Jenseits des Schweigens
Verfasst: Mittwoch 12. Oktober 2005, 20:23
"Es gibt sie !" , ... "Unfassbar, es gibt sie !" dachte Shaja , den Blick auf den Abendhimmel gerichtet.
Sie war zum Fluss gelaufen um allein zu sein. Um den Moment zu geniessen, um diesen Blicken zu entkommen, die ihr alle nur helfen wollten.
Sicher wollten sie ihr helfen ... sie war ja auch "krank". Krank! Sicher; so mussten sie es ja sehen.
Shaja hatte so lange und sooft darüber geschimpft, dass alle Menschen, und damit meinte sie alles was zwei Beine hat, krank sind an ihrer Sprache.
Sprache, die die Menschen verseuchte, die sie lügen lies, die ihr Handlanger war um sich selbst in ein Licht zu setzen, welches nicht von ihnen kam, sie mehr oder anders scheinen zu lassen als sie wirklich waren.
Sprache macht Unterschiede wo keine sind, Sprache hetzt auf, Sprache nimmt Handeln vorweg ohne es je geschehen zu lassen, Sprache verwischt Spuren die gesehen werden sollten.
Nichts war selbstverständlich mit Sprache. Hintertüren, Trugbilder, Erklärungen, Versprechungen und all das schiebt eben jenes weg was sie eigentlich sehen sollten, ... den Menschen ?
Würde das je jemand verstehen ?
Musste man wissen, wie es war nicht zu reden ? Wie man leben konnte ohne ein Wort ? Es nicht mal zu brauchen, weil alle Anderen auch nicht sprachen ?
Wussten sie eigentlich, dass sie andauernd kleinste Regungen von sich gaben, die sie verrieten. Die sie nicht mal unterdrücken konnten, wenn sie wollten, weil es eine Zeit gab in der sie darauf angewiesen waren eben jene zu verstehen ?
Sie taten es, wie die Wölfe ... wie alle Tiere ... und sie waren blind dafür. Sie sprechen und sprechen und merken nicht, wie sie immer fremder werden. Einander, und ... ja und dem Rest der Welt.
Krank ? War sie nun krank ?
Shaja blickte in Falks Augen, in Freias und Alliestras. Sorgen, Entsetzen, "Laila kann sicher helfen ...".
Sie verstanden es nicht, oder ? Verstand Shaja es ? Es war wie früher und sie war alle die Jahre nicht krank gewesen.
***
Shaja hatte mit den Hinrahs am abendlichen Feuer im Clanshaus gesessen und Falk hatte Alliestra verkündet, dass sie alsbald richtig zum Clan gehören würde, hatte von einem "Titel" gesprochen, als wenn dieses Wort alles ändern würde.
Und wie so oft schon hatte sich Shaja darüber aufgeregt, dass man für sowas ein Wort brauche, und dass nicht einfach danach geurteilt wurde was war und was man tat .
Dass man nicht einfach hinnehmen konnte, dass dieser Mensch bei einem war und dazugehörte, weil er es bereits tat. Weil er mitten unter ihnen lebte, für sie da war, mit ihnen Speise und Lager teilte, für sie einstand.
Wozu die Worte die Unterschiede machten, welche die Gemeinschaft in "diese" und "jene" aufteilte. ?
Soetwas wurde überall da gebraucht wo man Grenzen zog, wo die einen besser waren als die anderen, wo man allein mit einem Wort begründen konnte, dass man besser war. Mit einem "Titel" allein.
Nutzlos, ..., Menschenwerk ...
"Wölfe brauchten das nicht. Nicht so. Alles war einfacher ..." hatte Shaja noch gedacht, und war dann vor versammelter Mannschaft aufgebraust. War aufgebraust und hatte inbrünstig erklärt, dass man Worte nicht bräuchte und das sie genausogut ohne auskommen würde !
Und dann war es passiert.
Einfach so, ... ein Funkeln, ein Leuchten, ihre Stimme die tiefer wurde, versiegte einfach so ... ein Windhauch der durch den Raum strich und es besiegelte.
***
War sie krank ? War sie es, die krank war ? Gesprochen hatte sie, oh ja, wie ein Wasserfall hatte sie das. Und sie konnt den Menschen keinen Vorwurf machen. Sie hatten ihre Welt so kompliziert gemacht, dass sie einfach darüber sprechen mussten, eines gibt das andere. Und doch war sie sich immer darüber im klaren gewesen, dass genau das, das Übel in der Welt sei.
Sie hatte gemerkt wie sie immer mehr so wurde wie die Anderen. Unweigerlich, ohne es verhindern zu können. Aber sie mochte diese Leute, wollte sie nicht verlassen, und doch hasste sie, was damit verbunden war.
Und nun ? War sie krank ? ... Oder hatte ihr jemand ein Teil ihrer Freiheit wieder gegeben ?
Frei so gesehen zu werden wie sie ist. Ohne Worte, die anderen den Blick versperren auf ihr Wesen. Ohne Worte, die verhindern, dass man nachdenkt, weil man ihnen einfach zu viel Beachtung schenkt.
Wer war krank ?
***
Hier am Fluss, allein mit den Geräuschen des Waldes, mit den Gedanken soweit weg von all dem Lärm hörte sie schwach aber deutlich die Melodie, die ihr Geist nicht fassen konnte, sie aber glücklich und ruhig werden lies. Die Melodie, die ihr sagte, was sie war: Ein Teil von allem.
Ein unbedeutender Teil, aber ein glücklicher. Ein Teil der daran erinnert wurde was wesentlich ist. Dem etwas gesagt hat, dass sie nicht tun solle was sie nicht wolle, weil es eben auch anders, besser, geht; weil sie jemand war, der damit umgehen konnte.
Wer schweigt hört besser, auch diese ferne Melodie. Und sie war sich sicher, dass jene von der sie kam, es genauso sah.
"Ich hatte ja keine Ahnung ..."
Sie war zum Fluss gelaufen um allein zu sein. Um den Moment zu geniessen, um diesen Blicken zu entkommen, die ihr alle nur helfen wollten.
Sicher wollten sie ihr helfen ... sie war ja auch "krank". Krank! Sicher; so mussten sie es ja sehen.
Shaja hatte so lange und sooft darüber geschimpft, dass alle Menschen, und damit meinte sie alles was zwei Beine hat, krank sind an ihrer Sprache.
Sprache, die die Menschen verseuchte, die sie lügen lies, die ihr Handlanger war um sich selbst in ein Licht zu setzen, welches nicht von ihnen kam, sie mehr oder anders scheinen zu lassen als sie wirklich waren.
Sprache macht Unterschiede wo keine sind, Sprache hetzt auf, Sprache nimmt Handeln vorweg ohne es je geschehen zu lassen, Sprache verwischt Spuren die gesehen werden sollten.
Nichts war selbstverständlich mit Sprache. Hintertüren, Trugbilder, Erklärungen, Versprechungen und all das schiebt eben jenes weg was sie eigentlich sehen sollten, ... den Menschen ?
Würde das je jemand verstehen ?
Musste man wissen, wie es war nicht zu reden ? Wie man leben konnte ohne ein Wort ? Es nicht mal zu brauchen, weil alle Anderen auch nicht sprachen ?
Wussten sie eigentlich, dass sie andauernd kleinste Regungen von sich gaben, die sie verrieten. Die sie nicht mal unterdrücken konnten, wenn sie wollten, weil es eine Zeit gab in der sie darauf angewiesen waren eben jene zu verstehen ?
Sie taten es, wie die Wölfe ... wie alle Tiere ... und sie waren blind dafür. Sie sprechen und sprechen und merken nicht, wie sie immer fremder werden. Einander, und ... ja und dem Rest der Welt.
Krank ? War sie nun krank ?
Shaja blickte in Falks Augen, in Freias und Alliestras. Sorgen, Entsetzen, "Laila kann sicher helfen ...".
Sie verstanden es nicht, oder ? Verstand Shaja es ? Es war wie früher und sie war alle die Jahre nicht krank gewesen.
***
Shaja hatte mit den Hinrahs am abendlichen Feuer im Clanshaus gesessen und Falk hatte Alliestra verkündet, dass sie alsbald richtig zum Clan gehören würde, hatte von einem "Titel" gesprochen, als wenn dieses Wort alles ändern würde.
Und wie so oft schon hatte sich Shaja darüber aufgeregt, dass man für sowas ein Wort brauche, und dass nicht einfach danach geurteilt wurde was war und was man tat .
Dass man nicht einfach hinnehmen konnte, dass dieser Mensch bei einem war und dazugehörte, weil er es bereits tat. Weil er mitten unter ihnen lebte, für sie da war, mit ihnen Speise und Lager teilte, für sie einstand.
Wozu die Worte die Unterschiede machten, welche die Gemeinschaft in "diese" und "jene" aufteilte. ?
Soetwas wurde überall da gebraucht wo man Grenzen zog, wo die einen besser waren als die anderen, wo man allein mit einem Wort begründen konnte, dass man besser war. Mit einem "Titel" allein.
Nutzlos, ..., Menschenwerk ...
"Wölfe brauchten das nicht. Nicht so. Alles war einfacher ..." hatte Shaja noch gedacht, und war dann vor versammelter Mannschaft aufgebraust. War aufgebraust und hatte inbrünstig erklärt, dass man Worte nicht bräuchte und das sie genausogut ohne auskommen würde !
Und dann war es passiert.
Einfach so, ... ein Funkeln, ein Leuchten, ihre Stimme die tiefer wurde, versiegte einfach so ... ein Windhauch der durch den Raum strich und es besiegelte.
***
War sie krank ? War sie es, die krank war ? Gesprochen hatte sie, oh ja, wie ein Wasserfall hatte sie das. Und sie konnt den Menschen keinen Vorwurf machen. Sie hatten ihre Welt so kompliziert gemacht, dass sie einfach darüber sprechen mussten, eines gibt das andere. Und doch war sie sich immer darüber im klaren gewesen, dass genau das, das Übel in der Welt sei.
Sie hatte gemerkt wie sie immer mehr so wurde wie die Anderen. Unweigerlich, ohne es verhindern zu können. Aber sie mochte diese Leute, wollte sie nicht verlassen, und doch hasste sie, was damit verbunden war.
Und nun ? War sie krank ? ... Oder hatte ihr jemand ein Teil ihrer Freiheit wieder gegeben ?
Frei so gesehen zu werden wie sie ist. Ohne Worte, die anderen den Blick versperren auf ihr Wesen. Ohne Worte, die verhindern, dass man nachdenkt, weil man ihnen einfach zu viel Beachtung schenkt.
Wer war krank ?
***
Hier am Fluss, allein mit den Geräuschen des Waldes, mit den Gedanken soweit weg von all dem Lärm hörte sie schwach aber deutlich die Melodie, die ihr Geist nicht fassen konnte, sie aber glücklich und ruhig werden lies. Die Melodie, die ihr sagte, was sie war: Ein Teil von allem.
Ein unbedeutender Teil, aber ein glücklicher. Ein Teil der daran erinnert wurde was wesentlich ist. Dem etwas gesagt hat, dass sie nicht tun solle was sie nicht wolle, weil es eben auch anders, besser, geht; weil sie jemand war, der damit umgehen konnte.
Wer schweigt hört besser, auch diese ferne Melodie. Und sie war sich sicher, dass jene von der sie kam, es genauso sah.
"Ich hatte ja keine Ahnung ..."