Es gibt ein Land in dem ein Lächeln nur die Sonne erstrahlen lässt. Und alle Bewohner des Landes glücklich macht.Wie oft hatte ihr Micheil als Kind diese Geschichte, die genauso angefangen hatte vorgelesen.
Immer wieder, weil es sie als Kind schon glücklich machte, dass es so etwas gibt.
Heute hier in ihrer Heimat, zwar kein Kind mehr, glaubte sie an dieses Lächeln. An das Lächeln, das Temora schenkt, und die Augen erstrahlen lässt, weil es Wärme gibt und Zuversicht und Hoffnung. All das was so viele nicht mehr haben. Vielleicht darum lächelte sie immer und seit jenem Tag in der Kirche strahlen auch die hellen Augen, etwas was ihr nicht bewusst ist. So viele Menschen kannte sie nun, auch den „Schatten“ wie der Sir es einmal zu sagen pflegte, weil jener Mann ständig da war, wo sie war. Einfach auftauchte und mit seiner Präsenz alles unwichtige verdrängte. So vieles hatten sie gemeinsam erforscht und erlebt. In einem, war sie sich nun sicher, er war ein Mensch, der nicht loslassen konnte aber auch nicht festhalten an Dingen, die das Leben schön machten.
Und Du, Adela? Nach endlos langer Zeit, so schien es ihr, vermeinte sie die Stimme ihres toten Bruder wieder zu vernehmen. Es tat gut. Schmerzte nicht mehr und machte sie einfach nur glücklich.
Also ich muss loslassen, damit er an jenem festhalten kann, was er sich wünscht.
Das willst Du?
Ja, wenn es ihm hilft, dann füge ich mich dem, und freue mich, dass er glücklich ist.
Nehmen wir an er ist es nicht? Was dann?
Tja was dann? Loslassen und einfach da sein, wenn er dich brauchen sollte. Dafür bin ich doch da, um anderen zu helfen.
Was ist mit dir, Adela?
Mit mir? Nichts? Wieso?
Dann denke einmal angestrengt über die Worte des Sirs nach!
Leben, Adela! Das hat er dir doch quasi verordnet oder?
Tue ich doch. Gestern hatte ich mehr als genug Leben und was für eines noch dazu! Ein wenig musste sie, ob des Verlaufs des gestrigen Abends schmunzeln. Er hatte alles und noch viel mehr beinhaltet, was sie so sehr liebte. Abenteuer, Aufregung, Freude, Glück und naja auch viel Unsicherheit. Als Oberst von Tannhoeh diese eine Bemerkung eingeworfen hatte, die sie sehr sehr verlegen machte. Die sie eigentlich vergessen wollte, vor allem heute und überhaupt! Zum ersten Male war sie sprachlos gewesen und ihr dazu kein Einwand auf die schnelle eingefallen, was sonst nie der Fall war. Das ärgerte sie noch immer, weil sie in ihrer Unschuld ihre Anmerkung niemals so gemeint hatte, wie er es dann ausgesprochen hatte. Dazu kam noch der sonderbare Blick Ihrer Erlaucht, der sie durchdrungen hatte. Was die Röte dann noch ein wenig mehr auf ihre Wangen getrieben hatte. Rot müssen sie gewesen sein, wie ein der wunderschönen Rosen in voller Blüte in dem Garten der Edlen. Alleine der Gedanke daran machte sie jetzt und hier in ihrem Zimmer abermals unsicher. Dazu kam noch der Lärm des frisch eingezogenen Paares einen Stock höher in der Herberge, der sie kaum schlafen ließ und sie aus diesem Grund die Decke immer über das Gesicht zog, damit sie nichts hörte. Bis auf gestern, da war sie mehr tot als lebendig vor Müdigkeit und Erschöpfung ins Bett einfach gefallen, und sofort eingeschlafen. Eine Wohltat!
Gut!
Den Rat mit dem Leben, würde sie beherzigen, vorher wollte sie aber noch in die Kirche gehen, um für die Genesung des Herrn Narus, so wie sie es bei dem Besuch an seinen Krankenbett versprochen hatte, zu Temora zu beten.
Wie schrecklich und verletzbar hatte er da ausgesehen. Er hatte sie nicht einmal bemerkt. Blass und ein Schatten seiner selbst lag er da und starrte zur Decke. Vorsichtig hatte sie einfach den Korb mit frischem Obst, den sie für ihn mitgenommen hatte, neben seinem Bett abgestellt. Gerne hätte sie zu ihm aufmunternde Worte gesprochen, aber in seinem Zustand war es sinnlos. Er nahm seine Umgebung nicht wahr.
Umso dankbarer war sie dann, als Lady Darna, die sie zufällig unweit von dem Heilerhaus dann später getroffen hatte, ihr zugesagt ihr über sein Befinden Mitteilung zu machen.
Hier vor dem Altar kniete sie nun wie immer noch nach dem Gebet mit Hoffnung und Zuversicht, dass es er bald wohlauf sein würde. Dann lächelte sie und die Wärme der Kerzen gab ihr einen Teil davon zurück, wonach sie in ihrem jungen Leben strebte, es anderen zu zeigen und zu geben.
Liebe und Wärme und vor allem ein wenig Hoffnung in der Dunkelheit.