Im Schutz der Nacht am Pranger vor Adoran

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Jaron Sylva
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Im Schutz der Nacht am Pranger vor Adoran

Beitrag von Jaron Sylva »

In der Nacht vom 07. auf den 08. Eisbruch 253
In Adoran, vor der adoraner Küste und in Rahal


Die Nacht lag wie ein gnädiger Schleier über den Mauern Adorans, der Residenzstadt des hiesigen Herzogtums des Reichs Alumenas.
In gleichmäßigen, langsamen Zügen stieß ich die Riemen ins Wasser, stets darauf bedacht, so wenige Geräusche wie nur möglich zu erzeugen – es war zwar nicht das erste Mal, dass ich mit meinem kleinen Kutter durch die Bucht in Adoran einfuhr, unter den Brücken hindurch, doch man konnte ja nie vorsichtig genug sein. Zumal es heute nicht um Schmuggel ging, sondern um eine Rettungsaktion… und einen Gefallen für einen Kameraden.
Kimroth saß seit einigen Tagen im Gefängnis in Adoran, seit die Elstern ihn an die Justiz verkauft hatten. Ich billigte die Entführung von ihm als einen üblichen Akt der Konfliktbewältigung unter Banden, bei dem Verkauf an die Reichsgerichte sah das allerdings anders aus. Dementsprechend hatte ich sofort eingewilligt, als mein erster Maat auf mich zugekommen war und mich darum gebeten hatte, ihr eine Gefälligkeit zu tun, nämlich ihr zu helfen, Kim aus den Klauen des Reiches zu befreien.
So hatte ich noch am selben frühen Abend im Schutz der herein brechenden Dämmerung meinen kleinen, leichten Kutter zu einer vertrauten Fischerin nahe Adoran gebracht und dort verwahren lassen.
In Adoran hatten wir uns dann gemeinsam umgehört und nachdem Gracia ihren Charme hatte spielen und einige Münzen den Besitzer wechseln lassen, wußten wir, wo wir zu suchen hatten: Sie hatten Kimroth an den Pranger gestellt, eine Form der Sühne, der häufig in der Rechtslehre der Reiche für allerlei Straftaten zu begegnen war. Zielstrebig ging es also weiter vor das Haupttor im Westen der Stadt. Zwischen den Vorwerken und em Tor befand sich eine kleine Insel, an deren West- und Ostflanke die Kanäle in die Bucht mündeten. An der Nordseite befand sich eine Brücke, die neben einer Wassermühle auch den Zugang zur Prangerinsel gewährte. Erwartungsgemäß fanden wir zur späten Stunde nur noch einen einzelnen Wachmann vor, der pflichtschuldig bei der Eiseskälte in Vollharnisch seinen Dienst schob – allerdings ohne Helm, wie wir zufrieden feststellten. Das sollte uns noch von Nutzen sein.
Während ich einige Äpfel, die ich vorsorglich mitgenommen hatte, aus der Tasche kramte und mit dem Wachmann, der offenbar wegen der langen, immer gleichen Haltung in der Kälte schon etwas umgänglicher geworden war, ein Gespräch anfing, näherten wir uns dem Areal bis einige Schritt. Zur Begründung wurde das Bewerfen des „vermaledeiten Sträflings“ mit den Äpfeln vorgebracht, dank der Dunkelheit, die durch die wenigen aufgestellten Fackeln nur leidlich bekämpft werden konnte, war freilich für den Wachmann nicht auszumachen, ob die Früchte faulig waren oder nicht. Es war nicht meine Absicht, Kim zu demütigen, so reichte ich Gracia für das folgende Gauklerstück auch einen Apfel – frisch wie die anderen, um letztlich mit dem großen Werfen zu beginnen. Dabei gingen die Würfe nicht auf Kims Leib nieder, sondern fielen als leichte Bogenförmige Würfe aus, die ihm die Äpfel vor die Füße beförderten. Ich hatte gehofft, er würde sie sich nehmen und essen können, sah er doch wie ein Hungerhaken aus.. doch es stand elender um ihn, als gedacht. Bei näherem Hinsehen war er bis auf die Knochen durchgefroren, die Lippen blau, das Haar von Schneeregen oder derlei nahezu festgefroren. Er sah malträtiert aus. Und tat mir in dem Moment sogar irgendwie Leid.
Gracia hatte sich während meines ständigen Palaverns mit dem Gardisten, dem ich jetzt auch Äpfel anbot, zum Essen oder wenigstens, um sich auch „etwas Spaß“ zu gönnen – respektive den Gefangenen zu bewerfen. Vorgesetzte seien doch ohnehin nicht vor Ort. Der Mann schien tatsächlich von der Möglichkeit, ein Gespräch zu führen, angetan zu sein, denn er achtete meiner mehr, als Gracias, die sich dadurch in aller Ruhe außerhalb seines Blickfelds an ihn heran machen konnte. Von hinten, von dem erhöhten Podest herab schlug sie ihn mit einem geübten Schlag des Pistolenknaufs nieder. Dank der bedingten Diensteifrigkeit, die im Fehlen des Helms Niederschlag fand, eine Leichtigkeit. Ohne zu Zögern tauschte ich die Äpfel mit meiner Muskete, die ich unter dem langen Mantel, den ich extra dafür angezogen hatte, aus und eilte, diese weiter unter dem Stoff verbergend, von der Prangerinsel. Wie abgesprochen, ging es zu der vertrauten Fischerin, um das Boot wieder in Empfang zu nehmen. Dabei sah ich mich auch noch gründlich um, ob es Anzeichen davon gebe, dass die Torwachen etwas bemerkt hatten. Dank der Dunkelheit und Eiseskälte sahen die wenigen Wächter, die draußen standen jedoch herzlich wenig. Wir hatten Glück.
Am Steg angekommen überließ ich unserer Agentin einige cabezianische Goldmünzen und stieg in meinen Kahn. In aller Eile, aber ohne einen unüberlegten Griff zu machen, baute ich die Takelage ab und legte den Mast um. Die Rah kam der quer dazu und alles wurde, zusammen mit der gerefften kleinen Schonerbeseglung ordentlich verzurrt. Das war notwendig, damit mein Kutter unter den Brückenpfeilern durchpasste – von der Breite her ging es sich gerade so aus, doch mit dem aufgestellten Mast wäre ich dort nie durchgekommen. Zudem wäre es zu auffällig gewesen. So ruderte ich gemächlich, leise und vorsichtig.. immer wieder anhaltend, um zu lauschen, durch das dunkle Wasser in ebenso finstrer Nacht. Es dauerte gut eine viertel Stunde, bis ich endlich die Brücke hinter mir gelassen hatte und die letzten Fuß zur Prangerinsel zurücklegen konnte.

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Dort erwarteten mich bereits Gracia und Kim, der von ihr gestützt wurde. Mein erster Maat hatte in der Zwischenzeit sowohl Kim aus dem Pranger geholt und von den Ketten befreit (sie war ja gewandt in solchen Dingen) als auch den Soldaten, den sie niedergeschlagen hatte, in die Ketten gelegt, die zuvor Kim banden. Vertauschte Rollen. Hätte ich es gewagt, Lärm zu machen, hätte ich vor Amüsement aufgelacht. So beließ ich es bei einem leisen Lächeln in der Dunkelheit, während ich Gracia dabei half, den geschwächten Kim an Bord meines kleinen Seelenverkäufers zu schaffen. Nachdem wir alle drei an Bord waren, stieß ich den Kahn mit einem der Riemen vom Ufer ab – in gleichmäßigen, ebenso leisen Riemenschlägen ging es auf dem anderen Kanal hinaus aufs Meer. Ein Dieb nahm nie dieselbe Route hinaus, wie hinein. Das galt irgendwo auch für Schmuggler. Oder eben.. Gefangenen-Retter. Was auch immer. Ich war nur froh, wenn ich das endlich hinter mir hatte. Trotz der Handschuhe waren meine Finger nach einer halben Stunde intensiven Ruderns bereits klamm, so dass es mir schwer fiel, Mast, Takelagen und Segel wieder bereit zu machen. Gracia half mir dankenswerterweise dabei, kümmerte sich ansonsten jedoch nur aufopfernd um „ihren“ Kim – und ich konnte es ihr nicht verübeln. Das war nur natürlich. Die fahrbaren Rinnen im Küsteneis waren verstreut, so dass wir bisweilen anhalten mussten, um mit Haken und Eisen neue Wege frei zu schlagen; Mühe lohnte sich bekanntlich, denn nach ein paar anstrengenden Stunden waren wir endlich in Rahal und liefen in den Hafen ein. Gracia wollte sich weiter um Kim kümmern, für mich hingegen war die Gefälligkeit mit der Ablieferung in Rahal erledigt.
Nachdem mein Kutter ordentlich vertäut und im Hafenregister vermeldet war, begab ich mich nach Hause zu Jacky, die wohl schon lang schlief. In der Tat lag sie dort unter dem Wust an Decken und Fellen, den wir unsere Schlafstätte nannten; ich war erleichtert, dass ich ihr diese Befreiungsaktion verheimlichen konnte, sie war auf keinem guten Fuß mit Kimroth. Für mich war er nicht mehr als ein Geschäftspartner, doch aus Loyalität zu meiner Kameradin… riskierte man halt doch den Kopf. Wenn Jacky von der Befreiung erfahren sollte – und das würde sie – würde ich meine Hände in Unschuld waschen.
Nicht umsonst hatte ich mich heute Nachmittag mit Schnaps zulaufen lassen, der freilich mit Wasser verdünnt war. Manchmal musste man eben zum Wohl derer, die einem lieb und teuer waren, ein kleines Täuschmanöver aufführen.
Welcher vom Alkohol komplett Gefällter würde schon an einer bewaffneten Befreiungsaktion teilnehmen können?
Mit dieser Sicherheit im Hinterkopf legte ich mich leise zu meiner Liebsten und erwartete den Schlaf, der sich schon bald gnädig zeigte.
Jaron "Lysander" Sylva, Kapitän der Namenlosen

"Krieg, Handel und Piraterie,/Dreieinig sind sie, nicht zu trennen."
Mephistopheles, Faust II
Kimroth Gruenfels
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Registriert: Freitag 11. Januar 2008, 21:57

Beitrag von Kimroth Gruenfels »

Kimroth zitterte am ganzen Körper. Die Flucht war misslungen, und ob es Unachtsamkeit, Grausamkeit oder was auch immer es auch war... naja war.... - die Kleidung klebte an ihm und er bibberte vor Kälte. Er wusste, wenn kein Wunder geschehen würde, er würde erfrieren. Iras nerviges Gedönsel sollte nicht das Letzte sein, das er wahr nahm - es war etwas Anderes, an das er dachte. Ihre wärmenden Hände, der Gedanke, dass sie ihn nicht einmal beerdigen konnte, ein Schmerz den er nachvollziehen konnte, als ihre Stimme wie aus der Ferne zu vernehmen war. Kimroth fasste seine letzten Reserven und ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf. Er war lange genug gefangen! Und offenbar teilte noch jemand diese Auffassung!
Das nervige Gekrächze des Gardisten verstummte als er bewusstlos zu Boden sank. Er sprach zu Maria hin mit zittriger Stimme, an das er sich später kaum noch erinnern konnte. Erst als das Tor offen stand, ein warmer Körper ihn umarmte und ihn in einen mantel wickelte, um ihn stützend hinauszugeleiten, erst da kam Kimroth wieder einigermaßen zu klarem Verstand. Der Kutter tauchte aus der Ferne langsam auf, Kim bat Maria um ein Blatt Pergament und einen Kohlestift, sollte sie so etwas dabeihaben. Kohlestift fand sie jedoch bei dem bewusstlosen Gardisten, und so wurde mit zittrigen Buchstaben folgende Nachricht neben dem schlafenden Gardisten hinterlassen.

Ich danke für die süße Gastfreundschaft. Doch auch wenn der Gardist unfähig war, so bin ich doch kein Mörder. Etwas Kopfweh und alles wird wieder gut.
Wir hören uns
K. G.


Ihn wärmend und in ein paar unter Deck verborgenen Decken gehüllt segelten sie davon. Kimroth war frei und, mit knapper Not, auch am Leben. Nun jedenfalls war das erste, auf das Kim Sann die Umarmung seiner Liebsten, das Wiedersehen mit seinen Leuten, und dann Rache... Rache für diesen feigen Angriff, Rache und Vergeltung - und die würde, das beschloss Kim seit Tagen, blutig ausfallen.
Gracia Orthez

Beitrag von Gracia Orthez »


Es war nicht das erste Mal an diesem Tage das Gracia nach Adoran ging. Bereits am späten Nachmittag suchte sie dort den Kerker auf, um sich nach dem Gefangenen Grünfels zu informieren. Vielleicht konnte sie ihm ja wieder einen Besuch abstatten, doch diesmal wurde sie nur vertröstet mit dem Hinweis, dass er gerade die Sanitären Einrichtungen aufsuchen würde. Nach einer weiteren Frage ob denn die Möglichkeit bestünde das Grünfels die Tage, oder gar heute frei kommen würde, wurde ihr nur gesagt das die Gespräche darüber am Abend stattfinden würden, und so ging Gracia wieder.

Die Ungewissheit nage an ihr und so konnte sie nicht mehr länger warten und war gerade auf dem Weg nach Adoran als sie einen ihrer Männer, Jaron traf.
Zusammen machten sich die beiden auf den Weg nach Adoran zu schippern. Erneut am Kerker angekommen, antwortete bereits niemand mehr auf ihr Klopfen und so sah sie sich gezwungen ein paar Informationen vom nebenstehenden Gardisten für einige Münzen zu erkaufen.
Pranger – Adoran war ihr neues Ziel. Nach einigen Minuten Fußmarsch kamen die beiden schließlich auch dort an. Wiedererwartend wurde dieser nur von einem Gardisten bewach. Ein Blickt reichte um ihrem Kamerad Jaron zu signalisieren das er ihn ablenken solle. Nicht lang und der Gardist war in ein Gespräch über Äpfel und das ein oder andere verwickelt. Gracia nutze die Chance seiner Unaufmerksamkeit aus, und schlich sich hinterrücks an den Gardisten heran um ihm prompt mit ihrer Pistole eins über den Schädel zu ziehen.
Glücklicherweise war dieser wohl so nachlässig keinen Helm zu tragen und so viel er mit verdrehten Augen zu Boden. Mit einem nicken zu ihrem Kumpanen verschwand dieser um das Boot startklar zu machen, um über den Wasserweg sie und Kimroth gleich abzuholen.

[img]http://fc00.deviantart.net/fs44/i/2009/084/8/d/Puppet_On_A_Chain_by_Gothessa.jpg[/img]

Ihr Blick wanderte entsetzt über Kim. Schrecklich sah er aus, halb erfroren hang das Bündel von einem Mensch an den Handschellen im Pranger. Welch Glück für Kim das er in diesem Augenblick ihr Gesicht nicht hatet sehen können, sonst hätte er wohl in diesem ablesen können wie schlecht es um ihn momentan stand. Mit einem kurzen Seitenblick, musterte sie den bewusstlosen Gardisten noch mal, ehe sie sich an am Schloss des Prangers zu schaffen machte. Ihre erste Intuition trieb sie dazu wieder den Pistolenknauf auf das Schloss zuhauen, doch eine Sekunde später schalte sie sich selbst eine Idiotin. Hatte sie doch einige Dietriche dabei und war durchaus nicht schlecht im Schlösser knacken, den drauf schießen kam nicht in frage, würde dies wohl zu viel Krach machen. Zielsicher steuerte sie den Dietrich im Schloss herum, und auch wenn dieses Widerspenstige Ding sich erst noch etwas sträubte, so gelang es ihr dann doch. Mit einem leisen klicken öffnete sich das Vorhängeschloss und sprang auf. Ein großer Schritt und Gracia war bei ihm und drückte ihn an sich, ehe sie ihm einen trockenen Umhang über die Schultern legte, den sie Sorgfältigerweise immer bei sich in der Tasche herum trug. Die Schlösser der Handschellen zu öffnen stellte sich als das kleinste Problem an diesem Abend heraus, schienen die Gardisten von Adoran wohl nur Handschellen von niedriger Qualität in diesem Fall benutzt zu haben, und nach zwei weiteren Minuten waren auch diese Geöffnet. Sie führte Kim heraus und stellte ihn kurz zur Seite ab, um im Anschluss den Gardisten in den Pranger zu stecken.
Besser hätte das Timing nicht sein können, denn just in diesem Moment tauchte auch schon Jaron mit dem kleinen Boot auf. Kimroth stützend gingen sie so schnell es ging zu dem Boot und stiegen ein.
Nur wenige Ruderschläge später verschwand das Boot mit seinen Insassen in der Dunkelheit der Nacht…
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