Ein Schwert, zwei Dolche und ein Ring

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Kanubio Bunjam

Ein Schwert, zwei Dolche und ein Ring

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Als der Mann im braunen Gewand aus der Bewusstlosigkeit erwachte, klaffte eine große Wunde an seinem Kopf. Seine Kleidung war zerfetzt, staubig und mit Blut besudelt. Seinem Blut, schien es. Er blickte sich um. Wo war er?

Er schleppte sich und die paar Dinge, die er bei sich hatte, aus der Schlucht. An einem kleinen See wusch er sich und versuchte, sein Gewand zu säubern. Doch viel war da nicht mehr zu machen. Das Blut war eingetrocknet, der Stoff zerrissen.

Irgendwie kam ihm dieser See und die Umgebung sehr vertraut vor, doch wusste er in diesem Moment nicht, wohin er seine Schritte lenken sollte, um einen Heiler zu finden. Er wusste es nicht? Aber er wusste, dass er unbedingt …?
Er schloss die Augen, horchte in sich. Er spürte, dass da so vieles war, doch nichts Konkretes. Wer war er?

Sein Magen knurrte. Er blickte sich suchend um, ob da jemand wäre, der ihm etwas zu essen bringen würde. Wieso tat er dies? Hier in der Einsamkeit war doch niemand! In seinem Beutel fand er etwas Proviant. Dazu einen Schluck aus seinem Wasserschlauch. Doch was war das? Darin befand sich kein Wasser, sondern wohlschmeckender Wein.

Nachdem er seinen Hunger getilgt hatte, besah er sich die Gegenstände, die er mit sich trug. Da war ein silberner Dolch in der Form eines Delphins, ein gesiegelter Eisendolch und ein mächtiger Zweihänder mit einem Zeichen, das Runen beinhaltete. Neben mehreren Bund Dietrichen fand sich ein Gerbermesser, etwas Gold, einige Tränkeflaschen, zum Teil kaputt und ausgeronnen, sowie ein riesiger Schlüsselbund.
Was war er? Ein Dieb? Ein Einbrecher?
In seiner Hosentasche entdeckte er einen Tiegel mit einer Salbe darin. Ein Name fiel ihm ein. Wina. Hatte sie diese Salbe gemacht? In der anderen Hosentasche eine zermatschte Zitrone. Als er die Frucht betrachtete, hatte er sofort das Gefühl, noch etwas erledigen zu müssen. Aber was?
Fast hätte er ihn übersehen, diesen seltsamen Ring, der sich ganz unten in seinem Beutel in einem kleinen Säckchen fand. Ein Schwert und eine Kampfaxt führte er als Motiv. Er besah sich seine Hände. Sie waren abgearbeitet und rau. Die Fingernägel eingerissen. An seinem Ringfinger entdeckte er eine hellere Stelle. Er schob den Ring darüber. Die Form des Ringes und der helle Fleck stimmten überein. Was bedeutete dieser Ring? Warum hatte er ihn nicht getragen?

Er packte seine Sachen wieder zusammen. Er musste los. Einen Heiler finden. Abermals horchte er in sich und wusste plötzlich, in welche Richtung er seine Schritte lenken musste.
Kanubio Bunjam

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Nachdenklich betrachtete er die demolierte Zitrone in seiner Hand. Sie hatte zwar mächtig gelitten in seiner Hosentasche, hatte ihn jedoch sofort daran erinnert, dass noch etwas zu erledigen wäre. Erst, als er zurück im Fort war und da auch nicht sofort, fiel im die Sache mit den Fischen ein.
Manche Erinnerungen kehrten schnell und vollständig zurück, manche nur langsam und in Fragmenten. Und manches sagte ihm gar nichts.
Systra hatte Fische gebraucht für ihr Ritual. Er hatte sie, tot und lebendig zur freien Auswahl in ihrem Zimmer hinterlegt. Die toten nahe den Fellen, dort war der meiste Platz. Die lebenden kamen in das Badebecken. Dann hatte er darauf vergessen – freilich, er ging doch nicht ständig in ihrem Zimmer aus und ein!

Systra hatte gefürchtet, der Geruch wäre der Zeugung von Welpen hinderlich, was Kanubio recht seltsam erschien. Dazu fiel ihm dann ein, dass sie ja auch badete, was dem Welpen kriegen förderlich sein sollte. Naja, Weiber eben!
Zugegeben, das Fort roch etwas nach Fisch. Er hatte es sogleich bemerkt, als er nach seiner Rückkunft die Halle betreten hatte, hatte dem aber keine besondere Bedeutung geschenkt.

Sie hatte ihm eine Strafe dafür aufgebrummt. Er solle das Zimmer scheuern, bis der Geruch raus wäre. Sofort fiel ihm ein, was man dazu brauchte, wie es ging. Wieso?
Er ließ sich Zeit, ließ seine Gedanken schweifen. Bilder kehrten zurück, Bilder von Schiffen, von der See, von der harten Arbeit an Bord. Bilder von Unfällen und Katastrophen, von Schinderei, karger Verpflegung und viel Alkohol.

Er fand Stein und Schrubber in der Küche, Sand in der Schmiede. Nachdem er sich versichert hatte, dass keiner im Zimmer war, betrat er es und begann mit der Arbeit.
Während er mit Gebetsstein und Sand die Planken schrubbte, fielen ihm noch viele Bilder ein. Nur der Geruch wollte nicht weichen. Als er sich frisches Wasser aus dem Badebecken holte, fiel sein Auge auf jene Essenzen, die am Beckenrand standen. Sie dufteten wohlig. Also schüttete er etwas davon ins Scheuerwasser, womit er noch einmal durchwusch und pflichtbewusst auch die Möbel vorschob und die Wände scheuerte. Schließlich wechselte er auch noch das Badewasser im Becken.

Als er fertig war, war er immer noch unschlüssig, was er mit der Zitrone tun sollte. Wina hatte sie ihm gegeben. Eine Kräutermischerin war sie nicht, so viel wusste er bereits. War sie vielleicht eine der weisen Frauen? Vielleicht würden Zitronen gut fürs Welpen zeugen sein. Was wusste er schon davon? Aber es konnte gut möglich sein.
Er legte sie mitten in die Felle, dort würde sie dann wohl am meisten nützen, denn ihm fiel ein, dass Systra und Trystjarn schwer an ihren Welpen arbeiteten. Auch wenn die Wände in Wulfgard dick waren, von so manch einem Geräusch wurden auch sie durchdrungen. Und sein Zimmer lag direkt neben dem ihren.
Abschließend ließ er den Blick durch den Raum schweifen. Der Fischgeruch war zwar verschwunden, dafür roch es sehr stark nach diesen Badeessenzen. Systra würde zufrieden sein. Bei dem Geruch würde sie sogleich Fünflinge ansetzen!

Aber so viele Waffen und Schilder an den Wänden? Da lebte noch jemand! Freilich! Trystjarn – und der war der Jarl des Clans, also so was wie ein Kapitän! Heiß durchfuhr es Kanubio. Er durfte keinesfalls die nassen Planken betreten! Das würde großes Unglück heraufbeschwören!
Er musste die Tür verrammeln, verriegeln, versperren – irgendwas! Ein Seil musste her. Tatsächlich fand er eines, in seinem eigenen Zimmer.
Er schlug einige Nägel ins Holz und schlang das Seil so, dass es auf beiden Seiten der Tür in Verbindung mit dem Geländer den Zutritt zum Zimmer versperrte. Wie ein riesiges Spinnennetz sah das aus, aber egal. Und zur Sicherheit nagelte er auch noch die Türe zu. Er würde sicher wieder früh genug zurück sein, um sich vom Zustand der Bodenbretter zu überzeugen und alles, falls sie getrocknet waren, wieder entfernen.

Noch schnell das Arbeitszeugs wegräumen und dann hinaus in die Umgebung! Es gab viel anzusehen, viel zu erforschen, viele Bilder wollte er sich in sein Gedächtnis zurückholen und mit ihnen die Erinnerung.
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