Eins mit dem Vater

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Kyr´laex

Eins mit dem Vater

Beitrag von Kyr´laex »

Tage der Erinnerungen. Tage des Rückblick. Tage des Schmerzes. Und nun doch Tage der Erfüllung. In kürze würde er vor den weisen Lethyren treten und durch ihn den höchsten Segen eines Lethrixors empfangen. Dies würde ihn so nahe zum Vater bringen, wie kaum einen anderen Lethrixor. Einem Lethyren gleichgestellt, das Haupt noch vor dem weisen Lethyren beugend. Er war nie in den Lehren des Vaters unterrichtet worden, wie ein Lethyr. Er hatte kein jahrelanges Studium der Wissenschaften hinter sich. Allein durch die Inspiration des Vaters, den fanatischen Glauben und seine Aufopferungsbereitschaft hatte er es vollbracht.

Ein zufriedenes Lächeln zog sich über das blaue Gesicht Selten konnte man es an ihm beobachten. Die eigene Unvollkommenheit durch die Berührungen des Vaters stets vor Augen. Angehalten von Selbstkritik kaum in der Lage Genugtuung zu erfahren, so war dies einer der wenigen Augenblicke, die er genoß.

Der Blick der fliederfarbenen Augen erfasste die Raubkatze vor sich und ein kurzes Schaudern durchzog seinen Körper. Nein, dies war kein Ebenbild des Vaters mehr, der Wille war gebrochen. Von einer einfachen Bäuerin. Hätte er kein Blut eines Panthers benötigt hätte er sie sofort hinrichten lassen. Doch so war es nur eine Fügung des Vaters gewesen. Er musste keines seiner lebendigen Ebenbilder verletzen. Jene Katze hier war bereits tot, auch wenn sie noch frass und sich zum schlafen hinlegte. Ihr Geist war tot. Und so ging er zur Kiste der Bruderschaft, um sie zu öffnen und eine kleine Schatzkiste, sowie einen Rundschild aus ihr heraus zu nehmen. Nachdem er die Truhe wieder verschlossen hatte griff er die Leine der Raubkatze und nahm das gebrochene Tier mit sich in den Unterschlupf.

Dort erwartete ihn bereits Jaryan'dolor. Er würde ihm den Segen des Vaters übertragen und seinen sehnlichsten Wunsch ein Stück weiter erfüllen. Ihn zu einem fähigeren Werkzeug des Vaters machen. „Kyr'laex, du kennst das Ritual.“, sprach jener schlicht. „So ist es weiser Lethyr.“ Und so kniete er vor dem auf dem Throne sitzenden Lethyren nieder, nahm ein Tuch hevor und breitete es auf dem Boden aus. Legte stumm einen Kelch, einen Dolch, sowie das Rundschild vor sich auf das Tuch.

Von einem leichten Zittern der Erregung begleitet umgriff seine Hand den Dolch und die andere den Kelch, erhob sich um sich zur Raubkatze zu wenden. „Dein Blut wird mich dem Vater näher bringen. Dein Vergehen ist meine Geburt. Dein Tod ist mein Leben.“ Begleitet von diesen Worten und einem nicken des Lethyrs packt er die Raubkatze an ihrer Leine am Hals und ein schneller Stich in das Genick des Tieres bringt es augenblicklich zu Fall. Ein anschließender Stich in die Halsschlagader gibt noch einiges Blut für den Kelch her, bevor das Herz der Kreatur schließlich den Dienst versagt.

Langsam wendet er sich mit dem Dolch und dem Kelch wieder dem Lethyren zu, um vor ihm Nieder zu knien. Die linke Hand geöffnet setzt er den noch blutigen Dolch an und ritzt sich tief hinein, die Zähne fest aufeinander gebissen, auf der Welle des Schmerzes emporreitend zum Zorn des Vaters. „Ja, Kyr'laex, genieße den Schmerz, nutze ihn und nähre deinen Zorn an ihm. Er wird dich stärken und dem Vater näher bringen.“ Spricht der Jarayan'dolor leise beschwörend auf ihn ein. Die Faust fest zusammengeballt presst das Blut hervor, stetig in den Kelch tropfend, sich mit Wasser und Pantherblut mischend.

Jaryan'dolor nimmt den Schild von dem Tuch und hält ihn dann über den Kelch, damit das Blut auch auf diesen Tropfen könne. „Kyr'laex tropfe dein Blut auf den Schild, durch das Blut wird er an dich gebunden und durch den Segen mit dem Herrn, einem Ahad zur Ehre gereichen.

Nun lege auch dein Hemd ab und nutze den Dolch.“ Ein kurzes Nicken folgt von Kyr'laex und er beginnt sein Hemd über den Kopf zu ziehen, um den Dolch schließlich anzusetzen und mit beinahe geschlossenen Augen und zusammengebissenen Zähnen die Zeichen Alatars auf seine Brust zu ritzen. In zunächst feinen Rinnsalen, schließlich größeren Mengen fließt sein Blut über seinen Bauch und das Kettengeflecht, bis schließlich ein kleiner Teil sogar den Weg auf das Tuch findet. Ein leises Keuchen ist zu vernehmen und der Atem des Lethrixors geht schneller. Die breite Brust hebt und senkt sich, als er durch den Schmerz beinahe in Trance gerät.

Begleitet vom zufriedenen Blick Jaryan'dolors, welcher als Kyr'laex die Verziehrungen vollendet den Schelter hebt ihn auf Kyr'laex Brust richtet und mit einem Wort der Macht schießt ein schmaler Feuerstrahl aus jenem und verbrennt das blutende Fleisch, um die Wunden zu schließen und die Narben für das ganze restliche Leben des Letharen zu erhalten. Leise Rauchsäulen ziehen sich hin zur Höhlendecke. Der Geruch des verbrannten Fleisches liegt in der Luft. Ein leises Stöhnen ist zu vernehmen, als sich der geschundene Körper nach hinten beugt, die Brust weit vorgepresst, die Arme hart angespannt um den Schmerz zu ertragen.

Schwindel trieb sich um in seinem Kopf, der Schmerz war unerträglich und wunderbar zugleich, er konnte spüren, wie er dem Vater näher trat. Jeder Funken Kraft in ihm war notwendig seinen Blick nicht verklären zu lassen, in das dunkle Tal der Bewusstlosigkeit zu versinken. Und so nahm er sich zusammen, biss die Zähne aufeinander und nahm den Krug in seine zitternden Hände.

Bitter schmeckte es, metallisch zog sich die Flüssigkeit durch seine Kehle. Blut des Panther, Blut seiner selbst verdünnt mit Wasser. Sie selbst waren nicht heiliger als jedes andere Blut, doch durch ihre Mischung und dieses Ritual vereinten sie seine Seele mit der Essenz Alatars. Eine neue Welt erhob sich vor seinem inneren Auge, es schien als könnte er sehen, wofür er zuvor Blind war. Er spürte den Vater stärker in sich, heiß brannt der Zorn des Gottes in seinen Adern, schien sie verbrennen zu wollen um sich hinaus in die Welt zu verbreiten. Doch seinen Willen vollstrecken, seinen Zorn in die Welt zu tragen, sie für ihn zu unterwerfen, ihr seine Ordnung zu bringen, dazu wurde er geboren.

Während jener Wandlung lag der Blick des Lethyren auf ihm und er beobachtete dies mit einem stummen Nicken. „Nimm deinen Schild Ahad, trage ihn dem Vater zu Ehren und vollstrecke seinen Willen gegenüber den Ungläubigen.“

Ein wenig fassungslos sah Kyr'laex auf den Schild. Sah dann zu Jaryan'dolor, betrachtete sein Gesicht kurz und griff den Schild schließlich mit einem entschlossenen Griff. „Das werde ich.“

Nun würde er sich auch bei den Menschen das rechtmäßig holen, was er sich erkämpft hatte. Nicht mehr in Vertretung Erians würde er die Bruderschaft führen, sondern aus eigener Autorität heraus.

Und so gab es nur noch ein Hindernis, das zwischen ihm und dem Vater stand, einer der seinen Platz streitig machte, als erster Sohn Alatars. Der Alka selbst.
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Mory'tael
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Registriert: Sonntag 6. September 2015, 14:17

Beitrag von Mory'tael »

Das Blut des Panthers zu vergießen, um sich dem Segen des Vaters hinzugeben kam in den Augen des Mittelethyren der Ketzerei gleich. Ein jeden hätte Mory dafür der Todesfolter übergeben, doch war es diesmal anders. Seine Lehren um den Willen des Vaters waren wohl unvollständig, so es sein eigener Mentor über die Waffen des Lethrixor vergoss. So soll auch dieser Segen, gefestigt durch das Blut, von des Vaters Abbild in Morys Augen Gültigkeit besitzen. Man würde dem obersten Lethrixor den Respekt erweisen den sein Titel ihm zugestand, so sich Mory in aller Demut seiner niederen Stellung als Mittellethyr bewusst vor dem obersten Lethrixor nun zu beugen hätte.

Doch war Mory sich auch durchaus bewusst, das die Zeit der Demut mit der Beendigung seiner Ausbildung enden würde. Sein Ton dem Lethrixor gegenüber müsste sich von dem des Gleichgestellten nun auf den des Dieners ändern und doch ward ihm bewusste welchen Rang er am Ende inne halten würde. Es würde eine Schwere Zeit folgen so jedem Bewusst war um die verschiedenen Vorgehensweisen der beiden Letharen und um die einen oder anderen kleineren Machtspiele. Es erschien Mory recht unklug seine Gedanken ab diesem Tag offen darzulegen so er um seinem Heil willen demütig die Nähe seines Meister suchte.

Die giftigen Versprechungen welche Mory dem Meister machte schienen zu den Schmeicheleien zu passen, die der Meister gern über sich ergehen lies. Es war Mory ein leichtes die zornigen Augen des Meisters auf andere zu lenken, so seinen Augen es schon sahen und Mory nur noch in der offenen Wunde herumstochern brauchte. Immer öfter zischelte der Mittellethyr seinem Aufstieg dank des Meisters Gunst engegenfiebernd Worte wie „Einzig ihr scheint unberührt von dem Einfluss des Getiers, mein Meister.“ Wobei er wohl wissend das Augenmerk des Meisters auf die letharischen Meister der Bruderschaft lenkte. Die Denkweise des Meisters ähnelte dem des Mittelethyren sehr. So war es für Mory nicht schwer jenen für sich einzunehmen, ob dem Eigenschutz für vergangene Taten der Machtspielereien. Wie der Panther es auf der Jagd tut, würde der Mittellethyr abwarten bis er wieder aufrecht zu Stehen vermochte, vor einem jeden Letharen an der Seite der erwürdigen Meister. Den Meistern gleich würde nicht Mory sein Haupt beugen müssen vor niemandem als dem Vater selbst. Dem bewusst lauerte Mory im Dunkel des Nestes, neue Pläne schmiedend.
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