Unaufhörlich streicht der seichte Südwestwind die kleinen aber ungewöhnlich kalten Regentropfen in das Gesicht Teranyrs, als er auf der stattlichen aber auch etwas gealterten ‚Cara’ – wie sie von ihrer früheren Besitzerin, der Ritterin Selissa, genannt wurde – in Richtung der Stadtmauern Varunas reitet, die in dem dichten Dunst und der Dunkelheit des späten Abends schier verschluckt werden. Wie ein bedrohlicher Schleier liegt der Nebel über dem Wald und den Mauern, die man nur an den Fackeln zwischen einigen Zinnen und ihrem unruhig flackerndem Licht noch zu erkennen glaubt. Mit der Feuchtigkeit und der Kälte des Windes dringt auch die Müdigkeit immer mehr in seine Glieder und Knochen. Es wird Zeit, dass diese von einer unerbittlich tränenden Wolke verhüllte Stadt erreicht wird, dass er zu Hause ist. Er zieht die durchgeweichte Kapuze des Umhanges ein wenig tiefer in sein Gesicht und senkt den Kopf etwas wobei sein Blick auf den nassen Schweif des treuen Tieres fällt, dass ihn mit Stärke, Stolz und hoch erhobenem Haupt stetig weiter gen Heimat trägt… ja ihr geht es auch nicht besser.
Viele Wege dieser Art nahm er in den letzten Tagen, Wochen und Monden. Einige waren seine Aufgabe, andere seine Pflicht und manche unaufgefordert aber sie alle waren sein Wunsch, so wie auch dieser. Zum bereits… nun… er wusste es nicht genau wie oft er diesen Ort bereits besuchte, doch er kehrte ein weiteres Mal vom Schrein der Demut zurück. Besucht, erlebt und bedacht hatte er sie alle, doch dieser Schrein war es, der auf ihn den meisten Eindruck machte. Es war ein weiter und nicht ganz ungefährlicher Weg bis dort hin, doch erst dieser Weg machte die Reise derart Bedeutsam und seine Erfahrung zu tiefgründig, wie er es sich erhoffte.
Der Karpfen aus den nördlichsten Meeren der Hinayaen schmeckt geräuchert nicht anders als der hiesige, doch nach Tagen auf See und Entbehrungen nur um eben diesen einen Fisch zu fangen, ist er der schmackhafteste und wertvollste, den man sich wünschen.
Zumindest für manche.
Ah, endlich… das dumpfe, leicht plätschernde Geräusch ,dass einen jeden Hufschlag auf dem aufgeweichten, matschigen Wegen begleitet, weicht dem harten, kurzen, prägnanten, etwas stumpfen und dabei doch im Ansatz majestätischen Klacken der Hufe auf den steinernen Wegen Varunas, als der Knappe und das Pferd den ersten riesigen Torbogen der Stadt passieren. Mit einem eher höflichen aber großenteils unbemerkten Nicken begrüßt er die Wachhabenden und beinahe ohne die Zügel der treuen Cara weiter strapazieren zu müssen folgt sie dem kürzesten Weg in sein kleines, sehr düster in der eintretenden Nacht liegendes Heim im Armenviertel der Stadt.
Er öffnet die etwas unsauber gefertigte Holztür, deren linkes unteres Ende ein wenig über den Steinboden schabt, verriegelt sie und lässt sich erst einmal auf seinen Stuhl nieder. Leise knarrt das hölzerne Gebilde protestierend unter dem unsanft abgeladenen Leib, der noch zusätzlich durch die schwere Rüstung daran an Wucht gewinnt. Vor ihm häufen sich verschiedene einfache Schriftstücke, etwas feinere Pergamente und gar einige Bücher. Sammlungen alten Wissens, Geschichten früherer Männer und Frauen die seinen Weg gegangen sind oder doch einfach nur kleine, ungeordnete Niederschriften seines eigenen Wissens, dass er sammelte, dass ihm gelehrte wurde und auch das vielleicht noch kommen könnte, seinen Vermutungen zu Folge.
Frei Entbehrungen ist es nicht, das Leben eines Knappen, dies wird einem jeder Bestätigen. Doch die letzten Tage waren wahrhaftig die, zumindest was seinen Leib anbetrifft, die schwereren seines langen Weges. Übungskämpfe… er allein gegen Ritterin, gegen den Knappen des Sire Rafael oder auch gegen beide. Ertüchtigung auf dem Übungsparkur des Regiments, Streifzüge durch die gefährlicheren, von Untieren behausten Gebiete des Landes, Pilgergänge zu Fuß zu den Schreinen und natürlich der Biss von einem dieser wolfsähnlichen Ausgeburten der Finsternis… Sie alle trugen ihren Teil dazu bei, dass der Mann vom Fache des Fischfanges der zum Knappe wurde seine heutigen Gedanken nicht mehr in den Erzählungen, Mythen und Legenden aus einem seiner Bücher verlieren konnte und die Kraft nur mehr reicht das Rüstwerk abzustreifen und sein Bett zu erreichen… und doch blieb ein schwaches, müdes Lächeln auf den schmalen Lippen Teranyrs zurück als sich dieser letzte, warme Gedanke daran machte seinen Geist in den Schlaf zu wiegen…
„Auch das, habe ich geschafft“
Des Fischersjungen Schwert und Schild
-
Teranyr Heltis
Ein Gebet verfassen… das ist die Aufgabe die ihm obliegt, doch wie stellt man dies am besten an? Ein Gebet zu sprechen, zu fühlen.. dies ist wohl ein nahezu leichtes. Oft schon spricht man ein leises Gebet vor sich hin und es kreist einem nur durch den Kopf in den Situationen der Gefahr, der Trauer oder einfach nur weil einem etwas wichtig ist, man dankt, man auf etwas hofft. Doch wenn man die Aufgabe hat, sich eines auszudenken, einem Gedichte oder Schriftspruch gleich, so sollte es doch etwas Besonderes sein, nicht an einen bestimmten Umstand gebunden und doch nicht völlig frei von Intention sein. Letzterer Fall würde es wohl leer machen, austauschbar. Bei den Andern ergäbe es keinen Sinn sich nun Gedanken darüber zu machen, da es einem viel von allein entgegen kommt, von den eigenen Gefühlen getragen entsteht. Nein, dieses Gebet sollte ein Schritt auf seinem Weg sein und diesen Weg wohl als Inhalt haben.
Teranyr lehnt sich in seinem Stuhl zurück und ignoriert das beinahe bedrohliche Ächzen des Holzes unter ihm. Seine Finger liegen noch immer etwas grob und ungelenk um die inzwischen getrocknete Feder in seiner Rechten doch das Pergament vor ihm ist leer.
Gedanken sollten es sein, die sich um ihn, seinen Weg, seine Ziele und auch seinen Wert für die Menschen und das Reich drehen. Wäre es also nicht angemessen, für eben diese Menschen zu beten? Sich selbst zurück zu nehmen, und für das Wohl der Anderen und die Stärke des Reiches und Gesundheit des Königs zu beten? Vielleicht, doch dieser Gedanke liegt ihm nicht sehr nahe. Ein anderer revoltiert immer wieder in seinem Kopfe, welcher doch ab und an wieder mehr Sinn zu erhalten scheint. Warum nicht für sich, die eigene Stärke und Urteilskraft beten… wenn er selbst gesegnet und gestärkt ist, hat er wohl selbst die größte Macht um eben dies zu erreichen, was er sich in seinem ursprünglichen Gebet nur wünschen würde. Der erste Schritt beginnt also bei einem selbst…
Temora, Schwertherrin des Lichten Pantheons
Tugenbringerin und Göttin der Ehre
Schenke mir die Kraft…
Nein… es wirkt eher wie eine Lobpreisende Bittschrift. Man könnte dies für das Gardemaß eines Gebets halten, doch es fühlt sich nicht tiefgehend genug an. Es zeigt von Schwäche sich auf eine Bitte zu verlassen und ohne diese nicht stärker geworden zu sein. Das gebet sollte schon in seinem Wortlaut, den Gedanken die es begleitet, den eigenen Geist schärfen und stärken. Zeigen, welche Dinge wahrlich erstrebenswert sind. Es ist nicht der Sinn sich zu wünschen, von einem Schiff bequem auf den eigenen Wegen getragen zu werden bis man es verlässt, das Ufer betritt und eben dieses Ziel erreichte. Man ist damit nicht vorangekommen, nein… eher sind die Beine von der langen Fahrt müde und der Geist von der Rast erschlafft. Man hat eine weite Strecke zurückgelegt, doch bewegt hat man sich nicht.
Dieser Fortschritt, dieser Erfolg kann nur denjenigen ereilen, der jeden Schritt einzeln zu gehen vermag, der es wagt und es zu schätzen weiß. Die Aussicht von dem Gipfel, den man mit Schweiß und Blut bestiegen hat, ist meist viel schöner anzusehen und stolzer vermag man von ihr zu berichten, als wenn man sich dorthin tragen ließ.
Ein Gebet also, dass den Weg als Ziel hat, nicht tragen soll sondern die Schritte stärkt, die Wege nicht ebnet sondern nur vorweist und festigt, die Augen nicht lenkt sondern nur die Sicht erhellt, die Klinge nicht führt sondern nur den wahren Feind erkennen lässt.
Langsam senkt er den Blick wieder, die Augen halb geschlossen beginnt sich schließlich die Hand zu bewegen und die Feder über das Papier zu führen. Erst kratzt sie farb- und erfolglos darüber, doch wird sie schnell mit Tusche befeuchtet und langsam bilden sich die Worte darauf ab…
Lass mich dein Diener sein
ein Leib, stark und tapfer
getragen von Schwingen
glänzend und schillernd
doch niemals blendend oder hell
weit genug, um Schutz zu sein
nie zu breit, um zu verdrängen
Lass mich dein Diener sein,
mit dem Schilde in der Einen
behütend, gezeichnet, stolz
und dem Schwert in der Anderen
geschärft, gerecht und stark.
Die Hände sowohl als Faust,
als auch als offenes Geschenk
Tiefe im Blick, doch auch Distanz
Die Geistlichkeit nie aus dem Blick.
Gehüllt in Rüstwerk
Geschmiedet aus Gesetz
Gekleidet in Kleidern
Geschneidert aus Gewissen
Auf dass ich mich selbst niemals verliere
Und doch stets genug zu geben vermag.
Teranyr lehnt sich in seinem Stuhl zurück und ignoriert das beinahe bedrohliche Ächzen des Holzes unter ihm. Seine Finger liegen noch immer etwas grob und ungelenk um die inzwischen getrocknete Feder in seiner Rechten doch das Pergament vor ihm ist leer.
Gedanken sollten es sein, die sich um ihn, seinen Weg, seine Ziele und auch seinen Wert für die Menschen und das Reich drehen. Wäre es also nicht angemessen, für eben diese Menschen zu beten? Sich selbst zurück zu nehmen, und für das Wohl der Anderen und die Stärke des Reiches und Gesundheit des Königs zu beten? Vielleicht, doch dieser Gedanke liegt ihm nicht sehr nahe. Ein anderer revoltiert immer wieder in seinem Kopfe, welcher doch ab und an wieder mehr Sinn zu erhalten scheint. Warum nicht für sich, die eigene Stärke und Urteilskraft beten… wenn er selbst gesegnet und gestärkt ist, hat er wohl selbst die größte Macht um eben dies zu erreichen, was er sich in seinem ursprünglichen Gebet nur wünschen würde. Der erste Schritt beginnt also bei einem selbst…
Temora, Schwertherrin des Lichten Pantheons
Tugenbringerin und Göttin der Ehre
Schenke mir die Kraft…
Nein… es wirkt eher wie eine Lobpreisende Bittschrift. Man könnte dies für das Gardemaß eines Gebets halten, doch es fühlt sich nicht tiefgehend genug an. Es zeigt von Schwäche sich auf eine Bitte zu verlassen und ohne diese nicht stärker geworden zu sein. Das gebet sollte schon in seinem Wortlaut, den Gedanken die es begleitet, den eigenen Geist schärfen und stärken. Zeigen, welche Dinge wahrlich erstrebenswert sind. Es ist nicht der Sinn sich zu wünschen, von einem Schiff bequem auf den eigenen Wegen getragen zu werden bis man es verlässt, das Ufer betritt und eben dieses Ziel erreichte. Man ist damit nicht vorangekommen, nein… eher sind die Beine von der langen Fahrt müde und der Geist von der Rast erschlafft. Man hat eine weite Strecke zurückgelegt, doch bewegt hat man sich nicht.
Dieser Fortschritt, dieser Erfolg kann nur denjenigen ereilen, der jeden Schritt einzeln zu gehen vermag, der es wagt und es zu schätzen weiß. Die Aussicht von dem Gipfel, den man mit Schweiß und Blut bestiegen hat, ist meist viel schöner anzusehen und stolzer vermag man von ihr zu berichten, als wenn man sich dorthin tragen ließ.
Ein Gebet also, dass den Weg als Ziel hat, nicht tragen soll sondern die Schritte stärkt, die Wege nicht ebnet sondern nur vorweist und festigt, die Augen nicht lenkt sondern nur die Sicht erhellt, die Klinge nicht führt sondern nur den wahren Feind erkennen lässt.
Langsam senkt er den Blick wieder, die Augen halb geschlossen beginnt sich schließlich die Hand zu bewegen und die Feder über das Papier zu führen. Erst kratzt sie farb- und erfolglos darüber, doch wird sie schnell mit Tusche befeuchtet und langsam bilden sich die Worte darauf ab…
Lass mich dein Diener sein
ein Leib, stark und tapfer
getragen von Schwingen
glänzend und schillernd
doch niemals blendend oder hell
weit genug, um Schutz zu sein
nie zu breit, um zu verdrängen
Lass mich dein Diener sein,
mit dem Schilde in der Einen
behütend, gezeichnet, stolz
und dem Schwert in der Anderen
geschärft, gerecht und stark.
Die Hände sowohl als Faust,
als auch als offenes Geschenk
Tiefe im Blick, doch auch Distanz
Die Geistlichkeit nie aus dem Blick.
Gehüllt in Rüstwerk
Geschmiedet aus Gesetz
Gekleidet in Kleidern
Geschneidert aus Gewissen
Auf dass ich mich selbst niemals verliere
Und doch stets genug zu geben vermag.