Schon lange saß Sina auf der Bank und dachte nach. Ihre Hände arbeiteten automatisch und ließen ihren Gedanken freie Muße. Viel war geschehen..
Nevyn Silberhand, ein Mann dem sie nur noch Verachtung entgegenbringen konnte, er hatte ihr sein Wort gegeben, freies Geleit. Sie hätte nie zugestimmt sich in deren Hände zu begeben hätte sie gewusst, dass das nur hohle Worte waren, verdreht um seiner Ehre gerecht zu werden, dass er wohl selbst sich vormachen könne, er hätte sein Wort gehalten. Auf einmal hieß es nur noch freies Geleit zur Burg hin, dort oder gar zurück.. Selbst die Räuber und Halunken mit denen sie es früher zutun hatten, hatten ein anderes, besseres Ehrgefühl.
Kaum waren sie an der Burg angekommen wollten sie sie ins Verließ sperren. Zwar sagten sie, dass die Türen offen bleiben sollten, aber 2 der Gepanzerten gingen mit runter und ließen sie nicht aus den Augen. Gingen mit? Nein, sie war nicht gegangen. Die Treppe runter gestoßen hatten sie sie, nachdem sie sich geweigert hatte. Angst hatte sie überflutet, sie wollte, konnte nicht in das Verließ.
Sie hatte gefleht und gebeten, geweint gar, aber die Männer zeigten ihr nur die Verachtung, die sie jetzt für sie hegte. Kaum war sie unten setzte die Panik wieder ein. Zurück versetzt in ihre Kindheit, als ihr Vater sie und Maishka mit der Peitsche schlug und in dem nassen, dunklen Kellerloch tagelang einsperrte, ohne Licht oder Essen, nur das faulige schale Regenwasser zum Durst stillen vorhanden.. Oft waren sie nur noch am Rande des Lebens gewesen bis...
Sina schauderte und schloss gequält die Augen.
Sie wollte nicht an Maishka denken, wie ihre Schwester damals starb unter der Peitsche des Vaters. Und wie sie selbst nur knapp dem Tode entrann. Und dieser Herr Silberhand war schuld daran, dass sie diese Panik erneut erlebt hatte. Büßen würde er dafür...
Es war Zufall gewesen, dass sie den Leuten von BEW in die Hände gelaufen war, durch Tränen total verheult und geschwollen das Gesicht wie immer wenn sie länger weinte, der Arm sehr weh tuend und durch ihre panische Gegenwehr einige Schrammen und Beulen habend. Wie immer hatte sie nur das gesagt was geschehen war, sie hatte gelernt, dass in solchen Situationen die Wahrheit immer besser war. Nun gut, es musste ja nicht alles gesagt werden, an den richtigen Stellen zu schweigen konnte auch Wunder bewirken. So machte jetzt das Gerücht von ihrer Folterung die Runde, etwas das sie nie gesagt hatte. Zwar wusste sie nicht mehr was wirklich in dem Keller passiert war... aber Folterung, das glaubte sie nicht. Ihr Arm war einfach Pech gewesen, dass sich das ganze entzündet hatte und dann die Blutblase aufgeplatzt war...
Dann das Feuer im Hafen... ja ihr Haus stand nahe dran und die Flammen waren wirklich heiß gewesen. Das hatte sie ausgenutzt. Ein wenig frischer Ruß und einige Arbeiten , und die alte kaputte Ecke, die sie beim Einziehen schon gestört hatte sah verkohlt aus. Das würde reichen. Jetzt noch eine Geschichte über verdorbene Stoffe und Leder, das wäre alles möglich gewesen bei dem Aufruhr und Unruhen am Abend.
Aber das reichte erstmal, so langsam würde es sonst gefährlich werden. Der Sire und die ADL würden sie zwar so gut es ging schützen, aber wenn sie wirkliche Lügen verbreiten würde ... das wäre auch nicht ihr Stiel, ein wenig die Wahrheit anders darstellen, nicht alles sagen oder ein paar Gegebenheiten anpassen wo es ungefährlich war... gut, das war eine Sache – aber direkt lügen, das würde sie nie. Diese Genugtuung würde sie ihrem Vater nie geben...