Wie jeden Tag hatte sie ihr Bad genommen. Der betörende Duft von dunklen Rosen, den sie so sehr liebte, breitete sich nach und nach in dem kleinen Bade raum aus. Esther hatte ihr gezeigt wie man diese besondere Seife zubereitet. Bei Vollmond musste diese besondere Art von Rosen geschnitten werden, dann entfaltet sich der Duft und blieb auch in der Seife.
Wie so oft erinnerte sich jede Kleinigkeit an ihre Familie und alleine der Anblick der Seife und deren Duft ließ hatten die Wirkung sein Bildnis in ihr wach zu rufen. Ihr schöner Bruder Rahel mit seinen unverwechselbaren herben aber dennoch so schönen feinen Zügen, das dunkle Feuer seiner Augen, die sich tief in ihr Herz eingebrannt hatte. Augen, die so anders waren als die ihren, tief und schwarz wie geheimnisvolle Seen des Nachts. Die langen schwarzen Locken aus denen verwegen am rechten Ohr der silberne Ohrring, verziert mit dem gleichen Stein, den sie an einer Kette um den Hals trug, hervor blitzte. All das vermisste sie, nur wenn sie die Augen schloss, dann spielten sich die Bilder dieser gemeinsamen kostbaren Zeit vor ihren Augen ab. Wie sie im Bach wie unbändige Kinder herumtollten, sich anspritzten, wie er behutsam ihre langen dunklen Locken berührte es zelebrierte sie mit der Rosenseife zu waschen um dann den Duft der ihren Körper und das Haar wie ein zarter Schleier betörend und sinnlich einhüllte, tief einzuatmen, wie sie dann erschöpft auf einer Decke Seite an Seite sich von der Sonne trocknen zu lassen. Wie seine und ihre Hand sich umfassten und festhielten, die Berührung des anderen suchend bis Esthers Stimme sie in die Realität holte.
Und in jenen ganz besonderen Momenten des Tags, war er ihr wieder nahe, greifbar und sie war glücklich.
Nach dem Bad hatte sie sich nach Bajard begeben um nach Dunja zu sehen.
Beschwingt und verträumt noch wollte sie sich von den Bildern nicht lösen und war eher schweigsam an jenem Abend. Eine sonderbare Mischung aus Trauer, Glück und Sehnsucht erfüllte sie zu dem noch der Duft der dunklen Rosen ihres dazutat. Dunjas Worte flogen an ihr vorbei wie Vögel im Herbst die einen Unterschlupf für den nahenden Winter suchen. Und irgendwie war sie froh als Dunjas Freundin dann kam und sie unter einem Vorwand, welchen den wusste sie nicht mehr, an einem anderen Tisch Platz nehmen konnte um das Treiben der Schneeflocken durch das Fester der Taverne zu betrachten und dabei zu träumen. Es dauerte nicht lange da wurde sie erneut aus ihren Tagträumen gerissen. Dieser Herr P., ja sie kannte ihn, hatte ihre Unterstützung bei seinem Training sogar angeboten, nur jetzt wie ein Nebel der sich in jenem Augenblick, als er an ihrem Tisch Platz nahm niederließ, hörte sie zwar die höflichen unverbindlichen Phrasen, aber sie drangen nicht so recht zu ihr. Sie sah Rahel vor sich und unwillkürlich beugte sie sich nach vorne, um sanft Worte an ihn zu richten, da bemerkte sie den Mann, Herrn P., wie sie ihn heimlich nannte, der nicht ihr Bruder war und sie zog sich enttäuscht und traurig zurück.
Die Traurigkeit wollte nicht mehr weichen, mit jedem Wort, das der Mann äußerte, wurde sie tiefer und ihr bewusst, dass keiner ihm je auch nur einen Deut gleichen würde. Nicht so fesselnd war in ausschmückenden Ereignissen des Tages, die mit vielen vertrauten Handbewegungen unterstrichen wurden. So war eben Rahel. Aber sie durfte das nicht zeigen, denn dann kämen Fragen auf die sie keine Antwort wusste, oder besser gesagt, nicht antworten wollte. Nicht jetzt. Nicht in dieser Stimmung.
Mehr oder weniger unbewusst hatte sie dann dem Mann am Tisch mit höflichen aber distanzierten Worten angedeutet, dass sie nicht länger mehr seine Zeit in Anspruch nehmen wollte,. umso mehr er nach seiner Freundin, die krank daniederlag besorgt war und sich kümmern musste. Wobei sie sich nun, nicht mehr so sicher war, ob ihre Worte ihn verletzt haben, andererseits waren sie höflich gewesen und sie hatte sogar ein wenig dabei gelächelt. Er hatte auch das Lächeln erwidert, nicht gerade ehrlich war es, das deuteten seine Augen ihr an, aber sie brauchte sein Lächeln nicht, hatte sie doch jenes, unbeschreiblich warme ihres Bruders vor Augen. Ein Lächeln wie die Sonnenstrahlen des neungeborenen Tages, das sanft deine Wangen berührt und sie streichelt. Ein Lächeln, das sie bisher nur bei einem gesehen hatte, und der war kein Mensch.
Bitterlich geweint hatte sie dann als Dunja kam und sie ihr unter Schluchzen dann ihren Bruder beschrieben hatte.
Das Einzigartige, das sie vermisste, besonders nach dem Bad, was sie ihr aber verschweigen hatte. So kam auch dieser Tag zu einem Ende und es war kein besonders guter gewesen. Dennoch erfüllte Hoffnung ihr Herz als sie am Lagerfeuer dann noch Schneeflocken mit der Zunge auffing und das Feuer beruhigend knisterte. Gehüllt in Fellen und Decken fand sie endlich Ruhe und den nötigen Schlaf im Wald.