[BEW Quest] Schatten von Lameriast - Teil Zwei

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Shessidyr Shartir
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[BEW Quest] Schatten von Lameriast - Teil Zwei

Beitrag von Shessidyr Shartir »

Leises kritzeln und kratzen einer Feder auf Papier war noch zu später Stunde aus dem Keller der Burg Eisenwart für gute Ohren zu vernehmen, als sich dort ein Stück gepresster Rinde mit immer mehr Informationen in dunkelroter Schrift füllte.

Noch bis in die frühen Morgenstunden ging dieses so weiter, bis endlich wieder Ruhe einkehrte und eine Kerze ausgeblasen wurde, was der Dunkelheit wieder ihr eingefordertes Recht zurückgab.

Schon kurz darauf waren langsame Schritte mit dem charakteristischen Klang von harten Absätzen zu hören, welche sich ihren Weg durch die Burg suchten, Treppen erklommen und schliesslich ihr Ziel hinter den hohen Zinnen des Fürstenturmes fanden.

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Die Sonne ging gerade auf und der Horizont war unter dem tiefen nachtblau in ein unwirkliches orange-violettes Licht mit schwarzen Streifen getaucht. Sie wusste schon, weshalb Fürst Deslon diesen Ort aufsuchte, wenn er nachdenken oder alleine sein wollte. Er war der höchste Punkt der gesamten Burg Eisenwart und lag direkt neben dem Allerheiligsten.

Wenn der kalte Wind Lameriasts wehte, hatte man manchmal das Gefühl, er würde einem Geschichten aus allen Zeiten geflüstert zukommen lassen. Und der Ausblick über den Myriadenwald - Shessidyr nannte den Wald um die Eisenwart so - tat sein übriges dazu, dass ein erhabenes Gefühl der Unendlichkeit nicht lange auf sich warten liess.

Jedoch riss sie der Anblick eines dösenden Wachmannes auf den Zinnen des ersten Verteidigungswalles sofort aus dieser frühmorgendlichen Traumwelt. Es war ein Unding, dass sie, der Wille des Burgherren, tagelang wach bleibt um die Wünsche und Gebote des Fürsten penibelst genau zu erfüllen während andere bei einer simplen Aufgabe wie "herumstehen und schauen" scheitern.

Die krallenbewehrte linke Hand wanderte langsam zu dem schweren ledernen Gürtel, an dem eine feine, aber stabile Kette aus Hexenstahl hing. Lediglich der Zeigefinger sah halbwegs normal aus, da er einen recht spitzen, aber doch fein geschnittenen Fingernagel besass. Dieser suchte sich instinktiv, fast schon leidenschaftlich, seinen Weg die Kette hinab, bis die Krallenhand an ihrem Ziel angelangt war: Einer kleinen, leichten Armbrust aus hellem Zypressenholz auf deren Seite das Handwerkersiegel der Eisenwart eingebrannt war.

Weiterhin wurde der dösende Wachmann von silbergrauen funkelnden Augen beobachtet wobei sich zeitgleich die linke Hand hob, die an der klimpernden Kette hängende Armbrust haltend.

Es fühlte sich immer wieder gut an, dieses kleine, leise Mordwerkzeug mit todbringender Fracht zu beladen. Besonders, wenn das Ziel sich nichtmal bewegte.

*klack*

Sofort wurde der Wachmann fixiert und würde jemand diese Szene beobachten, würde er eher an eine Raubkatze erinnert werden, die geduldig einer Maus auflauert, denn an zwei Menschen, die unter dem selben Banner streiten. Und nur ein leises klicken später segelte bereits ein Bolzen in Richtung des Dösenden und traf ihn. Irgendwo.

Lautes Fluchen drang an Shessidyrs Ohren und auf den monoton ruhenden Lippen bildete sich für wenige Sekunden ein amüsiertes Lächeln. Vielleicht ist der Bolzen ja nicht einmal durch die Panzerung gedrungen sondern hat nur eine Prellung durch den wuchtigen Aufschlag ausgelöst, was nicht minder schmerzhaft sein sollte.

Jedenfalls war die Welt der Dienerin des Fürsten nun kurzzeitig wieder in Ordnung und auf das leise klimpern der herabsinkenden Armbrust folge nur konzentrationsschwangere Stille.

Hatte sie alles richtig gemacht? Hatte sie den Rahaler Gefangenen alles gefragt, was sie wissen wollte?

Er war ein seltsamer Bursche. Kräftige, schwarze Haare rahmten ein recht adrett aussehendes Gesicht ein, welches von kristallblauen Augen dominiert wurde, welche beizeiten in einem hübschen Lavendelton schimmerten.

Jedoch war der Wahnsinn anscheinend kein seltener Gast im Geiste dieses jungen Mannes. Sie hatte ihn zu oft beobachtet, ohne dass er es vermutlich registriert hatte und dabei festgestellt, dass er zwischen subtiler Intelligenz und blankem Wahnsinn tendierte. Eine gefährliche Mischung - manchmal taten ihr seine Vorgesetzten fast schon leid. Doch es war Krieg... es gab nichts, was es zu bedauern gäbe.

Synessia und Aventius hatten alles richtig gemacht, auch wenn Aventius noch ihren Zorn spüren wird, dass dieser Leichtsinnsknabe ihren Namen so leichtfertig aussprach, wo sie zuvor strengste Diskretion wahrte. Sie hatte sich schon etwas nettes für ihn ausgedacht...

Erneut wurde ein sehnsüchtiger Blick über den Myriadenwald geworfen und Shessidyr musste ihre Augen zusammenkneifen, da die Sonne in der Zwischenzeit schon über den Orknerbergen aufgegangen war und die Welt in ein schummerig wirkendes Licht tauchte.

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Nur wenige Augenblicke später fand die zusammengerollte kürzlich geschriebene Liste wieder ihren Weg vor ihre Augen und wurde einem kritischen Blick unterworfen.


"Der Name des Hauptmannes... Gerard de Fouquet
sein Name... Neran Armgo
Mannschaftsstärke... suchen dringend Rekruten
Stadtviertel... drei
sein Leben... interessant
der Templer... Vicarius Anastra
Ausbildungswege... aufgeschrieben..."


Mit einem zufriedenen Nicken wurde die Liste wieder zusammengerollt und zurück in die Gürteltasche gestopft.

Schon bald würde es losgehen. Der Meister würde bald Ergebnisse sehen wollen - und sie würde sie ihm bringen.

Rahal... die Heilige Stadt des All-Einen. Bald würde sie Vater Klaues Präsenz selbst spüren - und damit all die Verblendeten, die einem falschen Weg folgen.

Der Meister ist Alatars wahrer Weg. Und sie würden das noch alle lernen...

Der Gefangene Neran Armgo sollte mittlerweile wieder in Rahal sein. Die schweren Fesseln, das lähmende Schüttelkrampf-Gift und die schweren Blessuren der Befragungen sollten jedoch noch immer ihr übriges tun, dass der Name der Eisenwart nicht von Unwissenheit und Dummheit in den Schmutz gezogen wird.

Sie war sich nicht sicher, ob er sein Wort halten würde, doch war es ihr auch egal... Rahal würde so oder so bald erfahren, was Sache ist.

[img]http://tn1-4.pv.deviantart.com/fs26/150/f/2008/040/d/c/_evil_smile__by_nojemi.jpg[/img]
When I hurt you - you take it and you like it!
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