Streit? Nichtigkeiten!
Verfasst: Dienstag 29. November 2005, 00:08
Was war nur in ihn gefahren? War er verrückt? Schlug ihm nun der Wahnsinn mit ganzer Faust ins Gesicht?
Wie harmlos war es gewesen. Gestern noch hatten sie eine kleine Meinungsverschiedenheit gehabt. Und doch war alles wieder beim Alten. Sie hatte ihm verziehen, hatte ihm gesagt, was ihr missfiel, sie hatten es vergessen. Wieso also nocheinmal?
Ihre Vergangenheit... natürlich verstand er sie. Sie wusste nichts mehr, wer sie war, woher sie kam, wer ihre Eltern waren... all das Wissen, dass er stets mit sich trug, sie hatte es nicht. Natürlich war sie auf der Suche! Wer würde nicht die Wurzeln suchen, den Ursprung des eigenen Seins?
Natürlich verstand er, dass sie alleine sein musste. Es gibt nun einmal Dinge, die kann man nicht bedenken, die wollen einem nicht in den Kopf, wenn jemand anders um einen herum ist. Was war nur so schlimm für ihn daran gewesen? Sie hatte ihm erzählt, dass sie ab und an draußen schlief, in Felle eingehüllt, um dort über alles nachzudenken und einfach für sich alleine zu sein. Was hatte sich in ihm gesträubt? Plötzlich war in ihm alles anders. "Ich merk schon, ich stör dabei nur", hatte er darauf erwidert. Wieso??? Wieso im Namen der Viere hatte er nur diesne Schwachsinn über seine Lippen kommen lassen? Er musste für sie da sein! Sie in Ruhe lassen, wenn sie es wollte! zuhören! Aber nicht sie mit Vorwürfen belasten!
"NEIN, VERDAMMT!" - Ein gebrüllter Ausruf, selten bei dieser zierlichen kleinen Person. Wie gebannt starrte Erik auf sie. War es soweit gekommen? Gestern noch hatte sie ihn zu sich gerufen, das war noch nie vorgekommen. Heute schrie sie ihn so an... nur, um ihn zur Besinnung zu bekommen, aber das drang nicht mehr zu ihm vor. Er starrte sie einfach nur noch an. Geschockt und gebannt. Kein Gedanke durchzuckte ihn mehr in diesem Moment.
"Warum nur willst du mich einfach nur nicht verstehen...", meinte sie fast geknickt und depremiert.
Sie nicht verstehen? Er verstand sie! So gut! Er hatte vollkommen falsch reagiert, aber er fand den Weg zurück nicht mehr. Was hätte er gegeben, um hetzt zurückzurudern. Um alles rückgängig zu machen. Aber wo war der Weg? Das Wort, das alles wieder gut machte? Er fand es nicht. Sekunde um Sekunde verrann, kalt brach ihm der Schweiß aus, ohne dass er oder sie es merkten. Schließlich platzte es aus ihm heraus:
"Ich verstehe dich. Aber... verstehst du mich?" - es war so falsch! Er hatte nicht das Recht dazu! Er hatte eine neue Familie gefunden, die Liebe seines Lebens saß ihm gegenüber und er WUSSTE, woher er kam. Was konnte er sich beschweren? Hatte sie ihm Vorwürfe gemacht? Sie hatte ihn nicht einmal gebeten, zu gehen. Er hatte überreagiert. Viel zu viel.
Flucht. Die Situation wuchs ihm über den Kopf, und zwar gewaltig. Noch nie hatte er innerlich eine solche Zerreißprobe zu überstehen gehabt. Noch nie waren diesen Gefühle aus seinem tiefsten inneren ans Äußere gekehrt worden. Noch nie hatte er einfach nur aus seinem Inneren gesprochen und erst später gemerkt, was er eigentlich gesagt hatte. Flucht. Er verließ die Werkstatt, stürmte nach oben, stürmte in ihr gemeinsames Zimmer... und stand da. Er hörte, wie sie davonlief, hörte, wie das gewaltige Tor der Feste zufiel... und stand nur da.
Seine Hände geballt zu Fäusten, die Muskeln verkrampft, stand er da - und starrt an die Wand. "Was... ich... wie konnte ich nur..."
Er sank nieder. Kraftlos überspielten ihn mit einer gewaltigen Wucht die Bilder, er erlebte plötzlich das gesamte Gespräch noch einmal. Was hatte er eigentlich getan? Er hatte sie zutiefst getroffen, ohne Grund! Was war er für ein Wahnsinniger? Hatte er den Verstand endgültig verloren?
Folgen... er musste ihr folgen! Es tat ihm alles so leid... er wollte sie in den Arm schließen, sie trösten, sie küssen, ihr einfach nur das Gefühl seiner Nähe geben und ihr zeigen, dass er für sie da war, dass er sie verstand... Folgen! Kraftlos und erschöpft erhob er sich wieder und stürzte mehr aus dem Haus, aus der Feste.
Wohin? Wohin?
"LUCIANA!", hallte sein Ruf durch die Feste, durch das Haus, durch die Gegend. "LUCIANA!!!", rief er wieder. Wie ein Wilder warf er den Kopf hin und her. Wo war sie nur? Zum Fluss? Zum Wald? Wohin? Er ging ein paar Schritte richtung Fluss, drehte sich dann abrupt um und stolperte Richtung Wald. Eiskalt und unerbittlich prasselte der Regen auf ihn nieder. Er hatte keinen Umhang bei oder irgendetwas, um ihn vor dem Regen zu schützen. Und es interessierte ihn nicht. Er lief nur, stolperte, wollte sie finden.
"LUCIANA!", rief er wieder. Er hatte den Nebelwald erreicht und lehnte sich, schwer atmend, gegen den nächsten Baum. Seine Kraft hatte ihn verlassen, seine Kleider klebten nass und schwer an seinem Körper und zogen ihn einladend richtung Boden. Doch wieder raffte er sich auf, stieß sich ab und stolperte durch den Wald. Durch den Nebel kaum etwas sehen könnend lief er mehr als einmal beinahe gegen einen der vielen Bäume des Waldes, immer wieder nach ihr rufend, immer wieder nach Atem ringend. Schließlich geriet er zu einer Weide, an die er sich wieder lehnte, um Kraft zu tanken. Noch einmal hob er den Kopf und rief:
"Luciaaanaaa...", drang sein Schrei nur noch schwach aus ihm heraus. Zum Schluß begann er schwer zu husten, die Kraft verließ ihn immer mehr und brach in sich zusammen. Schief an die Weide gelehnt spürte er sich nur noch kaum.
Und sie versteht mich nicht! Ihre Vergangenheit... was ist mit der meinen? Soll sie froh sein, ihre Vergangenheit nicht zu kennen.... was gäbe ich dafür, meine Vergangenheit endlich hinter mir zu lassen? Endlich das Leid und die Schmerzen meiner Kindheit zu vergessen? Was weiß sie von mir... von meiner Jugend und Kindheit? Nichts... nichts... gar nichts. Ich... wollte es ihr erzählen, bestimmt... aber wozu? Was würde das bringen? Vergangenheit ist vergangen... muss vergangen bleiben... wer sucht schon das Unheil der Ahnen?
Diese Gedanken im Kopf rutschte er noch ein wenig an der rauen Rinde des Baumes hinunter. Erik spürte schon nicht mehr, wie durch das nasse Hemd die Rinde des Baumes seine Narbe wieder aufriss...
Wie harmlos war es gewesen. Gestern noch hatten sie eine kleine Meinungsverschiedenheit gehabt. Und doch war alles wieder beim Alten. Sie hatte ihm verziehen, hatte ihm gesagt, was ihr missfiel, sie hatten es vergessen. Wieso also nocheinmal?
Ihre Vergangenheit... natürlich verstand er sie. Sie wusste nichts mehr, wer sie war, woher sie kam, wer ihre Eltern waren... all das Wissen, dass er stets mit sich trug, sie hatte es nicht. Natürlich war sie auf der Suche! Wer würde nicht die Wurzeln suchen, den Ursprung des eigenen Seins?
Natürlich verstand er, dass sie alleine sein musste. Es gibt nun einmal Dinge, die kann man nicht bedenken, die wollen einem nicht in den Kopf, wenn jemand anders um einen herum ist. Was war nur so schlimm für ihn daran gewesen? Sie hatte ihm erzählt, dass sie ab und an draußen schlief, in Felle eingehüllt, um dort über alles nachzudenken und einfach für sich alleine zu sein. Was hatte sich in ihm gesträubt? Plötzlich war in ihm alles anders. "Ich merk schon, ich stör dabei nur", hatte er darauf erwidert. Wieso??? Wieso im Namen der Viere hatte er nur diesne Schwachsinn über seine Lippen kommen lassen? Er musste für sie da sein! Sie in Ruhe lassen, wenn sie es wollte! zuhören! Aber nicht sie mit Vorwürfen belasten!
"NEIN, VERDAMMT!" - Ein gebrüllter Ausruf, selten bei dieser zierlichen kleinen Person. Wie gebannt starrte Erik auf sie. War es soweit gekommen? Gestern noch hatte sie ihn zu sich gerufen, das war noch nie vorgekommen. Heute schrie sie ihn so an... nur, um ihn zur Besinnung zu bekommen, aber das drang nicht mehr zu ihm vor. Er starrte sie einfach nur noch an. Geschockt und gebannt. Kein Gedanke durchzuckte ihn mehr in diesem Moment.
"Warum nur willst du mich einfach nur nicht verstehen...", meinte sie fast geknickt und depremiert.
Sie nicht verstehen? Er verstand sie! So gut! Er hatte vollkommen falsch reagiert, aber er fand den Weg zurück nicht mehr. Was hätte er gegeben, um hetzt zurückzurudern. Um alles rückgängig zu machen. Aber wo war der Weg? Das Wort, das alles wieder gut machte? Er fand es nicht. Sekunde um Sekunde verrann, kalt brach ihm der Schweiß aus, ohne dass er oder sie es merkten. Schließlich platzte es aus ihm heraus:
"Ich verstehe dich. Aber... verstehst du mich?" - es war so falsch! Er hatte nicht das Recht dazu! Er hatte eine neue Familie gefunden, die Liebe seines Lebens saß ihm gegenüber und er WUSSTE, woher er kam. Was konnte er sich beschweren? Hatte sie ihm Vorwürfe gemacht? Sie hatte ihn nicht einmal gebeten, zu gehen. Er hatte überreagiert. Viel zu viel.
Flucht. Die Situation wuchs ihm über den Kopf, und zwar gewaltig. Noch nie hatte er innerlich eine solche Zerreißprobe zu überstehen gehabt. Noch nie waren diesen Gefühle aus seinem tiefsten inneren ans Äußere gekehrt worden. Noch nie hatte er einfach nur aus seinem Inneren gesprochen und erst später gemerkt, was er eigentlich gesagt hatte. Flucht. Er verließ die Werkstatt, stürmte nach oben, stürmte in ihr gemeinsames Zimmer... und stand da. Er hörte, wie sie davonlief, hörte, wie das gewaltige Tor der Feste zufiel... und stand nur da.
Seine Hände geballt zu Fäusten, die Muskeln verkrampft, stand er da - und starrt an die Wand. "Was... ich... wie konnte ich nur..."
Er sank nieder. Kraftlos überspielten ihn mit einer gewaltigen Wucht die Bilder, er erlebte plötzlich das gesamte Gespräch noch einmal. Was hatte er eigentlich getan? Er hatte sie zutiefst getroffen, ohne Grund! Was war er für ein Wahnsinniger? Hatte er den Verstand endgültig verloren?
Folgen... er musste ihr folgen! Es tat ihm alles so leid... er wollte sie in den Arm schließen, sie trösten, sie küssen, ihr einfach nur das Gefühl seiner Nähe geben und ihr zeigen, dass er für sie da war, dass er sie verstand... Folgen! Kraftlos und erschöpft erhob er sich wieder und stürzte mehr aus dem Haus, aus der Feste.
Wohin? Wohin?
"LUCIANA!", hallte sein Ruf durch die Feste, durch das Haus, durch die Gegend. "LUCIANA!!!", rief er wieder. Wie ein Wilder warf er den Kopf hin und her. Wo war sie nur? Zum Fluss? Zum Wald? Wohin? Er ging ein paar Schritte richtung Fluss, drehte sich dann abrupt um und stolperte Richtung Wald. Eiskalt und unerbittlich prasselte der Regen auf ihn nieder. Er hatte keinen Umhang bei oder irgendetwas, um ihn vor dem Regen zu schützen. Und es interessierte ihn nicht. Er lief nur, stolperte, wollte sie finden.
"LUCIANA!", rief er wieder. Er hatte den Nebelwald erreicht und lehnte sich, schwer atmend, gegen den nächsten Baum. Seine Kraft hatte ihn verlassen, seine Kleider klebten nass und schwer an seinem Körper und zogen ihn einladend richtung Boden. Doch wieder raffte er sich auf, stieß sich ab und stolperte durch den Wald. Durch den Nebel kaum etwas sehen könnend lief er mehr als einmal beinahe gegen einen der vielen Bäume des Waldes, immer wieder nach ihr rufend, immer wieder nach Atem ringend. Schließlich geriet er zu einer Weide, an die er sich wieder lehnte, um Kraft zu tanken. Noch einmal hob er den Kopf und rief:
"Luciaaanaaa...", drang sein Schrei nur noch schwach aus ihm heraus. Zum Schluß begann er schwer zu husten, die Kraft verließ ihn immer mehr und brach in sich zusammen. Schief an die Weide gelehnt spürte er sich nur noch kaum.
Und sie versteht mich nicht! Ihre Vergangenheit... was ist mit der meinen? Soll sie froh sein, ihre Vergangenheit nicht zu kennen.... was gäbe ich dafür, meine Vergangenheit endlich hinter mir zu lassen? Endlich das Leid und die Schmerzen meiner Kindheit zu vergessen? Was weiß sie von mir... von meiner Jugend und Kindheit? Nichts... nichts... gar nichts. Ich... wollte es ihr erzählen, bestimmt... aber wozu? Was würde das bringen? Vergangenheit ist vergangen... muss vergangen bleiben... wer sucht schon das Unheil der Ahnen?
Diese Gedanken im Kopf rutschte er noch ein wenig an der rauen Rinde des Baumes hinunter. Erik spürte schon nicht mehr, wie durch das nasse Hemd die Rinde des Baumes seine Narbe wieder aufriss...