Aus Alt mach Neu

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Lythiana Cronor

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Beitrag von Lythiana Cronor »

Eine Geschichte wie diese sollte sich eigentlich folgendermaßen abspielen:

Wir befinden uns auf einem kleinen Friedhof am Rande eines ebenfalls kleinen, friedlichen Dorfes. Es ist eine ungemütliche Nacht, geprägt von peitschendem Regen und dem unregelmäßigen Aufflackern von Blitzen in der Ferne. Kein Hund wagt sich bei diesem Wetter vor die Tür und ebenso halten es die wenigen Einwohner des Dorfes, die um diese nachtschlafene Zeit noch auf den Beinen sind.

Und so bleiben die Ereignisse auf dem Friedhof auch unbeobachtet in dieser Nacht. Es beginnt mit einem leisen, wiederholten Scharren, dessen Quelle unter der Erde zu liegen scheint. Würde man dem Geräusch folgen, so stünde man letztlich vor einem schlichten Grab, bar jeden Schmucks. Ein Grabstein, der Rückschlüsse auf die Identität des oder der Verstorbenen zulassen würde, existiert nicht. Das Scharren wird lauter, eindringlicher, und der Ursprung dieses Geräusches scheint plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt zu sein. Die oberste Erdschicht des Grabes gerät in Bewegung, ganz als ob sich etwas von unten nach oben graben möchte. Und endlich ist es geschafft –bleiche Fingerspitzen mit langen, teils abgebrochenen Nägeln, unter deren Rand sich Erde angesammelt hat, schieben sich aus dem Erdreich in die Freiheit.

Am nächsten Morgen stößt der Friedhofswärter zu seinem Entsetzen auf ein aufgebrochenes, vollkommen leeres Grab.


Doch in den seltensten Fällen ereignen sich die Dinge so, wie es in Geschichten und Mythen geschildert wird, und auch in diesem Fall sah die Realität anders aus.

Und auch wenn Lythiana die oben geschilderte Vorstellung ein sachtes Schmunzeln entlocken mochte, so war sie über den Verzicht auf Grab, Gewitter und mühsames in-die-Freiheit-graben nicht gerade unglücklich. Die Geschichte hätte so oder so nicht ganz gepasst, denn letztlich hatte sie Krathors Umarmung nie gespürt. Sie hatte weitergelebt, während die Magierin Lythiana Cronor, die Maestra des Ordens der Arkorither, gestorben war.
Altes muss Neuem Platz machen, so war es schon immer gewesen. Doch manchmal erweist sich das Alte als unerwartet hartnäckig.

Die Auferstehung der Magierin Lythiana Cronor erfolgte – zumindest was ihre Wahrnehmung betraf – unspektakulär und völlig schmerzlos. Sie wachte lediglich auf. Weitaus außergewöhnlicher waren der Ort an dem Sie erwachte... und die überaus erlesene Gesellschaft. Beides war ihr vollkommen fremd und doch auf eine gewisse Weise sehr vertraut. Die Familienähnlichkeit war da, ohne Zweifel, auch wenn die verwandtschaftlichen Bande keine sehr festen zu sein schienen. Doch wie zum Henker kam es zu dieser überraschenden Familienzusammenführung? Schweigend und überaus nachdenklich sah sie von einer vermummten Gestalt zu anderen.

Einige Wochen später brach sie auf. Man hatte sie unbehelligt ziehen lassen, jedoch darauf bestanden, ihr einen Cousin als „Wegbegleiter“ und „Unterstützung in den ersten Tagen daheim“ mitzugeben. Egal was sie davon hielt, zu ändern war es vorerst nicht. Hauptsache war, so schnell wie möglich wieder zu den Ihrigen zurück zu kehren. „Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch“, so hieß es doch…
Zuletzt geändert von Lythiana Cronor am Donnerstag 11. Dezember 2008, 17:23, insgesamt 1-mal geändert.
Tarja Lycron

Beitrag von Tarja Lycron »

Die verhüllte Gestalt, die auf sie zutrat konnte nicht Lanaya gewesen sein. Das Band war gerissen, das hatten sie doch alle deutlich gespürt. Der Eine vielleicht nicht ganz so schwach, der Andere umso deutlicher. Jeder Verlust zeigte sich durch eine Schwächung, jeder Gewinn durch pure Wonne. Aber keinesfalls Lanaya, dieser Schmerz, der sich in ihr ausgebreitet hatte war ähnlich dem eines Bandes, das gänzlichst gebrochen war.

Aber wer, wer verbarg sich hinter dem, was sich langsam der Ruine, dem Ritualplatz näherte?

Ihre Augen rückten zu den schlierenhaften Bewegungen. Sie war es. Sie war es wirklich. Und umso näher sie kam, umso deutlicher wurde es. Sie war zurückgekehrt.

Es war oftmals so gewesen, dass mit dem Fortgehen einer höheren Macht und dem Schwächen des Ordens rasch eine weitere Macht emporstieg. Aber in diesem Fall - sie kam zurück. Ihren Fall hatten die Geschulten deutlich gespürt, aber nicht, was passiert war. Das war ihnen gänzlich fremd, so etwas zu filtern. Es fühlte sich im Vergleich zu dem Bruch von Lanaya nur deutlich schwächer an. Sie konnte also nicht tot gewesen sein und wieder zum Leben erweckt worden sein. War so etwas überhaupt möglich? Schnell besann sie sich und rügte sich selbst zur absoluten Ruhe. Die Runen und Stickereien auf ihrer Robe bestätigten die Gefühle, die sich in der Maga ausgebreitet hatte.

- Lythiana Cronor war also zu den Ihren zurückgekehrt. Und mit ihr ein großer Teil der Macht des Ordens, die stets zu wachsen schien.
Valandor Vasgar

Beitrag von Valandor Vasgar »

Er konnte nicht mal sagen dass er es hasste. Das Gefühl überkam ihn nur selten, aber es ihm zuwider. Normalerweise arrangierte er, sorgte nur dafür, dass Dinge geschehen oder Konstellationen sich ergeben. Aber persönlicher Einsatz... schmunzelnd schüttelte er den Kopf , gleich zur Seite rüber blickend, ob sie es wahrnahm.

Sie waren der Meinung, es würde den Aufwand rechtfertigen. Er selbst war nicht mal anderer Meinung, aber der Unterschied zwischen dem reinen Wissen, dass etwas getan werden müsse, und dem Umstand derjenige zu sein, der es tat, war in den vergangenen Wochen deutlich geworden. Er plante, sie berieten sich und er empfahl den Ausführenden. Doch wer im Kreis hätte es dieses Mal sonst sein sollen? Nunja, immerhin würde es seine Position im Kreis bestätigen. Er würde erfolgreich sein wo andere gescheitert waren.

Das wusste er schon bald, als er das Geschenk fand. Warum sie da war, so ganz wusste er das auch nicht. Aber die Mysterien der Sphären waren eben solche. Nichts sollte dort sein. Ein großes Nichts, und doch war sie dort, einfach da. Ein vergnügtes Lächeln wurde auf seinem Gesicht deutlich als er sich der Dinge rückbesann. Er schaute an ihr entlang, liegend im Nichts. Robe, Stab, schwarz gekleidet. Schaute dann an sich herab und lächelte. Es gab Dinge, die überall gleich waren, in allem Neuen.

Gerade als er noch überlegte, ob er sie dem Nichts überlassen oder mitnehmen sollte, sah er es – der Anker, ihre Verbindung zurück in ihre Welt. Er hatte es gefunden. Nicht beim Suchen, er ließ sich eher treiben im Nichts. Eindeutig ein Geschenk. Er wusste, der Kreis würde nichts anderes beschließen, als ihn gewähren zu lassen. Er folgte mit ihr dem Anker und war dort. So einfach. Er hatte schon geglaubt, nie dorthin zu gelangen und letztlich war es so einfach, so nah. Er lachte auf. Ja, auch er war nicht frei von solchen Gedanken. Nah, es gab kein nah oder fern. Aber ganz kann man sich wohl nie von weltlichen Begriffen lösen. Er sah sich um. Es sah aus, als wäre er ... Etwas zu wissen und etwas zu sehen war ebenfalls ein Unterschied.

Die Berge. Hier sollten sie wohl einige Zeit ungestört sein. Er legte sie ab. Eile war geboten, wer weiß, wie lange sie so bleiben würde, jetzt, wo sie wieder hier war. Blut, wie so oft war Blut der Schlüssel. Vulkanasche, Krötenlaich, Kohle, sein Blut und ihres. Beinah hektisch zerstieß er die Zutaten. Er legte sie auf den Rücken, spreizte Arme und Beine und kniete sich über den Kopf. Wie auf einem Pentagram lag sie dort. Er tauchte seine Hände in die Masse, schloss die Augen und murmelte die alten Verse in gewohntem Singsang. Die Bilder strömten auf ihn ein... Waise also, sehr interessant. Lanaya, Sarog, der Meister, neue Schüler... Es wurde interessanter. Ein Volltreffer, aber auch gefährlich. Ja, es würde ihn sogar den Kopf kosten, wenn er scheitert und das bevor der Kreis ihn erreicht. Erneut konzentrierte er sich. Er brauchte neue Bilder. Wer meint, etwas zu wissen, muss nicht nachdenken, nicht so bald zumindest. Er würde etwas Zeit haben, hoffentlich genug. Die Gefühle würden bleiben, da hilft auch kein Blut, aber immerhin war sie Auserwählte. Sie stellten Wissen über Gefühle, gerade sie sollte daher einige Zeit brauchen.

Er konzentrierte sich erneut. Ja, ein weiterer Orden, ähnlich dem ihren. Ein herzlicher Empfang... Nein, zurück. Sie war nicht die Richtige für Idylle. Zwang, das war es. Es würde auch besser zu ihren Gefühlen passen. Also nochmal. Ein Orden, ähnlich dem ihren, ein Ritual, Magie, die selbst einer Auserwählten mit Ihrem Potenzial noch Ehrfurcht einflößen würde. Mächtig und so fremd. Wenn er es nur tatsächlich so vermögen würde. Funken umgaben seine Hände. Ihre Gedanken sollte sie zunächst verlieren, nichts wissen. Er würde ihr die Erinnerung zurück schenken, ihr etwas geben, unausgesprochen, dass er sie nehmen würde, wenn sie nicht ...Sie gleichzeitig aber pflegen, üben und zu alter Kraft zurück führen. Die Zeit wird zeigen, ob das Blut stark genug wäre, genug Zeit bringen würde, um es zu schaffen.

Er blickte auf. Das Tor in Form eines Pantherkopfes hatte unbestreitbar etwas Beeindruckendes und Würdevolles. Hier war er recht. Er betrachtete sie. Wie würde sie eintreten, zurück in ihrer Vergangenheit, in ihrer Zukunft oder besser, in seiner.
Zuletzt geändert von Valandor Vasgar am Freitag 12. Dezember 2008, 09:26, insgesamt 2-mal geändert.
Lythiana Cronor

Beitrag von Lythiana Cronor »

Sie konnte die Irritation der anderen spüren, als sie den Ritualplatz betrat. Ebenfalls groß und sehr schlank wie Lanaya, und doch selbst vermummt kaum mit ihr zu verwechseln. War sie es? Konnte das sein? Von den Toten zurückgekehrt, oder doch nicht gestorben? Den Machtverlust jedoch hatten sie alle gespürt… Als sie die Stimme erhob, war jeder Zweifel verflogen. Überschäumende Freude mochten sie wohl kaum empfinden, letztlich bedeutete ihre Rückkehr ja das vorläufige Ende hochfliegender Pläne. Oder planten sie dennoch weiter?
Kalkulierten sie bereits ihre Chancen, die gerade erst zurückgekehrte Maestra vom Thron zu stoßen? Ihre „Auszeit“ könnte als Zeichen der Schwäche ausgelegt werden. Wachsamkeit war nun gefordert, mehr als ihre natürliche Paranoia so oder so hervorrief. Besonders Tarja verdiente erhöhte Aufmerksamkeit. Sie war über die Maßen ehrgeizig, dabei aber fähig und so skrupellos, wie man es von einer Arkoritherin nur verlangen konnte. Gewiss war sie nicht untätig geblieben in den letzten Wochen und Monaten. Lucan… gleichfalls ein würdiges Mitglied des Ordens, welches jedoch – zumindest ihren bisherigen Erfahrungen nach zu urteilen – nicht am Thron der Ordensleitung sägen würde… zumindest nicht um ihn sich selbst zu verschaffen.

Das Ritual nahm seinen Lauf und Lythiana folgte dem Geschehen regungslos wie eine Statue. Jede Bewegung schmerzte, die Muskeln waren noch überbeansprucht von den Übungen der letzten Wochen. Ein Pensum wie dieses hatte sie seit ihren ersten Tagen im Orden nicht mehr absolviert. Diese sträfliche Vernachlässigung praktischer Kampfübungen hätte jeden ihrer Schüler eine schmerzliche und nachhaltig in Erinnerung bleibende Lektion gekostet, doch sie selbst… Nun, Wissen und Handeln waren wie so oft zweierlei Dinge gewesen. Er war wie ein Schatten, spielte Mentor, Aufseher, Meister und Gewissen zugleich. Obgleich seine Fähigkeiten – geringer natürlich als ihre - ihr widerwilligen Respekt abnötigten, hätte sie ihm mehr als einmal mit Freuden die Nase gebrochen…. nunja, noch war nicht aller Tage Abend.
Von den anderen Mitgliedern des Kreises, wie er ihn nannte, hatte sie seit dem Tag ihres Erwachens wenig gesehen. Die Gemeinschaft schien dem Orden recht ähnlich zu sein – manche Dinge waren wohl bei Gruppierungen dieser Art einfach gleich. Ihre Macht schien beeindruckend, doch mehr als der flüchtige Blick bei ihrem Erwachen war ihr nicht vergönnt gewesen. Sie musste…

Ihren Gedanken weiter nachhängend stand Lythiana auf und bewegte sich auf das Podest inmitten des Ritualplatzes zu. Frei von ihrem Schatten… und doch von dem Gefühl begleitet, stechende Blicke im Rücken zu spüren.
Tarja Lycron

Beitrag von Tarja Lycron »

Was konnte sich besser anfühlen als ein Kompliment der Maestra? Einiges.

Nichts desto trotz fand Tarja es fast schon rührend, dass sie feststellte, dass Tarja an Macht und Stärke zugenommen hatte. Zugegeben, sie wusste nicht, was in dem rothaarigen Schopf vorging, aber es hätte sie nur zu brennend interessiert. Dachte sie, Tarja würde ihr an den Thron wollen? Hätte sie das gewollt, hätte sie ihn längst an sich gerissen, als das Band zu Lanaya in die Brüche ging.

Nein, so sehr sich ihre Macht innerlich ausbreitete - sie würde den Orden nicht führen. Niemals konnte man nicht sagen, denn schon recht zeitig hatte sie gelernt, dass es verkehrt war "nie" zu sagen. Denn komischerweise kam alles immer ganz anders, als man es selbst dachte. Hey, wenn man ehrlich ist: Wer dachte schon, dass sie, ein junges, gepeinigtes Mädchen, jemals soviel Macht erklangen würde? Vermutlich niemand.

Tarja war neugierig. Neugierig auf das, was kommen sollte. Prüfungen, die bevorstanden. Jedem der Ordensmitglieder, auch wenn sie am Ende ihrer Lehre angekommen war, trotzdem würde es auch für sie weitere Prüfungen geben. Und wenn es nur auf ein reines Kräftemessen hinauslaufen würde. Ihre Gedanken schlichen sich wieder zurück zu Lythiana. Warum war sie weggegangen? Tot konnte sie nicht gewesen sein. Wie hatte Lanaya es geschafft, eine so mächtige Frau von ihrem Thron zu entreissen und sie aus dem Orden zu verbannen? Und was bei dem hiesigen alleinzigen Gott war der Grund dafür gewesen? Hatte sie Schwäche gezeigt? Fragen über Fragen, die man vielleicht bei einer Tasse Tee aus dem Weg räumen konnte. Ihre Mundwinkel rückten kurz empor. Nein. Es war töricht zu glauben, zu phantasieren, dass jemals eines der Ordensmitglieder mehr darüber erfahren würde, was passiert war. Immerhin hieß das, dass man die Quellen preisgab, die ihr schon einmal den Thron gekostet hatten. Wie man das Blatt auch wenden würde, es war nicht verkehrt, dass der Orden wieder mehr Macht bekommen hatte. Egal wie. Und egal durch wen. Es würde weitergehen - so oder so.
Valandor Vasgar

Beitrag von Valandor Vasgar »

Ein kurzer Anflug von Wehmut. Hübsch angeordnet hatten sie sich versammelt. Sie saß wieder vor den ihren, ihr gegenüber ein Anwärter. Ja, das war ihm nicht fremd. Es war kein prunkvoller Platz und an dem Auftritt könnte man sicher auch noch arbeiten. Es schien etwas unspektakulär, vielleicht aber auch nur bewusst gewählt zur Symbolisierung der harten Zeit, die ihnen bevorstand. Ganz gleich, es passte. Es passte zu dem Hier und dem langen Weg, der zu gehen war auch für ihn. Er blickte hinab. Viele Gesichter, viele Geister, viele Gedanken, viel Potential, viel Gefahr.

Bisher musste er nur auf sie acht geben und nun... Nun kamen nicht nur einige argwöhnische Augen hinzu. Auch sie, sie würde sich ihnen stellen und sich daran verändern. Er wusste es vorher, doch nun begann das Werk. Alles davor sollte dagegen Leichtigkeit gewesen sein. Er würde lenken müssen, ohne dass es sichtbar wäre. Würde er sie hier in Frage stellen vor den Anderen... sie wären wir ein Rudel ausgehungerter Wölfe.

Sein Blick ging einmal über das Rudel. Ehrgeiz, Talent, Potential und eine Ausbildung, die auch darauf beruhte, nicht zu oft nach dem Warum zu fragen. Es nutzte, alles andere wäre, wenn man es überhaupt bedenkt, Kollateralschaden. Das Rudel sollte die Welt erblicken und die Welt den Schrecken spüren, der ihm gebührt. Sie sollen jagen - im Rudel - und die Einzelnen und Schwachen finden und erlegen. Es fehlte an Schrecken - er würde ihn bringen .

Er wandte sich ab. Langsam schlurfte er über den Flur. Die Festlung machte zumindest etwas her. Die Treppen hinab gestiegen, schlenderte er zur Seite und verharrte. Die Bibliothekarin darin hätte auch eine Statue sein können. Er beäugte sie einige Momente. Sie war ebenso verharrt und starrte lediglich zurück. Erst nach einem knappen gegenseitigen Nicken trat er ein. Die Zeit, lokale Befindlichkeiten zu missachten, war nicht gekommen. Personal musste man pflegen. Seufzend strich er über die Lehne des schweren Stuhls an der Kopfseite der Tafel, bevor er sich gen des Kellers wandte. Ja, das Werk würde nun beginnen.
Lythiana Cronor

Beitrag von Lythiana Cronor »

Fassungslos starrte Lythiana auf den sich gerade schließenden Sphärenriss, durch den er soeben verschwunden war. Ja, er liebte dramatische Auf – oder in diesem Fall eher Abtritte.

Sie ballte die Faust, holte aus… und traf seine Nase mit voller Wucht. Zufrieden spürte sie, wie Knochen dem plötzlichen Druck nachgaben, beobachtete, wie er vom Sessel und auf die Knie sank, eine Hand vor die Nase gepresst. Egal was er nun tun mochte, sicher war sie sich schon jetzt, dass es kein Fehler gewesen war. Das Gefühl war zu süß…
Rohe Gewalt, ohne jegliche magische Verstärkung – manch einer mochte sie als niveau – und anspruchslos betrachten, sie jedoch nutzte auch dieses Mittel bereitwillig. Gerade jene, die Eluives Gabe erhalten hatten, vergaßen nur allzu oft, dass es mehr als eine Methode gibt, sich zu wehren. Bedauerlich – doch zu einseitige Sichtweise war eine Krankheit, an der so mancher Magier litt. Die meisten von ihnen starben früh.


Kurz überlegte sie, ob sie ihm folgten sollte. Nein. Sollte er sich in irgendeinem Loch verkriechen – sie war sicher nicht die, die ihn vorzeitig wieder dort heraus holte. Er würde sie früh genug wieder beehren.

Denkbar unwillkommen war ihr Besuch an diesem Abend gewesen, das war recht bald deutlich geworden. Nichts anders hatte sie erwartet - brachte die unangekündigte Unterrichtsbeobachtung doch die gewohnten, eingefahrenen Abläufe durcheinander. Erwartet hatte sie jedoch nicht, dass Lucan es tatsächlich wagen würde, Fragen zu stellen. Mutig – und doch so nutzlos. Sie hatten die Informationen bekommen, die sie bekommen sollten. Alles andere würde im Dunkeln bleiben. Lythiana verspürte den starken Drang, laut aufzulachen, als sie den Magister und Valandor beobachtete. Wahrlich, der Grundstein für eine innige, brüderliche Beziehung war gelegt. Wenn sie Valandor eines zugestehen musste dann war es die Fähigkeit, sich in möglichst kurzer Zeit möglichst unbeliebt zu machen. Wie lang es wohl dauern mochte, bis eine nachdrückliche Darstellung seiner Kräfte unumgänglich wurde? Sie freute sich beinahe darauf.

Auch Tarja kam in den Genuss eines persönlichen Gespräches mit ihnen beiden. Sie einzuschätzen war schwieriger, ihre Antworten kamen zügig, sicher und fast ohne Regung. Die Vorstellung Valandors akzeptierte sie ohne zu Murren und ohne zu hinterfragen – doch sie wussten wohl alle, dass die Gerüchteküche in den nächsten Tagen überkochen würde.
Allein in einem kurzen Moment schimmerte aufkommender Trotz durch die Maske… es fiel ihr wohl nicht leicht, zu akzeptieren, dass die Zeiten, in der sie nahezu unkontrolliert und ohne jede Beschränkung schalten und walten konnte, wie sie wollte, vorbei waren. Dies würden sie alle lernen müssen, die einen schnell, die anderen langsam – aber mit einem ohne Zweifel gleichsam zufriedenstellenden Ergebnis.
Zuletzt geändert von Lythiana Cronor am Donnerstag 18. Dezember 2008, 14:47, insgesamt 3-mal geändert.
Valandor Vasgar

Beitrag von Valandor Vasgar »

Das erste Aufeinandertreffen mit dem Orden verlief Alles in Allem doch sehr zufriedenstellend. Nach und nach lernte er die Ordensmitglieder kennen und hatte bei jedem auch kurz die Gelegenheit einen kurzen Einblick darüber hinaus zu gewinnen.

Das klarste Bild glaubte er vom Magister zu haben. Durchaus machtvoll und von Wissen getragene Stärke. Gewiss hätte man seine Freude haben können über einige Feinheiten der Beschwörung zu diskutieren aber dafür würde die Zeit sicher noch kommen. Ein Erwählter, der sich seiner Stärke durchaus bewusst ist und das auch gerne offen zeigt. Er unternahm scheinbar nicht einmal den Versuch taktischen Gespühr zu entwickeln. Anders die Magistra. Zu gerne hätte er auch sie noch länger beobachtet aber die Zeit würde die Gelegenheit bringen. Sie schien zielstrebig, redegewandt und gerissen. Nichtmal trotz der Beantwortung seiner Fragen lies sie erkennen, zu was sie befähigt wäre. Durchaus sehr interessant. Beide waren vermutlich perfekte Passformen füreinander. Wie sie zusammen wirken würden wäre vielleicht noch interessant.

Im Flackern der Kerzen wischte er müde über sein Gesicht. Der Schüler war wohllangfristig noch am interessantesten, da bei ihm noch nicht zu ersehen war, wo er seinen Weg finden würde. Die Unerfahrenheit war noch auf seiner Stirn zu lesen. Verwunderlich, wie er innerhalb des Rudels überleben konnte. Aber vielleicht ja gerade deshalb... man würde sehen.

Mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger rückte er seine Nase hin und her. Auch wenn er dank seiner Befähigung seine Nase wieder richten konnte, den Druck spürte er noch immer. Rohe Gewalt, diese Unbeherrschtheit hatte er übersehen. Das war kein gutes Zeichen. Er nahm an, sie hätte den Orden sehr streng geführt. Doch tatsächlich schien sie relativ mild und nur abhängig ihrer Laune Härte und Strenge zugetan. Wenn jedoch, dann auch sehr deutlich. Jedes Unglück beginnt mit einer verfluchten Annahme. Hatte er womöglich bereits noch mehr übersehen? Eine kurze Erinnerung an sein Können musste sein, um nicht vollkommen hier unter zu gehen, doch auch ihr leises Fluchen konnte sein Gemüt nicht erhellen. Er hasste es sich zu irren.
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