Die Sonne versank langsam am Horizont und tauchte Varuna in ein rötliches Licht. Die letzten Sonnenstrahlen schienen durch das Fenster des Stadthauses derer von Hohenfels und Viola öffnete die Augen. Sie lebten nun innerhalb der Stadtmauern, aufgrund der Sicherheit und den Problemen mit den rahalischen Streitkräften innerhalb der letzten Zeit. Langsam richtete sie sich auf, stieg aus dem Bett und schlüpfte in ihre Klamotten ehe sie vor einem Spiegel halt machte und sich darin betrachtete. Die junge Frau die ihr nun entgegen blickte ließ sie aufseufzen; Viola war dürr geworden, wenn nicht gar abgemagert. Ihr Doublet, welches sie immer trug, war ihr mittlerweile schon fast zu groß und wenn sie jenes anhob konnte sie stellenweise die eigenen Rippen erkennen; kein sehr schöner Anblick und sie erschrak beinahe vor sich selbst. Ihre extreme Dürrheit war das Ergebnis einer langen Reise gewesen die vor einigen Monden anfing und vor gut einer Woche ihr Ende gefunden hatte.
Damals hatte sie die Botschaft bekommen; ihre Schwester, verstorben, jener Mensch der aus ihrer Familie noch übrig geblieben war, jener Mensch den sie zu dieser Zeit als letzte Ser'Rhal neben sich selbst sah. Sie hatte das Begräbnis besucht und war zurückgekehrt, und alles was sie erfüllte war eine innere Leere. Tagein, tagaus war sie ihrer Arbeit nachgegangen aber es war alles trostlos geworden, leer und vielleicht war dies auch der Grund weswegen sie los gezogen war, fort in die Wildnis.
Die ersten Wochen hatte sie die näheren Ländereien bewandert, doch Violas Pfade führten sie immer weiter gen Norden, ohne wirklich zu wissen wohin sie wollte, ohne ein richtiges Ziel aber seltsamerweise trieb sie jene Wanderschaften an. Doch jene Abgeschiedenheit, jene langen Wanderungen forderten auch ihren Tribut; die Jagdmöglichkeiten waren gerade im Winter alles andere als ideal und so hatte sie angefangen sich an das wenige essen zu gewöhnen, den Körper darauf einzustellen, dass nur das Nötigste kommen würde. Neben dem wenigen Essen kam der eisige Winter erschwerend dazu, eisige Winde, kalte Nächte und doch; Viola kehrte nicht um, sie hatte noch nicht erreicht was sie suchte und erst nach einer gefühlten halben Ewigkeit hatte sie es erreicht:
Der Wald hatte geendet, die Bäume wurden immer weniger und vor der jungen Frau erstreckte sich eine lange und gähnende Ödnis. Totes Gras, weite Ebenen ohne auch nur ein bisschen Leben präsentierten sich ihr und dieser Anblick war es, der ihr weiterhalf. Das,was vor ihr lag war nichts anderes als ihre eigenen Gefühlswelt, ihr eigener Geist der verendet war in den letzten Monden und nun gab es zwei Möglichkeiten; sie konnte weiterlaufen, hinaus in diese öde Weite und dort würde sie früher oder später verenden … oder sie konnte umdrehen zu den Dingen die ihr lieb waren und wieder an sich arbeiten.
„Vio, du bist wieder zurück ...“ hatte Luca gesagt und ja, das war sie gewesen, zurück zu Hause, zurück bei den Menschen die ihr wichtig waren. Die nächste Hürde bestand nun darin, ihren Körper wieder aufzupäppeln, was einfacher klang als es war. Der Wille zum Essen war zwar da, jedoch trieb ihr beinahe jeder Bissen Fleisch oder ähnlichem die Übelkeit nur so hinauf, gerade in den ersten Tagen aß sie nie mehr als ein Stückchen Brot oder einen Bissen von dem Fleisch welches Luca ihr immer so vehement vorgesetzt hatte. Aber es würde noch funktionieren, sie würde wieder zunehmen, sie würde wieder gänzlich zu Kräften kommen … sie hatte wieder allen Lebenswillen zusammen.