Wohin führt der Pfad...

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Risina Vergol

Wohin führt der Pfad...

Beitrag von Risina Vergol »

Sina stand müde auf, sämtliche Knochen taten ihr weh. Die halbe Nacht noch hatte sie versucht, die meisten Schäden, die die brennenden Barrikaden im Hafen an ihrem Haus hinterlassen hatten zu beseitigen. Draußen konnte sie nichts machen, dann würden andre, stärkere Leute das Holz ausbessern müssen, aber einige Flammen waren nach innen gelangt und hatten einen Großteil ihrer Stoffe vernichtet und auch an den teuren Fellen und ein paar Möbeln ihre Spuren hinterlassen. Sie hatte geschlafen gehabt, der Rauch hatte sie nur noch mehr betäubt, bis sie irgendwann doch aufgerüttelt wurde und rausrannte. Sie konnte nich glauben was sie dann sah - wieder gepanzerte Männer des Wortbrechers, des Mannes der die Ehre auf seine Fahne schrieb, sie aber nicht einzuhalten gedachte - Nevyn Silberhand. Sie konnte nur noch Verachtung für den Mann empfinden, der sie in den Kerker geworfen hatte. Ihr war schon klar, dass sie nur dank dem Eingreifen von Sire Rafael da raus gekommen war, und genauso klar war ihr auch, dass sie auf dessen Schutz nicht unbedingt vertrauen konnte. Schließlich war der ja auch ein Mann Temoras, und Glauben wog schwer hier in diesem sonderbaren Land.

In ihren letzten Berichten war sie vorsichtiger gewesen, hatte keine Namen genannt, noch nicht mal, ob es Frauen oder Männer waren, die ihr Informationen gaben. Vieles was sie hörte hielt sie auch für sich, gab die Nachrichten nicht weiter. Es war einfach zu ... überraschend gewesen, ihr Bild der Situation änderte sich. Die Götter mochten auf verschiedenen Seiten stehen - Licht und Dunkelheit verkörpern und klare Linien setzen. Bei den Menschen stimmte das nicht mehr. Es gab einzelne Menschen die gut waren, denen sie auch ohne Bedenken ihre Loyalität schenken könnte. Aber es waren nur eine Handvoll. Selbst den Mitgliedern der Allianz misstraute sie teilweise, Leuten die versprochen hatten, sie zu schützen. Aber auch das waren nur Menschen, auf ihren eigenen Vorteil bedacht.

Alexendre, der ankam und laut hinausposaunte, dass sie eine Frau der AdL sei, und es ein Fall für den Sire wäre. Er war der Grund warum sie mitgegangen war und auf das Wort von Herrn Silberhand vertraut hatte. Sie wollte nicht noch mehr Schaden von Alex anrichten lassen.
Anjelina und ihr Sing Sang von "Sina ist Risina ist Jilka, alle sind die selbe" trug auch nur dazu, die Situation zu verschärfen. Also war sie besser mitgegangen und dafür im Kerker der Wortbrecher gelandet.

Dann die Lana von Samira, ihrer kleinen Carrita, eine harte Frau die ihr den Eindruck vermittelte sie zu verachten und unwillkommen zu sein, der Heiler, der ihr durch seine – wohl gemeinten – Lügen damals das Herz fast heraus riss, als er ihr versicherte, dass Maishka noch lebte...

Samira war jetzt auch weg und Darcey... leise schluchzte sie auf und schüttelte dann ihren Kopf. Besser nicht mehr dran denken, es war vorbei. Sie passten einfach nicht zusammen, der ehrenhafte Soldat und sie die Schneiderin mit dem Freiheitsdrang. Er war einfach zu ehrenvoll und sie würde in ihrem Herzen immer das sein und bleiben, was sie eigentlich war – eine kleine Trickbetrügerin und Spionin, das Bettelmädchen, das fast alles tat um das Überleben der ihr vertrauenden andren Kinder und ihr eigenes zu sichern.

Sie würde nie die ehrenhafte Frau eines Edlen werden können, die Einschränkungen würden ihr die Luft zum Leben abschnüren. Darcey wusste dies zwar und hatte versucht ihr ihren Freiraum zulassen, aber sie sah, wie er darunter litt. Die Trennung und der Abschied waren hart aber notwendig, es war kein Streit gewesen, tiefe Freundschaft war geblieben.

Sie würde mit Hudgarr reden und vielleicht mit dem Sire, ob es Sinn machte, dass sie weiterhin der AdL angehören würde. Oder ob sie unabhängig bleiben sollte. Sie hatte es in den letzten Tagen gesehen, Schutz könnten die ihr hier in Bajard doch nicht geben. Auch würde sie ihre Berichte noch vorsichtiger abfassen müssen und aufpassen, dass die in keinem Fall jemand anderes in die Hände bekommen würde als Hudgarr, einem Mann der ihr vollstes Vertrauen besaß. Jedenfalls würde sie nichts darüber verlauten lassen, was mit Glauben zu tun hätte, ihr Vertrauen in die Anhänger des Lichten Phanteons begann immer mehr zu schwinden...
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