Eine neue Ordnung
Verfasst: Dienstag 17. März 2009, 00:21
Fluchend flog ein Buch durch den Raum, gefolgt von dem nächsten zischenden Worten.
Aiwa, sie war wütend.
Wütend auf die Welt...wütend auf sich selbst. Sie hatte sich diese verdammte Gabe nicht ausgesucht! Hatte nie vorgehabt, Dinge zu entdecken oder zu erforschen! Sphären...Welten, das Lied...! Wörter umwölkten sie wie ein Mottenschwarm und vernebelten ihre Gedanken.
Langsam richtete sie sich mit einem Durchatmen auf und schritt durch den Raum, um das Buch aufzuheben. Eine kleine Macke war am Einband zu erkennen, die Seiten jedoch waren verschont geblieben vor dem unfreiwilligen Flug durch die Luft. Das braune Augenpaar besah sich kurz den Titel und legte den Band dann ruhig auf ihrer Kommode ab, die man ihr ihm Harem zur Verfügung gestellt hatte. Langsam fuhren die Finger über das Holz, suchten sich ihren Weg zu der ersten Schublade und dem Holzknauf, ehe sie die Lade aufzog. Dutzende von Pergamentblättern, unbeschrieben, mischten sich mit beklecksten und notizenhaften Unterlagen. Harsch fegte sie die Papiere zur Seite und holte eine Ledermappe hervor, mit der sie sich aus dem Zimmer wieder verzog.
Die Sonne war gerade am Untergehen, sodass der Wind angenehm auf der bloßen Haut war im Freien. Im Garten des Erhabenen durfte sie sich glücklicherweise auch so bewegen, wie im restlichen Areal des Harems, sodass der Stoff um ihre Beine eher knapp bemessen, das Gesicht frei von jedem Stoff war, die dunklen Haare offen den Nacken hinabfliessen konnten. Unter einer Palme, mit dem Rücken gen Gemäuer, setzte sie sich in den Schatten in einen gemütlichen Schneidersitz und legte die Mappe in den Schoß. Feines Leder, gehalten von einem flexiblen Garn. Sie hatte jene Mappe damals von ihrer Mara erhalten, bevor sie ihre Lehre begann in Menek’Ur.
In Gedanken korrigierte sie sich: „Die _erste_ Lehre...nun musst du eine neue beginnen.“
Die schlanken Finger striffen den Faden zur Seite und die Kladde wurde geöffnet. Ordentliche Blätter, glatt und ohne jedes Eselsohr, wurden sichtbar. Auf ihnen....Schnittmuster, Vorlagen für Kleider und deren Farbvorschläge. Wehmütig strich die Hand über jede Zeichnung.
Verboten war es ihr geworden...vom Emir persönlich. Und von Zhenzrael...Sie wusste nicht, wem sie es übler nehmen sollte, wusste nur, dass sie mehr und mehr nicht wusste, wen sie da eigentlich heiraten würde. Er wollte sie kontrollieren...stärker als zuvor. Ein tiefes Durchatmen war zu vernehmen, als sie ihre Gedanken in jene Richtung schweifen ließ beim Anblick der Zeichnungen. Er musste ahnen, wie neu jenes Terrain für sie war und wie unsicher sie sich darin fühlte. Seit jeher war die Familie der Yazir eine von Begabten und mächtigen Männern dominierte Sippe. Viele hatten mit ihren Fähigkeiten vieles vollbracht. Raakin...einer der mächtigsten Magier, dem Erhabenen ebenbürtig. Fadi...Oberhaupt der Familie und der Familie Omar ebenso nahe.
Er wusste es...und nutzte es.
Ein Schauer durchfuhr sie, als sie an sein Haus dachte. Aiwa...sie war lange nicht mehr dort gewesen und noch immer widerstand sie dem Drang, dass die Nackenhaare sich aufstellten. Teppiche....nicht von ihr. Vorhänge...nicht von ihr...die Farben kalt, die Wände kahl. Dort sollten einmal ihre Kinder aufwachsen; dort, in einem viel zu kleinen Haus....nur weil er Erinnerungen dazu hatte!
Mit einem tiefen Durchatmen schob sie die Unterlagen wieder ordentlich zusammen und schloss bedächtig die Kladde wieder. Sie war wütend, verwirrt und unendlich enttäuscht. Sie hatte geahnt, dass ihre Rückkehr einiges von ihr fordern würde; hatte gewusst, dass sie sich umstellen müsste. Doch der Preis, den sie bezahlte, war viel höher...höher, als sie je gedacht hatte.
Ein weiteres Mal fuhren die Finger über das Leder und deren Oberfläche, tasteten die Nieten an der Seite ab, ehe sie die Mappe zur Seite legte und die Augen schloss.
Gefühle wirbelten weiter in ihr auf und je mehr sie sich darauf einließ, umso mehr ließ sie sich davon leiten. Die Fäden tauchten vor ihr auf, woben hin und her. Wie selbstverständlich webte sie alles zusammen, bündelte ihre Gefühle.
Im nächsten Moment vernahm sie ein Aufquieksen aus den Baderäumen des Harems über ihr, nur um Sekunden später prasselnd von einem Schwall Wasser begossen zu werden. Ungläubig sah sie an sich herab, blickte auf die nassen Kleider und die tropfenden Palmblätter über ihr. Köpfe lugten aus dem Fenster und aufgeregt tuschelten die Mädchen über den Wasserball, der sich aus dem Bad gebildet und herausgeschwebt war.
Leicht huschte ein Lächeln über ihre Lippen, als sie nach der Kladde griff und langsam, pitschnass, sich ihren Weg wieder in die Räume suchte, um sich umzukleiden und die Mappe zu verstecken.
Zumindest hatte sie ihr Element gefunden...es war ein erster Schritt in eine neue Ordnung.
Aiwa, sie war wütend.
Wütend auf die Welt...wütend auf sich selbst. Sie hatte sich diese verdammte Gabe nicht ausgesucht! Hatte nie vorgehabt, Dinge zu entdecken oder zu erforschen! Sphären...Welten, das Lied...! Wörter umwölkten sie wie ein Mottenschwarm und vernebelten ihre Gedanken.
Langsam richtete sie sich mit einem Durchatmen auf und schritt durch den Raum, um das Buch aufzuheben. Eine kleine Macke war am Einband zu erkennen, die Seiten jedoch waren verschont geblieben vor dem unfreiwilligen Flug durch die Luft. Das braune Augenpaar besah sich kurz den Titel und legte den Band dann ruhig auf ihrer Kommode ab, die man ihr ihm Harem zur Verfügung gestellt hatte. Langsam fuhren die Finger über das Holz, suchten sich ihren Weg zu der ersten Schublade und dem Holzknauf, ehe sie die Lade aufzog. Dutzende von Pergamentblättern, unbeschrieben, mischten sich mit beklecksten und notizenhaften Unterlagen. Harsch fegte sie die Papiere zur Seite und holte eine Ledermappe hervor, mit der sie sich aus dem Zimmer wieder verzog.
Die Sonne war gerade am Untergehen, sodass der Wind angenehm auf der bloßen Haut war im Freien. Im Garten des Erhabenen durfte sie sich glücklicherweise auch so bewegen, wie im restlichen Areal des Harems, sodass der Stoff um ihre Beine eher knapp bemessen, das Gesicht frei von jedem Stoff war, die dunklen Haare offen den Nacken hinabfliessen konnten. Unter einer Palme, mit dem Rücken gen Gemäuer, setzte sie sich in den Schatten in einen gemütlichen Schneidersitz und legte die Mappe in den Schoß. Feines Leder, gehalten von einem flexiblen Garn. Sie hatte jene Mappe damals von ihrer Mara erhalten, bevor sie ihre Lehre begann in Menek’Ur.
In Gedanken korrigierte sie sich: „Die _erste_ Lehre...nun musst du eine neue beginnen.“
Die schlanken Finger striffen den Faden zur Seite und die Kladde wurde geöffnet. Ordentliche Blätter, glatt und ohne jedes Eselsohr, wurden sichtbar. Auf ihnen....Schnittmuster, Vorlagen für Kleider und deren Farbvorschläge. Wehmütig strich die Hand über jede Zeichnung.
Verboten war es ihr geworden...vom Emir persönlich. Und von Zhenzrael...Sie wusste nicht, wem sie es übler nehmen sollte, wusste nur, dass sie mehr und mehr nicht wusste, wen sie da eigentlich heiraten würde. Er wollte sie kontrollieren...stärker als zuvor. Ein tiefes Durchatmen war zu vernehmen, als sie ihre Gedanken in jene Richtung schweifen ließ beim Anblick der Zeichnungen. Er musste ahnen, wie neu jenes Terrain für sie war und wie unsicher sie sich darin fühlte. Seit jeher war die Familie der Yazir eine von Begabten und mächtigen Männern dominierte Sippe. Viele hatten mit ihren Fähigkeiten vieles vollbracht. Raakin...einer der mächtigsten Magier, dem Erhabenen ebenbürtig. Fadi...Oberhaupt der Familie und der Familie Omar ebenso nahe.
Er wusste es...und nutzte es.
Ein Schauer durchfuhr sie, als sie an sein Haus dachte. Aiwa...sie war lange nicht mehr dort gewesen und noch immer widerstand sie dem Drang, dass die Nackenhaare sich aufstellten. Teppiche....nicht von ihr. Vorhänge...nicht von ihr...die Farben kalt, die Wände kahl. Dort sollten einmal ihre Kinder aufwachsen; dort, in einem viel zu kleinen Haus....nur weil er Erinnerungen dazu hatte!
Mit einem tiefen Durchatmen schob sie die Unterlagen wieder ordentlich zusammen und schloss bedächtig die Kladde wieder. Sie war wütend, verwirrt und unendlich enttäuscht. Sie hatte geahnt, dass ihre Rückkehr einiges von ihr fordern würde; hatte gewusst, dass sie sich umstellen müsste. Doch der Preis, den sie bezahlte, war viel höher...höher, als sie je gedacht hatte.
Ein weiteres Mal fuhren die Finger über das Leder und deren Oberfläche, tasteten die Nieten an der Seite ab, ehe sie die Mappe zur Seite legte und die Augen schloss.
Gefühle wirbelten weiter in ihr auf und je mehr sie sich darauf einließ, umso mehr ließ sie sich davon leiten. Die Fäden tauchten vor ihr auf, woben hin und her. Wie selbstverständlich webte sie alles zusammen, bündelte ihre Gefühle.
Im nächsten Moment vernahm sie ein Aufquieksen aus den Baderäumen des Harems über ihr, nur um Sekunden später prasselnd von einem Schwall Wasser begossen zu werden. Ungläubig sah sie an sich herab, blickte auf die nassen Kleider und die tropfenden Palmblätter über ihr. Köpfe lugten aus dem Fenster und aufgeregt tuschelten die Mädchen über den Wasserball, der sich aus dem Bad gebildet und herausgeschwebt war.
Leicht huschte ein Lächeln über ihre Lippen, als sie nach der Kladde griff und langsam, pitschnass, sich ihren Weg wieder in die Räume suchte, um sich umzukleiden und die Mappe zu verstecken.
Zumindest hatte sie ihr Element gefunden...es war ein erster Schritt in eine neue Ordnung.