Alles Banane!

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Dern´xulvor

Alles Banane!

Beitrag von Dern´xulvor »

In Gedanken sah er Blut, freigelegte Organe, separierte Muskelstränge, Knochen... den Geruch des fauligen Fleisches von dem schon etwas älteren Corpus blendete er großzügig aus. Spielte auch keine Rolle. Es war ein Studienobjekt!

Oder... wäre eins gewesen. Mürrisch, einem schmollenden Kind nicht ganz unähnlich, verschob sich der Unterkiefer des jungen Letharen. Ein Alchemielabor, feinste und gröbste Untersuchungsintrumente, doch an all diese verlockenden Dinge durfte er nicht ran. Mit finsterem Blick schabte er die Reste der blassgelben Pampe von seinem Hemd und dem Gürtel. Der Lethyrenturm war ihm verwehrt, nur dieses... Souvenir hatte er jetzt. Und den Ärger damit. Durchdringend starr und feindselig legte sich der Blick auf die zerquetschte Frucht. Bei den Reagenzien hatte es gelegen, und so wenig er von der Alchemie und ihren tieferen Geheimnissen auch wusste, er wusste, welche Früchte beim Brauen nützliche Eigenschaften aufwiesen... und daß das hier nichts dergleichen war.

Die Erhabene hatte auch kein Interesse daran angemeldet. Neugierig näherte sich der Kopf dem unbekannten Ding. Daß es nicht so stabil war, wie die Schale einem erst hatte glauben machen wollen, hatte sich gezeigt, als er es voreilig einfach an sich genommen und mangels Taschen in den Gürtel gesteckt hatte. Nun war es an einer Art Naht zwischen den Schalenteilen aufgeplatzt und hatte seine Kleidung besudelt.
Fast hatte er sich lächerlich damit gema... - er unterbrach den Gedanken für eine Korrektur: Er hatte sich lächerlich damit gemacht. Und das vor der hochrangigen Lethry.

"Nutze die Frucht als Forschungsobjekt, es wird wohl angemessen sein. Wenn sie deine Behandlung übersteht, könnte man sich über brauchbare Kadaver Gedanken machen."
Die Worte troffen vor Spott, doch sie weckten auch eine bezeichnende Regung in ihm: Ehrgeiz. Er hatte davon geträumt, an den Körpern von Menschen und gar Vaters Kindern selber auftrennen, untersuchen, sezieren und... heilen... zu dürfen? In diesen Momenten wurde ihm klar, daß man ihm nicht mal einen Toten zum Forschen überlassen würde. Und auch den Grund, warum: Woher sollten sie wissen, ob er solch kostbares Material nicht sinnlos verschleißen würde? Woher hätten sie von seiner Genauigkeit und Liebe zum Detail wissen sollen?

"Wenn sie deine Behandlung übersteht..."
Aber dieses... krumme, außen gelbe, innen blass-beige-gelbliche, süßlich riechende Ding war nun schon augenscheinlich "kaputt", bevor er überhaupt etwas damit hätte anfangen können! Der erste Anflug, ein Gefühl von Frust aufkommen zu lassen, wurde sogleich hart zurückgepfiffen: Dann würde er es eben nicht nur gründlichst studieren, sezieren und analysieren, sondern das da auch dann wieder in so unversehrtem Zustand zur Lethry zurückbringen, wie es irgend möglich war!
Der Entschluß wurde, wie es nun mal seine Art war, allerdings von diversen Fragen begleitet:
"Wieviel Zeit mir wohl bleibt, bis dieses Ding da verfault?
Wo kriege ich notfalls Ersatz her?
Spricht man bei Pflanzen und Früchten überhaupt von 'sezieren'?
Können Pflanzen eigentlich Schmerz empfinden?"

Und...
weiter das Objekt studierend, legte sich der Kopf schief.
"Wie nennt man dieses Ding eigentlich und was ist das?"
Dern´xulvor

Beitrag von Dern´xulvor »

Er hätte sich wahrscheinlich noch glatt die Zeit genommen, um weit mehr über die Ursprünge und die Art des Wachstums dieser Frucht herauszufinden, doch es war das Studienobjekt selber, das ihm keine Zeit mehr ließ, sie wurde immer brauner und weicher, der Geruch drohte stechend zu werden.
Eine... "Banane". Von Menek'Ur, dem schlimmsten Machtbereich der großen Unterdrückerin, wo die Menschen schon so verblendet waren, daß sie eine Göttin priesen, die ihr Land zerstört hatte, ihr eigenes ach-so-geliebtes Werk, jaja...
Dem Menschenweibchen Tyastaya Mertas hatte er diese Information entlockt, und das sogar, ohne ihr weh zu tun oder selber verletzt zu werden; dafür daß es der erste längere Kontakt mit Menschen ohne ältere Begleitung war, war das ein wirklich gutes Ergebnis, und einen Moment lächelte er selbstzufrieden.

Womöglich war es auch Vaters Fügung. Es war angenehm gewesen, daß das Weibchen kaum größer als er selber gewesen war und es untermauerte seine Überlegungen, daß die Rechtgläubigkeit auch etwas mit der Größe des Subjektes zu tun hatte. Vater hatte die ersten seiner Kinder schließlich auch anhand ihrer Größe ausgewählt. Es konnte sicher nicht gut sein, wenn ein intelligenter Zweibeiner zu groß war, das bewiesen die Riesen der Eisinsel, die derartig verstockt waren, daß sie überhaupt keinen Göttern folgen wollten... und es gab offenbar auch das andere Extrem, wenn er an die Kleinwüchsigen des verdammten Berges dachte. Ob man also jemandem den Weg zur Rechtgläubigkeit erleichtern konnte, indem man die Körpergröße korrigierte? Es gab ja schon eine Streckbank... gab es auch eine "Stauchbank"?

Er zwang die abschweifenden Gedanken wieder auf das Gebilde vor sich.
Die Schale wies längs der Frucht drei Sollbruchstellen auf, und ebenso ließ sich das Fruchtmark offenbar von oben bis unten ohne zu künstliche Fremdeinwirkung in drei Kammern aufteilen. In der Mitte konnte er das am zerquetschten Fruchtmark nicht hieb- und stichfest verifizieren, aber die noch vorhandenen Reststrukturen ließen alles darauf hindeuten.
Es ärgerte ihn wirklich, daß er keine weiteren dieser Objekte vorliegen hatte, um diese Ergebnisse zu untermauern und auszuschließen, daß er nur eine ungewöhnlich mutierte Banane vor sich hatte, aber er war auch kein Pflanzenforscher; und er hatte gehört, daß sich neue Gefangene in den Zellen befanden. Die Gier in ihm loderte wieder hoch.
"Ich will sie... untersuchen! Lasst sie mir!"
Er musste dieses erstaunlich ranghohe Weibchen Lys'Xaera von sich überzeugen, sie war sein erster Schlüssel zur Forschung, um Vater endlich nützlich zu werden. Weit nützlicher, als alle Spötter und Ignoranten je von ihm gedacht hätten. Ein Mischlaut aus Knurren und Zischen entrang sich seiner Kehle, während die Nase wenige Zentimeter über dem Papier schwebte, die aufgetrennten Teile der Banane direkt daneben. Langsam fürchtete er, diesen widerlich süßlichen Geruch nie mehr aus der Nase zu kriegen. Er war so... mild, bah.

Die Bruchstelle am Stiel, die Art wie das Ende zulief, ließ die Frucht einer Gurke ähneln und Dern' vermutete, daß sie ähnlich wie dieses Rankengewächs ungefähr in Bodenhöhe wuchsen, vielleicht von einem holzigeren Trieb der Stammpflanze nach unten hingen, was die Krümmung erklären mochte. Leider hatte die Schneiderin nicht viel über dieses Ding zu sagen gewusst. Er hatte lange vorgehabt, eine Abhandlung über dieses Objekt mit beizulegen, aber es war frustrierend, wie schnell dann enorm große Lücken aufgetreten wären. Und bevor man zu deutlich klarmachte, daß man nichts gescheites wusste, schwieg man besser ganz.
Stattdessen würden die Zeichnungen eine ähnliche Hingabe zu Detail und Perfektion offenbaren, wie später die wieder zusammengeflickte Frucht selber. Die Bilder zeigten die geschlossene Frucht, eine Detailansicht der Schalennahtstelle von innen, einen Querschnitt durch die Schale, eine Scheibe des Fruchtmarks als Querschnitt und eines der Segmente, in die es sich aufteilen ließ und endlich zeigte, wo die Frucht die winzigen Samen barg. Er ließ seine Hand bewusst zittern, um an einer Stelle die unregelmässige rauhe Oberfläche mit dem Kohlestift noch etwas natürlicher nachzuahmen. Leider verfügte er derzeit nur über recht wenig qualitative Zeichenmittel, es war ihm frustrierend schwer gefallen, millimetergenau auf dem Papier zu arbeiten. Zudem war sein Arbeitsplatz... nunja. Er sah sich einen Moment in dem küchenartigen Bau in einer der Seitenhöhlen Leth'Axorns um. Er hatte hier schon viel von dem, was er brauchte, um zumindest ein Provisorium zu gewährleisten, und auch wenn es kein Labor war, fühlte er sich zwischen den Messern, Regalen, Gläsern und Tiegeln, zerteilten Fleischresten und Knochen recht wohl. "Zu früh zu hohe Ansprüche sind nicht überlebensförderlich." Er legte die endlich vollendeten Zeichnungen sorgsam beiseite, daß sie nicht doch noch von Blutresten auf dem Steintisch beschmutzt wurden.

Endlich galt es, die Banane zu "heilen", wiederherzustellen.
Als er die mehr und mehr einsetzenden Verfärbungen bemerkte, hatte er sich in weiser Voraussicht rasch Farbe besorgt und akribisch die Farbtöne nachgemischt, die äußere Schale und Fruchtmark im ursprünglichen Zustand aufwiesen.
Wo er die Fruchtmarksegmente sauber hatte teilen können, legte er sie nun wieder zusammen, möglichst passgenau, daß die ausgefaserten Ränder kaum mehr auffielen. Er starrte so dicht vor den gerade in Arbeit befindlichen Dingen auf die Teile, daß er nach der ganzen Zeichenarbeit zuvor mehrfach die Augen entspannend schließen musste, um wieder klar sehen zu können. Diese Banane bereitete ihm wirklich Kopfschmerzen.
Doch die Segmente waren ja noch der harmlose Teil. Er hatte den zerquetschten Part sauber und möglichst materialwahrend weggeschnitten und beschäftigte sich nun mehrere Stunden mit hartnäckiger Geduld mit dem Anrühren von Quark. Es half nichts, er musste die originalen Stellen durch etwas anderes imitierend ersetzen. Butter blieb zu glatt, zu fettig und nachgiebig, vom Quark versprach er sich mehr, als er zudem feingemahlenen trockenen Gips unterührte, um die Festigkeit der Konsistenz zu erhöhen. Dann die Farbe. Nur einen Tropfen Gelb von dem metallenen Stäbchen fallen lassen, verrühren... nein, noch einen Tropfen, und lieber zu wenig als zu viel. Also noch einen...
Man hätte aus der mülligen Küche hingebungsvolles Fluchen hören können, als er ein weiteres Mal das Quark-Gips-Gemisch anrühren musste, weil die Masse mit der verstreichenden Zeit und dem zu häufigen Unterrühren klumpig und bröselig wurde und nicht mehr zu weiterer Verarbeitung taugte.
Doch nach der dritten Portion Quark und acht Tropfen Farbe später war er zufrieden und fügte die Masse erst mit einem größeren, dann einem sehr feinen Spachtel an das originale Fruchtfleisch an und ahmte die Oberflächenstruktur so gut wie möglich nach. Zwei der drei Nahtstellen der Schale waren mit dem hochwertigsten und dünnflüssigsten Klebeharz, den er aus den Werkstätten hatte auftreiben können, in genau bemessenem Winkel wieder angeklebt und lagen als zusammenhängende Schale bereit, das Fruchtmark wieder aufzunehmen. Normalerweise wurde der Harz verwendet, um Pfeilschäfte zu befiedern, aber als Forscher musste man erfinderisch sein!

Mit der Akribie eines in sein Werk verliebten Modellbauers legte er den letzten Schalenstrang abdeckend über das Innenleben und verschloß mit Harz eine der letzten beiden Nahtstellen - dann ließ er jene, die am ehesten zuoberst lag, die Vollendung des Werkes bilden: Aus frisch geschälter Birkenrinde zog er haardünne Faser, um als Faden zu dienen. Er hatte keine Nadel gefunden, die seinen Ansprüchen nach Feinheit genügt hätte - nun verwendete er die dünnste davon nur, um links und rechts Löcher zu stechen und die "Fadenspitze" in sprichwörtlich elfischer Geduld durch jedes dieser Löcher zu befördern - die Spitze kappend oder mit Harz verhärtend, wo sie sich einfach als zu nachgiebig erwies - langsam, ganz langsam hindurchzuziehen und mit höchster Vorsicht zu straffen, mit spitzen Fingern die Schale nachhelfend zusammenschiebend. Wieder entkam ihm ein Fluch, als er ein Loch zu dicht an der Kante gesetzt hatte und die Fesern doch rissen. Ihm, der wusste, wo der Fehler lag, stach dieser nun die ganze nächste Zeit ins Auge, doch es ließ sich kaum ändern.
"Ich diene Vater als Anatom... das ist eine sehr vielseitige Aufgabe, ich bin auch Pflanzenforscher, Zeichner, Stukkateuer, Maler, Schneider...", dachte er bissig und überlegte eine Weile, ob er des Weibchens Lys'Xaeras Spott mit Ironie begegnen durfte: "Zuversichtlich kann ich Euch, Erhabene, mitteilen daß die Banane sich auf dem Weg der Besserung befindet."
Nein. Keine Risiken. Oder... möglichst geringe. Wenn er eines kennengelernt hatte, dann wie frappierend sich die Wut eines Lethyren Bahn brechen konnte. Und Weibchen waren leicht noch nachtragender als Männchen.

Als er endlich fertig war, auf die verstrichene Zeit hatte er nicht geachtet, legte er sich einfach in eine Ecke neben den Steintisch und verschaffte mit ein paar Stunden Schlaf den brennenden Augen und dem Rest von ihm Erholung. Doch nach diesen fuhr er wie aufgescheucht hoch - es hatte sie jetzt keiner weggenommen und aufgegessen?? Die Furcht wurde mit einem Ausatmen entlassen. Sie lag, wie er sie hinterlassen hatte, und erwartete den letzten Schliff.
Wieder brauchte es mehr als eine Stunde, um eine Farbe anzumischen, die sich dem natürlichen Gelb der Schale möglichst perfekt anpasste und auf dieser Oberfläche auch haften blieb... die Holzwerkstatt büßte nun ebenso ein Werkzeug ein, als er sich die feinste aufzufindende Feile auslieh, um die Schale behutsam anzurauhen, wo die Farbe hin musste. Die Schale war sonst einfach zu glatt, ein natürliches Wachs schien mit enthalten, doch dies machte er sich zu guter letzt zunutze: Schon bald verzog er nicht mal mehr das Gesicht, wenn er die Fingerkuppe in heißes klares Kerzenwachs tunkte, um eine hauchdünne Schicht davon auf die obere Seite der Schale aufzutragen, die Ränder dieser Behandlung möglichst unauffällig zu verwischen.

Fertig.
Endlich war sie wirklich fertig, und sah nahezu aus wie das noch frische Gebilde, das er als ursprüngliche Form in Erinnerung hatte. So viel war darin verarbeitet, doch dem oberflächlichen Betrachter würde zunächst lediglich die genähte Stelle auffallen, die sich in nahezu perfekter feiner Regelmäßigkeit von unten bis an den holzigen Stiel zog.
Eine Weile betrachtete er sie selbstverliebt einfach, bis sich in die Vorstellungen über Lob und Anerkennung eisige Zynik mischte: "Du bist wirklich gut im behandeln von Obst, Letharf, das darfst du nun immer machen... ab in die Küche."
Es hätte das Bild der bekannten Klischees erfüllt, wie der eben noch so ausgeglichen stehende Lethar auf einmal knurrte, als könnte er jemandem die Kehle aufreißen.

So war in dieser ausklingenden Wut die Schrift auf dem Zettel auch etwas schwungvoll:
"Das mir überlassene Objekt, eine Banane aus dem verhassten Menek'Ur, sollte meine Forschungen gemäß Eurer Äußerung überstanden haben, doch belasse ich dies Urteil Eurem geschulten Auge, Erhabene.

Dern'xulvor, Anwärter der Anatomieforschung"

Unter dieser Notiz würden sich neben Lys' Tür zu ihrer Behausung in einer Lederlage zum Schutz die Zeichnungen finden, und auf einem Holzbrett mit einem sauberen Küchentuch abgedeckt die alles entscheidende Banane.
Lys´Xaera

Beitrag von Lys´Xaera »



"Das mir überlassene Objekt, eine Banane aus ......

Banane??


Ah... ja, ganz dunkel erinnerte sie sich dieses Letharfen.
Jener, der so dreist gewesen war, ohne jegliche Erlaubnis den Turm der erwählten Lethyren zu betreten, um dort seinen Pfusch zu betreiben.

Hm, kein Thema, über das sich vor der Tür nachsinnen ließ.
Sie packte die lederne Kladde, Brett, Banane und Küchentuch so, wie es vor der Tür aufgebaut war, klemmte sich den Zettel unter den Arm, und bugsierte diese Fracht erst einmal in den unteren Stock ihrer Wohnhöhle.
Dort hin, wo sie sich stets zurück zog, wenn sie ungestört sein wollte.

Nicht dass eine Störung tatsächlich tragisch gewesen wäre, denn sonderlich viel Konzentration und Ruhe braucht es für eine ..Banane.. nun wirklich nicht!
Aber allein der Gedanke, dass einer ihrer Brürder und Schwestern, oder im schlimmsten Falle gar Qyl'zaox sie dabei erwischt, wie sie sich intensiv mit einer Banane beschäftigt---
Oh nein!
Nein.

Und hier nun wird das Tuch zurück geschlagen. Diesich sachte darunter Abbildende Form hatte ihr bereits zuvor verraten, dass es tatsächlich eine Banane sein musste, die sich darunter befand.
War es aber nicht. Oder doch?
Nunja.. es sah danach aus... aber....
Die Irritation stand der Lethry in die Augen geschrieben.
Was, bei des Panthers Schnurrhaaren, hatte dieser elenede Letharf mit der Banane angestellt?

Um das heraus zu finden bedurfte es anderer Mittel.
Nein - kein Skalpell, oder gar ein grobes Messer.
Die Lethry nutzte ihre Gabe. Vaters heiliges Geschenk, um es mit dieser Frucht aufzunehmen.
Und so bediente sie sich des schrillen Kreischens, dem harten Wiederhall Vaters Stimme, um sich an die Struktur des Objektes heran zu tasten.
Um es zu untersuchen in all seinen Schichten, seiner ganzen Tiefe.
Denn das war nun wirklich eine recht einfache Übung.
Schon früh, kurz nachdem Vaters Stimme in ihr erwachte, begann sie, auf spielerische Art zu forschen und zu erkunden.

Und doch...
Diese Banane war nicht einfach nur Banane.
Sie war unvollständig, uneins, verwirrend.... falsch!
Und doch... bekannt?
Sie kannte diese Strukturen.
Aber woher?
Verdammt, so schwer kann es doch nicht sein, heraus zu finden. was ein hirnloser Letharf mit einer Banane anstellte???

Dass sie einfach nur die Augen öffnen musste, und sich ihrer 5 Sinne bedienen - auf die Idee kam Lys gar nicht erst.


Da - zu aller oberst.. Wachs.
Wachs?
Ja. Wachs.
Bekannt.
Reagenzientruhe, mittlerer Behälter - organische Materialien.

Aber der Rest... etwas, was sie auch aus der Miene, oder der Schmiede kannte....
Stein.
Nein, nicht ganz.
Metall jedoch ganz gewiss nicht.
Stein...ähnlich.
Musste genügen.

Wald.
Wald...
Wiese?
Wald!
Zu klein.
Zu ungenau...
Verdammt!


Unwillkürlich hatte sich mittlerweile die schmale Hand, deren tiefblaue Finger an lange, dürre Spinnenbeine erinnerten, auf die frucht gelegt.
Sachte darüber streichend hing sie ihren Gedanken nach.
Was hatte dieser Letharf der Banane angetan?

Gut, sie musste es sich eingestehen.
Sie kam nicht weiter.
Die Struktur war .. fremdartig. Alles irgendwie vermischt. Sie konnte es grob einteilen.
Steinartiges da, wo Fruchtfleisch einen schwachen Nachhall hinterließ.
Waldähnliches gepaart mit dem eindeutig zu identifizierenden Wachs ganz außen.
Die Schale war ansonsten intakt. Nichts fremdes. Nichts, was da nicht seinen Platz hatte.

Der Dolch lag griffbereit.
Sonst nur dazu benutzt, die Federkiele anzuspitzen, hatte er heute eine andere Aufgabe zu erledigen.
Konzentriert blickte die Lethry auf die Banane.
Und .. ein erstaunter Ausdurck trat in ihr Gesicht.
Sie .. sah .. was nicht stimmte.
Genau dort, wo sie zwischen Banane, Wachs, Wald und Stein nicht weiterkam, war es zu ... sehen !
Die feine, etwas kantige Linie, an der sich die Schale sonst nach einem kurzen Ruck am Stiel teilte, war .. irgendwie anders.
Nicht so perfekt, wie die Natur sie sonst schuf - so unangenehm dieses Eingeständnis auch war!

Und an eben jener Linie wurde die Spitze des Dolches nun angesetzt.
Ein sachter Ruck -
Ein Knirschen -



WARUM knirscht eine Banane????

Bananen sind weich. Und matschig. Und sie stinken.
Diese Banane ist weder weich, noch matschig, noch stinkt sie.

Harch! Zum Verzweifeln.
Und so neugierig Lys auch sonst sein mochte - in exakt diesem Moment verließ die Lethry die Geduld.
In hohem Bogen, der, wie beinahe zu erwarten war, nicht mit einem dumpfen *Platsch* endete, flog die Banane gegen die Wand.

Sei's drum.
Er würde ihr es erklären müssen, was er mit diesem ohnehin ekelerregenden Ding angestellt hatte.
Und ja - er hatte es gut gemacht.
Aber schließlich war es auch einfach nur eine Banane.

Man würde sehen, wie weit dieses Talent ausbaubar ist.


Und in einer doch eher infantilen Anwandlung kritzelte sie rasch einige Zeilen auf einen kleinen Zettel.
Schon kurz darauf befahl sie eine der Ratten, die ohnehin in der gesamten Höhle zu finden waren, zu sich, und gab ihr, nachdem der Zettel um ihren Hals gebunden wurde, lediglich den auftrag, zu Dern'xulvor zu huschen.

Auf dem Zettel würde dieser nur eine kurze Zeile lesen -

Spiele ein Spiel mit mir...


Ob das nun jedoch auf die Ratte - oder die Lethry bezogen war...?


Und erst nachdem die Ratte schon längst aus den Fängen der Lethry entwischt war, um sich auf den Weg zu machen, bemerkte diese die Lederkladde erneut... und mit einem amüsierten Schmunzeln werden die Zeichnungen nur knapp kommentiert:

"Interessant... künstlerisch begabt ist er auch noch...



Dern´xulvor

Beitrag von Dern´xulvor »

(ooc-Warnung: Wer auf Tierquälerei derart sensibel reagiert, daß ihm auch die hiesige Schilderung fiktiven Spielgeschehens aufs Gemüt schlagen würde, sollte dieses Posting nicht lesen. Ich distanziere mich zudem von jedem Verdacht, ich würde solche Dinge RL gutheißen oder verharmlosen.)


"Spiele ein Spiel mit mir..."

Seit dieser Nachricht war ihm eben diese nicht mehr aus dem Kopf gegangen und wieder fühlte er sich herausgefordert. Seit dieser Nachricht gingen ihm diverse Fragen nicht aus dem Kopf, jedes Mal wenn er Lys sah:
"Was für ein Spiel?
Was bringt der Sieg?
Was bringt die Niederlage?
Wie lauten die Regeln?"
, vermischt mit Argwohn - es war schließlich ein Weibchen, "Kann ich überhaupt gewinnen...?"

Aber sie hatte ihm eine Ratte mit dieser Nachricht geschickt, und eine seiner ersten Entscheidungen war gewesen, daß sie eben diese Ratte auch zurück erhalten würde. Und die Ratte selber würde seine Antwort werden.
Ein Papier mit einer Nachricht, pfh... wie simpel.

Er würde die Nachricht irgendwie an der Ratte unterbringen. Das war nicht leicht, sie war sehr klein. Viel Text passte auf so eine Ratte nicht drauf, und vor allem, wo sollte er ihn verstecken? Ins Fell brennen? Zu unleserlich bei solch kleiner Schrift. Er brauchte eine... glatte Schreibfläche. An der Ratte. Kahl rasieren? Nein, die Vorstellung, ein so schlicht entstelltes Tier zurück zu bringen, kränkte ihn.
Er würde es auf die Haut schreiben, das Fell wieder darüber befestigen, es musste sich aber wieder bequem öffnen lassen. Diese Erwägungen waren vor einigen Wochen Teil der Forschungen gewesen, die Versuchsratte Nummer Fünf über sich ergehen lassen musste, während die Ratte der Lethry wohlbehütet an seinem Gürtel hing oder in der Manteltasche landete.

Immer wieder, wenn seine weiteren Studien gerade nicht gut voran gingen oder er sonstig Zeit hatte, widmete er sich den Vorbereitungen, die Ratte für Lys'xaera präparieren zu können, ohne daß das Tier dabei starb.
Bei Dor'malox hatte er längst alles Nötige in Auftrag gegeben, doch der Letherix war selber unter Druck damit beschäftigt, die Lethrixoren mit Rüstzeug und Waffen auszustatten. Irgendwann hatte er aber doch die nötigen Fixierungsapparate, das Tier still zu halten, ein Brenneisen mit einem winzigen Schriftzug und einen glatten sauberen Nagel mit exakt passendem Durchmesser.

Er musste verletzen, umändern, sauber und geduldig alles verheilen... Dern'xulvor erlangte während all der vorbereitenden Versuchsratten zum Üben eine recht solide Grunderfahrung in dem Einsatz plastischer Chirurgie und der punktgenauen Verwendung von äußerlich wirkenden Heiltränken dabei. Eine stolze Sammlung von Pipetten in verschiedenen Größen erweiterte inzwischen sein Besteck.

Am ehesten fürchtete er zu guter letzt zwei Dinge:
a) daß die Ratte an Altersschwäche starb und er sich eine neue suchen musste, die möglichst genauso aussah
b) daß sich die Lethry überhaupt nicht mehr an diese vage kurze Nachricht erinnerte.

Denn eines Nachts, sie schien in ihrer neuen Wohnhöhle gerade ein Gespräch mit einer anderen Lethra zu führen, schlich sich eine hagere Gestalt in diebischer Vorfreude näher und stellte etwas ab, ein Geschenk, vor der Tür offeriert, es fehlte eigentlich nur die rote Schleife.
Ein rundes, glattpoliertes flaches Brett hatte sie dort angefunden, in das Striche eingekerbt waren, ähnlich dem Ziffernblatt einer Uhr, doch ohne Nummern. Mittig ragte ein sauberer Nagel in die Höhe, dieser war durch den Schwanz der Ratte getrieben. Die Wunde war jedoch sehr sauber verheilt, der Schwanz an dieser Stelle ausreichend dicker als der Nagel, um ein einfaches Losreißen zu verhindern.
Das Arangement führte dazu, daß die Ratte kaum etwas anderes vermochte, als sich auf diesem Brett um die künstlich zwingende Achse in der Mitte zu drehen.

Die Ratte schien bis auf diese Sache unversehrt (sogar gründlich gewaschen und gekämmt war sie), ehe auf der linken Körperseite etwas auffallen mochte: ein Knopf im Fell. Ein einfacher, kleiner runder Knopf, wie er sonst dem Befestigen gewöhnlichen Kleidungsstoffes dienen mochte. Doch dieser Knopf hielt nicht Stoff, sondern Fell.
Ein rechteckiges Teil des Rattenfells lag sehr sauber, doch nur noch lose auf blanker Haut darunter auf. Sichtlich war das Fell nicht künstlich angenäht, sondern ursprünglicher Teil der Ratte. Öffnete man schließlich den Knopf, wurde die Haut sichtbar, in die mit einem winzigen Brandeisen akribisch genau zwei Worte eingebrannt waren:

"Die Regeln?"

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Nach dem Überbringen hatte er sich wohlweislich davongestohlen, war die Laune dieses Weibchens doch oft genug unberechenbar. Am nächsten Morgen siegte jedoch die eigene Neugier...
er schlich sich wieder näher, vergewisserte sich, daß kein anderer Lethar gerade zugegen war und schaute zur Tür. Im ersten Moment mißmutig sah er das Brett dort noch immer liegen. Wenn der Besuch von gestern nicht blind gewesen war, hatte das doch auffallen müssen? Er kam näher. Etwas am Brett war anders.
Die Ratte lag still genau in seine Richtung, und bei längerer Beobachtung stellte er fest, daß sie sich von alleine auch nicht bewegen wollte oder konnte. Körperlich verletzt schien sie jedoch nicht zu sein. Magische Beeinflussung, wie er vermutete. Doch sie diente nun eindeutig als Hinweis: vor ihrer Nase lag ein Steinchen, quasi "auf sechs", wenn man wieder an eine Uhr dachte, auch auf drei und neun ein Steinchen... nur hinter der Ratte, auf zwölf, lagen zwei. Und diese war genau zur Tür der Wohnhöhle der Lethry ausgerichtet.
Davon ausgehend, daß dies einmal keine große Übersetzung brauchte, erklang an Lys' Tür kurz darauf ein Klopfen...
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