Seine Gemahlin hatte es gefunden auf einem ihrer winterlichen Streifzüge.
Es war groß... sehr groß.. anders gesagt: Es hatte die optimale Größe für alle gesammelten Schätze der Welt. Freilich keine Schätze in Form von Gold und Edelsteinen, nein, etwas viel Wertvolleres: Bücher!
Reisegeschichten, Märchen, Landschaftskarten, Gedichte, Liedertexte, der Götter Gebote und Tugenden und vieles mehr. All das, was den Menschen entweder wieder ins Gedächtnis gerufen werden sollte, oder eben einfach nicht verloren gehen sollte.
Für all jene bot es den dafür nötigen Raum.. dieses alte Gemäuer.
Wilder Garten unter leichter Schneedecke, hier war sehr lange Zeit kein Gärtner gewesen.
Vielleicht gehörte es früher zu einem der Reiche, jetzt aber stand es auf neutralem Grund und vermutlich fühlte sich deshalb auch keiner verantwortlich.
Wofür es auch immer früher genutzt wurde, es sollte ein neues Gesicht bekommen.
Die Mauern wiesen Risse auf, hier und da schien es, als seien Mauerstücke heraus gebrochen worden. Innen pfiff der eisige Winterwind durch die Ritzen der morschen Fensterläden, während er mit einigen seine eigene Melodie schuf, in dem er sie mal aufblies, mal zuschlug.
In den Kaminschächten hatten sich Vögel eingenistet, das Flügelschlagen hallte hinunter in die Räume.
Alles in allem aber nichts, was nicht instand zu setzen wäre.
Es dauerte nicht allzu lang, da rückten die Steinmetze und Schreiner an. Es wurde vermessen, gezeichnet, gesägt, gehobelt, geschlagen, geformt und geflucht.
Einige Vogelkundige machten sich daran, die Tiere behutsam an eine neue Umgebung zu gewöhnen, auf dass sie ihren heimatlichen Kaminschlot nicht vermissen sollten.
Hier und da sollten Bodenbeläge ausgebessert werden, die weniger schönen Stellen würden Teppiche später bedecken.
Fensterläden wurden ausgetauscht, oder gangbar gemacht, die Löcher in den Mauern gestopft, die Fugen mit einer Lehmmischung ausgebessert.
Eine kleine Gruppe Schreiner wurde beauftragt sich um die Herstellung hoher Regale zu kümmern sowie Tische und Sitzgelegenheiten.
Schmiede wurden angehalten hohe Leuchter herzustellen, auf dass die Räume gut ausgeleuchtet würden.
Mehr Holz wurde herangeschafft um die Kamine zu befeuern und die feuchte Luft aus den Zimmern zu vertreiben.
Raummaße wurden an Teppichweberinnen gesandt, damit zukünftig der Hall der Schuhe geschluckt würde und nicht beim Lesen störe.
Während Isentrud Elsewed Widegrein dafür sorgte, dass es den Arbeitenden an nichts mangelte, wie Brot, gepökeltem Fleisch, Gebäck und heißem Gewürzwein, lief Isumar Frodewald Widegrein mit schon leuchtenden Augen durch das Gemäuer, sah bereits die dicken Teppiche auf den Böden, die eingeräumten Regale voller Bücher und ja, sogar schon die ersten Wißbegierigen, die nach bestimmten Werken fragen wollten, bis.. ja bis Isentrud ihm einen Krug heißen Weines unter die Nase hielt und er feststellen mußte, dass es noch nicht ganz so weit war.
Aber bald... sehr bald...