Das Leben - danach...

Antworten
Kayleigh Reingond

Das Leben - danach...

Beitrag von Kayleigh Reingond »

Unruhig schlief sie in dieser Nacht. Das Erlebte wühlte tief in ihrem Inneren und brachte die schrecklichen Bilder wieder hervor. Bilder und Taten auf die sie soviel Energie brachte sie zu vergessen. Die Bilder und – den Zorn, die Rachegelüste, das schließliche Hochgefühl, als sie dem Mann, der ihre Eltern und einen Pulk aus Bauern schändlich aus einem Hinterhalt heraus getötet hatte, endlich gegenüberstand und…

Sie erwachte. Wickelte die Decke um ihren schmalen Körper und lehnte sich an das Fenster. Helle grünliche Augen strarrten hinaus in die Dunkelheit. Die schwarzen Strähnen wehten leicht in der kühlen Brise die durch das geöffnete Fenster kam. Sie fröstelte. Der Tag in Bajard hatte sie sehr viel ihrer ohnehin geschmälerten Kraft gekostet. Als sie hinter Rafael und dem jungen Templer stand, der von Darion flankiert wurde, sah sie nach vorn. Musterte jede der verhüllten Gestalten. Sie verabscheute sie und ihren Glauben, doch wie sie nun mal war wollte sie verstehen. Nun hatte sie selbst ein Erlebnis gehabt, das sie glauben ließ…. Sie verwarf diesen Gedanken.

Ob jene die dort saßen die ganze Zeit dieses Gefühl in sich tragen? Diese Mischung aus Vorfreude, tiefstem Hass, dem Ehrgeiz sein Ziel zu verfolgen bis es getan ist und schließlich das Gefühl der Macht, die Macht die auch Kayleigh in sich fühlte, als sie dem Mörder gegenüberstand. Bewaffnet. Endlich.

Schlafen würde sie in dieser Nacht ohnehin nicht können, so zog sie sich Hemd, Hose und Mantel über, warf sich den Umhang um die Schultern und ging hinaus. Lief schließlich gen Varuna. Den verwunderten Blick der Wachen um diese Zeit noch eine Frau allein, scheinbar ziellos umherlaufen zu sehen ignorierte Kay. Auch, daß einer der Wachen ihr, wohl zu ihrer Sicherheit, in einigem Abstand folgte.

Versuchen das Erlebte zu verdrängen, das war in den letzten Jahren ihr eifrigstes Ziel geworden. Niemand wußte, nicht einmal Angelina, was wirklich passiert war. Was ihren Eltern zustieß, was mit ihrem kleinen Bruder passierte. Fast wäre sie schluchzend in Tränen ausgebrochen, als sie Linas kleinen Sohn vor der Hochzeit erblickte. Sah er ihm ähnlich? Konnte das sein? Das Alter passte… Doch Kays Bruder war aller wahrscheinlichkeit nach tot. Sie hatte ihn nie gefunden…

Seit jenem Tag der Vergeltung, als sie den Mörder ihrer Eltern endlich fand, konnte sie nicht mehr aufrecht zu Temora beten. Sie glaubte und nie würde sie sich von der Göttin der Tugenden abwenden, doch war es die Schuld, die sie mit sich trug, die Schuld in Temoras Werk eingegriffen und einen Menschen getötet zu haben. Schlimmer noch… In filigraner Kleinarbeit hatte sie sich in das Leben des Mörders gedrängt, hatte ihn belogen, ihm gedient, alles dafür getan sein Vertrauen zu gewinnen, einzig und allein mit dem steten Ziel vor Augen ihn zu töten. Sie hatte sein Vertrauen erlangt und er folgte ihr an jenem Tag wohin sie ihn geleiten wollte. Folgte ihr um zu Sterben…

Wie hatte sie sich darauf gefreut… Tatsächlich darauf gefreut einen Menschen zu töten… Es herrschte Chaos in ihrem Kopf. In jeder Sekunde, jeder Minute und Stunde die verrann, bereute sie. War es das wert gewesen? Die paar Monate des Hochgefühls und der vergifteten Vorfreude, um nun ein Leben zu führen in dem sie nicht mehr Vertrauen, nicht mehr Glücklich sein kann? Ein Leben, in dem sie zwar stets Temora vor Augen hat, doch ihren Blick stetig abwendet in ihrer Schuld? Trotzdem war Temora immer für sie da, war das einzige was sie in dieser Zeit aufrecht erhielt. Was konnte sie tun…

In der Dunkelheit lag Varuna im Mondlicht vor ihr und sie ging langsamen Schrittes zum Brunnen. Ließ sie auf eine Bank nieder und zog den Umhang fest um sich. Sie konnte mit niemandem Reden. Keinem konnte sie soetwas erzählen. Keinem jemals so vertrauen, daß sie schwach werden würde. Das durfte sie nicht. Sie hatte gelernt dies alles zu verbergen, gelernt nach aussen hin recht fröhlich zu wirken, zu lachen wenn es die anderen taten, doch kaum jemand wußte genaueres von ihr. Auch hierbei kam sie sich schäbig vor, hatten es Lina, ihre Base, Rafael und die anderen Menschen die sie so warmherzig empfingen verdient so belogen zu werden? Durch Schauspiel davon überzeugt zu werden, dass es ihr gut ginge?
Auch hatte sie schon daran gedacht sich einer Frau des Ordens anzuvertrauen, ihr zu erzählen welch schwere Last sie trug. Doch wagte sie es nicht. Sie hatte Angst. Sie schämte sich so sehr dafür was sie getan hatte. Es war ein so unerträglicher Schmerz in ihr…

Jedoch wurde ihr in dieser Nacht klar, daß sie nicht mehr lange standhalten konnte. Der Druck wurde ihr übermächtig. Eine Weile noch … Sagte sie in sich hinein. Nur noch eine Weile. Sie senkte den Kopf, schloß die Augen und sank auf der Bank in sich zusammen. Innbrünstig sprach sie zu Temora. Bat sie um weitere Kraft, Kraft um durchzuhalten. Nach einer ganzen Weile, als am Horizont über der Stadt schon erste Zeichen des Tageseinbruchs auftauchten, stand sie auf und ging in Richtung der kleinen Kapelle am Meer. Auch wenn Temora stets um sie war, so fühlte Kay sich ihr dort am nächsten. Viele Stunden verbrachte sie dort, in der hintersten Reihe knieend, die Augen fest geschlossen und sich im Rhythmus der stumm gesprochenen Worte bewegenden Lippen.
Kayleigh Reingond

Der unausweichliche Gang...

Beitrag von Kayleigh Reingond »

Nach der gemeinsamen Jagd der Allianz schlenderte Kayleigh im seichten Mondlicht mehr oder minder ziellos durch die Gassen Varunas. Nicht wirklich ein Auge für die Schönheit der Stadt, mit ihren prachtvollen Bauten und liebevoll angelegten Parkflächen, nahm sie dann auf einer Bank platz und legte den Kopf in den Nacken. Sie schloß kurz die Augen und atmete tief die kühle und frische Nachtluft.

Immer nachdenklicher wurde sie in letzter Zeit. Nie konnte sie sich auf etwas konzentrieren, oft wurde ihr das schon zur Gefahr wenn sie auf der Jagd war. Sie sah auf die Wunde am Knie, die sie sich heute bei der Jagd zugezogen hatte, als ein riesiger Hund ihr hinterher lief und er sie während sie rannte dort erwischte. Sie zog die Lederhose hoch über das Knie und besah sich den Verband, den Lina ihr sofort angelegt hatte. Noch kein Blut zu sehen, stellte sie zufrieden fest und stopfte die Hose wieder in die langen Stiefel.

So konnte es nicht weitergehen. Immer öfter und zu allen möglichen Anlassen und Situationen zog es ihre Gedanken zu diesem schrecklichen Ereignis zurück. Sie hatte einen Menschen getötet. Ständig sah sie den überraschten Gesichtsausdruck des Mannes, der ihre Eltern getötet hatte, als Kayleigh ihm die Pfeile in den Leib schoß. Sie kniff die Augen zusammen. Ich muß es endlich loswerden, dachte sie im Stillen. Zu schwer wurde die Last die sie zu tragen hatte. Sie hatte es selbst verschuldet, sicher. Aus Motiven jedoch, die sie damals noch für richtig hielt. Sie machte ein abfälliges Geräusch. Als ob das Motiv der Rache jemals richtig sein könnte…

Sie hob den Kopf, öffnete die Augen wieder. Ein Pärchen ging an ihr vorbei, die beiden grüssten sie kurz und liessen sich dann auf einer Parkbank nieder. Eine kleine Weile betrachtete sie die beiden. Glück… Zufriedenheit… keine Sorgen… ein reines Gewissen… Liebe… Das erste Mal seit langem gestattete Kayleigh sich über diese Worte nachzudenken, war sie doch der Meinung, nicht würdig zu sein ein über alle Maßen hinausgehendes Gefühl der Liebe je wieder erleben zu dürfen. Doch nur kurz waren die Gedanken daran…

Entschlossen stand sie auf. Das Pärchen sah kurz zu ihr, als sie sich so rasch erhob, doch Kayleigh hatte bereits den Weg, den sie nun vor hatte zu gehen angetreten. Den Weg in Richtung des Klosters… Sie konnte sich nicht vorstellen, daß eine einfache Beichte sie befreien könnte, blieb doch am Ende die Schuld daran und das Erlebte fest in ihr. Doch sie mußte endlich etwas tun. So konnte es nicht weitergehen. Immer mehr verschloss sie sich, redete kaum mit ihren Mitstreitern, ja nicht mal mit Lina… Es war dieses Gefühl, daß nicht über die Tat gerichtet wurde, sie hatte es einfach getan. Würde man ihr raten sich zu stellen, würde sie es aus heutiger Sicht nur zu gerne tun. Dies wäre ein erster Schritt damit abzuschließen.

Sie passierte das Stadttor Varunas und ging querfeldein, über die hauchdünn vom Schnee bedeckten Wiesen. Schon von weitem sah sie die riesige Klosteranlage und eine innerliche Spannung machte sich bemerkbar. Sie warf sich eine Robe über, als sie am großen Tor ankam. Eine kleine Weile verharrte sie so. Starrte auf den großen eisernen Türklopfer. Wie um sich selbst auszutricksen bevor sie es sich anders überlegte, nahm sie ihn schnell in die Hand und ließ ihn gegen die Tür donnern. Ob des lauten Geräusches das sie da ausgelöst hatte wich sie einen kleinen Schritt zurück, beugte sich vor und lauschte ins Innere… Nur das aufgeregt schnelle Pochen ihres Herzens war zu hören...
Alyssa Arnis

Beitrag von Alyssa Arnis »

Spät war es geworden aus Sicht jener, die im Kloster ihr Heim gefunden hatten. Die Abendmesse war, wie jeden Abend, längst gehalten und langsam schlich sich Ruhe in den Klostermauern ein. Da an jedem neuen Morgen, die frühen Stunden mit neuer Arbeit belegt sein würden, machte man sich für die nahende Nachtruhe bereit.

Das Pochen an den hohen Klostertüren jedoch unterbrach die nun eingetretene Stille. Nicht lang jedoch sollte es dauern, bis sich Schritte der Pforte nähern und ein deutliches Klacken ging der nun baldigen Öffnung dieser voran. Ein freundliches Gesicht, wohl auch aus unerfündlichen Gründen nicht völlig ohne Sorge, blickte der Gestalt vor dem Tore nun entgegen. Jung und in brauner Robe gekleidet offenbarte sich die öffnende Person dem Blick.

So wurde alsbald, nach Vorbringung der Bitte und der Sorgen, Einlass gewährt und nicht lang darauf wurde die Besucherin in das Schreibzimmer des Klosters geführt. Eine deutlich betagte Person, als ihre Heiligkeit selbst vorgestellt, lächelte ihr freundlich entgegen und deutete einladend auf die Sitzplätze. Ihre Gestalt erschien, trotz ihres fortgeschrittenen Alters, hochgewachsen, mit langen, zum Zopf gebundenen und längst ergrauten Haaren. Die schneeweisse Robe, die von einem leichten Leuchten getragen schien, mochte die Gestalt der Erztemplerin zusätzlich ehrfurchtserbietend erscheinen lassen.
So wurde die Besucherin, nachdem sie sich gesetzt hatte, mit leiser und freundlicher Stimme empfangen:

"Temoras Segen und Beistand sei mit euch mein Kind. Was führt euch in diese Hallen der Stille und Einkehr?"
Kayleigh Reingond

Beitrag von Kayleigh Reingond »

Nicht lange nachdem das laute Pochen an den Türen in den Hallen verklungen war, wurde ihr geöffnet. Sie sah einer Frau in brauner Robe entgegen, die ihr freundlich entgegenlächelte. Sie zögerte abermals einen kleinen Moment, dachte an Rückkehr. Doch der freundliche Blick und Kayleighs eigene innere Entschlossenheit liessen sie auf die Frage was ihr Begehr sei antworten. „Die Beichte.. „ brachte sie leise hervor „Ich möchte die Beichte ablegen“. Schnell fügte sie an „Ich weiß, es ist bereits sehr spät…“ Sie sah der Frau nun bittend entgegen, woraufhin diese nickte, die Tür ein Stück weiter öffnete und ihr Bedeutete sie möge eintreten. So ging sie durch das Tor ins innere des Klosters.

Sofort kam sie sich winzig vor in den riesigen ehrwürdigen Hallen. Wäre sie innerlich nicht so dermassen angespannt und aufgewühlt gewesen, sicher hätte sie ein Auge für das Wunderbare und Mächtige, das sie umgab gehabt, doch mit starren Blicken, folgte sie der Frau, die mit raschen Schritten voranging. Als sie das Ziel, das die Frau ansteuerte in den Blick fasste, fühlte sie wie die innere Anspannung ihr fast die Bauchdecke zu zerbersten drohte. So gingen sie nun auf eine Tür zu. Die Frau legte die Hand auf die Klinke und bedeutete ihr über die Schulter sie möge warten. Sie trat ein, wohl um sie anzukündigen. Kay legte den Kopf in den Nacken, sah kurz an die Decke und atmete tief ein und behielt sie für einen kurzen Augenblick in sich. Nach wenigen Augenblicken trat die Frau wieder aus dem Zimmer und hielt ihr die Tür auf, deutete milde lächelnd ins Innere.

Kay trat nun in das große, hohe Zimmer. Doch als ihr Blick auf die Frau fiel, zu der sie geführt worden war, durchfloss eine Welle der Angst ihren Körper. Die Heiligkeit… Sofort senkte sie in tiefer Ehrfurcht das Haupt, vor der zu leuchten scheinenden Gestalt der Erztemplerin, schloß die Augen und war kurz davor rückwärts wieder aus der Tür zu verschwinden. Doch die Frau, die sie hineingeführt hatte, deutete auf einen Stuhl… Langsamen Schrittes und mit noch immer gesenktem Haupt ging sie auf den ihr angewiesenen Platz und ließ sich auf ihm nieder. Die Frau verließ das Zimmer. Zweifel überkamen Kayleigh, der Heiligkeit direkt zu sagen, was sie getan hatte… Sie zog die Brauen zusammen und schallt sich innerlich. Was sie getan hatte, hatte sie getan… Und sich hier und jetzt vor der Heiligkeit dieser Tat zu verantworten… Vielleicht war dies sogar besser… Es bei ihr zu tun… Auf irgendeine Art und Weise. Die Beichte wurde davon nicht aufgewertet, auch hätte sie bei einer einfachen Schwester ihre Last erleichtern können, doch es der Erztemplerin zu beichten, dafür würde ihr mehr Mut und Überwindung abverlangt, als sie jetzt schon aufgebracht hatte. Temoras Wege...

So hob sie denn wieder den Blick und sah ihr entgegen. Die Heiligkeit selbst saß ihr nun also gegenüber und ihr würde sie erzählen daß sie gemordet hatte. Eine schwere Aufgabe stand ihr damit bevor, doch konnte sie kaum so schwer zu bewältigen sein wie die Last des Gewichtes das auf ihrem Herzen lag und alles überschattete. Alles…

"Temoras Segen und Beistand sei mit euch mein Kind. Was führt euch in diese Hallen der Stille und Einkehr?" war mit warmer und weicher Stimme von der Heiligkeit zu vernehmen.

„Verzeiht, ich….“ Ihre Stimme versagte und Kay schluckte schwer, nahm sich dann aber zusammen. Sie wollte diesen Schritt tun, nun saß sie hier. Prädestinierter konnte die Person, der sie Beichten würde nicht sein und sie wollte der Erztemplerin nicht in gebeugter Haltung, sondern sie wollte zeigen, daß sie sich ihrer Bürde bewußt ist und ehrlich bereut.

„Ich möchte euch bitten mir die Beichte abzunehmen, eine Last, die mir seit nunmehr drei Jahren auf der Seele liegt. Mit niemandem habe ich bisher darüber gesprochen, zu tief sitzt die Scham und die Angst.“ Den Blick nicht von der ihr noch immer gütig entgegenlächelnden Heiligkeit nehmend, atmete sie nun tief ein und begann ihre Beichte.

„Ich habe einen Menschen ermordet. Kalt, mit Vorfreude auf den Augenblick den Mord endlich begehen zu können und mit Genugtuung als ich das Leben aus seinen Augen weichen sah.“ Sie versuchte etwas aus den Blicken der Erztemplerin erkennen zu können, Entrüstung, Abschätzung, gar Zorn. Doch nichts dergleichen, weiterhin strahlte sie Ruhe und Güte aus, sah sie an. Neutral. Wohl in der Erwartung erst die ganze Geschichte dazu zu hören. So erzählte ihr Kay alles. Begonnen bei der hinterhältigen Ermordung ihrer Eltern, über den Verlust ihres kleinen Bruders, den sie nirgends hatte finden können, bis hin zu dem Eigentlichen. Dem Mord.

„Ich hatte diesen Mann erkannt, ihn schoneinmal in den Hallen des Hauses meines Vaters gesehen. Wie ich ihn schließlich fand war…“ Fügung wollte sie hier nicht aussprechen „mehr oder minder ein glücklicher Zufall… Ich schlich mich an ihn heran, kundschaftete ihn aus. Die Männer, die auch damals bei der Ermordung meiner Eltern dabei waren, hingen ständig an ihm. Doch ich schaffte es seine Aufmerksamkeit zu erregen und mich in sein Leben zu schieben. Ich gaukelte ihm Hingabe vor, täuschte ihn in jeder erdenklichen Hinsicht. Über mehrere Monde hinweg war ich die Frau an seiner Seite, erlangte sein Vertrauen.. Als ich mir dieses Vertrauen gesichert hatte, begann ich zu planen. Wie, wo und wann der Mord passieren wird. Ich wollte, daß er Gefühle für mich hat. Ich wollte ihn nicht einfach aus der Ferne hinrichten, ich wollte daß er weiß was es für ein Gefühl ist aus einem völligen Hinterhalt vertrauter Personen getötet zu werden.“

Kayleigh kam sich so unermeßlich schlecht vor. Diese Geschichte zu erzählen verlangte ihr sichtlich viel ab, doch wollte sie keinesfalls kläglich klingen. Sie wich ihrem Blick nun aus und sah auf ihre Hände während sie weiter erzählte.

„Ich habe mich dem süßen Gefühl der Rache hingegeben, während ich zusah wie er starb. Starb durch meine Hand, durch die Arbrust die meine Hand führte. Ich bereue seit diesem Tag was ich getan hab. Ich habe Gelogen, Betrogen, Getäuscht. In hinterhältiger Berechnung und heimtückisch gemordet, wodurch ich mich zu nichts Besserem als er selbst es war degradiert habe. Ich habe mich über Temora, ihre Güte und ihre Weisheit gestellt. Jede Sekunde die seit dem die Tage hell und die Nächte dunkel werden lässt bitte ich sie inständig um Vergebung. Ich bereue aufrichtig und werde mich so ihr es entscheidet jedem Entschluß, jeder Sanktion fügen. Ich lege alles in eure Hand, in die Hand der Temoras, denn nur durch sie lebe ich und nur für sie lebe ich. “

Sie endete und atmete tief durch, trotz der schlimmen Dinge die sie so eben der Heiligkeit beichtete, fühlte sie sich erleichtert. In Erwartung wie nun immer über sie gerichtet werden würde, sah sie sie direkt an. Kayleigh war bereit alles zu tun, was ihr diese Last von den Schultern nehmen würde.
Alyssa Arnis

Beitrag von Alyssa Arnis »

Still, die junge Frau in keiner Sekunde unterbrechend, lauschte sie ihrer Beichte. Sie beobachtete jede Regung und konnte es beinah spüren, welch Überwindung sie wohl jedes Wort kosten musste.

Sollte sie mehrfach aufblicken hierbei, würde sie in den Augen der Heiligkeit nichts zu lesen vermögen, kein Erkennen über Schrecken oder gar eine Verurteilung. Die blauen Augen der Frau, die mit ihren Mitte 50 durchaus betagt war und doch in ihrer Erscheinung von innerer Stärke und Würde getragen war schien so garnicht einzuschätzen in ihrer Meinung über all das gehörte. Doch eines lag gewiss in jedem Augenblick in ihren Augen. Das Mitgefühl und die Zuversicht schenkende Ruhe, welche die junge Frau möglicherweise brauchte, um ihre Beichte zu vollenden.

Kaum, dass sie geendet hatte und sie erneut, in Erwartung des kommenden, direkt zur Erztemplerin aufblickte, war es zunächst nur wenig, dass diese nun äusserte:
"Hass, Zorn und Rachsucht hatten dein Herz getragen. Du hast ihnen nachgebeben. Doch geh nun in dich und sage mir, wie fühlst du dich nun und wie blickst du nun auf deine Tat zurück?"
Kayleigh Reingond

Beitrag von Kayleigh Reingond »

Nicht lange ließ sie auf eine Antwort warten.

„Wie ich mich fühle… Wie soll ich das in Worte fassen… Wißt ihr, keine Stunde des Tages verrinnt ohne den Gedanken an mein Versagen betreffend, meine Tat. Sie ist allgegenwärtig. Ich wache mit dem Gedanken daran auf, schlafe mit dem Gedanken daran ein und des Nachts verfolgt er mich bis in meine Träume.

Mein Handeln wird dadurch bestimmt, mein Wesen hat sich dadurch verändert. Ich vertraue niemandem und denen die mein Vertrauen haben lüge ich täglich ins Gesicht. Alles ist dadurch zerstört. Das Gesicht, das ich im Spiegel sehe, erkenne ich kaum als mein eigenes. Es ist als würde ich neben mir her leben. Ich vermag es kaum in Worte zu fassen.

Ich bereue tief… Ich bete täglich um Vergebung, bete wieder die sein zu dürfen die ich einst war. Doch diese eine Frage lässt mich stets wach liegen, qält mich mit dem Verlangen nach einer Antwort. Würde ich es wieder tun? Ich kann es nicht sagen… Natürlich können die Umstände von damals sich so nie wieder ergeben. Zwar schäme ich mich zutiefst für das empfundene Rachegefühl, doch ist es ein so unberechenbar menschliches Gefühl… und er nahm mir doch meine Eltern… Meinen Bruder…“ Sie stockt kurz und nimmt den Blick von ihr, eine kleine Träne mag in ihrem Augenwinkel versickern und sie schluckt, hebt dann wieder den Kopf.

„Alles werde ich tun um zu verhindern, daß soetwas erneut geschieht, sollte ich, Temora bewahre, in eine solche Situation geraten, wird mich das Erlebte stets mahnen, ich habe gelernt.
Nur kurz habe ich ihren Pfad der Tugenden verlassen, dachte ich doch aber ich tue recht in meinem Handeln. Es war Unrecht, das weiß ich nun, verblendet und hoch getragen vom Gefühl der Rache, verschlossen sich mir in der Zeit alle Sinne. Der Haß verblendete mir die Augen, die Rache verstopfte jeglichen Zugang für die Tugenden Temoras, der Zorn ließ mich Dinge sagen, die ich nimmer gesprochen hätte.

Ohne ihre Vergebung wäre es das Leben nicht mehr von Sinn getragen. Es wäre nutzlos… Nun sitze ich also hier, vor Euch, in tiefster Demut und Reue."

Große Augen sehen sie an, die Hände zittrig ineinandergefaltet.
Alyssa Arnis

Beitrag von Alyssa Arnis »

Eine kurze Stille trat in den Raum, als die junge Frau nun geendet hatte. Sollte sie aufblicken, so würde sie erkennen, dass der Blick der gealterten Erztemplerin nicht weniger milde und mütterlich geworden war, als in dem Moment, da sie den Raum betreten hatte. Beinah zart legte sich eine Hand nun auf die Wange der jungen Frau, strich dort zart eine Träne fort und es mochte scheinen als wäre es wirklich die Szene einer Mutter, die eine Tochter trösten und mit Ruhe beschenken wollte.

Schliesslich brachen ihre Worte das Schweigen: "Du sprichst Worte Kind, die von wahrhafter Reue getragen sind. Siehe, es ist deutlich, welch Verlust du ertragen musstest. Und auch die gütige Tugendbringerin erkennt dies, sieht sie doch in unser aller Herzen. Ich bedaure dich für den Schmerz, denn Verlust und Trauer ist auch uns hier im Orden nie fremd.

Der Hass der dein Herz zu diesen Taten trug Kind, dieser ist sowenig deine Schuld, wie irgendjemandes Menschen Schuld. Er ist uns seit langem von Natur angeboren. An uns ist es diesen Tag um Tag zu erkennen und unser Herz und unsere Seele daran zu schulen ihn zu überwinden. Deine Reue ist hieran ein guter Schritt, denn es mag dich daran stärken, den Willen aufzuzeigen, dies zu jeder Stunde zu tun.

Vergebung ist es die du suchst, doch die am schwersten zu findende Vergebung hast du noch garnicht erkannt. Schau Kind Temora erkennt sowohl deine Reue als auch deinen Willen der Besserung. Doch erkennst du sie und wirst du selbst in dir Vergebung finden? Dies ist es was du suchen musst. Taten können hierzu beitragen. Taten der Widergutmachung, denn möglicherweise sind da andere Herzen, nun voller Wut und Trauer, wie dein Herz und deine Seele in Wut und Trauer über die seine Tat waren.

Es ist an dir sie zu suchen und ihnen zu helfen zu überwinden. Nicht indem du dich opferst, sondern in dem du ihnen hilfst zu erkennen wohin dies führen kann und in dem du ihnen hilfst den besseren Weg zu finden und mit ihnen Hand in Hand eine bessere Zukunft zu finden."

Die Worte enden lassend blickte sie nun wieder abwartend auf die Antwort der jungen Frau, auf ihre Worte, dieser in die Augen.
Antworten