Subplanum

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Syrr'ael
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Subplanum

Beitrag von Syrr'ael »

Der Stein weiß nicht, warum der Meißel ihn spaltet;
Das Eisen weiß nicht, warum das Feuer es schmilzt.

Wenn Dein Leben gespalten und versengt wird,
wenn Tod und Verzweiflung Dich anspringen,
klage nicht, noch verfluche Dein Schicksal.

Danke Alatar für die Prüfungen,
die Dich formen werden.


-aus dem Buch der Schmerzen



Ruckartig öffnete er die Augen, bäumte den Oberkörper auf und sog mit einem gierigen Zug verbrauchte, faulig schmeckende Luft in die Lungen…
Er versuchte sich aufzurichten, spürte wie das Blut aus seinem Kopf zurück in die Beine floss; Dunkelheit vor Augen und ein pressender Schmerz im Kopf ließen ihn stöhnend zurücksinken… Sein Brustkorb hob und senkte sich unter kräftigen, fast schnaufenden Atemzügen während er mit geschlossenen Augen dalag und versuchte gegen den Schmerz hinter seinen Schläfen anzukämpfen.

Zehn, zwanzig Sekunden mochten verstreichen; das einzige Geräusch dass er wahrnahm war sein eigenes Schnaufen und das Rauschen seines Blutes in den Ohren.
Schließlich stieß er den Atem aus, richtete den Oberkörper auf und setzte die Hände an um sich hochzustemmen…und griff ins Leere.

Verwundert ließ er sich zurück sinken und riss die Augen auf um sich umzublicken.

Nichts…

Nein, korrigierte er sich hastig in Gedanken, es gab hier etwas, was immer jenes hier auch sein mochte.
Graue, wabernde Nebelschleier die doch von fester Konsistenz waren und fern am Horizont in sich verschmolzen, überlappten oder verschwanden.
Der Raum zwischen jenem Horizont schien…nun, einfach leer zu sein.

Genau mochte der Lethyr dies nicht genau feststellen, denn jene Nebel schienen überall um ihn herum zu sein, schienen ihn wie eine Blase einzuhüllen.

Syrr´ael ließ den Oberkörper zurück in die Waagrechte senken und schloss die Augen. Ein drehendes, wirbelndes Gefühl teilte ihm sein Gleichgewichtssinn mit und als er die Augen aufschlug, stand er aufrecht im Nichts…

Oben und Unten verloren an Bedeutung und mit Panik musste Syrr´ael feststellen dass er fiel, sein Magen teilte ihm mit dass sein freier Fall unbeschleunigt von Null auf Hundert stattgefunden haben musste und lediglich ein gurgelndes Röcheln entkam seinen Lippen als er verzweifelt die Augen zupresste.
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Syrr'ael
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Und täglich grüßt...

Beitrag von Syrr'ael »

Déjà-vu?

Ruckartig öffnete er die Augen, bäumte den Oberkörper auf und sog mit einem gierigen Zug stinkende, staubige Luft in die Lungen…
Er versuchte sich aufzurichten, spürte wie das Blut aus seinem Kopf zurück in die Beine floss; Dunkelheit vor Augen und ein stechender Schmerz im Kopf ließen ihn stöhnend zurücksinken… Sein Brustkorb hob und senkte sich unter schnaufenden, fast röchelnden Atemzügen während er mit geschlossenen Augen dalag und versuchte gegen den Schmerz hinter seinen Schläfen vergeblich anzukämpfen.

Zehn, zwanzig Sekunden mochten verstreichen; das einzige Geräusch dass er wahrnahm war das tosende Geräusch seines Blutes in den Ohren.
Schließlich stieß er den Atem hustend aus, versuchte den Oberkörper aufzurichten und setzte die Hände an um sich hochzustemmen…und griff ins Leere.

Er riss die Augen auf…
Nichts…

Nein, korrigierte er sich hastig in Gedanken, es gab hier etwas, was immer jenes hier auch sein mochte.
Graue, wabernde Nebelschleier die doch von fester Konsistenz waren und fern am Horizont zu titanenhaften, höhnenden Fratzen verschmolzen.
Der Raum zwischen jenem Horizont schien…gefüllt von stinkender, schwefelhaltiger Luft die die Augen tränen ließ und einen bitteren Geschmack von Blut und Galle auf den Gaumen legte.

Ein neuerlicher Schmerz im Kopf ließ ihn zusammenzucken.
Die Hände zitternd griff er an die Schläfen, versuchte den Schmerz zu verdrängen der sich wie ein lästiger Parasit in seinem Kopf festgesetzt hatte. Salzige Tränen perlten in den Augen als er die Lider zupresste, versuchte, nach neuem Atem zu schnappen.

Stinkende, staubig schmeckende Luft floss in seine Lungen und er krümmte sich hustend, ließ die Augen geschlossen…

‚Wo bin ich hier?’, schoss es ihm durch den Kopf.
‚Warum bin ich hier?’

War er tot?

Ein Stechen in der Lunge ließ ihn abermals zusammenzucken, den Gedanken sogleich verwerfend; kein toter Körper konnte solche Schmerzen empfinden…

Ein drehendes, wirbelndes Gefühl teilte ihm sein Gleichgewichtssinn mit und als er die Augen aufschlug, stand er aufrecht im Nichts…

Mit Panik musste Syrr´ael feststellen, dass Oben und Unten an Bedeutung verloren; es war Zeit diesen Ort schleunigst zu verlassen - ein Griff nach der Disharmonie, das vorsichtige Ziehen an metaphysischen Fäden um daraus ein Bündel, einen Schlauch...einen Weg weg von hier zu formen.
Nichts.
Wo sich sonst das gewohnte Gefühl der Macht einstellte, die Vertraute Nähe zum Pantherkönig, war nur große Leere - eine Leere wie die, die ihn umgab.

Verzweifelt stellte Syrr´ael fest dass er fiel, sein Magen teilte ihm mit dass sein freier Fall unbeschleunigt von Null auf Tausend stattgefunden haben musste, stinkende Luft riss ihm im Fallen den Atem aus der Lunge als ihm schwarz vor den Augen wurde.
Zuletzt geändert von Syrr'ael am Montag 19. Januar 2009, 00:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Syrr'ael
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Dein Körper ist eine Hülle und kann geopfert werden.

Beitrag von Syrr'ael »

Lichtlose Dunkelheit.
Kein Gefühl für Arme, Füße, Leib. Kein Atem, keine Emotion.
Das Sein reduziert auf einen einzelnen Punkt der wie ein Staubkorn gleich durch grenzenlose Finsternis schwebte.

Wer war er? Wer war er gewesen?

Ein Gedanke, das flüchtige Echo einer Erinnerung: Syrr´ael.
War dass sein Name?
Für einen Augenblick glaubte er wieder seinen Leib zu fühlen, ein sanftes Kitzeln der Nerven in Fingern und Zehen...dann verblasste dieses Gefühl und mit ihm die Erinnerung an den Namen.
...
Zeit verstrich - Minuten, Stunden, Tage? - als aufeinmal die Finsternis um ihn wabernde Konturen in allen Facetten von Grün bildete und einen nicht-euklidischen, sich stetig ändernden Raum bildete.

Es war schwer in einem Ort ohne Anhaltspunkte die Größenordnungen abzuschätzen, aber als sich aus der Wand gegenüber eine humanoide Gestalt herauschälte, die wie Wachs langsam zusammenfloss, wurde ihm mit einem Schlag die Enge des Raumes bewusst.

Während die Gestalt langsam auf ihn zuschwebte, überkam ihn abermals diese flüchtige Empfindung von Vetrautheit und als das Wesen direkt vor ihm zum Stehen kam, erkannte er dass es - nein, er, denn es handelte sich ohne Zweifel um einen männlichen Letharen (was war ein Lethar?!) - ein dünnes, spöttisches Lächeln auf den Lippen trug.

"Gefällt dir was du siehst, Gefallener?", begann der Lethar mit öliger Stimme in der ein unangenehmer, schriller Timbre mitklang und hob die rechte Hand leicht an, um mit interessierter Miene auf den nachtblauen Handrücken zu blicken. "Ein schöner Leib, gut gepflegt...wahrlich, ein brauchbares Werkzeug."
Der Lethar ließ die Hand sinken und blickte zu ihm, die Gesichtszüge spöttisch verzerrt:"Willst du ihn wieder haben?". Eine kurze Atempause, dann ein höhnisches Lachen.
"Was will ein Ding wie du aber mit einem Leib, ein Ding dass vergessen hat wem es dient? Ein Ding das versagt hat?!"

Eine Emotion - erst nur ein kleiner Funken, dann eine Flamme.
Nein, er hatte nicht vergessen wem er diente, hatte nicht versagt!
...
Oder doch?
...
Er hatte stets gedient, hatte stets Maß gehalten. Und doch, die Eitelkeit hatte ihn geblendet.

Eine Flamme, dann ein Brand.
Hass.
Hass auf die Welt, Hass auf den Ort in dem er gefangen war, Hass auf sich selbst und sein Versagen.

"Du willst diesen Leib?", spöttischer, herausfordernder Blick. "Dann verdiene ihn dir."

Mit einem Mal wuchs der Lethar an, groß wie ein Haus, groß wie ein Berg - nein, er flog auf den Letharen zu, kam näher und näher, ein Auge, bernsteinfarben und spöttisch, die Finsternis einer Pupille, dann...

...ein Atemzug.
Prickeln in Händen, Armen, Füßen - endlich aus Fleisch, endlich real! Schimmerndes, tiefschwarzes Haar dessen lange Strähnen an den Wangen kitzelten, das unendlich jämmerliche, glorreiche Gefühl eines schlagenden Herzens in der Brust.

Der Lethar war verschwunden - nein, er war der Lethar geworden - und mit ihm die wabernden Wände. Rings um ihn Dunkelheit, nur vor ihm ein Kegel aus diffusem Licht in dessen Zentrum die glatte, makellose Oberfläche eines mannshohen Spiegel stand.

Staunend trat der Lethar näher, begutachtete Hände, Augen, die kleinen Fältchen um Augen und Lippen.
Er sah gut aus - wahrlich ein sorgfältig gepflegter Leib, trotz des fortgeschrittenen Alters.

Zögern.
Dann wurde aus Bewunderung Abscheu.
Eitelkeit, diese Sünde war schon damals so stark in ihm gewesen.

"Dein Körper ist nur eine Hülle und kann geopfert werden".

Ein Flüstern aus der Dunkelheit, oder waren es seine eigenen Lippen gewesen über die diese Worte gekommen waren?

Während der Lethar weiter in den Spiegel starrte, wusste er aufeinmal was getan werden musste. Wieder hob er die Hände, blickte auf die langen, feingliedrigen Finger, die langen Nägel.
Eitelkeit...ja, dass war es gewesen - und am eigenen Leib hatte sie begonnen.

Dann bohrte er die Finger in die Augen, spürte das Platzen der Augäpfel und als er schleimigen Seim, vermischt mit Blut über die Wangen tropfen spürte, begann er mit dem Gesicht...



Zuletzt geändert von Syrr'ael am Montag 9. Februar 2009, 12:19, insgesamt 2-mal geändert.
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Syrr'ael
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Diene Alatar auf jede erdenkliche Weise.

Beitrag von Syrr'ael »

"Hass...mit genügend Hass ist alles möglich."

Anfangs gab es nur Dunkelheit und süßen, pulsierenden Schmerz.
Er erwachte aus einem Traum voller Blut und Raserei, nur um festzustellen dass Traum und Realität eins geworden waren: anstelle seiner Augen klafften zwei blutige, leere Höhlen im Schädel und die Haut des Gesichts hing in Fetzen hinab. Zahllose Fingernägel waren zersplittert und die Nerven fühlten sich an als hätte ein sadistischer, meisterlicher Folterknecht sie alle einzeln gespleißt.
Es war zwecklos blind durch den Raum zu stolpern, dessen Boden vollkommen glatt und kalt war - Kälte, die sein geschundener Leib nur allzu freudig begrüßte -, also legte er sich flach auf den Rücken, lauschte dem Rauschen des Blutes in den Ohren und nährte mit der Agonie seinen Hass.

Es war schwer an einem Ort wie diesen ein Gefühl für Zeit zu bekommen, also begann er damit die ruhigen, regelmäßigen Atemzüge zu zählen.
"Eins, zwei, drei...zwölf, dreizehn, vierzehn...achtundneunzig, neunundneunzig...viertausendeinhundertdreiundvierzig, ..."
Irgendwann gab er es auf und lag einfach still da, allein auf den Schmerz konzentriert, der sich wie ein hungriges Insekt durch seinen Körper zu fressen schien.

"Labe dich an dem Schmerz...er wird deinen Hass ins Unermessliche steigern...und somit deine Macht!"

Die Stimme kam wie aus dem Nichts, durchbrach die Stille wie ein Peitschenhieb und überrascht zuckte er zusammen.
Diese Worte, er hatte sie bereits einmal gehört...damals, von seinem alten Meister.
Shan´Rhyl.

"Meister, seid ihr es?!".

Seine eigene Stimme klang überraschend brüchig, kraftlos - wie die eines jungen Welpen. Er hielt den Atem an, lauschte in die Finsternis und hörte doch nur das Pochen seines eigenen Herzens.
Nichts, es musste Einbildung gewesen sein...nur ein weiterer Schritt zu allumfassendem Wahnsinn?

Es war, als hätte man auf ein Stichwort hin einen Damm eingerissen: aufeinmal durchströmte eine Flut von Erinnerungen sein Bewusstsein, in rascher Abfolge glaubte er Personen und Orte aus schimmrigen Licht vor sich in der Finsternis zu schweben sehen.
Letharen, Rituale - Furmas, den gefallenen Wächter. Mael´Rayat, oder zumindest ein Fragment davon.
Er sah wie eine Gruppe Letharen das Refugium aufsuchte, sah einzelne Gesichter und erinnerte sich an ihre Namen und Taten. Nur eine Gestalt schien stets von Dunkelheit umwölkt zu sein und immer wenn er seine Aufmerksamkeit auf sie zu richten versuchte, entglitt sie irgendwie seinem Blickwinkel und war als lästiges, diffuses Flimmern am Rand des Blickfeldes bis schließlich die Bilder verblassten und er abermals allein in der Finsternis war.

Mael´Rayat...das Artefakt dass unendliche Macht versprach und doch nur Wahnsinn und Verfall zu geben bereit schien.*
War es an seinem Fall schuld gewesen oder war dieser Makel aus ihm selbst geboren worden?

Wieder brodelte der Hass in ihm zu einem neuen Höhepunkt hervor - er ballte die Hände fest zusammen und spürte frisches, warmes Blut in den Handflächen als er aufeinmal seltsame Schlieren sah, die wie ein dünnes, loses Netz vor ihm im Nichts hangen.


* siehe auch http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=29427
Lys´Xaera

Beitrag von Lys´Xaera »

Mael'Rayat .... Mael'Rayat .... Mael'Rayat ....



Das Wort hämmerte unablässig in ihrem Schädel..
Nie, NIE! würde Ruhe einkehren, würde dieses unheilige DING ihrem Volk die Stille lassen, die es benötigte, um sich auf Vaters Pläne zu konzentrieren.
Stets Unruhe, Chaos, Widersinn.
Aber nicht so, wie es erwünscht war, keine Kraft ließ sich daraus schöpfen, taugte zu nichts, als Wirrungen zu stiften, Geist zu beschmutzen, krank zu machen.

Und niemals würde sie zulassen, dass Velvyr'tae, deren Geist in den letzten Tagen auch deutlich gelitten haben musste, noch irgendein anderer ihrer Brüder und Schwestern zugang zu diesem DING bekamen.
Es brachte Unheil, arbeitete gegen Vater, gegen alles..


Zorniges Fauchen, wutblitzende Augen, ein spürbares Beben in der Disharmonie.
Hier stand sie nun, im Allerheiligsten Leth'Axorns.
Wie so oft..
Stumme Zwiesprache..
...kein Ergebnis!

Aber der Entschluss war in dem Moment gefasst, in dem Velvyr ihr Anliegen herauswürgte: noch einmal wollte sie Mael'Rayat sehen, erfahren, spüren.

NEIN!!


Die Welle aus Zorn, unbändigem Hass wallte im Boden auf, überrollte die Lethry, geballte Wut, von ihr dem Kistallsplitter entgegengeschickt..
Und erfasst von unglaublicher Wucht prallt dieser gegen die Wand...


Sie wollte, würde, WIRD ihn zerstören.
Niemals mehr soll er das Volk spalten und beeinflussen.

NIEMALS!



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Syrr'ael
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Beitrag von Syrr'ael »

Wieviel Zeit verging, während er einfach nur gebannt auf die Schlieren starrte, wusste er nicht. Einen Augenblick lang fragte er sich, ob an diesem Ort überhaupt ein Kontinuum an Zeit vorherrschte oder alles nur Kraft des Augenblickes war - ein Gedanke den er als sekundär bewertet in die Peripherien der Erinnerung abschob, um ihn später weiter zu verfolgen.

Erinnerung...

Dem ersten Ausbruch waren zahllose weitere gefolgt, jedes Mal begleitet von einem eindrucksvollem Farben- und Formenspiel ätherischer Figuren vor ihm im Nichts, scheinbar in reiner Willkür aus den Schlieren geformt, die ihn unwillkürlich an zuckende, lebende Fäden eines Spinnennetzes erinnerten.
Orte, Fakten, Gegebenheiten - dies alles fügte sich wie die Stückchen eines Mosaiks seiner Erinnerung zusammen, aber bei allen Bildern die ihm gezeigt wurden, an jede Tat an die er sich erinnern konnte schien sich eine Person stets seinem augenlosen Blick zu entziehen, schien ihm stets ein Name vorenthalten während er sich gleichzeitig an die Taten der Person erinnern konnte.
Dies musste er selbst sein - aber warum wurde ihm sein Name vorenthalten, warum das Gesicht in seinen Erinnerungen?! Er hatte es doch schon vorher im Spiegel gesehen, ehe er es als eine der beiden Quellen seiner äußeren Eitelkeit identifiziert hatte und sich seiner entledigt hatte.

War der Name Teil davon? Teil der Eitelkeit, Teil des Makels der zur Missachtung des Wunsches, nein, des Befehls Rhad'ils geführt hatte - nun, dann würde er eben keinen Namen mehr brauchen.
Das Massaker - ja, als solches mochte man es ruhig bezeichnen.
Wie auf Abruf formten sich vor ihm ein ätherischer, kleiner Marktplatz - so, wie ihn ein Vogel sehen mochte -, formten sich Gestalten und er begann zu sehen:

"Verschwinde! Hier werden nur ehrbare Leute bedient!".
Eine Verbrannte, eine Menekanerin unter einem Marktstand...er konnte den Hass in sich spüren, wie eine berauschende Droge in den Adern, er konnte ihn schmecken, wie süßen Wein auf der Zunge und er konnte ihn sehen, wie Elmsflämmchen die in irrem Reigen über Schultern und Arme tanzten.
Wie konnte sie es wagen, hier, in der Stadt des Panthers selbst mit diesen dreisten Worten an ihn heranzutreten?!
Der Hass in ihm kanalisierte sich in Worte und bald darauf in Taten. Er sah zwei Kreaturen, die eine aus kochendem, heißem Blut, die andere kalt und vor Gift spritzend. Sah wie andere Verbrannte hinzutraten, sah den kümmerlichen Versuch einer Gläubigen ihn von seinem Vorhaben abzubringen.
Nein, hier und jetzt war es an der Zeit ein Exempel zu statuieren, den Weg des Blutes zu beschreiten!
Er sah sich innerlich lachen als die Verbrannten aufgereiht wie Lämmer vor und hinter ihm standen, spürte das berauschende Gefühl das ihm die Manipulation der Disharmonie bescherte, spürte den Triumph und die Genugtuung als einer nach dem anderen von Giftschwaden, Blitzen und Regen aus Feuer, der aus einem schwarzen Himmel fiel, niedergestreckt wurde.
Dann sah er sich ein Portal schaffen und dann...
die Dunkelheit und ein erstes Erwachen.

Der Kreis hatte sich geschlossen und er fühlte sich leer, fast ausgelaugt.
Er hatte sein persönliches Ziel über dass Rhad'ils gestellt, wusste das er richtig handelte und doch falsch; es war nicht der richtige Ort, noch die richtige Zeit gewesen. Eitelkeit - sie war der Grund seines Hierseins.

Die Schlieren, das Netz, hatten wieder ihre ursprüngliche Positionen eingenommen und waberten, pulsierten wie ein lebendiges Ding. Irrte er sich oder hatte die Konsistenz der Fäden, die Kraft der Farben - die von dunklem, blutigen Rot bis zu giftigem, grellen Grün reichte - zugenommen?
Seltsam.

Noch seltsamer war, dass er die eigenen Hände sehen konnte, als er sie instinktiv anhob um eine lästige Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen. Nicht als fleischiges, festes Ding sondern gleichermaßen aus den Schlieren geformt, nur enger, strukturierter. Ohne den alten Makel?!

Fast erlaubte er sich ein Lachen, ...
...als aufeinmel ohne Vorwarnung die Schlieren grell aufleuchteten, wie das Herz eines fliehenden Tiers wild pulsierten und sich in schierer Agonie verzweifelt wanden.

Nein, das war kein Schmerz, korrigierte er sich rasch. Dass, was er hier sah war ekstatisches Entzücken, grenzenloser Hunger und die Gier nach mehr. Wie auch der Ort beeinflusst wurde, so wurde auch er selbst beeinflusst: in seiner Stirn stellte sich ein kribbelndes, angenehmes Gefühl ein und er fühlte sich leicht, fast schwerelos.
Für einen Augenblick intensivierte sich seine Sicht, glaubte er jedes einzelne Detail der Schlieren wahrzunehmen - hatte er vorher nur einzelne Stränge gesehen, so offenbarte sich nun ein hundertfach gefächertes Konstrukt dessen Komplexheit ihm einen dumpfen Schmerz in den Hinterkopf zauberte.
Also wendete er den Blick ab und sah eine junge Lethry, so voller süßem, heißen Zorn im Blick - dann riss der seltsame Strom der Macht ab und einen Augenblick lang befürchtete er wieder von der Dunkelheit umschlossen zu sein, ehe er erkannte dass die Schlieren nur wieder ihre gewöhnliche Konsistenz angenommen hatten.

Die Lethry...Lys'Xaera. Sie würde der Schlüssel sein.
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Syrr'ael
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Beitrag von Syrr'ael »


Sie kam zurück...
Natürlich tat sie dass.


...

Er hatte die Zeit - mittlerweile war er sich fast sicher das jene in ihrem Verstreichen im Einklang mit der Sphäre Gerimors stand - damit verbracht vorsichtig mit den neuartigen Sinnen die Umgebung zu studieren. Wirbelnde Stränge, Schlieren, aus Grün, Rot, manche fast schwarz...eine Matrix, die hier in diesem Ort in ihrer Pracht alles erfüllte, wo sie sich doch sonst dem großen Makel der Schöpfung, dem Lied, beifügen musste. Es war reine Disharmonie.
Mittlerweile konnte es keinen Zweifel mehr geben, worin er sich befand - die Reaktion der Lethry war der erste Hinweis gewesen, die kurze Impressionen der Umgebung in der sie sich befunden hatte der zweite und nachdem er eine ungefähre Ahnung bekommen hatte, womit er es zu tun hatte, ergab auch alles andere einen Sinn.

Mael'Rayat...

Oder zumindest dessen Fragment, das in den Besitz der Letharen gelangt war. Die Reinheit des Ortes, das Fehlen des Makels im eigenen Körper - all der Wahnsinn der ihn seitdem anzufallen gedroht hatte... war er darin aufgegangen, unbemerkt von einem Geschwür befallen dass ihn nach und nach verschlungen hatte, ohne dass er es gemerkt hatte? - oder hatte er sich widersetzt, hatte die Prüfungen der wächsernen Flamme bestanden, hatte Stärke vor den Augen des Pantherfürsten bewiesen?
Er konnte diese Frage für sich selbst nicht befriedigend beantworten und dass er trotz dieser Reflexionen noch immer an das Artefakt gebunden war, in physischer - womöglich gar in psychischer! - Weise ein Teil davon geworden war, nagte nun schon an ihm seit die Lethry das erste Mal die Kammer des Sanktum der Sechs, der Ort an dem er das Artefakt nach dem Kampf gegen Furmas gebracht hatte, verlassen hatte.

[img]http://web.utanet.at/reschhil/flamme.jpg[/img]

Etwas hatte sich seitdem aber zweifellos verändert. Das Artefakt schien... unruhig geworden zu sein... hungrig.
Er wusste nicht mit welchen Wörtern er die Veränderung adequat beschreiben konnte, ein solches Ding entzog sich in den meisten Belangen ohnehin dem Geist Sterblicher wie er schmerzhaft lernen musste. Die Schlieren wogten suchend, tastend durch den Raum - wie Fangarme eines abyssmalen Schreckens - und er wusste genau wonach sie suchten.

Und dann kam sie zurück.

Wie eine Katze, die die Maus bereits im Blickfeld hatte, betrat sie die Kammer, die Schritte langsam, so als widerstrebe sich ihr Innerstes dem Artefakt näher zu kommen als nötig. Der Blick der mandelförmigen Augen verengt, misstrauisch, die Worte ein leises Murmeln, mehr für sich selbst: "Kein Kratzer, mh?"


So als wüsste ihr Innerestes bereits,
wer die tatsächliche Beute war, wer der Jäger... Im gleichen Atemzug in dem sich die Lethry näherte, spürte er die Reaktion des Artefaktes. Es war wie das Lauern eines Panthers der noch den richtigen Zeitpunkt für den Sprung abwartete, er spürte die Heimtücke, die Absicht des Artefaktes - fast so, als sei es ein lebendiges Ding und kein totes Kristallstück das von einer wabernden, grünen Flamme umspielt wurde.
Er spürte das Zögern der Lethry, die diese Reaktion gesehen, gefühlt, haben musste, spürte wie sich ihr Hass, ihr Zorn gegen das selbst den Letharen so fremde Ding zusammenzog, sah wie sie die Flammen auf den Kristall schleuderte...
Dann Dunkelheit und Stille.
Die ätherische Matrix im Inneren des Dings erstarrte nahezu, wurde seltsam fest und leblos, so als habe der "Geist" des Artefaktes es verlassen.
Er selbst stellte mit Erstaunen fest, dass sein Leib nahezu erstarrt war, das Atmen fiel ihm schwer und selbst sein Geist schien von einer seltsamen Trägheit belastet.

War dies eine weitere Prüfung?
Er musste mit der Lethry in Kontakt treten, musste dafür sorgen dass sie es in den Tempel brachte...nur dieser Gedanke brannte so hell in ihm, als sei es ein fremder.

Zorn und Hass bemächtigten sich seiner, fast so wie er es früher getan hatte - nein, korrigierte er sich rasch, besser, klarer...reiner. Ein Strang der Matrix vor ihm bewegte sich träge, wie ein schlafender Riese den ein Zwerg verzweifelt zur Seite zu schieben versuchte.
Die Zähne knirschten leise unter der Anstrengung und er fühlte wieder frisches Blut in den leeren Höhlen seiner Augen tropfen...es musste...MUSSTE gelingen!

Und dann fiel er aus der Stille mitten in einen tosenden Chor des Grauens. Das Gekreische kleiner Kinder, die Stimmen erwachsener Frauen und Männer, das unheilige Geschnatter unnennbarer Abscheulichkeiten...dies alles umhüllte ihn wie ein Vorhang aus reinem Chaos.
Vor ihm aber waberte, seltsam verzerrt, das Bild der Lethry...
Geschafft, er hatte es geschafft!
Euphorie bemächtigte sich seiner, mit einem zornigen Aufbäumen kanalisierte er seinen Hass und sprach durch das Artefakt zur Lethra:

"Lys'Xaera! Lethry! Diene deinem Mentor, diene deinem Meister!"
Die Kakophonie um ihn herum schwoll an, drohte ihn mitzureißen und gerade schaffte er es noch
"Lethra! Der Tempel...du musst es..in den....Tempel...!" herauszubringen, ehe er zurück in die Dunkelheit des Kristalls geschleudert wurde.

Sein Kopf dröhnte und der Körper fühlte sich von der Anstrengung schwach und ausgemergelt an...Zeit verstrich...dann wurde das Innere des Artefaktes sprungartig wieder vital und farbenreich und im gleichen Augenblick kehrte seine alte Stärke zurück.
Der "Hausherr" war zurückgekehrt.
Lys´Xaera

Beitrag von Lys´Xaera »



Wie eine Katze, die die Maus bereits im Blickfeld hatte, betrat sie die Kammer, die Schritte langsam, so als widerstrebe sich ihr Innerstes dem Artefakt näher zu kommen als nötig. Der Blick der mandelförmigen Augen verengt, misstrauisch, die Worte ein leises Murmeln, mehr für sich selbst: "Kein Kratzer, mh?"

Natürlich kam sie zurück!


Wie hätte sie auch anders können?
Bei Licht betrachtet war es das einzig richtige, das einzig logische, das einzige was blieb.
Rational gesehen brachte dieses Ding nur Ärger.
Eine Gefahr für das ganze Volk, und womöglich für Vaters Ordnung.
Es musste weg. Vernichtet werden.

Aber je näher sie Mael'Rayat kam... deso stärker wurde das Gefühl, dass ihr Unterfangen eventuell... scheitern könnte.
Versagen wird nicht geduldet!
Es gibt kein Versagen, es gibt nur den Tod!


sie spürte ziehen zerren verlangen gier gefahr fremdartigkeit


Oh nein, nachgeben würde sie diesem unheilvollen Ding niemals, niemals!

Eine Stichflamme.. gedacht, es zu zerstören.
Ein wahrer Hagel aus zuckenden Blitzen, geleitet von tösendem Donner..
Kein Blitz kein Feuer .. nichts richtet hier Schaden an.
Was tut es? Was will es?

Keine Macht der Welt, nicht die Macht Vaters konnte es zerstören.
Aber wie einfach.. wie banal.. war es doch nur ein Kristall, nur ein Kristall...
Gegen die Wand geschmettert, in die Lava geworfen, er würde nachgeben, wäre vernichtet.

Grüne Schlieren.. grüner Nebel... Schleim.. die Fingerspitzen berüht, die Finger empor gekrochen..


Und ein gellender Schrei - Hand in glühenden Kohlen.. Rettung durch Schmerz..

Keine Rettung, kein Entrinnen... GEPACKT ...von Mael'Rayat


[img]http://www.oyla15.de/userdaten/39032034/bilder/gruen.jpg[/img]


Später... sehr viel später..

Allein im Bett, zwischen Decken, Fellen, umgeben von modrigem Geruch, Duft der getrockneten Kräuter, dem Brodeln der Lava, alles vertraut, so schützend...
Und doch -
Ein Aufblitzen - GRÜN!
Schleim kriecht die Wände herab, wabert auf das Nachtlager zu, kriecht, kriecht, kriecht..
weiter.. immer weiter... berührt Fußspitzen, tastet tentakelgleich.. weiter.. weiter...

Kein Entrinnen, keine Flucht..

Aus der anderen Ecke Nebelfäden.. GRÜN ... bedrohlich, vertraut.
Berührt Haar, Ohr.. dringt ein, durch Nase, Luft anhalten, kein Atem, nicht herein -NICHT !
Mund zum Schrei geöffnet - Panik pumpt Blut durch Adern, verebbt, erstarrt, zäher... grüner .. Schleim.. kein Blut, kein Leben...
Kein Laut mehr, dumpfes Pochen.. Schleim verstopft das Ohr, frisst sich weiter, weiter... tropft heraus aus leeren Augenhöhlen...



Nichts...

nun - vollkommene Leere...

Ein Traum? Eine Vision..?
Zu real - Wirklichkeit.
Oder..?
Lys´Xaera

Beitrag von Lys´Xaera »



Eine Schlacht musste geschlagen werden.. für Vater.
Blutig, schleimig die verbrannte Hand, verkohltes Fleisch, widerlich stinkend.
Aber kein Verband..
Womöglich würde darunter wieder der grüne Schleim aus den Blasen treten, die Hand überwuchern und weiter wandern.
Zu riskant.
Mit Verband würde sie das zu spät merken.
Immer wachsam bleiben.

Der Schmerz tat gut.
Hielt bei Bewusstsein, verlieh ihr Verstand.

Aber Mael'Rayat hatte Macht über sie erlangt.
Ihr Denken wiedersinnig irrational verdreht, ihr die Macht geraubt, über ihren eigenen Körper, ihre eigenen gedanken zu herrschen.

Wie sollte so eine Schlacht geschlagen werden.

Mistrauen um sie herum.
Sie sah es ihnen an, diesen Bastarden, die sich ihre Geschwister schimpften.
Wer waren sie schon, dass sie sich anmaßen durften, zu urteilen..
Sie wollten alle nur eines - sie wollten Mael'Rayat, um es zu beherrschen, um sich seiner Macht zu bedienen.

Sie würden Vater untergehen lassen und es nicht einmal merken.


Zusammenreißen.
Wenn schon nicht in der Schlacht, so an einem anderen Ort.
Wichtig... war es wirklich wichtig, hier mitzuwirken?
Eine leise Stimme sagte ihr dies.
Eine Stimme aus ihrer Erinnerung.
Eine Abmachung.... ja - es war wichtig, ja - es musste getan werden.
Befreiung.


Es funktionierte.
Sie funktionierte.
Denken ausgeschaltet, kein Empfinden, kein Schmerz, reine Funktion.
Alles erlernte.
Rasch zuschlagen, rasch davon machen.
Erfolg.


Eine Besprechung...
Um was ging es noch gleich?
Sicher.. der Kampf.
Unsicherheit - ein Rabendiener, eine Arkoritherin.
Was wollten sie hier?
Ach.. möglicherweise waren sie wegen einem Anliegen hier..
Seltsam.


Tluth'xarlor...
Kalte Berechnung in den Augen.
Was sagte er da?
Er wolle sie nach Leth'Axorn schleifen wegen einer Medizin?
Natürlich.. er wollte, dass sie ihm die Medizin gab.
Die er so sehr begehrte.
Mael'Rayat.
grün.


Velvyr'tae....
Hand an ihrer Kehle.
Krallen im Umhang.
Drohung.
Verlangen.
Wollte sie beschwören.
Beschwören, um Marl'Rayat zu erhalten.
Mael'Rayat.
Grün.



Wankend, taumelnd, umgeben von grünem Licht, grünen Schlieren, grünem Nebel..

Ein Ende findend in Leth'Axorn..
Ein weiterer Tag, dominiert von Irrsinn - vorüber...

Lys´Xaera

Beitrag von Lys´Xaera »



All der Zorn, all die Wut musste sich Luft machen.
Ketten zerbersten lassen, und den vernichteten, untergrabenen Verstand frei setzen.
Vaters Macht in all ihren wunderschönen Formen und Tönen brachte Verderben über Mensch und Kreatur.
Und mit dem Verderben einen Faden.. erst ein dünner, leicht zu zerreißender Faden.. dann ein dickes Seil..
Und tief in der Nacht den Rettung verheißenden Anker.

Sie zog und wandt und zerrte sich selbst aus dem Sumpf, all dem Grün, all dem Wahnsinn..

Und die Gedanken der vergangenen Nacht fruchteten.
Es war nicht ihre Machtgier.
Wie sie stets behauptet hatten.
Und sie stets verneint.
Sie hatte recht.
Es galt einzig und allein ihr Volk zu schützen.


Velvyr'tae war es, die sie letztendlich wachgerüttelt hatte, und sie musste nun auch die geistigen Ergüsse der Lethry ertragen.
Sie berichtete.. von der Stimme des Erhabenen, von dem Erscheinen des Erhabenen.
Nur kurz war es gewesen, und undeutlich.
Und noch immer zweifelte sie.
War es der Erhabene, der tatsächlich .. Hilfe benötigte?
Oder war es dieser unheilige Kristallsplitter, der ihr all dies vorgaukelte, um durch sie zu mehr Macht zu gelangen?


Gewissheit würde es zu diesem Zeitpunkt nicht geben.
Sie musste er erforschen.


Und trat letzteres ein, so hatte sie Anweisung gegeben.
Eine dem Wahnsinn anheim gefallene Lethry hatte beseitigt zu werden.



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Syrr'ael
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Beitrag von Syrr'ael »

"Sieh dein Fleisch, hell und fett! Weißt du was es bedeutet vom Tod geliebt zu werden?"
-Furmas, einstiger Wächtiger Mael´Rayats


[img]http://spielerinfos.alathair.de/images/4/48/Maelrayat2mg3.png[/img]

Voller Hunger räkelte sich das Ding, der Verschlinger, der einst auf den Namen Furmas gehört hatte. Oh, natürlich war er noch Furmas, zumindest ein Teil davon, aber er war auch soviel mehr geworden. So viele Seelen, so viel Kraft, so viel Energie. Sie alle waren geholt worden und sie alle scheiterten, weil er sie scheitern ließ. Sie waren nun ein Teil von ihm und wimmerten in ihrer Agonie, schrien ihren Hass und ihre Hilflosigkeit hinaus und bettelten doch im nächsten Augenblick um Gnade - nicht um der Freiheit, aber der Erlösung willen.
Er war der Parasit der sich an Mael´Rayat labte, er war das Geschwür das sein Innerstes durchzog und doch unentdeckt von ihm ein Teil davon war. Bald würde seine Macht ohne Grenzen sein und dann war der Augenblick der Freiheit nahe.

Und doch...

Etwas drohte seine Pläne zu durchkreuzen.
Der kleine, so schmackhafte Lethyr dessen Geist er schon damals kosten durfte? Nein, wohl kaum. Er war innerhalb der Strukturen des Artefaktes gefangen, hatte noch die Hoffnung die Prüfungen bestehen zu können und würde bald als Leckerbissen wie die anderen enden.

Nein, es war die Lethry, dieses schwache Geschöpf dessen Macht nicht ausgeprägter als die eines Grashüpfers war. Und doch hatte er sie unterschätzt, oder nicht? Das Artefakt hatte sie berührt, und damit auch er selbst...sie hatte die Macht gekostet, den Wahnsinn der sich dahinter verbarg, den Irrsinn, den er zu geben bereit war.
Aber sie hatte widerstanden...schwaches, lächerliches Ding! Sie würde er als nächstes holen lassen!
Wie konnte sie es wagen, ein Ding reinster Harmonie - ein Blatt des Baums des Lebens - hierher zu bringen und direkt neben das Artefakt zu legen?!

In Präsenz des Mael´Rayat Fragments hatte das Ding bereits zu faulen begonnen und würde bald nicht mehr als ein Häufchen Staub sein... aber es schmerzte, es blockierte, es machte träge! Vorallem aber mehrte es seinen Zorn!
Was versuchte sie damit zu bezwecken? Hatte sie womöglich gar erkannt wer der neue Meister der wächsernen Flamme war?!
Gleichwohl er in gewisser Weise ein Teil des Artefaktes geworden war, war er auch darin gefangen... Seine Sinne nach außen waren eingeschränkt, reduziert auf dass was Mael'Rayat selbst wahrnahm - nein, unmöglich, die Lethry konnte nicht erfahren haben was selbst das Artefakt nicht wusste.

Oder unterschätzte er sie schon wieder? Was und wie hatte sie wodurch erfahren können?!

Und dann musste er lachen.

Es war kein hörbares Schnattern wie das Sterblicher, nein, es war ein Beben der Disharmonie, eine Empfindung reinsten Spottes und reinsten Zorns.
Nur die Dinge, die Mael´Rayat von außen betreten hatten, entzogen sich seiner direkten Wahrnehmung. Dinge, wie der lächerliche Lethyr...aber auch Dinge, wie der kleine Imp, der wohl eher versehentlich aus seiner Sphäre gerissen wurde und sich aufeinmal inmitten des Artefaktes wiedergefunden hatte.
Der Imp, den er so lange vergessen hatte, weil dessen Kraft einer Fliege geglichen hatte, die man einfach ignorierte anstatt sich die Mühe machen, sie zu zerquetschen. Der Imp, den das Artefakt zur Lethry geschickt hatte, um sie - angetrieben von seinem, Furmas, eigenem Willen! - dazu zu bringen sich der "Prüfung" zu stellen und von Mael´Rayat verschlingen zu lassen. Dieses kleine Insekt musste etwas verraten haben.

Er konnte ihn spüren, er konnte ihn fast schmecken... - trotz der Beeinträchtigung durch das Blatt - irgendwo in den körperlosen Weiten des Artefaktes verbarg sich das kleine Licht der Kreatur und bald würde er alles wissen, was diese selbst wusste. Dann würde er den lächerlichen Plan der Lethry vereiteln und sie alle verschlingen - erst den Gefangenen, dann die Lethry...und dann, Stück für Stück, ihr ganzes Volk.

Der Verschlinger räkelte sich und machte sich auf die Jagd.

Lys´Xaera

Beitrag von Lys´Xaera »


Ihr eigenes Verlangen, Stärke vor Vater und dem Volk zu beweisen, wuchs von Tag zu Tag.
Nun war es nicht mehr lange hin, beinahe schon in Stunden zählbar, bis der Moment gekommen sei, welcher Vernichtung und Ende bedeutet.
Ruhe, kein Laut, nur die ewig währende Disharmonie war es, die in diesen Tagen die Lethry begleitete.

Und tiefe Ruhe war es auch, die in ihr herrschte, als sie sich dem Kristall erneut stellte.
Zuvor jedoch... es war ein wahrer Geniestreich, auch wenn er so viel Kraft kostete, dass Lys hernach eigentlich zu nicht viel mehr in der Lage war, als schlichtweg - in sich zu ruhen.
Dieser Baum, von dem ein Gedicht erzählte, existierte tatsächlich.
So wiederwärtig, so krank, so ekelerregend.
Die Katze, die sich in Begleitung eines noch kleineren Exemplares diesem durch und durch unheiligen Gewächs näherte, verspürte Magenkrämpfe, und das Lied zerrte an ihr, zehrte an ihr..
Ein letzter Satz.. Katze, Kätzchen und Blatt waren in Sicherheit.

Warum dieser Baum sich nicht wehrte, war ihr schleierhaft.
Sie hatte damit gerechnet, war darauf gefasst gewesen, denn ein Heiligtum der Disharmonie hätte sich niemals von einem Ketzer ausrauben lassen.
Vielleicht aber waren die Artefakte der Hure ebenso blind wie diese selbst...
Ja.. das war möglich.
Doch vielleicht lag es auch andiesem Paradoxon... denn die Lethry kam, um ein Blatt des Baumes zu stehlen, um damit tatsächlich... Gutes zu tun..
Vielleicht auch eine Fügung des Schicksals, es ist letztendlich gleich, das Ziel zählt.

Shai'naira, die junge Lethra, das dumme Kind, ihre Schülerin, die so unerfahren war, zeigte dieser Tage, da von jedem das äußerste verlangt wurde, eine erstaunliche Gabe, zu denken.
Das war Lys'xaera bislang tatsächlich entgangen...
Sicher, dass sie Rückschlüsse ziehen konnte, dass sie lernte, in der Lage war, Logik anzuwenden - das war Grundvoraussetzung.
Doch aber machte diese neuerliche Wendung die Lethry neugierig und.. versah sie mit tiefer Zufriedenheit.
Es gab Hoffnung in diesen Tagen.


Hoffnung

Hoffnung jedoch ist niemals gleichzusetzen mit Illusion.
Und Illusionen machte sie sich nicht.
Es war irgendwie selbstverständlich, anzunehmen, dass dieses unheilige Blatt seine Kraft recht schnell verlieren würde, getrennt von seinem Ursprung, und inmitten des Allerheiligsten des letharischen Volkes.
Doch Mael'Rayat zog sich zurück, suchte Schutz in sich vor dieser Reinheit, dieser zerstörerischen Symmetrie.
Es spürte, dass ein Zusammentreffen des Liedes und der reinen Disharmonie Vaters fatale Folgen haben könnte.

So zumindest interprätierte es die Lethry.


Interprätation

Es musste so sein, es konnte nicht anders sein.
Die Lethry hatte die Entscheidung zu treffen - Realität und Schein... beides ging dieser Tage Hand in Hand.
Sie hatte die Wahl zwischen dem Verderben Syrr'aels und dem Untergang ihres gesamten Volkes... die Wahl ihres eigenen Versagens.. die Wahl, keine Wahl zu treffen... ...hingegen hatte sie nicht.

Was war Lüge? Trug? Ilusion?
Das, was ein Imp von sich gab, der nicht für einen Sekundenbruchteil in der Lage war, den Mund zu halten? War es wahr, dass Furmas zurückgekehrt - oder viel eher, gar nicht erst gegangen war?
Dass all dies eine Prüfung sein soll.. für Syrr'ael, sie selbst, ihre Schülerin, ihr Volk als gesamtes und doch für jeden einzelnen?

Wenn es der Wahrheit entsprach, galt es zu handeln.
Denn würde sie nichts tun, bedeutete dies tatsächlich den Untergang des heiligen Volkes.
Furmas würde einen nach dem anderen dem Wahnsinn anheim fallen lassen, und ihn sich holen, sich von ihm nähren, bis sein unersättlicher Hunger nach Macht gestillt war.

War es jedoch nicht die Wahrheit - so würde die Lethry selbst ihr Volk ins Verderben führen... es musste überprüft werden.


Prüfung

Ein langes Gespräch unter Schwestern, Offenheit, Nähe...
Es half.
Sie sah die Dinge klarer.
Sie hatte keine Wahl.
Sie hatte eines zu tun: ihr Volk zu führen, egal, ob es nun den Untergang bedeuten würde, oder nicht.
Vater duldet kein Versagen.
Vater duldet keine Schwäche.



Und so begann der Zorn zu schwelen, der Hass sich neu zu nähren, denn schon bald sei der Zeitpunkt gekommen, an dem Vater seine Kinder vor eine weitere Prüfung stellen würde.



Zuletzt geändert von Lys´Xaera am Dienstag 24. Februar 2009, 22:27, insgesamt 2-mal geändert.
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Shai'naira
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Beitrag von Shai'naira »

Die junge Lethra lag in ihrer Höhle auf den Fellen. Eigentlich sollte sie ruhen, neue Kräfte sammeln für ihre Aufgaben. Und doch.. sie konnte es nicht. Immer wieder kehrten die Gedanken des Mädchens, welche eher einem Kind, denn einer Frau glich, zu den Geschehnissen der letzten Wochen zurück.

Sie hatte von dem Bruchstück erfahren. Die ganze Geschichte. Oder zumindest den größten Teil davon. Irgendetwas in ihr sagte ihr, daß die Lethra Dinge verschwiegen hatte. Und auch, wenn sie nicht wußte, was es war, so wußte sie nun genug, daß es ihr nicht mehr aus dem Kopf ging. Dieser Teil der Geschichte ihres Volkes war tot geschwiegen worden. Sie selber war zu jung, um dies alles mitbekommen zu haben, doch daß sie in den 20 Jahresläufen, in welchen sie nun existiertenie zuvor etwas davon gehört hatte, dies war ein Zeichen dafür, wie mächtig dieses... Ding war.

Das Ding.. sie wußte nicht, wie sie es anders beschreiben sollte. Auch hatte sie noch imemr nicht verstanden, WAS es genau war. Sie hatte nachgefragt, hatte nach Klarheit verlangt. Doch auch Lys'Xaera, ihre Lehrmeisterin, hatte ihr dies nicht zufriedenstellend beantworten können. Und an dieser Stelle hatte sie die Wahrheit gesprochen, dies wußte das Mädchen.

Sie hatten im Turm der Lethyren gesessen und Shai'naira hatte der Geschichte gelauscht, hatte jene beinahe in sich aufgesogen. Hätte man den Inhalt der Geschichte außer Acht gelassen, sowie die Gesellschaftssturuktur, hätte man zu der Auffassung gelangen können, dem Kind werde eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Doch es war weit mehr.

Dies konnte gefährlich werden. Sie hatte es mit... einem Ding... voller Macht zu tun. Als Lys'Xaera berichtete, daß sie versucht hatte, dieses ...Ding... mit des Vaters Macht zu erreichen, es zu beeinflussen, und wie es daraufhin stärker geworden war, da hatte das Mädchen den Eindruck gehabt, daß ihre Mentorin nicht mehr weiter wußte. Dies hatte das Mädchen irritiert. Noch nie hatte sie, seid sich die Lethry ihrer angenommen hatte, so etwas erlebt. Zudem in einem Zusammenhang, welches Shai'naira nicht verstand.

"So des Vaters Macht das Ding nährt und es stärkt, so gehört es ihm und ist Teil seiner Kraft. Also wird das widerliche Tun der Hure es schwächen."

Jene Worte waren aus dem Mund des Mädchens getreten, begleitet von einem Schulternzucken. Es war für sie logisch, sie einzige Erklärung der Ereignisse. Und doch hatte die Lethry sie angeschaut, als hätte sie soeben zu dem lichten Pantheon persönlich gebetet.
Stille hatte sich über den Raum gelegt, eine beinahe drückende Stille. Nichts hatte sie Lethry erwiedert, außer einem kaum wahrzunehmenden Nicken, gefolgt von dem Befehl, Informationen zu sammeln. Der Ketzerpriester war leider wieder frei, so daß man ihn nicht nutzen konnte. Doch nun galt es weitere Informationen zu besorgen.

Am folgenden Tag hatte sich das Mädchen auf den Weg gemacht. Auf einem ihrer Streifzüge als Katze hatte sie gehört, wie sich einige der Menschen über eine Bibliothek auf neutralem Grund unterhalten hatten. Dies würde ihre erste Anlaufstelle sein. Das Problem war nur, daß diese in direkter Nähe des Klosters stand. So wählte sie nicht ihre humanoide Gestalt, sondern erneut jene einer Katze, um unauffällig an jenen Mauern vorbei zu gelangen.

In der Bibliothek wurde sie von einem Menschen empfangen, welcher ihr alles zeigte. Beinahe hätte man meinen können, sie wäre noch in Rahal, denn das Verhalten des Menschen war akzeptabel. Zumindest für einen Menschen.
So verbrachte sie Stunde um Stunde dort, durchstöberte die Räume, die Schriften, die Bücher. Da sie der menschlichen Sprache nicht wirklich mächtig war und recht lange Zeit für die einzelenen Texte benötigte, um deren Sinn zu erfassen, verlängerte sich ihr Aufenthalt noch mehr. Und doch war ihr Unterfangen nach einem Zeitraum, welchen sie nicht mehr einzuschätzen vermochte, erfolgreich. Sie war auf einen Reim gestoßen. Mehr schlecht als recht gedichtet, die Worte eher hilflos aneinander gereiht. Es glich einem Kindergedicht, welches mal eben zusmmen gestückelt wurde, um die Brut ruhig zu bekommen. Und dennoch...sollten sich jene Informationen als wahr erweisen...

Sie wies den Menschen an eine Abschrift zu fertigen und überbrachte jene der Lethry Lys'Xaera.
Jene hatte sich lange mit dem Text beschäftigt. Sher lange. Immer wieder hatte sie genickt und letzten Endes sah mal Anerkennung in ihren Zügen, ein sehr seltenes Phänomen.

Noch am gleichen Abend wurde der Aufbruch beschlossen. Sie würden in das Kloster einsteigen. ine Wache wurde außerhalb positioniert, dann kletterten eine große und eine kleine Katze über die Mauern des Klosters. Es war gar nicht so leicht, zwischen den ganzen Menschen nicht gesehen zu werden. Auch wollten sie diese grausamen Streichelaktionen meiden, welche die Menschen so liebten und automatisch zu jenen übergingen, sobald sie die in Gestalt dieser Fellbündel sahen. Doch fanden sie letzten Endes wahrlich diesen Baum, von welchem das Gedicht gesprochen hatte. Auch schafften sie es, ein Blatt von jenem zu entreißen. Lys'Xaera öffnete das Tor zur Zwischenwelt und schon waren sie hinfort, hinaus aus diesem Tempel der Ketzer.

So brachten sie das Blatt zurück nach Leth'Axorn, das Mädchen begleitete die Lethry noch bis zur höchsten Etage des Lethyrenturmes. Dort mußte sie zurück bleiben, fehlte ihr doch die Macht, hinüber zu gelangen, zu dem Ort, an welchem das Ding aufbewahrt wurde.

Lys'Xaera hatte sie angesehen, lange, ehe sie zu sprechen geonnen hatte:
"Sollte ich nicht zurück kehren, wird es Deine Aufgabe sein, das Volk zu führen. Ihnen meinen Willen und das, was geschehen ist, mitzuteilen. Gehe zuvor zu Velvyr'tae, sie wisse Bescheid, doch werde niemand auf ihr Wort hören. Dies werde Deine Aufgabe sein. Zeigen ihnen den Weg und führe unser Volk."

Shai'naira hatte sie angeschaut, als habe sie den Vrstand verloren. Doch allmählich ging ihr auf, daß die Lethry recht hatte. Mory'tael war verschwunden, Syrr'ael war in diesem ...Ding... gefangen. Ziel war es, ihn dort wieder heraus zu holen. Lys'Xaera, die nächste in der Hierarchie, würde dies versuchen. Sollte dies nicht gelingen...gab es nur noch sie. Ein Kind, in der Ausbildung noch ganz am Anfang, sollte dann ihr Volk führen?

Bei diesen Gedanken schieden sich die Gefühle des Mädchens. Zum einen war es das, was sie wollte. Irgendwann. Sie wollte Macht. Sie wollte diese nutzen um dem Vater zu dienen. Doch war die Logik und der Realitässinn dennoch so weit ausgebildet, daß sie wußte, das nun noch nicht der richtige Zeitpunkt dazu war. Sie mußte noch viel lernen. Dinge, welche sie für solch eine Aufgabe benötigte. Und die Beiden, die ihr dieses Wissen vermitteln konnten, waren dort drüben. Einer in dem .. Ding... und eine davor.
Sie verzog das Gesicht. Vater würde schon wissen, warum er dies zuließ. Warum es so kommen sollte. Würde er wollen, daß sie das Volk führte, dann würde sie es tun, auch wenn sie nicht wußte, wie sie dies anstellen sollte.

Doch eines wußte sie: Es war eine Prüfung. Für Syrr'ael, für Lys'Xaera und auch für die. Eine Prüfung im Lied des Vaters, eine Prüfung vom Vater selbst, eine Prüfung für jeden individuell, auf seinem Stand, in seinen Fähigkeiten.

Und sie würde nicht versagen. Versagen war keine Option. Niemals...
Velvyr´tae

Beitrag von Velvyr´tae »

Das Heiligtum war dunkel geworden, alles Flammenspiel gedämpft. Selbst die Schatten zogen sich zurück, ließen dem Zwielicht Raum. Alles in diesem Sanktum schien nun nicht länger auf den Altar fixiert. Obwohl die Statue des Panthers, die aus dem brodelnden Becken zu wachsen schien, lauerte, war der Mittelpunkt ein anderer. Ein Artefakt, eine amorphe Masse die in Grüntönen flackerte, pulsierte wie ein lebendiges Wesen. Mael'Rayat, der Prüfer.
War es die Flamme, die an den Fäden des Schutzkreises spielte, der sie band? Oder war es Furmas, der gefallene Wächter? Die Lethra lauschte. Es war eine neue, eine auszehrende und zugleich ekstatische Erfahrung sich der Stimme des Panthers hinzugeben. Den Geist zu öffnen, zu einem Tropfen der Woge zu werden. Wie sehr es dazu einlud, vollständig darin zu versinken und sich der Disharmonie zu überlassen. Nur ein kleiner Schritt, nur eine winzige Bewegung....es wäre so einfach. Nur ein Griff danach, der Wille dem höheren Wesen überlassen. Nur ein kleiner Schritt...komm...

Ihr Kinn, das auf die Brust gesunken war, fuhr hoch. Eine eisige Hand krampfte ihren Magen, fuhr mit Spinnenbeinen über ihr Rückgrat. Die Flamme inmitten des Kreises schien spöttisch zu flackern, die unbeständig wechselnde Farbe glich für einen Moment ihren eigenen Augen. Übelkeit stieg empor, als ihr bewusst wurde, wie dicht sie diesmal davor gestanden hatte, dem Flüstern nachzugeben. Es war so verlockend, so sehr eine Fortsetzung jener kleinen, verborgenen Wünsche die sich verbissen in ihrem Fleisch festklammerten. Nur ein kleiner Schritt, und du wirst über Macht verfügen. Du wirst Anerkennung finden, und zuletzt werden auch sie erkennen, was du bist.
Ein Grollen klang tief in ihrer Kehle, tierisch, eine Zuflucht um diesem spöttischen Flüstern etwas entgegen zu setzen. Der Zorn darüber, wie nahe die Worte ihr kamen, stärkte ihr das Rückgrat..und doch war die Erschöpfung, das Ende ihre Kräfte nahe. Seit zwei Tagen wechselte sie sich mit der Lethry und ihrer Schülerin ab, um die Fesseln zu überwachen, die den gierigen Dämon in Schach hielten. Warum gerade sie, die nutzlose Lethra? Sie hatte aufgehört zu hinterfragen. Keine Zweifel mehr, keine Unsicherheiten, anderenfalls würde sie brechen wie ein trockener Ast. Ihre Augen brannten und sie fühlte sich ausgelaugt, als ernähre sich ein anderes Wesen von ihrer Kraft. Auch ihr Kiefer schmerzte höllisch, durch den groben Schlag des Lethrixors hatten sich Zähne gelockert.

Dennoch hatte diese Zurechtweisung eine erstaunliche Wirkung. Vieles hatte sich in den letzten Wochen verschoben, seinen Platz verloren. So sehr ihr diese Veränderung auch zugute kam, so sehr nagte es an ihrem Weltbild. Der grobe Schlag mit dem Knauf der Pantherklaue rückte vieles zurecht. Ihr Selbstbild, und ihr Bild des Volkes Leth'Axorns. Nicht alle waren im Mittelmaß versunken, selbst wenn ihr Stolz sie blendete. Aber das galt auch für sie selbst. In Dekaden hatte sie den Höchsten der Hohen gedient, und sich über ihren eigenen Status hinweg getäuscht. Nun wurde ihr die Abrechnung präsentiert und sie sank beinahe in die Knie. Sie hasste ihre eigene Schwäche. Sie hasste ihren Selbstbetrug. Die Flamme sah, die Flamme wusste. Ein Bild verblasste niemals, gleichgültig wo sie sich aufhielt. Rhad'il, der Eine und Letzte. Ihr Aufstieg und ihr Untergang. Es schmerzte, und dafür hasste sie ihren vermenschlichten Geist. In diesem Sanktum, so nahe am Ursprung allen Irrsinns, stieg der Wunsch sich ihr Fleisch von den Knochen zu reißen. Schwach, wertlos, nutzlos..die Quelle aller Fehltritte...komm, und ich werde dich davon befreien...

Der Schmerz und das Blut brachten sie wieder zur Besinnung. Sie hatte ihre Kiefer so fest aufeinander gepresst, dass sich etwas in gereizten Nerven bohrte. Die Welt verschwamm vor ihren Augen, und das Flüstern brach ab. Durchhalten, sie musste durchhalten. Bald war der Zeitpunkt gekommen, sich Furmas zu stellen. Dann gab es keine Ausflüchte mehr, keine Nische um sich zu verbergen. Es konnte kein Mittelmaß geben, nur Sieg oder Untergang – und beides war auf seine Weise dem Panther gefällig. Ein Gedanke kroch näher, der sein Haupt bereits häufiger gehoben hatte. Vielleicht war es wahr, was der Ketzer von sich gegeben hatte.

Jeder Tod bereitet auch den Weg für etwas Neues.


Ein ironischer Gedanke, und ihr auf eine Weise vertraut die dem Ketzer wohl wenig gefallen würde. Aus der Zerstörung erwuchs neue Ordnung, ganz in Seinem Sinn. Diese Prüfung galt nicht alleine der Lethry, sie galt dem gesamten Volk – bereit, wie ein Fegefeuer zu vernichten und aus der Asche neu geformt zu werden. Würde sie in der nutzlosen Schlacke verbleiben, oder neu geschmiedet werden? Zum Guten oder zum Schlechten, sie war bereit ihren Wert auf die Waagschale zu legen.
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