Calcenia saß in ihrem kleinen Zimmer und schaute stumm vor sich auf den Boden. Leise klagte ihre Lady ihr Leid, während Cals Magen knurrte. Die letzten gefundenen Birnen hatte Viktor bekommen, damit das arme Pferd nicht auch hungern musste. Sie war froh, dass Dunja ihr Viktor überlassen hatte, mit ihrem zerschlagenen Fuß konnte sie nur mühsam humpeln, da war ein Pferd mehr als alles Gold wert.
Dunja, liebe, liebe Dunja... ohne sie wäre sie wohl schon verhungert und verzweifelt. Aber sie wollte nicht noch länger auf ihrer Tasche liegen, zu viel hatte Dunja schon für sie ausgegeben. Und reich war sie bei weitem nicht.
Das Gold, dass sie als Lohn von Herrn Mandark – nein, sie wollte ihn ja Bravan nennen – den Lohn den sie für den Abend bekommen hatte, als sie ihm und seiner Begleitung zum Essen aufspielte, hatte sie für neue Kleider und zwei Schellen ausgegeben, davon war nichts mehr übrig.
Irgendwie ging sie falsch an alles heran, nichts klappte, wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie hatte so gehofft, sich etwas Gold durch ihr Spiel in der Taverne zu verdienen, aber scheinbar traf sie nicht den Geschmack der Leute. Oder wenn doch, nahmen die es als selbstverständlich hin, hörten zwar zu, aber weder Zustimmung noch gar Beifall waren selten zuhören. Einmal hatte sie ein Buch bekommen als Dank, ein andres mal eine Handvoll Goldmünzen, zu wenig, um sich damit auch nur ein paar Stücke Brot zukaufen. Von zu hause kannte sie es so, dass die fahrenden Musikanten und Barden wenigstens was zu Trinken und Essen erhielten für ihre Musik, und meistens hatten sie auch gutes Gold erhalten für die Unterhaltung der Leute. Sie selbst hatte oft genug einen prall gefüllten Beutel gegeben, damals zu hause am Hof ihres Vaters oder beim Besuch der Gaststätten im Dorf.
Aber irgendwie gehörte sie hier nicht hin, in dieses raue Dorf. Die Männer versetzen sie immer noch in Panik, und auch ein Teil der Frauen machte ihr Angst. Aber wohin sollte sie sonst? Sie war keine Freiin vom Silberfjord mehr, mit ihrem Bruder war der Titel und das Lehen verfallen. Sie hatte kein Recht, sich an den Adel hier zuwenden und um Unterschlupf zu bitten, vor allem kannte sie keinen. Und Seine Gnaden, der Graf von Arganta, dachte sicherlich nur noch mit Verachtung an sie, wenn überhaupt. So wie sie bei der einzigen Begegnung mit ihm reagiert hatte.. .
Das Lied ihre Lady wurde noch melancholischer, bis sie mit einem kurzen Klaps auf den Klangkörper das Lied beendete. Es hatte keinen Sinn, sich noch mehr runter zu ziehen lassen, sie steckte schon tief genug drinnen. Irgendwann würde es besser werden, vielleicht würde sie einen Sponsor finden, oder Leute, die sie engagieren würden. Sie müsste nur bekannter werden. Irgendwann würde sie sich auch wieder an Männer gewöhnen, so dass sie nicht gleich vor Panik davon lief, wenn ein Fremder käm und sie anspräch.