Warten
Verfasst: Mittwoch 25. November 2009, 21:15
Fünf mal sieben... fünfunddreißig. Zu einfach. Ah, an der Wand da sind sie versetzt, mal sehen, sieben... nein acht, na also, schon etwas schwerer, fein. Und jetzt... hm. Hm hmm... keine Reihe ist wie die Andere, das wird, ach nein, wie einfach. Wie dumm. Da in der untersten Reihe sieht man es deutlich. Auf eine Bodenfliese kommen exakt zwei Wandsteine. Und weil sie alle gleich groß sind... sieben mal zwei, mal acht... Achtzig, Hundertzwölf. Aber das stimmt natürlich nicht. Ah, die Steine sind jede Reihe etwas weiter versetzt, die Fünfte ist wieder wie die Untere, also...
... mit einem leisen Seufzer schüttelte er die Gedanken ab. Es war verdammt einsam hier. Aber wenigstens ließ man ihn schlafen, so viel er wollte, dabei verging die Zeit schneller. Außerdem kannten Träume keine Gitter, keine Riegel. Wie spät mochte es sein? Er stand auf und tappte barfuß über die kalten Steinfliesen...
... genau über fünf, fünf von fünfunddreißig...
... dann stand er an der winzigen Schießscharte, durch die ein klein wenig Licht in den Raum sickerte. Viel sah man von hier aus nicht, das schmale Loch befand sich in einer Nische , links und rechts ragten die Wände des Regimentsgebäudes in sein ohnehin schmales Sichtfeld und verkleinerten es auf einen schmalen Streifen grünes Gras. Und darüber der Himmel, wunderbar klar und nicht wie so oft im Herbst mit trüben Wolken verhangen. Die Sonne sah er nicht, sie war bereits zu weit nach Westen gewandert.
Zeit verging.
Irgendwann fragte er den Wächter draußen am Gang, in welche Richtung der nächstgelegene Friedhof lag, doch der Mann konnte oder wollte es nicht sagen. Einerlei, er konnte seine Pflicht auch ohne derlei sentimentale Hilfsmittel erfüllen. Mit dem Blick zur Wand schloss er die Augen und gedachte wie jeden Tag eine Weile im Stillen der Toten.
Danach spurtete er einige Male im Kreis durch sein Quartier, bis er durch eine unfreundliche Stimme von draußen dazu aufgefordert wurde, Ruhe zu gehen. Daraufhin wählte er einige Kraftübungen, um Arm-, Bein- und Bauchmuskeln nicht einrosten zu lassen. Kurz bedauerte er, dass er kein Schwert hatte, mit dem er hätte üben können. Als Arme und Beine ihm endlich zu schwer wurden, wusch er sich mit dem kalten Wasser aus der Schüssel den Schweiß ab und legte sich wieder aufs Bett.
Wenn der Soldat vom letzten Abend oder ein anderer käme, würde er darum bitten, dass man ihm eines seiner Bücher, womöglich gar Pergament, Tinte und Feder brächte. Damit ausgerüstet, würde die Zeit des Wartens sicher wie im Fluge vergehen. Das Warten auf den Herzog vom Greifenhain, womöglich auch jemand anderen. Das Warten auf sein Schicksal.
Leise alte Soldatenlieder singend, mit hinter dem Kopf verschränkten Armen die Decke betrachten, dachte Viridian: Eigentlich sind die Zellen Adorans gar nicht so übel.
... mit einem leisen Seufzer schüttelte er die Gedanken ab. Es war verdammt einsam hier. Aber wenigstens ließ man ihn schlafen, so viel er wollte, dabei verging die Zeit schneller. Außerdem kannten Träume keine Gitter, keine Riegel. Wie spät mochte es sein? Er stand auf und tappte barfuß über die kalten Steinfliesen...
... genau über fünf, fünf von fünfunddreißig...
... dann stand er an der winzigen Schießscharte, durch die ein klein wenig Licht in den Raum sickerte. Viel sah man von hier aus nicht, das schmale Loch befand sich in einer Nische , links und rechts ragten die Wände des Regimentsgebäudes in sein ohnehin schmales Sichtfeld und verkleinerten es auf einen schmalen Streifen grünes Gras. Und darüber der Himmel, wunderbar klar und nicht wie so oft im Herbst mit trüben Wolken verhangen. Die Sonne sah er nicht, sie war bereits zu weit nach Westen gewandert.
Zeit verging.
Irgendwann fragte er den Wächter draußen am Gang, in welche Richtung der nächstgelegene Friedhof lag, doch der Mann konnte oder wollte es nicht sagen. Einerlei, er konnte seine Pflicht auch ohne derlei sentimentale Hilfsmittel erfüllen. Mit dem Blick zur Wand schloss er die Augen und gedachte wie jeden Tag eine Weile im Stillen der Toten.
Danach spurtete er einige Male im Kreis durch sein Quartier, bis er durch eine unfreundliche Stimme von draußen dazu aufgefordert wurde, Ruhe zu gehen. Daraufhin wählte er einige Kraftübungen, um Arm-, Bein- und Bauchmuskeln nicht einrosten zu lassen. Kurz bedauerte er, dass er kein Schwert hatte, mit dem er hätte üben können. Als Arme und Beine ihm endlich zu schwer wurden, wusch er sich mit dem kalten Wasser aus der Schüssel den Schweiß ab und legte sich wieder aufs Bett.
Wenn der Soldat vom letzten Abend oder ein anderer käme, würde er darum bitten, dass man ihm eines seiner Bücher, womöglich gar Pergament, Tinte und Feder brächte. Damit ausgerüstet, würde die Zeit des Wartens sicher wie im Fluge vergehen. Das Warten auf den Herzog vom Greifenhain, womöglich auch jemand anderen. Das Warten auf sein Schicksal.
Leise alte Soldatenlieder singend, mit hinter dem Kopf verschränkten Armen die Decke betrachten, dachte Viridian: Eigentlich sind die Zellen Adorans gar nicht so übel.