Umbruch - endlich

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Helena Velheyn

Umbruch - endlich

Beitrag von Helena Velheyn »

In langen Zügen lies sie die weiche Bürste durch das rotblonde Haar fliegen und betrachtete ihr Spiegelbild. Die letzten Tage hatten ihr wirklich gut getan. Es schien als kehrte langsam wieder Ordnung in ihr Leben ein, und als glätteten sich die Wogen die die Flucht von der Eisenwart beschert hatte. Fortwährend hatte sie in letzter Zeit nach festen Punkten in ihrem Leben gesucht, Dinge, an denen sie sich festhalten konnte um nicht abzurutschen. Zwar hatte sie immer gedacht Armoran sei dieser Punkt in ihrem Leben, doch hatte sie ihn in Wirklichkeit schon mehrere Wochen nicht mehr gesehen. Fast so, als sei er spurlos verschwunden. Verschiedene Nachfragen hatten ihr nichts gebracht, außer eine minimale Sicherheit dass er wohl nicht zur Burg zurückgekehrt war – oder man ihn gefangen genommen hatte. Ein wirklich besseres Gefühl bereitete ihr dies dann doch nicht unbedingt. Die Einsamkeit, die die letzten Tage über sie hereingebrochen war, wechselte sich stetig mit der Sorge ab, wo er sich herumtrieb. Denn auch wenn sie ihm nichts unterstellen wollte, so konnte sie nie den Zweifel an seiner Treue überwinden. Für so etwas kannte man sich aber auch noch nicht lange genug.

Trotzdem – alles andere war zu ihrem Besten gelaufen. Das Bürgerschaftsgespräch erwies sich als wahrer Spaziergang und war so schnell vorbeigegangen, dass sie sich schon fast ein wenig wunderte. Auch alle weiteren Schritte ließen die Stunden wie im Flug vergehen. Sie hatte sich schriftlich an den Freiherrn von Avaryn gewandt, von dem sie, durch Arenvir, erfahren hatte, es mangele ihm an einer fähigen Sekretärin. Wenn sie daran dachte, wie einfach durch diesen Hinweis alles geworden war, dann wollte sie den kleinen Herrn Tilianas wahrlich umarmen. Ohne eine Idee wer im Reiche noch ihre Fähigkeiten verwenden konnte, wäre es deutlich schwieriger geworden nach einer gescheiten Anstellung zu schauen. Und sie wollte auch keine Aushänge fertigen, auf die dann jeder Bauer hätte antworten können. Irgendwo, das hatte sie fest beschlossen, war es ihr einfach zu schade geworden aus ihrer Arbeit vergebene Müh zu machen, bei Leuten die jene nicht zu schätzen wussten oder sie eines Tages zu Dingen drängen würden, die weder ihrer würdig noch der Allgemeinheit nützlich waren. Nein, es musste eine seriöse Stelle her, mit einem Dienstherren der mindestens so vernünftig – oder wenigstens anständig – war, wie sie selbst.
Das Anstellungsgespräch war zur beiderseitigen Zufriedenheit verlaufen. Selbst wenn die Frage nach der Eisenwart sie nach wie vor nervös machte, war der Freiherr damit sehr offen umgegangen, fast so, als kümmere es ihn nichteinmal. Der Bürgerbrief als solcher reichte ihm scheinbar aus, um die Unbescholtenheit Helenas festzustellen. Im Allgemeinen hatte sie einen ziemlich guten Eindruck vom jungen Freiherrn bekommen, er schien recht höflich und galant. Eine gewisse Art hatte er an sich, die Sympathie weckte und es Helena gleichzeitig doch schwer machte über das höflich formelle hinauszugehen. Es schien als sei die professionelle Distanz, die diese Anstellung verlangte, durchaus notwendig und gleichzeitig jedoch so brüchig, wenn man dem Tonfall lauschte mit dem er zu einem sprach.

Langsam legte sie den Kamm zurück auf den Tisch und schaute sich in ihrem neuen Zimmer um. Auch eine Herberge in der Residenz war ihr bereitgestellt worden, ein eigenes kleines Zimmer mit Kamin. Sie hatte es derweil geschafft sich ein wenig einzurichten, ihre Sachen lagen entweder in den Schubladen und Schränken oder im Raum verteilt, und der leicht süßliche Duft, den sie so liebte, schwebte, ausgehend von einem kleinen Parfumfläschchen, durch die Luft. Zufrieden ließ sie sich in den gepolsterten Stuhl zurückfallen. Ab jetzt würde alles besser werden.
Rilas Avaryn

Beitrag von Rilas Avaryn »

Er genoss die kühle, salzige Brise, die vom Meere her wehte, als er in seinen feinen Wollumhang gehüllt an der Küste stand, feine Golddrähte, die zu zierenden Borten und Mustern in seiner Kleidung gewirkt waren, mit dem metallenen Glanz seiner langen Haare in den letzten Sonnenstrahlen dieses spät herbstlichen Abend um die Wette schimmerten, und seine Figur in ein ganz besonderes Bild stellten.

Das Haupt aus dem fließenden Gewand ragend, war der denkerische Zug auf seinem Antlitze wie ein gemeisseltes Ebenbild seiner eigenen Ernsthaftigkeit, einer Ernsthaftigkeit, die der verborgenen Sorge und Bestrebung Rechnung trug, die seinen eigenen Kampf mit der Welt manifestierte, und die doch nur wenige Lebende je zu Gesicht bekamen.

Die Welt in Gerimor war stets im Wandel, der Krieg allgegenwärtig, und in den Wirren des Kampfes zwischen dem Licht und der Dunkelheit, wie es die Kleriker nur allzu oft als Bildnis zu malen wagten, glitten die Großen Fraktionen in immer kleinere, zersplitterten Förmlich – wusste er doch, das auch im Reiche des Feindes nicht alle Dinge zum besten standen, Streit und Uneinigkeit herrschten hie wie dort, und ließen ihn auflächeln – versicherte ihm doch jener Umstand, das der nur zu oft zum Dämonen gezeichnete Feind doch nur allzu menschliche Züge trug.

Das Leben in der Großstadt machte ihn Krank, hatte er doch schon viele Monde zuvor in den Mauern Varunas seien Kunst gewirkt, ließ ihn die fehlende Distanz zu diesem Pfuhl der Intrigen und Machtkämpfe, des beständigen Wandelns und der ewig fehlenden Kontinuität erkranken, auf einer Weise, die es mit keiner Medizin dieser Welt zu heilen galt.

Der Erwerb dieser kleinen Wirtschaft in den Ausläufern der Siedlung Bajard war ein nur zu guter Anlass, seinen Sitz in der Stadt aufzugeben und für einige Monate sich selbst einer Kur zu unterziehen, während seine sich erneuernden Kräfte ihm die Möglichkeiten gaben, noch viel eher in die Geschicke von Hohenfels einzugreifen. Hier, sicher vor den allgegenwärtigen Wachen und Posten, von denen er zumindest die Hälfte der Doppelsöldnerei für die Geheimdienste von Rat und der Gräfin selbst verdächtigte, konnte er offener Denken und Handeln und manches Wort , das ihm in Varuna nicht einmal durch den Kopf gegangen war, formte sich hier zu einem ausgesprochenen, wo er unter Vertrauten zu weilen wusste, scheute er das offene Wort nicht, und es schien als würde die Lage ihm dazu auch nur allen Anlass geben.

Dennoch – niemals zuvor war er aktiver, war er strebsamer, seit der Wiederkehr aus dem Lehen, in seinem Avaryn, das er zur Übersicht der Erntezeit und Halten der Jährlichen Festivitäten und halten der Gerichtstage in Vingaard besucht hatte, zu sehen ob seine Vögte das Recht und die Gerechtigkeit, Dinge, die ihm soviel lagen, aufrecht erhielten, hatte er nach seiner Rückkehr begonnen, Handel zu treiben und seine Studien abzuschließen, was den Beginn einer gewinnträchtigen Schaffenszeit bedeuten würde, und gleichsam berufen wurde er auf der Ebene des Parkettes der Politik.

Sein Streben, fort vom Kurpfuscher für den Grafenthron, eine Anstellung ohne Zukunft und ohne Verdienst, hatte Früchte getragen, gleichsam sein Streben hin zu einer eigenen Vogtei und einer Gesandtschaft hin zu den Kalurischen Zwergen, mit denen er blendende Verbindungen unterhielt, oh wie war es doch betriebsam geworden, und er spürte, das, wenn er sich nicht an seinen Aufgaben verbrennen wollte, er eine Helfende Hand benötigen würde.

Wie gerufen kam ihm doch dieser Brief, dessen Eintreffen ihn schon der aufstrebende Magus mit dem Namen Arenvir angekündigt hatte, als er erfragte, wie es um das Amt des Schreibers und Sekretarius in seinem Haus stand – er hätte dem Freiherren von Dragenfurt wohl das Gewicht in Gold bieten können, um den Edlen van Tilianas aus seinen Diensten zu lösen und abwerben zu können, dieser hätte ausgeschlagen, zeugte doch die Schrift und die Wahl der Worte schon rasch von einem gebildeten Geiste dieser Person, die ihn dort anschrieb und voller Vorsicht und zögernden Andeutungen vorrausgehend, um eine Anstellung in seinem Hause bat.

Die folgenden Akte waren im Grunde nur noch eine Sache der Form, ein Bürgerbrief des Reiches, der so frisch war, das die Tinte kaum getrocknet sein konnte war der beste Beweis einer unbescholtenen Person mit einem kaum offen liederlichen Lebenswandel. Die Angehörigkeit zum Personal der Burg Eisenwart war mittlerweile gleichsam akzeptabel, wenn auch keine Auszeichnung dabei für sie heraus sprang, war es doch nützlich um diesen Umstand zu wissen, war die Politik der Burg und ihres 'Fürsten' weithin bekannt, wie man zu Verfahren übte mit denen, die den Rücken zur Burg wandten.

Als er sie jedoch das erste mal erblickte, wurde ihm in der Tat bewusst das die Götter ihm ein Geschenk gemacht haben mussten. Fiel es dem Fräulein wohl noch schwerlich, sich in die hohe Kunst der Rhetorik der Adelskreise einzufinden, war sie nicht auf den Mund gefallen und gleichsam würde ein niemand davon zu berichten Wissen, das der Freiherr von Avaryn Gnome als Angestellte hielt – wenn auch das gegenüberliegende Extrem seiner eigenen liederlichkeit ihn nicht weiter aus der Ruhe brachte, denn, wenn alle Menschen eines Gemeinsam hatten, dann wohl, das sie ohne Ausnahme den größten Genuss daran fanden, über den jeweils anderen herzuziehen. Die Formen und Weisen mochten sich vielleicht unterscheiden, doch diese Eigenschaft in ihrem Kern, sie blieb allen gleich.

Nicht zu vergessen war er, der Freiherr von Avaryn selbst ein Emporkömmling aus niederem Stande, dessen Hände wohl ein wichtiges Leben retteten und so sein Blut und das der seinen Nachkommenden edelte, nein, adelte und seinen Namen bis in die Ewigkeit, solange die Linie Isadril über Avaryn herrschen sollte, unsterblich machen würde, so war er doch ein Menschenfreund, und auch wenn auch er durchaus seinen Stand zu vertreten wusste, blieb er in seinem Inneren ein Freund des Lebens und der Menschen, deren Gesundheit sein Leben bedeutete, auch wenn er als Adeliger und Lehensherr durchaus auch den Kriegerischen Aspekt am Worte „Leben“durchaus zu tragen wusste.

Die Zeit würde zeigen, wie sich seine neue Schreiberin entwickeln würde, er hatte ihr offen die Grenzen ihrer Anstellung gezeigt und die Tore, die ihr dieses Amt öffnen konnte, würde sie es schaffen, sein Vertrauen zu gewinnen und ihn durch Fähigkeit und Handlung zu überzeugen.
Zuletzt geändert von Rilas Avaryn am Donnerstag 8. Januar 2009, 23:55, insgesamt 1-mal geändert.
Helena Velheyn

Beitrag von Helena Velheyn »

Helena hatte sich für ihre Verhältnisse ziemlich gut eingelebt, wie sie fand. Ihren persönlichen Hausstand in der Residenz hatte sie um jene Dinge erweitert, die bis dato gefehlt hatten, weil der Freiherr sie nicht brauchte und abgesehen von einer Schneiderin, die sie weder namentlich noch persönlich kannte, und einigen Boten bisher niemand in der Residenz arbeitete. Auch fehlte es zu ihrem Leidwesen an einer Magd oder wenigstens einer Köchin, sodass Helena es sich nicht nehmen lies, Mahlzeiten aus nahe liegenden Gaststätten zur Residenz bringen zu lassen. Sie selbst konnte nach wie vor nicht gut kochen, und auch der Kommentar Herrn Aethras auf die Frage hin, wie ihm die Kekse gefallen haben, ließ eher den Schluss zu, dass sie sich anderen Dingen widmen sollte. Die Kekse seinen hübsch gewesen – ob sie geschmeckt hatten verschwieg er.
Und nicht zuletzt, darauf bestand sie, würde sie sich nie wieder zu einer Küchenhilfe degradieren lassen, wie es mit Verschwinden Amarissas auf der Eisenwart geschehen war.

Die Arbeit selbst erwies sich als nicht all zu leicht, aber insgesamt überschaubar und zu bewältigen. Der Freiherr hatte ihr aufgetragen der Gräfin ein Schreiben zukommen zu lassen, in dem zu berichten war, was sich in Bajard zugetragen hatte. Kein schöner Anlass für ein Schreiben, denn immerhin war der Adel als solcher in Frage gestellt worden, aber eine gute Aufgabe um sich in die neue Position hereinzufinden. Sie würde beizeiten noch einmal einen Kaligraphiekurs besuchen müssen, so viel war klar, denn auf der Burg hatte sie ganz verlernt die großen geschwungenen Lettern aufzumalen, die von reich verzierten Ornamenten umschlungen waren. So brauchte es seine Weile, bis die Buchstaben sorgfältig und ansehnlich genug auf das Papier aufgetragen worden waren, als dass sie des Blickes einer Gräfin würdig waren. Trotzdem: stolz war sie auf das Ergebnis so oder so. Ob die Gräfin es auch war, würde sich noch zeigen. Anzunehmen war allerdings, dass sie die Schriftform keineswegs in einer Antwort würdigen würde. Dazu war es höchstwahrscheinlich nicht besonders genug.

Hiernach hatte sie sich daran gemacht, die Lagerbestände auf der Residenz zu durchforsten und nachzutragen, wie viele der Kräuter, die eine Heilerstube für gewöhnlich benötigte, noch da waren und welche schleunigst nachzukaufen waren. Fürwahr hatte die Tatsache, dass der Freiherr sich tagelang förmlich in seinen Arbeitsraum eingeschlossen hatte, große Löcher im Lagerbestand und ein nicht zu unterschätzendes Durcheinander hinterlassen. Mehrmals stolperte Helena über benutzte Gerätschaften und trat auf am Boden liegende, gebrauchte Reagenzgläser, deren Scherben sie wenig später selbst aufkehrte. Eine Haushaltshilfe, das würde sie als nächstes besorgen. Hatte er nicht ohnehin verlautbaren lassen, sie sei künftig für die Anstellung weiteren Personals zuständig? Bekräftigend nickte sie. Ja, daran erinnerte sie sich, und das wäre eines der nächsten Dinge, die sie erledigen würde. Eine Magd, vielleicht jemand der auch einen Hof zu bewirtschaften wusste. Irgendwie so was.

Gerade erst hatte sie den Botenjungen mit einer Einkaufsliste losgeschickt, damit die Arbeit des Freiherrn keinen Stillstand fand, da wurde sie beim essen gestört. Zwar hatte sie lediglich eine Birne essen wollen, nichts großes, eher eine Zwischenmahlzeit, doch war ihr nichtmal dies vergönnt. Der Freiherr, der selbst gerade durch die Räumlichkeiten flanierte, deutete mit einem Kopfnicken an, die kauende möge doch bitte kurz öffnen.
Aus heiterem Himmel begann der Klingelnde einen wahren Lärm zu veranstalten, als hinge sein Leben davon ab, dass sie sich beeile. Das wiederum brachte Helena dazu sich an der Birne zu verschlucken und dem Erstickungstod nahe, röchelnd zum Gartentor zu flitzen, wo sie einen hektischen Arenvir antraf. Jener war so sehr in Eile, dass ihr selbst das schimpfen nicht vergönnt war, und das, obwohl sie es gerade geschafft hatte sich der Birne zu entledigen und wieder zu atmen. Stattdessen spornte er sie an, doch bitte schneller zu öffnen. Komisch, eigentlich war ja niemand hinter ihm, der so eine Eile hätte begründen können. Dem Lärm des Klingelansturms nach zu urteilen, war sie eigentlich davon ausgegangen, ihm läge ganz Rahal im Nacken. Sie hatte kaum das Gartentor geöffnet, da stürmte der kleine Mann schon an ihr vorbei. Erst jetzt hatte sie gemerkt wie aufgebracht – und verdammt wütend – er war. Helena stockte der Atem. Er wollte doch nicht etwas..? So schnell wie möglich, das Kleid ein Stück gerafft, flitzte sie ihm hinterher. Bei den Göttern, er wollte doch nicht etwa dem Freiherrn ans Leder? Offenbar war es wohl doch keine all zu gute Idee gewesen ihn herein zu lassen.

Als sie im Haus angekommen war, entpuppte der Verdacht sich glücklicherweise als falsch. Sein Zorn traf jemand anderen, und er suchte lediglich den Rat des Freiherrn. Helena stellte einen guten Tropfen auf den Tisch und lehnte sich zum verschnaufen in der Küche an die Theke. Nächstes Mal würde sie trotzdem sorgfältiger aufpassen, wenn jemand hereinwollte. Nicht dass sie es binnen weniger Wochen fertig brachte, dass der Freiherr wegen ihrer Schusseligkeit verstarb.
Rilas Avaryn

Beitrag von Rilas Avaryn »

"Gefühle sind wie Flammen, mein lieber Rilas, sie erscheinen aus dem Nichts und verbrennen altes, wandeln es zu etwas neuem. Feuer verbrennt alles zu Asche, und doch ist diese Asche der Nährboden für neue Dinge, beachte dies bei allem was du tust, mein Junge"

...so lagen ihm die Worte seines Meisters in den Ohren. Fürsorglich, doch genauso streng und unnachgiebig. Heuer, das er sich selbst Meister seiner Kunst nennen durfte, verstand er, und wo früher die Einöde des Unverständisses herrschte, erblickte er durch die Weisheit von Jahren und Handlungen den Sinn der Wort seines Meisters, eine weite Wiese blumiger Erkenntnis in sich tragend.

Wie waren die Dinge zustande gekommen, das er sich diesen nun so konfrontiert sah? Er erinnerte sich nicht zur Gänze, doch es schien, als würden sich viele Dinge um den Sekretär des Hauses Dragenfurts, den nunmehr Edlen Burgvogt van Tilianas drehen. Zu seinem Bedauern war dieser nicht von seinem Herren zu lösen, doch, so gelobte dieser, würde er ihm einen Ersatz bringen, doch auf diese Erinnerung folgen Wochen und Monate der Stille. Eines Tages, unvorbereitet wohl, empfing er eine Letter, an seinen Namen. Etwas holprig in der Formulierung wohl, aber fein vom Schriftlichen Bilde und wert, einen Blick darauf zu werfen.

Dennoch, war es möglich, das geschah, was geschah? Er war noch immer waidwund geschlagen, wie sein Herz, das beständig an den Verzweiflungen früherer Tage nagte, und doch blieb ihm beinahe nichts anderes, als dem Ruf seines verborgenen Bewusstseins zu folgen, das die Hörner schmettern ließ wie die Könige alter Zeiten wenn sie zum Kriege rufen ließen, das er sich, wie die Adeligen alter Zeiten nicht zu widersetzen wussten, wenn dieses Zeichen sie rief. Ungleich doch, rief ihn sein eigenes Signal nicht zu den Waffen, sondern zu vielmehr zärtlicheren, weichen Dingen.

Waren es wirklich seine Lippen, die auf ihren Lagen, während ihre weiche Hand und die Flammen des Feuers seine Haut streichten, als ob sie um ihn fechten mochten, war es das? Hatte sie ihn mit einem Zauber des Geistes belegt, oder ihn sonst betört...Nein, er bezweifelte es. Zu viel Unschuld und Vorsicht lagen in ihren Handlungen, das machte er sich klar, als das hinter ihnen ein wirkliches Ziel stecken mochten, doch, sie war es, sie hatte es getan. Warum? Was fiel ihr ein? Wie konnte sie es wagen? Warum nicht schon eher? Er sann darüber, und abwechselnd gingen Vorwürfe und Verzeihsprüche über seine Lippen. Die Erkenntnis kam jäh.

"Ich bin es", ging es klanglos von seinen Lippen, feststellend. Erhebend und bestürzend zu gleich stellte er fest, das er es gewesen sein musste, der zu jeder Zeit bereit war, gewisse Barrieren seines Standes, besser, der alten Lehren seines Standes, zu unterlaufen für dieses Gefühl, den Moment, in dem der Puls dem eigenen Willen entglitt, sich Haut rötete und der Geist verwirrte, dieses Gefühl, dessen Namen er sich entsann, doch nicht wagte ihn zu nennen.

Sein Blick erstarrte auf einer alten Tanne, von der der Schnee der letzten tage abbröckelte und einen feinen Schauer in die Luft warf. Derselbe feine Schauer legte sich nun über seinen Nacken und verträumt lächelte er auf, als die Melancholie von ihm ab zufallen schien und er seinem Ross wieder mit Druck auf seine Seiten zu weiterem Spurt durch die verschneiten weiten des Östlichen Gerimors ansetzte, dazu den Speer in seiner Hand, der poliert wie er war, das Licht der Sonne wiedergab. Er war sogar auf diesen Ausritt gegangen, alleine um sein Haupt frei zu kriegen, fernab von ihrer kleinen Ordnung, ihrer Anwesenheit, ihrer Wärme und ihrem Duft.

Ihr Duft.


"Oh Helena, was hattest du dir nur dabei gedacht, war doch dieses Süße wie schmerzliche können, doch nicht dürfen genug..."

...doch diese Grenze hatte sie überschritten. Er hatte sie überschritten, und es gab kein zurück, und nichts, außer der prickelnden Gefahr, Diskredition zu ernten, eine Gefahr, die er schon früher kennen gelernt hatte und auf gewisse Weise zu schätzen lernte. Alas...war Helena nicht das Mittel zum Zweck, er kannte die Emotionen mancher Männer, die aus diesem Selbstzweck handelten, doch ihm war dieses Fremd, und sollte es seiner eigenen Meinung nach auch bleiben.

Sich kaum gegen den Horizont absetzend, strahlte das Goldene Haar seines Hauptes die Strahlen des ebenso goldenen Sonnenscheines zurück, und verblendete zusammen an seiner Spitze zu einem weiß.


"Gefühle sind wie Flammen, mein lieber Rilas..."
Zuletzt geändert von Rilas Avaryn am Donnerstag 8. Januar 2009, 23:22, insgesamt 2-mal geändert.
Helena Velheyn

Beitrag von Helena Velheyn »

Oh, Lenchen, was hast du dieses Mal wieder angestellt…

Achtlos warf sie den Mantel über die Garderobe, wo ein beschworener Flügelaffe sich seiner annahm und ihn sorgsam verstaute. Die gewisse ihr eigene Bequemlichkeit, seit sie nicht mehr auf der Burg Knochenarbeit verrichtete, hatte letztlich dazu beigetragen dass sie anfing, Wesen fremder Welten mit Hausarbeiten zu betrauen, deren Tätigung andernfalls mangels einer tatkräftigen Haushälterin ihr übertragen blieben. Aber dies, und die Rüge die sie sicherlich ernten würde, sollte Arcoveneficus Aethra hiervon erfahren, waren ihre geringere Sorge.

Wenngleich Sorgen derweil von Kummer und Leid zeugen mochten, verlieh jene die sie hatte, ihr doch ein süßliches Gefühl, eine Beschwingtheit die nur dann und wann vom Schauer der Realität durchfahren werden würde. Sie nahm die Regeln, die der Gesellschaft anhafteten, durchaus ernst. Langsam rezitierte sie in Gedanken die Regeln der Etikette, während der Flügelaffe sich um das Öffnen ihrer Stiefel kümmerte, und kam schließlich nicht umher den Kopf zu senken. Egal was kommen würde, niemand durfte erfahren was zwischen den beiden war. Zwar schafften sie es in der Öffentlichkeit das gleiche distanzierte Auftreten zu wahren, welches ihnen immer eigen war, doch wuchs die Gefahr erwischt zu werden mit jeder weiteren Person die in den Hausstand des Freiherrn eintrat. Nicht zuletzt aber, huschte eine verräterische Zufriedenheit über die Züge der jungen Frau, deren Miene zuvor durchweg geplagt und gestresst gewesen war, sei es durch die Flucht oder das Studium – und nicht zuletzt die Trennung von Armoran.
Fürwahr, es schien nunmehr in einem Dilemma münden zu müssen. Er durfte nicht, sie durfte nicht. Die ständischen Regeln untersagten alleine schon den Umgangston, den man hinter verschlossenen Türen pflegte. Jener und die kleineren Zärtlichkeiten in Abwesenheit anderer, sorgten im Ergebnis dafür, dass sie wohl bereits ein gutes Dutzend der durch Etikette gegebenen Regeln verletzt hatten. Und trotzdem, um nichts in der Welt wollte sie die Residenz verlassen, den Ort, an dem sie in seiner Nähe sein konnte. Und gleichsam, wie er es sicherlich fühlte, war auch für sie ein Rätsel, von woher die seltsame Anziehungskraft gekommen war, die beide zueinanderführte obwohl sie es besser wussten. Denn letztlich waren es vielerlei verschiedene Gesten gewesen, die ihrer Art nach so klein und unschuldig waren, dass die Wirkung für wahre Verblüffung sorgte. So reihte sich Present an Aufmerksamkeit und ein leichtes Zwirbeln der Haarsträhnen zum Ruhen der Hand auf der Schulter des Anderen. An und für sich, weder spektakulär noch eklatant. Zumindest so lange, bis beide nachgaben.

Helena errötete leicht bei der Erinnerung an den ersten Kuss, und kam nicht umher seicht und gedankenverloren zu schmunzeln, während am Ende des Raumes das Lied seinen Tribut verlangte und ihren kleinen Helfer, gleich einem gierigen Sog, zurück in seine Welt beförderte, den verträumten Rotschopf zurücklassend. Es gab nichts, kein Wort und keine Geste, bei dem der Freiherr nicht stets Edelmann geblieben war. Die Art Mann, die sie so gar nicht kannte. Friedlich, vernünftig, vorsichtig, rücksichtsvoll.

Vorsichtig legte sie einige Scheite Holz im Kamin nach und spähte aus dem Fenster. Sicherlich würde es nicht mehr lange dauern, bis er heimkam.

Und jetzt?
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