Bestialischer Gestank, Schwefel, Fäulnis und Moder schlug den Rabendienern und den Vogelfreien entgegen, als sie die Höhle erreichten, in dem der Drache hauste. Beinah wie „zu Hause“ roch es..aber eben nur beinahe. Abgesehen von dem vertrauten Geruch, war es nicht gerade der Ort, an dem Joanna gerne und vorallem lange verweilte. Eine halbe Ewigkeit, so kam es ihr zumindest vor, hatten sie sich durch Gänge und Tunnel geschlagen und dabei allerlei Kreaturen vernichtet und deren Seelen zu Krathor geschickt. Das Ziel war also endlich erreicht, der Drachenhort lag unmittelbar vor ihnen. Nun hieß es keinen Fehler begehen und zu früh die Aufmerksamkeit des Drachens zu erregen. Es galt heraus zu finden ob es sich bei dem Drachen um Männlein oder Weiblein handelte. Saremus schlich sich in der Dunkelheit Nahe an den Drachen heran, konnte jedoch nicht heraus finden, was es nun wirklich war. In einem Buch, das Joanna vor der Expedition gelesen hatte, stand zwar, dass weibliche Drachen kleiner wären, aber für sie sahen diese Biester doch alle gleich aus. Und Saremus, wie auch der Rest der Truppe hatte mit einem mal ganz andere Sorgen.
Irgendetwas musste die Aufmerksamkeit des Drachens erregt haben, denn plötzlich stürmten aus allen Ecken widerliche Kreaturen. Höllenhunde, Drachlinge, Giftelementare stürzten sich auf den Trupp, um ihn zu zerschlagen und schlussendlich zu vernichten. Und auch der Drache selbst, von dunkelgrüner und riesiger Gestalt bließ seinen feurigen Atem umher.
Krathor selbst stand der Gruppe jedoch an diesem Abend bei – oder aber sie hatten einfach nur Glück, aufjedenfall konnten die Kreaturen vernichtet werden, ohne dass ein Todesopfer in den eigenen Reihen zu vermelden war.
Lange währte der Kampf, bis auch endlich der Drache seinen letzten Atemzug aushauchte und tot am Boden lag.
Joanna fühlte sich grässlich. Das Drachenjagen, so beschloss sie, zählte nicht zu ihren besonderen Talenten und würde fortan vermieden werden. Die Rabendienerin glaubte jeden Knochen einzeln im Leib zu spüren und was auch immer da vorhin sich auf sie gestürzt hatte, immerhin musste es mit seinem Leben bezahlen.
Dann der nächste Rückschlag. Von einem Drachenei war weit und breit keine Spur. Der Drachenhort war leer. Joanna glaubte sich übergeben zu müssen. War es etwa doch kein Weibchen gewesen? Ein Blick auf den toten Drachen verriet rein gar nichts. Wütend schloss sich die Hand um den Griff ihres Rapiers, während die Augen die Höhle durchforsteten. Irgendwo musste doch so ein verdammtes Drachenei sein.
Einer ihrer Brüder wollte sich gerade daran machen, den Leib des Drachens aufzuschneiden, um dort nach dem Ei zu suchen, als ein seltsam – weißlicher Nebel die Kreatur einhüllte.
Entfernt kam Joanna dies irgendwie bekannt vor. Und so war es zwar verwunderlich, aber nicht sonderlich besorgniserregend, dass sich aus dem Nebel der Geist des Drachens formte.
Drei Rätsel galt es zu lösen, dann würde der Drache, oder dessen Geist verraten, wo das Ei versteckt war. Das Kommen der Rabendiener hatte er voraus gesehen und vorsorglich einen sicheren Aufenthaltsort für das Ei gesucht.
Ärgerlich. Sollte der ganze Weg umsonst gewesen sein? Die Truppe beschloss, sich die Rätsel anzuhören und Joanna wurde als Sprecherin ausgewählt. Einen Hinweis würde der Drache zudem geben, sollte danach verlangt werden.
So sprach der Geist des Drachens, folgende Worte:
"An einem Fruehlingstag beschlossen zwei Schwestern ihren Schuppen zu reinigen. Als sie die Arbeit geendet hatten war das Gesicht der einen schmutzig und das Gesicht der anderen sauber. Daraufhin wusch sich die Schwester deren Gesicht sauber war.
Warum tat sie dies?"
"Suchen wir uns einfach einen anderen Drachen."
...wisperte jemand leise..
"Weil es Zwillinge sind?"
...riet irgendjemand...
"Wie wäre es damit. Die eine war ein Schwarzer Drache, die andere ein Weißer."
"Ich hab die Frage vergessen..."
...plapperte jemand dazwischen...
"Nicht das der Geist bei drei falschen Fragen einen von uns mitnimmt!"
...sorgte sich jemand..
"Die eine sieht ihre Schwester und denkt, huch ich bin schmuzig. Die andere denkt "oh ich bin sauber".."
"Es könnte was damit zu tun haben, da es an einem Frühlingstag war."
Joanna war verwirrt. Warum musste es auch so etwas wie Rätsel geben? Sie hatte noch nie deren Sinn verstanden, außer dass man am Ende selten schlauer, sondern noch verwirrter war als zu Beginn. Alle plapperten durcheinander und stellten die wildesten Theorien auf. Nur die Worte ihres jüngsten Bruders klangen irgendwie noch am Logischsten. Also entschied man sich nach langem Hin und Her für diese Antwort.
"Die eine Schwester sieht ihre andere Schwester und denkt sie wär sauber. Und die die sauber ist sieht ihre schmutzige Schwester und denkt sie ist schmutzig. Darum wäscht sich die saubere Schwester.
"
Der Drachengeist bestätigte die Richtigkeit der Antwort und fuhr, ohne Freude, oder Ärger zu zeigen, mit dem zweiten Rätsel fort:
[img]http://img718.imageshack.us/img718/7506/dracheneii.png[/img]
"Vor langer Zeit herrschte ein Koenig, der seine Gefangenen stets hinrichten liess. Doch auf die Dauer wurde dies zu langweilig und so beschloss er ihnen die Moeglichkeit auf Freiheit zu schenken. In einer kleinen Schatulle wurden zwei kleine Kugeln gelegt. Eine in der Farbe weiss und eine in der Farbe schwarz. Der Gefangene durfte nun einmal in die Schatulle hinein greifen und blind eine Kugel herausnehmen. War es die schwarze so war er des Todes. Doch war es die weisse, so war er frei. Niemals hatte jemand die weisse Kugel gezogen und so verbreitete sich das Geruecht, dass es nur zwei schwarze Kugeln gaebe. Doch niemand traute sich es laut zu sagen.
Bis eines Tages ein Gefangener die rettende Idee hatte und frei kam.
Welche Idee hatte dieser?"
Diesmal hatte eine der Vogelfreien die Antwort bereits parat. Offenbar kannte sie das Rätsel schon und so erklärte sie der Truppe, wie der Mann sein Leben retten konnte. Die daraufhin entstehende Diskussion dauerte wesentlich kürzer als bei dem ersten Rätsel, bis man beschloss diese Antwort zu geben. Also sprach Joanna mit fester Stimme gen des Drachens:
"Er schluckt rasch die erste Kugel, so dass man nachsehen muss welche Farbe die übrig gebliebene hat. Die ist natürlich schwarz, also muss die Geschluckte weiß sein."
Auch die zweite Antwort war richtig und so sprach der Drache schließlich das dritte und letzte Rätsel:
"Ein Mann sagt zu einem Anderen:
Ich werde Dir gleich eine Frage stellen, die Du ganz einfach mit 'ja' oder 'nein' beantworten kannst.
Es wird auch keine schwierige Frage sein, denn Du wirst die richtige Antwort schon kennen. Trotzdem wird es Dir nicht moeglich sein mir die richtige Antwort zu nennen. Jeder andere koennte mir vielleicht die richtige Antwort nennen, aber Du nicht.
Aber dennoch bist Du der einzige Mensch auf der Welt, der die richtige Antwort kennt.
Welche Frage wird er ihm stellen?"
Als Joanna noch über die Worte nachdachte, hatte einer ihrer Brüder bereits eine Idee, obgleich die ziemlich verwirrend klang. Auch der Rest der Truppe war sich unseins, ob die Antwort richtig sein könnte, oder nicht.
Also entschied man, den Hinweis der noch übrig war, nicht zu vergeuden, sondern für das letzte Rätsel zu nutzen.
Der Drache gab folgenden Hinweis:
"Es ist eine Frage bei der man immer falsch ist egal ob man mit ja oder nein antwortet."
Ihr Bruder pochte erneut darauf, dass seine Antwort die Richtige sei und erklärte der Truppe noch einmal seine Gedanken dazu:
"Er wird die Frage: wirst du diese Frage mit nein beantworten? stellen.
Egal was man sagt, es ist immer falsch.
Wenn du ja sagst, liegst du falsch und wenn du nein sagst, liegst du auch falsch.
Nur du selbst kennst die Antwort, deshalb schweigst du."
Eine bessere Antwort fiel keinem ein und auf verdrehte Art und Weise klang es auch irgendwie logisch für Joanna.
Viel hatten sie ja nicht zu verlieren, außer den Aufenthaltsort des Dracheneis. Und vermutlich war dies Ei ohnehin nicht das Einzige auf der Irdischen. Notfalls müsste man eben einen anderen Drachenhort aufsuchen.
"Die Frage lautet: Wirst du diese Frage mit Nein beantworten."
"Auch diese Antwort ist richtig.
Nun, so werde ich euch verraten, wo ihr das Ei finden koennt.
Ihr werdet es in den kommenden Tagen finden bei einem der Drachen von Koraghs Labyrinth."
[img]http://img714.imageshack.us/img714/9180/dracheneiii2.png[/img]
Die Antwort war niederschmetternd frustrierend. Noch eine Drachenjagd? Joanna ächzte leise in ihren Knochenhelm hinein. Nichts war jemals einfach.
Der Geist des Drachens löste sich auf und zurück blieb nur eine Truppe Rabendiener und Vogelfreie, die sich zurück auf den Heimweg machte.
Korags Labyrinth – nicht gerade der Ort zu dem es Joanna zog, schon gar nicht in die Nähe der dort lebenden Drachen.
Suche nach dem Drachenei
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Joanna
Suche nach dem Drachenei
Zuletzt geändert von Joanna am Sonntag 3. Oktober 2010, 19:18, insgesamt 2-mal geändert.