War es eigentlich irgendwie ihr Schicksal dass sie nun das zweite mal von Wänden umgeben war und vor ihr ein Gitter war, um es kurz zu fassen; sie in einem Gefängnis saß? Nicht dass sie sich beschweren wollte, sie hatte etwas frische wenn auch modisch sehr fragwürdige Klamotten bekommen und eine Pritsche gab es hier auch, aber irgendwie zog sie es doch vor frei zu sein und nicht hinter Gittern zu sitzen, vor allem nicht wenn sie dieses eine mal wirklich nichts getan hatte … jedenfalls nicht so ganz direkt.
Die Tatsache nun für eine ganze Bande von Männern und Frauen zu kochen stellte sie vor einige kleine Herausforderungen. Bisher hatte sie zwar immer mal für zwei, drei Personen gekocht, auch mal für Adlige Landsleute, aber nie für einen Trupp der so bunt zusammengewürfelt war wie Kimroths Männer. Der eine wollte immer ein Bier, der andere hatte jene Vorliebe, die andere wiederum dieses, natürlich gab es selten Streitereien was das Essen anging, aber schon der Fakt dass sie für soviele Leute zu kochen hatte zwang sie in anderen Dimensionen zu denken. Da wurde aus einem Huhn, das gut und gerne drei Personen ernähren konnte für ein mahl, glatt zwei und auch die Essensvorräte die ihnen der Graf damals großzügig zur Verfügung gestellt hatte gingen langsam zur Neige, ja, sie musste wirklich umdenken.
Der erste Schritt in diesem Umdenken bestand darin zu überlegen, wie man am besten zu neuen Lebensmitteln kam ohne viel Gold auszugeben, denn jenes war knapp und Essen ließ sich nicht einfach so herbeizaubern … nunja nicht ganz. Die Lösung des Problems war recht simpel und hieß; Bauernhof. Es gab im ganzen Land einige Bauernhöfe und zu späterer Stunde fiel eine kleine zierliche Gestalt auch nicht weiter auf. Einmal kurz über den Zaun geklettert, zu einem der nahen Hühnerställe und das Vieh gepackt … so sah die Theorie jedenfalls aus. Die Praxis erschwerte sich durch das Einbringen von einigen schlammigen Pfützen, aufgeweicht durch den Regen, den rumgackern und panischen Gerenne von Hühnern und letztendlich auch die Tatsache dass Letzteres die Besitzer des Hofes weckte und Kaelynn zeigen durfte wie schnell sie eigentlich rennen konnte … aber geschnappt war geschnappt und sie hatte zwei Säcke über die Schulter geworfen die nun protestierend zappelten.
Eigentlich hätte ihr Weg heim führen müssen, die Tiere dort irgendwo unterbringen und am nächsten Morgen würden sie dann geschlachtet werden, andererseits war da aber noch Varuna nicht allzu weit entfernt und einige Kräuter und Gewürze fehlten ihr noch für ein anständiges Mahl, wieso dann also nicht kurz einen Abstecher wagen? Varuna war ja so oder so eine schöne Stadt und selbst zu so später Stund konnte man in der Taverne noch die gewünschten Kochutensillien kriegen. Vielelicht wäre dies alles angenehm schnell ausgegangen aber sie hatte ja auf die Frau Darna treffen müssen. Jene Frau die vor einigen Wochen noch die Geisel von Kimroths Bande war, eine recht haarsträubende Sache in die Kaelynn, die erst am vorletzten Tag dieser Entführung zur Bande stieß, schon recht gut verwickelt war. Trotz dem sie Darna nur zwei Tage dort gekannt hatte, hatte sie sich immer etwas Sorgen um sie gemacht, sie hatte damals kaum gegessen, und danach hatte Kaelynn ihr sogar noch etwas zu essen zugeschickt, und auch wenn in ihr eine kleine Stimme, die sie gerne vernünftiges Denken nannte, anfing lauter zu werden konnte sie nicht drum herum kommen Frau Darna zu fragen wie es ihr denn ginge.
Das Ende vom Lied sah so aus dass Darna wohl eines wusste; Kaely war eine der Entführer und entsprechend grob wurde sie plötzlich in eine Zelle verfrachtet in welcher sie nun saß. Das hatte sie also nun davon dass sie die ganze Zeit über so nett gewesen war zu Darna, aber wirklich böse konnte sie ihr auch nicht sein, sie war an dem Abend schließlich sehr zugeschnürt gewesen. Als ob das alles nicht genug gewesen wäre, trug die junge Köchin an diesem Abend scheinbar noch Mitschuld daran dass Darna sich wenigstens an ihr erstes Zusammentreffen erinnerte und Kaelynn hatte das Gefühl dass es ihr danach noch schlechter ging als zuvor … alles andere als schöne Gedanken wenn man weiß dass es jemanden mies geht wenn er sich an einen erinnert.
Nun saß sie da, alleine, ab und an sah eine Wache nach ihr und sie wünschte sich irgendwie ihre Pfeife herbei. Sie hatte zwar kein Verlangen nach dem Kraut aber wenn sie alleine war zog sie es vor sich etwas zu beruhigen oder mit jemanden zu sprechen, und die Wache war nicht sonderlich gesprächig ihr gegenüber. Und so blieb ihr nichts anderes übrig als ins Leere zu starren, sich Sorgen darum zu machen ob die Frau Darna heute wenigstens etwas essen würde und was Kim wohl tun würde wenn Morgen kein Essen auf dem Tisch stehen würde … irgendwie schien die Welt ohne sie plötzlich sehr aus den Fugen zu geraten …