Schatten
Varals hastige Ankunft in Gerimor liegt nicht lange zurück. Er pendelte seitdem zwischen Adoran und Rahal hin und her. Ein rein politischer Schachzug:
Adoran, weil Sie ihn dort dem dunklen Lehen Shevanor nicht ausliefern würden sobald die dortige Diebesgilde die richtigen Fäden zieht. Eine Flucht wie seine hinterlässt eine Aktenspur an der man sich erhängen könnte.
Rahal, weil die Schatten dort dunkler sind. Insbesondere im Hafenviertel. Auf Politik ist kein Verlass, doch im Dunkeln zu verschwinden ist eine sehr berechenbare Kunst. Ferner ist ihm die gesellschaftliche Dynamik, der Fluss, unter Alatari vertrauter.
Er war nicht naiv. Man verrät keine Brüder, Väter-- keine ganze Gilde um seine eigene Haut zu retten ohne dass das Schicksal irgendwann aufholt.
Dieser Tag war gekommen.
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Grauen
Seine Aufgabe war gegen die immer mehr werdenden Abgänger und Verräter vorzugehen.
4 Fuß Durchmesser, 10 Fuß lang - kalter, glatter Stahl. Für jede Handlänge sind 3x3 Fingerdicke Löcher in die Decke gebohrt. Eine Seite ist verschließbar. An dieser Türe ist eine Fackel angebracht.
Vater...
-Wie hilft dieses Monstrum bei unserem Problem?
Du pflegst zu sagen, dass Angst Verräter ehrlich hält.
-Komm zum Punkt! Bisher sehe ich nur was Deine Skulptur uns kostet!
Du bedenkst nicht die geheime Zutat.
-Hrrm?
Lampenöl.
Als die Grausamkeit dieser von Menschenhand gefertigten Hölle zu Varals grimmigem Ziehvater - und Gildenführer - vordrang, zeigte er einige Momente lang puren Schock. Ein kräftiges Nicken folgte. Varal kennt seinen Ziehvater gut genug um zu wissen dass dieses Nicken des obere Ende der augenscheinlichen Anerkennung ist und wandte sich ab um Geschäften nachzugehen.
Von da an stand dieses Instrument der Furcht an einem sicheren Ort und wurde jedem Frischling von Innen gezeigt. Die Fackel wurde entzündet und die Offene Seite stand direkt an einer Mauer. Das Öl blieb selbstverständlich aus, doch die Angst davor reichte der langfristigen Vorbeugung verräterischer Taten.
Nie wurde die Röhre entzündet.
Auch dieser Tag war gekommen.
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Schatten
Der Tag war ereignislos und endete gewöhnlich. Seine improvisierte Unterkunft zwischen Rahal und dem Elfenwald erwies sich auf ein Neues als ausreichend. Eine Bettrolle und ein Zelt für das Nötigste. Sein diebisches Geschick erlaubte ihm ohne große Mühe einen der Toten Punkte auszumachen die nur allzu selten Wanderschaft sahen. Bärenfallen in naher Umgebung - Ohne Gift und Säure oder dergleichen. Unglücklich erwischt möchte man schließlich die Abstreitbarkeit nicht einbüßen die man sich mit dem Aufstellen von Bärenfallen erarbeitet.
Das Problem mit einem solchen Geschick ist dass ein Meister desselben Faches die Gegenrechnung machen kann.
Und so passierte was passieren musste. Er hörte es nicht kommen. Der betäubende Bolzen schoss zielsicher durch das Zelt.
Wer..?!
Brust.
Zwicken.
Brennen.
Schlaf.
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Grauen
Auf unstetigem Boden und mit unheiligen Kopfschmerzen fand er sich an einen Mast gefesselt wieder. Starker, erbarmungsloser Regen verschleierte seine Sicht und ließ ihn schon bald spüren dass er vollkommen nackt war. Die Fesseln schnitten sich tief in die vom Nass aufgeweichte Haut.
Selbst auf Stirnhöhe war er unsanft an den Mast gefesselt. Er wusste was los war. Er wusste es genau. Mit variabler Szenerie war dies genau wie er sich den Moment der Vergeltung vorstellte.
Nicht befürchtete! Vorstellte.
Varal war sich nicht bewusst ob mit ihm gesprochen wurde oder nicht. Er sah wie sich Lippen bewegten, doch der Versuch Frieden mit sich selbst und all seinen Dämonen zu machen äußerte sich durch ein ohrenbetäubendes Rauschen im Eigenen Kopf.
Unsicher ob eine Minute oder ein Jahr verging werden die Fesseln gelöst und Varal unsanft auf die Beine gehievt. Mit jeweils zwei Händen an seinen Armen wurde er voran getrieben. Seine Jäger trugen allesamt Kapuzen, kein Weg sie zu erkennen, und doch wusste er es waren die verratenen Brüder. Und er wusste wie sie operierten.
Wie weit muss ein Mann gehen dass der einzig übrige Wunsch ein schneller Tod wird?
Schoss ihm durch den Kopf.
Kaum zuende gedacht spürt er einen massiven Tritt gegen sein Steißbein und stolpert mit großen Schritten voran. Einige Tritte weiter findet er sich auf Augenhöhe mit einer brennenden Fackel wieder. Ohne Zeit zu realisieren was vorgeht folgt noch ein Tritt, dann schließt sich lautstark die Türe hinter Ihm.
Dunkelheit in jeder Richtung außer einer - Geradeaus. Dort offenbart sich Mondlicht das sich tapfer seinen Weg durch die regnerische Fassade kämpft. So nah und doch so fern.
Die diabolische Tatsache dass sich die in Lampenöl getränkte Röhre als äußerst rutschig erweist drängt sich Varal mit einem harten Aufschmettern auf. Mittlerweile verstanden wo er war versuchte er panisch wieder auf die Beine zu kommen, nur darin resultierend dass er sich mehrmals auf allen Vieren wieder hinlegt. Währenddessen scheint jede einzelne Faust an Deck wild gegen die geschlossene Türe zu prügeln.
Ihm dämmert noch während seinen Versuchen sich aufzurichten dass der konstante Schwall Nass der durch die löchrige Decke hereinkommt nicht Regen sondern hauptsächlich dieselbe Flüssigkeit ist die den Boden bereits benetzt.
Die wenig erkenntnisreichen Sekunden seit die Tür zugeschlagen wurde werden irrelevant als von einem Moment auf den Anderen ein wahrhafter Feuersturm rund um Varal entsteht.
Nicht nur wird wörtlich sein Leben von dem Inferno verschlungen, seine Sinne scheinen auch alle auf einmal zu schwinden.
Zu seinem Vorteil.
Der Instinkt sich richtung Licht zu kämpfen wurde nicht mehr durch Gedanken und niedere Empfindungen betäubt und während ihm wörtlich jedes Haar, jedes einzelne Pigment aus dem Körper gebrannt wird nutzt er den linken Arm um sein Gesicht darin zu betten und den Rechten um sich Stück für Stück in die Freiheit zu schleppen.
Nach, was sich anfühlte wie eine Unendlichkeit, landete die menschliche Fackel unter wildem Zischen im Wasser - nur um wenig später von zwei Fischern, wohl von der Rauchwolke im Zwielicht der Nacht angelockt, aus dem Rahaler Hafenbecken gezerrt zu werden. Zur genaueren Anschauung unter die nächste Straßenlaterne geschleppt offenbart sich den Beiden das grauenhafte Antlitz, woraufhin sie Ihn auf der Stelle liegen lassen und reißaus nehmen.
Der Regen prasselte auf den lebendigen Leichnam. Varal wusste nicht was zu denken oder was zu fühlen. Der Schmerz war viel zu präsent um wahrgenommen zu werden - außer durch die Tatsache dass er unfähig war sich zu bewegen.
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Man sieht sich immer zwei Mal im Leben
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Varal Blutmond
Man sieht sich immer zwei Mal im Leben
Zuletzt geändert von Varal Blutmond am Freitag 11. September 2009, 20:58, insgesamt 1-mal geändert.