Wenn der Mond am höchsten steht...

Überregionale Themen, Gerüchte und Bekanntes, das im Spiel frei aufgegriffen werden darf.
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Der Erzähler

Wenn der Mond am höchsten steht...

Beitrag von Der Erzähler »

Die ersten kühlen Nebelschwaden durchzogen das Unterholz, als Alverus seinen routinierten Ausflug durch die nahen Wälder Varunas machte. Die Luft umschloss ihn mit einer Frische, wie er sie erst seit kurzem spürte und kündigte die baldigen Herbsttage an.
„Bald werden die Bären wieder aggressiver.“, schoss es ihm durch den Kopf. Das Fluchtwild würde bald zu kleineren Gruppen werden, die ersten alten Tiere sterben und die derzeit jungen Spunde frühzeitig durch ihren Leichtsinn zu Futter werden. Ja, man müsste im Herbst und Winter wieder darauf achten, dass die Viecher nicht zu nahe an den Wegrand kommen würden, so ausgehungert, wie ein Bär schon sein könnte.

Kurz huschte ein Schmunzeln über Alverus Züge, als er daran dachte, wie er das Stadttor verlassen hatten. Die Wachen hatten ihn angesehen, als würde er eine Greueltat begehen. Irgendwas von Wölfen hatten sie gestammelt. Der erfahrene Jäger kannte sich im Wald aus, wusste, dass man einem Rudel Wölfe aus dem Weg gehen sollte, wenn sie hungrig waren. Aber hier hatten sie doch noch genug, die Wildbestände waren in Ordnung und keiner musste um Hungerneid beim anderen fürchten. Ein leises Lachen, ein Kopfschütteln erkeimte bei ihm, sich den Weg weiterbahnend. Er mochte diese morgendliche Ruhe, die Stille, in der er weder klingende Äxte von Handwerkern, noch das Knacken von Ästen durch andere Personen hören musste. Doch irgendwas war anders als sonst. Kaum den Gedanken aufgefangen, glitt sein Blick neben sich. Einige Äste waren zur Seite geknickt, die Büsche zum Teil zertrampelt. Ein schmaler Weg war so eingeschlagen worden. Er konnte sich nicht erklären, welche Tier so unvorsichtig seinen Weg sich suchen würde, als sein Blick auf die Blutspur fiel.
Ein Verletzter?
Rasch folgte nun ein Schritt nach dem anderen, den Bogen dabei abschulternd. Geradezu akribisch nahm der Blick die Umgebung auf, als er der Spur folgte; die Ohren gespitzt, als würden sie jederzeit ein Geräusch aufnehmen können. Nach einigen Metern dann die Erkenntnis: Ein Bär. Im Stand hätte er ihn sicher übertrumpft, doch jener war nur noch eine Mischung aus zerrissenem Fell und abgerissenen Fleischstücken. „Bei den Göttern, wer..?“, außerstande, die Frage zu vollenden, glitt Alverus Blick weiter, erkannte eine weitere Schneise und folgte jener.

Es war bereits früher Mittag, als der Jägersmann aus dem Wald wieder schritt. Die Miene besorgt, ungewohnt starr für den sonst so lebenslustigen Mann. Mindestens ein Dutzend Rehe hatte er ausmachen können, sowie noch einen weiteren Bären. Nein, gewöhnliche Tiere hatten kaum solchen Hunger und würden auch die Hälfte nicht so liegen lassen. Auf jeden Fall lief da draussen etwas, dass nicht nur aus der Not des Hungers heraus jagte.
Er würde sich noch einmal in der Stadt umhören...oder....wie war das nochmal mit den Wachen und ihren Gesichtern? Er würde es herausfinden, ganz sicher.

[Bei Informationsbedarf - Seer Aegir]
Zuletzt geändert von Der Erzähler am Sonntag 24. August 2008, 00:32, insgesamt 1-mal geändert.
Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Tavernengeschichten

Wie so oft suchte man des Abends zu einem erholsamen Plausch, einem oder auch zweien Bieren die Taverne auf. Wie so oft hatte der Wirt in Bajard mehr zu tun als ihm eigentlich lieb war; die Tische waren besetzt, die Menschen alberen und redeten durch den Raum hindurch. Ein wunderbares Wirrwarr an Stimmen, an Gezeche und Gelächter. Ja, auch heute würde man wieder ordentlich Umsatz machen und bis spät in der Nacht noch ein ordentliches Trinkgeld machen. Es war wie eh und je...

Auch als die Türe aufging, machte sich noch keiner Gedanken und das Gelächter erschallte wie stets, wenn der dicke Egon wieder einmal zu seinen Fabeln und irren Geschichten überging. Der alte Mann zwirbelte seinen Bart in gemütlicher Art und Weise, ein kurzer Wink gen des überforderten Schankmädchens und mit seiner brummigen Stimme rief er zu ihr: „Mädsche, reich dem alten Egon doch noch ein Bierschchen! Damit er in Erzähllaune kommt!“

„Oh, dann scheint mir, dass man mich heute gar nicht benötigt!“
, kam es keck aus Richtung der Türe und erst jetzt fiel der ein oder andere Blick gen jener. Ein junger, schlaksiger Kerl stand dort, mit einem frechen Grinsen und strohgelben Haar, das strähnchenweise unter der Kappe hervorlugte. Die bunten Kleider, die vielen Beutel an seinem Gürtel und die Laute, die um seine Schulter hing, verrieten sofort, dass er zum fahrenden Volke gehört.

„Ohooo...Egon...Konkurrenz!“ meinte Antonia, die Schankmaid, während sie ihm den Krug hinstellte und mit einem Zwinkern im Auge wieder gen Theke sich wendete.

„Ach was, das Bürschchen weiß sicher nichts von den Wiesen und Wäldern Gerimors. Wer hat euch von den unheimlichen Geräuschen berichtet? Wer euch von Dieben und Gesinde? Das war ja wohl ich! Euer Egon!“

„Erzählt? Ha! Erzählen kann jeder...aber faszinieren Väterchen! Das ist es...!“
Mit wenigen Schritten war der junge Kerl in die Mitte des Raumes und auf einen der Tische gesprungen, um sich zum sofortigen Mittelpunkt zu machen. Wie gewonnen, so zerronnen. Egon hatte sein Bier...doch die Aufmerksamkeit schwappte sofort zu dem Musikus und eine ungewöhnliche Ruhe trat in die sonst lärmende Taverne ein, als der Knabe zu erzählen begann:
„Von Wiesen und Wäldern habt ihr gehört? Von Dieben und Räubern? Armer Bauer, armer Knecht! Hoo...“
Ein kurzes Zurückweichen des Jünglings, ein freches Zwinkern in die Runde, als er schon zur Laute griff, um sie rasch in die Hände zu nehmen und eine fidele Musik anschlug, um einem ersten Angriff eines trunkenen, wohl eher leicht zu reizenden Bauerns zu entwischen.
„Lasst mich euch von den wirklichen Gefahren erzählen....von Bestien und Tieren, die eure Kinder rauben und euch die Felder leeren!“

Allgemeines Gelächter kommentierte seine Worte, nicht sie ernst nehmend, als die Gemütlichkeit wieder die Stube erreichte, und ein leichtes Raunen der Taverne ihr Ambiente gab. Der Jüngling jedoch begann zu pfeifen, das Lautenspiel wurde erquikender und rascher, ehe das Spiel begleitet wurde von den Worten:

Wenn der weiße Mond aufgeht,
wenn die Sonne bald verweht,
dann sitzt er da auf Fels und Stein,
heult an den Mond, ihn allein..
Das Maul so groß mit Zähnen scharf,
kann beißen jedes Kind...oder doch Schaf?
Heult laut dem Mond sein Lied,
wo man einen der großen Wölfe nur sieht?

Geh hinaus in dunkler Nacht,
mit Feuerschein, der sichren Wacht!

Und wenn der Mond dazu noch scheint,
ist er hinter dir, dein Feind.
Verfolgt dich nun auf Schritt und Tritt,
will dich grausam nehmen mit!
Doch wenn der Morgen langsam naht,
geht sie zu End´, die erbarmungslose Jagd.

Sind sie nun zärtlich oder rauh?
Niemand weiß es ganz genau.
Fasziniert und doch erschreckt,
wird man aus Träumen schnell geweckt.
Durch die geheimnisvollen Augen wie Kristall, so blau,
so frisch und kühl wie Morgentau,
blickt man in des Wolfes Seel´,
entscheidet, welchen Weg man wähl´.


Ein Schmunzeln, ein Raunen ging durch den Raum, als der Jüngling die Gunst der Stunde nutzt, den Klang seiner Laute ausklingen ließ und warnend durch den Raum hinein meinte:

„Dort, wo ich herkomm, da laufen sie in Riesenrudeln umher! Kein Schaf, kein Mensch kann sicher sein bei Nacht! Hütet euch, Bauern und Knechte Gerimors! Achtet die Dunkelheit und die Schrecken der Nacht!“

„Ach was....! Jüngling, Narr du! Einem erfahrenen Mann kann sowas nicht passieren! Der kennt sich aus in seiner Gegend!“

„Das dachten die Menschen in Sturzenstein auch, bis selbst die Dorfältesten nimmermehr aus dem Wald kamen...die Nacht ist nicht für den Menschen gemacht!“

Die Kerle lachten und winkten ab, den Jüngling nun nicht mehr achtend. Allein der Wirt und die Schankmaid schluckten und warfen sich eindeutige Blicke zu.
An diesem Abend musste der Spieler ohne Lohn die Taverne verlassen und manch einer ging nicht nur mit genügend Alkohol die Taverne, sondern auch mit einem leicht flauen Gefühl.

Aber es ist sicher nichts dran an diesem Ammenmärchen....oder doch?
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