Lange hatte er keinen Blick mehr hineingeworfen in diesen alten, staubigen Wälzer. Gewiss, was dort stand war voller Spekulationen. Dennoch fanden sich dort auch einige sehr interessante Theorien und Feststellungen von unbestreitbarer Wahrheit.
Womöglich müsste das über zwanzig Jahre alte Werk dieses Janus Ignaran nur einmal überarbeitet werden.
Womöglich würde er sich dieser Arbeit annehmen.
Doch zunächst galt es, zu lesen, heißt es doch "kenne den Feind"!
Und er las:
A) Klassifizierung von Untoten
Allgemeines zur Art der Untoten: Bevor man damit beginnen kann, die Untoten zu klassifizieren, muss man sich mit ihrer Art auseinandersetzen. Was also sind erstens Merkmale, die dem Betrachter eindeutig verraten, dass er einen Untoten vor sich hat und zweitens wie wird ein Untoter erschaffen. Zu erstens seien folgend Merkmale genannt, welche den geschulten Sinnen eindeutig die Anwesenheit von Untoten verraten. Meistens lässt bereits vor der ersten Sichtung eines Untoten ein durchdringender Aas- oder Verwesungsgeruch auf die Anwesenheit von Untoten schließen. Zudem halten sie sich bevorzugt an folgenden Orten auf: Schlachtfelder, Folterkammern, allgemein Ruinen meist von Häusern, an denen schreckliche Dinge stattfanden oder deren Bewohner grausam ums Leben kamen.
Doch diese Anzeichen alleine reichen nicht aus, um zwingend auf die Anwesenheit von Untoten schließen zu können. Weitere mögliche Anhaltspunkte können sein: okkulte Symbole entweder mit Farbe (oder Blut) an Wände, Böden, Decken Gegenstände gemalt, zerstörte Zeichen der Götter, aufgebrochene Särge und Sarkophage, Gräber und Krypten selten auch geradezu künstlerisch angeordnete (zB aufgeschichtete) Knochen, seltener (da verwesend) Eingeweide jüngster Opfer der Untoten.
Darüber hinaus weiß man, dass Untote das Licht der Sonne nicht ertragen. Es reicht zwar nicht aus, sie zu zerstören, jedoch schwächt es sie derart, dass bereits geringe Einwirkung ihre Leiber zu Staub zerfallen lässt. Daraus kann – ich betone kann! – man schließen, dass die Sonne als einer der für alles Leben wichtigsten Teile der Schöpfung Eluives bereits dem Zauber Kra’Thors entgegenwirkt. Erstaunlich ist, dass die meisten Untoten dies zu „wissen“ scheinen und sie daher zumindest solange die Sonne scheint ohnehin über der Erde kaum zu sehen sind. Die Theorie, dass tatsächlich die Sonne und nicht etwa die bloße Tageszeit die Untoten schwächt, stütze ich mit der Beobachtung, dass Untote, die sich in Höhlen aufhalten, tagsüber ebenso widerstandsfähig sind wie nachts. Interessant ist allerdings, dass selbst bei bewölktem oder gar vollends wolkenverhangenem Himmel die Kraft der Sonne auszureichen scheint. Womöglich wäre es deswegen präziser zu sagen, die Wärme der Sonne und nicht so sehr ihr Licht bewirken das oben Geschilderte?
Dies lässt schon auf zwei grundsätzliche Wesenszüge aller Untoten schließen: sie hassen alles Lebende, nicht nur Menschen, sondern auch jedes Tier, mit Ausnahme wahrscheinlich der Aasfresser und Seuchenverbreiter, ergo Ratten, Fliegen und Gewürm. Überdies hassen sie die Götter ebenso, wie diese die Untoten hassen. Aus diesem Grund mögen götterfürchtige Lebende bei Untoten die größten Aggressionen hervorrufen.
Überdies kann man Untote auch an bestimmten körperlichen Auffälligkeiten erkennen. An erster Stelle seien hierbei die Leiber zu nennen, welche stets Spuren von Verwesung aufweisen. Diese kann so weit fortgeschritten sein, dass nur noch die Knochen übrig sind. Bei solchen Untoten spricht man von Skeletten. Hierbei sei auch gleich eine Ausnahme genannt, namentlich die Geisterhaften. Da sie keine materiellen Körper mehr besitzen, sind sie natürlich von dieser Regel ausgenommen. Doch auch ihre Erscheinungsformen weisen stets typische Elemente untoter Wesenheiten auf, wie blank liegende Knochen und dergleichen. Manche Untote wurden auch (vor oder nach der Umwandlung) vor der Verwesung geschützt. Es gibt Berichte von exotischen Stämmen, welche ihre Verstorbenen in auf eine bestimmte Weise präparierte Bandagen hüllten, um die Körper in ihrer Ursprünglichen Form zu erhalten. Hierbei werden zudem meist auch alle Organe aus den Körpern entfernt, doch ob und wenn womit diese ersetzt werden, entzieht sich meiner Kenntnis.
Da ihr einziger Existenzgrund die Tötung lebender Wesen (und das Freisetzen ihrer Seelen, damit ihr „Gott“ sich an diesen laben kann) zu sein scheint, mag es nicht verwundern, dass Unote lebende Wesen sofort angreifen und auch eine Weile -wohl so weit sie können, dazu später mehr- verfolgen. Zwar habe ich bereits Gerüchte vernommen, dass es auch Untote geben soll, welche über genug Verstand verfügen, um nicht augenblicklich alle Lebenden angreifen und töten zu wollen und die dank ihres langen Unlebens über enormes Wissen verfügen. Doch möchte ich diese, wie die Geschichten über untote Drachen (!!!) zunächst entschieden ins Reich der Märchen verbannen. Möge man mich mit stichhaltigen Beweisen eines Besseren belehren und bis dahin mit solchen Kuriositäten verschonen.
Abschließend sei noch kurz auf eine Theorie zur Erschaffung von Untoten eingegangen, welche ich durch mein Studium der Magie und einiger „Brutstätten“ untoter Wesen entwickelt habe. Meiner Meinung nach ist die Erschaffung untoter Wesen anders als die göttliche Erschaffung des Lebens eine von Eluive nicht gewollte Perversion des Lieds. Als stichhaltigstes Indiz für diese These möchte ich eine Randnotiz in einem Buch meines alten Lehrmeisters nennen, welches leider nunmehr verschollen ist. Dort hieß es in einem Abschnitt über die Magica Transformatorica, dass es Versuche gegeben haben soll, in Verbindung mit der Magica Coniuratia Tote zu erwecken und sogar aus den -durch alchemistische Experimente, deren Komplexität mein Wissen bei Weitem übersteigt, ermittelten – Substanzen aus welchen ein Mann mittleren Alters bestehen soll, einen „künstlichen Menschen“ zu erschaffen. Die Randnotiz nun besagte schlicht, dass diese Versuche nicht von Erfolg gekrönt waren und daher auszuschließen sei, dass Leben mit magischen Mitteln gegeben werden kann. Dies wiederum mag die Ursache dafür sein, dass die Untoten die Götter und anders herum die Götter die Untoten zutiefst verabscheuen. Denn obschon man kein neues Leben vermittels Magie erschaffen kann, so scheint es doch möglich, die Körper von gestorbenen Wesen dergestalt mit Magie zu erfüllen, dass diese sich abermals bewegen können. Jedoch werden die Grenzen dieser Magie auch recht bald offensichtlich: obschon offenbar enorme Kräfte bei der „Auferstehung“ eines Untoten in diesen gebunden werden, ist er doch nur ein kümmerlicher Abklatsch seiner lebenden Selbst. Am deutlichsten ist dies daran auszumachen, dass ein Untoter sich stets an ganz bestimmten Orten aufhält und diese in aller Regel nicht verlassen kann. Jedoch sei hier auch noch eindringlichst darauf verwiesen, dass Untote gewisse Schranken der Lebenden abgestreift haben. In erster Linie kennen sie keine Erschöpfung und brauchen auch niemals Schlaf. Außerdem verfügen sie nachweislich über enorme („übermenschliche“) Kräfte. Wer einmal von der Hand eines Skeletts oder dem Stab eines Lichs getroffen wurde, wir mir zustimmen. Dass die Kraft eines Untoten nicht unendlich ist, wird wohl in erster Linie dadurch begründet, dass die Leichenteile aus denen sie bestehen nur einer bestimmten Belastung standhalten können. Bei Geisterwesen mag es hauptsächlich daran liegen, dass sie durch ihre Körperlosigkeit bereits eine schier unheimliche Menge an Kraft aufwenden müssen, um physischen Schaden zu erzeugen. Dass ihnen dies dennoch in nicht zu unterschätzender Weise gelingen kann, mag meine Theorie stützen. Bevor ich nun die Untoten näher klassifizieren möchte, muss ich den geneigten Leser noch mit einer Überlegung konfrontieren, welche zum einen Ergebnis meiner Studien ist, zum anderen erheblich zur Vereinfachung der Klassifizierung der Untoten dienen mag: Ich werde fortan die Untoten in drei Gattungen unterteilen. Erstens, die Skelette, zweitens, die Zombieartigen, drittens, die Spektralwesen (Geister). Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass diese Einteilung keineswegs eine unumstößliche Wahrheit darstellen will, sondern lediglich der Klassifizierung der Untoten dient. Hierfür habe ich die äußeren Erscheinungsmerkmale als Unterscheidungskriterium benützt.
B) Skelette
1. Allgemeines
Allen Skeletten sind folgende Eigenschaften gemein: An ihren Knochen befindet sich kein Stück Fleisch mehr. Es sind keine Sehnen oder Muskeln erkennbar. Die Knochen werden an den Gelenken wahrscheinlich vermittels Magie zusammengehalten. Die Knochen weisen dabei keinerlei Anomalieen wie zusätzliche Krallen, Spitzen, Gliedmaßen und dergleichen mehr auf. Skelette bewegen sich in der Regel recht flink und können mit ihren bloßen Händen bereits zu gefährlichen Feinden werden.
Wird sein Schädel zerstört, zerfällt das Skelett augenblicklich zu einem Haufen Knochen. Alternativ dazu kann auch der Brustkorb oder die Wirbelsäule zerstört werden, verliert das Skelett dadurch doch seine Stabilität. Danach sollte jedoch unbedingt noch der Kopf zertrümmert werden!
2. Gemeine Skelette
Manche Skelette verwenden auch ein- oder zweihändige Nahkampfwaffen, dazu gelegentlich Schilde. Man kann hierbei davon ausgehen, dass es sich dabei um gefallene Krieger handelt, die gewisse Gewohnheiten aus ihrem Leben auch mit dem Tode nicht abgelegt haben. Sie führen diese Waffen jedoch mehr mit schierer Kraft, als mit Raffinesse.
3. Skelettschützen
Neben den nahkämpfenden Skeletten gibt es auch solche, welche mit Fernkampfwaffen, in der Regel kurzen Bögen umzugehen wissen. Da sie die Sehnen mit unglaublicher Kraft spannen können, wirkt ein Treffer meist verheerend. Wer sich mit diesen Wesen konfrontiert sieht, hat nur zwei Möglichkeiten. Entweder er sucht schnellstmöglich eine Deckung und harrt dort aus, bis Hilfe eintrifft, oder er wagt die Flucht nach vorne und zwingt den Schützen in den Nahkampf. Die Behauptung, dass man merkt, wenn man sich einem Skelettschützen nähert, indem man auf Leichen am Boden daraufhin untersucht, ob ihnen Pfeile im Rücken stecken, erscheint mir in dieser Hinsicht recht eindeutig.
4. Skelettmagier
Eine weitere Art von Skeletten stellen die so genannten Skelettmagier dar. Hierbei handelt es sich, wie der Name schon sagt, um magiebegabte Skelette. Welche Thesen sie bevorzugen/beherrschen, ist noch zu erforschen. Auf die Frage, ob zur Erschaffung eines Skelettmagiers grundsätzlich der Leichnam eines Magiebegabten benötigt wird, oder ob allein die spezielle Durchführung des Rituals einen Skelettmagier erschafft, kann ich nicht beantworten, da ich ein solches Ritual niemals beobachtet, geschweige denn selbst durchgeführt habe. Die einzige gesicherte Schlussfolgerung, die ich aus diesen Entdeckungen ableiten kann, ist diese, dass bei der Erschaffung eines Skelettmagiers wohl die bisher größte Menge an magischer Energie gebunden wird.
5. Skelettritter
Über diese Skelette, die angeblich nebst Waffen auch alte Rüstungen tragen sollen, war mir bis vor Kurzem wenig bis gar nichts bekannt. Nun aber habe ich einige Exemplare genauer studieren können und bin zu folgenden Erkenntnissen gelangt: Äußerlich unterscheiden diese Skelette sich nicht von Skelettwachen jedoch fällt auf, dass sie, im Gegensatz zu Skelettwachen stets Waffen tragen. Außerdem tragen sie als einzige mir bekannte Skelette auch so etwas wie eine Rüstung. Obschon es sich dabei nur in der Regel um stark verwitterte Harnischfetzen und Bruchstücke von Helmen handelt, die jedoch auf Grund ihres Zustandes meistens zerfallen, nachdem das Skelett unschädlich gemacht wurde. Es ist zudem anzunehmen, dass ein Teil der in diesen Skeletten gebundenen Magie auf ihre Rüstung übergetreten ist und diese beim Entweichen zerstört. Diese Vermutung stelle ich allein deshalb schon auf, weil die Rüstungen trotz ihres Zustandes viele Hiebe abfangen. Ein Krieger wusste mir zu berichten, dass es sich seiner Meinung nach bei diesen Skeletten um gefallene Ritter handelt, welche im Leben offenbar eine derart starke Verbindung zu ihren Waffen und insbesondere zu ihrer Rüstung entwickelt hatten, dass diese auch im Untod nicht reißen konnte. Erschreckend, doch ebenfalls als gesichert anzusehen sind Berichte, dass es sogar Skelettritter geben soll, welche auf knöchernen Rössern reiten!
C) Zombieartige
1. Allgemeines
Der Begriff "Zombieartiger" mag dem geneigten Leser bisher aus keiner Literatur bekannt sein. Dies liegt wohl in erster Linie daran, dass es sich hierbei um ein (meines Wissens nach) von mir geschaffenes Wort zur Bezeichnung einer Gattung von Untoten handelt. Benannt habe ich sie nach dem wohl populärsten Vertreter aus ihren Reihen, dem Zombie. Um Untote nun den Zombieartigen zuordnen zu können, konzentriere ich mich auf ihr äußeres Erscheinungsbild. Bei den Skeletten nannte ich als wichtigstes Erkennungsmerkmal, dass sich auf ihren Knochen kein Stück Fleisch mehr befinden solle. Ergo sind Zombiartige all jene Untoten, welche einen stofflichen Körper in der Art besitzen, dass sich auf dem Gerippe noch Fleisch befindet. Sie scheinen dadurch entstanden zu sein, dass nicht gänzlich verweste Körper zum Untod erweckt wurden. Was den weiteren Verfall des toten Gewebes an ihren Körpern betrifft, muss ich einräumen, dass mir hierzu leider jegliche Kenntnis fehlt. Auch bei genauerer Untersuchung konnte ich auf ihren Leibern keine derart eindeutigen Spuren der Umwandlung feststellen, wie bei den Skeletten.
2. Zombies
Diese Untoten zeichnen sich durch einige Merkmale aus, welche -so fürchte ich- das Bild der Untoten in breiten Schichten der Bevölkerung fehlgeleitet haben. Zunächst sei hierbei auf ihre charakteristische Gangart verwiesen. Es entspricht durchaus den Tatsachen, dass Zombies einen leicht torkelnden, fast betrunken wirkenden Gang aufweisen. Dies mag in erster Linie darauf zurückzuführen sein, dass sie, anders als Skelette, noch über Muskel- und Sehnenreste verfügen, welche auf Grund ihrer Starre die Bewegung behindern. Jedoch sei hier ausdrücklich darauf verwiesen, dass ein Zombie, sobald er eine Beute (in der Regel ist damit ein beliebiges lebendes Wesen gemeint) aufgespürt hat, durchaus zu einem zielstrebigen und schleunigen Gang fähig ist. Des Weiteren hält sich in der Bevölkerung offenbar hartnäckig das Gerücht, dass der Biss eines Zombies den Gebissenen unweigerlich ebenfalls in einen Zombie verwandelt. Aus meinen Beobachtungen lässt sich dazu folgendes sagen: Ich habe noch niemals erlebt, dass ein Zombie ein Lebewesen beißt. In aller Regel begnügen sie sich damit, ihre Beute mit ihren Händen, an denen sich beachtliche, klauenartige Fingernägel gebildet haben, in Stücke zu reißen. Allerdings schließt dies nicht aus, dass Zombies theoretisch in der Lage wären, ihre Beute in Zombies zu verwandeln. Dies scheint jedoch nicht die Regel zu sein. Als Argument hierfür möchte ich den Bericht eines reisenden Schwertgesellen verwenden, welcher mir erzählte, dass er einmal auf seinen Reisen ein Schlachtfeld fand, auf dem mehrere Hundert Soldaten, die im Kampf mit einer Horde Untoter ihr Leben gelassen hatten, (den Göttern sei Dank, dass solche Schlachten auf den Inseln nicht denkbar wären!) in der Nachmittagssonne verwesten. Der Mann konnte mir glaubhaft versichern, dass, obwohl einige der Toten eindeutige Bisswunden aufwiesen und auch die Schlacht wohl schon einige Tage zuvor ausgefochten worden war, offenbar keiner von ihnen als Zombie wieder auferstanden war. Die Antwort auf die Frage, ob und wie Zombies weitere ihrer Art erschaffen können, wird wohl noch vieler weiterer Nachforschungen bedürfen.
Abschließend sei noch auf einige mir bekannte Methoden verwiesen, Zombies effektiv und dauerhaft außer Gefecht zu setzen. Erstens sollte man versuchen, ihre Köpfe zu zerstören. Dabei kann man diese entweder mit einer scharfen Klinge vom Rumpf trennen (was jedoch eine beachtliche Kraft und Präzision voraussetzt) oder sie mit einem stumpfen Gegenstand zertrümmern. Dazu eignet sich zum Beispiel ein zweihändig geführter Kriegshammer oder ein Stab. Zweitens ist zu beachten, dass Zombies wie übrigens alle Untoten offenbar eine gewisse Anfälligkeit für Feuer (Hitze? s.o.) aufweisen. Erstaunlicherweise scheinen sie sich dessen sogar in gewisser Weise bewusst zu sein, meiden sie doch tunlichst jede Feuerquelle.
3. Liche
Ebenfalls zu den Zombieartigen möchte ich die Liche zählen. Diese Untoten gelten wohl als die mysteriösesten Vertreter ihrer Art, was nicht zuletzt daher rührt, dass sie im unanzweifelbaren Ruf stehen, Magier von furchteinflößender Macht zu sein. Über die Herkunft dieser Untoten, im Volksmund auch Leichname geheißen, ist wenig bis gar nichts bekannt. Jedoch möchte ich an dieser Stelle nochmals auf eine Anmerkung zu den Skelettmagiern Bezug nehmen, in der ich sagte, dass diese womöglich aus den sterblichen Überresten von Magiern erschaffen werden. Beim Lich hingegen steht es für mich fast völlig außer Frage, dass er zu Lebzeiten ein Magiebegabter war. Hierfür sprechen drei Tatsachen: Erstens, seine Gewandung ist der eines Zauberkundigen recht ähnlich. Diese Tatsache alleine mag zwar nicht sehr viel Aussagekraft besitzen, jedoch, so möchte ich fragen, welches Interesse sollte darin bestehen, einem Untoten nachträglich noch die Gewänder eines Magiers anzulegen? Weitaus stichhaltiger dagegen ist für mich die Feststellung, dass Liche über Stäbe verfügen, deren Liedmuster demjenigen unserer Konzilsmagierstäbe nicht unähnlich ist. Jedoch verlieren diese Stäbe (ebenfalls wie die unsrigen) mit dem Tod des Trägers recht rasch die ihnen innewohnende magische Energie, sodass genauere Untersuchungen mir bislang versagt waren. Trotzdem halte ich diese Entdeckung für beachtenswert und möchte alle Konzilsbrüder in dieser Hinsicht zu besonderer Aufmerksamkeit raten.
Ebenfalls für erwähnenswert halte ich die zweifellos intellektbedingte Bösartigkeit der Liche, welche sie noch deutlicher von ihren eher instinktiv bösartigen Mit-Untoten abhebt. Offenbar sind Liche durchaus dazu in der Lage, bewusste Entscheidungen zu treffen und so auch ihre Magie gezielt einzusetzen. Mir sind Gerüchte zu Ohren gekommen, denen zufolge Liche offenbar versucht haben sollen, mit Hilfe von magischen Wänden eine Gruppe Grabforscher zu trennen. Diese Feststellung führt mich zu einer weiteren Hypothese über die Entstehung der Leichname. Es ist möglich, dass die Verwandlung in einen Leichnam eine bewusste Entscheidung machtgieriger Mitmagier darstellt, deren Leben sich womöglich dem Ende zuneigt, und die entweder das unbekannte Reich des Todes fürchten, oder von dem Wunsch nach der Erfahrung der Erhebung -oftmals gehen diese beiden Triebkräfte wohl einher- erfüllt sind. Diese Vermutung lässt neben der bereits genannten Schlussfolgerung, dass Liche über etwas wie einen freien Willen verfügen -was, wie der geneigte Leser festgestellt haben mag, zugleich der Ausgangspunkt meiner Hypothese war- noch eine weitere zu: womöglich sind manche Skelettmagier so etwas wie gescheiterte Versuche der Verwandlung in einen Leichnam. Dafür spricht, dass Skelettmagiern offenbar erhebliche Teile des magischen Potentials der Leichname fehlt und sie überdies ihre Handlungen weniger weitsichtig planen als die Liche.
Daneben eröffnet diese Theorie jedoch einen erschreckenden Verdacht: Es muss in den Landen das Wissen um die Künste der Nekromantie gelehrt werden. Dies bedeutet, dass es womöglich neben dem Konzil der Magier geheime Kulte Kra’thors geben kann, in welchen sich Liedkundige gezielt mit diesen düsteren Künsten befassen. Ob sie neben der Nekromantie auch die entfernt verwandte Schule der Beschwörung studieren und pervertieren, entzieht sich zwar meiner Kenntnis, muss aber wohl angenommen werden.
4. Mumien
Wie bereits anfangs erwähnt, gab -oder gibt- es in den Landen verschieden Arten der Totenehrung, verschiedene Totenkulte also. Während unter unseren weisen Königen, neben der Aufbahrung und dem Sarkophagieren in Krypten für angesehene Leute, vorrangig die Erdbestattung unbehandelter Leichen Verbreitung gefunden hat, gibt es doch Zeugnisse anderer Bestattungsarten, die teilweise auch heute noch bei anderen (insbesondere nichtmenschlichen) Kulturen gepflegt werden. Welche Kulturen genau welchen Totenritus pflegen, entzieht sich zwar meiner Kenntnis, jedoch seien hier einige Alternativen genannt, von denen eine für meine weiteren Ausführungen essentiell wichtig ist. Die Feuerbestattung zunächst kann auf mehrere Weisen erfolgen, bei denen das Ergebnis jedoch fast identisch ist. Der Verstorbene wird auf einen Stapel Brennholz gelegt oder mit einer Art Sarg aus Brennholz umgeben, welcher anschließend in Brand gesteckt wird. Die Leiche verbrennt dabei in der Regel vollständig, sodass nur ein Gemisch aus menschlicher und Holzasche übrig bleibt. Dieser Rest wird entweder beigesetzt oder der Kraft des Windes ausgesetzt. Angeblich soll es auch meernah lebende Stämme geben, welche zunächst ein Floß bauen, auf welchem sie dann den Verstorbenen nach oben genannter Art verbrennen. In diesem Falle werden die Überreste den unendlichen Fluten übergeben. Daneben seien zunächst einige "Bestattungsarten" aufgelistet, welche mir von Reisenden zugetragen wurden und nur der Vollständigkeit halber aufgezählt werden. Angeblich sollen manche Stämme der Orks und Goblins ihre Alten bei lebendigem Leibe verspeisen, ebenso wie die Leiber der Verstorbenen. Über einige Kulturen wurde mir berichtet, dass sie ihre Toten auf einem gesonderten Feld an Pfählen anbinden, damit diese als Nahrung für Raubtiere dienen, wohl damit die Tiere die Siedlungen verschonen. Die Echsen- und angeblich auch Rattenmenschen sollen gelegentlich ihre Toten als Nahrung für die Brut verwenden, die noch nicht selbst jagen kann. Ob das Gerücht stimmt, dass ein Rattenmenschenwurf die Mutter auffrisst, mag ich ins Reich der Spekulationen verweisen.
Neben all dem existiert aber noch eine weitere Form der Totenbestattung, auf welche unbedingt eingegangen werden muss. Es handelt sich dabei um den sogenannten Mumienkult -vielleicht abgeleitet vom Wort "vermummen". Dem Toten werden zunächst die inneren Organe entnommen, anschließend werden die Leiber mit einer mir unbekannten Substanz aufgefüllt und abschließend mit speziell behandelten Bandagen umwickelt, also vermummt. Die so präparierte Leiche wird anschließend entweder in eine Grabkammer gelegt, oder in Sümpfen und Morasten versenkt. Ob diese Art der Bestattung derzeit noch gebräuchlich ist, und wenn ja, wo, vermag ich nicht zu sagen. Fest steht jedoch, dass eine so präparierte Leiche wohl Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende lang vor dem Verfall bewahrt wird.
Doch was hat dies mit einer Abhandlung über Untote zu tun, mag sich der geneigte Leser fragen. Nun, wie es aussieht, neigen eben jene Mumien dazu, sich früher oder später zum Untod zu erheben. Wodurch dies verursacht wird, ist jedoch ein völliges Rätsel. Es seien hier einige Vermutungen angestellt, von denen jedoch keine Anspruch auf Gültigkeit hat. Erstens könnten Mumien durch denselben Einfluss, wie alle anderen Untoten erweckt werden, sprich durch Nekromantie. Jedoch ließen sich von mir an einem untersuchten Exemplar keine Spuren jüngerer Einwirkungen an den Bandagen erkennen, weswegen diese Möglichkeit bezweifelt werden kann. Eine weitere mögliche Erklärung besteht darin, dass vielleicht die Substanz, mit welcher die Leichen aufgefüllt werden und/oder die Substanz mit welcher die Bandagen behandelt werden, für das Unleben zuständig sind. Leider zerfallen die Mumien, sobald man sie überwunden hat, recht bald zu Staub. Jedoch kann als Stütze dieser Theorie eine Beobachtung herangezogen werden, die ich in meiner (bisher leider einmaligen) Begegnung mit einer Mumie machte, für die eine Frage wichtig ist, die ich im vorigen Satz unterschlagen hatte. Dem geneigten Leser mag sich nämlich beim den Worten "sobald man sie überwunden hat" die Frage aufgedrängt haben, wann genau dies denn der Fall ist. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, ist ein probates Mittel zur dauerhaften Vernichtung Untoter, ihnen den Kopf abzuschlagen. Eine Mumie hingegen zeigt sich von so etwas unbeeindruckt. Auch dies widerspricht der Vermutung, Mumien seien durch Nekromantie belebt worden. Mumien nehmen den Verlust von Extremitäten ohne sichtbare Beeindruckung hin, ja mir war sogar, als würden die Gliedmaßen am Boden leicht zucken und sich langsam wieder auf den Rumpf zu bewegen! Erst nachdem man die Bandagen der Mumie ausreichend beschädigt hat, verflüchtig sich ihre Kraft und sie kann als überwunden gelten. Ergo ist es durchaus naheliegend, anzunehmen, dass die Bandagen der Sitz des Unlebens der Mumie darstellen. Wie genau sie jedoch wirken, ob sie den Geist des Toten im Körper halten, bis er nach Jahrhunderten dem Wahnsinn verfällt, ob sie ruhelose Seelen im Laufe der Jahrhunderte anziehen und binden oder andere Ereignisse eintreten, darüber muss auch weiterhin spekuliert werden. Vielleicht war es sogar von Vornherein die Absicht der Vermummer, den Geist des Verstorbenen an den Körper zu binden, sodass eine Mumie quasi von Erschaffung an umherwandelt -wofür die Krypten sprechen, in denen sie fast ausschließlich anzutreffen sind- mag ebenfalls in Erwägung gezogen werden. Dann wären dies Relikte eines sprichwörtlichen "Untotenkultes".
Da mir jedoch keine Kultur bekannt ist, die heute noch ihre Leichen vermummt, wird sich die Herkunft der Mumien kaum je enträtseln lassen.
D) Spektralwesen
1. Allgemeines
Diese Gattung untoter Wesen ist bei Weitem am komplexesten und lässt den meisten Raum für Spekulationen aller Art. Grundsätzlich stellt sich das Problem, dass einige Spektralwesen nicht einmal der klassischen Definition von Untoten (Kapitel A.) entsprechen, da sie schlicht nicht gewalttätig sind. Doch ehe ich näher auf die Unterschiede innerhalb dieser Gruppe eingehen möchte, werde ich mich zunächst mit den Gemeinsamkeiten auseinandersetzen. Die im Volksmunde auch Geister, Poltergeister, Schemen, Schatten (hierzu später mehr), Spuk, Graus, Klabautermann oder Gespenster genannten Untoten zeichnen sich alle durch das Fehlen eines materiellen Körpers aus. Dies erschwert selbstverständlich die, sofern überhaupt vorhandene, Unterscheidung. Des Weiteren haben sie alle (mit Ausnahme der Schatten) auf Grund ihrer Form -oder ihrer Nichtform- kaum eine materielle Waffe zu fürchten. Einzig Feuer und Silber vermag sie zu verletzen. Darüber hinaus weisen sie eine gewisse Anfälligkeit für jede Form von destruktiver Magie auf, was daher rühren kann, dass sie selbst mehr in der Dimension (oder den Dimensionen) der Magie, denn in den uns erkennbaren hausen.
Bevor ich nun anschließend die einzelnen mir logisch erscheinenden Unterteilungen näher erläutere, werde ich noch auf den Sonderfall der harmlosen Spektralwesen eingehen. Diese als Hausgeister bekannten Wesen lassen in ihrer Handlung, anders als die meist bösartigen Poltergeister, keinen bewussten Drang zur Gewalt erkennen. Meist sind ihre Spuren in alten, nach wie vor bewohnten Häusern finden, wo man des Nachts ihre flüsternden und bisweilen schaurig-schön singenden Stimmen vernehmen kann. Selbst tagsüber kann es vorkommen, dass man Zeuge wird, wie kleinere Gegenstände umfallen oder Türen sich von selbst öffnen oder schließen. Selbst mit den oben genannten Mitteln lässt sich ein solcher Geist nicht bekämpfen, da er tatsächlich vollständig unsichtbar ist. Manche sagen gar, dass ein Toter, wenn er stirbt, einen Teil seiner Seele bei seinem geliebtesten Ding auf unserer Welt lässt, was die Hausgeister als frühere Bewohner identifizieren würde. In diesem Falle wäre das entsprechende Objekt, der Ort oder -in sehr seltenen Fällen- die entsprechende Person nicht verflucht, sondern vielmehr "beseelt". Sollte man dennoch keinen Wert auf die Anwesenheit dieser Wesen legen, so sollen besonders die Priester der Eluive sich darauf verstehen, auch den letzten verbliebenen Rest der Seele aus dem Diesseits in das Jenseits zu geleiten. Doch auch Scharlatane vermögen durchaus, einen solchen Geist auszutreiben; was dabei mit der Seele geschieht, vermag ich beim besten Willen nicht zu ergründen.
Hiermit möchte ich überleiten zu den gefährlichen, bösartigen Geisterwesen, welche meiner Ansicht nach zwei Hauptgruppen bilden.
2. Geister, Poltergeister, Spuk
In dieser Gruppe möchte ich alle weiteren Geistererscheinungen außer den Schatten ansiedeln. Wie eingangs bereits erwähnt wurde, ist es fast unmöglich, diese Wesen voneinander zu unterscheiden, lediglich anhand der Methodik ihres bösartigen Vorgehens können noch genauere Segmentierungen erfolgen. Da seien zunächst die Geister. Diese Wesen sollen teilweise sogar menschlich aussehen und sind selbst durch gezielte Suche kaum aufzuspüren.
Offenbar kann man jedoch jedes Jahr um die Wintersonnwende regelrechte Ansammlungen von Geistern in den Wäldern abseits der Straßen aufspüren. Ähnlich verhält es sich bei den Poltergeistern, welche womöglich eine Abart der Hausgeister darstellen. Diese ebenfalls praktisch unsichtbaren Wesen sind wahre Meister darin, Gegenstände zu bewegen und nutzen dieses Können, um die Hausbewohner auf geradezu foltergleiche Weise zu quälen und früher oder später zu töten oder in den Wahnsinn zu treiben. Mir liegen keinerlei Berichte über eine einzige erfolgreiche kämpferische Konfrontation mit dieser sehr seltenen Geisterart vor, jedoch scheint es zu genügen, das Haus einfach zu verlassen und zu warten, bis es einstürzt, was besonders in größeren Städten ein Ärgernis darstellt. Denn selbst wenn ein Poltergeist über Jahre oder Jahrzehnte hinweg ruhig war, wird er doch sogleich wieder erwachen, wenn jemand "sein" Haus (welches er offenbar nicht verlassen kann) betritt oder gar versucht, es vorsätzlich zu zerstören. Eine interessante Theorie zur Entstehung eines Poltergeists möchte ich dem geneigten Leser noch vermitteln, welche besagt, dass ein Poltergeist eine verfluchte Seele ist, welcher der Einlass in das Jenseits verboten ist, da er mehr an seinen weltlichen, denn an göttlichem Reichtum interessiert war. Erst wenn sein Besitz vom Zahn der Zeit gebrochen ist und er erkennt, dass gegen das ewige göttliche Jenseits aller irdischer Besitz nur Schall und Rauch ist, darf er diese Welt verlassen. Paradoxerweise setzt der Poltergeist auch wirklich alles in seiner Macht stehende daran, dass sein Hab und Gut auf natürliche Weise zerfällt (siehe oben). Das stärkste Argument für diese Theorie besteht darin, dass ausnahmslos alle mir bekannten Fälle von Poltergeist-Heimsuchungen in Häusern reicher und vor allem geiziger Menschen stattfanden. Interessanterweise jedoch erwachte der Poltergeist kaum direkt nach dem Tode des Besitzers, ja in einem Fall lagen fast zwanzig Jahre dazwischen.
Abschließend möchte ich noch den Spuk näher beschreiben. Diese Geister haben kaum eine menschliche Gestalt. Zuverlässige Quellen schilderten sie mir als schwebende, stets die Form verändernde, teils kaum wahrnehmbare Haufen von zäher Luft, welche gelegentlich ein seltsam violettes Leuchten abstrahlten. Aus eigener Erfahrung kann ich dem hinzufügen, dass diese Wesen kurzzeitig durchaus in Teilen menschenähnlich wirken können, indem sich zum Beispiel eine Fratze aus der formlosen Masse geradezu an die Oberfläche drückt, um sofort wieder zu verschwinden. Diese Spektralwesen sind mit Abstand am Häufigsten anzutreffen und können mit den oben genannten Waffen relativ problemlos vernichtet werden. Erstaunlich ist, dass sie anschließend zu einer stinkenden, zähflüssigen Pfütze zusammenschmelzen, in welcher bisweilen sogar Teile brauchbarer alchemistischer Zutaten und andere, undefinierbare Dinge, schwimmen.
3. Schatten
Das letzte Kapitel meiner Studie möchte ich einer ganz besonderen Art von Wesen widmen, den Schatten. Bevor Ihr, geneigter Leser, jedoch fortfahrt, möchte ich Euch eindringlich darauf hinweisen, dass es sich hierbei einzig um ein gedankliches Konstrukt meinerseits handelt, da über die Schatten sogar noch weniger bekannt ist, als über alle anderen Untoten zusammen. Wohl kann bereits die bloße Tatsache, dass ich die Schatten zu den Untoten zähle, bei manchem heftige Verwirrung, oder sogar Ablehnung hervorrufen, doch denke ich, über genügend Indizien zu verfügen, um diese Theorie zu stützen. Doch nun genug der einleitenden Worte, hier die von mir aufgestellte Definition der Schatten:
"Schatten sind untote Dämonen."
Sicher wird der geneigte Leser nun fragen, ob Dämonen überhaupt untot sein können. Hierzu kann ich nur feststellen: Über das Wesen der Dämonen ist uns derart wenig bekannt, dass nicht einmal mit Sicherheit gesagt werden kann, ob sie im eigentlichen Sinne leben, sprich Träger einer Seele (oder "Antiseele") sind. Im Folgenden sei nun aber angenommen, dass auch Dämonen lebendige Wesen sind. Hierfür sprechen folgende Tatsachen: Dämonen verfügen über eine in Grundzügen mit anderen Lebewesen vergleichbare Anatomie, namentlich Knochen, Fleisch und Blut. Hoher Blutverlust führt auch bei Dämonen zum unweigerlichen und dauerhaften Ende jeder Körperaktivität, was bei Mensch und Tier als "Tod durch Blutverlust" bekannt ist. Mir sind jedoch keine weiteren "Todes"-Ursachen bei Dämonen bekannt, ob sie Krankheit und Gebrechen kennen, ist völlig unklar. Wenn ein Dämon nun aber lebt, kann er auch sterben. Und wenn er sterben kann, so kann er auch als Untoter zurückkehren, beziehungsweise beschworen werden. Allerdings unterscheidet sich ein Schatten in einigen wesentlichen Merkmalen vom humanoiden Untoten: Erstens die Erscheinungsform, welche ihm seinen Namen gab. Da er keinen physischen Leib hat, kann er höchstens als Spektralwesen zu den Untoten gezählt werden. Anders als die meisten Geister oder gar Spuke jedoch verfügt der Schatten über eine klar umrissene Silhouette. Wo ein Geist kaum bis gar nicht sichtbar ist, schmerzt der Anblick des unsagbar schwarzen Schattens das Auge und zwingt es, diese pure Sichtbarkeit zu meiden. Neben diesem eklatanten Unterschied sei zudem die Tatsache hervorgehoben, dass ein Schatten, anders als alle anderen Untoten von Silber nicht beeinträchtigt wird, ja, im Gegensatz zu allen anderen Spektralwesen ist bei ihm nicht einmal Silber von Nöten, um ihn zu vernichten! Und dennoch gibt es auch unwiderlegbare Gemeinsamkeiten mit anderen Untoten. So sei zunächst darauf hingewiesen, dass Schatten, anders als ihre mit einem physischen Körper ausgestatteten Ebenbilder, über weit weniger bösartige Intelligenz zu verfügen scheinen, was den Schluss nahelegt, dass sie, ähnlich wie viele Untote, von höher stehenden Wesen ihrer (ursprünglichen) Art zum Zwecke des Wachens und Dienens erweckt wurden. Darüber hinaus weisen andere Dämonen die Fähigkeit auf, mit Menschen zu kommunizieren, wobei sie dafür nicht zwangsläufig sprechen müssen. Besonders mächtige Dämonen sollen in der Lage sein, auf telepathischem Wege Worte und sogar Bilder direkt in die Gedanken des Anderen einfließen zu lassen. Auch wenn nur wenige Dämonen von diesen Fähigkeiten Gebrauch machen, so stellen doch die Schattendämonen die einzige dämonische Gruppe dar, von welcher nicht ein Fall der Kommunikation mit Menschen bekannt ist. Zuletzt sei als wichtigste Stütze dieser Theorie abermals die Tatsache genannt, dass die Schattendämonen als Einzige ihrer Art nicht über einen physischen Leib verfügen. Demzufolge ist es auch unmöglich, sie durch Blutverlust zu stoppen, was sie wiederum den Untoten gleich macht.
Neben den Schattendämonen wird auch von sogenannten Schattengargylen geraunt, welche genau wie Schattendämonen das Ebenbild der daimoniden (Dämonenartigen, niederen Dämonen) Gargylen darstellen. Diese beiden Arten sind fast ausschließlich gemeinsam anzutreffen, wobei es scheint, als ob die Schattengargylen wiederum Diener der Schattendämonen sind, wie es bei ihren körperlichen Gegenstücken auch der Fall sein muss.
Nun könnte die Frage aufkommen, ob nicht Schatten vielmehr mit den Elementen, als mit den Untoten verwandt sind. Hierzu sei kurz angemerkt: Alle uns bekannten Elementarwesen lassen sich einem oder mehreren der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde zuordnen. Beim Schatten hingegen ist dies völlig unmöglich, wollte man dies tun, so müsste man zwangsläufig zwei neue Elemente anerkennen (da jedes Element bekanntlich einen Antagonisten hat), welche Licht und Schatten wären. Und entgegen dieser geradezu grotesken Anmaßung erscheint eine Verwandtschaft mit den Untoten doch plausibler.
Über Untote
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Über Untote
Ein strîter sô gelêret was, daz er an den buochen las, swaz er dar an geschriben vant: der was Viridian genant, dienstman was er ze Mêrswaht.