Gerimor-Kurier, Ausgabe Nummer 2

Antworten
Ira Lisarias
Beiträge: 5
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Gerimor-Kurier, Ausgabe Nummer 2

Beitrag von Ira Lisarias »

Wieder hockte sie in dem Zimmer, starrte auf ihre erbärmlichen Fetzen die sie Kleidung nannte und grummelte Frustriert vor sich hin. Es war ein grauenhafter Tag, gerade nach dem was sie gestern zu hören bekam. Und erneut kroch in ihr das Gefühl von Nutzlosigkeit empor. Sie könnte arbeiten gehen überlegte sie flüchtig, aber tat den Gedanken schnell ab. Statt der Arbeit sackte sie etwas tiefer in das unbequeme Bett, schob einige Haare zur Seite und begann in ihren Aufzeichnungen zu blättern, flüchtig überlegte sie ob sie sich an den Knecht der Vogelfreien ausliefern sollte, immerhin war sie dank ihm nun mehr Geld wert als sie in der Tasche hatte.
Rasch verscheuchte sie den Gedanken und besah ihre Mappe, nur noch 4 Papierstücke befanden sich darin. Wenn sie weiter schreiben wollte brauchtet sie dringend neues Papier, aber für einen Versuch würde es wohl noch reichen, so setzte sie sich auf und machte sich doch an die Arbeit.

Wenig später schmuggelte sie in ihrer Hose einen Aushang nach Adoran um dort fast ernüchternd festzustellen das die gesamte Stadt mit Wachen bemannt war. Überall standen sie, sahen umher, redeten, gingen auf und ab, lugten um Ecken, verglichen miteinander ihre Waffenlängen und betrachteten die Passanten. Nach einiger Zeit hatte sie dann endlich eine passende Stelle gefunden. Der Eingang zur örtlichen Taverne lag etwas in einer Nische und rings herum waren keine Wachen zu sehen, noch war ihr Rüstgeklapper zu hören. Rasch befestigte sie das handgeschriebene Plakat an der Tür und machte sich von dannen.

Ein weiteres Plakat findet sich an dem Gotteshaus zu Bajard, das nächste an der Kutsche die zwischen Bajard und Adoran verkehrt.


Gerimor-Kurier, Ausgabe Nummer 2


Überfall der Aristokratie

Adoran, Panik brach in den Straßen der Stadt aus als ein Schrei die die gesamte Umgebung erschütterte. Ängstlich kauerten sich die Menschen und andere Bewohner der Gassen zusammen und blickten mit großen Augen in den Himmel, würde der Drache erscheinen und die Stadt in Schutt und Asche legen? In zitternden Knäueln verharrten sie lang bis tief in die Nacht, aber Kampfesgeräusche gab es diesen Abend nur an einem Ort, in der Herberge.

Darna von Hohenfels, die 52 Jährige, welche ob ihrer tiefen Gesichtsfalten hinter der Hand auch in Adoran schon den Titel „Die Gefurchte“ trägt, zog mit ihrem Mann, der auf der Jagd nach Mägden einen Unfall erlitt und seither schwer verkrüppelt ist in die örtliche Herberge. Der Ortswechsel war nötig geworden nachdem die hohe Dame ihr Regiment mit vernichtenden Disziplinarstrafen auf ein fünftel Reduziert hatte. Vom Unmut der angehörigen Witwen getrieben flüchtete sich die tief gläubige Adlige nun in die Unterkunft im Westen von Adoran wo sie bei der ersten demontierenden Zimmerinspektion unter einer Bodendiele, in der Ecke des Zimmer nur leicht verborgen von einem drei mal fünf Schritt messenden Teppich, der unter einem Schränkchen lag das nur soviel wog wie ein gepanzerter Reiter mit Pferd, eben jenen Käfer fand der sie zum schreien brachte.

Kurz darauf folgte ein Heldenkampf zwischen dem tapferen Recken Luca, welcher sich selbstlos zwischen die Gräfin und die Bestie warf während der Herr von Hohenfels ihn krückenschwingend anfeuerte. Durch den epischen Sieg an seine eigene Jugend erinnert, fühlte sich der Graf sogleich verpflichtet seine Heldengeschichten zum besten zu geben und war sich selbst sein bester Zuhörer während die Gräfin die Stufen hinab stieg. Dort kauerte der Wirt hinter seiner Theke, wohl wissend was ihm bevorstand.

Er wurde unter Flehen und Flennen in den Kerker geschliffen, bettelte immer wieder und beteuerte seine Unkenntnis. Aber all das half nicht. Ohne zu zögern wurde das grausamste Register gezogen und Erindo, so war der Name des Wirts, sah ihn. Den Richter. Es gab Gefangene, sie bettelten um 30 weitere Peitschenhiebe statt noch eines seiner Worte ertragen zu müssen. Aber Adoran kannte keine Gnade.

Für den Kurier: N.
~*~*~*~*~

Spendet für die freie Berichterstattung aus ganz Gerimor! - neben dem Plakat in Bajard ist ein Spendenbeutel angebracht.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Morgens, halb zehn in Adoran

Gab es wirklich keine Alternative zu dieser Herberge? Es behagte ihr nicht, nach den Ereignissen der ersten Nacht länger als nötig an diesen Ort gebunden zu sein. Einmal auf Widrigkeiten aufmerksam geworden, fand sie nur umso leichter an allem ein Haar in der Suppe. Fast wünschte sie sich, Luca hätte erst gar nicht nachgesehen und in dem Bett sowohl totes Ungeziefer wie auch noch einen lebenden Floh gefunden, gleichzeitig war ihr klar, daß es früher oder später eh aufgefallen wäre. Nachdem sie dem Wirt ihre... Meinung... dazu gesagt hatte... recht deutlich und laut... gesagt hatte..., gab es an der Zimmerreinlichkeit nicht das Geringste mehr auszusetzen, dafür fragte sie sich angesichts eines reichlich faden Mittagessens, wie dieser Mann diese große Herberge überhaupt halten konnte.
Es lag wohl an der mangelnden Konkurrenz.

Sie verließ die Herberge und suchte die Taverne auf, in der Absicht, wenigstens Adrian ein besseres Frühstück zu organisieren. Irgendwo musste doch was anständiges zu bekommen sein.
Im Zugang warf sie einen Blick auf das Papier. "Gerimor-Kurier"? Oh, Neuigkeiten, was Rahal und der Wyrm gerade machten? Neugierig trat sie näher. Die weitere Überschrift ließ sie stutzen. Jemand des Adels war überfallen worden? Oder eine weitere unqualifizierte bürgerliche Hetzschrift über den ach so schlimmen Adel?
Ein Blinzeln, als sie ihren Namen las, und bei der Erwähnung des angeblichen Alters drohte die Kinnlade unhöfisch nach unten zu sacken. Was? Immer mehr entgleisten die Gesichtszüge und überrumpelt kam sie gar nicht mehr davon ab, ein immer perplexeres "Was??" zu denken. Ihr Regiment auf ein Fünftel reduziert?
So etwas wie ein abgebrochener Lachlaut entfuhr ihr. Zögerlich schlich sich ein ungläubiges Grinsen in die Miene. Das wurde ja immer drolliger.
Dann doch Empörung: Was wagte diese Person da, über Adrian zu schreiben...

Man hätte sie eine Weile so vor dem Aushang stehen sehen können, erst erstarrt, ungläubig vorgebeugt, schließlich erklang ein Lachen. Nicht von der Qualität heiterer Gelöstheit, sondern eines galgenhumorigen "Das kann nicht wahr sein".

Sie sah überlegend vor sich hin. Jemand hatte also die Auseinandersetzung mit dem Wirt belauscht, und vermutlich hatte dieser auch oben später diesen auf dem Rücken zappelnden Käfer platziert. Ein Schelm... ein schlechter? Sie sah nochmal auf den Aushang. Abreißen?
...
Nein, wozu? Sie ließ ihn hängen, wandte sich ab. Das war zu hanebüchen, als daß das irgend jemand glauben konnte, der auch nur ansatzweise was von den Beschriebenen kannte. Der Schreiber legte merklich keinerlei Wert auf Glaubwürdigkeit, also sollten sich andere ihretwegen darüber amüsieren können.
Sie... fünfzig... also wirklich! Bekäme Marlan den Wisch in die Hände, hätte er wenigstens was zu lachen.


Später, auf dem Markt
Der morgendliche Schock war einer gewissen Belustigung gewichen - und Neugier. Gab es von diesen Aushängen noch mehr? Sie beauftragte Luca, nach weiteren Ausschau zu halten, und als sie Oberst Marlan Kabo traf, wies sie ihn ebenso mit einem gewissen Humor auf den Kurier hin.
"Wären die Behauptungen nicht so offensichtlich haltlos, würde ich Anklage wegen Adelsbeleidigung erheben", sagte sie etwas ernster und nickte dankend, als der Oberst zusagte, dennoch eine Suche nach weiteren dieser Aushänge einzuleiten.

Ab und zu noch spukten ihr die Formulierungen durch den Kopf. "Als würd ich aussehen, als wär ich fünfzig... tss..."
Antworten