Streit? Nichtigkeiten!

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Erik Forstnam

Streit? Nichtigkeiten!

Beitrag von Erik Forstnam »

Was war nur in ihn gefahren? War er verrückt? Schlug ihm nun der Wahnsinn mit ganzer Faust ins Gesicht?

Wie harmlos war es gewesen. Gestern noch hatten sie eine kleine Meinungsverschiedenheit gehabt. Und doch war alles wieder beim Alten. Sie hatte ihm verziehen, hatte ihm gesagt, was ihr missfiel, sie hatten es vergessen. Wieso also nocheinmal?

Ihre Vergangenheit... natürlich verstand er sie. Sie wusste nichts mehr, wer sie war, woher sie kam, wer ihre Eltern waren... all das Wissen, dass er stets mit sich trug, sie hatte es nicht. Natürlich war sie auf der Suche! Wer würde nicht die Wurzeln suchen, den Ursprung des eigenen Seins?

Natürlich verstand er, dass sie alleine sein musste. Es gibt nun einmal Dinge, die kann man nicht bedenken, die wollen einem nicht in den Kopf, wenn jemand anders um einen herum ist. Was war nur so schlimm für ihn daran gewesen? Sie hatte ihm erzählt, dass sie ab und an draußen schlief, in Felle eingehüllt, um dort über alles nachzudenken und einfach für sich alleine zu sein. Was hatte sich in ihm gesträubt? Plötzlich war in ihm alles anders. "Ich merk schon, ich stör dabei nur", hatte er darauf erwidert. Wieso??? Wieso im Namen der Viere hatte er nur diesne Schwachsinn über seine Lippen kommen lassen? Er musste für sie da sein! Sie in Ruhe lassen, wenn sie es wollte! zuhören! Aber nicht sie mit Vorwürfen belasten!

"NEIN, VERDAMMT!" - Ein gebrüllter Ausruf, selten bei dieser zierlichen kleinen Person. Wie gebannt starrte Erik auf sie. War es soweit gekommen? Gestern noch hatte sie ihn zu sich gerufen, das war noch nie vorgekommen. Heute schrie sie ihn so an... nur, um ihn zur Besinnung zu bekommen, aber das drang nicht mehr zu ihm vor. Er starrte sie einfach nur noch an. Geschockt und gebannt. Kein Gedanke durchzuckte ihn mehr in diesem Moment.

"Warum nur willst du mich einfach nur nicht verstehen...", meinte sie fast geknickt und depremiert.
Sie nicht verstehen? Er verstand sie! So gut! Er hatte vollkommen falsch reagiert, aber er fand den Weg zurück nicht mehr. Was hätte er gegeben, um hetzt zurückzurudern. Um alles rückgängig zu machen. Aber wo war der Weg? Das Wort, das alles wieder gut machte? Er fand es nicht. Sekunde um Sekunde verrann, kalt brach ihm der Schweiß aus, ohne dass er oder sie es merkten. Schließlich platzte es aus ihm heraus:

"Ich verstehe dich. Aber... verstehst du mich?" - es war so falsch! Er hatte nicht das Recht dazu! Er hatte eine neue Familie gefunden, die Liebe seines Lebens saß ihm gegenüber und er WUSSTE, woher er kam. Was konnte er sich beschweren? Hatte sie ihm Vorwürfe gemacht? Sie hatte ihn nicht einmal gebeten, zu gehen. Er hatte überreagiert. Viel zu viel.

Flucht. Die Situation wuchs ihm über den Kopf, und zwar gewaltig. Noch nie hatte er innerlich eine solche Zerreißprobe zu überstehen gehabt. Noch nie waren diesen Gefühle aus seinem tiefsten inneren ans Äußere gekehrt worden. Noch nie hatte er einfach nur aus seinem Inneren gesprochen und erst später gemerkt, was er eigentlich gesagt hatte. Flucht. Er verließ die Werkstatt, stürmte nach oben, stürmte in ihr gemeinsames Zimmer... und stand da. Er hörte, wie sie davonlief, hörte, wie das gewaltige Tor der Feste zufiel... und stand nur da.

Seine Hände geballt zu Fäusten, die Muskeln verkrampft, stand er da - und starrt an die Wand. "Was... ich... wie konnte ich nur..."
Er sank nieder. Kraftlos überspielten ihn mit einer gewaltigen Wucht die Bilder, er erlebte plötzlich das gesamte Gespräch noch einmal. Was hatte er eigentlich getan? Er hatte sie zutiefst getroffen, ohne Grund! Was war er für ein Wahnsinniger? Hatte er den Verstand endgültig verloren?

Folgen... er musste ihr folgen! Es tat ihm alles so leid... er wollte sie in den Arm schließen, sie trösten, sie küssen, ihr einfach nur das Gefühl seiner Nähe geben und ihr zeigen, dass er für sie da war, dass er sie verstand... Folgen! Kraftlos und erschöpft erhob er sich wieder und stürzte mehr aus dem Haus, aus der Feste.

Wohin? Wohin?
"LUCIANA!", hallte sein Ruf durch die Feste, durch das Haus, durch die Gegend. "LUCIANA!!!", rief er wieder. Wie ein Wilder warf er den Kopf hin und her. Wo war sie nur? Zum Fluss? Zum Wald? Wohin? Er ging ein paar Schritte richtung Fluss, drehte sich dann abrupt um und stolperte Richtung Wald. Eiskalt und unerbittlich prasselte der Regen auf ihn nieder. Er hatte keinen Umhang bei oder irgendetwas, um ihn vor dem Regen zu schützen. Und es interessierte ihn nicht. Er lief nur, stolperte, wollte sie finden.

"LUCIANA!", rief er wieder. Er hatte den Nebelwald erreicht und lehnte sich, schwer atmend, gegen den nächsten Baum. Seine Kraft hatte ihn verlassen, seine Kleider klebten nass und schwer an seinem Körper und zogen ihn einladend richtung Boden. Doch wieder raffte er sich auf, stieß sich ab und stolperte durch den Wald. Durch den Nebel kaum etwas sehen könnend lief er mehr als einmal beinahe gegen einen der vielen Bäume des Waldes, immer wieder nach ihr rufend, immer wieder nach Atem ringend. Schließlich geriet er zu einer Weide, an die er sich wieder lehnte, um Kraft zu tanken. Noch einmal hob er den Kopf und rief:

"Luciaaanaaa...", drang sein Schrei nur noch schwach aus ihm heraus. Zum Schluß begann er schwer zu husten, die Kraft verließ ihn immer mehr und brach in sich zusammen. Schief an die Weide gelehnt spürte er sich nur noch kaum.





Und sie versteht mich nicht! Ihre Vergangenheit... was ist mit der meinen? Soll sie froh sein, ihre Vergangenheit nicht zu kennen.... was gäbe ich dafür, meine Vergangenheit endlich hinter mir zu lassen? Endlich das Leid und die Schmerzen meiner Kindheit zu vergessen? Was weiß sie von mir... von meiner Jugend und Kindheit? Nichts... nichts... gar nichts. Ich... wollte es ihr erzählen, bestimmt... aber wozu? Was würde das bringen? Vergangenheit ist vergangen... muss vergangen bleiben... wer sucht schon das Unheil der Ahnen?

Diese Gedanken im Kopf rutschte er noch ein wenig an der rauen Rinde des Baumes hinunter. Erik spürte schon nicht mehr, wie durch das nasse Hemd die Rinde des Baumes seine Narbe wieder aufriss...
Luciana van Elyn

Beitrag von Luciana van Elyn »

Was war nur los? ... Warum musste Erik ihr die Worte im Munde herum drehen, warum konnte er nicht einfach zuhören und verstehen? Konnte Sie sich nichtmehr klar ausdrücken? ... Warum verstand er nicht, dass sie ihre Zeit für sich brauchte, allein sein wollte, um zu verstehen, was mit ihr passierte, ihre Vergangenheit endlich zu finden.

Bruchstücke kamen immer mehr auf sie zu, die sie ordnen sollte ... Einordnen in Verganges, um dann die Zukunft wieder klarer sehen zu können! Ihr Inneres, unendlich aufgewühlt und durcheinander. Sie liebte ihn, von ganzem Herzen, wie zuvor noch keinen. Das wusste Sie, aber wusste er es ... hat sie es ihm jemals gesagt?! Sie wusste es nichtmehr.

Selten brüllte sie, sie konnte nicht anderst ... vielleicht besinnte er sich dann, oder war es nur egozentrisch von ihr, so zu denken? Was geschah überhaupt, alles kam ihr sinnlos vor ...

Er sah sie nur ... geschockt, wütend?! Sie konnte es nicht definieren, wartete auf eine Antwort, es kam Stille ... merkwürdiges Schweigen, dann ging er hinaus und sagte:

'Ich verstehe Dich. Aber .. verstehst Du mich?' ...
Natürlich verstand sie, dass er ihre nähe wollte, ihr beistehen, ihr helfen ... aber das wollte sie damit nich ausdrücken, sie wollte ihn nicht abweisen damit ... lief denn alles nur noch schief? Mit den Möbeln fing es an und nun das?

Sie blickte ihm hinterher ... entsetzt ... erschrocken ... enttäuscht ...
versuchte das Geschehen zu verarbeiten, was ihr nicht gelang, tränen liefen ihr übers Gesicht, sie lief davon ...

ich musste raus hier ... weg ... einfach weg. Raus in die Natur ...
ALLEINE SEIN ... einfach ALLEIN ...

Lang lief sie umher, irrte durch die Wälder, suchte einen Platz, wo sie keiner finden würde ... wo sie alleine sein konnte ... nachdenken und überlegen, die geschehnisse verarbeiten ...

Durchnässt und frierend sass sie da ... inmitten einer Lichtung, ihre Kräfte verlassend, weinend, schluchzend ... warum nur ... warum, stellte sich immer wieder die Frage .... warum?

Schwarz wurde die Nacht, alles um sie herum kälter, sie kringelte sich ein, damit ihr eigener Körper ihr Wärme schenkte ... in der Hoffnung einen klaren gedanken fassen zu können, die natur in sich aufzunehmen und ruhiger zu werden ....
Erik Forstnam

Beitrag von Erik Forstnam »

Schwach geht sein Atem, stundenlang liegt er schon an ein und derselben Stelle im Wald, bewacht nur von einer kleinen, halbtoten Weide. Verknittert und total durchnässt hängt seine Kleidung an ihm, sein Gesicht schmutzig, vom Waldboden verdreckt und nass verschmiert. Fieber auf seiner Stirn... Fieber? Oder nur Hitze? Wallende Hitze des schlechten Gewissens?

Hin und wieder dringt ein leichtes, schmerzerfülltes Stöhnen über seine Lippen, hin und wieder bewegt er sich leicht, scheinbar aufwachend aus einem schlechten Traum, ehe er wieder ruhig und nur schwach atmend liegen bleibt.

Mal streicht ein Wolf vorbei und schnuppert an seinem blonden Haar. "Kann man das essen? Hrm... nein, zu dreckig", würde er sich wohl denken. Wenn er denn so denken könnte, dass man es versteht...

Mal zwitschert ein Vögelchen an ihm vorbei, pickt auf dem Boden nach den letzten Würmern und Insekten, die seinen leeren Magen füllen sollen. "Was ist denn das? Kann das da nicht weg? All die schönen Würmer...", würde der Vogel wohl denken, wenn er denn so denken könnte, dass man es versteht. Und wütend zwitschert er um Erik herum, pickt auf seine Hand ein und zerrt in seinem wutentbrannten Spiele an der Schreinerhand.

Mal stapft eines der letzten Rehe im Walde um den Bewusstlosen herum. "Was ist denn das? Grünzeug? Zu rot...", mag es wohl denken, wenn es... Und ohne den Fremdling weiter zu beachten, scharrt es mit dem Huf und versucht, die letzten Blätter des Waldes zu erhaschen.

Mal tapst ein dicker verfressener Bär um den Unglücklichen herum, ihn interessiert und neugierig beschnüffelnd. "Hm... der hat keinen Honig.. und in den Taschen?", mag er... ihr wisst schon. Und mit seiner Nase wühlt er ein wenig in Eriks Tasche, sein Hab und Gut auf dem Boden verstreuend. Enttäuscht trollt er von dannen, als er wohl nichts essbares erhascht.

Stunden vergehen, in denen die Natur ihren gewohnten Gang geht, und nichts nimmt wirklich Notiz von einem Störfaktor im Wald, der da sonst nicht ist. Doch die Stunden vergehen, und der Winter wird kälter, die Sonne versinkt am Horizont und lässt die letzten wärmenden Strahlen über den Bergen verglühen. Und noch immer... keine Regung...
Luciana van Elyn

Beitrag von Luciana van Elyn »

Stunden vergingen ... einen klaren Gedanken konnte sie wohl nichtmehr fassen ... was sollte sie tun?

Zurückgehen und so tun, als wäre nichts gewesen? Die Kälte machte sich in ihrem Körper breit und sie fror bitterlich. Draussen hole ich mir nur den Tod ... ich kann hier nicht ewig bleiben ... sagte sie selbst zu sich!

Sie rappelte sich auf, mit tränenverschmierten Gesicht ging sie ihren Weg.

Da dachte sie doch, sie kenne den Wald, den Fluss ... alles rund um Grimwould ... lang lief sie umher ... den richtigen Weg suchend, doch nichts kam ihr bekannt vor ... nichts. Sie wusste nichtmehr wo sie war.

Habe ich mich nun wirklich verlaufen ... ist das denn möglich?
Frierend und nachdenklich ging sie weiter. Warum bin ich nur davongelaufen ... warum eigentlich, war es nicht weiter nur ein Nichts ... war es das überhaupt alles wert gewesen?
Erik Forstnam

Beitrag von Erik Forstnam »

Wie ein eisiger Hauch fährt die Kälte unter seine Kleider. Zitternd und durchnässt rappelt Erik sich nach langen Stunden der Ohnmacht und Bewusstlosigkeit wieder nach oben.

"Wo... wo bin ich... wer... gibts schon Frühstück?", fragt er, ohne wirklich zu wissen, wer er warum wann wo und wieso ist. Verquollen sehen seine Augen aus, vom Dreck verschmiert ist sein Gesicht und seine Hände. Auf seine Hände gestützt blickt er sich verwirrt und irritiert um. Kalte Winde heulen um seinen Kopf herum und jagen ihm ein Schaudern nach dem anderen über den Rücken. Alles dreht sich um ihn. Wo bin ich? Wieso bin ich hier? Und warum bin ich nicht zuhause? - Gedanken, die langsam, wie ein langsamer Schriftzug durch sein Hirn schleichen.

"Wo... bin ich...", wiederholt er geistig abwesend seinen Gedanken und sieht sich mit leerem Blick um. "Wald..."

Mit einem Mal kommt alles wieder. Die Bilder, die Stimmen... die Erinnerung. Luciana... er hatte sie getroffen, ihr Vorwürfe gemacht, sie verletzt... umsonst, ohne Grund... absichtlich? Nein, das nicht. Es... war im Affekt geschehen, das wusste er. Aber wusste sie es? Wo war sie nur? Sie war davongerannt, das wusste er, aber wohin? Es war kalt, unendlich kalt, der Winter zog mit eisigem Griff durchs Land, und seine Liebste? War sie irgendwo dort draußen? Lag am Fluss, im Wald?

"Hoffentlich ist sie zurück nach Grimwould... aber.. wenn nicht?", hastig und noch etwas schwach, mit steifen Gliedern, von der Kälte erstarrt, erhebt er sich vom Waldboden und klopft sich eher provisorisch die Kleider vom Dreck ab. Seine Nase läuft und ein Hustenanfall schüttelt ihn, ehe er wieder klar denken kann.

"Sie ist bestimmt nicht zuhause... irgendwie... weiß ich das doch...", murmelt er, keineswegs überzeugt, aber sich wieder in Bewegung setzend. "Ich muss sie finden..."

Und wieder stapft er durch den Wald, geschwächt, aber zielstrebig, mit nur einem klaren Gedanken im Kopf: "Luciana"
Luciana van Elyn

Beitrag von Luciana van Elyn »

... lange ging sie durch den Wald .... weiter und weiter ... ihre Gedanken überschlugen sich, Verwirrung, Enttäuschung machte sich in ihr breit, nochmehr als zuvor, bis sie sich selbst zur Ordnung rief. Ich muss nun endlich sehen, wo ich bin.

Sie versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, durch die durchnässte Kleidung, die sie schon die ganze Nacht trug, fror sie bitterlich, das Zittern hörte gar nicht mehr auf, und der Weg kam ihr so lang vor. Unendlich weit, ich wusste gar nicht, dass der Wald so gross, so dicht und so unendlich kalt war. Mit langsamen Schritten ging sie vorwärts ... immer weiter ... bis sie endlich wieder auf Grimwould zusteuerte.

Endlich! rufte es in ihr ... Endlich wieder zu Hause. Gemischte Gefühle machten sich in ihr breit, als sie die Tore aufschloss. Sehnsucht nach Erik, Trauer, Schmerz und ein schlechtes Gewissen so unüberlegt gehandelt zu haben. Sie sah sich um ... doch keiner war zuhause. Keiner.

Es war oft so in letzter Zeit. Diese Totenstille im ganzen Haus machte sie wahnsinnig. Was ist nur passiert. Kein fröhliches Gekicher mehr in der Werkstatt, kein lustiges Beisammensein am Feuer. Nur noch Stille und jetzt auch noch der Streit mit Erik ... war es überhaupt Streit? Wenn nicht, was war es dann, was sollte es mir oder uns sagen?!

Gedankenverloren, zitternd vor Kälte schleppte sie sich langsam nach oben. Sie zog wie in Trance ihre Nassen Kleider vom Leib und kuschelte sich sogleich in die nassen Felle, schliesste die Augen und dachte nach.
Luciana van Elyn

Beitrag von Luciana van Elyn »

Lange musste sie dort gelegen sein, als sie am frühen Abend schliesslich wieder aufwachte.
Sie fror immer noch. Die Wärme wollte sich einfach nicht in ihr ausbreiten. Ich bin zäh, ich hoffe ich werde nicht krank, ich lebe nun schon solange hier, ich muss das aushalten, sagte sie immer wieder mahnend zu sich selbst.

Langsam, mit müden Augen raffte sie sich auf, um sich schnell was überzuziehen, ging dann nach oben aufs Dach, schürte das Feuer am Zuber an, damit sie heisses Wasser hatte, genoss das Bad dann sichtlich, weiter in Gedanken dahinfliessend. Die Stille im Haus hatte sich noch nicht verändert, daher beschloss sie kurzer Hand nach Bajard zu reisen, in der Hoffnung dort mehr Gesellschaft zu finden, die Stille macht sie ganz krank. Nichtmal Erik war da, wo immer er auch war ... musste sie sich Sorgen machen, seine Felle waren so unberührt?!

Der Kutscher brachte sie schneller wie sonst nach Bajard, ihr kam es zumindest so vor ... obwohl es sicher nicht so war. Dort sah sie Sharay auf einer Bank am Teich sitzen, sie gesellte sich ohne Umschweife zu ihr, froh endlich ein fröhliches, bekanntes Gesicht zu sehen. Sie erzählte ihr von den Geschehnissen der letzten zwei Tage, auch wenn Sharay nur zuhörte, fühlte sie sich verstanden, erleichtert .... aber die Kälte im Körper liess einfach nicht nach ... so beschlossen sie kurzerhand nach Menek´Ur zu reissen, um dort die Sonne und das Bad zu geniessen.

Lange waren sie auf der Wüsteninsel ... genossen die Sonne und das angenehme Wasser ... sie fühlte sich wohl und ihre Gedanken kreisten nichtmehr besorgt durcheinander. Sie dankte Sharay innerlich, dass sie ihr eine so gute Freundin war.

So vergingen viele Stunden ... doch die Sorge um Erik legte sich nicht ... sie kam selbst spät nachts zu Hause an, doch seine Felle im Zimmer waren immer noch leer. Grosse Sorgen machten sich wieder in ihr breit.
Erinna sagte, er wäre mir hinterhergerannt ... suchte er mich vielleicht? Aber er sollte doch wissen, dass ich zu Hause bin, auch wenn ich davongelaufen bin ... doch weiss er, dass ich ohne ihn ... ohne den Clan nicht sein kann ... oder ist er sich meiner Gefühle nicht bewusst.
Sie bekam Angst um ihn ... was treibt er nur ... wo bleibt er, wo ist er! Ich liebe ihn doch so sehr, weiss er das denn nicht?!

In diesem Moment hörte sie draussen Erinna nach ihr rufen ... sie kam in ihr Zimmer, mit dem kleinen Seymour an der Hand. Sie strahlte innerlich auf vor Glück, der kleine hatte sich bereits fest in ihr Herz geschlossen ...
Erik Forstnam

Beitrag von Erik Forstnam »

Den halben Tag marschierte er durch den Wald, hinter jeden Baum blickend und kein Eck des Waldes auslassend. Auch den Fluss besuchte er, marschierte an dem weiten Ufer entlang, überquerte die kleine Holzbrücke, suchte auf der anderen Seite, an den Klippen, weiter im Land... sein Weg führte ihr hinauf bis zu Aislings Hof, weiter bis nach Varuna... schließlich wurde es ihm zu kalt und zu nass.

Seine Gedanken voll mit Sorgen, mit Angst um die Liebe seines Lebens, mit Gewissensbissen und mit... Verwunderung über die letzten Stunden stolperte er richtung Heimat. Was war eigentlich geschehen? Es war doch alles normal gewesen. Der Streit vor zwei Tagen war nicht mehr als eine Lappalie, ja nicht einmal ein Streit gewesen. Gut, sie hatte ihm ihre Meinung mehr als deutlich gesagt... aber hatte er es nicht eigentlich nur gemacht, um sie zu necken?

Nie stände es in seinem Sinn, absichtlich gegen ihren Willen zu handeln, nur, um sie zu übergehen. War ihr das klar? Und doch hatte er ihr das nicht gesagt... er hatte sich reumütig gegeben und eine Schuld eingestanden, die er nur halb so empfand. War er denn... schuldig gewesen?

Und lohnte es sich, Gedanken zu verschwenden an eine solche Kleinigkeit? Doch wenn es so eine Kleinigkeit war... wieso hatte er dann so merkwürdig reagiert?
So stolperte er Schritt für Schritt, und in der Dämmerung und der Abendröte erkannte man in der Ferne schon die hölzerne Sicherheit Grimwoulds. Und während er so vor sich hin ging, beobachtete er von außen heraus sich und sein Verhalten.

Was war nur mit ihm los? Oder los gewesen? Was... er erinnerte sich, wie er diese Nähe spürte, die Wärme, als er sie in der Werkstatt sitzen sah. Er fühlte eine tiefe Verbundenheit, irgendetwas... unbeschreibliches. Plötzlich meinte sie, sie müsse öfters alleine sein, nachdenken über sich, ihre Vergangenheit. Natürlich war das klar, und er respektierte diesen Wunsch. Nicht nur dass, er würde alles tun, damit sie ihre Vergangenheit wieder entdecken konnte. Oder? Würde er das? Was war geschehen in diesem kleinen Moment?
In ihm war etwas gerissen. Zum einen diese innere Nähe. Dieses Band zu ihr war zerrissen. Nur für einen kleinen Moment, aber er fühlte sich zurückgesetzt.
Egoismus. Wie kann ich nur so egoistisch sein? Sie ist nicht mein Eigentum, sie ist die Liebe meines Lebens... wie kann ich daran nur einen Moment zweifeln? Wie bescheuert musste ich sein, mich verletzt zu fühlen, nur weil ich einmal nicht im Mittelpunkt stand? Was bist du nur für ein überdimensionaler gewaltiger Troll, Erik Forstnam.

Aber... war es das gewesen? Dieser kurze Stich? Nein. Nein, das war es nicht. Er kannte die Gewalt der Vergangenheit. Keinem... nur Alliestra hatte er bisher erzählt, was zwischen ihm und seinem Vater vorgefallen war. Nur Alliestra hatte er erzählt, wie schwer er sich tat. Er wusste, dass er Luciana liebte... und er wusste nicht, woher. Er hatte in seinem Leben so etwas noch nie gespürt. Nie empfunden. Nie zu spüren bekommen. Liebe? Elterliche Liebe? Bei diesem... "Vater"??? Nein... er wusste nicht, was das war. Seine Mutter? Eine Heuchlerin... und Untertanin eines Verrückten.

Er würde ihr alles erzählen müssen. Es wurde Zeit. So viel wusste er von ihr... oder wusste er eigentlich irgendetwas von ihr? War das wichtig? Ihm war nur noch eines wichtig. Sie musste die Geschichte erfahren, die schuld an allem war. Seinen Reaktionen, seiner Unsicherheit... diesem... "Streit"?

Es war spät, als er sich mit einer Hand an das Tor lehnte. Zuhause. Traute er sich noch hinein? Traute er sich, ihr gegenüber zu treten? Es war so schwer. Er sehnte sich nach ihr, mit jeder Faser seines Lebens, mit jedem Gedanken. Und er hatte Angst. Angst wovor? Angst, dass sie ihn nicht verstehen würde? Angst... dass sie sich nach diesem... Ausrutscher von ihm trennen würde? Oder einfach nur... unbegründete Angst?
Erik Forstnam

Beitrag von Erik Forstnam »

Schön war es gewesen, mit dem Clan wieder etwas zu unternehmen. Mit Cailly, Falk, Laila und Erinna hatte er Thancred und Alliestra besucht. Es war ausgelassen gewesen - seit dem Streit das erste Mal, dass er wieder unbeschwert lachen konnte. Niemals würde er diesen Clan verlassen wollen - die Tiefländer und Menschen waren zu wundervolle Freunde und Familienmitglieder.

Und dann kam das Gespräch auf ihn und Luciana. Er musste von dem Streit erzählen und noch einiges mehr. Wieder kam in ihm ein Gedanke auf, den er schon lange hegte, ein Plan, den er schon seit einiger Zeit mit sich herum schleppte...

Und so fasste er seinen ganzen Mut zusammen und gab sich innerlich einen Ruck. Ja, er würde es tun. Seinen Plan in die Tat umsetzen. Innerlich tat ihm Luciana jetzt schon leid, wüsste er doch nicht, wie er an ihrer Stelle reagieren würde. Einige Zeit lang hatte er mit Alliestra noch ein ausführliches Gespräch, draußen vor dem Tore und besprach mit ihr seine Sorgen.

Dann machte er sich auf nach Hause - nach Grimwould. Er würde die Nacht im Gästezimmer verbringen. Morgen... würde er sie sehen... ganz bestimmt... nein, übermorg... nein, Alliestra hatte recht. Je früher, desto besser. Langsam schlossen sich seine Augen, und trotz seiner Befürchtungen und Ängste schlief er bald ein, den Morgen herbeisehnend...
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