Fluchend flog ein Buch durch den Raum, gefolgt von dem nächsten zischenden Worten.
Aiwa, sie war wütend.
Wütend auf die Welt...wütend auf sich selbst. Sie hatte sich diese verdammte Gabe nicht ausgesucht! Hatte nie vorgehabt, Dinge zu entdecken oder zu erforschen! Sphären...Welten, das Lied...! Wörter umwölkten sie wie ein Mottenschwarm und vernebelten ihre Gedanken.
Langsam richtete sie sich mit einem Durchatmen auf und schritt durch den Raum, um das Buch aufzuheben. Eine kleine Macke war am Einband zu erkennen, die Seiten jedoch waren verschont geblieben vor dem unfreiwilligen Flug durch die Luft. Das braune Augenpaar besah sich kurz den Titel und legte den Band dann ruhig auf ihrer Kommode ab, die man ihr ihm Harem zur Verfügung gestellt hatte. Langsam fuhren die Finger über das Holz, suchten sich ihren Weg zu der ersten Schublade und dem Holzknauf, ehe sie die Lade aufzog. Dutzende von Pergamentblättern, unbeschrieben, mischten sich mit beklecksten und notizenhaften Unterlagen. Harsch fegte sie die Papiere zur Seite und holte eine Ledermappe hervor, mit der sie sich aus dem Zimmer wieder verzog.
Die Sonne war gerade am Untergehen, sodass der Wind angenehm auf der bloßen Haut war im Freien. Im Garten des Erhabenen durfte sie sich glücklicherweise auch so bewegen, wie im restlichen Areal des Harems, sodass der Stoff um ihre Beine eher knapp bemessen, das Gesicht frei von jedem Stoff war, die dunklen Haare offen den Nacken hinabfliessen konnten. Unter einer Palme, mit dem Rücken gen Gemäuer, setzte sie sich in den Schatten in einen gemütlichen Schneidersitz und legte die Mappe in den Schoß. Feines Leder, gehalten von einem flexiblen Garn. Sie hatte jene Mappe damals von ihrer Mara erhalten, bevor sie ihre Lehre begann in Menek’Ur.
In Gedanken korrigierte sie sich: „Die _erste_ Lehre...nun musst du eine neue beginnen.“
Die schlanken Finger striffen den Faden zur Seite und die Kladde wurde geöffnet. Ordentliche Blätter, glatt und ohne jedes Eselsohr, wurden sichtbar. Auf ihnen....Schnittmuster, Vorlagen für Kleider und deren Farbvorschläge. Wehmütig strich die Hand über jede Zeichnung.
Verboten war es ihr geworden...vom Emir persönlich. Und von Zhenzrael...Sie wusste nicht, wem sie es übler nehmen sollte, wusste nur, dass sie mehr und mehr nicht wusste, wen sie da eigentlich heiraten würde. Er wollte sie kontrollieren...stärker als zuvor. Ein tiefes Durchatmen war zu vernehmen, als sie ihre Gedanken in jene Richtung schweifen ließ beim Anblick der Zeichnungen. Er musste ahnen, wie neu jenes Terrain für sie war und wie unsicher sie sich darin fühlte. Seit jeher war die Familie der Yazir eine von Begabten und mächtigen Männern dominierte Sippe. Viele hatten mit ihren Fähigkeiten vieles vollbracht. Raakin...einer der mächtigsten Magier, dem Erhabenen ebenbürtig. Fadi...Oberhaupt der Familie und der Familie Omar ebenso nahe.
Er wusste es...und nutzte es.
Ein Schauer durchfuhr sie, als sie an sein Haus dachte. Aiwa...sie war lange nicht mehr dort gewesen und noch immer widerstand sie dem Drang, dass die Nackenhaare sich aufstellten. Teppiche....nicht von ihr. Vorhänge...nicht von ihr...die Farben kalt, die Wände kahl. Dort sollten einmal ihre Kinder aufwachsen; dort, in einem viel zu kleinen Haus....nur weil er Erinnerungen dazu hatte!
Mit einem tiefen Durchatmen schob sie die Unterlagen wieder ordentlich zusammen und schloss bedächtig die Kladde wieder. Sie war wütend, verwirrt und unendlich enttäuscht. Sie hatte geahnt, dass ihre Rückkehr einiges von ihr fordern würde; hatte gewusst, dass sie sich umstellen müsste. Doch der Preis, den sie bezahlte, war viel höher...höher, als sie je gedacht hatte.
Ein weiteres Mal fuhren die Finger über das Leder und deren Oberfläche, tasteten die Nieten an der Seite ab, ehe sie die Mappe zur Seite legte und die Augen schloss.
Gefühle wirbelten weiter in ihr auf und je mehr sie sich darauf einließ, umso mehr ließ sie sich davon leiten. Die Fäden tauchten vor ihr auf, woben hin und her. Wie selbstverständlich webte sie alles zusammen, bündelte ihre Gefühle.
Im nächsten Moment vernahm sie ein Aufquieksen aus den Baderäumen des Harems über ihr, nur um Sekunden später prasselnd von einem Schwall Wasser begossen zu werden. Ungläubig sah sie an sich herab, blickte auf die nassen Kleider und die tropfenden Palmblätter über ihr. Köpfe lugten aus dem Fenster und aufgeregt tuschelten die Mädchen über den Wasserball, der sich aus dem Bad gebildet und herausgeschwebt war.
Leicht huschte ein Lächeln über ihre Lippen, als sie nach der Kladde griff und langsam, pitschnass, sich ihren Weg wieder in die Räume suchte, um sich umzukleiden und die Mappe zu verstecken.
Zumindest hatte sie ihr Element gefunden...es war ein erster Schritt in eine neue Ordnung.
Eine neue Ordnung
-
Nasira Masari
„Plitsch, plitsch...“ noch immer tropften die nassen Stoffe, hinterließen kleine Pfützen auf den Fliesen in dem Bad des Harems. Sie hatte sich redlich bemüht, die Stoffe ausgewrungen und dann erst an dem Fenstersims aufgehängt...und trotzdem waren sie mehr als nass und würden wohl erst mit der nächsten Mittagshitze endgültig trocknen.
Ein leichtes Nachthemd bedeckte den schlanken, zierlichen Körper, während sie auf einem weiteren Fenstersims saß und die Haare trocknete mit einem Handtuch.
„.. wie die aufgehende Sonne... und die Abenddämmerung, schöner als das Morgenrot...“, unwillkürlich huschten die Worte durch ihren Schopf, als ein leichtes Lächeln sich auf die Lippen legte. Sie hatte schon lange nicht mehr solche Worte gehört und solch ein Empfinden gehabt. So eine Scham, eine Verlegenheit. Mit einem tiefen Einatmen strich sie das seidig schimmernde schwarze Haar in den Nacken und lehnte sich mit dem Rücken an die kühle Säule, um den Blick in den verhangenen Sternenhimmel zu lenken. Der Abend hatte sie weiter gebracht, so oder so. Sie hatte unbewusst wieder Eingriffe in das Lied geführt und wurde immer besser darin, es zu spüren und langsam zu lenken. Sie bekam das Gefühl, das Gespür...auch wenn ihr der Sinn des Ganzen immer noch wie ein Geheimnis schien.
Und dann war da er...der mehr in ihr sah, als er durfte. Wieder wallte diese Wärme in ihren Wangen auf und ließ kurz den Wunsch aufkommen, wieder das Wasser der Oase um sich herum zu spüren, welches diesen Schauer im Nacken hinterließ. Leise glitt ein sonorer Ton über die Lippen, als sie das Handtuch in den Nacken gleiten ließ und sich barfuß den Weg aus dem Bad suchte. Sie huschte an dem Schlafsaal vorbei, machte einen Bogen um die Gruppe junger Mädchen, die noch leise kichernd sich unterhielt und nahm schließlich rasch die Stufen einer Holzleiter hinauf auf das flache Dach des Palastes. Ein leichter Wind spielte mit dem Stoff an ihrem Körper und dem losen Haar, während sie sich an den Rand des Daches setzte und die Beine baumeln ließ.
Du bist eine Frau, die einem Mann versprochen wurde. Dein Radeh wollte es so!
Wieder dieses tiefe Einatmen, als sie den Traum beiseite schob und sich der Realität stellte. Sie war inmitten eines Tanzes mit dem Feuer und sie wusste nur zu gut darum. Sie hatte sich schon so oft die Finger verbrannt und nur zu gut hatte sie in ihrem Herzen eine Leidenschaft eingeschlossen, welche sie nie an die Öffentlichkeit bringen durfte und wollte. Ruhig fuhr sie sich durch den Haaransatz, strich vergebens das Haar nach hinten, welches vom Wind wieder nach oben und in ihre Stirn geweht wurde.
„Glaubst du die Sitte hat mich zu dem gemacht was ich heute bin? Eine Mischung aus öffentlichem Anstand und ehrgeizigem selbstlosen Eigensinn gibt das Erfolgsrezept.. Nasira...“ Aiwa, er würde sie sicher auch nur nutzen wollen. Sie musste es sich einreden, um nicht in eine verfängliche Falle zu tappen. Zu viel hatte er schon von ihr gesehen...ihr Gesicht. Rasch ließ sie die Luft scharf entweichen und drückte den Rücken durch, als sie eine Windsalve dagegen wehen spürte. Er würde es sicher zu nutzen wissen... aiwa, Angst und Nervosität huschten durch den Körper, als sie daran dachte, nur um im nächsten Moment wieder durch eine andere Erregung getauscht zu werden. Das Augenpaar von ihm...ein leises Seufzen verließ die Kehle. Nun weiß ich, was man meint, wenn sie von meinen Augen reden....Dieses Funkeln so intensiv, um darin zu versinken. Seine Stimme sanft, warm....voller Lob und Aufmunterung. Sie bestärkten einen, ließen einen auflächeln.
Und wenn schon....du darfst nicht...! Unruhig drückte sie sich wieder auf und huschte das Dach hinunter, um an der Terasse zu verharren und mit den Fingern auf dem Sandstein rumzutrippeln.
Sie war Zhenzrael versprochen und sie würde ihn heiraten. Ihr Geburtstag war in unmittelbare Nähe gerückt und schon im nächsten Wochenlauf wäre der Tag, an dem er jederzeit in den Palast kommen konnte und den Erhabenen darum bitten, sie mitzunehmen. Sie konnte das Andenken ihres Vaters nicht beschmutzen, durfte nicht Ungehorsam sein und musste sich dem beugen. Sie musste Zhenzrael nun so akzeptieren, wie ihn die letzten zwei Jahre gemeißelt hatten: Unnahbar, fern... sie würde ihn nie dazu bringen können, zu träumen. Aber sie würde ihm eine gute Frau sein.
Lifah war neben sie getreten, um ihr eine leichte Leinendecke um die Schultern zu legen. Erst jetzt bemerkte sie, wie kalt es eigentlich geworden war und sie nickte ihr dankend zu, um sich mit ihr zusammen wieder in die Räume des Harems zu begeben.
Doch der Blick auf die sich trocknenden Klamotten belehrten sie eines besseren, als sich ihr Magen krampfhaft verzog und sie ein leichtes Kribbeln spürte... es war nicht einfach, standhaft zu bleiben.
Ein leichtes Nachthemd bedeckte den schlanken, zierlichen Körper, während sie auf einem weiteren Fenstersims saß und die Haare trocknete mit einem Handtuch.
„.. wie die aufgehende Sonne... und die Abenddämmerung, schöner als das Morgenrot...“, unwillkürlich huschten die Worte durch ihren Schopf, als ein leichtes Lächeln sich auf die Lippen legte. Sie hatte schon lange nicht mehr solche Worte gehört und solch ein Empfinden gehabt. So eine Scham, eine Verlegenheit. Mit einem tiefen Einatmen strich sie das seidig schimmernde schwarze Haar in den Nacken und lehnte sich mit dem Rücken an die kühle Säule, um den Blick in den verhangenen Sternenhimmel zu lenken. Der Abend hatte sie weiter gebracht, so oder so. Sie hatte unbewusst wieder Eingriffe in das Lied geführt und wurde immer besser darin, es zu spüren und langsam zu lenken. Sie bekam das Gefühl, das Gespür...auch wenn ihr der Sinn des Ganzen immer noch wie ein Geheimnis schien.
Und dann war da er...der mehr in ihr sah, als er durfte. Wieder wallte diese Wärme in ihren Wangen auf und ließ kurz den Wunsch aufkommen, wieder das Wasser der Oase um sich herum zu spüren, welches diesen Schauer im Nacken hinterließ. Leise glitt ein sonorer Ton über die Lippen, als sie das Handtuch in den Nacken gleiten ließ und sich barfuß den Weg aus dem Bad suchte. Sie huschte an dem Schlafsaal vorbei, machte einen Bogen um die Gruppe junger Mädchen, die noch leise kichernd sich unterhielt und nahm schließlich rasch die Stufen einer Holzleiter hinauf auf das flache Dach des Palastes. Ein leichter Wind spielte mit dem Stoff an ihrem Körper und dem losen Haar, während sie sich an den Rand des Daches setzte und die Beine baumeln ließ.
Du bist eine Frau, die einem Mann versprochen wurde. Dein Radeh wollte es so!
Wieder dieses tiefe Einatmen, als sie den Traum beiseite schob und sich der Realität stellte. Sie war inmitten eines Tanzes mit dem Feuer und sie wusste nur zu gut darum. Sie hatte sich schon so oft die Finger verbrannt und nur zu gut hatte sie in ihrem Herzen eine Leidenschaft eingeschlossen, welche sie nie an die Öffentlichkeit bringen durfte und wollte. Ruhig fuhr sie sich durch den Haaransatz, strich vergebens das Haar nach hinten, welches vom Wind wieder nach oben und in ihre Stirn geweht wurde.
„Glaubst du die Sitte hat mich zu dem gemacht was ich heute bin? Eine Mischung aus öffentlichem Anstand und ehrgeizigem selbstlosen Eigensinn gibt das Erfolgsrezept.. Nasira...“ Aiwa, er würde sie sicher auch nur nutzen wollen. Sie musste es sich einreden, um nicht in eine verfängliche Falle zu tappen. Zu viel hatte er schon von ihr gesehen...ihr Gesicht. Rasch ließ sie die Luft scharf entweichen und drückte den Rücken durch, als sie eine Windsalve dagegen wehen spürte. Er würde es sicher zu nutzen wissen... aiwa, Angst und Nervosität huschten durch den Körper, als sie daran dachte, nur um im nächsten Moment wieder durch eine andere Erregung getauscht zu werden. Das Augenpaar von ihm...ein leises Seufzen verließ die Kehle. Nun weiß ich, was man meint, wenn sie von meinen Augen reden....Dieses Funkeln so intensiv, um darin zu versinken. Seine Stimme sanft, warm....voller Lob und Aufmunterung. Sie bestärkten einen, ließen einen auflächeln.
Und wenn schon....du darfst nicht...! Unruhig drückte sie sich wieder auf und huschte das Dach hinunter, um an der Terasse zu verharren und mit den Fingern auf dem Sandstein rumzutrippeln.
Sie war Zhenzrael versprochen und sie würde ihn heiraten. Ihr Geburtstag war in unmittelbare Nähe gerückt und schon im nächsten Wochenlauf wäre der Tag, an dem er jederzeit in den Palast kommen konnte und den Erhabenen darum bitten, sie mitzunehmen. Sie konnte das Andenken ihres Vaters nicht beschmutzen, durfte nicht Ungehorsam sein und musste sich dem beugen. Sie musste Zhenzrael nun so akzeptieren, wie ihn die letzten zwei Jahre gemeißelt hatten: Unnahbar, fern... sie würde ihn nie dazu bringen können, zu träumen. Aber sie würde ihm eine gute Frau sein.
Lifah war neben sie getreten, um ihr eine leichte Leinendecke um die Schultern zu legen. Erst jetzt bemerkte sie, wie kalt es eigentlich geworden war und sie nickte ihr dankend zu, um sich mit ihr zusammen wieder in die Räume des Harems zu begeben.
Doch der Blick auf die sich trocknenden Klamotten belehrten sie eines besseren, als sich ihr Magen krampfhaft verzog und sie ein leichtes Kribbeln spürte... es war nicht einfach, standhaft zu bleiben.