Non mortem timemus,
sed cogitationem mortis
Es gab etliche Nächte in denen sie nicht einmal die Augen zu bekam. Albträume, Sehnsucht nach Dem was ihr entrissen wurde - Einsamkeit.
Die Gedanken, sie waren wie eine Plage, aus denen sie schlichtweg nicht schlau wurde.
Bin ich gut genug für Dich? Ich will es sein!
Wünscht Du es, willst Du es?
Ich will Dir gehören... Nur dir will ich dienen, niemand Anderen.
Vielerlei dieser waren mit Skepsis untermalen, doch wie konnte sie nur so etwas denken! Jemanden gehören, der nicht einmal für sie greifbar war? Der gar unantastbar für sie ist!
Aber irgend etwas zerrte in ihr... zerrte so sehr nach einem einzigen Verlangen - nach einem Wiedersehen, dass ihren Geduldsfaden fast reißen ließ.
Sie musste ihn finden, ihn aufsuchen - oder es einfach dabei belassen, wie es nun ist? Damit abfinden wäre wohl eine Möglichkeit...
Was habe ich nun noch zu verlieren? Nichts!
Ich werde wie ein Stück verwestes Fleisch ineinander zerfallen - die Einsamkeit wird mich vernichten! Nein!
Soll ich zu ihm fliehen? Er wird mich stärken... ich wäre nie allein'.
Ein Neuanfang?
Die Tage verliefen letztendlich wie alle anderen, als würden sich diese ständig wiederholen. Immer die selben Handlungen die sie ausführte - die Braukunde mit Kräutern. Sie sah darin eine Möglichkeit an mehr zu gelangen.
Ein eigenes Haus, darin ein Labor um sich intensiver mit ihrem Handwerk beschäftigen zu können. Vielleicht auch ein kleines Zimmer, in dem sie in ferner Zukunft ihre Patienten behandeln könnte.
Oder einfach nur eine Zuflucht in der sie sich sicher fühlen kann – eben die eigenen Vier-Wände.
Doch erst einmal muss sie von allem einen Schlussstrich ziehen.
Die Allianz hatte sie bereits verlassen. Schade darum, da sie selbst behaupten kann, das sich durch die Gemeinschaft mit einigen auch Freundschaften entwickelt haben. Und nun? Seitdem sie den Eid abgelegt hatte war die Freundschaft plötzlich vergessen... Sei es nur ein Brief! Nicht einmal dass bekam sie von ihren „Freunden“.
„Ich werde immer für Dich da sein.“, stimmten melodische Töne die Wahrheit durch ihre Ohren, und scheinbar waren es nur Lügen. Lügen die sie hätten besänftigen sollen...
Nun hatte sie den Eid abgelegt und die Allianz aus ihrem Leben gestrichen. Aber dies wird niemals ihre Grenze gewesen sein. Durchtrieben von anhaltenden Frust und Schmerz, begab sie sich gestrigen Abends in Richtung Varuna – die Reichsstadt Alumenas.
Die Bürgerschaft würde ihr nichts mehr nützen. Wofür... Familie? Den Mann für's Leben wird sie niemals finden, zudem sie darauf auch sehr beharrt. Die Ehekriesen musste sie bereits von etlichen Anderen anhören, obwohl sie nicht einmal selbst damit die Erfahrung gemacht hat.
Die Schlussfolgerung daraus:
Keine Familie, Freundschaften die man pflegen muss und ebenso war sie keine Bannerträgerin der Allianz mehr. Es gäbe keinen Grund die Bürgerschaft Varuna's weiterhin beibehalten zu lassen.
Dort stand sie nun, vor dem Ratsgebäude in Eiseskälte und wagte es nicht ein Mal das Augenpaar von jenem abzuwenden. Irgendwie war sie sich unsicher, ob sie nun wirklich so handeln sollte. Die Stadt empfand sie schon immer als wunderschön. In ihr konnte man sich sicher und wohl fühlen.
Und jetzt... Es ist vorbei! Sie muss es zum Wohle ihres selbst tun.
Sie drängte sich in den Schatten der hochgewachsenen kahlen Schlossmauer als sie die Schritte nebst zu ihrer Linken vernahm. Die Bewegungen seines Ganges, die immer wieder darauf folgenden Schritte waren ihr nicht unbekannt. Schon sehr bald wurde das Antlitz der Gestalt für sie schärfer, denn der sich den Weg zum Ratsgebäude bahnte, war Hochgeboren von Weylenstein – der Richter der Grafschaft von Hohenfels höchst persönlich!
Nicht lange und sie verwickelte ihn in ein Gespräch. Versuchte ihm den Bürgerbrief anzudrehen und erklärte ihm, sogut es ging, warum sie es wollte. Mehr als Wirr schien es, das Gespräch, welches sie versuchten in sachlicher Tonlage zu führen.
„Am vierten Tag dieser Woche zur 20. Stunde.“, waren seine Worte als er ihren Bürgerbrief an sich nahm. Und „verwirrt“ nannte er sie, weshalb er auch um jenes Treffen bat.
Als Angelina - unter dem Banner der Allianz des Lichts - war sie für ihn bekannt. Doch mehr... wusste er nicht.
Sie war sich sicher, auch wenn sie seinen Vorschlag des Termines wegen annahm, wird sie nicht anzutreffen sein. Warum jetzt? Jetzt ist es zu spät.
Sie wollte etwas, nach dem sie Sehnsucht hatte. Diese Person, die ihr das Etwas entriss, wird ihre Aufmerksamkeit entgegen nehmen müssen. Wenn nicht sogar wollen...