Es war ein schöner Abend. Die Luft war mild und klar. Die Sonne hatte längst nicht mehr die Kraft des Sommers und doch genoss Amelie die letzen Lichtstrahlen des Tages, sog die Wärme förmlich auf.
Auf ihrem Schoß hatte sich Felix, ihr Kater, gemütlich eingerollt. Nathelia Muna, ihre kleine Tochter, schlief schon fest in ihrem Bett. So saß sie ruhig da, schloss die Augen, streichelte über das weiche Fell des Katers, der träge schnurrte.
Sie bemerkte nicht, dass ihr Ehemann Rondrian plötzlich ein paar Meter entfernt von ihr stand. Als sie seine vertraute Stimme hörte, zauberte sie ein glückliches Lächeln in ihr Antlitz. Schnell stand sie auf, den verdutzten Kater auf die Bank legend und eilte auf ihn zu. Er schloss sie fest in seine Arme und sie küssten sich innig.
Als sie ein Räuspern vernahm, löste sie sich verlegen und blickte über die Schulter ihres Mannes.
Rondrian hatte Besuch mitgebracht, und sie hatte es nicht bemerkt.
Wenn er bei ihr war, hatte sie nur Augen für ihn. Das hatte sich nach all der gemeinsamen Zeit nicht geändert. Sie musste kurz über sich selbst schmunzeln und war froh, dass es so war.
Die fein gekleidete Dame freundlich begrüßend warf sie Rondrian einen fragenden Blick zu.
Sie kannte sie, oder besser gesagt, sie hatte sie am Vortag kennen gelernt. Es war die Dame, die ein ähnliches Amulett trug, wie sie eines in ihrer Schatulle aufbewahrte. "Ein Amulett wie es scheinbar noch andere Mädchen tragen," dachte sie bei sich und schenkte ihm nicht weiter Beachtung.
Rondrian erzählte ihr, dass sie ihn im Kastell aufgesucht hatte um ihn zu bitten eine bestimmte Person für sie zu finden. Sie nickte sachte ohne jedoch zu verstehen, warum er sie mit zu ihnen nach Hause brachte.
Ja gut, sie kannte viele vom Handelshaus, immerhin war es ja gut frequentiert und sie kannte wirklich äußerst viele Personen, jedoch oft wusste sie ja nicht mal den Namen von diesen Kunden. Skeptisch stand sie daneben, harrte auf eine Antwort. Verloren musterte die Dame Amelie. Amelie stand ziemlich hilflos da.
Nach einigem Hin und Her wurde das Gespräch nun etwas konkreter.
Diese junge Frau suchte ihre Schwester, die um die 21 Jahre war, ein kleines Kind hatte, bei Thancred im Handelshaus tätig war, und mit dem Oberst des Hohenfelser Regiments verheiratet war.
Amelies ganze Aufmerksamkeit lag nun auf der jungen Frau. Ihre Gedanken purzelten durch einander."Des Hohenfelser Regiments?... Ihr sucht Eure Schwester?" fragte sie perplex. Warm durchfuhr es sie, wie ein Blitz aus heitrem Himmel. "Das bin ich!?" flüsterte sie hin und her gerissen. In diesem Moment keimte die Hoffnung, und gleichzeitige kamen die Zweifel. Konnte das sein?
Bei der ersten Begegnung fühlte sie tief in ihrem Inneren, dass sie etwas mit der Dame verband. Sie war ihr so nahe. Das Amulett hätte ihr dem Mut geben sollen einfach zu fragen. Hätte sie diesem Wunsch nachgeben sollen, um wieder eine Enttäuschung zu erfahren? Amelie griff nach Rondrians Hand. Er hielt sie ganz fest. Er wusste, dass sie seine Kraft und Liebe brauchte.
"Floriane Salberg;." Amelie wiederholte überwältigt im Freudentaumel ihren Namen.
".....was für ein wunderbarer Name......; "
Sie gingen ins Haus, setzten sich alle drei behaglich hin und plauderten viele Stunden.
Spät in der Nacht, Rondrian schlief an sie gekuschelt tief und fest, ließ sie ihren Gedanken freien Lauf.
Als Amelie vor langer Zeit nach Varuna kam, hatte sie ihrer Familie gesucht. Sie hoffte so sehr sie oder irgendwelche Hinweise in Namensbüchern zu finden. Als die intensive Suche erfolglos blieb, hatte sie resigniert aufgeben, versucht sich damit abzufinden.
Ihr Angehörigen fand sie nicht, aber ihre Freunde im Handelshaus gaben ihr das Gefühl einer Gemeinschaft anzugehören, vor allem Estrella und Thancred.
Später, als sie Rondrian kennen lernte, begann sie wirklich zu spüren, was es heißt, eine Familie zu sein. Er gab ihr das, was sie immer gesucht hatte, Geborgenheit und Liebe.
Am liebsten würde sie es laut in die Welt hinaus schreien, wie sehr sie Rondrian liebte, doch damit hätte sie alle geweckt. Ein leises Seufzen im Schlaf von Nathelia Muna hörend küsste sie ihn sanft, schmiegte sich an ihn und schlief glücklich ein.