Akte I: Durch die Adern fliest der Tod
Verfasst: Dienstag 15. September 2009, 19:13
Das Atmen fühlt sich schwer an. Die Lungen brennen und mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Eiskalte Tränen rinnen über mein Gesicht und ich weiß kaum noch, wo mir der Kopf stehen soll. Es ist ruhig hier, das Schweigen hat sich breit gemacht und nichts in der Welt scheint mit mir sprechen zu wollen. Fragend habe ich Papa angesehen, als sein Blick so fahl und die Haut so blass wurde. Als er verzweifelt an Mama gerüttelt hat. Aber ich musste nicht fragen um zu verstehen. Ich habe längst verstanden, dass Mama ihre Freiheit hat. Aber was passiert nun mit ihrem Körper? Mit ihrer Seele? Ist sie wirklich frei? Mama hat mir oftmals Geschichten zum Einschlafen erzählt in denen sie davon gesprochen hat, dass ihre Seele niemals frei sein wird. Aber wie kann das sein? Kann man die Seele an den Teufel verkaufen? Tausend Fragen für deren Antworten ich für diesen Moment viel zu klein bin. Ich weiß noch nicht einmal, wie ich mit dem inneren Gefühl der Trauer umgehen soll. Ob ich lachen oder weinen soll. Gerade in diesem Moment – weiß ich einfach gar nichts mehr.
Ein paar Jahre später ...
„Ach du meine Güte, was ist das denn?“, ein langes Seufzen überkam meine Lippen, als ich das Chaos in der Küche sah. Kasimir, mein Hauskater, den ich eigens zu meinem sechsten Lebensjahr bekommen habe und der mich nun schon seit über fünf Jahren begleitet hatte wohl akute Langeweile und dadurch das Gefühl oder Bedürfnis, das ganze Haus auf den Kopf zu stellen. Mittlerweile bin ich quasi schon erwachsen und um ehrlich zu sein kenne ich nur Geschichten von dem, was sich vor meiner Haustüre abspielt. Papa hat die Bitte von Mama bei ihrem Tod fortgesetzt und mich hier versteckt gehalten. Was das bezwecken sollte wusste ich bis heute noch nicht. Aber irgendwann würde ich sicherlich verstehen und erfahren, was für Beweggründe meine Mama hatte. Nicht, dass jemand zu denken beginnt sie wäre eine schlechte Mutter gewesen. Ich habe hier alles bekommen, was ich wollte. Genug zu essen, genug zu trinken, jedes Spielzeug, dass ich haben wollte. Die schönsten Kleider, allerlei Geschichten, viele Bücher, meinen privaten Lehrunterricht in Lesen und Schreiben (Sie meinte immer, es wäre wichtig gebildet zu sein, das würde letztendlich jedem Menschen weiterhelfen) – aber von der Welt? Von der Welt habe ich noch nie etwas gesehen. Außer in Büchern. Ich weiß nicht einmal genau, wie die pure Natur riecht. Ob ich das Fremde kennen lernen will? Manchmal, in stillen Momenten, wünsche ich mir, dass ich einfach fliehen kann. Aber dann? Dann habe ich doch Angst vor dem, was mich da draußen erwartet. Wie ist es da? Wie sind andere Menschen? Was erwartet mich in dieser fernen, weiten Welt? Ich habe keine Ahnung und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das, was mich dort erwartet, auch wirklich kennen lernen möchte. Zu viel hat mir Mama von all den Schurken und Bösewichten erzählt, obwohl sie selbst wohl auch zu den Schurken und Bösewichten gezählt hat. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Leben meine Mama auf dem Gewissen hat. Was wollte sie mir ersparen? Was wollte sie mir vorenthalten? Man glaubt kaum wie fremd einem alles sein kann, wenn man von nichts eine Ahnung hat. Ich habe hier alles – und doch nichts. Und jedes Mal, wenn ich aus dem Fenster gesehen habe wurde ich wehmütig. Menschen, die durch die Straßen zogen, sich umsahen, etwas suchten. Die miteinander sprachen, sich austauschten oder einfach nur ignorierten. Nicht einmal das Gefühl von Ignoranz kannte ich. Nur Stille.
Also habe auch ich angefangen mir in den Zeiten, in denen ich alleine war die Errungenschaften und Nachlässe meiner Mutter genauer anzusehen. Vor vielen Jahren hätte mich das alles noch nicht interessiert. Aber jetzt? Jetzt bin ich älter und neugierig auf das, was meine Mutter war. Es ist schon verblüffend genug, dass ich ihr wie aus dem Gesicht geschnitten bin. Und jetzt mache ich mich auf die Suche nach meiner Vergangenheit ...
Ein paar Jahre später ...
„Ach du meine Güte, was ist das denn?“, ein langes Seufzen überkam meine Lippen, als ich das Chaos in der Küche sah. Kasimir, mein Hauskater, den ich eigens zu meinem sechsten Lebensjahr bekommen habe und der mich nun schon seit über fünf Jahren begleitet hatte wohl akute Langeweile und dadurch das Gefühl oder Bedürfnis, das ganze Haus auf den Kopf zu stellen. Mittlerweile bin ich quasi schon erwachsen und um ehrlich zu sein kenne ich nur Geschichten von dem, was sich vor meiner Haustüre abspielt. Papa hat die Bitte von Mama bei ihrem Tod fortgesetzt und mich hier versteckt gehalten. Was das bezwecken sollte wusste ich bis heute noch nicht. Aber irgendwann würde ich sicherlich verstehen und erfahren, was für Beweggründe meine Mama hatte. Nicht, dass jemand zu denken beginnt sie wäre eine schlechte Mutter gewesen. Ich habe hier alles bekommen, was ich wollte. Genug zu essen, genug zu trinken, jedes Spielzeug, dass ich haben wollte. Die schönsten Kleider, allerlei Geschichten, viele Bücher, meinen privaten Lehrunterricht in Lesen und Schreiben (Sie meinte immer, es wäre wichtig gebildet zu sein, das würde letztendlich jedem Menschen weiterhelfen) – aber von der Welt? Von der Welt habe ich noch nie etwas gesehen. Außer in Büchern. Ich weiß nicht einmal genau, wie die pure Natur riecht. Ob ich das Fremde kennen lernen will? Manchmal, in stillen Momenten, wünsche ich mir, dass ich einfach fliehen kann. Aber dann? Dann habe ich doch Angst vor dem, was mich da draußen erwartet. Wie ist es da? Wie sind andere Menschen? Was erwartet mich in dieser fernen, weiten Welt? Ich habe keine Ahnung und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das, was mich dort erwartet, auch wirklich kennen lernen möchte. Zu viel hat mir Mama von all den Schurken und Bösewichten erzählt, obwohl sie selbst wohl auch zu den Schurken und Bösewichten gezählt hat. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Leben meine Mama auf dem Gewissen hat. Was wollte sie mir ersparen? Was wollte sie mir vorenthalten? Man glaubt kaum wie fremd einem alles sein kann, wenn man von nichts eine Ahnung hat. Ich habe hier alles – und doch nichts. Und jedes Mal, wenn ich aus dem Fenster gesehen habe wurde ich wehmütig. Menschen, die durch die Straßen zogen, sich umsahen, etwas suchten. Die miteinander sprachen, sich austauschten oder einfach nur ignorierten. Nicht einmal das Gefühl von Ignoranz kannte ich. Nur Stille.
Also habe auch ich angefangen mir in den Zeiten, in denen ich alleine war die Errungenschaften und Nachlässe meiner Mutter genauer anzusehen. Vor vielen Jahren hätte mich das alles noch nicht interessiert. Aber jetzt? Jetzt bin ich älter und neugierig auf das, was meine Mutter war. Es ist schon verblüffend genug, dass ich ihr wie aus dem Gesicht geschnitten bin. Und jetzt mache ich mich auf die Suche nach meiner Vergangenheit ...