Mir summte der Schädel noch immer, aber ich ignorierte es gekonnt.
Ich hatte es ja geahnt, die Nacht war mindestens genauso bescheiden gewesen, wie der Tag davor, aber dieser hier, der sollte ein Guter werden, das hatte ich mir selbst versprochen. Leider fing er nur halbherzig gut an, aber wurde dann doch stetig besser.
Die Gesellschaft tat wohl, der Kater tat sein Übriges dabei – und dennoch stellte ich fest: Ich brauchte dringend ein Eigenheim, so ging es nicht weiter. Und, was bedeutete dies? Aufträge! Leute schenkt mir Aufträge! Gebt Euer verfluchtes Gold für einen guten Zweck aus und spendet dem armen Kerl ein Dach über den Kopf!
Nichts gegen die Nixe, aber die Bank war ungemütlich auf Dauer, die Hütte voll und es fehlte einfach an einer Rückzugsmöglichkeit und zwar einer anständigen, sehr stillen und ruhigen, abgeschottet von der Außenwelt, ohne dass wer zutritt hatte und.. hach, war Träumen eine schöne Beschäftigung. Dummerweise verdiente sich damit nichts.
Ich packte also die Sachen zusammen, die ich benötigte, musste dabei zusehen, dass nichts verhedderte und verhakte, denn sonst klappte es mit der Zauberei nicht so wie ich es wollte, dazu kam die Schwierigkeit alles unterzubringen, was mitsollte, ohne dass man es sah und ich dadurch auf andere wirkte, wie ein überfülltes Knallbonbon.
Ich brauchte tatsächlich Stunden dafür, bis ich zufrieden war, aber dann.. ja dann konnte es sich sehen lassen (oder besser gesagt, ich konnte mich sehen lassen, ohne gleich arge Lachanfälle bei jeder Begegnung auszulösen).
Also machte ich mich, so gerade noch rechtzeitig, auf den Weg um Karawyn abzuholen, die in ihren Kleidern wirklich entzückend aussah: Wie eine kleine Zuckerfee, oh ja. Da könnte man sich doch glatt vergessen, wäre man nicht eher in den Augen aller der große Bruder (und wenn eine Frau an sich nicht schon immer für Probleme sorgte, die man gar nicht haben wollte).
Im Kloster angekommen, stellte sich heraus, dass das Publikum sehr fordernd war. Die Kleinen brauchten zweifelsfrei etwas Zeit um aufzutauen, aber auch das sollte gelingen. Mit etwas Sorge allerdings nahm ich wahr, dass einer der Jungen nicht so ganz bei der Sache war, dennoch schafften wir es mit vereinten Kräften wenigstens ein Lächeln zu entlocken.
Oh und nicht nur die Kinder waren die Helden des Tages, man muss schon sagen, dass die Erwachsenen sich tapfer schlugen. Brennende Bärte, rasselnde Ketten, Spinnennetze im Haar, alles fein aus Zuckerwerk… schon erstaunlich, was man alles finden konnte, wenn man gut vorbereitet war. Dem Publikum gefiel es gut, das Lachen war nicht zu überhören, die Freude in den Augen aller nicht zu übersehen und mit einigem Improvisationstalent war auch der Tag für das Kleinste der Kleinen gerettet, denn gruseln mochte es sich nicht, und bevor es uns noch verließ, gab es eine kleine Sondervorstellung für das Mädchen, mit viel Gekitzel, viel Gelächter, strahlenden Augen und Glück im Herzen.
Der krönende Abschluss, das kleine Feuerwerk (zugegeben, die Idee war derart geklaut, dass ich mich dafür garantiert noch bei Will entschuldigen muss, aber es war für einen guten Zweck und ich hoffe inständig, er sieht es mir nach) war ein voller Erfolg und ich hatte mir einen angenehmen Abendausklang durchweg verdient, genauso wie auch Karawyn. Sie war mir eine wertvolle Unterstützung und ist überhaupt die beste Geschichtenerzählerin für die Kleinen, so finde ich (muss aber auch dazu sagen, ich bin gespannt auf die anderen besten Geschichtenerzähler des Nachtvolks, denn ich glaube, das können einige sehr gut).
Die kleinen Spenden nahm ich gern entgegen, auch wenn ich sie gar nicht einkalkuliert hatte, freute mich dennoch darüber – so kommt man den 100 Kronen schließlich langsam näher (oder dem Eigenheim und Rückzugsort, den ich mir immer mehr wünsche).
Das Beste aber daran war: Es sollte auch hier Folgen haben, die ich gar nicht abgesehen hatte. Aufträge, Aufträge und noch mehr Aufträge! Und ich hoffte, es nähme kein Ende!
Ein Kinderlachen, und das Herz tanzt
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Lucien de Mareaux
Ein Kinderlachen, und das Herz tanzt
Zuletzt geändert von Lucien de Mareaux am Samstag 6. November 2010, 17:03, insgesamt 1-mal geändert.