Delilah Janaan - Gefangene ihrer Selbst.

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Delilah Janaan Masari

Delilah Janaan - Gefangene ihrer Selbst.

Beitrag von Delilah Janaan Masari »

Unschuldige Kindertage


„Delilah, komm’ raus! Ich finde Dich doch sowieso!“

Leise raschelt der Vorhang zu dem kleinen Lagerraum, in dessen Ecke das gesuchte Mädchen kauert. Voller Spannung hält sie den Atem an und versucht sich noch ein klein wenig mehr in die schmale dunkle Ritze zwischen den Vorratskisten und –krügen zu drücken, um möglichst wenig Angriffsfläche für neugierige Späher zu bieten. Doch dieser eine verflixte Krug fängt an zu wackeln – irgendein Spielverderber muss eine große Menge an Korn herausgenommen haben, denn am frühen Morgen stand er noch fest, Delilah hatte es in weiser Voraussicht getestet!

„Ha, hab’ Dich!“, taucht Fareed’s braungebranntes Gesicht über ihr auf, das siegessichere Grinsen von einem Ohr zum anderen zur Schau tragend.

„Aber Du hast mich noch nicht berührt, von wegen gewonnen!“, johlt sie und saust auch schon los, ungeachtet dessen, dass sie dem Tonkrug nun endgültig den Todesstoß verpasst und er scheppernd zu Boden kracht. Das gibt sicher noch Ärger, aber das ist jetzt nicht wichtig. Sie muss erst einmal zusehen, dass sie möglichst viel Abstand zwischen sich und ihren Verfolger bringt. Der Eingangsvorhang flattert hinter ihr auf, die Sandalen an ihren kleinen Kinderfüßen wechseln von Stein auf heißen Sand. Das Herz in ihrer Brust pocht so kräftig, dass sie glaubt es würde gleich zerspringen, doch sie muss durchhalten. Einen Blick zurück wagt sie nicht, es würde sie nur Zeit kosten. Aber bestimmt hat sie ihn schon abgeschüttelt!

Doch da wird sie auch schon mit einem kräftigen Rums vornüber in den Sand geschubst! So weich und sanft sich die kleinen Körner anfühlen, wenn man sie durch die Finger rieseln lässt, so bretthart werden sie, sobald man volle Wucht auf sie aufschlägt. Autsch! Und während sich Mund und Nase gleich einem Schmirgelpapier verhalten, füllen sich die Ohren mit lautem Gelächter.

„Ich bin schneller als Du mit Deinen Stummelbeinchen! Gewonnen, gewonnen, gewonnen!“

„Ich habe keine Stummelbeinchen, Du … Du … Kamel!“, schimpft es aus dem Mädchenmund, der daraufhin eine Ladung feuchten Wüstensand ausspuckt. „Pah, bäh!“, schaufelt sie sich aus ihrer liegenden Position wieder herauf und klopft sich das einfache Leinenkleid aus. Dann stemmt sie die kurzen Arme in die Hüften und funkelt den noch am Boden liegenden und sich weiterhin vor Lachen kugelnden Bruder aufgesetzt böse an (ein Verhalten, welches sie zwischen ihren Eltern beobachtet und ihren Vater stets zum Nachgeben veranlasst hatte). Doch das Motto „Wie der Vater so der Sohn“ will an dieser Stelle nicht recht aufgehen, denn Fareed’s Lachen wird noch einmal eine Spur lauter als er sie so dastehen sieht.

„Was ist?! Soll ich jetzt Angst haben, Stummelbein!?“, gackert der Junge und robbt sich an seine Schwester heran, um sie wieder zu sich in den Sand herab zu ziehen. Quietschend versucht Delilah sich zu wehren, strampelt kräftig und will seine Arme fassen. Insgeheim aber weiß sie, dass sie gegen den Bruder keine Chance hat – immerhin ist er ganze drei Jahre älter und übt täglich mit seinem Holzschwert. Aber dennoch kann sie ja so tun als ob sie ihm ernsthaft Paroli bieten möchte! Und so raufen sich die beiden Kinder durch die losen Körner, wirbeln eine gewaltige Staubwolke auf und erfüllen ihre Umgebung mit Gelächter, Gequäke und freudigem Krakeelen.

Das muntere Treiben findet allerdings ein jähes Ende, als die Stimme der Mutter ertönt. Einige Schritte entfernt, steht sie mit mahnendem Blick und erhobenen Zeigefinger. Die Zeit, sie haben wieder einmal die Zeit vergessen. Der lodernde Feuerball am Horizont steht kurz davor das golden flimmernde Meer zu küssen und in ihm zu versinken. Das endlose satte Blau des wolkenlosen Himmels verwandelt sich bereits in ein zartes Rot, dessen Ausläufer mit einem kräftigen Violett abschließen. Ein feuriges Farbenspiel, welches stets Delilah’s Bewunderung findet – wenn sie eben nicht gerade mit Herumbalgen beschäftigt ist.

„Auf jetzt, ihr Beiden, ab nach Hause! Es ist schon gleich dunkel und Euer Vater will nicht auf Euch warten müssen mit dem Abendbrot!“

Ein einfacher Satz, mehr nicht, dann dreht sich Aneesa Masari wieder um. Sie vertraut darauf, dass die Sprösslinge ihr folgen, ohne weitere Verzögerung und erst recht ohne Widerspruch. Sie ist eine liebevolle Mutter, die gänzlich in der Erziehung ihrer Kinder aufgeht, doch ohne eine ordentliche Portion Strenge ist kein Nachwuchs zu bändigen. Und so nehmen die beiden Rabauken auch wirklich flugs die Beine in die Hand und eilen kichernd und gackernd ins sichere Heim.

In den folgenden Jahren erlebt Delilah noch viele Momente dieser ungetrübten Kindheit. Doch einer von ihnen soll der Letzte gewesen sein.

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Delilah Janaan Masari

Beitrag von Delilah Janaan Masari »

Wenn die Seele Risse zeigt


Ich hole tief Luft, ringe regelrecht nach ihr, fühle mich als wäre ich kurz vor dem Ersticken. Meine Lunge füllt sich und wehrt sich gleichzeitig dagegen, ich muss heftig husten, fast schon würgen. Meine Augen sind weit aufgerissen, doch unter dem kräftigen Schütteln meines Körpers nehme ich meine Umgebung nicht wahr. Erst, als sich meine Brust wieder beruhigt hat und ich wieder halbwegs normale Atemzüge nehmen kann, blicke ich mich um.

Es ist nicht dunkel, aber auch nicht hell. Ich kann keine Lichtquelle ausmachen, genauso wenig einen Schatten. Meine nackten Füße stehen auf glattem Gestein, das weder warm noch kalt ist. Links und rechts von mir erheben sich kantige farblose Felsen, manche reichen mir gerade einmal bis zur Hüfte, andere sind mir weit über den Kopf hinaus gewachsen und lachen auf mich herab. Lachen? Tatsächlich, in meinen Ohren scheppert etwas, was ich als Gelächter identifiziere. Keines, in welches man mit einstimmen möchte, es ist abstoßend und höhnisch. Ich möchte rufen, fragen wer dort ist, doch meine Zunge liegt schwer wie Blei in meinem Mund. Ich schlucke, spüre wie Panik in mir aufsteigt. Wo bin ich hier?!

Ein eisiger Windhauch kitzelt meinen Nacken, ich wirbele herum. Ich möchte einen Mantel um meinen Körper schlingen, mich wärmen, doch alles, was ich trage ist ein dünnes ärmelloses Kleid in roter Farbe. Blut, schließt es mir durch den Kopf und spüre augenblicklich Feuchtigkeit auf meiner Haut. Mein Herz pocht im Takt donnernder Hufe, ich möchte fliehen, weg von hier.

Plötzlich verstummt das Gelächter und ich lausche in die Stille. Da, das Tapsen von Füßen! Hektisch geht mein Blick umher, will den Quell’ des Geräusches ausmachen. Ich sehe braunes flatterndes Haar und den Fetzen eines weißen Kleides, die gerade hinter einem der farblosen Felsen verschwinden. Ich setze mich in Bewegung, laufe der kleinen Gestalt hinterher. „Bleib doch!“, will ich rufen, doch meine Stimme verweigert mir weiterhin den Dienst. Ich hole sie ein – ich bin mir sicher, dass es ein Mädchen ist: Das Kleid, die wehenden Haare, die zierliche Figur. Ihre Schulter, ich möchte sie berühren, meine Hand darauf legen. Doch bevor ich Gelegenheit dazu bekomme, dreht sie sich zu mir herum und starrt mich an.

Ich zucke zurück, Schrecken fährt mir durch die Glieder. Vor mir stehe ich selbst, die kleine Delilah aus der Zeit, in der ich mich mit meinen Geschwistern im Sand wälzte. Der kleine von kirschroten Lippen umrandete Mund öffnet sich und ich erwarte mein damaliges Stimmchen. Doch es ist ein gellender Schrei, der zwischen scharfen Reißzähnen hervorschwappt und mir um die Ohren fegt, so dass ich sie mir zuhalten muss. Aus meinem kindlichen Gesicht ist eine Fratze geworden, deren Haut Stück um Stück fault und abbröselt, während mich die Augen angstvoll fixieren, ehe sie in ihren eigenen Höhlen zerfließen und zu Boden tropfen. Ich schreie und schreie und schreie …



Schweißgebadet schreckt Delilah in ihren Bettlaken auf. In den Ohren klingelt ihr eigenes Brüllen, das Gesicht ist unter einer angstvollen Maske erstarrt. Neben dem Bett kniet ihre Mutter mit tränenverschmierten Wangen, sie hält die Hand ihres gebeutelten Kindes.

Es ist leider kein seltenes Bild, welches sich da bietet, denn dieses Schauspiel wiederholt sich in regelmäßigen Abständen. Fragt man Delilah, wann diese Träume begonnen haben, hat sie keine Antwort parat, sie weiß es nicht mehr genau. Doch es muss irgendwann auf der Schwelle vom Mädchen zur Frau gewesen sein und hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Es ist keinesfalls so, dass sich jede Nacht zum Alptraum wandelt. Manchmal vergehen Tage oder Wochen, ohne dass etwas geschieht. Genug Abstand also, um Anfangs noch die Hoffnung keimen zu lassen, man habe es überstanden. Aber dann schlägt es wieder zu und fällt mit roher Gewalt über sie her.

In den ersten Monaten hatte Delilah noch ausreichend Kraft, um die nächtlichen Attacken zu verarbeiten und nahm weiterhin am täglichen Leben teil. Sie hatte Freundinnen, mit denen sie sich traf, plauderte und lästerte, nahm am Unterricht ihrer Mutter teil und beharrte auf ihrer Lebensfreude. Doch je mehr Zeit verging, umso deutlicher schwanden die Energien der jungen Frau. Pechschwarze Ringe schlichen sich unter ihren Blick, die Gesichtsfarbe wandelte sich vom gesunden Honiggold zum aschfahlen Grau. Irgendwann begann Delilah den Schlaf zu verweigern, hielt sich krampfhaft wach, bis sie schließlich Tage später erschöpft zusammenbrach und ihre Träume umso intensiver durchlebte. Immer wieder fragten die Eltern und Geschwister nach dem Inhalt ihrer nächtlichen Qualen, doch sie schwieg und brachte bis heute kein Wort darüber über die Lippen. Auch dann nicht, als die Verzweiflung ausbrach, die sich bei ihrem Vater mit polternden Wutausbrüchen und bei ihrer Mutter mit bitteren Tränen äußerte. Stundenlang saß der Heiler des Dorfes bei der verzagenden Menekanerin, sprach mit ihr, redete auf sie ein, verabreichte ihr Mixturen und stinkendes Gebräu. Doch nichts von alledem vermochte ihren Zustand zu bessern, ganz im Gegenteil. Delilah verließ ihr Zimmer daraufhin kaum noch, kauerte im Sonnenschein, der durch das kleine Fenster hereinlugte. Sie rückte seiner Wanderung nach, biss sich die Lippen blutig und raufte sich wimmernd die Haare, sobald er sie im Stich ließ. Sie hatte einen gefährlichen neuen Begleiter gefunden, sein Name war Wahnsinn.

Delilah ist es gewohnt, das Gesicht ihrer Mutter nach dem schmerzhaften Aufwachen zu erblicken. Aneesa verweilt ein jedes Mal an der Seite ihrer Tochter, ungeachtet der Tatsache, dass sie hartnäckig mit Schweigen und dem Anblick eines zugewandten Rückens gestraft wird. Heute aber endlich, nach unzähligen Nächten, gibt sich Delilah den Armen ihrer Mutter hin. Ein Strom nicht enden wollender heißer Tränen bricht aus ihren Augen heraus, während ihr Mund ein lang gezogenes schwermütiges „Oooh“ preisgibt. Aneesa wiegt ihr Kind liebevoll und summt das Lied, mit welchem sie Delilah schon in Kindertagen getröstet hat, wenn sie sich wieder einmal die Knie oder Ellenbogen aufgeschrammt hatte. Und es zeigt seine Wirkung tatsächlich auch noch heute, wenn auch erst nach einer ganzen Weile. Die Zuckungen des Mädchenkörpers ebben ab, das qualvolle Schluchzen verstummt und der Atem beruhigt sich. Ein Blick auf das Gesicht Delilah’s verrät, dass sie erneut in den Schlaf gefallen ist. Und Aneesa schickt ein stummes aber inbrünstiges Gebet heraus, dass er dieses Mal hoffentlich von friedlicher Natur ist.

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Delilah Janaan Masari

Beitrag von Delilah Janaan Masari »

Am Rande des Abgrunds


Ich weiß genau wo ich bin und doch ist es anders. Ich kann weder sehen, noch hören, noch fühlen. Ich atme tief ein und aus, normal, ohne kurz vor dem Übergeben zu stehen. Aber riechen kann ich nichts. Ich schlucke und stelle fest, dass auch mein fünfter Sinn den Dienst quittiert hat. Oder gibt es hier einfach nichts wahrzunehmen? Hier, im perfekt ausgereiften Nichts.

Vorsichtig, als könne mich ein falscher Schritt in ein tiefes Loch befördern, setze ich einen Fuß nach vorne und suche nach der gewohnten glatten Oberfläche unter meinen Sohlen. Es wundert mich nicht, dass ich sie nicht finde und trotzdem habe ich nichts damit gewonnen. Ich schiebe den anderen Fuß nach und stelle fest, dass ich mich bewege. Oder doch nicht? Verdammt, ich habe keine Ahnung! Meine Arme bewegen sich, rudern umher, die Finger recken sich nach den Felsen, von denen ich gewohnt bin umgeben zu sein, doch sie greifen ins Leere. Ich lausche hinein in das Nichts, warte auf das Lachen. Ich hasse es abgründig, doch jetzt sehne ich mich regelrecht danach. Oh bitte, nur irgendeinen Anhaltspunkt!

„Verfluchte Kamelscheiße!“, zetere ich und rechne fest damit, dass meine Zunge gewohnheitsmäßig wie ein schwerer Klumpen an meinem Mundboden fest klebt. Umso mehr erschrecke ich mich, als meine eigene Stimme in einem tausendfachen Echo auf mich nieder klirrt und mich von dem unsichtbaren Boden reißt und nach hinten schleudert. Ich erwarte einen schmerzhaften Aufprall, doch mein Fall will nicht enden. Ich strudele in endloser Schwärze umher, da hilft auch das ungeschickte Hampeln mit Armen und Beinen nichts. Also tue ich das, was mir noch bleibt, ich schreie. Diesmal nicht aus dem Mund meines kindlichen Ichs, denn dieses lässt sich heute nicht blicken, diesmal kreische ich mir eigens die Seele aus dem Leibe.

Und plötzlich sehe ich sie. Ich weiß nicht wo sie hergekommen ist, sie ist einfach da: Eine widerliche Fratze, deren Anblick mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das triefende Maul ist weit aufgerissen und wabernde Dunstfäden quellen zwischen angefaulten spitzen Fangzähnen hervor, während die hasserfüllten Augen Blut speien. Sie rast auf mich zu, greift mit unsichtbaren Klauen nach mir, hinterlässt brennende Schnitte in meiner Haut. Sie macht mir unmissverständlich klar, dass sie mich verschlingen will.

„Nein, nein, nein!“, heule ich, während mir vor lauter Angst der Rotz aus der Nase trieft. Meine Augen brennen, als hätte man mir Sand hinein gerieben, meine Haut juckt als würden mich abertausende Ameisen gleichzeitig beißen, mein Magen dreht sich und rebelliert. Es gibt nur einen klaren Gedanken, der sich pulsierend in mein Bewusstsein brennt: Ich will nicht sterben!

Zuerst ist es nur ein kleiner Funke, aber er wächst zu einem kleinen zarten Flämmchen. Er besteht nicht aus Feuer, sondern vielmehr aus reinem Licht. Und er wächst unaufhaltsam weiter, so schnell, dass ich keine Zeit habe zu begreifen was passiert. Bald bin ich vollkommen eingehüllt in dieses Licht, wie ein Mantel legt es sich um mich. Mein Fall wird sanft gebremst, ich erinnere mich an die liebevollen Umarmungen meiner Mutter. Ehe ich mir der Bedeutung dessen bewusst werden kann, schüttele ich dieses Licht von mir ab und schleudere es mit voller Wucht der grässlichen Fratze entgegen.



„Kind, wach auf, bitte!“

Aneesa’s Stimme ist erfüllt mit Panik, als sie sich mit unsanftem Rütteln an Delilah’s Schultern zu Schaffen macht. Aber erst die saftige Ohrfeige bringt die junge Menekanerin zurück ins Hier und Jetzt. Ein protestierendes Jaulen dringt aus Delilah’s Mund, dies ist immerhin die erste Ohrfeige ihres Lebens! Die aufkeimende Wut darüber erlischt jedoch schnell, als sie sich ihrer Umgebung gewahr wird. Die Vorhänge in ihrem Zimmer stehen in lodernden Flammen und auch auf dem Teppich vereinen sich einige Funken zu einem gefährlichen Tanz. Endlich lässt sie sich von ihrer Mutter aus dem Bett reißen, während ihr Vater mit zwei großen Eimern bewaffnet ins Zimmer rumpelt. „Raus mit Euch, raus!“, brüllt er und lässt einen Schwall Wasser auf das Feuer nieder regnen.

Mutter und Tochter stolpern die Stufen ins untere Stockwerk des kleinen Hauses hinab, wo Delilah dann auf den Knien zusammenbricht. Die Finger krampfen sich in die Fasern des Teppichs, so stark, dass die Knochen weiß durch die Haut durchschimmern und sie übergibt sich schwallartig, während sie zeitgleich in Tränen ausbricht.

„War ich das? Ma, sag’ mir ob ich das war?! Ich war es, ja?! Ich habe das angerichtet!“

Aneesa verliert kein Wort, nimmt stattdessen kopfschüttelnd ihr gebrochenes Kind in die Arme und gibt Delilah damit genau jene Antwort, die sie letztlich schon vorher kannte. Sie hat Recht damit nichts zu sagen, denn es gibt nichts mehr worüber man reden kann. Die Möglichkeiten sind ausgeschöpft.

Es ist Delilah’s letzter Moment in ihrem Elternhaus.

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