Kerzengerade saß sie im Bett und starrte die Wand am anderen Ende des Raumes an. Wie gebannt lauschte sie den Geräuschen der Nacht, achtsam, aufmerksam und doch mit seltsam entrücktem Blicke, der alles andere zu sehen schien, nur nicht die Steine vor sich. Jedes Geräusch schien aufgenommen zu werden, je abwägend wohl, was es zu bedeuten hatte: Das Knarzen der Bodendielen, das tockende Geräusch eines Astes an irgendeiner Hauswand, irgendeinem Fenster in diesem riesigen Gebäude. Heulend stob der Wind durch die Fugen und Ritzen und ließ ständig die Gänsehaut auf ihrem Arm aufs neue hochschrecken.
„Du sagtest dass du dem Schwert folgst...aber was...was bist du ohne Schwert, Leah?“
Langsam schloss sie die Augen, fest den Rücken an den kalten Stein hinter sich pressend. Wer war sie? Wer steckte hinter der Hauswächterin, Temoragläubigen.... Knappin? Ein Schauer erfasste ihren Körper, durchdrang einen Moment jede Faser von ihr, als sie an den Moment in dieser unwirklichen Umgebung zurückdachte. Wie weit hatte der Diener des Panthers sie getrieben, wie weit hätte er sie noch gebracht, wäre sie nicht gegangen? Wieder und wieder schossen neue Fragen in ihren Schopf und bildeten einen riesigen Haufen Verwirrung.
Er hatte sie gehen lassen....hatte sie nicht angegriffen, nicht getötet. Doch warum? Zu einfach, zu subtil schien die Antwort Darnas, als sie von ihr aufgegabelt wurde: „Euch auf die Seite des Panthers bringen.“ Sie? Die dunkle Saat einfach zulassen? Die Lügen, die ganzen einfachen und verlockenden Aussagen hinnehmen? Die Nackenhaare stellten sich unwillkürlich auf bei dem Gedanken und ein tiefes, zittriges Einziehen der Luft folgte. Elend schwach fühlte sie sich, unbeholfen und kraftlos. Sie wusste nicht einmal, ob und wie sie aus der Rüstung und in diese Sachen, die ihr irgendwie nur halb passten, hineingekommen war. Langsam stieg sie aus dem Bett, über Liralia hinweg, die sich einmal drehte und sie fast befürchten ließ, dass sie wieder aufwachen und sie resolut unter die Decke ziehen würde. Sie hatten den Kampf schon ein paar Mal bereits durchgeführt und nur ihrer wortkargen Situation war es zu verdanken, dass sie stets klein beigab. Sie hatte so viele Worte an diesen....diesen Kerl verschwendet und doch hatte keines ihn getroffen, keines ihn unsicher gemacht. Stattdessen hatte er geradezu eindringlich sie bedrängt, umrundet, ständig prasselten neue Wörter auf sie ein.
Verwirrung führt zu Angst; Angst führt zu Verzweiflung; Verzweiflung führt zu Zorn und Hass. So hatte Milady es ihr erklärt, hatte sie behutsam wieder beruhigen wollen. Die nackten Füße führten sie an die Türe des kleinen Zimmers, durch jene durch, direkt in den Flur der riesigen Burg. Warum war sie mit ihm auch an die Wasserstelle gegangen? Warum hatte sie sich auf diesen Wortwechsel eingelassen?
„Was aber würdet ihr gewinnen, wenn ihr euch nur... einen Augenblick lang von den Dogmen und Vorschriften, die ihr zu verstehen glaubt, löst und einen Augenblick lang selbst ermesst, welche Wahrheit in meinen Worten zu finden sein könnte?“
Wahrheit? Hatte Savea nicht gesagt, es gebe je verschiedene Ansichten einer Wahrheit? Hatte sie deswegen sich darauf eingelassen, wollte unbedingt diese Schriftrollen sehen, von denen der angeblich alte Mann vor ihr gesprochen hatte? Unruhig ging sie durch den Gang, verharrte einen Moment an der Stelle vor Cyrions Türe. Sie hatte ihn kaum sprechen können heute, hatte ihn kaum gesehen. Kurz zog sich ihr Herz zusammen und die Arme schlangen sich um den Oberkörper. Er hatte sie nach Liebe gefragt, nach eigenen Erfahrungen...im nachhinein war sie froh, niemals Cyrions Namen genannt zu haben. Und doch hatte sie viel zu viel preis gegeben. Von sich und ihrem Selbst. Langsam rieb sie über ihre Oberarme, während sie nun weiter ging und die Türe nach draussen aufstieß. Der Innenhof lag in idyllischer Ruhe vor ihr. Regen trappelte auf die Grashalme, welche von einem leichten Wind hin und her gewogen wurden. Es ist vorbei...schoss es ihr durch die Gedanken, als sie ein weiteres Mal gegen die Tränen kämpfte. Die Anspannung hatte sich mit dem Erreichen der Burg, mit der ersten Berührung eines Menschen um sich herum gelöst und die befreienden Tränen geschenkt. Vielleicht war es schwach in diesem Moment und alles andere als tapfer, doch es tat gut und machte nach und nach den Kopf klarer. Sie versuchte es zumindest, sich einzureden. Zu hektisch, zu oft hatte sie einen Satz begonnen, verworfen, einen neuen gewählt. Sie musste fast wie eine Verrückte gewirkt haben, wie jemand, der nicht mehr die wirkliche Welt sah.
Da war es wieder...dieses Wort: Die wirkliche Welt. Ein weiterer Schauer durchfuhr sie und nur ein Aussenstehender würde vermuten, dass es vom aufkommenden Wind und der durch und durch kühlen Nacht kam. Doch sie wusste es besser...wusste um die Erkenntnis, dass es in dieser Höhle für einen Zeitpunkt den Moment gab, in dem sie fast zusammengebrochen wäre und aufgegeben hätte. Hätte er sie nicht gehen lassen...hätte er sie gebrochen? Sie wusste es nicht, wollte es nicht wissen und rasch verdrängte sie den Gedanken wieder. Nein, sie durfte den Lügen keinen Glauben schenken, durfte nicht die verdrehten Wörter für bare Münze nehmen.
„Sicher gibt es 'andere Sichtweisen' Leah....Deshalb müssen sie aber nicht wahr sein.“
„Du lebst eine Lüge, Mensch...und du folgst ihr so eifrig und erfreut, dass es fast mein Herz erwärmt. Aber siehst du nicht, dass ich dich nur aus dem Netz dieser Lügen befreien will? Dir die Welt zeigen will, wie sie wirklich ist? Fern von Lügen und Indoktrinierung deiner jämmerlichen Göttin?“
Leise ächzte sie auf, als die Worte in ihrem Kopf aufhallten und sie im Türrahmen etwas hinabsackte. Er hatte erreicht, dass sie zumindest ständig an ihn dachte...und noch viel mehr....vor einem nächsten Treffen fürchtete....
„Wir folgen nicht dem Weg der Gewalt...wir tun dass, was getan werden muss. Nicht anders als der Wolf im Wald. Aber wir machen uns keine Illusionen über den Zweck und Sinn unserer Taten...“
Kein Leb wohl aus seinen Lippen. Sie wusste, dass sie keine Ruhe haben würde, bis sie fest genug in ihrem Glauben war. Sie musste stark sein, bevor sie ihm wieder begegnen konnte; mit Argumenten, die ihm in diesem Moment die Furcht eintreiben würden und zweifeln ließen. Sie durfte sich kein weiteres Mal die Blöße geben, nicht schwach sein. Sie würde sich sonst verraten...und ihre Göttin.
Eine Hand auf ihrer Schulter, ein sanfter, aber bestimmender Druck ließ sie langsam herumdrehen und mit Liralia zusammen wieder ins Zimmer gehen. Sie hatte Menschen, die für sie da waren. Sie war es sich bewusst. Doch genauso gut waren jene Menschen nun in Gefahr...weil ein Mensch, nein, ein Brudermörder nun sein Interesse auf sie gelenkt hatte.
Des Nachts sind alle Wölfe grau
-
Cyrion Sha´Ar
Gierig fielen die Pferde über das Heu und den Hafer her, als er ihnen dieses gab. Als wollten sie immer noch wettmachen, das sie einen Abend ohne Futter hatten ausharren müssen - auch wenn sie Wasser zur Genüge hatte. Seine armen Vierbeiner... Aber er hatte es nicht fertig gebracht, die Burg an diesem einen Abend zu verlassen, an dem Leah völlig verstört wieder gekommen war. Sein erster Gedanke war gewesen, den Mann umzubringen, mit dem sie gegangen war. Später hatte er daran gedacht, ihn zu verhören - Liralia hatte recht gehabt - der Mann war alt - er konnte ihr nichts getan haben. Wie falsch sie lag!
Er war rastlos in seinem Zimmer gewesen, hatte sich verflucht, das er nicht seinem Gefühl nachgegangen war - auch wenn dieses aus einem Stich Neid und Eifersucht entfacht worden war - und sie gesucht hatte, anstatt mit Liralia im Ballsaal zu tanzen... Bis er sie gehört hatte. Durch die Wände durch die Türen, ein fernes Weinen und Klagen, die Stimme von Angst zerrissen und doch hatte er erkannt, das sie es war, die er da hörte. Rasch Kleidung übergestreift und er stand an ihrer Tür - doch was tun. Anklopfen, wenn sie sich gerade ausweinte? Ein Schlafgemach mit zwei Frauen mitten in der Nacht betreten? Was wenn sie bereits im Nachthemd waren? Er zauderte, lies die Hand ein ums andere Mal an die Türe wandern und verhielt wieder, während er sie hörte, wie sie davon sprach, sie nicht verlieren zu wollen, davon sprach, das sie ihn nicht töten konnte, obwohl sie die Möglichkeit gehabt hatte. Schliesslich hatte er angeklopft - um die Türe ins Gesicht geknallt zu bekommen von einer Leah, die ein Schwert blank gezogen hatte. Er dachte einen Moment wieder darüber nach - wie nervös sie gewesen sein musste, um auch nur einen Moment zu glauben, das ihr Häscher in der Burg hinter der Türe war.
Er hatte mit ihr sprechen können... Vielleicht sie auch ein bischen beruhigen können. Aber allein schon die Tatsache, das ihr Häscher seinen Namen nicht kannte, hatte ihr eine Last von den Schultern genommen. Er hatte zuerst nicht recht verstanden. Was war so schlimm an dem Mann, das sie - eine Kriegerin - solche Angst vor ihm hatte. Liralia hatte es ihm schliesslich gesteckt - er musste kreidebleich geworden sein. Ein Lethar! Ein verdammter Pestelf! Er hatte sich umdrehen müssen, wollte er doch nicht, das Leah ihn sah, wie er zitterte vor Wut. Liralia war zu ihm getreten - sprach von Hass und der Saat Alatars. Dafür war es längst zu spät. Er konnte Letharen nicht ausstehen. Ihre Anwesenheit liess bei ihm Gänsehaut entstehen. Und nun hatte einer dieser Pestelfen Leah...
Er öffnete die Augen und blickte hinab, wieder im Hier und Jetzt, wieder bei seinen Pferden. Der Eimer mit dem Futter... sein Griff um den Henkel so fest, das sich seine Nägel in seine Handinnenflächen bohrten. Wieder kochte der Zorn in ihm - gut das er es geschafft hatte, sich zu beherrschen, normal mit Leah zu sprechen. Hätte sie die Mordlust in seinen Augen gesehen... Er seufzte und lockerte seine Finger eins ums andere mal. Halbkreisförmige Male an seinen Händen, die hier und da die Haut durchbrochen hatten. Nicht gut...
Lieber dachte er da an den Abend, als Malachai gekommen war. Malachai sein Bruder, der plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht war - wie immer. Cyrion's Stimmung hatte sich so rasch gehoben, dass ihm fast schwindelte. Endlich! Endlich konnten sich Leah und Malachai kennen lernen. Endlich die zwei liebsten Menschen in seinem Leben mit ihm an einem Ort! Malachais Erscheinen hatte ihm das unumstössliche Gefühl gegeben, das nun alles gut werden würde. Ein Gefühl, das sich den ganzen Abend durchweg gehalten hatte - ausser in dem einen Moment, wo Leah ihn gescholten hatte. Malachai und Leah - sie verstanden sich auf Anhieb recht gut - etwas, das ihn erleichterte. Was wäre gewesen, hätte Malachai Leah nicht für akzeptabel gehalten. Aber so... Selbst Malachai's Pferd, ein stolzes wie kluges Ross, wie er kein zweites gesehen hatte, mochte Leah. Alles in allem, war er hoch zufrieden mit dem Abend gewesen.
Nicht nur, das Leah sich ihm geöffnet hatte, ihm von ihrer Familie und dem Letharen erzählt hatte - etwas, das ihn ebenfalls froher stimmte - nein, auch Malachai hatte Anschluss an seine Frau gefunden. Glückliche Momente, die sich aneinander reihten, wie Perlen auf der Schnur. Fehlte nur noch, das Savea zurück kam und seine Leine lockerte, gar den Eid völlig von ihm nahm.
Seine Gedanken gingen weiter in diese Richtung, doch zeigte sich ein grimmiger Zug um seinen Mund. Würde er mehr Zeit mit Leah verbringen dürfen, bestand die starke Möglichkeit, das er eine weitere Belästigung durch den Pestelf verhindern konnte - oder gar Leah vor ihm beschützen. Er war sich nicht sicher, ob Leah in ihrem Glauben wirklich gefestig war, ob dieser Wortverdreher nicht erneut einen Ansatz bei ihr fand.
Dieser Mann hatte immer hin Erfahrung darin, welches über ein Menschenleben - wenn nicht sogar zwei hinweg reichte. Sollte er ihm je gegenüber stehen - das einzige, worauf er hoffen konnte, war, das der Lethar ihn unterschätzte, weil er eben nur ein Mensch war. Vielleicht wusste ja Malachai, wie man einem Letharen beikam. Ohne die Hilfe von Malachais Schattensprüngen.
Wenn Leah tatsächlich einen kühlen Kopf bewahren konnte, wenn er wieder auftauchte - und Cyr war sich sicher, das er wieder auftauchte - diese Pestelfen hatten zu viel Spass daran, ihre Opfer ins Chaos zu stürzen - dann war ihr wie ihm schon mal geholfen. Er war sich nicht sicher, ob sie tatsächlich gefestigt war. Jemand, der gefestigt war, wich dem Thema nicht aus. Ausweichen war davon laufen. Aber er würde sehen, was die Zukunft brachte.
Nachdenklich ging er in seinen Turm zu seinem Waffenschrank. Sollte er mehr Waffen als üblich am Körper tragen? Aber die einzigen Waffen die er tragen konnte, gehörten alle dem Nahkampf an - ausser vielleicht versteckten Wurfdolchen - und wenn der Lethar - immer hin ein Elf - geschickt genug war, konnte er sie einfangen und schlicht weg zurück werfen. Einen Langdolch im Rücken tragen? Das Rückrad entlang? Konnte durch einen Umhang und offene Haare verdeckt werden. Ein Dolch in jedem Stiefel. Nur das Haupthaar zu einem Flechtzopf binden, das er immer noch die Dornen verwenden konnte. Vielleicht die Haarstäbchen, in denen schlanke Dolche waren? Er würde ausser dem Langdolch, der nur um ein weniges kürzer als ein Kurzschwert war, keine Waffe haben, mit der er sich einigermassen sicher fühlte, einen Lethar besiegen zu können.
Wenn er nur seine Ehrenwaffen nehmen könnte..! Er war sich sicher, das er dann wirklich gute Chancen hätte. Welcher Pestelf rechnete schon damit, das eine Speerartige Waffe mit drei gleichwinkligen Spitzen, die zur Hälfte nur einen Holzschaft hatte - der Rest war beabsichtigt Metall - plötzlich zu einer Art grosser Morgenstern werden konnte? Ein Morgenstern, deren 'Stern' eine sich drehende Scheibe mit drei Klingen wurde? Eine Waffe, die er perfekt beherrschte. Das einzige, was er machen musste, war eine Sperre - ein Metallbügel - an der Klingenscheibe zu lösen. Schon löste sich der Stern und die Kette aus Diamant, die im hohlen Metallrohr des Speeres war, verband weiterhin Stab und Stern. Eine Waffe mit weiter Reichweite, aber schwerer Handhabung, wenn der Feind es darauf anlegte, nah an einen heran zu kommen. Doch Dank der Konstruktion konnte sie so rasch in eine verwandelt werden, deren Stern mit ein wenig Schwung an der Kette einen Kreis schlug und den Gegner unerwartet zerreissen konnte. Und war der Gegner zu nah - hieb man mit der Stange auf ihn ein. Mit Sehnsucht blickte er auf die Waffen, doch... Er war nicht länger Teil der Leibgarde der Wildroses. Die einzigen Waffen, die ein Sha'Ar auch ausserhalb der Leibgarde tragen durfte, waren die Rabenkrallen - jene Handschuhe, deren Finger Metallkrallen waren. Nicht, das es ihm nicht gefallen würde, dem Pestelfen mit seinen eigenen Händen das Gesicht zu zerreissen!
Seufzend wendete er den Blick von seinen Ehrenwaffen ab und durchstöberte erneut, was er sonst so hatte. Viel war es nicht. Vielleicht mit Tränken arbeiten? Wurftränken? Vielleicht wusste Malachai doch Rat zu geben.
Eine kleine Auswahl raussuchend, machte er sich ans Werk, sie an sich zu verstecken. Das Haar wurde zu diesem Zweck zurecht gemacht, dann nickte er zufrieden und machte sich auf den Weg zu Haustüre. Er würde auch heute sich erkundigen, wie es bei Leah aussah, dann, wenn nichts weitere geschehen war, einen Abstecher nach Lameriast machen. Vorbereitung war alles. Und er hatte keineswegs vor, Ahnunglos und Hilflos einem Lethar gegenüber zu stehen, sollte dieser sich erneut bei Leah zeigen. Grimmig war seine Miene, als er auf Nachtschatten aufsass. Würde er ihm begegnen, würde einer von ihnen beiden den Abend verletzt heimkehren - vielleicht sogar tot.
Er war rastlos in seinem Zimmer gewesen, hatte sich verflucht, das er nicht seinem Gefühl nachgegangen war - auch wenn dieses aus einem Stich Neid und Eifersucht entfacht worden war - und sie gesucht hatte, anstatt mit Liralia im Ballsaal zu tanzen... Bis er sie gehört hatte. Durch die Wände durch die Türen, ein fernes Weinen und Klagen, die Stimme von Angst zerrissen und doch hatte er erkannt, das sie es war, die er da hörte. Rasch Kleidung übergestreift und er stand an ihrer Tür - doch was tun. Anklopfen, wenn sie sich gerade ausweinte? Ein Schlafgemach mit zwei Frauen mitten in der Nacht betreten? Was wenn sie bereits im Nachthemd waren? Er zauderte, lies die Hand ein ums andere Mal an die Türe wandern und verhielt wieder, während er sie hörte, wie sie davon sprach, sie nicht verlieren zu wollen, davon sprach, das sie ihn nicht töten konnte, obwohl sie die Möglichkeit gehabt hatte. Schliesslich hatte er angeklopft - um die Türe ins Gesicht geknallt zu bekommen von einer Leah, die ein Schwert blank gezogen hatte. Er dachte einen Moment wieder darüber nach - wie nervös sie gewesen sein musste, um auch nur einen Moment zu glauben, das ihr Häscher in der Burg hinter der Türe war.
Er hatte mit ihr sprechen können... Vielleicht sie auch ein bischen beruhigen können. Aber allein schon die Tatsache, das ihr Häscher seinen Namen nicht kannte, hatte ihr eine Last von den Schultern genommen. Er hatte zuerst nicht recht verstanden. Was war so schlimm an dem Mann, das sie - eine Kriegerin - solche Angst vor ihm hatte. Liralia hatte es ihm schliesslich gesteckt - er musste kreidebleich geworden sein. Ein Lethar! Ein verdammter Pestelf! Er hatte sich umdrehen müssen, wollte er doch nicht, das Leah ihn sah, wie er zitterte vor Wut. Liralia war zu ihm getreten - sprach von Hass und der Saat Alatars. Dafür war es längst zu spät. Er konnte Letharen nicht ausstehen. Ihre Anwesenheit liess bei ihm Gänsehaut entstehen. Und nun hatte einer dieser Pestelfen Leah...
Er öffnete die Augen und blickte hinab, wieder im Hier und Jetzt, wieder bei seinen Pferden. Der Eimer mit dem Futter... sein Griff um den Henkel so fest, das sich seine Nägel in seine Handinnenflächen bohrten. Wieder kochte der Zorn in ihm - gut das er es geschafft hatte, sich zu beherrschen, normal mit Leah zu sprechen. Hätte sie die Mordlust in seinen Augen gesehen... Er seufzte und lockerte seine Finger eins ums andere mal. Halbkreisförmige Male an seinen Händen, die hier und da die Haut durchbrochen hatten. Nicht gut...
Lieber dachte er da an den Abend, als Malachai gekommen war. Malachai sein Bruder, der plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht war - wie immer. Cyrion's Stimmung hatte sich so rasch gehoben, dass ihm fast schwindelte. Endlich! Endlich konnten sich Leah und Malachai kennen lernen. Endlich die zwei liebsten Menschen in seinem Leben mit ihm an einem Ort! Malachais Erscheinen hatte ihm das unumstössliche Gefühl gegeben, das nun alles gut werden würde. Ein Gefühl, das sich den ganzen Abend durchweg gehalten hatte - ausser in dem einen Moment, wo Leah ihn gescholten hatte. Malachai und Leah - sie verstanden sich auf Anhieb recht gut - etwas, das ihn erleichterte. Was wäre gewesen, hätte Malachai Leah nicht für akzeptabel gehalten. Aber so... Selbst Malachai's Pferd, ein stolzes wie kluges Ross, wie er kein zweites gesehen hatte, mochte Leah. Alles in allem, war er hoch zufrieden mit dem Abend gewesen.
Nicht nur, das Leah sich ihm geöffnet hatte, ihm von ihrer Familie und dem Letharen erzählt hatte - etwas, das ihn ebenfalls froher stimmte - nein, auch Malachai hatte Anschluss an seine Frau gefunden. Glückliche Momente, die sich aneinander reihten, wie Perlen auf der Schnur. Fehlte nur noch, das Savea zurück kam und seine Leine lockerte, gar den Eid völlig von ihm nahm.
Seine Gedanken gingen weiter in diese Richtung, doch zeigte sich ein grimmiger Zug um seinen Mund. Würde er mehr Zeit mit Leah verbringen dürfen, bestand die starke Möglichkeit, das er eine weitere Belästigung durch den Pestelf verhindern konnte - oder gar Leah vor ihm beschützen. Er war sich nicht sicher, ob Leah in ihrem Glauben wirklich gefestig war, ob dieser Wortverdreher nicht erneut einen Ansatz bei ihr fand.
Dieser Mann hatte immer hin Erfahrung darin, welches über ein Menschenleben - wenn nicht sogar zwei hinweg reichte. Sollte er ihm je gegenüber stehen - das einzige, worauf er hoffen konnte, war, das der Lethar ihn unterschätzte, weil er eben nur ein Mensch war. Vielleicht wusste ja Malachai, wie man einem Letharen beikam. Ohne die Hilfe von Malachais Schattensprüngen.
Wenn Leah tatsächlich einen kühlen Kopf bewahren konnte, wenn er wieder auftauchte - und Cyr war sich sicher, das er wieder auftauchte - diese Pestelfen hatten zu viel Spass daran, ihre Opfer ins Chaos zu stürzen - dann war ihr wie ihm schon mal geholfen. Er war sich nicht sicher, ob sie tatsächlich gefestigt war. Jemand, der gefestigt war, wich dem Thema nicht aus. Ausweichen war davon laufen. Aber er würde sehen, was die Zukunft brachte.
Nachdenklich ging er in seinen Turm zu seinem Waffenschrank. Sollte er mehr Waffen als üblich am Körper tragen? Aber die einzigen Waffen die er tragen konnte, gehörten alle dem Nahkampf an - ausser vielleicht versteckten Wurfdolchen - und wenn der Lethar - immer hin ein Elf - geschickt genug war, konnte er sie einfangen und schlicht weg zurück werfen. Einen Langdolch im Rücken tragen? Das Rückrad entlang? Konnte durch einen Umhang und offene Haare verdeckt werden. Ein Dolch in jedem Stiefel. Nur das Haupthaar zu einem Flechtzopf binden, das er immer noch die Dornen verwenden konnte. Vielleicht die Haarstäbchen, in denen schlanke Dolche waren? Er würde ausser dem Langdolch, der nur um ein weniges kürzer als ein Kurzschwert war, keine Waffe haben, mit der er sich einigermassen sicher fühlte, einen Lethar besiegen zu können.
Wenn er nur seine Ehrenwaffen nehmen könnte..! Er war sich sicher, das er dann wirklich gute Chancen hätte. Welcher Pestelf rechnete schon damit, das eine Speerartige Waffe mit drei gleichwinkligen Spitzen, die zur Hälfte nur einen Holzschaft hatte - der Rest war beabsichtigt Metall - plötzlich zu einer Art grosser Morgenstern werden konnte? Ein Morgenstern, deren 'Stern' eine sich drehende Scheibe mit drei Klingen wurde? Eine Waffe, die er perfekt beherrschte. Das einzige, was er machen musste, war eine Sperre - ein Metallbügel - an der Klingenscheibe zu lösen. Schon löste sich der Stern und die Kette aus Diamant, die im hohlen Metallrohr des Speeres war, verband weiterhin Stab und Stern. Eine Waffe mit weiter Reichweite, aber schwerer Handhabung, wenn der Feind es darauf anlegte, nah an einen heran zu kommen. Doch Dank der Konstruktion konnte sie so rasch in eine verwandelt werden, deren Stern mit ein wenig Schwung an der Kette einen Kreis schlug und den Gegner unerwartet zerreissen konnte. Und war der Gegner zu nah - hieb man mit der Stange auf ihn ein. Mit Sehnsucht blickte er auf die Waffen, doch... Er war nicht länger Teil der Leibgarde der Wildroses. Die einzigen Waffen, die ein Sha'Ar auch ausserhalb der Leibgarde tragen durfte, waren die Rabenkrallen - jene Handschuhe, deren Finger Metallkrallen waren. Nicht, das es ihm nicht gefallen würde, dem Pestelfen mit seinen eigenen Händen das Gesicht zu zerreissen!
Seufzend wendete er den Blick von seinen Ehrenwaffen ab und durchstöberte erneut, was er sonst so hatte. Viel war es nicht. Vielleicht mit Tränken arbeiten? Wurftränken? Vielleicht wusste Malachai doch Rat zu geben.
Eine kleine Auswahl raussuchend, machte er sich ans Werk, sie an sich zu verstecken. Das Haar wurde zu diesem Zweck zurecht gemacht, dann nickte er zufrieden und machte sich auf den Weg zu Haustüre. Er würde auch heute sich erkundigen, wie es bei Leah aussah, dann, wenn nichts weitere geschehen war, einen Abstecher nach Lameriast machen. Vorbereitung war alles. Und er hatte keineswegs vor, Ahnunglos und Hilflos einem Lethar gegenüber zu stehen, sollte dieser sich erneut bei Leah zeigen. Grimmig war seine Miene, als er auf Nachtschatten aufsass. Würde er ihm begegnen, würde einer von ihnen beiden den Abend verletzt heimkehren - vielleicht sogar tot.
-
Cyrion Sha´Ar
"Noch ein mal!" Grimmig wirkte er, als er dem Holzschwert auswich, das auf ihn zustürzte. Schweiss rann sein Gesicht herab, liess die wenigen Strähnen, die seinem Zopf entflohen waren, an seinem Gesicht kleben. Seit Tagen übte er hier mit Malachai - dieser ebenfalls in Schweiss gebadet. Seine Finger schmerzten. Waren Blau und Grün von Prellungen, in denen er versagt hatte, das Schwert aufzufangen. Er musste es lernen, musste lernen, die Klinge mit blanken Händen aufzufangen. Musste lernen, die Knöchel und Muskeln dazu zu verwenden, einen festen Druck auf die Klinge aus zu üben, das diese nicht in seine Hände schnitt, sondern schlicht und ergreifend aufgehalten, nein sogar eingefangen wurde. Musste lernen, seine Geschicklichkeit zu vervollkommnen, auf das er auch Waffenlos gegen ein Schwert eine Chance hatte. Und dies alles für den Fall, das er einem Lethar begegnete, der ihn entwaffnete.
Er hatte langsam angefangen. Stunden um Stunden Schwünge auf ihn ertragen, erst rein von vorne, in einem einfachen Hieb, dann auch Hiebe, die von der Seite kamen. Die Schwünge Malachais waren vorsichtig gewesen. Erst hatte er sich daran gewöhnen müssen, die natürliche Furcht vor der Klinge eines Schwertes, das in die Hand biss, zu verlieren. Nach und nach hatte er gelernt, wie er die Muskeln in seinen Händen verwenden musste, wie er die Knöchel ansetzen musste. Die Verletzungen wurden weniger; er fühlte sich sicherer.
Dann hatte Malachai begonnen, mit dem Holzschwert gegen den Waffenlosen Cyrion in ernsten Kämpfen vor zu gehen. Ziel war es, das Cyrion Malachais Waffe aufhielt, wenn nicht gar seinen Bruder entwaffnete. Die Kämpfe waren schärfer geworden, Malachai begann, tricks zu verwenden, nicht nur die Klinge als Waffe einzusetzen, sondern seinen Körper ebenso. Als Cyrion in einem richtigen Kampf das erste mal Erfolgreich die Waffe aufgehalten hatte, hatte Malachai seine erfreute Überraschung dazu genutzt, ihm einen Tritt vor die Brust zu setzen, das er nicht anders konnte, als loslassen und zurück zu stürzen. Er hatte sich auf dem Boden liegend wieder gefunden, die Klinge an seinen Hals gelegt Der Blick Malachais war Schelte genug gewesen - er sollte sich konzentrieren. Der Sieg lag nicht im blossen Aufhalten der Klinge. Sondern darin, das sein Gegner Tod war.
Und wieder verfolgte sein Blick den Bewegungen seines Bruders, verfolgte die Bahn des Schwertes. Ein Sprung zurück, als Cyr erkannte, das er das Schwert in diesem Winkel nicht auffangen konnte. Malachais Schwung ging ins Leere, doch verlagerte er das Gewicht, schoss vor, folgte ihm. Die Klinge machte einen scharfen Bogen, wollte er Cyrion zu einem weiteren Schritt zurück zwingen. Wollte ihn in die Ecke des Ringes treiben, wo ihm kaum mehr Möglichkeiten blieben. Cyrion dachte nicht, handelte nur, als er dies erkannte. Ging einen Schritt vor, statt einen zurück. Sah die Klinge auf sich zukommen, Waagerecht und kaum mehr als eine dunkelbraune Linie, die in einer seitlichen Linie auf seine Rippen zu flog. Seine Hände wischten durch die Luft, griffen flach zu, als würde er eine Fliege mit den flachen Händen erschlagen wollen. Schwer keuchte er, einen Bruchteil einer Sekunde lang überrascht!. Er hatte das Schwert! Hielt die Klinge zwischen seinen Fingern, die Hände flach auf dieses aneinander gepresst. Der Blick huschte zu Malachai hoch, doch gleichzeitig verlagerte er sein Gewicht auf ein Bein, während er das andere hob und dieses mit Wucht in Malachais Seite zu treten versuchte. Malachai indes wartete nicht darauf, das Cyrions Blick den seinen streifte. Er handelte schneller als Cyrion, liess sich zurück Fallen und zog Cyrion, der nur auf einem Bein stand, mit sich zurück. Die Wucht Cyrions Angriff wurde gemildert, hatte sein Standbein das Gleichgewicht verloren. Malachai grunzte, als Cyrion ihn traf, doch gab er sich noch nicht geschlagen. Er liess das Schwert, das er bisher beidhändig führte, mit einer Hand los und ballte die Faust, versuchte diese, während Cyrion durch seinen Rückschritt aus dem Gleichgewicht war, ihm ins Gesicht zu donnern. Cyrion blieb nichts anders übrig, als das Schwert loszulassen und wieder zurück zu treten, wenn er nicht getroffen werden wollte.
Keuchend standen sich die beiden Gegenüber, sich anstarrend, die Blicke klar und forschend. Dann liess Malachai das Schwert sinken, richtete sich auf, entspannte sich. "Pause..." Ein Wort nur, heraus gepresst zwischen zwei gekeuchten Atemzügen. "Ich brauch was zu trinken..." Cyrion nickte erschöpft, entspannte sich und schlurfte zum Wassereimer herüber. Die Finger streckend und beugend überprüfte er, ob er sich etwas gestaucht hatte. Nein... sie waren nur von alten und neuen Prellungen bunt gefärbt. Er hörte, wie Malachai durstig trank und die Kelle in den Eimer zurück fallen liess. "Du hast gezögert." Gab er wieder, immer noch japsend, die Worte mit einem leichten Tadel verliehen. "Aye..." erwiederte er und nahm die Kelle mit dem Wasser an sich, während Malachai sich mit einem Tuch den Schweiss von der Stirn rieb. "Das hat dich gekostet. Du musst sofort reagieren, wenn du die Klinge hast. Du wirst keine Zeit haben, überrascht zu sein. Und du hast auf meine Seite gezielt, nicht auf die Arme. Nicht auf die Hände." Cyrion liess das kühle Nass seine Kehle herunterrinnen, während er zuhörte. Malachai hatte recht. Sein Gegner mochte überrascht sein, wenn er das Schwert auffing. Er musste diesen Augenblick nutzen. Musste die Waffe an sich nehmen! Was nützte ihm eine Technik, die er beherrschte, wenn er selbst von ihr überrascht wurde? >Einen Dreck...<
Ein Lethar war stärker als ein Mensch. Er war sich nicht sicher, ob ein Mensch das Bewusstsein verlieren konnte, wenn er direkt von einem Fausthieb am Kopf getroffen wurde. Das einzige, was Cyrion blieb, war sofort reagieren, schnell und fliessend handeln. Den Gegner überraschen - dann hatte er vielleicht eine Chance.
"Ich werde mich bessern." Malachais Blick lag einen langen Moment auf Cyrion. "Das musst du - oder du hast keine Chance." Sein Blick wanderte berechnend zum Sonnenstand hoch, dann zu Cyrion. "Deine Finger?" Vielsagend zappelte er mit den Fingern, tief einatmend. Ein knappes Nicken nur, dann ging Malachai wieder auf den Ring zu. "Noch ein zwei Kämpfe - dann machen wir Mittagspause." Des Kriegers Blick ging sehnsüchtig zur Sonne hoch. "Mittagspause..." Er schlurfte wieder in den Ring. Erschöpfung nagte an ihm, aber er wollte diese Technik um jeden Preis erlernen. Er hob den Kopf und sah in Malachais Richtung, nur um festzustellen, das dieser in mit einem langen Blick bedachte. "Du wolltest, das ich dir helfe, diese Technik so schnell wie möglich zu erlernen. Jetzt sei kein Jammerlappen!" Die Lippen verziehend, richtete sich Cyrion ein wenig auf. Entrüstung lag ins einen veilchenblauen Augen. "Ich jammer nicht!" Die Mundwinkel seines Bruders hoben sich an, ein Grinsen wuchs auf dessen Anlitz. "Nein? Beweiss es mir und nimm mir das Schwert ab! Dann hast du das Recht, dich auf die Mittagspause zu freuen. Verdien sie dir!" Einen typischen kehligen Allzweckston von sich gebend, begab er sich in Kampfposition und winkte Malachai mit den Fingern, zu ihm zu kommen. Mit einem Grinsen hob Malachai das Schwert und ging auf ihn zu, mit jedem Schritt beschleunigend. Wieder wischte die Holzklinge wie ein brauner Schatten durch die Luft und bald darauf waren die zwei Krieger erneut in ihrem Kampf vertieft.
Er hatte langsam angefangen. Stunden um Stunden Schwünge auf ihn ertragen, erst rein von vorne, in einem einfachen Hieb, dann auch Hiebe, die von der Seite kamen. Die Schwünge Malachais waren vorsichtig gewesen. Erst hatte er sich daran gewöhnen müssen, die natürliche Furcht vor der Klinge eines Schwertes, das in die Hand biss, zu verlieren. Nach und nach hatte er gelernt, wie er die Muskeln in seinen Händen verwenden musste, wie er die Knöchel ansetzen musste. Die Verletzungen wurden weniger; er fühlte sich sicherer.
Dann hatte Malachai begonnen, mit dem Holzschwert gegen den Waffenlosen Cyrion in ernsten Kämpfen vor zu gehen. Ziel war es, das Cyrion Malachais Waffe aufhielt, wenn nicht gar seinen Bruder entwaffnete. Die Kämpfe waren schärfer geworden, Malachai begann, tricks zu verwenden, nicht nur die Klinge als Waffe einzusetzen, sondern seinen Körper ebenso. Als Cyrion in einem richtigen Kampf das erste mal Erfolgreich die Waffe aufgehalten hatte, hatte Malachai seine erfreute Überraschung dazu genutzt, ihm einen Tritt vor die Brust zu setzen, das er nicht anders konnte, als loslassen und zurück zu stürzen. Er hatte sich auf dem Boden liegend wieder gefunden, die Klinge an seinen Hals gelegt Der Blick Malachais war Schelte genug gewesen - er sollte sich konzentrieren. Der Sieg lag nicht im blossen Aufhalten der Klinge. Sondern darin, das sein Gegner Tod war.
Und wieder verfolgte sein Blick den Bewegungen seines Bruders, verfolgte die Bahn des Schwertes. Ein Sprung zurück, als Cyr erkannte, das er das Schwert in diesem Winkel nicht auffangen konnte. Malachais Schwung ging ins Leere, doch verlagerte er das Gewicht, schoss vor, folgte ihm. Die Klinge machte einen scharfen Bogen, wollte er Cyrion zu einem weiteren Schritt zurück zwingen. Wollte ihn in die Ecke des Ringes treiben, wo ihm kaum mehr Möglichkeiten blieben. Cyrion dachte nicht, handelte nur, als er dies erkannte. Ging einen Schritt vor, statt einen zurück. Sah die Klinge auf sich zukommen, Waagerecht und kaum mehr als eine dunkelbraune Linie, die in einer seitlichen Linie auf seine Rippen zu flog. Seine Hände wischten durch die Luft, griffen flach zu, als würde er eine Fliege mit den flachen Händen erschlagen wollen. Schwer keuchte er, einen Bruchteil einer Sekunde lang überrascht!. Er hatte das Schwert! Hielt die Klinge zwischen seinen Fingern, die Hände flach auf dieses aneinander gepresst. Der Blick huschte zu Malachai hoch, doch gleichzeitig verlagerte er sein Gewicht auf ein Bein, während er das andere hob und dieses mit Wucht in Malachais Seite zu treten versuchte. Malachai indes wartete nicht darauf, das Cyrions Blick den seinen streifte. Er handelte schneller als Cyrion, liess sich zurück Fallen und zog Cyrion, der nur auf einem Bein stand, mit sich zurück. Die Wucht Cyrions Angriff wurde gemildert, hatte sein Standbein das Gleichgewicht verloren. Malachai grunzte, als Cyrion ihn traf, doch gab er sich noch nicht geschlagen. Er liess das Schwert, das er bisher beidhändig führte, mit einer Hand los und ballte die Faust, versuchte diese, während Cyrion durch seinen Rückschritt aus dem Gleichgewicht war, ihm ins Gesicht zu donnern. Cyrion blieb nichts anders übrig, als das Schwert loszulassen und wieder zurück zu treten, wenn er nicht getroffen werden wollte.
Keuchend standen sich die beiden Gegenüber, sich anstarrend, die Blicke klar und forschend. Dann liess Malachai das Schwert sinken, richtete sich auf, entspannte sich. "Pause..." Ein Wort nur, heraus gepresst zwischen zwei gekeuchten Atemzügen. "Ich brauch was zu trinken..." Cyrion nickte erschöpft, entspannte sich und schlurfte zum Wassereimer herüber. Die Finger streckend und beugend überprüfte er, ob er sich etwas gestaucht hatte. Nein... sie waren nur von alten und neuen Prellungen bunt gefärbt. Er hörte, wie Malachai durstig trank und die Kelle in den Eimer zurück fallen liess. "Du hast gezögert." Gab er wieder, immer noch japsend, die Worte mit einem leichten Tadel verliehen. "Aye..." erwiederte er und nahm die Kelle mit dem Wasser an sich, während Malachai sich mit einem Tuch den Schweiss von der Stirn rieb. "Das hat dich gekostet. Du musst sofort reagieren, wenn du die Klinge hast. Du wirst keine Zeit haben, überrascht zu sein. Und du hast auf meine Seite gezielt, nicht auf die Arme. Nicht auf die Hände." Cyrion liess das kühle Nass seine Kehle herunterrinnen, während er zuhörte. Malachai hatte recht. Sein Gegner mochte überrascht sein, wenn er das Schwert auffing. Er musste diesen Augenblick nutzen. Musste die Waffe an sich nehmen! Was nützte ihm eine Technik, die er beherrschte, wenn er selbst von ihr überrascht wurde? >Einen Dreck...<
Ein Lethar war stärker als ein Mensch. Er war sich nicht sicher, ob ein Mensch das Bewusstsein verlieren konnte, wenn er direkt von einem Fausthieb am Kopf getroffen wurde. Das einzige, was Cyrion blieb, war sofort reagieren, schnell und fliessend handeln. Den Gegner überraschen - dann hatte er vielleicht eine Chance.
"Ich werde mich bessern." Malachais Blick lag einen langen Moment auf Cyrion. "Das musst du - oder du hast keine Chance." Sein Blick wanderte berechnend zum Sonnenstand hoch, dann zu Cyrion. "Deine Finger?" Vielsagend zappelte er mit den Fingern, tief einatmend. Ein knappes Nicken nur, dann ging Malachai wieder auf den Ring zu. "Noch ein zwei Kämpfe - dann machen wir Mittagspause." Des Kriegers Blick ging sehnsüchtig zur Sonne hoch. "Mittagspause..." Er schlurfte wieder in den Ring. Erschöpfung nagte an ihm, aber er wollte diese Technik um jeden Preis erlernen. Er hob den Kopf und sah in Malachais Richtung, nur um festzustellen, das dieser in mit einem langen Blick bedachte. "Du wolltest, das ich dir helfe, diese Technik so schnell wie möglich zu erlernen. Jetzt sei kein Jammerlappen!" Die Lippen verziehend, richtete sich Cyrion ein wenig auf. Entrüstung lag ins einen veilchenblauen Augen. "Ich jammer nicht!" Die Mundwinkel seines Bruders hoben sich an, ein Grinsen wuchs auf dessen Anlitz. "Nein? Beweiss es mir und nimm mir das Schwert ab! Dann hast du das Recht, dich auf die Mittagspause zu freuen. Verdien sie dir!" Einen typischen kehligen Allzweckston von sich gebend, begab er sich in Kampfposition und winkte Malachai mit den Fingern, zu ihm zu kommen. Mit einem Grinsen hob Malachai das Schwert und ging auf ihn zu, mit jedem Schritt beschleunigend. Wieder wischte die Holzklinge wie ein brauner Schatten durch die Luft und bald darauf waren die zwei Krieger erneut in ihrem Kampf vertieft.
-
Cyrion Sha´Ar
...Er wusste sie in seinem Rücken, wusste, das sie sich gerade auszog, konnte die Kleidungsstücke hören, wie sie über den Kopf gezogen wurden und auf den Boden fielen. Der Boden, auf dem er sass. Nackt, wie Mutter ihn geschaffen hatte. Seine Wunden schmerzten, Blut floss aus ihnen heraus und nässten seine Tallie, Tropfen flossen seine Hüpfte hinab, klebrig und die schale feuchte Höhlenluft mit einem metallischen Kupfergeruch erfüllend. Dieser Bastard Külsaks hatte ihn gut erwischt, dieser Feigling... Eine Rüstung tragen, dem Klang nach Diamant, als hätte er Angst, das das Tier Mensch ihn doch erwischen könnte...
Letharen... Sie waren von diesen Pestelfen umgeben. Er hörte sie um sich herum, die Letharen. Sie sprachen über Cabo...über sie beide... Kühle Socke, wie er ihn für sich nannte, wurde gerade beschimpft, weil der Kampf so lange gedauert hatte. Dieser verrückte Kerl mit der lebenden Ratte am Gürtel fragte Leah, ob sie ein Standartweibchen wär. Er hörte Leah ächzen, wieder Stoff rascheln. Betatschte er sie schon? Nahm dieser Widerling schon Mass an ihr, diese ach so wertvollen Daten? Er ertrug den Gedanken nicht, das er sie berührte, ertug es nicht, das die anderen sie anstarren würden, als wäre sie ein Stück Fleisch. Er musste etwas tun, musste... Die Finger wanderten zu seinem Zopfende, welcher über seine Schulter auf seine Brust hinabbaumelte, lösten das Band, welches es zusammen hielt. Das Band, welches aufsprang, als wäre es elastisch - er kringelte es sogleich in seiner Hand zusammen, wollte er nicht riskieren, das jemand den Draht bemerkte, welcher in diesem versteckt war.
"Hey... Du da bei dem Mädchen... Wenn du und die anderen hier uns gehen lässt, verrat ich dir ein Geheimnis." Stille breitete sich aus bei seinen Worten, das einzige, was er hören könnte, war Leahs leises entsetztes "Cyrion, nein..." Dann leises Murmeln, während jemand heranschlurfte. Er presste die Lippen zusammen. Sah sie ihn an? Mit Sicherheit. Sah ihn, wie er da nackt auf dem Boden sass, den Rücken zu ihr, blutend und erniedrigt. Röte schoss flammend über seine Wangen. Wie peinlich ihm dies war! Aber daran durfte er jetzt nicht denken! Die Hand um das Haarband mit Draht zog sich fester zusammen.
"Geheimnis... was für ein Geheimnis?"
Die Stimme des wirren Forschers drang zu ihm herüber und seine Faust drückte sich in das Hemd, welches er vor sein Gemächt hielt. Der Blick, der den Letharen traf, war kalt, die Miene nichtssagend, eine Maske. Einzig, seine geröteten Wangen verrieten seine Verlegenheit. Neugier schimmerte in den Augen des Letharen und Cyrion konnte hören, wie die anderen Letharen interessiert näher an das Zellengitter traten.
"Eins, das ihr noch nicht kennt. Das euch aber interessieren könnte."
Der Kopf des Letharen legte sich schief, er beäugte ihn mit wachsender Neugier.
"Was kann ein Stück Fleisch wie er schon wissen?" kam es von der Seite, wo die Letharen ihn betrachten. Doch achtete er nicht darauf. Sein Augenmerk lag auf dem Letharen, der bei ihm stand. Er war zu weit weg! Er musste näher kommen!
"Wenn ihr uns gehen lasst, verrat ich es euch. Hab ich euer Wort?!"
Wieder legte sich der Kopf schief und er trat etwas näher. Näher! Er musste sich zu ihm niederknien! Cyrion unterschlug das gesunde Bein, das andere zog er etwas an, auch wenn es schmerzte.
"Was ist es, was du mir verraten willst? Wenn es Wert hat, würde ich darüber nachdenken, euch frei zu lassen... Auch wenn es bedauerlich wäre - es gibt noch viele Daten, die ich aus euch rausholen könnte." Der Letharen gingen die Worte zu leicht über die Lippen. Cyr wusste allein daran, das er nie sein Wort halten würde. Halsstarrig schüttelte er den Kopf, während er ihm Hintergrund wieder Leah hörte, wie sie versuchte, Cyr aufzuhalten. Dachte sie, er wolle Darnas Schwangerschaft verraten? Es war im Moment das grösste Geheimnis, das er tatsächlich mit sich führte.
"Es hat Wert, davon bin ich überzeugt! Doch hab ich euer Wort, das ihr uns tatsächlich gehen lasst und nicht bloss drüber nachdenkt?! Ihr müsst uns dann gehen lassen!" Der Blick Cyrions war bohrend, verlangte eine Zusage - so schien es. Tatsächlich summten Worte wie ein Mantra durch seinen Kopf, während er ihm Löcher in die Augen starrte. >...Komm näher... Komm näher...näher...!<
Wieder dachte der Lethar einen moment darüber nach, dann nickte er schliesslich nach einem Blick zu seinen Kameraden.
"Dann sag mir, was du weisst. Schnell, ich hab noch viel zu tun, Mensch."
Seine Augen verengten sich und er gab wieder. "Ich kann es nicht laut sagen. Es wäre unpassend, wenn sie es hört. Sie würde es sofort weiter erzählen und es würden Gegenmassnahmen ergriffen werden."
"Cyrion nein! Tu es nicht! Arrh... Lass mich los..!" Das Gitter schepperte als sie dagegen stiess. Hatte jemand durch das Gitter gegriffen, sie festzuhalten? Hatte sie auf sie zustürmen wollen? Götter, er konnte die Verzweiflung und das Flehen in ihrer Stimme hören. Es tat ihm leid, das er ihr dies antun musste, aber wenn sie ein Höllenspektakel machte, war das umso besser - eine Ablenkung von ihm war nicht schlecht. Der Lethar vor ihm überlegte wieder einen Moment, dann nickte er leicht und beugte sich vor. Gerade weit genug, das Cyr sich auf ein Knie hochbeugen musste, ihn zu erreichen. Schmerz flammte in seinen zerschnittenen Muskeln auf und er verzog das Gesicht! Dieser Sadist! Das machte er doch mit Absicht, das er sich auch noch anstregen musste, ihn zu erreichen. Aber vielleicht konnte er es zu seinem Vorteil nutzen, das er auf ein Knie aufgerichtet war. Seine Zehen spannten sich an, bohrten sich in den Boden, während seine eine Hand, der Daumen den Draht eng aufgerollt gegen den Handknöchel pressend, zu des Letharen Schlüsselbein wanderte, die Fingerspitzen sich leicht auflegten - sein Oberkörper war leicht gedreht - er schützte seine Hand, und was in ihr drin war, mit seinem eigenen Körper vor den Blicken der anderen - und der Lethar selbst hatte keinen Verdacht - warum auch? Cyr war nackt.
"Weisst du..."
Gab er leise wieder, schwankte gekünstelt etwas und lies die zweite Hand hochwandern, wie als ob er sich auf den Letharen auf stützen wollte, doch verhielt sie, während er den Daumen lösste und der Draht hervorsprang - das Drahtende seine zweite Hand berührte.
"Eine Waffe habt ihr nicht gefunden..." zischte er leise und die Drahtenden wurden gepackt, während er vorsprang, ihm diesen um den Hals zu legen. Der Draht biss in den Hals des entsetzten Letharen, der keine Luft mehr bekam, während Cyrion wild entschlossen und mit zusammen gebissenen Zähnen die Garotte zuzog. Erfolglos versuchte die Blauhaut mit den Fingern den Draht zu fassen zu kriegen, doch biss dieser bereits ins Fleisch - Blut quoll dünn hervor. Schmerz pochte in seinem Bein und an seiner Brust, pochte, pulsierte, doch versuchte er es zu ignorieren. Der Schmerz wurde anhaltender, schärfer.
"Stirb schon, du Bastard!" Brüllte er von schwarzer Wut erfüllt! Dieser Pestelf hatte ihn und Leah mit seinen Drecksfingern betatscht! Seine Finger griffen fester zu, die Fäuste bohrten sich in den Grund, während er dem Letharen ein Bein auf die Brust zu setzen versuchte. ...Schmerz... Schmerz... Er wurde lauter, drängender. Erfüllte sein Denken. Der Lethar vor ihm zerfaserte....Schmerz... Schmerz... Schmerz.... Das einzige, was er nur noch wahrnahm war Schmerz... Schmerz...Schme....
Er öffnete die Augen... Und hob seinen Körper mit einem Arm und dem gesunden Bein aus der bäuchlings liegenden Position heraus! Ein Keuchen entrang sich seiner Brust! Schmerz... In seinem Bein... in seiner Brust... Er hatte sich im Traum gedreht, auf den Letharen gestürzt. Und in der Realität ebenfalls - Vom Rücken auf den Bauch! Hatte auf den Wunden gelegen! Wieder keuchte er, atmete, verzog das Gesicht und versuchte vorsichtiger zu atmen. Der Schmerz klang langsam ab.
Die schmerzlich zusammen gepressten Augen wieder öffnend, sah er sich um. Bett... ein Tisch mit Waschschüssel... Mondschein, der gedämpft durch die Klostermauer ins Zimmer fiel. Das Kloster... er war in Sicherheit. Leah war in Sicherheit... Keine Letharen um ihn herum. Niemand da, den er ermorden konnte für das, was ihm und Leah angetan wurde.
Die Lippen bildenten einen dünne Linie, als er sich angestrengt umdrehte und sich wieder auf den Rücken legte, sich dann langsam entspannte. Die Wunden zogen noch etwas, aber auch das würde sich wieder legen. Erleichtert atmete er wieder auf... und starrte wie so oft in den letzten Tagen die Decke über sich an. Nicht der erste Traum den er gehabt hatte in den letzten zwei Nächten... Gewiss auch nicht der Letzte. Träume in denen er das tat, was er wirklich tun wollte. Dinge tat, was er hätte nun sollen... oder können... an die er aber nicht gedacht hatte...
Soviele Dinge, die er hätte tun können, um sein Mädchen zu retten. Und doch... Er hatte kläglich versagt. Cyrion schloss die Augen wieder, versuchte wieder zu schlafen. Versuchte sich zu sagen, das er nichts daran ändern könnte. Er müsste es halt in Zukunft besser machen. Und doch.... Sein schlechtes Gewissen liess ihn nicht in Ruhe. Er hatte versagt... schon wieder... hatte schon wieder jemanden, der ihm nahe stand, nicht retten können. Hatte Fehlentscheidungen getroffen. Fehlentscheidungen, die letztlich zu seiner und Leahs Erniedrigung geführt hatten. Zu harschen Verletzungen geführt hatten. Leah, die gefoltert wurde... Er würde sich diese Fehler nie verzeihen können.
Sein Blick starrte die Decke an, doch sah er sie nicht. Wiederholt drängten sich all seine Fehler in seine Gedanken... Wie sollte er sich dafür bei Leah entschudligen? Wie erklären, warum er sie geschlagen hatte - warum er von ihr verlangt hatte, ihr Schwert abzugeben. Warum er.... Wie sollte er Leah gegenübertreten, wenn er sie das nächste mal sah? Sie, die sie ihn immer noch liebte, aber ihr Vertrauen in ihn wohl verloren hatte. Er wusste es nicht...
Letharen... Sie waren von diesen Pestelfen umgeben. Er hörte sie um sich herum, die Letharen. Sie sprachen über Cabo...über sie beide... Kühle Socke, wie er ihn für sich nannte, wurde gerade beschimpft, weil der Kampf so lange gedauert hatte. Dieser verrückte Kerl mit der lebenden Ratte am Gürtel fragte Leah, ob sie ein Standartweibchen wär. Er hörte Leah ächzen, wieder Stoff rascheln. Betatschte er sie schon? Nahm dieser Widerling schon Mass an ihr, diese ach so wertvollen Daten? Er ertrug den Gedanken nicht, das er sie berührte, ertug es nicht, das die anderen sie anstarren würden, als wäre sie ein Stück Fleisch. Er musste etwas tun, musste... Die Finger wanderten zu seinem Zopfende, welcher über seine Schulter auf seine Brust hinabbaumelte, lösten das Band, welches es zusammen hielt. Das Band, welches aufsprang, als wäre es elastisch - er kringelte es sogleich in seiner Hand zusammen, wollte er nicht riskieren, das jemand den Draht bemerkte, welcher in diesem versteckt war.
"Hey... Du da bei dem Mädchen... Wenn du und die anderen hier uns gehen lässt, verrat ich dir ein Geheimnis." Stille breitete sich aus bei seinen Worten, das einzige, was er hören könnte, war Leahs leises entsetztes "Cyrion, nein..." Dann leises Murmeln, während jemand heranschlurfte. Er presste die Lippen zusammen. Sah sie ihn an? Mit Sicherheit. Sah ihn, wie er da nackt auf dem Boden sass, den Rücken zu ihr, blutend und erniedrigt. Röte schoss flammend über seine Wangen. Wie peinlich ihm dies war! Aber daran durfte er jetzt nicht denken! Die Hand um das Haarband mit Draht zog sich fester zusammen.
"Geheimnis... was für ein Geheimnis?"
Die Stimme des wirren Forschers drang zu ihm herüber und seine Faust drückte sich in das Hemd, welches er vor sein Gemächt hielt. Der Blick, der den Letharen traf, war kalt, die Miene nichtssagend, eine Maske. Einzig, seine geröteten Wangen verrieten seine Verlegenheit. Neugier schimmerte in den Augen des Letharen und Cyrion konnte hören, wie die anderen Letharen interessiert näher an das Zellengitter traten.
"Eins, das ihr noch nicht kennt. Das euch aber interessieren könnte."
Der Kopf des Letharen legte sich schief, er beäugte ihn mit wachsender Neugier.
"Was kann ein Stück Fleisch wie er schon wissen?" kam es von der Seite, wo die Letharen ihn betrachten. Doch achtete er nicht darauf. Sein Augenmerk lag auf dem Letharen, der bei ihm stand. Er war zu weit weg! Er musste näher kommen!
"Wenn ihr uns gehen lasst, verrat ich es euch. Hab ich euer Wort?!"
Wieder legte sich der Kopf schief und er trat etwas näher. Näher! Er musste sich zu ihm niederknien! Cyrion unterschlug das gesunde Bein, das andere zog er etwas an, auch wenn es schmerzte.
"Was ist es, was du mir verraten willst? Wenn es Wert hat, würde ich darüber nachdenken, euch frei zu lassen... Auch wenn es bedauerlich wäre - es gibt noch viele Daten, die ich aus euch rausholen könnte." Der Letharen gingen die Worte zu leicht über die Lippen. Cyr wusste allein daran, das er nie sein Wort halten würde. Halsstarrig schüttelte er den Kopf, während er ihm Hintergrund wieder Leah hörte, wie sie versuchte, Cyr aufzuhalten. Dachte sie, er wolle Darnas Schwangerschaft verraten? Es war im Moment das grösste Geheimnis, das er tatsächlich mit sich führte.
"Es hat Wert, davon bin ich überzeugt! Doch hab ich euer Wort, das ihr uns tatsächlich gehen lasst und nicht bloss drüber nachdenkt?! Ihr müsst uns dann gehen lassen!" Der Blick Cyrions war bohrend, verlangte eine Zusage - so schien es. Tatsächlich summten Worte wie ein Mantra durch seinen Kopf, während er ihm Löcher in die Augen starrte. >...Komm näher... Komm näher...näher...!<
Wieder dachte der Lethar einen moment darüber nach, dann nickte er schliesslich nach einem Blick zu seinen Kameraden.
"Dann sag mir, was du weisst. Schnell, ich hab noch viel zu tun, Mensch."
Seine Augen verengten sich und er gab wieder. "Ich kann es nicht laut sagen. Es wäre unpassend, wenn sie es hört. Sie würde es sofort weiter erzählen und es würden Gegenmassnahmen ergriffen werden."
"Cyrion nein! Tu es nicht! Arrh... Lass mich los..!" Das Gitter schepperte als sie dagegen stiess. Hatte jemand durch das Gitter gegriffen, sie festzuhalten? Hatte sie auf sie zustürmen wollen? Götter, er konnte die Verzweiflung und das Flehen in ihrer Stimme hören. Es tat ihm leid, das er ihr dies antun musste, aber wenn sie ein Höllenspektakel machte, war das umso besser - eine Ablenkung von ihm war nicht schlecht. Der Lethar vor ihm überlegte wieder einen Moment, dann nickte er leicht und beugte sich vor. Gerade weit genug, das Cyr sich auf ein Knie hochbeugen musste, ihn zu erreichen. Schmerz flammte in seinen zerschnittenen Muskeln auf und er verzog das Gesicht! Dieser Sadist! Das machte er doch mit Absicht, das er sich auch noch anstregen musste, ihn zu erreichen. Aber vielleicht konnte er es zu seinem Vorteil nutzen, das er auf ein Knie aufgerichtet war. Seine Zehen spannten sich an, bohrten sich in den Boden, während seine eine Hand, der Daumen den Draht eng aufgerollt gegen den Handknöchel pressend, zu des Letharen Schlüsselbein wanderte, die Fingerspitzen sich leicht auflegten - sein Oberkörper war leicht gedreht - er schützte seine Hand, und was in ihr drin war, mit seinem eigenen Körper vor den Blicken der anderen - und der Lethar selbst hatte keinen Verdacht - warum auch? Cyr war nackt.
"Weisst du..."
Gab er leise wieder, schwankte gekünstelt etwas und lies die zweite Hand hochwandern, wie als ob er sich auf den Letharen auf stützen wollte, doch verhielt sie, während er den Daumen lösste und der Draht hervorsprang - das Drahtende seine zweite Hand berührte.
"Eine Waffe habt ihr nicht gefunden..." zischte er leise und die Drahtenden wurden gepackt, während er vorsprang, ihm diesen um den Hals zu legen. Der Draht biss in den Hals des entsetzten Letharen, der keine Luft mehr bekam, während Cyrion wild entschlossen und mit zusammen gebissenen Zähnen die Garotte zuzog. Erfolglos versuchte die Blauhaut mit den Fingern den Draht zu fassen zu kriegen, doch biss dieser bereits ins Fleisch - Blut quoll dünn hervor. Schmerz pochte in seinem Bein und an seiner Brust, pochte, pulsierte, doch versuchte er es zu ignorieren. Der Schmerz wurde anhaltender, schärfer.
"Stirb schon, du Bastard!" Brüllte er von schwarzer Wut erfüllt! Dieser Pestelf hatte ihn und Leah mit seinen Drecksfingern betatscht! Seine Finger griffen fester zu, die Fäuste bohrten sich in den Grund, während er dem Letharen ein Bein auf die Brust zu setzen versuchte. ...Schmerz... Schmerz... Er wurde lauter, drängender. Erfüllte sein Denken. Der Lethar vor ihm zerfaserte....Schmerz... Schmerz... Schmerz.... Das einzige, was er nur noch wahrnahm war Schmerz... Schmerz...Schme....
Er öffnete die Augen... Und hob seinen Körper mit einem Arm und dem gesunden Bein aus der bäuchlings liegenden Position heraus! Ein Keuchen entrang sich seiner Brust! Schmerz... In seinem Bein... in seiner Brust... Er hatte sich im Traum gedreht, auf den Letharen gestürzt. Und in der Realität ebenfalls - Vom Rücken auf den Bauch! Hatte auf den Wunden gelegen! Wieder keuchte er, atmete, verzog das Gesicht und versuchte vorsichtiger zu atmen. Der Schmerz klang langsam ab.
Die schmerzlich zusammen gepressten Augen wieder öffnend, sah er sich um. Bett... ein Tisch mit Waschschüssel... Mondschein, der gedämpft durch die Klostermauer ins Zimmer fiel. Das Kloster... er war in Sicherheit. Leah war in Sicherheit... Keine Letharen um ihn herum. Niemand da, den er ermorden konnte für das, was ihm und Leah angetan wurde.
Die Lippen bildenten einen dünne Linie, als er sich angestrengt umdrehte und sich wieder auf den Rücken legte, sich dann langsam entspannte. Die Wunden zogen noch etwas, aber auch das würde sich wieder legen. Erleichtert atmete er wieder auf... und starrte wie so oft in den letzten Tagen die Decke über sich an. Nicht der erste Traum den er gehabt hatte in den letzten zwei Nächten... Gewiss auch nicht der Letzte. Träume in denen er das tat, was er wirklich tun wollte. Dinge tat, was er hätte nun sollen... oder können... an die er aber nicht gedacht hatte...
Soviele Dinge, die er hätte tun können, um sein Mädchen zu retten. Und doch... Er hatte kläglich versagt. Cyrion schloss die Augen wieder, versuchte wieder zu schlafen. Versuchte sich zu sagen, das er nichts daran ändern könnte. Er müsste es halt in Zukunft besser machen. Und doch.... Sein schlechtes Gewissen liess ihn nicht in Ruhe. Er hatte versagt... schon wieder... hatte schon wieder jemanden, der ihm nahe stand, nicht retten können. Hatte Fehlentscheidungen getroffen. Fehlentscheidungen, die letztlich zu seiner und Leahs Erniedrigung geführt hatten. Zu harschen Verletzungen geführt hatten. Leah, die gefoltert wurde... Er würde sich diese Fehler nie verzeihen können.
Sein Blick starrte die Decke an, doch sah er sie nicht. Wiederholt drängten sich all seine Fehler in seine Gedanken... Wie sollte er sich dafür bei Leah entschudligen? Wie erklären, warum er sie geschlagen hatte - warum er von ihr verlangt hatte, ihr Schwert abzugeben. Warum er.... Wie sollte er Leah gegenübertreten, wenn er sie das nächste mal sah? Sie, die sie ihn immer noch liebte, aber ihr Vertrauen in ihn wohl verloren hatte. Er wusste es nicht...
-
Cyrion Sha´Ar
Lustlos ass er sein Mittagessen. Hunger hatte er keinen nennenswerten, seid der Sache mit den Letharen nicht, aber wenn er heilen wollte, musste er was essen. Er seufzte schwer. Es gab keine Ablenkung von seinen Gedanken, nichts, was er tun konnte - nur im Bett rumliegen und über seine Fehler nachdenken. Malachai wusste mit Sicherheit nicht, wo er war und was geschehen war. Leah wollte vermutlich nicht mit ihm reden. Darna, Adrian und Savea hatten sicher alle Hände voll zu tun, Kabo zurück zu bekommen, wenn er noch immer in den Händen der Letharen sein sollte. Nicht mal Lira kam vorbei um ihm auf den Geist zu gehen, was für ein Trottel er in ihren Augen war. Niemand, der ihm Half von seinen Selbstvorwürfen weg zu kommen. Nur Lily kam täglich vorbei und sah nach ihm.
Und Selbstvorwürfe hatte er reichlich. Alle Augenblick fiel ihm etwas ein, das er hätte anders machen können. Mit ihr reden, während er sich in seinem Hause umzog - sie dort unten auf den Treppen warten lassen, so das er von seinem Zimmer aus ihr hätte versuchen können, den Gang nach Rahal auszureden. Auf sie eingehen, als sie bei dem Grenz überschreiten zögerte und dort zur Umkehr überzeugen sollen... Bei Rahals Tor ebenfalls... Die Aufmerksamkeit der Leute auf sich ziehen, das sie fliehen konnte, selbst wenn er dabei schwer verletzt wurde... Schlimmstenfalls sie eben vor Rahal einfach auf sein Pferd rüberziehen und mit ihr wie mit einen Sack Mehl zurück nach Varuna reiten. Und wenn er sie an den Haaren hätte nach Hause schleifen sollen, er hätte sie auf gar keinen Fall in diese Stadt gehen lassen sollen.
"Ich kann nicht so gut lügen..." Sie konnte kein bisschen lügen. Nicht mal ansatzweise.... Er seufzte schwer, schob das Essen ganz beiseite. Wenn er an Rahal dachte, wurde ihm Übel.
Leah trug keine Schuld.... Sie konnte nichts dafür, das sie beim Anblick eines Letharen in Panik geraten war. Letharen waren ihre Achillesferse. Und die Vorstellung einem Letharen gegenüber zu stehen und freiwillig ihre Waffe abgeben - nein, da hatte ihr Körper gestreikt. Und es hatte nichts gegeben, was er hätte tun können, um sie von ihrer Waffe zu trennen. Er hatte allerhand versucht - sogar eine recht handfeste letzte Massnahme, die ihm eingefallen war - etwas, das man tat, wenn jemand in Panik geriet oder hysterisch wurde - eine Ohrfeige - und nichts erreicht. Hatte am Ende nur zusehen können, wie sie von diesem Hund von Wächter - nein Hauptmann - verprügelt wurde. Was hätte er auch da tun können? Die Tore waren geschlossen. Die Hafenanlagen mit Wächtern versehen. Reiten war verboten in dieser Stadt - sie wären aus den Sätteln geschossen worden, bevor sie auch nur in die Nähe der Schiffe gelangt wären. Gegen den Mann kämpfen? Sie verteidigen? Hätte er liebend gerne gemacht - aber dann hätten Rahaler wie Letharen gemerkt, das er etwas für sie übrig hatte. Das hätte alles nur noch schlimmer gemacht, als es ohnehin schon war. Er hatte ihr in keiner Weise helfen können. Nur zusehen, wie sie zusammen geschlagen wurde - etwas das ihm verdammt schwer viel - schwerer noch allerdings, nichts von seinem inneren Tumult auf seinem Gesicht zu zeigen. Und das alles nur, weil sie ihrer Achillesferse begegnet war. Jener Art Kreatur, welche ihr solche Angst einjagte, das sie nicht länger rational denken konnte... Halt nein, sie konnte rational denken - ihr Körper gehorchte ihr nur nicht. Er hätte sie nie in diese Stadt gehen lassen dürfen! Aber das war etwas, das er erst hinterher erkannte - als sie in der Falle sassen. Hätte er ihr erlauben sollen, weg zu rennen? Obwohl er wusste, das da Wachen vor und hinter dem Tor waren? Wusste, das auf den Zinnen der Mauern sicher Wachen mit Armbrüsten und Bögen standen? Er wusste es nicht. Es war zu spät, es festzustellen. Zu spät für so vieles. Aber eines wusste er recht genau: Er hatte versagt als Leibwächter - kläglich versagt... Und nun wollte sie nicht mal mehr mit ihm reden. Schwer hatte er zu grübeln daran, wie er das wieder zurecht biegen sollte. Fragte sich nur, ob sie ihm diese Chance geben würde.
Und Selbstvorwürfe hatte er reichlich. Alle Augenblick fiel ihm etwas ein, das er hätte anders machen können. Mit ihr reden, während er sich in seinem Hause umzog - sie dort unten auf den Treppen warten lassen, so das er von seinem Zimmer aus ihr hätte versuchen können, den Gang nach Rahal auszureden. Auf sie eingehen, als sie bei dem Grenz überschreiten zögerte und dort zur Umkehr überzeugen sollen... Bei Rahals Tor ebenfalls... Die Aufmerksamkeit der Leute auf sich ziehen, das sie fliehen konnte, selbst wenn er dabei schwer verletzt wurde... Schlimmstenfalls sie eben vor Rahal einfach auf sein Pferd rüberziehen und mit ihr wie mit einen Sack Mehl zurück nach Varuna reiten. Und wenn er sie an den Haaren hätte nach Hause schleifen sollen, er hätte sie auf gar keinen Fall in diese Stadt gehen lassen sollen.
"Ich kann nicht so gut lügen..." Sie konnte kein bisschen lügen. Nicht mal ansatzweise.... Er seufzte schwer, schob das Essen ganz beiseite. Wenn er an Rahal dachte, wurde ihm Übel.
Leah trug keine Schuld.... Sie konnte nichts dafür, das sie beim Anblick eines Letharen in Panik geraten war. Letharen waren ihre Achillesferse. Und die Vorstellung einem Letharen gegenüber zu stehen und freiwillig ihre Waffe abgeben - nein, da hatte ihr Körper gestreikt. Und es hatte nichts gegeben, was er hätte tun können, um sie von ihrer Waffe zu trennen. Er hatte allerhand versucht - sogar eine recht handfeste letzte Massnahme, die ihm eingefallen war - etwas, das man tat, wenn jemand in Panik geriet oder hysterisch wurde - eine Ohrfeige - und nichts erreicht. Hatte am Ende nur zusehen können, wie sie von diesem Hund von Wächter - nein Hauptmann - verprügelt wurde. Was hätte er auch da tun können? Die Tore waren geschlossen. Die Hafenanlagen mit Wächtern versehen. Reiten war verboten in dieser Stadt - sie wären aus den Sätteln geschossen worden, bevor sie auch nur in die Nähe der Schiffe gelangt wären. Gegen den Mann kämpfen? Sie verteidigen? Hätte er liebend gerne gemacht - aber dann hätten Rahaler wie Letharen gemerkt, das er etwas für sie übrig hatte. Das hätte alles nur noch schlimmer gemacht, als es ohnehin schon war. Er hatte ihr in keiner Weise helfen können. Nur zusehen, wie sie zusammen geschlagen wurde - etwas das ihm verdammt schwer viel - schwerer noch allerdings, nichts von seinem inneren Tumult auf seinem Gesicht zu zeigen. Und das alles nur, weil sie ihrer Achillesferse begegnet war. Jener Art Kreatur, welche ihr solche Angst einjagte, das sie nicht länger rational denken konnte... Halt nein, sie konnte rational denken - ihr Körper gehorchte ihr nur nicht. Er hätte sie nie in diese Stadt gehen lassen dürfen! Aber das war etwas, das er erst hinterher erkannte - als sie in der Falle sassen. Hätte er ihr erlauben sollen, weg zu rennen? Obwohl er wusste, das da Wachen vor und hinter dem Tor waren? Wusste, das auf den Zinnen der Mauern sicher Wachen mit Armbrüsten und Bögen standen? Er wusste es nicht. Es war zu spät, es festzustellen. Zu spät für so vieles. Aber eines wusste er recht genau: Er hatte versagt als Leibwächter - kläglich versagt... Und nun wollte sie nicht mal mehr mit ihm reden. Schwer hatte er zu grübeln daran, wie er das wieder zurecht biegen sollte. Fragte sich nur, ob sie ihm diese Chance geben würde.
-
Leah Katuri
„Wie ist dein Name? Woher kommst du? Wer....schickt dich?“
Unbarmherzig erklang das Geräusch des geflochtenen Lederstriemes über die kalten Steinplatten in dem dunklen Raum. Angst durchjagte ihren Körper, ließ sie wie Espenlaub zittern, als die Stimme unbarmherzig weiter auf sie wirkte.
„Von wem ist die Kette? Wer würde genug für dich geben, dass du lebend hier raus kommst?“
Ein Ruck durchfuhr ihren Körper, als sie den Tritt in ihrer Magengegend spürte und sie mit einem Laut des Schmerzes in die Ecke der Zelle gewuchtet wurde durch den Schwung.
„Wir haben auch andere Möglichkeiten, dich reden zu hören...“
Unheilvoll dröhnte das Lachen in ihren Ohren auf, ließ sie die Hände hochrucken und die eigenen Ohren zupressen. Die tiefen Schnitte der Ketten schmerzten immer noch in den Handgelenken, sorgten für ein unmenschliches Brennen in ihrem Körper. Auf einmal spürte sie einen fremden Atem in ihrem Gesicht, spürte die Nähe des Gardisten, der sie am Kragen fasste und hochzog.
„Wir bekommen dich zum Reden...keine Sorge.“
Mit einem Keuchen stieß sie sich aus der Schlafposition herauf, ließ den Blick einen Moment halb im Träume, halb wach herumstreifen. Ekel durchdrang ihren Körper, begleitet von einem Zittern, als die klaren Bilder nur langsam verblassten und sie sich gewahr wurde, wo sie sich befand. In Sicherheit... Und doch...schien alles so unnatürlich, blass und wage. Der Raum des Klosters schien kahler als sonst, kühler,...leerer. Langsam setzte sie sich etwas bequemer auf, ließ den Blick zu dem Bett an der anderen Wand hinübergehen. Sie hatte nicht wirklich damit gerechnet, Milady dort noch liegen zu sehen, sodass es wohl schon vorangeschrittener Morgen sein musste. Als wäre nie jemand dort gewesen....so perfekt war das Bett gemacht, der Stuhl ohne ein Stoffteil oder Kleidungsstück belegt.
Langsam nur schälte sie sich aus dem Bett, die restlichen Gedanken des Traumes vertreiben wollend.
Konzentrier dich auf das, was kommt, nicht, was war...Einreden half meistens und würde sie durchhalten lassen. Es ist schließlich Krieg!
Krieg. Ein Begriff, den sie sonst nur aus Erzählungen kannte, aus Geschichten, denen man den größeren Kindern erzählt hatte. Sie selbst hatte sie nur über die Brüder hören können, da man im eigenen Haus solche Sachen nicht gern hörte. Mutter wollte Hoffnung und nicht Zerstörung in den Wänden haben...verständlich bei Vaters Charakter. Langsam zog sie sich die Rüstsachen über, dehnte in jenem die Gelenke zum wach werden. Der Rücken ziepte nur noch und die Bewegungen waren flüssiger. Gestern hatte jede Bewegung unter dem Gewicht geschmerzt....und heute bereits.... Ein leichtes Kopfschütteln folgte, als sie daran zurückdachte und sich dem Einpacken der Sachen widmete. Sie hatte einige Klamotten mit eingepackt, Sachen von gestern. Das Nötigste, wie es schien. Zu aufwendig schien es, die Sachen herauszuholen und in der Kommode zu lagern. Wenn sie irgendwo gebraucht wurden, wenn man in einen Kampf musste und nicht am Abend im Kloster wieder einkehren konnte; es gab zu viele Möglichkeiten, die dafür sorgten, dass sich ihre Nackenhaare aufstellten. Krieg. Das Wort schwebte in ihren Gedanken und wollte sich einfach nicht auf den Lippen bilden. Die Lasche der Umhängetasche wurde wieder geschlossen und sie warf das ganze Bündel einfach in den Schrank. Mehr als einen kritischen Blick Miladys zu ernten konnte ja nicht passieren...erstmal. Die Fibel des Umhangs schliessend, wanderten die Hände zum Schwertgurt, als ihr das weiße Papier auffiel, dass aus der Seitentasche des Bündels hervorlugte.
Die Brauen zogen sich leicht zusammen und es schien Momente zu dauern, bis sie zuordnen konnte, was sie dort sah. Der Brief...
Die Schnalle des Schwertgurtes war rasch geschlossen, als sie die Fäustlinge in den Gürtel klemmte und das Pergament hervorzog, um mit jenem aus dem Zimmer zu gehen. Der Kreuzgang des Klosters schien friedlich und fern von allen Sorgen. Sie lehnte sich an eine der Säulen, faltete das Papier auf, um den Blick über die Zeilen wandern zu lassen. Fast war die Geste Miladys vergessen worden, als jene ihr die Zeilen in die Hand gedrückt hatte. Zu sehr war sie noch mit den eigenen Sachen beschäftigt, die sie im Inneren verwirrten und zu sehr darauf bedacht, sich wieder zu fassen. Sie machte es schwer...ja, machte es Cyrion schwer und weiteren, die sich um sie kümmern wollten. Und doch benötigte sie jenen Abstand, diese Distanz. Noch immer zitterte sie auf, wenn sie nur an eine Berührung dachte. Die Nacht in der Zelle... Die Hände, die sie packten, an die Wand warfen und wieder hochzogen, um wach zu bleiben. Nur wehren, wenn es nicht anders ging, um einen Schlag auf das Knie zu vermeiden.
Mit einem scharfen Ein und Ausatmen lenkte sie die Aufmerksamkeit wieder auf die Zeilen vor sich. Der Baum des Lichtes schimmerte sacht von der Seite auf die Buchstaben und tauchten das Pergament in ein leichtes Funkeln. Es dauerte Momente, als sie das Papier wieder zusammenfaltete und den Blick von der Kapelle zum Baum wandern ließ.
Prüfung des Herzens....Prüfung des Kopfes....Fern schien alles Verständnis der Bedeutung des Baumes. Sie wusste um die Geschichte, wusste, warum er hier stand. Und doch...sie würde wohl nie jene Nähe finden wie Milady sie zu diesem Ort hatte. Du willst ja auch nicht nacheifern, also folge nicht einer Unmöglichkeit!
Langsam ließ sie das Pergament in die Innentasche ihres Umhanges gleiten und löste sich aus dem Stand, um in die Kapelle zu gehen. Nach dem Gebet würde sie Milady suchen....und hoffen, dass der Krieg noch auf sich warten ließ.
Unbarmherzig erklang das Geräusch des geflochtenen Lederstriemes über die kalten Steinplatten in dem dunklen Raum. Angst durchjagte ihren Körper, ließ sie wie Espenlaub zittern, als die Stimme unbarmherzig weiter auf sie wirkte.
„Von wem ist die Kette? Wer würde genug für dich geben, dass du lebend hier raus kommst?“
Ein Ruck durchfuhr ihren Körper, als sie den Tritt in ihrer Magengegend spürte und sie mit einem Laut des Schmerzes in die Ecke der Zelle gewuchtet wurde durch den Schwung.
„Wir haben auch andere Möglichkeiten, dich reden zu hören...“
Unheilvoll dröhnte das Lachen in ihren Ohren auf, ließ sie die Hände hochrucken und die eigenen Ohren zupressen. Die tiefen Schnitte der Ketten schmerzten immer noch in den Handgelenken, sorgten für ein unmenschliches Brennen in ihrem Körper. Auf einmal spürte sie einen fremden Atem in ihrem Gesicht, spürte die Nähe des Gardisten, der sie am Kragen fasste und hochzog.
„Wir bekommen dich zum Reden...keine Sorge.“
Mit einem Keuchen stieß sie sich aus der Schlafposition herauf, ließ den Blick einen Moment halb im Träume, halb wach herumstreifen. Ekel durchdrang ihren Körper, begleitet von einem Zittern, als die klaren Bilder nur langsam verblassten und sie sich gewahr wurde, wo sie sich befand. In Sicherheit... Und doch...schien alles so unnatürlich, blass und wage. Der Raum des Klosters schien kahler als sonst, kühler,...leerer. Langsam setzte sie sich etwas bequemer auf, ließ den Blick zu dem Bett an der anderen Wand hinübergehen. Sie hatte nicht wirklich damit gerechnet, Milady dort noch liegen zu sehen, sodass es wohl schon vorangeschrittener Morgen sein musste. Als wäre nie jemand dort gewesen....so perfekt war das Bett gemacht, der Stuhl ohne ein Stoffteil oder Kleidungsstück belegt.
Langsam nur schälte sie sich aus dem Bett, die restlichen Gedanken des Traumes vertreiben wollend.
Konzentrier dich auf das, was kommt, nicht, was war...Einreden half meistens und würde sie durchhalten lassen. Es ist schließlich Krieg!
Krieg. Ein Begriff, den sie sonst nur aus Erzählungen kannte, aus Geschichten, denen man den größeren Kindern erzählt hatte. Sie selbst hatte sie nur über die Brüder hören können, da man im eigenen Haus solche Sachen nicht gern hörte. Mutter wollte Hoffnung und nicht Zerstörung in den Wänden haben...verständlich bei Vaters Charakter. Langsam zog sie sich die Rüstsachen über, dehnte in jenem die Gelenke zum wach werden. Der Rücken ziepte nur noch und die Bewegungen waren flüssiger. Gestern hatte jede Bewegung unter dem Gewicht geschmerzt....und heute bereits.... Ein leichtes Kopfschütteln folgte, als sie daran zurückdachte und sich dem Einpacken der Sachen widmete. Sie hatte einige Klamotten mit eingepackt, Sachen von gestern. Das Nötigste, wie es schien. Zu aufwendig schien es, die Sachen herauszuholen und in der Kommode zu lagern. Wenn sie irgendwo gebraucht wurden, wenn man in einen Kampf musste und nicht am Abend im Kloster wieder einkehren konnte; es gab zu viele Möglichkeiten, die dafür sorgten, dass sich ihre Nackenhaare aufstellten. Krieg. Das Wort schwebte in ihren Gedanken und wollte sich einfach nicht auf den Lippen bilden. Die Lasche der Umhängetasche wurde wieder geschlossen und sie warf das ganze Bündel einfach in den Schrank. Mehr als einen kritischen Blick Miladys zu ernten konnte ja nicht passieren...erstmal. Die Fibel des Umhangs schliessend, wanderten die Hände zum Schwertgurt, als ihr das weiße Papier auffiel, dass aus der Seitentasche des Bündels hervorlugte.
Die Brauen zogen sich leicht zusammen und es schien Momente zu dauern, bis sie zuordnen konnte, was sie dort sah. Der Brief...
Die Schnalle des Schwertgurtes war rasch geschlossen, als sie die Fäustlinge in den Gürtel klemmte und das Pergament hervorzog, um mit jenem aus dem Zimmer zu gehen. Der Kreuzgang des Klosters schien friedlich und fern von allen Sorgen. Sie lehnte sich an eine der Säulen, faltete das Papier auf, um den Blick über die Zeilen wandern zu lassen. Fast war die Geste Miladys vergessen worden, als jene ihr die Zeilen in die Hand gedrückt hatte. Zu sehr war sie noch mit den eigenen Sachen beschäftigt, die sie im Inneren verwirrten und zu sehr darauf bedacht, sich wieder zu fassen. Sie machte es schwer...ja, machte es Cyrion schwer und weiteren, die sich um sie kümmern wollten. Und doch benötigte sie jenen Abstand, diese Distanz. Noch immer zitterte sie auf, wenn sie nur an eine Berührung dachte. Die Nacht in der Zelle... Die Hände, die sie packten, an die Wand warfen und wieder hochzogen, um wach zu bleiben. Nur wehren, wenn es nicht anders ging, um einen Schlag auf das Knie zu vermeiden.
Mit einem scharfen Ein und Ausatmen lenkte sie die Aufmerksamkeit wieder auf die Zeilen vor sich. Der Baum des Lichtes schimmerte sacht von der Seite auf die Buchstaben und tauchten das Pergament in ein leichtes Funkeln. Es dauerte Momente, als sie das Papier wieder zusammenfaltete und den Blick von der Kapelle zum Baum wandern ließ.
Prüfung des Herzens....Prüfung des Kopfes....Fern schien alles Verständnis der Bedeutung des Baumes. Sie wusste um die Geschichte, wusste, warum er hier stand. Und doch...sie würde wohl nie jene Nähe finden wie Milady sie zu diesem Ort hatte. Du willst ja auch nicht nacheifern, also folge nicht einer Unmöglichkeit!
Langsam ließ sie das Pergament in die Innentasche ihres Umhanges gleiten und löste sich aus dem Stand, um in die Kapelle zu gehen. Nach dem Gebet würde sie Milady suchen....und hoffen, dass der Krieg noch auf sich warten ließ.