Ein Jammern auf dem Rahaler Hof

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Elin Rossan

Ein Jammern auf dem Rahaler Hof

Beitrag von Elin Rossan »

Wenn sich jemand bei den Bauernhöfen Rahals aufhalten sollte, so vermag er ein Jammern oder gar ein Schreien zu vernehmen. Folgt er den Schreien wird er zu dem Hof gelangen, welcher südöstlich der Kutschstation gelegen ist.

Ein Blick über den Zaun und ein Bild des Grauens wird sich dem Neugierigen bieten, ein Obstbaum dessen Stamm einen tiefen, schwarzen Schlitz enthält, zerschlagene Blumentöpfe, eine Wildsau deren Hinterteil voller Blut ist und deren Schwanz fehlt, abgeschlachtete Hasen in einer großen Blutlache, zertrampelte Feldfrüchte und zerschnittene Blumen mögen zu sehen sein. Sowie eine Frau, die sich entweder in Ohnmacht befindet oder jammernd und schreiend neben dem Feld auf dem Boden liegend windet. Ein Hund liegt neben ihr, der die Flucht ergreift sobald er einen Menschen wahrnimmt, mit zwischen den Hinterbeinen eingekniffenen Schwanz.

Die Frau selbst ist übel zugerichtet, ihr rechtes Bein liegt in einem seltsamen Winkel zum Körper und der linke Oberarm ist grün, blau und zu der doppelten Größe angeschwollen....
Anastasia Swynedd

Beitrag von Anastasia Swynedd »

Schweren, scheppernden Schrittes bewegte sich die Ritterin aus der Stadt. Reichsverrat. Man hatte sich bereits vor einigen Monden um die Bäuerin gekümmert und doch war es heute an der Zeit, Ihr eine angemessene Strafe zu kommen zu lassen. Sie verkehrte mit Hurendienern und scheute anscheinend nicht einmal davor zurück, die wahren Diener des Herrn zu verraten. Knirschend schloss sich Ihre gerüstete Hand um den schwarzen Knauf der Klinge. Ja, die Zeit war gekommen endlich Vergeltung zu üben und sie wieder auf den rechten Pfad zu bewegen, wenn nötig, zu zwingen. Der Blick aus den stechend blauen Augen wanderte zur Seite, hin zu dem treuen Provost an Ihrer Seite. Ja, es würde auch für Ihn eine Prüfung werden: Mutwillige Zerstörung, Verstümmlung und zur Not auch eine Hinrichtung, sollten Ihn auf dem Hof der Landwirtin erwarten. Diesmal wollte sie keine Gnade walten lassen und vor allem auch nicht zu lassen, dass einer Ihrer Soldaten Schwäche gegenüber dem einfachen Volk zeigte.

Sie wusste genau, weswegen der Hauptmann und Provost nun hier vor Ihrem Hof standen. Sie wusste genau, dass das Sirren der Klinge kein gutes Zeichen sein konnte. Und ja, sie wusste auch, dass sie sich nicht dagegen wehren sollte. Pflanzen wurden genauso zerstört, wie das regelrecht liebevoll bewirtschaftete Ackerland, Hoftiere wurden hingerichtet und schließlich sollte auch sie Ihre Strafe erhalten: Krachend fuhr die Keule immer wieder auf Ihren Arm herab und obwohl sich Ihre Schreie allmählich in ein Bitten und Flehen verwandelten, ließ weder der Soldat, noch die Ritterin von Ihr ab. Aus der hölzernen Keule, wurde eine schwere, metallene Kugel, die jetzt unbarmherzig und mit einem viel sagenden Knirschen auf Ihr rechtes Schienenbein herab fuhr. Der Schmerz blieb der inzwischen bewusstlosen Bäuerin erspart, doch das Zeichen, würde sie verstanden haben: Reichsverrat wurde in Rahal nicht geduldet.

Mit blutverschmierter Klinge, einigen heimatlosen Blütenblättern auf dem Rüstwerk, wie auch auf der Schwertscheide und einem grimmigen Gesichtsausdruck verließen die beiden Streiter des All-Einen den Hof der Elin Rossan. Ein Exempel wurde statuiert, und ja, auch sie würde daraus lernen und zurück auf den rechten, einzig richtigen, Pfad des Herrn finden.
Elin Rossan

Beitrag von Elin Rossan »

Nachdem Elin die erste Nacht noch neben ihrem Feld halb im Schlaf und halb in Bewusstlosigkeit verbracht hatte, fing sie in ihrer Verzweiflung an langsam zur Küchentür zu robben. Sie wusste genau, noch eine Nacht dort draußen in der Kälte würde sie nicht überleben. Immer wieder übermannte sie der Schmerz und sie fiel erneut ihn Ohnmacht, doch nach einer kleinen Ewigkeit erreichte sie das Innere. Die Anstrengung, der Schmerz und die wohlige Restwärme des Ofens ließen sie erneut in einen tiefen Schlaf fallen.

Erst am morgen des 26. Goldblatts erwachte Elin wieder aus dem tiefen, erholsamen Schlaf und blickte in das besorgte Gesicht ihrer treuen Magd Lisa. Sie hatte ein paar Tage lang ihre Eltern auf Lameriast besucht und war nun erst wieder zurückgekehrt. Immer wieder wanderte ihr Blick über Elin und ihre gebrochenen Glieder, siewollte gerade aufbrechen und einen Heilkundigen holen, doch Elin wollte es nicht. Sie erzählte Lisa, was geschehen war und wieso ihr kein Bürger Rahals ihr helfen wollen würde. Und was es bedeutete, wenn jemand Fremdes den Hof aufsuchen würde.

Elin starrte immer wieder zum Flaschenzug, mit dem sie die schweren Mehlsäcke immer in den Keller hinunter wuchtete und sprach:

„Du musst meine Knochen richten“.



So kam es dann, dass Lisa sich aufopferungsvoll um Elin kümmerte und auch ihren Hof bestellte um für den Winter ausreichend Vorräte anzulegen.
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