Im Schatten der Ordensburg

Der Erzähler

Im Schatten der Ordensburg

Beitrag von Der Erzähler »

Der Nebel wurde immer dichter und die Wasserperlen tropften von den Blättern. Man sah kaum noch die eigene Hand vor den Augen, so dicht wurde der Nebel je weiter man vordrang. Kein Geräusch war zu hören. Die Stille war so erdrückend, dass sie in den Ohren schmerzte. Das Pochen des schnellen Herzens dröhnte in den Adern und jagte das Blut durch die Adern. Die Wasserperlen glitten von den Spitzen der Blätter und fanden ihre Erlösung.

Die schwarze Nacht legte sich über den Horizont und verlieh diesem einen beängstigenden und furchteinflößenden Beigeschmack. Die Welt schien sich darauf vorzubereiten, um den Schlaf einkehren zu lassen. Man sah, wie immer mehr Lichter erloschen und Vorhänge zugezogen wurden. Fernab von alledem war es ebenso ruhig wie überall sonst auch. Die Tiere hatten sich zurückgezogen, wenn sie nicht sogar schon mit ihrem Winterschlaf angefangen hatten. Nur wenige Fackeln und Lichtquellen sorgten dafür, dass die Korridore gerade so beleuchtet wurden, dass man nicht über irgendwelche Gegenstände fiel. Sanft flackerten die Flammen der Wandfackeln, als würden sie ihren letzten Tanz vor dem Schlafen gehen aufführen. Hoch oben in den Gewölben dieser mächtigen Burg war es ruhig. Ebenso wie im Rest der Burg. Der Schlaf und die Ruhe war eingekehrt. Eine Ruhe, die einem fast schon den Nerv rauben konnte. Würde nun jemand ungewollt in die Gemäuer eindringen würden die Schritte bellen wie ein abgerichteter Hund. Keiner vermochte es, die Stille zu unterbrechen. Die Stille, die der Tod immer mit sich brachte.

Und wieder fiel ein Tautropfen auf den Boden. Löste sich von dem Blatt, an welchem es gerade noch Halt hatte und noch bevor man es aufhalten konnte fiel es. Und zersprang auf dem Boden.

In den höchsten Türmen des Ordens begann sich langsam etwas zu regen. Ein sanfter Windhauch durchdrang die Vorhänge und zog diese immer wieder zur Seite, um die Nacht in den Raum zu lassen. Ein kühler Windhauch, der liebevoll mit den seidenen Vorhängen spielte und diese zu einem wilden Tanz aufforderte – vermutlich die einzige Regung, die in der schwarzen Burg gerade zu vernehmen war. Die Sterne am Horizont drohten über dem Firmament einzubrechen, jeder einzelne sah aus, als konnte man ihn ohne weiteres vom Himmel pflücken. Sie waren so nah und doch so fern – ebenso wie der Tod. Von der einen Sekunde auf die nächste konnte es vorbei sein und ein ganzes Leben war ausgelöscht. Ein weiterer, eisig kalter Windhauch trat in das Zimmer ein und schlich sich an den Füßen der Schlafenden empor, umspielte den schlafenden Körper, stellte alle Körperhaare auf um auf sich aufmerksam zu machen. Bebende Lider und ein Zittern des Körpers stellten den Wind zufrieden, so dass er von der schlafenden Schönheit ablies. Dieses Monster in den höchsten Räumen der Burg, die sich all die Macht angeeignet hatte, die sie immer haben wollte. Und jetzt war es an der Zeit, die Macht zu vervollständigen.

Leises Wispern – verzweifeltes Wispern. Der Zorn, die Wut – alles wurde stärker und fühlte sich in diesem Moment an, als würde jenes Gefühl einfach überschwappen. Und wieder löste sich ein Tautropfen ab, der im nächsten Moment auf dem Boden zerschellte. Das Wispern durchzog die Kammern der Maestra. Ein erneuter Windhauch begleitete das leise Wispern in ihren Träumen.

In der Burg war es dunkel. Und tot. Das Leben war erst vor Kurzem ausgelöscht worden und in der Dunkelheit fiel die dunkle Burg kaum auf. Mit einem starken Windstoß wurden alle Lichter, selbst das Feuer im Kamin für wenige Sekunden ausgelöscht. Sekunden, in denen sich in der obersten Kammer etwas regte. Drohte das Leben in die Burg zurückzukommen? Der Wind tobte durch die Gänge, hielt die Fackeln unter Kontrolle und schlich sich lautlos weiter durch die Korridore. Und ehe man sich versah, erleuchteten auch die Fackeln an der Wand wieder, als wäre nichts gewesen.

'Jana...', wisperte es in ihren Gedanken. 'Janaaa...'

Und auch in den Kellergewölben regte sich etwas. Auch dort war der Windhauch zu spüren. Ein kurzer Kälteschauer schlich sich an den Beinen des Magisters Linari empor, ehe auch hier alles wieder zum Stillstand kam.

'Lucan...', die Stimme breitete sich auch in seinen Gedanken aus. 'Lucan!', rief sie forsch.

Und im nächsten Augenblick, als die Augen geöffnet wurden und der Geist zurück in das Diesseits kam schien alles normal. Wie jeder andere Tag auch.
Lucan Linari

Beitrag von Lucan Linari »

Durch das Fenster dringen lediglich wenige Töne heran, die von einigen wenigen Tieren herkommen und auch in der Bibliothek der schwarzen Festung ist Ruhe eingekehrt. Zwei schon fast niedergebrannte Kerzen tauchen den Raum in ein schummriges Licht. Eine schwarze Robe breitet sich auf dem Tisch aus, doch plötzlich beginnt sie sich ruckartig zu bewegen. Einige Worte entweichen dem Träger - ein seltsames Gestammel, kaum ganze Sätze bringt er hervor bis er seinen Kopf mit einem gedämpften Aufschrei hinauffahren lässt. Seine Kapuze fällt zurück in seinen Nacken und blaue, jedoch zerzauste Haare kommen zum Vorschein und ein Blauschatten, der sich derweil auf seinem Gesicht ausgebreitet hat. Seine geröteten Augen sind weit aufgerissen und ringt panisch nach Atem.

Kurz darauf schaut er sich mit einem verwirrtem Blick im Raum um. Er kneift seine Augen in kurzen Abständen zusammen und fährt mit seiner Hand durch sein Gesicht. Dabei schließt er kurz seine Augen, doch nur wenig später öffnet er sie wieder.
„Was war das? Kann das sein?“, murmelt er leise vor sich hin. Etwas hatte hatte ihn angetrieben sich zu erheben. Er steckt einen roten Stein, der an einer Kette um seinen Hals baumelt rasch unter die Robe, ehe er die Gänge schnellen Schrittes abgeht - jede Ecke wird in Augenschein genommen, als würde er einen Eindringling in der Burg vermuten.

Doch verharrt er dann in der großen Halle und für einen Augenblick scheint er sich gar nicht mehr so sicher zu sein, ob es doch nicht nur ein Traum gewesen ist, was ihn so aus dem Schlaf gerissen hatte oder ob die Stimme einen anderen Ursprung hatte. Er reibt sich aber den restlichen Schlaf aus den Augen. Seine Augenlider neigen sich herab und seinen Atem zwingt er zur Ruhe, um jedes Geräusch zu erhaschen, welches er einfangen könnte. Doch sein Herz rast immerzu. So lange hat er sich mit der Gewissheit abfinden müssen, dass manche Dinge endgültig sind - doch öffnet ihm diese Stimme einen neuen Weg der Hoffnung. Sein Verstand versuchte gegen sein Gefühl an zu kämpfen und doch beunruhigt ihn etwas, da er nie zuvor von einer solcher Situation hörte. Das Flehen in der Stimme hat eine Gänsehaut bei ihm hinterlassen. Seine zitternden Hände, sein Blick bei dem man eher zweifelt, dass er geistig völlig anwesend ist - so bekommt man den Magister des Ordens nur selten zu Gesicht. Seine Hände greifen an seine Kapuze, die er sich tief ins Gesicht zieht, ehe er aus der Festung eilt.

Als er die Stadt des Alleinzigen betrat, war er völlig in schwarze Roben gehüllt, sein Gesicht hinter einer schwarzen Maske verborgen. Die üblichen Floskeln und Höflichkeiten lässt er außer Acht, denn seine Füße tragen ihn so schnell es geht zu einem Haus, welches unauffällig zwischen den Anderen eingereiht war. Mit einer bloßen Handbewegung sprang die Tür auf und er stieg hinab in den dunklen Keller.

Auch wenn die Wände mit Spinnenweben bekleidet und die Möbel mit Staub bedeckt sind, gibt es eine Ecke in der ein steinernes Bett steht, auf dem ein Körper auf Kissen gebettet liegt. Ein kleiner dünner Leib, eingehüllt in Bandagen, welche mit einer schmierig dickflüssigen Paste durchdrungen waren. Nicht weit von Bett einige Schalen mit eben dieser Masse, die den Lauf der Natur auf lange Zeit stoppen sollten und bisher gute Arbeit geleistet haben. Auf der anderen Seite ein weiterer Tisch mit einer schwarzen Robe und einer Holzschatulle indem sich ein Ring sowie eine Kette befinden.
Er nähert sich dem Körper - seine Bewegungen erscheinen vorsichtig und sein Blick ist direkt auf den Leib gewandt. Seine Hand umfasst die Tücher, die den Kopf bedecken und er löst sie vom Gesicht. Blass und Reglos liegt sie da, doch entspannen sich seine Züge, als er sich neben sie setzt. Mit seinen Fingern gleitet er zwischen die ihren und umfasst ihre Hand fester, während er einfach nur dort verharrt und sie ansieht. Unzählige Gedanken und Überlegungen drehen sich in seinem Kopf umher, die ihm keine Ruhe zu lassen scheinen. Mit seiner anderen Hand streicht er ihr vereinzelte Haarsträhnen aus dem Gesicht. Er neigt sein Haupt zu ihr herab und flüstert ihr ganz zart einige Worte zu, eher er ihr einen Kuss auf die Lippen haucht, um seinen Worten mehr Ausdruck zu verleihen. Vorsichtig legt er wieder die Bandagen um sie, bevor er wieder in die Nacht hinaus eilt, um eine Antworten auf seine Fragen zu finden...
Jana Layani Thyrmon

Beitrag von Jana Layani Thyrmon »

Nachdem Rilan nun auch einen anderen Weg eingeschlagen hatte und ich mir seine Mächte angeeignet hatte war es ruhig geworden auf der Burg. Mit seinem Tod war wieder ein Stück Leben gegangen und wieder ein Stück Macht. Auch, wenn einige potenzielle Nachfolger gekommen waren, der Orden wurde schwächer. Ich biss mir auf die Lippen und versuchte tief durchzuatmen. Die Macht, die mich mit einem Mal überkommen hatte fühlte sich gut an, aber sie verwirrte mich auch gleichermaßen. Die Klänge im Lied, die Veränderungen – all das ließ mich in meinem neuen Zuhause, hoch oben im Turm, taumeln und auf dem Bett zusammenbrechen. Niemand sollte mich für den Moment so sehen und niemand sollte wissen, dass die Macht überhand genommen hatte und ich mich fast einem Wahn hingegeben hatte.

Ich spürte die Kälte in den Gliedern, wie sie meine Muskeln durchzog. Der eisige Schauer, der mir über den Rücken lief stellte all meine Nackenhaare auf. Unkontrolliert begangen meine Muskeln wie auch die Lider meiner Augen zu zucken, ehe ich sie panisch aufriss. Ich blinzelte ein paar Mal hektisch und sah mich in dem dunklen Raum um. Die Vorhänge des Himmelbettes bewegten sich noch sanft, ansonsten war keinerlei Bewegung mehr in dem Raum. Das Feuer flackerte vor sich hin und das Holz knackste, als es verbrannte. Ich rieb mir die Schläfe und presste die Augen zusammen, um ein klares Bild zu bekommen. Konnte das möglich sein? Ich ging das Zimmer auf und ab und sah mich um. Nirgendwo war etwas. Es hatte sich auch niemand in das Zimmer geschlichen, um mich in den Wahnsinn zu treiben. Hatte mich die Macht so eingeholt, dass ich nun unter Verfolgungswahn litt?

'Janaaa...'
- Da! Da war sie erneut. Ich hörte sie, aber ich konnte es nicht zuordnen. Ich kannte die Stimme. Aber ich wusste genauso, dass es nicht sein konnte. Ich war nun die Maestra des Ordens, ich hatte mir all die Macht angeeignet, die ich je haben wollte. Wie konnte es sein, dass ich nun dem Wahnsinn erlag? Ich schlug die Hände vor mein schweißnasses Gesicht. Schweißbedeckte Strähnen hingen mir in mein Gesicht und meine Augen suchten erneut den Raum ab. Langsam trat ich auf den Balkon hinaus in die Nacht. Ich ging auf die Abgrenzung meines Balkons zu und stemmte mich mit den Händen auf die kühle Steinmauer. Ich legte den Kopf in den Nacken und seufzte, ehe ich die Luft tief einzog. Wenn du noch hier bist, dann lass es mich spüren..., flüsterte ich in Gedanken. Ich wartete. Es tat sich nichts. Alles war still – viel zu still, was mich aus meinen Gedanken riss. Ich sah noch, wie eine schwarze Gestalt durch die Dunkelheit huschte und sich daran machte, die Insel zu verlassen. Wer konnte es so eilig haben, von hier fort zu kommen? Doch ein Eindringling? Kein Wind, nichts. Nur die kalte, dunkle Nacht. Ich hab es mir nur eingebildet, du schickst mir kein weiteres Zeichen..., erwiderte ich in Gedanken erneut und wandte mich um. Ich wurde genau in diesem Moment vom Wind erfasst. Von jetzt auf gleich fiel es mir schwer, überhaupt gerade zu stehen. Ich sank auf den Boden und hörte sie wieder, sie war da. Näher, als ich glaubte. Ich hielt mir die Ohren zu. „Wo bist du?“, rief ich in die Nacht, als mich die Hilferufe ereilten. Irgendwer hielt sie gefangen..., meine Gedankengänge waren klar und deutlich. Ich musste mich auf die Suche machen nach Antworten. Zum Einen, weil ich die Bestätigung brauchte nicht wahnsinnig zu sein, zum anderen, sollte es wirklich so sein, wie ich glaubte, dann würde es eine Bereicherung sein und ein weiterer neuer wie auch alter Weg wird dem Orden zu Kraft verhelfen.

„Es liegt in unserer Macht, Erben Korows.“,
ich stand wieder auf, nachdem der Wind fort war und lachte hysterisch, bis die hämmernden Kopfschmerzen mich in einen langen und unruhigen Schlaf trieben.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

» Wohin, wenn der Geist verwirrt,
die Seele gefangen und das Leben verloren? «


Wo beginnt das Chaos? Nur der chaotische Geist ist auf der Suche nach Freiheit. Wenn vollkommene Ordnung herrscht, dann ist diese Ordnung Freiheit. Chaos herrscht überall. Es ist nur schlimm, wenn man sich von dem Inneren Chaos nicht befreien, lossagen kann. Wenn die Seele umher streift, keine Ruhe findet und einen Weg sucht, zurückzukehren. Tausend Schritte hinter sich gebracht und nicht einen Schritt weiter. Verloren in einer Welt, in die man nicht gehört. Bewahrt in den Gedanken und Erinnerungen. Ausgelöscht durch Wut, Hass und Zerstörung. Wut, die kaum zu unterdrücken war. Hass, der sich verdichtet hatte und Zerstörung, die nach wie vor ihren Bestand auf dieser Welt hatte und nie abnehmen würde. Es kamen gute Zeiten und schlechte Zeiten. Und keiner, niemand – konnte die Zeiten verändern.

Das Rauschen, ähnlich einem Meeresrauschen wurde konstant lauter in den Ohren der Maestra. Es hörte sich an, als würde die Welt über ihr zusammenbrechen. Unendliche Tiefen breiteten sich in ihren Träumen aus, es schien, als würde sie fallen und fallen und fallen. Und kein Boden war in der Nähe, der sie auffangen wollte. Leise schlich sich die Stimme wieder in ihr Ohr, die sich mit dem Wind in die Räumlichkeiten geschlichen hatte. Ein leises Flüstern, ein Hilferuf. Ein Betteln. Ein Flehen. Die schwarze Nacht ließ sich noch immer nicht so leicht von der Burg vertreiben, zumindest noch nicht. Einige Stunden hatte die Nacht noch, ehe sie von der Sonne vertrieben wurde. Ein paar Stunden noch, in denen der Schlaf über der Welt lag. Und ein paar Stunden noch, in denen die Seelen ihren dunklen Tanz aufführten. Das Feuer im Kamin der Maestra ruhte glühend und strahlte kaum noch Wärme aus – erstickt von dem eisigen Wind. Konnte es wirklich wahr sein, was hier passierte?

'Jaaanaaaa...', die Flammen im Kamin begannen zu lodern, bis sie sich beruhigt hatten und sie aus ihren Träumen geholt wurde.

...

'Komm, komm zu mir. Vertrau in meine Worte. Hilf mir.' Rastlos, ruhelos hasteten die Worte durch sein Gehör. Immer und immer wieder wurden sie lauter und leiser, je nachdem, wohin er ging. Könnte eine Seele heulen würde man sie heulen sehen. Könnte man sie verzweifelt sehen, wäre sie verzweifelt. Aber in dieser Nacht blieb ihr – wie in vielen anderen Nächten – nichts anderes übrig, als zu hoffen und zu bangen. Kontakt aufzunehmen über den Geist der Maestra und des Magisters. Nacht für Nacht … um die Beiden in die richtige Richtung zu weisen. Es musste einen Weg geben und sie würden einen Weg finden. Sie war noch nicht verloren. Noch – ja. Noch musste sie den Kampf nicht aufgeben. Der Kampf würde weitergehen …

Und von den verwelkten Rosenblättern perlt ein erneuter Tautropfen auf den Boden und zerschellt, als er auf diesem aufkommt. Ein Sekundenschlag in der Arkoritherburg, der durch die Hallen schwebt. Ein weiterer. Der Windhauch trägt die welken Blätter davon und verteilt sie in der nächtlichen Umgebung um die schwarze Burg herum.
Lucan Linari

Beitrag von Lucan Linari »

'Komm, komm zu mir. Vertrau in meine Worte. Hilf mir.'

Jene Worte waren es, die sich ständig wiederholten und ihm keine Ruhe ließen... Er war lediglich vor die Tür gegangen, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, aber die Gedanken, die in seinem Kopf aufkeimten, waren zu präsent und die Worte, die in seinen Geist drangen, ließen ihn nicht zur Ruhe kommen.
Doch zog es ihn zurück in den Keller - eine Unzahl an Gefühlen und Gedanken durchflossen seinen Körper, weswegen er Zeit brauchte, um wieder Herr über seine Gedanken zu werden.
Hier war es angenehm ruhig und niemand konnte ihm in seinem Gedankenfluss stören. Er ließ seine Robe achtlos hinter sich zu Boden gleiten, während er dem konservierten Leichnam näher kam. Auch wenn die meisten Menschen, die verstorbene Frau unter den Tüchern eher als abschreckend sehen würden, kann man in seinen Augen jedes Mal etwas Sanftes erkennen, wenn er sie nur betrachtete. Schwer atmete er seine Luft aus, als er neben ihr auf die Knie ging. Seine Hände strichen über ihren Arm und umfassten schließlich ihre Hände, welche er an seine Stirn legte. Er schloss fest seine Augen - die Stirn zierten einige Furchen und man erkannte, dass auch seine Belastbarkeit nicht unbegrenzt war. Eine ganze Weile verweilte in dieser Haltung, wobei nur sein schwerer Atem die Stille verdrang. Doch schließlich hauchte er ihr einige Worte zu, die fetzenweise und fadenlos aus ihm wichen..

„Ich weiss, dass du es bist... ich weiss nicht, wie du es geschafft hast, aber... es ist unfassbar. Es besteht doch noch Hoffnung... Ich werde dich zurückbringen. Dein Platz ist hier – bei mir. Hab noch ein wenig Geduld – ich werde noch einige Informationen herantragen müssen, aber der Tag wird kommen... koste es, was es wolle..“

Er drückte sich schließlich wieder hinauf und fuhr sich mit dem Ärmel über sein Gesicht. Sein Blickte war immernoch auf sie gerichtet, wobei es so schien, ob er sich in seinen Gedanken verloren hatte. Doch löste er sich aus seiner erstarrten Haltung und wandte sich um. Sein Blick klärte sich langsam, während er die Treppen hinauf ging. Er bahnte sich seinen Weg zum Bücherregal und glitt mit den Fingerspitzen über die Buchrücken. Titel für Titel überflog er mit seinem Blick, als er dann das erste Buch herauszog und sich an seinen Schreibtisch setzt, darin etwas zu suchen. Man sah ihn nur immer wieder mit dem Kopf schüttelnd, als die Kerzen langsam immer kleiner wurden und die Stapel an Bücher neben ihm wuchsen. Die ersten Sonnenstrahlen fluteten den Raum doch die Ringe unter seinen Augen wurden immer dunkler. Letztlich zog er ein Pergament aus einem der Stapel und stellte sich Feder sowie Tinte zurecht. Die ersten Worte waren schnell verfasst, doch stockte er bei dem Versuch, seine Vermutungen und Gedanken in Worte zu kleiden – die mangelnde Kraft ließ seine Konzentrationsfähigkeit leiden und so beschloss er, ohne einen Grund anzugeben, die Maestra um eine Audienz zu bitten.
Tarja Thyrmon

Beitrag von Tarja Thyrmon »

Nur ein letzter Blick zurück, als das Schiff in der Nacht ablegte und mich weit fort schickte. Weg von dieser Hierarchie, weg von all der Qual, die mir mein Gewissen bereitet hatte. Weg von allem, was mich entsetzt, schockiert und für den Moment eingeschüchtert hatte.

Als ich von hier fortgefahren war, dachte ich nicht lange darüber nach, was mit mir passieren sollte. Im Gegensatz zu meiner Schwester handelte ich sonst nie egoistisch, sondern wog immer jeden Schritt ab, den ich vollzog. Ich hatte wieder mein eigenes Leben. Meine Freiheit, ohne mir sagen zu lassen, was ich zu tun habe. Ohne die Tatsache, dass ich täglich meinen Dienst antreten musste.

Aber wenn man gefunden hat, wonach man gesucht hat – nach der eigenen Schwester, nach dem Rest der Familie und man weiß, dass sie leben und man doch noch einen Funken an Hoffnung in sich trägt, dass alles wieder einigermaßen gut werden kann, dann lässt einen das auch nicht mehr in Ruhe. Auch, wenn meine Familie zu kleinen Teilen verrückt war und gerade der engste Teil von mir wohl das Schlimmste war, was einem Menschen passieren konnte – ich fing nach einiger Zeit nach meinem Fortgang doch an alle zu vermissen. Sowohl meine Zwillingsschwester wie auch meine Cousine. Meinen Bruder, wie auch meinen … Schwager. Auch, wenn ich genau wusste, dass sie mich mit Blicken strafen würde musste ich zurück.


Ich erinnerte mich wieder und es lief wieder gleich ab. Ich stieg auf das Schiff und sah mich nochmals zurück um. Nur fühlte es sich dieses eine Mal anders an. Ich nahm für immer Abschied, denn ich wusste, dass ich diesen Ort hier nie wieder sehen würde. Ich würde ablegen und mein Weg würde mich nach Rahal führen. Die Gewissheit, dass ein Weg hier enden würde war erschreckend aufgrund dieser Endgültigkeit, aber er machte mich auch Stolz. Das war wohl etwas, was sich in unserem Blute immer wieder spiegelte.

Der Wind schmeckte anders, der mir hier um die Ohren schlug. Ich sah mich um. Es hatte sich während meiner Abwesenheit nicht viel verändert. Ich belächelte die Situation. „Natürlich nicht!“, kam es über meine Lippen. Von der Wache wurde ich kurz angesehen, ich nickte höflich und grüßte, bis ich dann die Stadt durch die Stadttore betrat. Die Straßen waren leer und verlassen. Wen wunderte dies denn überhaupt bei so einer Kälte und so einem Wind, dass sich lieber jeder ins eigene Heim verzog? Ich hatte hier kein Zuhause mehr. Ich konnte nur hoffen, dass ich im Gasthaus einen Platz fand.

Nachdem ich die Türe zur Taverne hinter mir geschlossen hatte, kam mir gleich der bekannte Geruch entgegen. Viel hatte sich wohl nicht verändert. Vermutlich gehörte es immer noch dem gleichen Wirt von damals, mit dem ich schon viele Gespräche geführt hatte. Die Bedienung jedoch schien eine andere zu sein. Immerhin grüßte sie mich kaum und auch sonst schien sie kaum an einem Gespräch interessiert. Nachdem ich bestellt hatte setzte ich mich an einen der vielen leeren Tische. Um die Zeit war wohl nicht mehr sonderlich viel los.
Es dauerte nicht lange, da sah ich den alten Wirten. Er schien mich zu erkennen aus meiner Gardezeit und ging auf mich zu. Vermutlich war ich damals wirklich viel zu oft hier. Ich musste kurz etwas lachen. So lange war es nun auch nicht her, ich tat gerade so, als wäre ich Jahre weg gewesen. Er setzte sich zu mir, stellte mir das Essen auf den Tisch und wir kamen ins Gespräch. Natürlich fragte er mich, wo ich mich herumgetrieben hatte und ich sagte ihm, dass ich einfach ein wenig Abstand von allem brauchte, um festzustellen, dass ich vielleicht doch hier her gehörte. Er lachte und so vergingen etliche Stunden, bis die Nacht endgültig über das Land gebrochen war. Als ich ihn nach meiner Schwester fragte stockte er. Er konnte mir nicht sagen, ob und wann sie das letzte Mal da war. „Die“ sah sie öfters, aber er wusste nie, wer sich darunter verbarg. Er wusste nur, dass man sich Gerüchte erzählte. Gerüchte darüber, dass sie nicht mehr am Leben war. Ich wollte und konnte es nicht glauben. Ich bedankte mich bei ihm, gab ihm das nötige Gold und stand auf. Ich wusste noch, wo ihr Haus war. Also würde ich es suchen gehen.

Meine Füße trugen mich fast blind durch die Straßen, bis ich vor dem alten Haus stand. Ich atmete tief durch und trat auf die Türe zu. Keine Klingel, nichts. Typisch für meine Schwester. Sie wollte nie gestört werden. Also klopfte ich, die Tür sprang ohne weiteres auf. Vermutlich war sie nur angelehnt. Langsam schlich ich mich ins Innere des Hauses. Ich sah den Tisch dort noch so stehen, wie er damals auch schon stand. Nur hatte sich Staub auf die Tischplatte gelegt. Ich kämpfte mich durch das Dunkel, die Fackeln an der Wand hatten längst die Flammen verloren. Langsam tastete ich mich an den mit Spinnweben verhängten Wänden entlang und sah mich um. Ich gab acht darauf, keinen Lärm zu verursachen und musste mich zusammenreißen nicht loszukreischen, als eine Ratte durch meine Füße rannte. Hier war wohl wirklich lange niemand mehr gewesen. Ich ging vorsichtig die Stufen in den Keller hinab und sah das schwache Licht durch die geöffnete Tür. Es war also doch noch Leben hier drin. Langsam stieg ich die letzte Stufe hinunter und steckte meinen Kopf durch den Türspalt, ehe ich meinen ganzen Körper hindurch zwängte. Ich erblickte die schwarze Gestalt, die vor einem Bett kniete. Ich blinzelte ein paar Mal und wollte mein Wort schon erheben, als mein Blick weiter glitt. Ich sah zum Bett hin, sah den leblosen Körper, wie er da lag. Sie sah aus als würde sie schlafen, aber wenn man genauer hinsah sah man, dass sich der Körper nicht bewegte. Kein Atemzug, nichts. Ich hatte Mühe, ruhig zu bleiben. Ich hörte, wie er ein paar Worte sagte. Ich verstand wenig von dem, was er sprach. Aber es bestätigte ihre Vermutung. Es war also wahr? Wie konnte das möglich sein? Sie, die selbst gefürchtet war und den Tod so oft über das Land gebracht hatte?
Ich ging ein paar Schritte zurück und verschwand wieder. Ich brauchte Frischluft. Und dann würde ich sowohl ihm als auch meiner Cousine fragen stellen müssen.


Leben und Tod lag so dicht aneinander...
Jana Layani Thyrmon

Beitrag von Jana Layani Thyrmon »

Es schien schon fast ständig, als wäre diese Stimme in meinem Kopf verankert. Immer wieder hörte ich ihre Stimme, immer deutlicher rief sie meinen Namen. Eigentlich sollte ich nicht mehr zweifeln. Ein Zweifel war nicht mehr notwendig. Eilig hastete ich in die Bibilothek hinunter, schnappte mir das ein oder andere Buch, der Weg zerrte mich immer wieder hin und her, denn nie war das richtige Buch dabei. Nie eins, welches wirklich brauchbar war. Ein paar Bücher fehlten, wer immer die auch an sich genommen hatte, sollte diese schleunigst wieder an ihren Platz zurück bringen. Doch darum konnte ich mich später kümmern. Denn gerade jetzt, als ich so durch ein Buch blätterte, stieß ich auf eine Seite, welche mich länger hinsehen ließ, mich fesselte. Verlorene Seelen, gefangen in einer Welt in der sie nicht sein sollten.

Und genau in demselben Augenblick erfassten mich schlagartig dunkle Schatten, die sich um meinen Körper schlangen, mich nebelartig einhüllten und mich dazu bewegten das schwarze Buch zu holen.

Es war eine Macht, welche für mich neu war und trotzdem wusste ich sofort was ich zu tun hatte, es schien so, als wäre es noch nie anders gewesen. Der Ruf nach diesem Buch war so einfach und doch so komplex. Langsam schwebte es auf den Tisch vor mir, bis es zum liegen kam und wie von Geisterhand blätterte es durch und blieb auf einer bestimmten Seite stehen. Ich konnte den Blick nicht abwenden, wie gebannt starrte ich auf die offengelegte Stelle, als ein Name aufleuchtete ... blutrot und tief darin verankert ... ein Name welcher eigentlich nicht mehr in diesem Buch stehen sollte. Dieses Zeichen war eindeutig. Ihre Seele ruhte noch nicht. Ich klappte das Buch wieder zu und ich weiss nicht mehr, ob ich zornig darüber war, weil damals die Arbeit nicht richtig abgeschlossen wurde oder ob ich mich innerlich freuen sollte. Aber eines wusste ich, diese Seele sollte ihre Ruhe finden.

Und zwar hier. In unserer Ebene, in unserer Welt. Dort, wo sie einst lebte.

Das Buch löste sich in nichts auf, als würde es nicht existieren und ich zog wieder das ein oder andere Buch zu mir heran. Ich blätterte und blätterte, lange saß ich über den Büchern, seitlich stapelten sie sich. Hin und wieder flog ein nutzloses auf den Boden. Würde jemand zu mir ins Zimmer treten, würde man mich wahrscheinlich nicht einmal mehr erblicken können. Vertieft in Bergen von Büchern, welche mir eine Lösung geben sollten.

Ich merkte nicht mehr wie die Zeit verging, Stunden vergingen, der ein oder andere Tag verstrich und kaum einer bekam sie noch zu Gesicht. Die Müdigkeit stand deultich in meinem Gesicht, und trotzdem hielt mich der Drang wach, diese Seele wieder ins Leben zu rufen. Mein eigenes kleines Reich hatte ich vergessen, es stand leer ... es wirkte leblos und zurückgelassen aber hier auf der Burg gab es weitaus mehr zu tun. Hier hörte ich sie. Und das war gut, ich wusste, sie ist noch da und solange ich das wusste, war es noch nicht zu spät.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Die Bücher, die durch die Hände der beiden Magier gingen waren zahlreich und vermochten die Leser in einer Flut aus Lügen und Wahrheiten, Erfahrungen und Weisheiten zu ertränken. Stunde um Stunde trieben sie durch diesen Ozean des Wissens, unwissend, ob sie in diesen Gewässern tatsächlich finden würden, wonach sie strebten. Und doch schoben die erdrückenden Wellen einige Bruchstücke auf sie zu. Genug, um das rettende Floß zu schnüren...?

„Die Grenzen des Geistes“
Als der Blick Lucans auf dieses Buch glitt beschlich ihn ein verheißungsvolles Gefühl. Es war alt, der lederne Einband bereits spröde und die vergilbten Seiten brüchig, doch konnten die erkennbaren Zeilen den Leser in ihren Bann zu ziehen. Wie ein Lichtblick in der ewigen Dunkelheit durchzuckte ihn ein Gefühl des Erfolges, als seine Augen das Kapitel 'Die Stärkung der menschlichen Seele' Zeile für Zeile abtasteten und er auf einen ganz bestimmten Berichtsauszug aufmerksam wurde.


„Die Macht des Ordens würde bis zur Göttlichkeit ansteigen, sind wir ersteinmal in der Lage, die Grenzen unserer Seele bis in die Unendlichkeit auszuweiten.“

Bericht X46:
Die Adepti kehrten soeben mit unseren neuen Subjekten in die Burg zurück. Ich werde die nähere Auswahl selbst treffen, womöglich befindet sich unter ihnen etwas Vielversprechendes.

Bericht X47:
Der Widerstand unserer erwählten Subjekte war nicht nennenswert. Sie scheinen gewöhnliche Bauerntölpel ohne besondere geistige Ausprägungen zu sein. Wir wählten Mutter und Tochter, um die Differenz in der Ausprägung des Geistes optimal zu gewährleisten, wie sie vorhanden sein wird, wenn wir die Versuche auf begabte Seelen ausdehnen. Meine Adepti zeigten Talent darin, den Willen des älteren Subjektes zu brechen, um ihren Widerstand gegen die Aufnahme der Bruchstücke zu reduzieren. Oh, sie selbst werden zufriedenstellende Subjekte darstellen, wenn die Versuche voranschreiten.
Ich habe inzwischen das genaue Vorgehen ausgearbeitet, mit dem ich mir große Erfolge verspreche. Es wird ein wenig Feingefühl vorraussetzen, den Geist der Tochter zu zerstören und dabei die nötigen Strukturen zu erhalten, um die Bruchstücke in den Geist der Mutter zu integrieren. Ich werde es selbst tun, falls das junge Subjekt unerwartete Gegenwehr aufbringt. Die Adepti werden parallel dazu die Seele der Mutter zugänglich machen, damit ich die aus der jungen Seele erzeugten Bruchstücke dort einfügen kann. Es dürfte genügen, sie hierzu bei konstanter Bewusstlosigkeit zu halten.
Wenn es funktioniert wird sich dadurch hoffentlich die erwünschte Stärkung in der Seele der Mutter verdeutlichen.

Bericht X48:
Die Subjekte sind verstorben, die Tochter während dem Ritual, die Mutter einige Tage später durch die Ungeduld meines Adepten. Er wird den Preis dafür schon bald zahlen. Dennoch war es ein voller Erfolg. Bevor das ältere Subjekt ihren Verletzungen erlag war ihr Geist stabil und ihre geistige Kraft deutlich gestärkt. Oh, mein Erfolg ist zum Greifen nahe.
In wenigen Tagen wird mein Adept in den Genuss kommen, das erste begabte Subjekt zu werden. Das geplante Vorgehen hat sich bewährt, weshalb ich das Ritual in seinem Aufbau wiederholen werde.

Bericht X49:
Ich habe etwas übersehen, der Geist des begabten Subjekts ist nicht so stabil, wie es zuvor der Fall war. Er ist seit dem Ritual bewusstlos und wird aller Wahrscheinlichkeit nach noch heute sterben. Womöglich ist nicht jede Seele geeignet. Ich werde meine Forschungen fortsetzen.


Ein anderes Bruchstück, ein schwarzes Buch mit dem Titel “Dämonologie und Besessenheit“ wird in die Hände Janas getrieben und ihr Interesse wecken. Darin enthalten eine Zusammenfassung des Werdegangs einer besessenen Seele.


Die Vorraussetzung für eine Besessenheit ist ein Wirt, dessen Seele signifikant schwächer als die des Eindringlings ist, sowie der starke Wille des Angreifers, in den Wirt einzudringen. In der Regel ist der befreite Geist eines Dämons dem eines Menschen überlegen, sodass diese Vorraussetzung gegeben ist. Es ist jedoch auch denkbar, den Geist des Wirts im Vorfeld zu schwächen, um das Eindringen zu begünstigen. In unseren Versuchen haben wir davon abgesehen und den Verlauf der Besessenheit sowie das geistige Geflecht im Wirtskörper beobachtet. Da es für einen dämonischen Geist existentiell ist, einen Wirt zu finden, müssen wir ihm diesen Willen nicht erst einpflanzen, sodass alle Vorraussetzungen bereits erfüllt waren.
Nachdem wir sowohl den Wirt als auch den dämonischen Geist miteinander in Kontakt gebracht haben, setzte der Dämon sich wie geplant im Wirtskörper fest. Dieser Vorgang scheint jedoch enorm kraftaufwendig gewesen zu sein. Der Wirt dominierte den Eindringling zunächst, offenbar ohne ihn direkt wahrzunehmen. Dies lässt sich vermutlich mit der mangelnden magischen Begabung und der damit einhergehenden geistigen Schwäche des Wirts begründen.
Es war ein erstaunliches Phänomen, in den weiteren Stunden zu beobachten, wie sich die beiden im Wirt vorhandenen Seelen ineinander verwoben. Es begann sich klar abzuzeichnen, dass der Dämon die Seele des Wirtes allmählich überwucherte. Daraus lässt sich ableiten, dass bei einer Besessenheit die Zeit eine wichtige Rolle spielt, sofern man sich aus der Besessenheit befreien möchte.
Nach 13 Stunden und 21 Minuten hatte der eingedrungene Geist gegenüber dem Wirt derartige Ausmaße angenommen, dass der Wirtsgeist sich zu zersetzen begann. Nach einer weiteren halben Stunde hatte der Dämon den Wirt vollständig vernichtet und die gesamte Kontrolle über seinen Körper gewonnen.

Wir können den Verlauf einer Besessenheit also in 3 Schritte einteilen:
- Eindringen in den Wirtskörper
- Geistiger Kampf, bis der stärkere Geist dominiert
- Vernichtung des Unterlegenen

Um diesen Verlauf zu verkürzen würde es sich anbieten, den Geist des Wirtes vor dem Eindringen stark zu schwächen. Es ist jedoch wichtig, ihn am Leben zu erhalten, da andernfalls die Folgen durch den Tod des Wirtes nicht absehbar sind und die Besetzung einer toten Hülle letztlich auch den Tod des Eindringlings bedeuten könnte. Die Dauer hängt direkt von der Differenz der geistigen Stärke Eindringling-Wirt ab.
Zuletzt geändert von Der Erzähler am Sonntag 6. Dezember 2009, 19:14, insgesamt 2-mal geändert.
Sarya Lenia Vhelvet

Beitrag von Sarya Lenia Vhelvet »

Und in dieser Nacht – in der Nacht des Todes von Ihr – regte sich um Saryas Hals etwas. Das Amulett, welches Sie immer um ihren Hals trug, der schimmernde Rubin mit dem lodernden Feuer im Inneren legte sich um ihren Hals und schmiegte sich an die warme Haut der schlafenden, jungen Arkoritherin. Erst am nächsten Morgen würde sie vermutlich merken, dass das Amulett um ihrem Hals lag und alle Zeichen richtig deuten – die Zeit der Magistra war vorüber. Und mit ihr ging einer der stärksten Teile des Ordens.

Sarya war vermutlich eine der ersten die von dem Tod der Magistra und einer der mächtigsten Magier des Ordens erfuhr, die Kette fühlte sich unter ihren Fingern nicht mehr warm an und das Feuer im inneren loderte nicht mehr wie vorher, wie sie es an dem Hals der mächtigen Magierin gesehen hatte.

Das war vor ein paar Monaten, lange Zeit war vergangen und die Ruhe hatte den Orden eingehüllt, es schien als würde ein Tiefschlaf über den Magiern liegen und ihren Schülern.
Einzig Sarya war auf dem Weg durch die Lande, focht für den Alleinen, sponn kleine Intrigen und versuchte mithilfe der Elegida die Plage in Bajard zu beseitigen.

Natürlich hatte sie Eindruck geschunden, doch für welchen Preis für das kleine Fischerdorf?
Auch das spielte nun keine Rolle mehr, war es doch eine ihrer Aufgaben Zerstörung und Leid über das Land zu bringen und sich weiter etwas Macht auch ausserhalb des Ordens anzueignen. Wie heißt es so schön, kenne deine Freunde, aber deine Feinde noch besser und so fing sie an sich langsam unter jenes Volk zu mischen.

In der Tasche führte sie währenddessen immer die goldene Kette mit dem Rubin mit sich, sie fühlte sich so kalt an wie der Tod persönlich und um der ehemaligen Magistra die Ehre zu erweisen trug sie dies Schmuckstück tief in ihrer Tasche verborgen mit sich.

Als sie eines Abends wieder auf dem Weg durch Rahal war und wie zufällig die Fingerspitzen das Amulett berührten spührte sie nicht die langsam gewohnte Kaelte an ihrer Haut, sondern eine abnormale Wärme.
Langsam griff sie die Kette aus der Tasche und die braunen Augen wanderten in der Nacht auf den Rubin wo in aller Vergnüglichkeit ein kleines Feuer loderte so wie früher.

Was das bedeuten sollte wusste sie nicht, doch eines war sicher, schon am nächsten Tag würde sie deswegen die Elegida aufsuchen und sie fragen.
Zuletzt geändert von Sarya Lenia Vhelvet am Sonntag 6. Dezember 2009, 20:28, insgesamt 1-mal geändert.
Tarja Thyrmon

Beitrag von Tarja Thyrmon »

Die ganze Nacht hatte ich mir um die Ohren geschlagen, nachdem ich mich geschockt und dennoch leise vom Acker gemacht hatte. Ich vermochte kaum zu glauben, was ich dort gesehen hatte. Nachdem ich Nachforschungen angestellt hatte war ich jedoch immer noch nicht schlauer. Ich war zurückgekommen, um meine Familie zu sehen. Und was hatte ich jetzt davon? Sie lag ruiniert in Stücken vor mir.

Ich suchte nach Lösungen und versuchte mich abzulenken. Ansonsten war doch auch alles mittels Magie möglich. Aber wie konnte es möglich sein, dass dies so endgültig war? Gerade bei ihr? Wer auch immer sie getötet hatte, er hatte seine Arbeit gut verrichtet.

Mir blieb also wirklich nichts anderes übrig, als einen Brief an meine Cousine und an den Gemahl der Verstorbenen zu schreiben. Ich zog mich in eine stille Ecke zurück und setzte meine Briefe auf. Meine Unkonzentriertheit hielt mich immer wieder ab, meine Gedanken liefen immer wieder in eine andere Richtung und es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis ich die Briefe dann - kurz und bündig - fertig hatte.

Ich stand auf, verließ die Taverne und ging die Straßen ab in der Hoffnung, einen geeigneten Boten zu finden. Ich musste nicht lange suchen, ehe ich ihn fand. Ich drückte ihm einen Beutel in die Hand und ließ ihn ziehen.

Nun blieb zu hoffen, dass er die Schreiben beide überbringen konnte, in denen sie beide um ein schnelles Treffen bat und ihre Rückkehr verkündete.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Mehr als die Vergangenheit
interessiert mich die Zukunft,
denn in ihr gedenke ich zu leben.

[Albert Einstein]

~*~

Ruhe. Verhängnisvolle Ruhe.

Diese innerliche Qual, die Ungeduld und das Warten kann so erdrückend sein. So nah am Ziel und dennoch so weit entfernt. All meine Schreie wurden erhört und sie erkennen, dass es an der Zeit ist, die alten Pfade wieder zu ebnen.

Der Himmel über der Arkoritherburg verdichtete sich so plötzlich wie noch nie und schwarze Wolken verbargen den zuvor noch blaugrauen Himmel, färbten ihn in ein erdrückendes dunkelgrau. Es war einer dieser Tage, an dem kein normaler Mensch vor die Tür ging. Der Sturm tobte und einige Blitze zuckten am Horizont. War dies der Vorbote für das Unerwartete? Die kahlen Äste der Bäume bogen sich im Wind und warfen große Schatten auf den matschigen Boden und den schmalen Weg zur Burg. Der Wind pfiff durch alle Ritzen und liebkoste jeden, der das Gebäude verließ, auf unangenehme Art und Weise. Der einsetzende Regen trieb die Meisten wieder in die Burg, da die Tropfen wie Messerschnitte auf der Haut stachen.

Seht her, hört mich an. Ich brauch doch nur eure Hilfe. Befreit mich, damit ich mich rächen kann für das, was mir angetan wurde. Schwester, hol mich zu dir. Ich spüre, dass du auf dem richtigen Weg bist. Ich habe Geduld. Geduld.

Die Stimme in dem Kopf der Maestra wurde lauter, dröhnender und Nerven raubender. Ein penetrantes und konstantes Flüstern in ihren Ohren, welches lauter und leiser wurde, je nachdem, wohin sie sich begab. Schlaf? Daran war nicht zu denken. Das leise Tuscheln war immer und überall. Und es wollte für eine ganze Weile auch nicht verschwinden. Auch der Magister bekam immer wieder ihre Botschaften. Die Präsenz ihrer nahm nie ab.

Ich spüre, dass du nach mir suchst. Ich komm zurück zu dir und du? Du wirst mein Werkzeug sein.

Die Zeit schritt voran. Sie war kaum aufzuhalten, wäre das doch das Schönste, was einem Magier passieren konnte. Die Zeit aufzuhalten. Aber das war ein Ding der Unmöglichkeit. Die Ordensburg lag noch immer im Schatten der Nacht und das Unwetter nahm nicht ab. Die Insel schien gefangen im Sturm und im Toben der Götter. Eine Rebellion?
Langsam kam wieder Leben in die Burg. Man sah wenige Schüler durch die Korridore streifen, die sich auf die Suche machten nach dem Grund für dieses Unwetter. Schüler, die in der Bibliothek saßen um ihren Geist für den nahenden Unterricht vorzubereiten. Und keiner der Studiosi und Adepten hatten auch nur eine Ahnung, was hier gerade geschah.

Zeitgleich begann das Feuer im Rubin der Kette Saryas' zu pulsieren. Als würde der Herzschlag für zwei Herzschläge in dem Rubin gefangen sein. Und dann war es auch schon wieder verschwunden und die Kette lag, wie immer, in der Robentasche der Maga. Sie war warm. Sie verkündete etwas, was kaum zu glauben war. Doch was hatte das zu bedeuten? Die Kette würde Verwirrung stiften, Fragen schüren. Und auch sie spürte, dass sich etwas veränderte. Leise und undeutlich vernahm auch sie das Flüstern – als wäre es weit weg und gedämpft von vielen Stofflagen. Nicht zuzuordnen, woher oder von wem es kam. Nur ein kurzes, leises Flüstern, das sie jedes Mal näher zu rufen schien, wenn sie die Burg betrat.

Ihr seid mein Werkzeug ...
Zuletzt geändert von Der Erzähler am Montag 7. Dezember 2009, 19:41, insgesamt 3-mal geändert.
Jana Layani Thyrmon

Beitrag von Jana Layani Thyrmon »

Schon einige Tage hatte ich nun kein Auge mehr zugetan. Es zehrte an mir und doch wusste ich, dass ich nicht zulassen konnte Schwäche zu zeigen. Es war nicht so einfach wie ich mir das vorgestellt hatte. Mein Körper allein sagte all das aus, was ich zu verbergen versuchte und trotzdem blieb ich beherrscht.

Das Buch, welches mich fesselte gab mir Erklärungen. Endlich habe ich gefunden wonach ich gesucht habe. Die Zeit ist ein rares Gut und ich wusste nicht wie viel Zeit mir für diese Aufgabe überhaupt noch blieb. Eine verirrte Seele die die Ordensburg mit ‚Leben’ füllte. Es musste nahezu unheimlich auf meine Ordensgeschwister wirken und es zehrte mehr an meinen Nerven, als ich es mir vorstellen konnte, doch diese drohende Macht, die sie ausströmte musste zurück geholt werden und es musste bald geschehen. Ich musste mich vorbereiten und auch die anderen im Orden sollten ihre Kräfte sammeln. Ein Ritual dieser Art brauchte Kraft. Sehr viel Kraft. Ein Windhauch durchstrich mein Zimmer, die Kerzen flackerten auf und nieder, während der Lufthauch sanft an den Flammen vorbei strich, es schien als wollte sie meine Gedanken bestätigen.

Ein überhebliches Lächeln legte sich auf mein Gesicht, als mein Blick zum abgetrennten Kopf des ehemaligen Meisters wanderte.

‚Du wärst ihrer nicht mächtig gewesen, sie hätte dich in den Wahnsinn getrieben, bis du dir selbst angetan hättest, was ich dir bereits abgenommen habe. Es ist an der Zeit, dass auch die anderen Mitglieder des Ordens wissen, nach welcher Nase sie nun tanzen müssen.

Langsam drückte ich mich von meinem Stuhl hoch und schritt gemächlich auf seinen letzten Überrest zu. Mein herrisches Lächeln schwand dabei keineswegs, im Gegenteil es vertiefte sich nur noch. Hätte mich jemand in diesem Augenblick gesehen, hätte er wahrscheinlich gedacht eine Irre vor sich zu haben. Aber dem war nicht so. Zumindest wusste ich das, wenn auch sonst niemand. Keiner drang in das Zimmer der Maestra ein ohne dass er geladen wurde. Keiner hatte den Mut. Keiner. Deswegen nahm ich den Kopf in meine rechte Hand und bewegte mich in fließenden Bewegungen die Treppen hinunter. Ich hatte es nicht eilig und trotzdem schien es als wären nur Sekunden vergangen bis ich unten im Unterrichtsraum stand. Hier platzierte ich den Kopf in der Mitte des Tisches. Yara und Tamael standen wie versteinert, als ihnen gewahr wurde, was passiert ist. Ihr Gesichtsausdruck faszinierte mich für einen Augenblick. Hätte ich in diesem Moment Emotionen zulassen können, wäre ich wahrscheinlich in schallendes Gelächter ausgebrochen. Aber der Ernst der Lage ließ es nicht zu, ich wusste was sich nun in Yara’s Kopf abspielen musste. Wieder starb einer aus unseren Reihen durch unsere Hand. Wieder griff jemand nach der Macht, weil dieser jemand diese Macht wollte. Eine endlose Schleife die sich durch die Mauern der Burg zog. All das musste ein Ende finden. Ich wusste das, doch wollte ich mir die Blöße nicht geben und ihnen erklären, das es ein leichtes Spiel gewesen ist, welches selbst sie vollbracht hätten, wären sie am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen.

Um die Arkoritherburg wurde es unerwartet dunkel. Selten sah man so ein Ungewitter, welches sich nach und nach ausbreitete, es schien als würde der letzte Atemzug der Burg und deren Leben anstehen. Mein Kopf wanderte unwillkürlich zu einem der Fenster. Tamael nahm ich nur noch in Bruchstücken wahr. Nur noch Worte wie ‚Menekaner … vor der Tür’ drangen an mein Ohr, völlig unrelevante Dinge, zumindest wenn man sie mit dem jetzigen Moment verglich. Wieder drang der Wind unstet durch die Burg, wirbelte auf, was er aufwirbeln konnte. Ließ Kerzen gleichzeitig tanzen als würden sie einem besonderen Rhythmus folgen. Ein leises Wispern erfüllte den Raum, selbst Yara und Tamael mussten es hören. In meinem Kopf pochte es, diese Stimme, ich kannte sie bereits, es war immer dieselbe. Ihre Stimme, welche mich schon in den vergangenen Tagen immer wieder begleitete. Mit jedem neuen Windhauch wurde sie deutlicher. Ihre Stimme, ich war schon soweit, dass ich sie vermisste, wenn ich sie nicht hörte. Vielleicht war es auch nur die Angst, zu spät zu sein. Doch jedes Mal wenn ich nach unserem Buch rief leuchtete ihr Name in blutendem Rot auf. Deutlich und unheilvoll. Das zeigte mir, dass sie noch da war.

Dann war da noch der Brief meiner Cousine Madlen. Sie musste gefunden werden, sie war der Schlüssel, den ich brauchte, um das zu vollbringen, was ich vorhatte. Wer konnte richtiger sein, als eine Blutsverwandte und jemand der genauso aussah wie sie. Jemand der ihren Körper hatte, welchen man benutzen konnte um ihm neues Leben einzuhauchen. Oft musste Altes vernichtet werden um Neues zu schaffen, warum dann nicht auch bei ihr? Aber nicht nur sie war der Schlüssel … ein kleines Mädchen, zart, unberührt und unschuldig … ihre Tochter, von ihr geschaffen, durchfließend mit ihrem Blut vermischt. Sie war noch wichtiger, als alles andere. Doch erstmal war es einfacher jemanden zu holen, der darauf wartete. Ich schickte Yara und Tamael aus nach Madlen zu suchen. Sehr schnell brachten sie Madlen auf die Ordensburg, doch ich hatte nichts anderes erwartet. Madlen sollte sich in Sicherheit fühlen. Erstmal. Sie sollte glauben, dass wir die letzten Schritte vorbereiteten, um ihrer Schwester die letzte Ehre zu erweisen. Und sie war schon immer gutgläubig. Es war ein leichtes sie mit den richtigen Worten in Sicherheit zu wiegen, obwohl sie sich in den dunklen Gemäuern unwohl fühlte. Ich behielt sie in meinem Zimmer, hier war sie sicher. Auch vor den anderen. Keiner sollte sie antasten oder ihr Schaden zufügen. Madlen wurde noch gebraucht, ihr Körper sollte unversehrt bleiben. Vorallem lebendig.

Cordan … Cordan … summte es in meinem Kopf und der Weg führte mich an den Schreibtisch, meine Hand griff wie in Trance nach einer Feder und ich schrieb in schwungvoll geführten Lettern auf ein dunkles Pergament folgende Worte:

Liebster Bruder,

es ist an der Zeit, dass dir deine eigentliche Heimat wieder gewahr wird. Deine Familie vermisst dich und wünscht sich nichts so sehr, als das du von deinen Reisen zurückkehrst.

Ich möchte dich sehen und das bald.


Keine Unterschrift zierte dieses Schreiben. Er wird wissen, wer nach ihm ruft. Kein üblicher Bote wird das Schreiben zu ihm bringen. Einen Höllenhund zu rufen und diesen zu benutzen solange man ihn brauchte war ein leichtes. Er würde Cordan finden, er konnte ohnehin nicht weit sein. Madlen hatte ihn gesehen, Isabella hatte ihn gesehen und ich selbst spürte ihn deutlicher als je zuvor. Er war in unserer Nähe.
Tarja Thyrmon

Beitrag von Tarja Thyrmon »

Es ging erstaunlich schnell. Alles. Ich hatte den Brief an meine Cousine geschrieben und prompt standen auch schon zwei schwarz verhüllte Gestalten vor mir. Ich hatte weder Angst noch misstraute ich ihnen. Ich kannte das, was sie bestrebte und selbst meine Schwester hatte mich damals verschont.

Recht schnell wurde ich weit weg von Rahal gebracht, zumindest kam mir die Reise wie eine kleine Weltreise vor. Wir passierten ein paar Portale, ehe ich auf einem grünen Flecken Land stand - oder vielmehr auf einer schwarzen, brüchigen Ruine, die mitten ins Wasser ragte.

Langsam schritt ich voran, die Angst saß mir nun doch in dem Nacken. Ich hatte nicht Angst vor ihr, sondern vielmehr von dem, was mich erwartete. Vor der Antwort auf meine Frage. Wollte ich wirklich wissen, wer sie getötet hatte? Aber es stellte sich recht schnell heraus, dass niemand mir die Frage beantworten konnte. Ich wurde - für Arkorither - herzlich empfangen und sollte mich als Gast auf der Burg fühlen. Was hatte ich hier erwartet? Eine Burg voll Leichen? Mitnichten. Es war viel zu ruhig in Anbetracht der Tatsachen, dass hier Schwarzmagier lebten.

Die Müdigkeit überkam mich nach dem Gespräch mit Jana und ich konnte mich auch schon recht bald schlafen legen. Ich rechnete eher mit einem Verließ als mit einem Himmelbett als Schlafplatz. Und umso überraschter und fast schon erfreut war ich, als ich endlich einschlief. Ich würde sie auf ihrem letzten Schritt begleiten, - das war die Hauptsache. Denn Abschied sollte man von jedem Familienmitglied nehmen.
Sarya Lenia Vhelvet

Beitrag von Sarya Lenia Vhelvet »

Im Rausch der Gefühle, ja so konnte man es beschreiben wenn man einen Blick in den Kopf Saryas werfen würde. Als sie den abgetrennten Kopf des ehemaligen Maestros auf dem Tisch sah, war weder Ekel noch Abscheu in ihren Gedanken vorhanden.
Alles erinnerte sie an einen Tag der schon lange zurücklag, wo sie in die Burg kam und die aufgespiessten Köpfe ihrer ehemaligen Ordensleitung sah, diesmal hatte sie weit allerdings weit besser auf diesen Umstand reagiert.

Vermutlich war ihr selber bewusst wie das letzte Mal hätte enden können und mit der ehemaligen Elegida nun Maestra empfand sie einen starken Halt für den Orden, wenngleich die Maestra einige schwache Züge zeigte, welche auch sicher verborgen in den Gedanken der Maga lverblieben.

Doch nun würde innerhalb des Ordens kein weiteres Blut fliessen, es sei denn..


Die grauen, schweren Gewitterwolken hängen tief über der Ordensburg, welche dem einen oder anderen sicher einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt.
Kalt und Schwarz, Unheilverkündend erhob sie sich aus der sumpfigen Insel auf der sie sich befand.

Die Blitze erhellten die Umgebung nur kurz und der Donner der hier und da sein Ständchen vorbrachte ließ eine doch gemütliche Stimmung in der Burg entstehen.
Gerade das was anderen Zuwider war, die Dunkelheit, Schatten und dieses Unwetter ließen Sarya hier ein wenig zur Ruhe kommen.

Die Ordensburg wurde nun nicht mehr einmal in der Woche von ihr heimgesucht sondern sie kehrte jeden Abend nach ihrem Tagwerk zurück in die heimischen Mauern und jedes Mal vernahm sie die bekannte Stimme wahr, welche tief verborgen in ihrem Geist zu wispern begann.
Auch dies war ein Grund weshalb die Maga ihren Platz innerhalb der Burg wieder einnahm, das bekannte und vertraute lockte sie zu ihrem alten Platz und hielt sie hier umklammert.

Ob der Stimme, der Kette und dem Auftrag der Maestra konnte sie die Umstände nur vermuten. Nur Vermuten wieso gerade die Zwillingsschwester von der verstorbenen Cecile auf die Burg geführt wurde, weshalb sie hier festgehalten wurde bis die von ihr geliebte Schwester die letzte Reise antrat.

In den nächsten Tagen, Wochen, gar Monaten würde sie Stärke beweisen, innerhalb des Ordens und für diesen. Sie würde ihre Kraft sammeln und eine kleine innere Stimme flüsterte ihr das genau das was auf sie zukommen würde, den gesamten Orden und die Welt ausserhalb erschüttern wird.
Lucan Linari

Beitrag von Lucan Linari »

In einer günstigen Stunde, tritt Isabella an die Maestra heran und überreicht ihr ein in Leinen eingehülltes Paket, worauf ein Brief liegt, welcher mit der Rune der Arkorither versiegelt wurde.



Seinen Segen, werte Maestra

Schon einige Tage klingen verfolgen mich die Stimmen und die Gewissheit, dass es sich um unsere verlorene Ordensschwester handelt ist nicht mehr in Frage zu stellen. Mit diesem Buch, welches ich Isabella überreicht habe, könnte es uns gelingen, ihre Seele zu transferieren und können sie so retten. Lange hat es gedauert, das Buch zu finden, was uns diesen Schritt ermöglichen könnte. Wir müssen es versuchen, denn nur so wird der Orden wieder erstarken.

Stolz und Ehre

Magister Linari
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