denn noch einmal würde er vielleicht nicht hier her kommen können in den nächsten Tagen.
Jedoch besaß er so schon leidlich wenig an wichtiger Ausrüstung.
Eine schmale Flammenklinge aus einfachem Eisen, einen schweren Mantel aus Wolle und seinen schlichten Stab. Mehr lies sich an Waffen oder Rüstungen nicht zusammen tragen.
Das nächste Ziel, die nächste Etappe.
Lediglich die Wachen und der übliche Personal waren in Tirell verblieben. Dan, der Pförtner bestätigte ihm seine Vermutung, das die Magier bereits nach Varuna aufgebrochen waren. Ob seine Schwester auch anwesend war? Das konnte Dan leider nicht genau sagen, zu viel Trubel und Hektik hatte die ehrwürdigen Hallen des Ordens erfüllt.
Sorge und Unruhe breitete sich in Viljo aus. Wo war nun seine Schwester? Ging es ihr gut?
Hier würde er keine Antworten mehr finden. Der einzige Ort wo er mehr erfahren könnte wäre die eigentliche Stätte des -Angriffs.
Und so hetzte er nun Varuna entgegen. Wenige schritte vor sich sah er bereits wie die Hauptstraße den Pfad kreuzte. Er verlangsamte seine Schritte um scharf nach Links abzubiegen zu können.
So kam es das er mit gerade noch rechtzeitig zum Stehen kam und nicht im vollen Lauf mit dem Orken zusammen stieß, der sich genau hinter jenem Baum aufgehalten hatte um den Viljo nun herum gebraust kam.
Der Ork riss seine kleinen, bösartig funkelnden Schweinsaugen auf, scheinbar war er ebenso überrascht wie Viljo. Beide blieben mehrere Herzschläge voreinander stehen und glotzten einander an, unfähig auf das plötzliche Auftauchen des anderen zu reagieren.
Dann war der Bann gebrochen und die beiden Gegner reagierten beinahe Zeitgleich.
Viljo griff nach der Flammenklinge und zog sie aus der Scheide, während er noch versuchte sich auf das Lied Eluives zu konzentrieren um seine Muskeln für einen Moment zu mehr Schnelligkeit zu bewegen. Der Ork grunzte lediglich lautstark und hob die große, schartige Axt über den Kopf, bereit sie auf den Menschen nieder fahren zu lassen.
Sekundenbruchteile schneller traf die Spitze der Klinge auf das grobe Ringgeflecht und von jenem kaum gebremst auf die zähe, ledrige Haut des Orkens. Das Grunzen änderte die Tonlage und wurde zu einem überraschten und schmerzhaften Quieken, was jedoch allein nicht ausreichte die Axt zu stoppen. Mit überraschender Klarheit erkannte Viljo kleine Details an der Waffe. Die großen Scharten im Axtblatt, die rostig roten Flecken getrockenten Blutes, die kleinen Knochen die mit groben Bändeln um das Heft geknoteten waren.
Er versuchte noch sich zur Seite fallen zu lassen und dann explodierte seine rechte Gesichtshälfte vor Schmerz. Flüssiges Feuer schien seinen Kopf zu umschließen und durch sämtliche Poren in seinen Schädel einzudringen. Über seine Augen legte sich ein roter Schleier, durchsetzt von blendet weißen Sternen die vor ihm tanzten. .
Er sackte nach vorne, kaum gewahr das er damit die Klinge nur noch weiter in das Fleisch des Orken trieb. Nur noch gedämpft vernahm er das laute Brüllen des Untiers durch den Nebel der sich um ihn herum bildete.
Erneuter Schmerz breitete sich aus. Aber diesmal an anderer Stelle und von anderer Natur. In blinder Wut und wohl rasend vor Schmerz hatte der Ork um sich geschlagen und mit der linken Pranke Viljo an der Schulter getroffen. Nicht so zierlich wie seine Schwester, sondern eher von kräftiger und athletischer Statur, war Viljo trotz seiner jungen Jahre sicherlich nicht als Hänfling zu bezeichnen, aber dennoch fegte ihn die schiere Wucht die hinter dem Hieb steckte von den Beinen schleuderte ihn ein gutes Stück zurück.
Er taumelte haltlos rückwärts, seine Beine gaben ihm keinerlei Stand mehr und prallte gegen einen Baumstamm. Der Aufprall raubte ihm den letzten Rest Luft der in seinen Lungen verblieben war und er stürzte auf den feuchten, kalten Waldboden.
Auf dem einem Auge sah er gar nichts mehr und durch das andere sah er durch den roten Nebel undeutlich wie der Ork den Weg entlang schlich, auf welchem er eigentlich hätte weiter eilen sollen. Der Hauer hielt sich die Seite und gab weiterhin tierische Grunz- und Winsellaute von sich.
Doch alles dies spielte für Viljo keine Rolle mehr. Der mit Schnee und totem Laub bedeckte Boden schien nach ihm greifen zu wollen und ihm jegliche Wärme aus seinem Leib ziehen zu wollen.
Sein Blickfeld wurde immer kleiner und zusehends verschwommen.
In weiter Entfernung hörte er das tiefe Dröhnen eines Hornes. Irgendwas sollte ihm das sagen, aber er konnte den Gedanken nicht recht greifen.
Kurz bevor er sämtliche Kraft verlor, blitzte der Gedanke noch einmal in seinem Kopf auf.
Er musste nach Varuna, er musste zu seiner kleinen Schwester Una .....
Dann versank die Welt um ihn herum endgültig in Schwärze und es wurde still.
[img]http://www.zenadsl5763.zen.co.uk/siteimages/woodthumb.jpg[/img]
Eilig rannte Viljo über den schmalen Trampelpfad der in einigen hundert Metern auf die große Straße treffen mußte. Äste und Blätter schlugen ihm ins Gesicht und immer wieder war er gezwungen seinen Schritt anpassen oder kleine Sätze nach vornezu springen um nicht über eine Wurzel oder einen heruntergefallen Ast zu stolpern und zu stürzen.
Vor nicht einmal einem halben Stundenlauf hatte er die Kunde in Bajard vernommen.
Varuna wurde angegriffen. Wie groß nun genau die Armee war, wer überhaupt genau die Angreifer waren, das konnte ihm in der anfänglichen Verwirrung niemand sagen.
Aber Viljo behielt zunächst einen klaren Kopf. Tirell würde ebenso auf den Angriff reagieren und sich koordinieren müssen. Solange er nichts von den genauen Umständen wusste, musste er in kleinen Schritten denken. Immer das nächst greifbare Ziel wählen, das war hier von Nöten. Er konnte noch so viel planen und spekulieren, die nächsten ziele wären immer die gleichen. Und so spurtete er von dem kleinen Hafenstädtchen zunächst zur Herberge.
Mit ein wenig Glück würde er dort seine Schwester finden und mit ihr gemeinsam in den Hallen Tirells auf die Entscheidungen der Magister warten.
Aber ihr gemeinsames Zimmer war leer. Keine Spur der zierlichen und blassen Gestalt Unas.
Viljo verlor aber keine Zeit sich darüber zu wundern, das nächste Ziel war alles wichtige mit zu nehmen. Denn noch einmal würde er vielleicht nicht hier her kommen können in den nächsten Tagen.
Jedoch besaß er so schon leidlich wenig an wichtiger Ausrüstung.
Eine schmale Flammenklinge aus einfachem Eisen, einen schweren Mantel aus Wolle und seinen schlichten Stab. Mehr lies sich an Waffen oder Rüstungen nicht zusammen tragen.
Das nächste Ziel, die nächste Etappe.
Lediglich die Wachen und der übliche Personal waren in Tirell verblieben. Dan, der Pförtner bestätigte ihm seine Vermutung, das die Magier bereits nach Varuna aufgebrochen waren. Ob seine Schwester auch anwesend war? Das konnte Dan leider nicht genau sagen, zu viel Trubel und Hektik hatte die ehrwürdigen Hallen des Ordens erfüllt.
Sorge und Unruhe breitete sich in Viljo aus. Wo war nun seine Schwester? Ging es ihr gut?
Hier würde er keine Antworten mehr finden. Der einzige Ort wo er mehr erfahren könnte wäre die eigentliche Stätte des -Angriffs.
Und so hetzte er nun Varuna entgegen. Wenige schritte vor sich sah er bereits wie die Hauptstraße den Pfad kreuzte. Er verlangsamte seine Schritte um scharf nach Links abzubiegen zu können.
So kam es das er mit gerade noch rechtzeitig zum Stehen kam und nicht im vollen Lauf mit dem Orken zusammen stieß, der sich genau hinter jenem Baum aufgehalten hatte um den Viljo nun herum gebraust kam.
Der Ork riss seine kleinen, bösartig funkelnden Schweinsaugen auf, scheinbar war er ebenso überrascht wie Viljo. Beide blieben mehrere Herzschläge voreinander stehen und glotzten einander an, unfähig auf das plötzliche Auftauchen des anderen zu reagieren.
Dann war der Bann gebrochen und die beiden Gegner reagierten beinahe Zeitgleich.
Viljo griff nach der Flammenklinge und zog sie aus der Scheide, während er noch versuchte sich auf das Lied Eluives zu konzentrieren um seine Muskeln für einen Moment zu mehr Schnelligkeit zu bewegen. Der Ork grunzte lediglich lautstark und hob die große, schartige Axt über den Kopf, bereit sie auf den Menschen nieder fahren zu lassen.
Sekundenbruchteile schneller traf die Spitze der Klinge auf das grobe Ringgeflecht und von jenem kaum gebremst auf die zähe, ledrige Haut des Orkens. Das Grunzen änderte die Tonlage und wurde zu einem überraschten und schmerzhaften Quieken, was jedoch allein nicht ausreichte die Axt zu stoppen. Mit überraschender Klarheit erkannte Viljo kleine Details an der Waffe. Die großen Scharten im Axtblatt, die rostig roten Flecken getrockenten Blutes, die kleinen Knochen die mit groben Bändeln um das Heft geknoteten waren.
Er versuchte noch sich zur Seite fallen zu lassen und dann explodierte seine rechte Gesichtshälfte vor Schmerz. Flüssiges Feuer schien seinen Kopf zu umschließen und durch sämtliche Poren in seinen Schädel einzudringen. Über seine Augen legte sich ein roter Schleier, durchsetzt von blendet weißen Sternen die vor ihm tanzten. .
Er sackte nach vorne, kaum gewahr das er damit die Klinge nur noch weiter in das Fleisch des Orken trieb. Nur noch gedämpft vernahm er das laute Brüllen des Untiers durch den Nebel der sich um ihn herum bildete.
Erneuter Schmerz breitete sich aus. Aber diesmal an anderer Stelle und von anderer Natur. In blinder Wut und wohl rasend vor Schmerz hatte der Ork um sich geschlagen und mit der linken Pranke Viljo an der Schulter getroffen. Nicht so zierlich wie seine Schwester, sondern eher von kräftiger und athletischer Statur, war Viljo trotz seiner jungen Jahre sicherlich nicht als Hänfling zu bezeichnen, aber dennoch fegte ihn die schiere Wucht die hinter dem Hieb steckte von den Beinen schleuderte ihn ein gutes Stück zurück.
Er taumelte haltlos rückwärts, seine Beine gaben ihm keinerlei Stand mehr und prallte gegen einen Baumstamm. Der Aufprall raubte ihm den letzten Rest Luft der in seinen Lungen verblieben war und er stürzte auf den feuchten, kalten Waldboden.
Auf dem einem Auge sah er gar nichts mehr und durch das andere sah er durch den roten Nebel undeutlich wie der Ork den Weg entlang schlich, auf welchem er eigentlich hätte weiter eilen sollen. Der Hauer hielt sich die Seite und gab weiterhin tierische Grunz- und Winsellaute von sich.
Doch alles dies spielte für Viljo keine Rolle mehr. Der mit Schnee und totem Laub bedeckte Boden schien nach ihm greifen zu wollen und ihm jegliche Wärme aus seinem Leib ziehen zu wollen.
Sein Blickfeld wurde immer kleiner und zusehends verschwommen.
In weiter Entfernung hörte er das tiefe Dröhnen eines Hornes. Irgendwas sollte ihm das sagen, aber er konnte den Gedanken nicht recht greifen.
Kurz bevor er sämtliche Kraft verlor, blitzte der Gedanke noch einmal in seinem Kopf auf.
Er musste nach Varuna, er musste zu seiner kleinen Schwester Una .....
Dann versank die Welt um ihn herum endgültig in Schwärze und es wurde still.
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