Zwei Seelen bis in den Tod vereint

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Myra Myrtol

Zwei Seelen bis in den Tod vereint

Beitrag von Myra Myrtol »

Halb zog sie ihn, halb sank er hin.

Gemeinsam waren sie ihr Leben lang und ihr Herz gehörte ihm und ebenso umgekehrt.
Er war aus dem Krieg zurückgekehrt und sie sah das seine Verletzungen nicht heilen würden, das er nur zurückgekommen ist um sie zu sehen, zu fühlen und ein letztes Mal ihre Lippen zu berühren.
Was er nicht wusste das sie ihn für diesen letzten Weg nicht verlassen würde, ihn nicht alleine würde gehen lassen.

So fand man am Morgen zwei Seelen in dem großen Bett, im Hause Myrtol. Beide waren Atemlos, doch die Gesichter schienen von einem größeren Glück zu sprechen.

Sie waren in Liebe gegangen, hatten alles getan was nötig war.
Rafael von Arganta

Beitrag von Rafael von Arganta »

Erschüttert stand er am Hause seines Knappen.
Mit ihm hatte er nicht nur einen Knappen verloren sondern mehr.
Freund... fast Familienmitglied.
Doch schien Temora ihn eher hatte haben wollen als das er das Leben hätte weiter leben können.
Doch als wäre dies nicht schon schlimm genug gewesen, ging Myra ihren Weg mit ihm.
Zwei Freunde weniger die ihm nun an seiner Seite fehlen würden.
Warum nur hatte Myra keinen anderen Ausweg gesehen.
Es gab so viele Freunde die sie gestützt hätten, die ihren Schmerz verstanden und für sei da gewesen wären.

Nun gingen die Beiden einen Weg auf dem er sie nicht begleiten konnten.
Doch sie waren wie im Leben... auch im Tode nun vereint.
Ihm blieb nichts weiter als für eine ordentliche Beerdigung zu sorgen.
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Alexander van Bernau
Beiträge: 285
Registriert: Dienstag 1. Juli 2008, 04:42

Beitrag von Alexander van Bernau »

Wenn eine Welt zusammen bricht, dann flüchtet man sich manchmal gerne in Gedanken.
Gedanken, schwerer zu ertragen alles was man bisher kannte.
Gedanken, die eigentlich nicht zu ordnen sind.
Gefühle sind es, die den Menschen ausmachen.
Gefühle sind es, die Menschen zerstören können.

Wenn es einem die Sprache verschlägt, wie verleiht man dann dem inneren Chaos ausdruck ?






Wie das Vergehen des Sonnenscheins
an einem wolkigen Nachmittag.

Wie eine Burg,
auf einen Sandstrand gebaut.

Geboren zu erfreuen, zu begeistern,
zu beglücken.

Wie ein Sonnenuntergang,
der mit dem Aufgehen des Mondes dahinstirbt.

Gestern noch hier,
heute verschwunden.

Viel zu früh.
Lieon

Beitrag von Lieon »

Jene eisernen Ketten, die ihn seit seiner Gefangennahme begleiten, machen es ihm schwer, einen Schritt vor dem anderen zu tun, ohne dabei ins Straucheln zu geraten. Schmerzlich schneiden die an seinen Hand- und Fußgelenken geschmiedeten Eisenbeschläge in sein Fleisch. Als eine Gnade ist es ihm, an seinen Fußsohlen, die man mit glühenden Eisen malträtiert hat, den kühlen, von Schnee bedeckten Pflasterstein zu spüren. Und es ist ihm, dass es der Gnade dieser kalten Jahreszeit zu verdanken ist, dass eine eisige Brise die Schmerzen seines geschundenen Leibes lindert.

Ewig scheint ihm der Weg durch die Gassen Adorans, über den Weg zur Burg der Allianz, wo sein irdisches Schicksal enden soll. Links und rechts des Weges steht gemeines Volk Spalier, will sich das Schauspiel nicht entgehen lassen.

Ein keckes Weib springt herum wie ein Derwisch, mal vor ihm, mal hinter ihm, mal Grimassen schneidend.

„JA, DAS SOLL NUN GERECHTER LOHN SEIN FÜR DENJENIGEN, DER SEINE VERLOGENHEIT UND SEINE LÜSTERNHEIT HINTER DER MASKE EINES GUTEN FREUNDES ZU VERBERGEN SUCHTE!“ kreischt sie, dass die Menge es auch vernehmen kann. Zurufe und unflätige Verwünschungen folgen auch gleich den Worten der Frau - eben wohl genau das, was sie erreichen will.

Ein Gejohle beginnt, als der Burghof erreicht ist, in dessen Mitte ein Holzpodest errichtet wurde, ein Richtblock befindet sich darauf. „ENTMANNT IHN VOR ALLER AUGEN, BEVOR MAN SEINEN SCHÄDEL ABHAKT!" hört man jemanden schreien. "NEIN! ZERREIßT SEINEN LEIB – DAMIT WIRD ER SEINEM KÄTZCHEN BESSER ALS SPIELZEUG DIENEN KÖNNEN!" Laute Zustimmungsbekundungen und spöttisches Gelächter sind der Lohn für jene forschen „Marktschreier“.

Bevor er sein Haupt auf den Holzklotz legt, sammelt er seine letzten Kräfte für einen Blick in die Menge. Ein Mann im mittleren Alter, scheint mit um ihn herum stehenden Männern darüber zu fachsimpeln, wie der Henker das Beil zu führen hat, damit mit einem Hieb der Kopf vom Leib getrennt werde.

„Der Tod durch des Henkers Beil ist noch eine viel zu milde Strafe für diese Natter, Raphael!“

„„Wir wissen alle all zu gut, dass Ihr diesen Mann gehasst habt, Herr Schwarzmourne“

„Meine Herren, statt zu streiten, lasst uns besser aufmerksam schauen, wie viele Hiebe der Henker braucht, um den Kopf vom Leib zu trennen. Ich sage zwei Hiebe, Wer hält dagegen?”

Dann entfernen sich die Gestalten vom Holzpodest und gesellen sich unter die Reihen der aufgeregten Zuschauer
Bevor das Beil herabfährt, erblickt er eine ihm wohl vertraute Person in seiner glänzenden Rüstung. Andreas Augen waren direkt auf ihn gerichtet als es zu Ende ging. „Du verlogene Kanaille von Adelsgezücht. Ich warte auf dich in der...“ Der erste Hieb des Henkers hat schlecht getroffen, nicht durch den Nacken ist er gefahren, sondern stumpf auf den Hinterkopf. Ein Röcheln, ein Stöhnen erstickt aus dem Munde des Gemarterten, aber nicht laut. Der zweite Schlag fährt tief in den Nacken und lässt das Blut grell aufspritzen. Erst der dritte Hieb des Beils löst das Haupt vom Rumpf.


Lieon erwacht kreidebleich, mit weit aufgerissenen Augen in der Residenz der Familie Seranyth. Mitten in der Nacht verlässt er das Haus und wandert schlendernd zum Steg, an einen Teich nahe Düstersee. Der Mond blendet wie ein Scheinwerfer auf das Wasser und gibt der nebligen Szene einen matten Schein. Ihm wird klar, dass nicht er es war, der gegangen ist.
Ein seltsamer Verlust.
Leah Katuri

Beitrag von Leah Katuri »

Wem ein Geliebtes stirbt, dem ist es wie ein Traum,
Die ersten Tage kommt er zu sich selber kaum.
Wie er's ertragen soll, kann er sich selbst nicht fragen;
Und wenn er sich besinnt, so hat er's schon ertragen.
(Friedrich Rückert-Wem ein Geliebtes stirbt...)


Kerzen flackerten, warfen unstete Schatten an die Wand und tauchten die dunklen Steine in ein diffuses Licht. Das Knacken der Dochte mischte sich mit dem Geräusch von Schritten, welche klirrend außerhalb der Wände getätigt wurden. Kühl war die Luft, die man hier einsog und man nahm unvermittelt den Duft des Weihrauches auf, der sich durch das gesamte Kirchenschiff verteilte.
Ein Ort der Ruhe und des Ankommens, wenn man einmal dem Draussen entkommen wollte. Es war zumindest immer etwas ruhevolles in diesen Wänden, sobald man das Ankh erblickte und spürte, dass jener Ort von der Herrin gesegnet war. Ruhe, Frieden, Wärme...Der Anblick zweier Särge jedoch trübte das Bild, verzerrte es, um es in einen unwirklichen Frieden einzutauchen.
Andreas war tot, seine Seele zu Eluive und in das Lied übergegangen. Tot...

Unwirklich schien das Holz wie das ganze Szenario, in dem sie sich befand. Die Totenwache für ihren besten Freund zu halten...ihren Begleiter der Knappenzeit. Sie hatten einander zugehört, verstanden einander und kannten die tiefsten Sorgen. Sie wusste um seine Ängste, wusste um den Ehrgeiz, den den jungen Mann zu ständig neuen Taten veranlasst hatte. Der Dienst im Regiment, die gemeinsamen Schichten, die Nächte in der Kirche Adorans. Angestrengt hatte sie danach gegrübelt, wann sie ihren Freund das letzte Mal gesehen hatte, bevor er wieder fortgereist war. Eine Reise, aus der sie ihn nie wieder lebend empfangen sollte. Er war zurückgekehrt, um zu sterben, um seine Frau zu sehen und seinen Frieden so zu finden.
Stille Tränen rannen über die Wangen während der nächtlichen Wacht, als die Bilder an den jungen Mann auftauchten. Sie hatte ihn geliebt, wie einen Bruder geliebt und schützen wollen. Sie hatten Pläne, hatten einander noch so viel versprochen. Wieder und wieder tauchte das Versprechen auf, dass sie Andreas hatte geben müssen:

Versprich mir: Werd eine brave Ritterin...Eine Ritterin, von der man wissen darf - dass sie reinen Herzens ist und bleibt...

Sie hatte ihm damals jenes Versprechen gegeben, geben müssen. Sie wusste, sie hätte stets mit seinem Rückhalt, mit der Kraft eines Freundes rechnen können. Er hätte gar ein stetes wachsames Auge gehabt, wäre sie anders geworden, hätte sie sich verändert und nur annährend gewagt, das Versprechen zu brechen. Doch nun war er nicht mehr da, konnte nicht auf sie achten und auf das Versprechen. Konnte nicht mehr zuhören, nicht mehr einfach nur da sein.

Er war nicht mehr da.
Er war weg...
Hinabgestiegen in tiefe Pfade des Dunkeln...einen Weg voller Schmerz und Wunden, ehe er aus jenen mit hellem Licht und Wärme erlöst wurde.
Ein Weg, den man nicht mehr zurückgehen konnte.
Für immer weg...

Ein Freund war gegangen ohne ihr den Moment des Abschiedes zu gewähren. Ein Freund, den sie wohl spärlich vernachlässigt hatte in einer Zeit, in der er Stand und Sorg gebraucht hätte. Harte Zeiten waren es gewesen, als sich Milady durch einen Eid an ihn gebunden hatte. Er kannte nicht den Trubel, das Chaos, das allein durch eine Person verursacht werden konnte. Hinter jener Person standen Verpflichtungen, Aufgaben, Menschen. Es war die Zeit des brodelnden Streites gewesen, die Eskalation des Ganzen mit Cyrion und dessen Ausscheiden aus dem Haushalt. Zu viele Probleme, die wichtiger schienen. Wann hatte sie ihn nur das letzte Mal wirklich sprechen können? Wann hatte sie sich seine Sorgen anhören können? Sie konnte es nicht mehr gut machen, hatte ihre Möglichkeit vertan. Er war fort...an einem Ort, an den sie erst gelangte, wenn es an der Zeit war. Sie hatte ihre Aufgabe noch nicht erfüllt, hatte noch Dinge zu erledigen, bevor es an der Zeit war.

„Er wäre nicht ein guter Ritter gewesen, er war Ritter. Ritter im Geiste, erwachsen, vollwertig, wie Ihr es seid - Ritter ohne äußere Hülle. Ohne ein Schwert, das sich auf seine Schultern senkte. Doch das macht nicht zum Ritter, das schafft nur das äußere Etikett, damit es jeder lesen kann. Andreas hat viel erreicht, hat Menschen berührt und bewegt... Ihr und die Herrin werdet wissen, was die Welt an ihm hatte."

Ritter des Herzens. Ein guter Mensch, ein tugendhafter Mann. Ein Mensch, der oft zu sehr liebte und schnell vergab bei jenen, die er liebte. Der ebenso leidenschaftlich seiner Aufgabe am Schwert nachzugehen vermochte und die jagde, die den Schutz des Reiches und die Ordnung des Lichts zerstören wollten. Die, die seiner Familie und seinem Mentor Gefahr sein mochten. Er schützte inbrünstig jene, die er liebte und verteidigte sie aufs äußerste. Ein Mensch mit viel Herz...und doch auch einem wachen Verstand.

Er liebte zu sehr...liebte zu sehr und kam deswegen zurück.
Kam zurück in die Heimat, in sein Heim....und starb.
Nahm seine Geliebte mit, die mit ihm verbunden war...bis in den Tod.

Unwirklich fügten sich die Särge in das Bild des Kirchenraumes ein. Das Ankh ragte über die beiden hölzernen Ruhestätten hinweg, versuchte weiterhin jene Ruhe und friedvolle Stimmung auszustrahlen, wie es sonst auch der Fall war. Und doch trieben sie die Gedanken an vergangene Tage, an Zeiten, in denen sie sein Lächeln sah, seine Stimme hörte und seinen beruhigenden Blick auf sich hatte.
Sie konnte sich nicht einmal verabschieden...
Kerzenwachs tropfte auf die Steinplatten, alte Stumpen wurden von einem jungen Akoluthen ausgewechselt und die neue Kerzen angezündet. Keine Nacht würde sie weichen, würde ihrem Freund so zumindest die Ehre erweisen, wie sie ihm gebührte. Würde sein Andenken wahren und ihm ein Begräbnis zukommen lassen, wie es sich gehörte.
Einem Ritter im Herzen....

Der Adler besuchet die Erde,
Doch säumt nicht,
schüttelt vom Flügel den Staub
und kehret zur Sonne zurück!
(Matthias Claudius-Auszug aus "Zum Tode der Schwester")
Zuletzt geändert von Leah Katuri am Samstag 17. April 2010, 01:53, insgesamt 2-mal geändert.
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