Mit Blut fängt es an...

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Drakhon Sokarth
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Mit Blut fängt es an...

Beitrag von Drakhon Sokarth »

Part 1 junges Blut


Geisterhaft raschelnd regte der kühle, nach Winterschmeckende Wind, die farbigen Blätter der Bäume zu einem Tanz an. Sie erfüllten die Luft des herbstlichen Waldes und überdeckten die leisen gedämpften Schritte des Rabendieners. Unentwegt zerrte der Wind an seiner weiten Robe, zerrte fauchend am dunklen Stoff und ließ ihn unheilvoll Tanzen.
Nahe der Straße, unweit Bajards verharrte er am Rand des Waldes, halb im zwielichtigen Schatten der Bäume halb im Mondlichtgefluteten freien des jungen Abends.
Seine Beweggründe gerade jetzt gerade hier zu sein waren klar, er sollte hier sein denn er musste etwas erledigen. Denn schon immer lenkte der Rabe seine Schritte und führte ihn auf seinem beschwerlichen Wege.
Ein kurzer stechender Schmerz dränge sich am Rande seines Bewusstseins in seine Wahrnehmung. Die Prellungen aus dem kürzliche Duell waren noch nicht verheilt und erinnerten ihn schmerzlich an die Niederlage die er gegen diesen jungen Burschen, diesen Sebastian hatte hinnehmen müssen.
Seine hand strich über die lädierte Flanke ehe er seine Gedanken sammelte. Dort bewegte sich etwas, ein Schatten, ein Schemen der die Straße entlang kam.
Auf sie hatte er gewartet, ein Mädchen, jung und unschuldig, glänzte das Mondlicht in ihrem Blonden Haar und gab ihre zierliche Siluette wieder.
Einen Moment noch beobachtete er das Mädchen, verfolgte ihre Bewegungen ehe er seine rechte erhob. Seine Gedanken glitten davon, breiteten sich aus und begannen ihre Fühler nach den Saiten des Liedes auszustrecken.
Fast schon liebevoll glitten sie über die Seiten, stimmten eine gequälte, aber fordernde Melodie an, zerrten und verdrehten den Klang.
Ein Raunen ging durch den Boden, sie harrte ihr Blick wanderte umher, unruhig ängstlich wie ein junges das man von ihrer Mutter trennte. Doch schon begann es.
Ein schrei ein dumpfes auftreffen als das Mädchen stolperte, im Versuch den skelletierten Händen zu entgehen, welche unmittelbar unter ihr aus dem Erdreich ragten. Doch es war zu spät, eine Hand hatte bereits ihr Fußgelenk gegriffen und hielt sie. Sie zerrte und wand sich doch musste sie zusehen wie sich die zwei nackten, knochigen Körper vor ihr aus dem Erdreich wühlten. Schreie die die Dunkelheit durchschnitten und von ihnen verschluckt wurden, die Lichter Bajards tanzten höhnend in der Nacht doch niemand hörte sie, oder wollte sie hören.
Eine kurze Rangelei, Tränen der Schmerz von knochigen Fingern die sich in junge weiche Haut schneiden.
Ein wundervolles Schauspiel bot sich dem Rabendiener bis seine Geschöpfe das Mädchen umklammert hielten, ihre Bewegungsmöglichkeiten auf ein Minimum einschränkten und erst jetzt trat die berobte Gestalt aus dem Schatten.
Das Mädchen verstummte, ihre Augen fixierten die Gestalt ihre Brust hob und senkte sich in erschreckender Geschwindigkeit als er n sie heran getreten war.

“Dies ist dein Schicksal…, unser Schicksal, das wir uns hier begegnen.”
Protest, Widerspruch und Verwünschungen, waren es die ihm das junge Mädchen entgegen warf, in ihrer Verzweiflung und in ihrer Angst. Denn was flüsterte man sich über die Diener des Raben zu, Mörder, Seelendiebe und schlimmeres.
Doch es war nicht ihre Seele die er verlangte und selbst wenn so wäre dies nicht sein Weg. Was er benötigte, war etwas reines, etwas unbeflecktes und hier würde er dies finden, das Bindemittel welches er benötigte.
Nur widerwillig und heiser schreiend ließ sie sich von den zwei Skeletten auf die knie zwängen, ihre Hände wie von Schraubstöcken umklammert wurden nach vorn gestreckt.
Ein kurzes funkeln im Mondlicht, ein ziehen ehe der rote Lebensaft auf zwei kleinen schnitten unter ihren Handgelenken in zwei kleine Schälchen tropfte. Sie verkrampfte sich unter dem kurzen schmerzlichen Kuss des kalten Metalls ehe sie ihm nicht gen Genuss weiterer Laute des Qual gönnte und die blassen Lippen aufeinander presste.
Es dauerte, Augenblicke, Minuten bis die Schalen gefüllt waren und er sie behutsam in ein großes, verschlossenes Gefäß umfüllte. Der Blutfluss begann bereits zu versiegen als er mit seiner Arbeit fertig war und alles verstaut hatte, dann viel sein Blick erneut auf das kniende Mädchen.
“Mhm wenn sie jetzt schon suchen… ist es zu früh… mein liebes…”. Sie gab einen Einwand, fragte wovon er sprach doch es rauschte an ihm vorbei wie tote vom Wind getragene Blätter.
Grob riss er ihren Kopf an den Haaren in den Nacken ehe sie spüren konnte wie einige Tropfen, einer öligen Flüssigkeit über ihre Lippen liefen gefolgt von Stille….
Caya Sternsang

Beitrag von Caya Sternsang »

Langsam tappste die junge Frau durch die Nacht. Was hatte sie dazu bewogen zu gehen?
Zu Wandern?.
Durch den Wald zu streifen.
Schlaflos.
Der Mond war bereits Aufgegangen. Der Mond?
Etwas in ihr pochte. Es wollte aus ihr heraus. Ein Schrei durchbrach die Stille der Nacht und unter Protest flatterten einige nahe Vögel davon.
Da war es wieder. Dieser stechende Schmerz in ihrem Kopf – Das brennende Beißen unterhalb ihrer Handgelenke.

Sie betrat eine eine Lichtung. Einsam im Wald. Auf ihr ... ein Baum.
Einsam. Wie sie.
Eine Eule wachte auf einem der Äste des Baumes und starrte schweigend auf sie herab.
Die Augen des weisen Tieres ruhten still auf der zerschundenen Frau als diese mehr stolpernd als gehen auf die Wiese taumelte.

Sie war als Waise im Armenviertel Basenheims aufgewachsen, einer Hafenstadt jenseits des Meeres – Das wusste sie noch.Ihre Mutter war fort. Sie konnte sich nicht an sie erinnern.
Nur ein Bild.
Schön sah sie aus, wie Caya fand. Dann erkannte sie, dass sie sich selbst sah.
Als alte Frau.
Ihre Haare waren schneeweiß, doch ihre Augen leuchteten blau – jugendlich.
Ein Kind.Golden schimmernde Haare im Schein der Sonne. Die selben Augen.
Sie sah sich.

Plötzlich flog die Eule davon. Der Mond stand nun direkt über ihr. Der Schmerz. Er kehrte zurück.
Er wurde stärker - schwoll an – zerrte an ihrem Bewusstsein und biss gnadenlos. Sie taumelte und schon bemerkte sie wie sich um sie herum alles zu drehen begann. Keinen Augenblick dauerte es und sie sah, wie der Boden mit Angst einflößender Geschwindigkeit auf sie zuraste.

Dunkelheit. Furcht. Verwirrung.

„Wer bin ich ?“
„Caya?“



**********



Leises, zögerliches zwitschern durchbrach die graue Mauer aus Nabel als die junge, geschundene Frau mühsam ihre Augen öffnete. Ein Krampf, tief aus ihrem Inneren drang er, hatte sie wach geschüttelt und mühsam strich sie einige klebrige Strähnen aus ihrem Gesicht.

Wie lange irrte Caya nun schon umher? Sie wusste es nicht, denn jedes Gefühl für Zeit hatte sich aus ihrem Bewusstsein geschlichen. Wieder schüttelte sie ein schmerzhaftes Krampfen – es war ihr Magen. Warum protestierte er so? - Sie hatte schon oft über Tage nichts gegessen, aber so schlimm war es noch nie gewesen, dann aber begann sie zu würgen. Kaum schaffte sie es genügend Kraft aufzubringen um sich hoch zustemmen als sie sich des blutigen Erbrochenen gewahr wurde, in welchem sie gelegen haben musste.

Etwas zupfte am Rande von Cayas Aufmerksamkeit und umso ärger kämpfte sie den Kopf zu heben.

Dort vorn – eine Brücke. Sie kannte diese – oder kannte sie sie doch nicht? Müsste nicht unweit dahinter jenes kleine Heilerhaus der Schwestern stehen?

Welche Schwestern? - Mühsam zog die junge Frau sich an einem nahen Baumstamm auf die Beine.

„Denke nach Caya – denke nach!“ - mahnte sie sich selbst, aber es half nichts. Zu wirr waren ihre Erinnerungen an die letzten Tage und Nächte – dennoch versuchte sie, Schritt für Schritt, jene Brücke zu erreichen.
Zuletzt geändert von Caya Sternsang am Donnerstag 30. Oktober 2008, 17:55, insgesamt 2-mal geändert.
Caya Sternsang

Beitrag von Caya Sternsang »

Müde tasteten die rasch schwächer werdenden Sonnenstrahlen gegen eine undurchdringlich scheinende graue Front aus tief hängenden Wolken. Es wollte an diesem Morgen einfach nicht richtig hell werden. Eine bedrückende Stille hatte sich um Cayas Schlafstätte ausgebreitet als diese nun erstmals wieder zu sich kam.
Da war er wieder – der dumpfe, pochende Schmerz in ihren Schläfen. Sie wollte die Hände an den Kopf pressen, irgendetwas gegen diese unmenschlichen Kopfschmerzen tun, aber mitten in der Bewegung hielt sie inne, denn der Blick aus den großen blauen Augen heraus verharrte auf ihren verbundenen Handgelenken.

Was war passiert? - „Denke nach Caya! Denke nach!“ - So sehr sie sich anstrengte, mehr als nur ein paar verschwommene Erinnerungen wollten ihr nicht ins Bewusstsein rücken. Da waren die Leute, die ihr einen Hinterhalt gelegt hatten. Sie konnte es fast noch spüren wie sich Schlingen- Waren es Schlingen? - um ihre Fußknöchel schlossen. Sie fühlte den stechenden Schmerz wieder, als spitze Finger sich in ihre Schultern bohrten um sie festzuhalten. Dann der Biss – und gleich darauf noch einer, es schmerzte so sehr. Ihre Hände, ihr ganzer Körper zitterte. Am Rande ihres Bewusstseins bemerkte sie noch die verwaschene hellgraue Robe die sich nun vor ihr auftürmte. War da eine Stimme? Sie war sich nicht sicher und dann war da nur noch Schwärze. So vollkommene und leere Schwärze.
Es folgte eine lange und verwirrende Reise. Eine Reise? - Nein eigentlich war es mehr ein mühsames dahinschleppen ohne Ziel.

Ein Mann, Caya verharrte atemlos als sie die Augen schloss und versuchte sich die Bilder wieder ins Gedächtnis zu rufen. Er hatte unter einer Kapuze hervor geblickt, als er sie fand – war da ein gräulich-grüner Schimmer als das Licht sich in seinen Augen spiegelte? Dann hob er sie hoch und da war noch jemand. Lisa? - Nein nicht Lisa sondern Larissa. Langsam wurden Cayas Erinnerungen klarer, wenn die Kopfschmerzen auch blieben. Nachdem die Schwester ihre Wunden versorgt hatte wurde Caya in ein Haus gebracht – es kam ihr so vertraut vor.

Dann durchfuhr es die junge Schwester wie ein Blitz. Sie war wieder zuhause. Wie lange hatte sie hier oben schon gelegen? Immer wieder bemerkte sie am Rande ihrer Bewusstlosigkeit wie jemand kam und sie versorgte, Verbände wechselte, sie wusch, ihr etwas einflößte. Ein kurzes, noch immer schwaches, aber dankbares Lächeln huschte nun über ihre blassen Lippen als sie ihren Kopf zurück in die Felle ihres Lagers sinken ließ. Hier war sie in Sicherheit und brauchte gewiss vor niemanden Angst zu haben.
Zuletzt geändert von Caya Sternsang am Montag 3. November 2008, 21:00, insgesamt 1-mal geändert.
Caya Sternsang

Beitrag von Caya Sternsang »

„Du hast viel Blut verloren“

Es waren bereits einige Stunden vergangen seit Larissa Caya besucht hatte. Behutsam hatte die ältere Schwester sie nach den Geschehnissen befragt, an die Caya sich erinnern konnte – aber dieser eine Satz ließ sie nicht ruhen. Störrisch schob sie die Kopfschmerzen bei Seite die kakophonisch in ihrem Schädel hämmerten. Ja sie brauchte Ruhe, aber vorher wollte sie Gewissheit!

Was war noch gewesen? Die graue Robe. Das Messer. Schalen? Warum hatte dieser Räuber Schalen unter ihre Handgelenken gehalten? Warum fing er ihr Blut auf – und da war sie wieder diese eisige Stimme. Gänzlich teilnahmslos, ruhig und so unendlich kalt und lieblos durchschnitt sie Cayas Erinnerung:“Mhm wenn sie jetzt schon suchen… ist es zu früh… mein liebes…“ Was sollte das heißen? Noch mehr Verwirrung durchflutete die junge blonde Frau als dieser nun vor Erschöpfung die Augen zu fielen und ein unruhiger Schlaf sie empfing.
Aira Sokarth

Beitrag von Aira Sokarth »

Dunkelheit. Gebieterisch und schön liegt sie über der Welt. Schatten. Still und unerkannt huschen sie durch die immer währende Nacht um dem Raben zu diensten zu sein und seinen Willen durch das Land zu tragen.
Gebeine suchten sie. Gebeine aus dem Leib von Temoragläubigen. Ihr Ziel war ein Friedhof. Der Friedhof Varunas oder der am Kloster vor Bajard. Wie Schatten betrachteten sie beide heiligen Orte und entschieden sich für den zu letzt genannten, da jener, törichterweise unbewacht und nicht verschlossen, recht einfach zu betreten war.
Wie praktisch war es, dass die Lichtgläubigen besonders prachtvolle Grabsteine für die Hochgeweihten ausersahen. So mussten sie sich an solch heiligen Ort nicht lang mit suchen abplagen und konnten ihn rasch verlassen, was ihr durchaus beliebte.
„Großritter Temoras. Wäre der recht?“ fragte sie in leisem Wisperton in Richtung ihres Mannes. Als er ihr eine bejahende Antwort gab holte sie einen Leinensack aus ihrer Tasche und lies mit Hilfe eines kurzen Eingriffes ins Lied ihren Knochenstab in seine einzelnen Knochen zerfallen, welche sich über den Friedhofboden verteilten. In der nun freien Hand bildete sich eine Schaufel. Das Schild des Großritters schob sie zur Seite ehe sie zu graben begann. Nach gefühlt unendlicher Zeit, um die Ruhe zu waren, welche notwendig war für ihren Plan, erreichte sie das modrige Holz der Sarges, welche sie mit einem festen Stoß der Schaufel zerbrach. Nun hob sie Rasch die Gebeine des Toten mit der umliegenden Erde in den Leinensack, welchen sie anschließend fest verschnürte. Um den Schein der Ordnung zu waren, schob sie die modrige Erde wieder zurück in das ausgehobene Loch und schob das Schild an seine alte Stelle zurück.
Rasch sah sie sich nach den anderen Grabsteinen um. Weniger prunkvoll doch immer noch auffällig standen zwei weitere Grabsteine in ihrer Nähe. An dem einen, einem Templer Temoras wie sie las, war ihr Bruder grade am Schaffen. Der daneben gehörte einem Kind, wohl seiner Tochter, wenn sie sich nicht irrte. Dieses Grab nahm sie sich sodann gleich vor. Hob es ebenso leise aus und verstaute die Gebeine in einem zweiten Leinensack. Nach getaner Arbeit schob sie das Grab wieder zu und platzierte die Statur wieder an seiner alten Stelle.
Die Schaufel verstaute sie und mit einem zweitem hauchzartem Eingriff ins Lied erhoben sich die Knochen ihres Stabes und formten sich erneut in ihrer Hand. Mit einem zufriedenen Nicken verließ sie den Heiligen Ort. Kurz teilte sie ihrem Mann mit, dass sie die Säcke wegbrächte und gleich wieder kommen würde. Dann eilte sie einem Schatten gleich durch die Nacht davon.

Die Säcke waren verstaut. Rasch machte sie sich auf den Rückweg. Als sie den Friedhof erreichte waren ihre Brüder grad dabei den Friedhof zu verlassen. Die Hacke über der Schulter und einen prallen Sack in seinen Händen trat ihr Mann aus dem Tor. Über seine Robe rieselte die modrige Graberde. Von Süden her war leises Geklapper einer Rüstung zu vernehmen. Als ihr Blick in jene Richtung fuhr erkannte sie auch schon die Wache des Klosters, welche eilig um die Mauer bog.
Ein süffisantes Grinsen bildete sich auf ihren Lippen unter der Maske, welche ihr Gesicht vor dem Rest der Welt verbarg. Da zahlte es sich aus, dass sie die Säcke bereits verstaut hatte. Die Wache hatte ihr Schwert gezogen und obgleich sie in der Unterzahl war, war sie bereit mit ihrem Leben Termoras Wille auszuführen. ‚Glaubensstärke, oder einfach nur Töricht.’ Ging es ihr durch den Kopf. Im Grunde war es egal. Sie hatten was sie wollten und so konnten sie ganz ungestört dem Wunsch der Wache nachgehen und den heiligen Ort verlassen. Weiter weg aus der Dunkelheit wurde das geraschelt weiterer Rüstungen hörbar. Bald würde die Wache nicht mehr in der Unterzahl sein. Und auch wenn dies nicht wirklich von belangen war, machten sie und ihre Brüder sich auf den Weg. Gegen den Willen der Wache trugen sie die Gebeine der Toten mit sich in die Dunkelheit, wo sie einem höherem Ziel dienen sollten.
Zuletzt geändert von Aira Sokarth am Samstag 29. November 2008, 22:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Drakhon Sokarth
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Beitrag von Drakhon Sokarth »

Polternd hob er eine Handvoll Knochen, Sand und Dreck aus dem Leinensack und füllte es in einen großen Mörser. Die wievielte Handvoll es war hatte er nicht gezählt seit er begonnen hatte, den Geraubten Grabinhalt zu zermörsern.
Am selben Abend ist es gewesen, wo er sich mit 5 seiner Brüder und seine Gattin sich eingefunden hatte um das fehlende Material für seine Urne zu erbeuten. Auserwählt hatten sie den Friedhof hinter dem Kloster. Jener war spärlich bewacht, einzig die Wachen vor den Klosterpforten könnten stören doch mit genug Vorsicht könnte man auch jenes umgehen.
So zogen sie durch die Dunkelheit in Richtung Kloster. Umgingen die Klosterpforte und betraten in aller Stille den kleinen Acker. Ihre Blicke flogen über die Gräber, lasen die Inschriften und wählten aus.
Ein jeder der hier lag, stand in der Gunst der geflügelten und genau dies war es was er wollte. Gebeine derer die in Temoras Segen badeten. Und so folgten zwei drei kurze Befehle, ehe sich die kleine Gruppe Schwarzberobter daran machte die einzelnen Gräber auszuheben, schnell konzentriert leise. Erde um Erde wurde bei Seite gehoben als sie sich ihre Wege zu den modrigen Särgen bahnten, welche eben das beinhalteten was er so suchte.
Die Zeit verging und im Schutze der zermürbenden Dunkelheit hörte man schließlich das erste Knacken von Eisen auf Holz als die ersten Särge erreicht wurden.
Knackend und krachend berstete das Holz als die Diener Krathors ihre Äxte und Schaufeln benutzen um das Holz aufzubrechen und an die darin verborgenden modrigen Schätze zu gelangen. Was folgte ging schnell, die Gebeine und die Erde, welche über die Jahre in das Holz eingedrungen war wurde in große Leinensäcke gestopft ehe auch schon das metallische Scheppern das nahen einer Wache ankündigte. Die Rabendiener hatten bereits ihre Beute verschnürt und die Klosterwache, welche ihnen allein gegenüberstand hatte kaum eine andere Wahl als sie ziehen zu lassen. Obwohl der Wind bereits die blechernen Schritte seiner Kameraden heran wehte und so zogen sie, mit ihrer Beute in die Dunkelheit davon wo sich der Verband aufzulösen begann und ein jeder seiner Wege schritt.

Er schüttelte die Gedanken an das Vergangene ab ehe er die kleinen fein gemörserten Haufen aus Erde und Knochen betrachtete die er auf seiner Arbeitsfläche aufgehäuft hatte. Er seufzte kurz auf ehe er sich umsah. Einen Momentlang flog sein Blick über die einzelnen Utensilien, ein kleiner Töpfertisch, eine versiegelte Karaffe mit dem Blut des jungen Mädchens, von welchem er hoffte es währe rein genug für dieses Vorhaben und eine große lehre Schale. Er zieht sie mühsam auf die Arbeitsfläche und beginnt die ersten fein gepulverten Haufen hineinzugehen.
“Mhm.. Das sollte für den Anfang genügen..” entweicht es ihm ehe er die Versiegelung von der Karaffe entfernt und einwenig Blut über das Gemisch gießt. Mit einer Hand vermengt er alles und gießt immer wieder einen Schluck nach bis sich in der Schüssel eine zähe, Tonartige Masse gebildet hat. Er stimmt der Verhältnis noch einige Male aufeinander ab ehe er die Karaffe zufrieden abstellt. Seine Finger haben sich inzwischen rot verfärbt unter dem Gemenge aus Knochen, lehmiger Graberde und Blut nimmt er den Unförmigen Klumpen aus der Schüssel und klatscht sie auf den kleinen Töpfertisch.
Er hält einen Moment inne horcht in die dunkle Stille seines Kellers. Über ihm vernimmt er das Treiben seiner Gattin, welche sich im Handwerk der Alchemie übt ehe er die Scheibe mit einem Fußpedal in Rotation versetzt. Müßig und ruhig beginnt er auf dem Klumpen Ton eine empor wachsende und bäuchige Urne zu formen. Die Zeit verstreicht während er die Konturen perfektioniert, sie aushebt kleine Fehler korrigiert oder gar nach einer falschen Bewegung den zusammengesunkenen Klumpen aufs neue aufzubauen versucht.
Schweiß rinnt über seine Stirn rupft von Kinn und Nasenspitze während er konzentriert die letzten Schliffe an der Form der Urne vollendet. Neben dem stehenden Gefäß liegt eine flache passende Scheibe, wohl der Deckel doch beides nackt und glatt schimmert das feuchte Tongemisch rötlich im Kerzenschein.
Er lehnt sich zurück seiner Kehle entweicht ein müdes seufzen als seine Finger nach dem feinen Nadelähnlichen Werkzeug greifen.
Er blickt neben sich und greift mit den blutigen Fingern nach einem Skizzenblatt, auf welchem er die nötigen Runen und Zeichen für die Urne vorgeschrieben hatte. Er durfte sich hier keine Fehler erlauben, nochmals würde es nicht so einfach werden an die benötigten Leichenteile zu gelangen die er brauchte um diesen Gegenstand zu formen.
Noch einmal kehrt er in sich ehe er die Nadel in den weichen Ton setzt rings um das Gefäß beginnt er die alten machtvollen Runen zu platzieren. Ihre feinen Linien in die Haut des Gefäßes zu schneiden und ihre Macht jenem zu übereignen. Fange, sammle, halte, sperre, spende Leben, nimm Leben, vergifte, korrumpiere, diene dem Raben, sei gesegnet, Temoras Kraft, Eluvies Leben spendende Energie. In einer komplizierten Abfolge von Symbolen, Linien und Mustern verbindet er die Runen miteinander und überzieht damit die Haut des Gefäßes.
Als auch jener Akt der Geduld und Konzentration beendet ist, und seine Augen bereits vor Überanstrengung brannten und seine Hände bei jeder Bewegung schmerzten, legte er die Nadel zur Seite. Das schwierigste war vollbracht das Gefäß müsse nur noch aushärten und dann stand einem Einsatz auch schon nichts mehr im Wege. Er nahm die Stufen aus dem Keller, vorsichtig den Teller mit der Urne und dessen Deckel in den Händen haltend. Er nickte seiner Gefährtin kurz zu ehe er den Teller in eine Schiene im Ofen schob und ihn den Flammen überantwortete. Nun würde sich zeigen ob das Material das er zusammengetragen hatte Kraftvoll genug war um den eingeschnittenen Runen stand zuhalten, oder ob er von vorn anfangen müsste.
Und so verloren sich seine Gedanken als er dem prasselnden Feuer zusah, wie es um die Konturen der Urne leckte und das Material auszuhärten begann. Was nun geschah oblag nicht länger ihm.
Zuletzt geändert von Drakhon Sokarth am Samstag 29. November 2008, 22:53, insgesamt 2-mal geändert.
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