Gäste!?

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Zoljana Steinbeis

Gäste!?

Beitrag von Zoljana Steinbeis »

Der Abend war eigentlich sehr gut verlaufen, fröhlich stand Jepp am Herd und stellte die Suppe warm für eventuelle Gäste, als auch schon die Türe auf ging und zwei ihr bekannte Männer eintraten. Sie waren beide mindestens schon einmal in der Herberge gewesen und hatten ihre Hilfe angenommen. Aber jetzt kamen sie zum ersten mal zusammen und verhielten sich sehr merkwürdig.
Sie kicherten herum und schienen fast besoffen zu sein, aber da sie friedlich waren bot Jepp ihnen etwas von der Suppe an. Heißhungrig verschlangen sie diese und auch das bereitgestellte Brot und Wasser folgten schnell der Suppe nach. Die ganze Zeit aber beäugten sie sie mit sonderbaren Blicken, bis dem einen - Randell oder Rendall nannte er sich - die Frage heraus rutschte, ob sie ihn nicht nach Rahal begleiten wolle, dort könnte sie als seine Sklavin leben und dem Alleinzigem näher sein. Erst tat Jepp das ganze als schlechten Scherz ab, bis sie merkte, dass die Blicke der beiden sich geändert hatten. Möglichst unauffällig versuchte sie sich in den Handwerksraum zurückzuziehen, aber Rendall folgte ihr schnell. Bevor sie die Tür ins Schnappschloss zuschmeißen konnte war er schon bei ihr in dem Raum, nur der andre war ausgesperrt. Voller Wut packte er sie an ihrem Zopf um sie zu zwingen die Tür zuöffnen. Aber nicht mit ihr! Lange genug war sie mit den Jitanos übers Land gezogen und hatte auch einiges vom schmutzigen Straßenkampf gelernt, wo es ums überleben und nicht um Finesse ging. Blitzschnell drehte sie sich herum um ihn die Finger in die Augen zu stechen. Als er den Kopf zurück riss gab sie ihm noch einen Handkantenschlag in Richtung Kehlkopf und rammte ihr Knie in seine Weichteile. Mit einem Schmerzensschrei ließ er sie los, der Schlag zum Kopf den er gerade ausführte traf sie zwar nur mit halber Kraft, aber genug, dass sie benommen zurück taumelte. Sie versuchte zur Tür vom Büro zu gelangen, aber er verstellte ihr den Weg und stieß sie weg. Noch immer benommen fiel sie zu Boden und spürte dann nur noch seine wütenden Tritte in ihren Bauch. Aufschreiend krümmte sie sich zusammen, kaum noch wahrnehmend seine Drohungen das Haus ab zu fackeln sollte irgendjemand davon erfahren.

Sie wusste nicht wie lange sie da auf dem Boden gelegen hatte, der Schmerz durchschnitt sie wie mit glühenden Klingen. Sie brauchte Hilfe und das schnell. Ihre Hand suchte nach einem der Stöcke die Kandur geschnitzt hatten, mühsam humpelte sie dann aus dem Haus. Draußen rief sie verzweifelt um Hilfe, hoffend dass irgendjemand in der nahen Kneipe sie hören möge. Irgendwann gaben ihre Knie nach und zusammen gekrümmt blieb sie wimmernd liegen bis eine sanfte Frauenstimme irgendetwas sagte. Sie hörte sich besorgt an, aber warum nur? Jepp schwebte irgendwo abgekapselt von ihrem Körper, der Schmerz jetzt nur eine Art Hintergrundrauschen. Zwei Frauen brachten sie wohl in ein Bett, bald tauchte eine dritte auf, welche auf sie einredetet. Ihre Stimme war ernst und Sorgenvoll, irgendwas schlimmes war geschehen – oder würde geschehen, wenn Jepp nicht zustimmen würde.

Jepp versuchte sich zu konzentrieren, zu verstehen was die Frau wollte. Aufschneiden? Was aufschneiden? Ihren Bauch? Wieso wollte sie ihren Bauch aufschneiden. Nein, das würde Jepp nicht zulassen, das war falsch. Menschen schnitt man nicht einfach auf um was zu nähen. Kleider kann man nähen aber in Bäuchen? Aber was sagte die Frau denn jetzt? Es gäbe auch noch eine andre Möglichkeit, dafür müsse Jepp aber ihr Wort geben. Irgendwas um Schuld, und dass es für die Fremde lebensgefährlich sei. Nein. Das wollte Jepp nicht auch noch auf sich laden, dass ein andrer Mensch für sie sterben würde. Ihre Schuld war schon groß genug .. Becka.. der Alte .. ihre Gedanken wanderten in die Vergangenheit. Damals war es auch so kalt gewesen und das Feuer brannte so lichterloh und heiß.

Die Stimme der Frau rief sie zurück ins hier und jetzt. Sie sollte ihr Wort geben. Mit dem letzten klaren Gedanken versprach sie es, der Frau zu einen Gefallen schuldig zu sein und ihn auch ohne Fragen auszuführen. Nur auf eins konnte Jepp bestehen, dass es nicht das Leben oder die Seele von andren oder ihr in Gefahr bringen würde. Und dass die Frau aufhören würde mit was immer sie in Gefahr brächte, bevor es zu gefährlich wurde. Die Fremde schien zufrieden und murmelte leise fremde Worte. Jepps Gedanken gingen wieder auf Reisen. Zu damals, als der Schmerz genauso stark war, als ihr das Herz aus dem Leib gerissen wurde.. Becka... liebste Becka..

Ein warmes Licht ging plötzlich von der Frau aus, sanfte Farben die sie und dann auch Jepp umspielten. Plötzlich war der Schmerz wieder da, wie ein Messer, welches sich in ihren Eingeweiden grub und drehte. Schreiend krümmte sich Jepp zusammen, Tränen liefen ihr über das Gesicht. Aber so schnell wie er kam war es vorbei. Schwer atmend lag Jepp auf dem Bett, die Gedanken klar und schaute zur Frau. Sie war irgendwie durch den Raum geschleudert worden und richtete sich gerade erschöpft an der Wand auf. Jepp wollte sich aufspringen, der Frau helfen, aber sie winkte ab und meinte streng 'Nein!'. Liegen bleiben solle sie, sich ausruhen. Sie hätte nur das Nötigste heilen können, aber Jepp würde leben. Nur müsse sie sich ausruhen und liegen bleiben. Und sie solle ihr Wort halten. Jepp nickte schwach, eigentlich ganz froh ruhig im Bett zu liegen. Langsam drifteten ihre Gedanken in den Schlaf ab, nicht mehr mitbekommend, wie die Frau, deren Namen sie nicht wusste, das Haus leise verließ.
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